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One face two men

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteDrama, Humor / P12 / Gen
Gabranth
21.04.2013
21.04.2013
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One face two men

ReaderXNoah fon Ronsenburg/Gabranth


A/N: Noch ein kurzer Dank an die Knochenkumpel, die mir wieder mal als Beta-Leser zur Hilfe kam. (:
Schaut mal bei ihr vorbei: http://www.fanfiktion.de/u/Knochenkumpel

~FF XII ~

Unruhig stampfte der Chocobo vor dir auf und gab dabei einen gequälten, schmerzerfüllten Laut von sich, während du sanft durch seine weißen Federn strichst. „Shhh, ganz ruhig mein Großer“, murmeltest du ihm beruhigend zu, bevor du dich wieder der Wunde an seinem linken Bein zuwendetest. Dieses war dick angeschwollen und es war deutlich, dass es dem armen Tier schmerzte, das Bein aufzusetzen.
Behutsam strichst du noch einmal eine Salbe auf die Schwellung, um sie schließlich mit Bandagen abzudecken. Vorsichtig setztest du das Bein des riesigen Vogels wieder ab und strichst ihm dann lobend über den Schnabel. „Siehst du. Nur noch ein bisschen Ruhe und in null Komma Nichts wirst du wieder durch die Gegend jagen. Das hast du prima gemacht“, sprachst du breit und zufrieden lächelnd. Durch deine sanfte Berührung an seinem Schnabel schien er zu verstehen, dass du im Mut und Lob zusprachst, was ihm ein freudiges „Kweh!“ entlockte.
Kichernd strichst du ihm ein letztes Mal über den Schnabel, bevor du die benötigten Medikamente wieder zusammen packtest und seine Box verließt, um den Kasten mit den Medikamenten wieder zu verstauen.

Währenddessen summtest du eine fröhliche Melodie vor dich hin. Für dich war es ein ganz gewöhnlicher Arbeitstag. Du gehörtest zu den Pflegern der Chocobos im Palast von Archadia und es gab für dich nichts schöneres, konntest du doch dein ganzes Leben den Chocobos widmen, den Tieren, die du am meisten liebtest.
Nichts liebtest du mehr, als diese wunderbaren Reittiere.
Als nächstes stand auf dem Plan einen passenden Chocobo für die Reitstunden des jungen Lord Larsa zu satteln.
Normalerweise hättest du den weißen Chocobo gesattelt, den du gerade behandelt hattest. Doch dieser stand mit seiner Verletzung natürlich völlig außer Frage.
Und somit schrittst du durch den Stall und überlegtest, welches der schönen Tiere denn noch geeignet wäre.

Du schrittst an der Box eines schwarzen Chocobos vorbei. Nein, dieser gehörte dem Hohe Richter Gabranth. Neugierig blickte das schwarz-gefiederte Tier aus seiner Box heraus und legte seinen Kopf leicht schief, während er dich ansah. Lieb lächelnd strichst du ihm einmal über den Schnabel und gingst dann weiter.
Nun standst du vor der Box eines roten Chocobos. Dieser gehörte dir. Du hattest ihn von klein auf aufgezogen. Doch dieser kam so oder so nicht in Frage. Rote Chocobos für Reitstunden hieltst du für völlig wahnsinnig. Diese wilden Tiere hatten einen Charakter ganz passend zu ihrer Federfarbe. Sie waren wild, stur und unberechenbar und du warst stolz dich zu den wenigen Hume zu zählen, die in der Lage waren, einen roten Chocobo ohne Probleme zu zähmen – auch wenn du deinen ja selber erzogen hattest.
Liebevoll blicktest du deinen geliebten Partner an und strichst durch seine wunderschönen, feuerroten Federn, bevor du weiter gingst. Du gingst an unzähligen anderen Boxen vorbei, bis du vor einem schon etwas älteren, gelben Chocobo halt machtest.
Der alte Knabe hatte schon viel Erfahrung gemacht, wurde aber wegen seines Alters nur noch selten zum Ausritt benutzt. Du überlegtest kurz und befandst, dass er für die Reitstunden des jungen Lords genügen sollte und so dauerte es keine zehn Minuten, bis du ihn fertig gesattelt aus seiner Box führtest.
Auf dem Weg nach draußen trafst du auf den Reitlehrer, welcher dich freundlich grüßte und dich dann zum Reitplatz begleitete.
„Wie ich sehe hast du unseren alten Knaben Rex ausgewählt. Ich habe bereits erfahren, dass Luna verletzt ist. Ich denke Rex wird eine gute Vertretung für sie sein“, meinte der Braunhaarige zuverlässig.
Du nicktest nur stumm lächelnd und schweigend fuhrt ihr euren Weg fort.

