Heidi mal anders

von Careless
GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
21.04.2013
21.04.2013
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Ich lag entspannt auf einer Sonnenliege in unserem Garten, hatte die Augen geschlossen und ließ mir von der lauten Musik aus meinem iPod das Hirn leerpusten. Ein perfekter Tag in den Sommerferien, bis es plötzlich dunkler wurde, als ich die Augen aufschlug, stand meine 6-jährige Schwester vor mir. „Mama sagt, du sollt rein kommen.“, quakte sie und rannte auch schon zurück. Seufzend erhob ich mich, stellte die Musik aus und folgte meiner kleinen Schwester.

„Ich habe eine kleine Überraschung für euch.“, verkündete meine Mutter, als ich mich in der Küche auf einen Stuhl fallen ließ, der kleine Quälgeist, der mich reingeholt hatte saß auf dem Boden und aß ein Eis. „Was denn? Was denn? Was denn?“ Ich verdrehte die Augen und sah meine Mutter an, die Jana liebevoll über den Kopf strich. „Eigentlich konnten wir ja nicht in den Urlaub fahren, da euer Vater keinen Urlaub bekommen hat, das hat sich kurzfristig geändert, wenn er heute Abend nach Hause kommt, werden wir alle zusammen die Taschen packen und dann fahren wir für drei Wochen in die Alpen, da werden wir auf einem kleinen Bauernhof Ferien machen.“ Meine Mutter war offensichtlich stolz auf ihre Idee und meine kleine Schwester quietschte erfreut. „Wir fahren auf den Bauernhof, wir fahren auf den Bauernhof.“, sang sie und ihre Augen funkelten mich freudig an. „Hast du das gehört Leo? Wir fahren auf den Bauernhof!“ „Ja, ich hab’s gehört. Aber Mama, was soll ich denn da? Kann ich nicht hier bleiben?“, protestierte ich und erntete dafür einen strengen Blick. „Kommt  gar nicht in Frage, du kommst mit! Wir werden dich nicht drei Wochen allein lassen.“ Damit war das Thema beendet und ich versuchte mich schon mal mit dem Gedanken anzufreunden, meine Ferien zur Hälfte auf einem stinkenden Bauernhof mitten in der Pampa zu verbringen und nicht mit meinen Freunden im Freibad oder auf Partys.
„Es wird dir da gefallen, die Familie hat mehrere Kinder und auch einen netten Sohn in deinem Alter, Daniel heißt er, ich kenne die Familie, weil er auf das Internat geht. Sie sind wirklich nett.“, versuchte meine Mutter mir den Urlaub noch etwas schmackhafter zu machen. Sie war Lehrerin an einem Internat, dass sich auf die Förderung von Jugendlichen im Bereich der Naturwissenschaften spezialisiert hatte, was bedeutete, dass der Kerl ein Genie sein würde und ich war mir sicher, dass er ein totaler Nerd oder ein arroganter Sack war, der mit Sicherheit eine Brille trug. Vielleicht hatte er ja ein paar gutaussehende Freunde. Ja, ich war oberflächlich und ja, ich stand auf Kerle und da konnte ich mich ja austoben, wenn wir sowieso nur drei Wochen bleiben würden.


Am Abend packte ich eine große Reisetasche mit allem, was ich benötigen würde und hoffte, dass es dort einen Internetzugang geben würde, als ich meinen Laptop in der dafür vorgesehenen Tasche verpackte. Meine Mutter hatte gesagt, dass es dort einen See gab, also landete meine Badehose in der Tasche, mehrere Tops und T-Shirts, in denen ich gut aussah und figurbetonte Hosen und Shorts flogen hinterher. Ich war fest entschlossen da in diesem Kuhkaff mindestens irgendeinen Kerl aufzureißen. Ich sah in den Spiegel, der an der Tür meines Kleiderschranks angebracht war und musterte mich kritisch. Meine braunen Haare trug ich schon den ganzen Tag ungemacht, ich hatte ja schließlich das Haus nicht verlassen, meine grünen Augen wurden dank der Ferien mal nicht von Augenringen geziert, ich sah leicht genervt aus. Ich hob mein T-Shirt ein Stück und spannte den Bauch an, grinste, als ich sah, dass sich das Training bezahlt gemacht hatte. Zufrieden lief ich ins Bad und sammelte dort sämtliche Dinge ein, die ich mitnehmen wollte, aber am nächsten Tag nicht mehr brauchen würde, Shampoo, Duschgel und all so ein Zeug.

