18 is only ONE´s lucky number- MMFF

von Goldengel
MitmachgeschichteSci-Fi, Tragödie / P16
21.04.2013
13.01.2014
16
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21.04.2013 1.584
 
Distrikt 4 ---> Maeve: http://i2.listal.com/image/1687488/600full-doutzen-kroes.jpg


„Ich will das nicht anziehen! Such mir was anderes raus!“
Das Geschrei ihrer verwöhnten, kleinen Schwester Ella reißt Maeve nach einer traumlosen Nacht aus dem Schlaf. Den Abend zuvor hatte sie mit ihrem Zwillingsbruder Josh und ihrem Vater Noah trainiert. Die Familie besitzt ihr eigenes Trainingslager, wie das in den Karrieredistrikten oft der Fall ist.
Gestern hatten sie dort bis spät in die Nacht gegeneinander gekämpft und ihr Vater hatte die beiden auf jede einzelne Schwäche aufmerksam gemacht, die ihnen in den Hungerspielen einen Nachteil verschaffen würden.



Maeve kämpft so gut wie Josh, obwohl er ein Jahr mehr Erfahrung hat als sie. Bis ihr Vater sie mit neun Jahren das erste Mal mitnahm, hatte ihre Mutter Roisin sie nämlich trainiert. Nur sah dieses Training anders aus als Maeve es sich gewünscht hätte. Von ihrer Mutter wurde sie nicht auf einen Überlebenskampf vorbereitet, sondern auf das Leben als Vollzeitmutter und –hausfrau. Sie lernte sich zu benehmen, schaute ihrer Mutter beim Kochen über die Schulter und wurde von Roisin nett angezogen, damit auch jeder sah was sie da für eine nette Tochter hatte. Ein nettes Püppchen. So wurde sie behandelt: Wie eine Puppe. Maeve war der kleine Star der Familie, denn sie tat alles was ihre Mutter von ihr verlangte wann immer sie es verlangte.
Da Maeve jedoch sehr intelligent ist, stellte sie die Methoden und Ansichten ihrer Mutter früh in Frage. Sie hatte genug Hungerspiele gesehen, in die Mädchen unvorbereitet hineingezogen waren und zu leichten Opfern wurden, weil sie keine Ahnung hatte wie man kämpfte. So wollte Maeve nicht sein, wenn sie ins Erntealter kam. Sie wollte wie ihr geliebter Zwillingsbruder, der schon mit acht Jahren anfing zu trainieren, sein.
Generell machten Josh und sie alles zusammen. Sie waren fast keine Minute des Tages getrennt… außer wenn er trainierte. Und das störte Maeve.
Es störte sie, dass sie ausgeschlossen wurde von dem Teil des Tages, der ihr, wenn sie daran teilnehmen würde, das Leben retten könnte.
Da Josh und sie sich in allem was sie taten stets unterstützten, kam er mit ihr zu ihrem Vater, um ihm ihre Bitte vorzutragen. Sie hatte zwar ein sehr inniges Verhältnis zu Noah, aber sie hatte Angst gehabt, dass er sie vielleicht nicht verstehen würde, also nahm sie Josh mit.