Am Reitplatz erwartete euch bereits der junge Lord Larsa gemeinsam mit dem Hohe Richter und gleichzeitig seinem momentanen Aufpasser, Gabranth.
Du deutetest kurz eine ehrenvolle Verbeugung an, als ihr vor den Zweien stehen bliebt.
Leicht fragend betrachtete Lord Larsa den gelben Chocobo, hatte er bisher doch nur den einen Weißen geritten. Der Reitlehrer erklärte kurz die Situation, während du nachdenklich den Hohe Richter betrachtetest.

Auf Anhieb erschien er in seiner schwarzen, wuchtig aussehenden Rüstung, nahezu angst einflößend. Vor allem die Hörner an seinem Helm halfen nicht gerade dabei einen netteren Eindruck zu hinterlassen. Doch schlussendlich wusstest du, dass unter diesem ganzen Metall ein ganz gewöhnlicher Hume mit Gefühlen weilte - wenngleich auch diese vielleicht unterdrückt wurden, man wusste ja nie wie so manch einer unter dieser Rüstung dachte.
Die Frage war nur, wie dieser Hume denn wirklich aussah. Vor allem die Hohe Richter setzten ihre Helme in der Öffentlichkeit so gut wie nie ab. Noch dazu arbeitetest du im Stall des Palastes. Dadurch begegnetest du ihnen eh nicht sehr oft, machten sie nur selten Gebrauch von Chocobos, wo sie doch ihre ach so tollen Luftschiffe hatten.

Nun war deine Neugier geweckt. In deinen Händen kribbelte das Verlangen danach, den Helm des Hohe Richters einfach abzunehmen, doch du risst dich zusammen. Es wäre vollkommen unangebracht und ungehörig.

Ein Ziehen an den Zügeln des Chocobos riss dich aus deinen Gedanken und du musstest mit Grauen feststellen, dass du so sehr in Gedanken vertiefst warst, dass du gar nicht mitbekommen hattest, wie der junge Lord Larsa auf Rex gestiegen war und nun also bereit für seine Reitstunden war.
Entschuldigend lächelnd und verbeugend, ließt du die Zügel los, während der Schwarzhaarige dich nur freundlich und verständlich anlächelte und entferntest dich von dem Chocobo, um dich auf dem Zaun des Reitplatzes nieder zu lassen. Dabei spürtest du wie dir die Schamröte ins Gesicht gestiegen war. Äußerst peinlich war es dir, so sehr in Gedanken vertieft zu sein und es selbst noch nicht einmal gemerkt zu haben.
Da nach dem Satteln von Rex nichts weiter auf deinem Plan stand, hattest du nun also ein wenig Freizeit und nutztest diese, um den jungen Lord bei seinen Stunden zu beobachten. Im besten Fall konntest du vielleicht sogar helfen. Es wäre zumindest nicht das erste Mal.

Während der Reitlehrer also die heutigen Übungen erklärte, gesellte sich der Hohe Richter zu dir, um genauso wie du den jungen Lord bei seiner Reitstunde zu beobachten. Es war nicht so, dass er oft dabei war, aber es war auch nicht das erste Mal.
Für einen kurzen Augenblick huschte dein Blick hinüber zu dem Teufel, der dich in diese peinliche Lage zuvor gebracht hatte. Bei Ifrit! Das Verlangen danach seinen Helm abzunehmen kribbelte noch immer in deinen Händen. Du standst kurz davor deine Arme nach ihm auszustrecken, vor allem wo er gerade direkt neben dir stand.
Doch du risst dich mit all deiner Willenskraft zusammen. Du warst dir sehr sicher, dass die Folgen fatal sein konnten und das wolltest du nun wirklich nicht.