Ich schloss grad den Reißverschluss meiner Tasche, als mein Vater ins Zimmer kam. „Leo, sei bitte nett zu den Leuten, ja? Es ist wirklich freundlich von ihnen, dass wir dort so kurzfristig Urlaub machen können.“, begrüßte er mich und ich runzelte die Stirn. „Ich bin immer nett.“, sagte ich trotzig und sah ihn beleidigt an. „Du weißt was ich meine.“ „Ist ja gut, ich benehme mich.“, brummte ich und mein Vater lächelte mir zufrieden zu, ehe er wieder verschwand. Mein Gott, ich war eben manchmal etwas launisch, welcher Mensch in Alter von 16 Jahren war das nicht? Ich beschloss meinen Eltern einen Gefallen zu tun und zumindest zu versuchen so zu tun, als würde es mir da gefallen.


Ich musste um fünf Uhr am Morgen aufstehen. Um fünf! Mürrisch, schlecht gelaunt und nur am rummeckern lief ich durchs Haus, aß ein halbes Brötchen und putzte mir im Halbschlaf die Zähne, zog mir bequeme Sachen an und saß schließlich eine halbe Stunde später mit meiner Familie im Auto. Die vergangene Nacht war recht lang gewesen, nachdem ich drei meiner Freunde über einen Videochat mein Leid geklagt hatte und sie mich bemitleidet hatten, trotzdem wünschten sie mir viel Spaß und ich versprach mich bei ihnen zu melden, sollte es am Ende der Welt ein Handynetz oder Internet geben.

Der Versuch im Auto zu schlafen wurde von Jana zu Nichte gemacht, weil sie mich die ganze Zeit voll brabbelte oder sang oder irgendwas anderes tat, um mich von schlafen abzuhalten, selbst mein iPod übertönte sie nicht.
„Mama, wie lange fahren wir ungefähr?“, fragte ich, als wir schon zwei Stunden über die Autobahn gefahren waren. „Noch etwa vier Stunden mein Schatz, aber ich denke, wir können gleich eine Pause machen.“ Das war eine gute Idee, meine Schwester quengelte schon seit einer halben Stunde rum, weil sie auf Toilette musste und auch ich würde mir gern die Beine vertreten und wir steuerten den nächsten Rastplatz an. Während meine Mutter mit Jana zu den Toilettenhäusern verschwand, packte mein Vater belegte Brötchen, Tee und Kaffee aus. Ich schnappte mir die Flasche Cola, die ich mir eingepackt hatte und nahm einen Schluck von der kühlen Flüssigkeit, obwohl es erst früher Morgen war, merkte man schon, wie warm es noch werden würde und ich war froh, nur ein paar dünne Shorts angezogen zu haben.

Bei der Weiterfahrt hatte ich schließlich Glück, denn Jana hielt endlich den Mund und schlief schließlich ein und ich schloss ebenfalls die Augen und versank im Land der Träume, wachte erst wieder auf, als das Auto ruckelte. Ich öffnete die Augen und rieb mit der Hand über mein Gesicht. Wir fuhren über eine holprige Straße durch ein kleines Dorf, ein Stück entfernt, am Ende der Straße, konnte man ein großes, mehrstöckiges Haus erkennen, dahinter erstreckten sich große Wiesen und Weiden mit Tieren darauf, überall wo man hinsah, richteten sich die Berge steil in die Höhe, der Himmel war strahlend blau und die Luft flimmerte in der drückenden Mittagshitze. Die Häuser des Dorfes hatten den Charme einer Altstadt und waren wirklich schön, ich hatte es mir schlimmer vorgestellt und auch der Hof, den wir jetzt befuhren, war schön und gepflegt, die Balkone des Hauses wurden von großen Blumenbüschen geschmückt, ich hörte das Wiehern eines Pferdes, als ich ausstieg und meine Sonnenbrille aufsetzte. Hier waren wir also, hier sollte ich die nächsten drei Wochen verbringen. Vielleicht würde es doch gar nicht so schlimm werden.
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