Hören

KurzgeschichteDrama, Poesie / P12
22.04.2013
22.04.2013
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Titel: Hören
Autor: FullmoonShadow
Mail: FullmoonShadow@gmx.de
Genre: Poesie, Kurzgeschichte, Philosophie
Kapitelanzahl: One-Shot
Status: abgeschlossen


Hören

Was macht diese Stimme mit mir?
Seit vielen Wochen höre ich ihm nun schon zu und jedes Mal überkommt mich dabei eine innere Unruhe – besser kann ich es nicht beschreiben.
Es ist dieses tiefe und kratzige, was manchmal aber auch so hoch und weich ist. Es ist nicht dunkel, nicht rauchig. Nicht so, dass es mir einen Schauer über den Rücken jagt. Nicht das, was ich typischerweise als anziehend oder faszinierend empfinde. Es hat nicht diesen Wow-Effekt. Aber es geht tiefer, als... ja, als alles andere zuvor.
Ich höre ihm nur zu. Wir kennen uns ja nicht einmal. Gut, wir haben uns schon einmal gesehen oder besser gesagt: ich ihn. Er sah nicht mich, sondern jemanden. Eine von vielen, die stehengeblieben  ist, um ihm zuzuhören. Angelockt von seiner Stimme. Angelockt von dieser ganz eigenen Melodie in jeder einzelnen Silbe, die er singt.
Aber jedes Mal, wenn ich ihm zuhöre, dann habe ich das Gefühl, er singt nur für mich. Jetzt, gerade, in diesem Augenblick.
Ich weiß nicht, was es so besonders macht, aber irgendetwas ist da in seiner Stimme, dass ich nicht greifen kann. Etwas ruhiges und doch auf -  regendes. Etwas bekanntes, was doch vollkommen neu ist.
Manche Dinge gefallen mir nicht. Sie sind noch sehr jungenhaft und kindlich. Das hört man. Das höre ich.
Aber dennoch. Selbst diese Dinge, die ich nicht mag, halten mich nicht davon ab, seine Lieder immer und immer wieder zu hören.
Ich bin auf der Suche, ständig, immer, jeden gottverdammten Augenblick. Selbst wenn ich meiner Seele Ruhe gönnen will und der Musik zuhöre.
Jedes Mal schalte ich die Lieder im Random-Mode weiter. Meist sitze ich minutenlang einfach nur da und klicke weiter. Doch dann kommt eines seiner Lieder und ich halte inne.
Halte inne und lausche.
Manchmal denke ich, bei ihm zu finden, wonach ich suche. Auch wenn ich nicht weiß, was das eigentlich ist. Aber vielleicht ist genau dieses Nicht-Greifen-Können, das was ich suche und es ist dieses Gefühl, was er in mir auslöst.
Diese unruhige Ruhe und ruhige Unruhe.