„Ich möchte mit euch trainieren, Daddy.“, hatte sie in ihrer charmantesten Stimme- die sie von ihrer all zu perfekten Mutter gelernt hatte- gesagt. Dabei hatte sie sich groß gemacht, damit ihr Vater sah, dass auch sie bereit war zu trainieren. Noah hatte ihr nur über ihre schönen blonden Haare, die zu der Zeit noch heller gewesen waren, gestreichelt und gelächelt. Dann hatte er gesagt: „Natürlich, mein Engel. Ich würde mich freuen, wenn du mit deinem Bruder und mir üben würdest.“
Noch am selben Abend hatte er es Roisin erzählt. Maeve selbst hatte sich nicht getraut, denn sie wusste wie enttäuscht sie sein würde.
Maeve erinnerte sich, dass sie an jenem Abend mit Josh im Dunkeln auf der Treppe saß, händchenhaltend, und von dort aus in das große helle, perfekt gepflegte Wohnzimmer, in dem sich ihre Eltern unterhielten. Oder besser stritten.
„Sie ist mein Baby! Sie wird sich nicht mit Waffen umgeben. Sie ist zu Höherem bestimmt als diese Hungerspiele zu gewinnen. Sie wird einen reichen Mann heiraten und wunderschöne, blonde Kinder bekommen. Sie wird sich wie eine perfekte Lady auf allen großen Banketts sehen lassen können. Da passen keine Schwerter oder Degen oder was weiß ich was hinein. Wer wird sie nehmen, wenn ihr hübsches Gesicht mit den vollen rosigen Lippen bei diesem sinnlosen Training vernarbt wird? Wer wird sie dann nehmen?!“ Roisin hatte sich richtig in Rage geredet und wurde immer lauter. Maeves Vater war ihnen mit dem Rücken zugewandt und man konnte sehen wie er sich mit jedem weiteren Wort versteifte.
„Du kannst dir keine Gedanken über ihre Zukunft machen, wenn du nicht einmal weißt, ob sie bei der nächsten Ernte gezogen wird. Wenn sie unvorbereitet in die Spiele geht, gibt es keine Enkelkinder. Verstehst du das nicht?!“ Jetzt war auch Noah etwas lauter geworden. Roisin setzte an zu widersprechen, doch sie wurde vehement von ihrem Mann gestoppt. „Nein. Sie kommt mit. Schluss.“ Und dann war es still. Maeves Vater hatte ein Machtwort gesprochen und als die perfekte Ehefrau musste ihre Mutter das akzeptieren.
Josh hatte sie auf der Treppe angegrinst und schon am nächsten Tag begann Maeve alles aufzuarbeiten, was sie verpasst hatte. Sie erwies sich dabei als ehrgeizig und lernte schnell.
Seit diesem Abend und vor allem als dann ihre 12-jährige Schwester in das richtige Alter kam ignorierte ihre Mutter sie die meiste Zeit. Ihre Schwester Ella scheint sich in der Rolle des Püppchens besser zu gefallen. Ella ist sehr überheblich und versucht ihre ältere Schwester zu belehren wo sie nur kann, obwohl sie nicht mit Klugheit gesegnet ist.



Heute ist Ellas erste Ernte. Bis heute hat sie auch keinen einzigen Tag trainiert. Sie scheint den Ernst des Tages nicht zu verstehen, denn sie macht sich nur Gedanken darum hübsch auszusehen.
Als Maeve aus ihrem Bett steigt und von ihrem Zimmer hinaus auf den, mit beigem Teppich ausgelegten, Flur geht, flitzt zuerst Ella und dann ihre Mutter mit einem Berg voll hellen Kleidern auf dem Arm an ihr vorbei. „Wir finden schon etwas!“, versucht Roisin ihre jüngste Tochter zu beruhigen und würdigt Maeve dabei keines Blickes.

Seufzend verschwindet diese im Badezimmer und steigt in die komfortable Dusche. Auf ihrem Bauch prangt ein dicker blauer Fleck. Er muss wohl gestern bei dem Kampf mit ihrem Bruder dorthin bekommen sein.
Schmunzelnd berührt sie ihn und denkt daran wie sie Josh nach dem Schlag die Beine weggetreten hatte. Er war platt auf dem Rücken gelandet und hatte angefangen zu lachen. Für die beiden ist das Training zwar ernst und wichtig, aber dadurch, dass sie zusammen trainieren macht es auch sehr viel Spaß. „Gar nicht schlecht, May!“, hatte er gelacht.
Der Bluterguss hat wunderschöne Farben, stellt Maeve bei näherer Betrachtung fest. Sie reichen von tiefem Blau über helleres bis hin zu einem wunderschönen Violettton.
Wassertopfen legen sich über ihn, was das Bild perfekt macht. Sofort ist Maeve gewillt etwas zu malen. Maeve malt viel. Vor allem an den Tagen der Ernte oder danach. Es beruhigt sie und gibt ihr ein Gefühl von Sicherheit zu wissen, dass wenigstens DAS ihr niemand wegnehmen kann.
Als sie fertig ist, kämmt sie ihr blondes langes Haar, föhnt es und bindet ihre Haare zu einem Pferdeschwanz zusammen, wobei sie einige Strähnen vorne heraushängen lässt.