Also richtetest du deinen Blick wieder nach vorne und knetetest deine Hände, zur eher unnützen Ablenkung, in deinem Schoß. Diese Stunde würde sehr lang werden, vermutetest du.
So schritt die Reitstunde in einem sehr langsamen Tempo voran, obwohl Lord Larsa sehr schnell lernte und die vorgegebenen Übungen mit Bravour meisterte. Bei einigen Übungen durftest du sogar wieder helfen. Trotzdem Schritt die Zeit nicht schneller voran und das Verlangen dem Hohe Richter seinen verdammten Helm abzureißen blieb ebenfalls.

Nachdem du nun ein weiteres und letztes Mal bei einer Übung geholfen hattest, hocktest du dich wieder auf den Zaun. Bis jetzt hattest du es nicht mehr getan, doch da sich die Stunde nun endlich ihrem Ende näherte, war deine Hilfe mit Sicherheit nicht mehr von Nöten.
Du saßt nun direkt hinter dem Hohe Richter, der mit verschränkten Armen mit ein wenig Abstand vom Zaun konzentriert zusah, wie sein junger Herr lernte.
Du presstest deine Lippen zusammen, als dich wieder dieses dringende Verlangen packte, ihm den Helm abzunehmen. In deinen Fingern kribbelte es wie wild, dass du dir leicht auf die Unterlippe bisst, um dich unter Kontrolle zu halten.
Ein anderer Gedanke kam dir nun. Eigentlich war es ein Versuch doch wert. Mehr als gefeuert werden konntest du nicht, auch wenn dir das nicht gefiel, schlussendlich konntest du auch mit Sicherheit woanders mit Chocobos arbeiten. Daran zweifeltest du kein bisschen.

Überall benötigte man Chocobos, waren sie neben den Luftschiffen doch die einzige Möglichkeit möglichst schnell von einem Ort zum nächsten zu gelangen. Noch dazu griffen einen keine Monster an, wenn man mit dem Chocobo unterwegs war. Ja, selbst Monster stellten sich nicht einem Chocobo, der in Fahrt war, in den Weg.

Es war also ein Versuch wert. Du hofftest nur, dass er dich erstmals nicht bemerken würde. Er schien zumindest konzentriert genug.
Einmal leise tief Luft holend und dann den Atem anhaltend, strecktest du vorsichtig deine Arme aus und dann ganz schnell, hattest du Gabranth den Helm entwendet. Natürlich merkte er das und wirbelte augenblicklich herum.
Überraschte, hellbraune Augen trafen auf deine und zierten mit sehr kurzem, blonden Haar, sein sehr gutaussehendes Gesicht. Beinahe den Helm fallen lassend, spürtest du wie dir die Schamröte ins Gesicht stieg.
Die Zeit schien für einen Augenblick still zu stehen, während du in seine braunen Augen blicktest und dieses wirklich ziemlich attraktive Gesicht betrachtetest.

Und genauso schnell wie du ihm den Helm entwendet hattest, setztest du ihm diesen auch wieder auf, schwangst dich auf die andere Seite des Zauns und ranntest beinahe so schnell wie ein Chocobo in den Stall. Dort stürmtest du in die Box deines roten Chocobos und ließt dich keuchend ins Stroh fallen, während der Chocobo ein überraschtes und fast protestierendes „Kweh!“ von sich gab, bevor er dich perplex ansah.

Mit noch leicht aufgerissenen Augen versuchtest du dich langsam wieder zu beruhigen. Deine heißen Wangen reibend, in der Hoffnung, dass die Röte dadurch verschwinden würde, murmeltest du keuchend: „Bei den Göttern! Sieht der gut aus.“ Zur Antwort konnte dein Chocobo nur seinen Kopf schief legen und dich unverständlich ansehen. Er hatte natürlich keine Ahnung was mit dir los war und um ehrlich zu sein, wissen wollte er das sicherlich auch nicht.

