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Salvation

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
16.04.2013
26.07.2013
4
5.514
 
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16.04.2013 2.622
 
Dad war schon am Flughafen und wartete auf uns in der Abflughalle. Wir schoben uns durch die Massen, warteten einen günstigen Moment ab und verließen das Gebäude durch eine mit einer Blendung versehenen Tür. Wir steigen in einen Caddy der uns zu einem Militärflugzeug fuhr, das bereits auf der Startbahn Stadt, fuhr.
"Hola, señorita! Willkommen an Bord.", begrüßte mich ein gut aussehender spanischer Grigori in Uniform.
"Hola! Vielen Dank. Wem haben wir dieses Flugzeug zu verdanken, wenn ich fragen darf?"
"Señora Josephine hat sich um alles gekümmert."
Mir schnürte sich der Hals zu. Warum ausgerechnet Josephine? Und wie viel hat sie ihr erzählt?
"Danke sehr." Ich schenkte ihm ein Lächeln und suchte mir dann einen Platz. Meine Eltern waren mittlerweile auch eingestiegen. Mom hatte offensichtlich alles geklärt.
"Alles in Ordnung, Violet?", fragte mich Dad und setzte sich neben mich.
"Klar. Alles in bester Ordnung.", erwiderte ich leicht sarkastisch und seufzte. "Dad, fliegen wir zurück zur Akademie? Was weiß Josephine? Warum tut sie das ohne mich zu fragen?"
"Hab keine Angst, meine Kleine. Dir passiert nichts. Wir fliegen nicht zur Akademie... Noch nicht. Evelyn sagt, wie müssen die Wächter davon in Kenntnis setzen, dass Luzifer zurück auf die Erde kommen will."
"Dad, wir? In ein paar Wochen werde ich kugelrund sein und kann euch bei nicht mehr helfen!"
"Du darfst bei uns bleiben solange du kämpfen kannst, dann gehst du in die Akademie und wir erledigen den Rest. Ich habe Josephine schon informiert. Griffin und die anderen kümmern sich um den Wächter in Mexio sowie in Italien. Wir gehen nach Island, Griechenland, Süd Afrika und Australien."
"Ich will nicht in die Akademie, ich kann Lincoln nicht wieder treffen!"
"Lincoln sitzt momentan in der Maschine nach Spanien, er wird dir folgen, aber in der Akademie wirst du sicher vor ihm sein."
Am Ende bebte ihre Stimme. Es dauerte einen Moment, dann hatte sie wieder die Fassung gefunden und Schenke mir ein aufmunterndes Lächeln, doch es erreichte nicht ihre Augen.
Die ganze Situation schien schwerwiegender zu sein, als ich vermutet hatte.
"Mom?", fragte ich leise und sie drehte sich zu mir um. "Mach dir keine Sorgen, ich bin eine gute Kämpferin."
Ein kläglicher Versuch uns allen die Angst zu nehmen.
Das Flugzeug startete, ich lehnte mein Kopf ans Fenster und beobachtete wie die Häuser immer kleiner wurden. Meine Hände lagen beschützend auf meinem Bauch.
"Ich will dich nicht verlieren.", murmelte ich vor mich hin und fiel bald in einen unruhigen
Schlaf.

