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Inside of Me

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 Slash
Chester Bennington Mike Shinoda
22.04.2013
04.10.2019
10
26.414
 
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Dieses Kapitel
1 Review
 
22.04.2013 2.244
 
Hey:-D (Mir fällt grad keine bessere Begrüßung ein^^)
Ich hoffe den Wenigen, die sich bisher hierfür interessiert haben, hat es gefallen. Es würde mich natürlich sehr freuen, wenn noch mehr Leute mal reinschauen könnten. Aber irgendwie ist das komplette Fandom in letzter Zeit tot, kann das sein?
Aber ist ja auch egal:-D
Vielen Dank an Gina, die mein erstes und bisher einziges Review zu dieser FF dagelassen hat. Für dich ist auch dieses Chapter:-D
Genug drumrum geredet^^ Viel Spaß!

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Es war wirklich eine lange Fahrt.
Ich hatte versucht in Erfahrung zu bringen, wo es hinging, mehr wollte ich mit diesen Personen nicht reden. Ich kannte sie nicht. Sie antworteten nur, dass es noch dauern würde. Es schien, als wären die Cops wegen meinem Wutanfall von mir genervt. Es war verständlich. Ich wäre es an deren Stelle auch gewesen.
Wir passierten recht viele Schilder und nach einer Weile gab ich damit auf, sie zu beobachten um zu erfahren, wo wir hinfuhren. Ich schlief nach gefühlten 3 Stunden ein, da mich meine Aktion von vorhin ziemlich geschlaucht hatte.

Als ich erwachte, fuhr der Streifenwagen über einen sehr ruckeligen Feldweg. Ich sah auf meine Uhr um zu sehen, wie lange ich geschlafen hatte. Es waren nochmal ganze 3 Stunden!
Was lag 6 Stunden von Phoenix entfernt?
Mir fiel nichts ein. Ich hätte in Erdkunde besser aufpassen sollen. Auch der Beifahrer war eingeschlafen. Sein Kopf knallte durch das Ruckeln mehrmals gegen die Fensterscheibe, bis auch er aufwachte.
„Wo sind wir?“
Meine Stimme war etwas heiser. Von Schlaf oder Geschrei? Ich wusste es nicht genau.
„Kalifornien“, war das Einzige, was der Fahrer sagte. Ich stutzte. Doch so weit?
„Noch höchstens 5 Minuten.“
Das war nicht lange. Ich sah mich um, um die Umgebung zu erkunden. Es war also wirklich ein richtiges Camp und keine Klinik. Schön, denn ich mochte die Natur.
Die 5 Minuten waren um und wir erreichten wirklich das Camp. Zumindest laut einem Schild, denn das was vor uns lag, glich eher einem Hochsicherheitsgefängnis. Der Stacheldraht, der überall auf dem Zaun war, machte mir Angst.
Das Auto kam zum Stehen und wir stiegen aus. Es tat wirklich gut mal wieder zu laufen, nachdem man 6 Stunden gesessen hatte.
„Wo sind wir denn jetzt eigentlich in Kalifornien?“, fragte ich, während ich meine Taschen aus dem Kofferraum hiefte.
„In der Nähe von L.A.“, sagte diesmal der Cop, der die ganze Zeit leise gewesen war.

