18 is only ONE´s lucky number- MMFF

von Goldengel
MitmachgeschichteSci-Fi, Tragödie / P16
21.04.2013
13.01.2014
16
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Distrikt 7 ---> Jonathon: http://25.media.tumblr.com/tumblr_m4titowpX81rwutbto1_500.jpg



Wie jeden Tag klingelt Jonathons Wecker um neun Uhr. Er lässt ihn genau drei Mal klingeln bis er ihn ausschaltet. Wie jeden Morgen. Und wie jeden Morgen ist er auch an diesem müde und erschöpft. Obwohl heute der Tag der Ernte ist, ließ Jonathon- kurz Thon- es sich nicht nehmen seiner nächtlichen Routine nachzugehen.

Thon hasst Veränderungen. Er hasst es, wenn sein Tagesplan, der strikt durchdacht ist, nicht umgesetzt wird. Es gibt ihm ein Gefühl von Sicherheit, jeden Tag gleich zu durchleben… Er kann es auch gar nicht anders. Er steht auf, öffnet das Fenster, wäscht sich mehr als gründlich, geht dann zurück in sein Zimmer und räumt auf, wo es gar nichts mehr aufzuräumen gibt. Danach sitzt er pünktlich am Esstisch, wenn seine Mutter das Frühstück fertig hat und sein Vater sich wiedermal über die Arbeit beschwert. Ist seine Mutter, Linea einmal nicht in seinem Zeitplan, bekommt er Schweißausbrüche und Herzrasen. Er hat dann das Gefühl die Kontrolle und einen Teil Perfektion zu verlieren.
Nach dem Frühstück wäscht er das Geschirr fein säuberlich ab, weil seine Mutter es nicht 'perfekt' abwäscht und geht in den Wald, um dort den gesamten Tag hart zu schuften. Obwohl er dort beim Holzhacken sehr schmutzig wird und seine Umgebung aus Dreck und Würmern besteht, vergisst er seinen Reinlichkeitszwang und seine anderen Neurosen und schenkt seine ganze Achtung dem Holz. Da sein Vater, Edvin, schon Tischler ist, gibt es ihm ein Stück von Zuhause.

Auch am Tag der Ernte arbeitet er dort im Wald. Als er fertig ist, melden sich wieder seine Zwänge und er fühlt sich schmutzig. Sofort läuft er Nachhause um sich dort zu waschen. Er rubbelt so lange mit einer Bürste über seine Haut bis sie ganz rot ist. Dann steigt er aus der Dusche und nimmt sein weißes Hemd, eine schwarze Krawatte und seine beige Hose aus dem Schrank. Obwohl die frische Wäsche schon gebügelt ist, bemerkt Thon eine winzige Falte in dem Hemd und geht hinunter um es erneut zu bügeln.

Seine Hand zittert, denn er merkt, dass es viel zu früh ist für ihn Zuhause zu sein. Seine Routine wurde unterbrochen. Es ist erst 13 Uhr und normalerweise ist er jetzt noch im Wald. ´Falsch!´, schreit alles in ihm. Jonathons Herz beginnt zu flattern. Er fühlt sich machtlos und er hasst dieses Gefühl.
Gerade noch denkt er, dass er sich mit irgendetwas ablenken muss, als auch schon seine drei Schwestern- sie sind Drillinge- in das kleine Wohnzimmer stürmen. Grace, Abigail und Lucy laufen um das Bügeleisen herum und singen ein Kinderlied.

Noch können sie sich freuen und Kinder sein, denn sie sind erst sechs. Die drei bekommen nichts mit von dem Druck, den Jonathon ständig auf sich spürt. Den Druck den Kleinen ein gutes Leben zu bieten, denn die Tischlerei seines Vater läuft nicht mehr gut und seine Mutter hat in ihrem ganzen Leben noch nichts anderes gemacht als Hausfrau und Mutter zu sein.
„Thon! Thon! Thon!“, rufen die Drillinge gleichzeitig. Sie reden nicht viel, aber wenn sie einmal sprechen, reden sie immer gleichzeitig.
Wie auf ein Zeichen hängen sie sich zeitgleich an Jonathon Beine. Neben ihnen sieht er noch größer aus, als er ohnehin schon ist: 1, 90m.
Wenn er neben Grace, Lucy und Abigail steht, sieht er aus wie ein Riese. Trotzdem ist Jonathon so gut aussehend, dass er jede Frau um den Finger wickeln kann. Er weiß genau wann er wie reagieren oder sich verhalten muss um das zu bekommen was er braucht. Er hat wundervolle Augen und ein charmantes Lächeln, dem er sich bewusst ist und weiß wie er es einsetzten muss.
„Hey, ihr Süßen! Wie war die Schule?“ Wieder antworten sie zusammen: „Toll! Ganz toll! Wir haben die Geschichte von Panem gehört. Gaaaanz aufregend!“