In Gedanken vertieft, riefst du noch einmal das Gesicht des Hohe Richters in deine Erinnerung. Die zuvor noch überraschten, braunen Augen, das fein rasierte Kinn und seine kurz geschorenen, blonden Haare. Ein verträumter Seufzer entfloh dir. Ganz dein Geschmack.
Plötzlich ertönte nicht weit von dir das Klappern einer Rüstung und du erstarrtest. Das war doch wohl nicht der Hohe Richter?! War er dir etwa gefolgt?! Nun hörtest du auch leises Stimmengewirr. Du erkanntest die Stimmen des jungen Lord Larsa und des Reitlehrers.
Ein erleichtertes Aufatmen entkam deinen Lippen. Natürlich, die Reitstunde war vorbei und nun kamen sie zurück in den Stall, um Rex in seine Box zu bringen.

Doch der Reitlehrer rief nach dir und du zucktest erschrocken zusammen. „Ich bin mir sicher sie in Richtung Stall laufen gesehen zu haben“, sprach Gabranth und sah sich mit dem Reitlehrer um, doch sie sahen keine Spur von dir.
Mit angehaltenem Atem drängtest du dich an das Boxentor und blicktest warnend deinen Partner an, er sollte bloß keinen auffälligen Mux von sich geben.

„Eigentlich wollte ich, dass sie Euch beim Absatteln von Rex hilft. Aber gut, wer weiß wo sie sich wieder versteckt hat. Manchmal muss man sie einfach lassen. Ich werde dann übernehmen, wenn das mit Euch in Ordnung geht Lord Larsa“, sprach der Reitlehrer nun etwas bedrückt.
„Aber natürlich. Das ist gar kein Problem“, antwortete der junge Schwarzhaarige.

Einige Zeit später hörtest du die beiden nach draußen gehen, während das Klappern der Rüstung immer lauter wurde, bis es direkt hinter dir verklang.
Schwer schluckend und mit schlimmes ahnend, weit aufgerissenen Augen, legtest du deinen Kopf langsam in den Nacken und blicktest hinauf.
Direkt hinter dir, vor dem Tor der Box, stand Gabranth, leicht über das Tor gebeugt und sah auf dich hinab.
„T-Tut mir leid“, stottertest du kleinlaut, kaum hörbar über die üblichen Geräusche des Stalls.
Doch der Hohe Richter schien es gehört zu haben. Er gluckste amüsiert, durch den Helm gedämpft und leicht verzerrt klingend, doch es war eindeutig hörbar.
„Es soll dir verziehen sein“, sagte er dann nur, bevor er dir kurz verabschiedend zunickte und dann seinem jungen Herrn hinterher eilte.


Unterdessen presstest du deine Lippen peinlich berührt zusammen und spürtest, wie dir ein letztes Mal Schamröte ins Gesicht stieg.
Einmal tief durchatmend standst du auf, um dich wieder an die Arbeit zu machen. Bevor du endlich Schluss für heute machen konntest, standen noch einige Aufgaben an. So konntest du diesen peinlichen Moment sicherlich verdrängen.

~FF XII~

Einige Tage später musstest du feststellen, dass es gar nicht so einfach war, solche Momente zu vergessen. Im Gegenteil. Die vergangene Woche über ging es dir einfach nicht aus dem Kopf. Vor allem das Gesicht des Hohe Richters spukte dir mehr als nötig im Kopf herum und lenkte dich hin und wieder von deiner Arbeit ab.
Dass du ihm dann auch noch öfters bei den Reitstunden des jungen Lord Larsa begegnetest, half auch nicht dabei, dass es dir einfacher fiel.