Ich war überrascht, dass es in der Nähe von Los Angeles solche Landschaften gab. Wald, Erdbeerfelder und am Horizont konnte man sogar einen dünnen Streifen in der Sonne glitzerndes Meer erkennen.
Ich bestaunte die Umgebung, bis mich einer meiner Begleiter darauf aufmerksam machte, ihnen zu folgen. Der Boden unter meinen Füßen knirschte und ich war wirklich nervös, als wir vor dem Betonhäuschen zum Stehen kamen.
„Hallo, kann ich ihnen helfen?“
„Wir sind hier, um diesen jungen Mann abzuliefern. Sein Vater hat ihn heute morgen angemeldet.“
Es schien, als wäre der Mann mit Latzhose und Karohemd nicht sehr überrascht davon, dass extra die Polizei mich ablieferte.
„Wie ist denn dein Name, Junge?“
Meine Begleiter sahen mich abwartend an.
„Chester. Chester Bennington.“
„Achso! Ich hab deine Anmeldung hier! 19 Jahre alt aus Phoenix, Arizona. Stimmt das?“
Ich nickte.
„Okay. Du hast Hütte Nr.11. Da du noch keinen Plan von der Einrichtung hast, führe ich dich gleich hin.“
Abermals nickte ich. Dann wandte sich unser Gegnüber an meine Begleiter.
„Ihr könnt euch dann aus dem Staub machen. Ich werde ihn schon kontrollieren können.“
Mit einem Nicken deutete er dabei auf mich - wen auch sonst? Die anderen Zwei nickten ebenfalls.
„Schönen Tag noch.“
Sie drehten sich um und gingen zurück zum Auto, dann hörte ich wie einer der Beiden sagte:
„Immer diese Problemkinder! Ich hab langsam keinen Bock mehr, dass-“
Die Tür wurde zugeschlagen, so dass ich sie nicht mehr hören konnte. Dieser Kommentar versetzte mir einen Stich in die Magengegend. Es war doch keine Absicht und es tat mir leid!
Ich wollte eigentlich nur zurück in mein Zimmer, meine Ruhe haben und ein wenig im Selbstmitleid versinken. Klang blöd, aber das passierte mir öfter.

Bevor ich weiter darüber nachdenken konnte, meldete sich der Mann hinter der Glasscheibe, dessen Namen ich nicht kannte, zu Wort.
„Dann komm mal Jungchen! Ich zeig dir, wo du wohnst. Mein Name ist übrigens Stuart Baker. Ich bin Haus- naja, eher Grundstücksmeister.“
Ich mochte ihn. Er war nett und wusste, wie er mit mir umgehen sollte – nämlich ganz normal! Ich wollte keine Extrawürste!

Als wir durch die Anlage liefen, fiel mir erst einmal auf, wie groß eigentlich alles war. Es standen um die 80 Hütten verteilt auf dem Gelände, abgegrenzt von Jungs und Mädchen – war ja klar. Als ob wir vorhatten, uns wie die Karnickel fortzupflanzen! Typisch Erwachsene, die hatten einfach keine Ahnung.
Die Hütten waren in Straßen aufgestellt, der Weg in der Mitte war zwar nicht geteert, jedoch war es ein relativ festgetretener Schotterweg. In Anbetracht dessen, dass wir nach links gingen, lagen wohl rechts die Mädchenhütten. Ich wollte gar nicht wissen, was das Gelände gekostet hatte und was mein Vater dafür bezahlte, dass ich dort hin durfte.

„Was hast du eigentlich angestellt, dass die Cops dich hergebracht haben?“
Ich seufzte.
„Lange Geschichte und ich möchte eigentlich nicht darüber reden...“
„Ja klar, schon verstanden. Wir sind außerdem jetzt da, hier ist dein Schlüssel!“
Er händigte mir einen Schlüssel mit Anhänger, auf dem dick und fett eine 11 stand, aus und wir gingen zusammen die eine Betonstufe zum Eingang hinauf. Ich schloss auf und war angenehm überrascht. Wenn man die Tür öffnete, kam man direkt in ein Wohnzimmer mit Couch, normalem Tisch und Schreibtisch. Es wirkte jedoch alles recht kalt. Ich stellte meine Taschen ab und ließ auch meinen Begleiter erst einmal stehen, um den Rest der Wohnung zu erkunden. Links ging es ins Badezimmer mit Dusche und Toilette und wenn man an der Couch, die gegenüber von der Tür stand, vorbei ging, kam man ins Schlafzimmer mit Bett, Nachttisch und Wecker. Ich fragte mich wirklich, wie mein Vater das bezahlen wollte. Es war tausendmal mehr, als ich in einer Klapse erwartet hatte.

Als ich das Wohnzimmer erneut betrat, meldete sich Stuart zu Wort, den ich fast vergessen hatte.
„Was ich dir noch sagen soll, Chester: Ein Plan von dem Gelände und alles drum und dran liegt auf deinem Schreibtisch.“
Er zeigte auf die eben genannte Stelle, dann fuhr er fort.
„Du kriegst auch noch einen Privattherapeuten oder auch Betreuer. Grundsätzlich hat jeder, der neu hier reinkommt, erstmal 3 Tage komplett frei. Ihr sollt aber euren Privataufpasser besser kennenlernen, deswegen wird er nachher auch bei dir vorbeischauen. Aber jetzt pack erst mal aus und gewöhne dich ein bisschen an die Umgebung, schau den Ordner durch und vertret dir mal die Beine. Die Anderen hier haben für die nächsten anderthalb Stunden noch Sitzungen, die haben gerade eben erst angefangen. Also ich bin dann mal weg. Viel Spaß!“
Bevor ich antworten konnte, war er auch schon verschwunden.