Nach dem Mittagessen, bei dem sich sein Vater wieder über den schlechten Umsatz im Geschäft beschwert, wird es sehr leise. Alle, sogar die Kleinen, wissen welcher Teil des Tages nun bevor steht.
Linea hat schon Tränen in den Augen als sie auf dem Weg zum Großen Platz von Distrikt 7 sind. Sie ist immer sehr besorgt um alle ihre Kinder. Wenn sie wüsste, dass sie sich eigentlich jeden Tag Sorgen um ihren Sohn machen würde, dachte Thon und seufzte.

Da er den ohnehin schon bescheidenen Lebensstandard der Familie sichern will, begab sich der 17-Jährige schon mit 15 ½ Jahren auf die Suche nach einem Nebenverdienst. Schon damals war er viel größer als Andere in seinem Alter und so sah man ihm nicht an, dass er noch ein Kind war. Also ging er zu einem Ort in Distrikt 7, den sowohl die Friedenswächter heimlich, als auch die unteren Schichten des Distrikts nur zu gerne aufsuchten. Sogar die Bürgermeisterfrau hatte er einmal dort gesehen und alle hatten sie ihn gesehen.
Ihn und seinen gut durchtrainierten Körper.

Das Strippen gehört wie alles andere an seinem Tag in die Routine. Er genießt es dort auf der Bühne zu sein und die ungeteilte Aufmerksamkeit auf sich zu spüren. Er saugt die geifernden Blicke der verwitweten, verheirateten und ledigen Frauen in sich auf und fühlt für einen kurzen Moment lang die Perfektion, nach der er schon immer gesucht hat.
Das wird er heute auch nicht tun können, denn entweder ist er dann schon auf dem Weg ins Kapitol oder er feiert, dass er NICHT gezogen wurde.
Auf dem Großen Platz angekommen geht Thon zielstrebig auf die Registrierung zu und lässt sich in den Fingern pieken. ´Hoffentlich sind die Nadeln sauber´, geht es ihm sofort durch den Kopf. Der Gedanke macht ihn abermals nervös, aber er lässt sich nichts anmerken. Stattdessen winkt er ein paar Mädchen aus seiner Schule zu, die rote Wangen bekommen und kurz darauf aussehen als würden sie jeden Moment in Ohnmacht fallen.

Zufrieden mit sich geht Thon in die Reihe der 17-jährigen Jungen und wartet bis die Betreuerin auf die Bühne kommt um den Namen des Mädchens, das dieses Jahr Tribut für Distrikt 7 ist, zu verlauten. Jonathon kann mit ihrem Gesicht nichts anfangen. Außerdem ist er viel zu unruhig um sich darauf zu konzentrieren. Er hasst es warten zu müssen.
Nervös dreht er einen Stein in der Hand.

Dann geht Dronna Eviève in ihrem neontürkisen Röckchen zu der Urne der Jungen und zieht ohne zu Zögern einen Zettel.
Jonathons Name ist acht Mal drin.

„In diesem Jahr ehren wir mit der Auszeichnung des männlichen Tributs von Distrikt 7… Jonathon Cadwallader!“, zwitschert Dronna.

Plötzlich schießen Thon ein tausend Dinge durch den Kopf. ´Ich darf es nicht sein. Ich kann es nicht sein! Es ist unmöglich! Ich werde hier doch gebraucht!´, überschlagen sich seine Gedanken. Diese Gedanken haben anscheinend nur Bruchteile von Sekunden gedauert, denn als das Auge der Kamera ihn erwischt, setzt er schon sein strahlenstes Lächeln auf und geht hinauf zu seiner Mittributin und der schrill gekleideten Frau, die ebenfalls in die Kamera grinst, wie ein lächerliches Chamäleon.





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Ein von zwei Charakteren, die Mammutbaum mir netterweise geschickt hat.
Was denkt ihr? Findet ihr Thon sympatisch? Denkt ihr, dass er eine Chance hat zu gewinnen?
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