Es lenkte dich immer mehr ab. Je mehr du versuchtest es aus deinem Kopf zu zwingen, desto fester schien es sich in deinem Kopf zu verankern.
Irgendwann reichte es einer Kollegin von dir dann, als sie dich wiedermal dabei erwischte, wie du fast in deiner Arbeit inne hieltst und nur verträumt vor dich hinstarrtest.
Seufzend legte dir sie dir eine Hand auf die Schulter. „Magst du mir nicht erzählen, welcher Traumprinz dich schon geistig entführt hat?“, fragte sie ernst, aber leicht neckend grinsend.
Überrascht blinzeltest du das Bild des Hohe Richters vor deinem inneren Auge weg und sahst deine Kollegin und gleichzeitig gute Freundin verwirrt an.
„Was? Wie? Ich-...nein-...äh...Welcher Traumprinz?!“, brachtest du stotternd hervor.
Amüsiert kichernd, strich sich deine Freund eine braune Haarsträhne hinters Ohr, die sich aus ihrem Zopf gelöst hatte. Braune Augen funkelten dich schelmisch an. „Du kannst mir nichts verheimlichen, Liebes. Los erzähl. Wer ist der Glückliche?“, fragte sie drängend.
Ganz langsam spürtest du wie du rot anliefst und konntest deine Freundin nur unverständlich ansehen. Warf sie dir etwa vor verliebt zu sein? Sollte es das sein? Ging dir der Hohe Richter etwa deswegen nicht mehr aus dem Kopf? Weil du dich in ihn verliebt hattest?!
Mitleidig lächelnd legte dir die Braunhaarige beide Hände auf die Schultern und drückte dich sanft ins Heu und ignorierte dabei die leisen Proteste des Chocobos neben dir, den du bis gerade noch gestriegelt hattest.
Sie selber hockte sich dann hinter dich und nahm vorsichtig dein Haar in ihre Hände und ließ ihre Finger durch sie gehen. Eine Angewohnheit, die sich vor einiger Zeit angewöhnt hatte, wenn sie wollte, dass du ihr etwas erzähltest. Diese Geste beruhigte dich nämlich und half dir erst mal deine Gedanken ein wenig zu Ordnen.
Man konnte sagen, sie war mehr eine große Schwester für dich, als nur eine gute Freundin.

Schließlich atmetest du noch einmal tief durch und fingst dann an von dem Moment zu erzählen, als du Gabranth seinen Helm für ein paar Sekunden abgenommen hattest und die darauf folgenden Ereignisse.
Die Braunäugige hörte dir unterdessen ruhig zu, unterbrach dich kein einziges Mal und strich dir weiter ruhig durchs Haar.
Als du dann schließlich zum Ende kamst, herrschte für eine geschlagene Minute Stille. Die Braunhaarige hinter dir schien über deine Geschichte nach zu denken.
Dann fing sie an: „Du bist also dem Hohe Richter Gabranth begegnet. Nicht das erste Mal.“
Du nicktest stumm. Ein unangenehmes Gefühl bereitete sich in deiner Magengegend aus.
„Und du warst also neugierig und hast ihm mal eben so den Helm abgenommen“, wiederholte sie langsam was du erzählt hattest. Wieder nicktest du nur und presstest unsicher deine Lippen aufeinander. Worauf wollte sie hinaus?
„Und dann siehst du nur mal für einen Augenblick sein hübsches Gesicht und tada, du verknallst dich in ihn? Hab ich das so richtig verstanden?“, fragte sie zum schloss.
Du risst den Kopf erschrocken herum, um sie anzusehen und erwidertest: „N-nicht verknallt! Ich kriege ihn nur nicht mehr aus meinem Kopf!“
„Liebes, ich würde gar nicht erst darüber nachdenken das zu leugnen. Es ist klar. Liebes! Du hast dich verliebt! Und bei den Göttern, auch noch in einen Hohe Richter!“, rief sie entzückt aus.
Du konntest sie nur ungläubig ansehen. Nicht nur warf sie dir vor verliebt zu sein, nein, es machte ihr auch noch Freud, dass es ein Hohe Richter war, was du als eher am schlimmsten sahst. Sich zu verlieben fandest du eventuell noch akzeptabel. Die Frage war nur in wen und ein Hohe Richter stand ja wohl außer Frage – deiner Meinung nach.
Deine Kollegin schien das aber besonders toll zu finden.