Es ist schon 12 Uhr, als Maeve auch ihr süßes, weißes Kleid mit den königsblauen Blümchen am unteren Teil und auf der Brust angezogen hat ( http://dvuifktgrlu5d.cloudfront.net/images/products/5898935/kleid-mit-print-weiss-mymo_list.jpg ). Erst da wird ihr klar wie spät sie aufgestanden ist.
Unten gibt es schon Mittagessen. „Hallo, May! Alles klar, Schwesterchen. Bereit in den Kampf zu ziehen, Karriero?“, fragt ihr Bruder scherzhaft während sie sich neben ihn setzt. Durch diese Scherze versucht er immer die Stimmung zu lockern. Nur ihm gelingt das bei Maeve. Trotzdem ist kurz darauf die Spannung in der Luft wieder zu spüren und so wird, bis auf das sinnfreie Gebabbel ihrer Schwester mit ihrer Mutter, nicht gesprochen.

Hand in Hand gehen Josh und Maeve dann zu dem Großen Platz von Distrikt 4. Ihre Eltern folgen den beiden und halten Ella an der Hand um sie kurz darauf in der Reihe 12-Jähriger Mädchen abzustellen. Im Gegensatz zu den anderen kleinen Mädchen, sieht sie nicht verängstigt aus.
Dann trennen auch Josh und sie sich und das macht sie nervös.
Nach einem kleinen Piek, folgt Maeve ihrer Nachbarin und Freundin Nora, die sie schon seit klein auf kennt, in die Menge von Kindern, die darauf warten, dass eine von ihnen ihr Todesurteil erhält.
Kurz darauf betritt Jessabelle Franklin, die Betreuerin des Distrikts, die Bühne und tippelt mit ihrem viel zu engen, pinken Rock und den viel zu hohen Schuhen ans Podest.
Maeve schaut sie sich gar nicht richtig an und hört auch nicht auf das was sie sagt. Ihr müder Blick gilt der runden Glaskugel mit den ordentlich gefalteten Zetteln.  

Erst als Jessabelle die Worte „Dann legen wir mal los. Und wie immer: Unsere Ladys first!“ trällert, schenkt Maeve ihr gezwungener Maßen ihre Aufmerksamkeit.
Jessabelle trippelt mit kleinen Schritten zu der Glaskugel und ihre Hand kreist einige Runden über den Namenszetteln. Dann schnellt ihre Hand wie ein Bussard, der eine Maus entdeckt hat, hinunter und fliegt wieder mit einem Zettel, einer wehrlosen Maus, empor. In freudiger Erwartung entfaltet sie ihn und liest vor: „Diejenige, der in diesem Jahr die Ehre zu Teil wird unseren wunderschönen Distrikt in den Hungerspielen zu vertreten ist… Maeve Miller! Komm zu uns, mein Schatz! Herzlichen Glückwunsch!“

Maeves Gesichtszüge entgleiten und alles Blut weicht ihr aus dem Körper. Ich bin ein Tribut aus dem Karrierodistrikt. So muss ich mich auch verhalten!, denkt sie dann und versucht sich ein Lächeln abzuringen.
Als sie bei ihrer Mutter „unterrichtet“ wurde hatte sie beigebracht bekommen: „Auch wenn es einem schlecht geht, darf man das nicht zeigen. Immer die Contenance bewahren!“ Und das versuchte sie jetzt: Die Contenance bewahren.
Sie strafft ihre Schultern und geht hinauf zu Jessebelle, die ihr zur Gratulation die Hand reicht.

Wie auf Knopfdruck dreht Maeve sich dann um und lächelt steif in die Kamera und ihrem Distrikt entgegen.







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Ich hoffe sehr, dass ich Maeve gut getroffen habe, Cayuga!
Würde mich über Reviews freuen!
Bis zum nächsten Tribut.
LG, Goldengel.
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