Ich wachte auf als die Maschine eine unsanfte Landung hinlegte und fühlte mich wie gerädert. Immer wieder war ich aus grausamen Träumen hochgeschreckt in denen mir mein Baby weggenommen wurde. Das Schlimmste daran war, dass es sich sehr real angefühlt hatte und nicht wie ein Traum. Irgendwie wie eine Vision des Möglichen.
"Miss Violet, darf ich ihnen aus der Maschine helfen?", fragte mich der Grigori der mich begrüßt hatte.
"Gerne. Vielen Dank -?" Ich schaute ihn fragend an, weil ich seinen Namen gar nicht wusste.
"Mein Name ist José, señorita." Er lächelte.
"Danke, José." Ich nahm seine Hand und sprang leichtfüßig aus dem Flugzeug. Wahrscheinlich sah es doch eher plump aus.
Ich kramte mein Handy aus der Tasche, während ich meinen Eltern folgte, und schaltete es an.
Fünf verpasste Anrufe und zwei SMS.
Die Anrufe waren alle von Griffin, sowie eine Nachricht. Die andere war von Steph, die mich darüber in Kenntnis setzte, dass sie auf dem Weg nach Italien sind und der zuständige Wächter ein ferner Bekannter von Salvatore war.
Griffin hatte sich kurz gefasst.
Ruf zurück! Es drängt.
Ich blieb stehen und wählte seine Nummer.
"Violet, schön, dass du anrufst.", meldete sich Griffin sofort, seine Stimme Klang erleichtert. "Wie geht es dir?"
Ich wusste gar nicht was ich sagen sollte, Griffin tat so, als wäre ich nicht einfach abgehauen und sie im Stich gelassen.
"Den Umständen entsprechend, danke.", sagte ich neutral. "Griffin, du hast allen Grund der Welt sauer auf mich zu sein."
"Ich bin nicht sauer, Violet. Ich mache mir Sorgen um dich. Die Akademie will, dass wir nach New York kommen um das weitere Vorgehen zu planen. Lincoln hat mich angerufen er konnte deine Angst spüren. Ich will dich warnen er sucht nach dir, um bei dir zu sein, falls du ihn brauchst."
"Griff, nein, das ist viel zu gefährlich! Du musst ihn zurück holen!", rief ich verzweifelt ins Telefon. "Wenn ich sterben soll, dann werde ich sterben. Aber man ist nicht hinter ihm her."
"Violet, sag mir was Evelyn vor hat."
"Sie will alle Wächter informieren, dass Luzifer versucht sich aus der Hölle zu befreien."
"Sie weiß, dass die Wächter gefallene Engel sind?"
"Gefallene Engel?", hakte ich nach. "Ist das nicht dasgleiche, wie die Verbannten?"
"Nein, sie sind durch den Engelssturz auf die Erde gekommen. Du kennst die Geschichte bestimmt aus der Schule. Aber was ich eigentlich sagen wollte, Gefallene betreffen nicht unseren Aufgabenbereich. Sie haben einen vorbestimmten Weg von dem sie nicht abweichen können."
"Du meinst, die Wächter könnten eine Herausforderung werden?"
"Ich kann es mir zumindest vorstellen."
Ich nickte. "Weiß Lincoln, das er hinter mir her ist?"
"Nein. Er weiß nur, dass du in Gefahr bist. Aber er hat keine Ahnung was die Umstände sind. Lincoln hat nur deine Angst gespürt und eins und eins zusammen gezählt."
Ich atmete erleichtert aus, wenigstens etwas.
"Danke, Griffin. Ich werde meine Nummer ändern lassen und mich bei dir melden wenn es möglich ist. Geht zur Akademie, ich muss ein paar Wächter davon in Kenntnis setzten, dass der Morgenstern aufgehalten werden muss."
"Alles Gute, Violet."
Sobald das Gespräch zu Ende war zog ich die Simkarte aus dem Handy und brach sie auseinander. Wenn sich eine Gelegenheit ergab würde ich mir eine neue Nummer zulegen.