„Und bei den Göttern, ich glaub ich muss zurück an die Arbeit“, fügte sie dann nervös hinzu, sprang schnell auf und eilte aus der Box. Nun völlig verwirrt sahst du ihr hinterher, bevor dein Blick auf den Blick des Reitlehrers des jungen Lords traf, der gleichzeitig dein Arbeitgeber war.
Schnell sprangst du auf und wolltest dich wieder daran machen den Chocobo zu striegeln, als der Braunhaarige dich unterbrach. „Ich wollte dich eigentlich nur darum bitten den Chocobo des Hohe Richters Gabranth fertig zu machen“, sprach er mit einem leicht amüsierten Unterton in der Stimme.
Du erstarrtest und schieltest langsam zu ihm herüber. Auf seinen Lippen erkanntest du ein amüsiertes Schmunzeln. Er hatte doch wohl nicht zu viel von deinem Gespräch mit deiner Freundin mitbekommen!?
Als das Schmunzeln sich dann langsam zu einem ganz leichten Grinsen verzog, wusstest du, dass er tatsächlich einiges mitbekommen hatte.
Nachdem er dir dies auch noch einmal sagte, meinte er schließlich: „Und nun schnell, es eilt. Ich übernehme hier.“
Du nicktest nur schnell, ließt alles stehen und liegen und eiltest an deinem Chef vorbei aus der Box bis zu der Box des schwarzen Chocobos des blonden Hohe Richters. Du sahst ihn kurz liebevoll an und eiltest dann schnell davon, um das Sattelzeugs zu holen.
Nicht lange danach führtest du ihn schließlich bereit aus dem Stall. Draußen kam euch dann auch bereits der Besitzer entgegen.
„Ich danke dir“, erklang es unter der Rüstung, während er dir dankend nickend die Zügel abnahm und aufstieg. „Habt eine sichere Reise“, sprachst du höflich mit einer angedeuteten Verbeugung, bevor Gabranth, noch einmal dankend nickend, auch schon in einem schnell Trab davon ritt.
Es eilte wirklich, wie es schien.

~FF XII~

Die Zeit verging immer schneller, wie du fandest. Unruhe machte sich langsam im Palast von Archadia bemerkbar.
Der junge Lord Larsa war nun viel unterwegs, wodurch seine Reitstunden ausfielen, die er auch kaum noch brauchte, wie dein Arbeitgeber befand.
Auch Gabranth sahst du immer seltener bis fast gar nicht mehr.
Es geschah so viel in kürzester Zeit. Das merktest selbst du, eine einfache Chocoboliebhaberin, die im Stall des Palastes arbeitete.
Boten gingen mehrmals am Tag ein und aus. Es gab einige, verletzte Chocobos. Eine Spannung lag in der Luft, die manchmal unerträglich wurde.
Verglichen mit vielen anderen im Palast, fühltest du dich nun so winzig klein. Unbedeutend warst du für die Geschichte, die sich außerhalb des Chocobostalls abspielte.
Aber es war dir auch lieber so. Schauer liefen dir über den Rücken, bei den Gedanken an den Intrigen und Kämpfen, mit denen der blonde Hohe Richter zu tun hatte. Für dich war das nichts.
Du beschäftigtest dich lieber weiter im sicheren Stall der Chocobos. Entfernt von alle dem.
Doch so sicher der Stall für dich war, vor den schlechten Neuigkeiten, bewahrte er dich nicht. Viele schreckliche Dinge geschahen und sorgten für eine bedrückende Stille unter deinem hart arbeitenden Team. Kaum einer sprach im Stall mehr. Nur manchmal hörte man Geflüster über die neusten Nachrichten.
Intrige um Intrige. Kampf um Kampf. Tod um Tod.

Und irgendwann legte sich der Aufruhr endlich wieder. Ivalice schien aufzuatmen. Der Schrecken war vorbei.
Für die meisten zumindest.