Ich ging, wie es mir der Grundstücksmeister gesagt hatte, zu meinem Schreibtisch und setzte mich auf den Drehstuhl. Ich sollte also wirklich einen Privatbetreuer bekommen? Ich wusste nicht so recht, was ich davon halten sollte.

Ganz oben lagen die Stundenpläne. Ich hatte Dienstags, Donnerstags und Samstags Therapiesitzungen mit meinem Betreuer, jeweils beginnend um 17:30 Uhr, andauernd bis 19:00 Uhr. Die restlichen Tage waren Sitzungen mit anderen Insassen, außer Sonntags und Mittwochs, da hatte ich Freizeit. Morgens waren wohl größtenteils AG's, für die ich mich anmelden musste und in der Zeit zwischen Mittagessen und AG's hatte ich abwechselnd Freizeit und Gemeinschaftsaufgaben. Es kam mir irgendwie ein wenig so vor, als wäre das der Stundenplan eines Feriencamps – abgesehen von den Therapiestunden.
Ich legte den Stundenplan zur Seite und das nächste Blatt war eine Karte für das Gelände. Das Erste, worauf ich aufmerksam wurde, war ein relativ großer blauer Fleck.
Ein See!

Ich schnappte mir den Ordner und meinen Schlüssel und verließ meine neue Unterkunft. Die Tür rastete automatisch ein.
Draußen angekommen wehte ein warmer Wind und die umliegenden Bäume wogen sich sanft hin und her. In meiner langen Kapuzenjacke war es eigentlich viel zu heiß, jedoch hatte ich gute Gründe, diese anzuziehen.
Ich sah mich um und bemerkte, dass man von der Straße aus die Anmeldung und das Haus des Directors überhaupt nicht sehen konnte. Ich war froh darüber, denn meiner Meinung nach war es – genauso wie der meterhohe Stacheldrahtzaun – ein Schandfleck in dieser wunderschönen Umgebung.

Der Boden staubte etwas, als ich darüber ging und währenddessen die Karte noch etwas studierte.
Meine Hütte war die letzte dieser 'Straße' und angrenzend lag ein kleiner Nadelwald (eigentlich war es nur eine Anreihung mehrerer Bäume), den ich durchqueren musste, um über eine größere Wiesenfläche zum See zu gelangen. Wiese und See waren ebenfalls von Bäumen umzäut, so konnte man wenigstens den richtigen Zaun nicht sehen.

Als ich das kleine Wäldchen betrat, atmete ich tief durch und genoss den Eigengeruch der Bäume. Ich vermisste sowas in Phoenix wirklich sehr.

Ich kickte einen Tannenzapfen weg, der mit einem erstaunlich lauten Krachen an einen Baum knallte und nur wenige Sekunden später, schreckten die Vögel, die in dem Baum gesessen hatten, hoch und flogen davon. Es waren außerordentlich viele. Ich musste lächeln.
Ein wirklich schöner Anblick, wie sie sanft ihre Flügel schwangen, um so schnell wie möglich von  dem erschreckenden Geräusch wegzukommen.

Die Wiese, die ich nach dem Wäldchen betrat, war hellgrün und vereinzelt wuchsen ein paar Gänsebläuchen, die durch ihre Farbe hervorstachen. Den See konnte ich bereits sehen.
Das hier war wirklich eine unglaublich große Anlage. Ich konnte beim besten Willen nicht einschätzen, wie groß alles insgesamt war.

Ich konnte bereits Wasserplätschern hören und sah kurz darauf ein paar Enten. Es war alles wie leergefegt, aber ich vermutete, dass das an den Therapiestunden lag.
Ich suchte mir einen relativ schattigen Platz unter einem Baum, da ich in der Sonne umgekommen wäre. Ich zog meine Beine an und bettete den Ordner auf meinen Knien. Die Karte hatte ich zwar gründlich studiert, jedoch würde es wahrscheinlich noch dauern, bis ich mich einigermaßen orientieren können würde.
Ich legte die Karte zur Seite und die Regeln der Einrichtung kamen zum Vorschein.

