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Glimmer - Save me before I fall

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Het
Cato Glimmer Marvel
23.04.2013
18.06.2022
19
72.857
5
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Dieses Kapitel
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04.06.2021 810
 
– Ein Jahr vor den 74. Hungerspielen –
Es herrscht reges Treiben auf dem großen Platz vor dem Rathaus von Distrikt 1. Die Sonne scheint und bringt die bunten Fassaden der Geschäfte zum Leuchten. Blumenkästen zieren Fensterbänke und Ladenbesitzer bringen ihre Schaufenster auf Vordermann. Schnellen Schrittes schlängele ich mich durch die Menge, ich bin schon spät dran.

„Ich habe noch so viel zu tun“, höre ich eine Stimme durch die Geräuschkulisse hindurch, „wir müssen noch den großen Konferenzraum für die Sieger vorbereiten und die Häppchen für die Gäste aus dem Kapitol…“ Die Stimme wird immer leiser und verschwindet dann vollständig.

Es sind noch drei Tage bis zur Ernte für die 73. Hungerspiele und der ganze Distrikt freut sich, als gäbe es keinen schöneren Tag im Jahr – vielleicht abgesehen von dem Tag, an dem einer der Tribute als Sieger hierher zurückkehrt. Alles wird herausgeputzt, jeder will sich von seiner besten Seite zeigen. Man möchte dem Kapitol beweisen, dass man nicht ohne Grund so sehr bevorzugt wird.

Ich winde mich an einem Mann auf einer Leiter vorbei, der schimmernde Girlanden an den Straßenlaternen befestigt. Ein Blick auf die Uhr am Rathaus verrät mir, dass ich noch zwei Minuten habe, um pünktlich beim vorletzten Training vor der Ernte anzukommen. Ich beschleunige meine Schritte, als ich um die Ecke biege. Das Trainingscenter am Ende der langen Straße ist aufgrund seiner massiven Größe schon von weitem zu sehen. Schwarz und bedrohlich ragt es über die fröhlichen, hellen Häuser der reicheren Viertel von Distrikt 1 hinaus. Die letzten 200 Meter muss ich rennen.

Als sich die Glastüren für mich öffnen, stürze ich blindlings ins Gebäude und stoße mit einer großen Gestalt zusammen, die mich aber sogleich auffängt. Ich schaue in ein Paar, mir nur allzu bekannte, graue Augen. Er hat auf mich gewartet, obwohl er schon pünktlich in der Halle hätte stehen können. „Marvel“, sage ich atemlos. „Glimmer. Du bist schon wieder zu spät.“ „Ich weiß.“ Er rollt lachend mit den Augen, nimmt meine Hand und zieht mich zu den Spinden. Während ich meine Straßenschuhe gegen das Paar für‘s Training austausche, öffnet Marvel meinen Spind mit einer geschickten Handbewegung und verstaut meinen Rucksack.

Schnell bin ich auf den Beinen und wir joggen in die große Halle. „Glimmer Goldbright und Marvel Silverton. Ihr seid zu spät. Zehn Runden.“ Unsere Trainerin Ruby nickt in Richtung des Hindernisparcours und ohne Anstalten zu machen, treten wir unsere Strafe an. Marvel geht voran, ich bin ihm direkt auf den Fersen.

Seit wir klein sind, gehen Marvel und ich gemeinsam durch‘s Leben. Es vergeht kein Tag, an dem wir uns nicht sehen. Und wenn der Eine Ärger bekommt, ist der Andere nicht weit, um das gemeinsam mit ihm auszubaden. Wir sind ein gutes Team.

Aus den Hungerspielen machen wir uns beide nicht viel. In Distrikt 1 finden sich fast in jedem Jahr Freiwillige und als Kinder reicher Familien, befinden sich unsere Namen auch nur fünf beziehungsweise in Marvels Fall sechs Mal in der großen Glaskugel in diesem Jahr. Freiwillig würde sich keiner von uns beiden jemals melden. Warum auch? Trotzdem müssen wir beim Training alles geben, denn mangelnde Disziplin und fehlender Ehrgeiz werden hier nur sehr ungern gesehen. Auch von Marvels Vater, der sehr enttäuscht sein wird, wenn Marvel sich nicht spätestens im nächsten Jahr bei seiner letzten Ernte freiwillig meldet.

Als wir die Strafrunden hinter uns gebracht haben, wenden wir uns unserem normalen Trainingsablauf zu. Ich feile an meinem Umgang mit Pfeil und Bogen und Marvel widmet sich dem Speerwerfen. Ich habe noch Übung nötig, Marvel hingegen ist der geborene Speerwerfer. Er könnte die Spiele definitiv gewinnen, wenn er wollte. Aber ich bin unglaublich dankbar, dass er kein Interesse daran hat.

Zum Abschluss des Trainings stehen Partner-Übungen auf dem Plan und Marvel ist sofort an meiner Seite. Schwert- und Nahkampf gegen einen Jungen, der 15cm größer ist als ich, sind nicht die angenehmste Trainingseinheit, denn ich bin ihm maßlos unterlegen.

Nass geschwitzt und außer Atem beschwere ich mich: „Du kannst doch zumindest so tun, als hätte ich eine Chance gegen dich.“ Er lacht, als er sich das Gesicht mit einem Handtuch abwischt. „In den Spielen gibt dir keiner einen Vorsprung.“ Seine Stimme wird zu einem Flüstern: „Aber zum Glück muss uns das nicht interessieren.“ Ich boxe ihm grinsend gegen den Oberarm und wir machen uns gemeinsam auf den Weg zu den Umkleiden.

Auf dem Rückweg nach Hause, schlendern Marvel und ich über den großen Platz und kaufen uns ein paar Snacks für die Strecke. Verdammt, ich bin so glücklich. Ein Leben in Distrikt 1 ohne in die Hungerspiele zu müssen, ist wirklich nicht zu verachten. Vor allem nicht, wenn man einen besten Freund wie Marvel und eine Familie wie meinen Dad und meinen Bruder Toby hat.

Doch das Leben kann sich schneller ändern, als man denkt. Manchmal braucht es nur einige Wochen und nichts ist mehr wie zuvor…
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