Langsam hob sich die Stimmung im Chocobostall wieder, doch es waren noch nicht alle schlechten Nachrichten verkündet, wie du eines Nachmittags feststellen musstest.
Ein Hohe Richter kam gemeinsam mit dem jungen Lord Larsa, der nun zum Prinzregent ernannt worden war, in den Stall. Es war der Hohe Richter Gabranth. Zumindest war es seine Rüstung.
Was du jedoch nicht wissen konntest, dass unter dieser nun eine andere Person weilte.
Gerade aus fertig aus einer Box kommend, erblicktest du die beiden und eiltest auf sie zu, verbeugtest dich kurz höflich und fragtest dann: „Kann ich euch behilflich sein Lord Larsa?“
Der Schwarzhaarige nickte leicht, während Gabranth seinen Helm abnahm und sich kurz neugierig umsah.
Du blinzeltest ihn überrascht an. Verändert hatte er sich. Im Gegensatz zu früher, hatte er nun auffällige Gesichtsbehaarung. Doch am auffälligsten war die Narbe, die sich knapp über sein linkes Auge zog.
Für einen Augenblick sahst du die Narbe skeptisch an. Sie erschien dir älter, als sie hätte sein müssen. Doch du warst dir sicher, dass Gabranth vorher keine Narbe hatte.
Die Frage, woher er denn diese Narbe hatte, brannte dir auf der Zunge, doch du schwiegst in dem Zusammenhang lieber und fragtest nach ihrem Anliegen.
Wie gewünscht führtest du sie dann zur Box des schwarzen Chocobos des Hohe Richters. Dieser blickte ihnen auch schon neugierig aus seiner Box entgegen.
Lächelnd strichst du ihm sanft über den Schnabel, während du die Box öffnetest. „Seine Verletzung ist mittlerweile gut verheilt, doch empfiehlt es sich ihn noch eine Weile zu schonen“, erklärtest du den beiden, während du dich herunter beugtest, um dir die Verletzung an seinem Bein nach einmal anzusehen. Spätestens in zwei Tagen sollte er wieder fit sein, vermutetest du.
„So soll es sein. Lassen wir ihn noch etwas ruhen“, sprach Gabranth schließlich, während er dem Reittier sanft durch die Federn strich.
Leicht verwirrt zogst du die Augenbrauen zusammen und richtetest dich abrupt auf. Seine Stimme war auch viel tiefer als damals. Da stimmte doch was nicht.
Skeptisch und auch leicht missmutig wandtest du dich zu dem Hohe Richter und sahst ihn nachdenklich an.
„Stimmt etwas nicht?“, fragte er dich überrascht. „Es tut mir leid das sagen zu müssen, aber ja, hier scheint mir etwas überhaupt nicht zu stimmen“, sprachst du so ruhig wie möglich, was dir nur teilweise gelang. Deine Stimme begann leicht zu beben: „Lord Larsa. Kann es sein, dass es sich hier um einen völlig anderen Hohe Richter handelt, als zuvor noch?“, wolltest du wissen, darauf hoffend, dass deine Neugier dir nicht doch den Kopf kostete, nicht, dass du den Prinzregenten so einschätztest, aber man wusste ja nie.

Eine unangenehme Stille legte sich über euch. Wenn du genau hinsahst, erblicktest du leichtes Bedrücken in den Augen des Schwarzhaarigen.
Du sahst den Blonden an. Seine Miene hatte sich verhärtet und es fiel dir schwer auch nur irgendeine Emotion aus ihr heraus zu lesen.
Du bisst dir kurz unsicher auf die Unterlippe. „Entschuldigt diese Frage. Das war ungehörig. So etwas hätte ich nicht fragen sollen“, versuchtest du dann irgendwie die Situation wieder zu lösen.

Wirklich, was ging es dich doch an? Nur weil du dich angeblich in ihn verliebt hattest? Was hätte es dir genützt? Ob er es nun war oder nicht, was machte es schon? Aus euch beiden wäre wohl eh nichts geworden.

Genau das gleiche erzähltest du später am Abend deiner Freundin. Diesen dunklen Gedanken versuchte sie dir zwar auszureden, aber was machtest du dir vor?
Ivalice' Geschichte mochte ein 'Happy End' gefunden haben.
Deine Geschichte aber eben nicht.
Das Leben konnte sehr hart sein. Auch das einer einfachen Chocoboliebhaberin.


~Ende~
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