1. Die komplette Anlage ist sauber zu halten!
2. Körperliche Auseinandersetzungen sind verboten!
3. Mutwillige Zerstörung von Gegenständen der Einrichtung wird bestraft und der Schaden wird zurückgezahlt oder ersetzt!
4. Sämtliche Personen werden respektvoll behandelt!
5. Außerberufliche Beziehungen zu Patienten oder Therapeuten sind ausdrücklich verboten!

Sie waren nachvollziehbar, bis auf die Letzte. Wenn beide von den Gefühlen profitierten, warum war es dann verboten? Andererseits wäre es bestimmt auch nicht gut für die – ohnehin schon angegriffene – Psyche des Patienten, wenn er dazu noch eine Trennung verarbeiten musste. Alles in allem überraschten die Regeln mich nicht und es würde wahrscheinlich kein Problem werden, sie einzuhalten. Bis auf Nummer 3 vielleicht, aufgrund meiner Anfälle. Jedoch spürte ich meist kurz vorher, wann es soweit war und konnte mich verziehen, damit ich niemanden verletzte und keiner diesem unschönen Ereigniss beiwohnen musste.

Ich blätterte erneut um. Ein Steckbrief.
Als ich die Angaben überflog, blieb ich an einer Stelle hängen. Er hatte keine psychologische Ausbildung?
Ein Therapeut in einem Camp für psychisch kranke Jugendliche ohne Ausbildung?!
Bevor ich mich weiterhin darüber aufregte, da ich wusste, wohin das führen konnte, begann ich, mir den Steckbrief genauer durchzulesen.

Michael Kenji Shinoda, 25 Jahre alt aus Agoura Hills, Kalifornien.
Shinoda? Er war also nicht vollständig Amerikaner, es klang irgendwie japanisch. Und erst 25 Jahre alt?
Das konnte Vor- und Nachteile haben. Er hatte nicht viel Erfahrung, das war klar und es trug nicht dazu bei, ihm gegenüber optimistisch zu sein. Ein Vorteil lag bestimmt darin, dass ich - in noch relativ jungem Alter - mit ihm bestimmt besser reden können würde, als mit einem 60 jährigen Mann. Vorausgesetzt, ich würde überhaupt reden. Eigentlich ließ ich so schnell niemanden an mich ran, da ich zu große Angst davor hatte, von Menschen die mir wichtig waren, verlassen zu werden. Ich würde das nicht nochmal aushalten können. Andererseits wollte ich auch nicht als Außenseiter dastehen – auch wenn ich eben das war. Ich hätte gerne Freunde gehabt, mit denen ich reden konnte, jedoch wäre die Angst, von ihnen verlassen zu werden, zu groß. Es klang und war wirklich paradox.

An mich traute sich ohnehin niemand außer meinem Dad. Er hatte mich von Kindesbeinen an immer aufgebaut, mich zu Dingen ermutigt und mit mir geredet, wenn er bemerkt hatte, dass etwas nicht stimmte. Und doch hatten zwei Dinge mein Leben grundlegend verändert. Da konnte auch mein Vater nichts dran ändern, so sehr er sich auch bemühte. Und ich konnte nicht einmal was dafür, dass er mir nicht helfen konnte.
Es war, als hätten sich Körper und Geist gespalten.
In letzter Zeit hatte ich häufiger eben dieses Gefühl, weshalb ich immer öfter zu Dingen greifen musste, die mir zeigten, dass allein ich die Kontrolle über mich hatte, mein Körper und mein Geist noch ein Teil waren und dass ich überhaupt noch am Leben war.

Bevor ich noch weiter in Gedanken versinken konnte, nahm ich ein Räuspern neben mir wahr. Die sich nährenden Schritte zuvor hatte ich nicht einmal bemerkt.
Ich sah auf und blickte in zwei braune Augen, die mich neugierig musterten
„Hey! Ich bin Mike!“
Er hielt mir seine Hand hin, die ich höflich schüttelte.
Dann setzte er sich neben mich, winkelte ebenfalls die Beine an, legte seine Arme locker darauf und sah mich an.
„Bist du Chester?“
Ich nickte.
„Wie geht’s?“
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