"Wo warst du, Violet?"
"Griffin hat mich angerufen. Lincoln, weiß, dass etwas los ist. Er meint er wird noch mehr versuchen mich zu finden. Außerdem hat Josephine ihn informiert, dass Luzifer auf die Erde will und ihn in die Akademie berufen."
Mom nickte und wandte sich wieder nach vorne. In ihrem Gesicht konnte ich ihre Sorge erkennen, die sie um Jahre älter wirken lies. "Was will er nur von dir?", hörte ich sie leise fragen.
Ich ging davon aus, dass er durch mich zurück wollte, da ich der Keshet war. Mir allein wärmer möglich Dinge von der irdischen Welt in andere Universen zu bringen.
"Mom, Griffin hat gesagt, die Torwächter sind Gefallene."
"Ja das stimmt."
"Was unterscheidet sie genau von den Verbannten?"
"Sie haben auf ihren freien Willen bestanden und sich Luzifer zugewendet, worauf hin Gott sie aus dem Himmel verbannte. Das war der Engelssturz, sie fielen neun Tage lang und waren dazu verdammt auf Erden zu wandeln. Vielen von ihnen bereuten es aber sehr schnell nachdem Luzifers Machenschaften offensichtlich wurden und baten Gott um Vergebung. Dieser gewährte ihnen seine Schutz, aber unter der Bedingung, dass sie die Erde vor Luzifer schützen. Mit vereinten Kräften haben die Gefallenen, die ihre Taten bereuten, es geschafft Luzifer von der Erde zu verbannen und sie nannten es die Hölle. Sechs von ihnen Wachen seitdem an den Toren."
"Wo sind die Tore?", fragte ich nachdem ich meine Sprache wieder gefunden hatte.
"Uns sind nur die Länder bekannt, wo sie genau liegen, weiß keiner."
"Wie sollen wir es dann schaffen sie zum finden?" Mir kam ihr ganzes Vorhaben als hoffnungslos vor.
"Ich setze darauf, dass Dapper dir mehr vertraut als mir und uns weiterhelfen kann."
An Dapper hatte ich noch gar nicht gedacht. Mom hatte Recht, seine Aufzeichnung könnten uns wirklich weiterhelfen.
Während wir durch die Stadt zu unserem Hotel fuhren, fiel mir auf, dass ich gar nicht wusste, in welchen Land ich mich befand, doch das fand ich schnell anhand der Straßenschilder heraus, die ich bewusst versuchte zu lesen.
Wir waren in Griechenland. Als ich daran zurück dachte, was hier schon alles passiert war lief mir ein eiskalter Schauer über den Rücken. Schmerzhaft stahl sich auch Lincoln wieder in meine Gedanken.
"Es tut mir Leid.", flüsterte ich, strich über meine Bauch und blinzelte die Tränen weg. "Aber es ist das Beste für ihn."
Seit ich Lincoln verlassen hatte, ging es mir nicht gut. Unsere Seelen waren noch immer verbunden, zwar nicht mehr so wie vor meinem Tod, aber sie war da. Deswegen musste ich Tag und nach darauf achten, dass meine mentalen Schutzmauern stabil waren, damit er nicht meinen Schmerz über den Verlust und das Verlangen nach   Ihm spürte, und mich fand. Er sollte von mir los kommen, mich vergessen. Ein Leben mit mir, ist zu gefährlich. Wären wir zusammen, würde alles früher oder später so innig sein wie es einmal war und dann war sein Leben abhängig von meinem. Das wollte ich nicht noch einmal riskieren. Ich liebte ihn.
Die ganze Fahrt über hingen meine Gedanken Linc hinterher und ich erlaubte mir für eine Sekunde schwach zu sein und suchte ihn.
Violet!, hörte ich seine Stimme in meinen Gedanken.
Linc, wenn du mich von ganzen Herzen liebst, dann lass mich gehen. Du bist stark, du hast etwas besseres verdient als mich, ich bringe dich nur in Gefahr.
Vi, - ich begann meine Mauern wieder hochzuziehen. Vi, schließ mich bitte nicht gleich wieder aus.
Lincoln, ich will dich nicht wieder sehen!
Ich spürte den Schmerz, den meine Worte in seinem Herz verursachten.
Violet, ich liebe dich.
Jetzt waren meine Schutzschirme wieder fest. Wieso sagte er sowas? Warum macht er es mir so schwer?
Unser Wagen hielt vor einem imposanten Gebäude. Ich stieg aus dem Wagen aus und folgte meinen Eltern. Wir wurden von einem jungen Mann empfangen, der nicht älter war als 35 und seine Klinge genau wie ich an seiner Seite trug.
"Hallo Evelyn!", begrüßte er meine Mutter und schüttelte anschließend meinem Vater die Hand, dann begrüßte er mich und schaute mich verwirrt an. Eine solchen Blick erntete ich oft von anderen Leuten.
"Du bist der Keshet.", meinte er einen Moment später. "Und du trägst eine tiefe Trauer in dir. Doch dusseltest stolz sein, du hast die Welt von Lillith befreit."
"Ja, aber nicht ohne Opfer.", antwortete ich. "Ich bin sehr müde, würden Sie mir mein Zimmer zeigen?" Der griechische Grigori nickte.
Er ging voraus, meine Eltern und ich folgten ihm. Unsere Zimmer lagen direkt nebeneinander. Ich sagte meinen Eltern, dass ich mich ausruhen wollte und schloss die Tür zu meinem Zimmer.
Es groß und hell. Die Wände waren in warmen Pastell gestrichen und die Künstlerin in mir bewunderte die perfekt gesetzten Akzente in einem tiefen Violett und Braun. In der Mitte des Raums stand ein Doppelbett mit einladenden Kissen und Decken. Die eine Seite des Zimmers hatte hohe Fenster mit Zugang zu einem Balkon von dem aus ich aufs Meer sehen konnte. Hinter einer Tür auf der gegenüber liegenden Seite verbarg sich ein elegantes Badezimmer mit Wanne und Dusche. Ein Traum jeder Frau.
Nachdem ich mir alles angeschaut hatte stellte ich meinen Koffer ab und ließ mich aufs Bett fallen. Ich seufzte genüsslich und kuschelte mich in die weichen Kissen. Ich schloss meine Augen und lies meine Gedanken treiben, weit weg vom hier und jetzt.
Ich sah ein kleines Mädchen mit langen, blonden Haaren, das über eine saftig grüne Wiese gespickt mit Blumen in allen Farben rennt und schallend lacht."Papa, fang mich!", rief ihre klare Stimme. Ich hörte das Lachen eines jungen Mannes, drehte meinen Kopf und er erschien in meinem Blickfeld. Allein ihn zu sehen erfüllte mich mit unfassbarem Glück und Stolz. Mein Lincoln, der Mann, der mein Herz besaß. Ich schaute runter auf meine Hand an der ein kleiner Diamant im Sonnenlicht glitzerte und seine Regenbogenfarben reflektierte. Der Ring in den der Diamant gefasst war, war filigran und verspielt verarbeitet.
"Wie soll ich dich fangen wenn du dort oben bist?", hörte ich meinen Mann fragen und schaute in die Richtung wo ich ihn spürte. Er hatte die Hand an die Stirn gelegt um seine Augen vor der Sonne zu schützen und blickte in den Himmel. Ich folgte seinem Blick und sah meine kleine Tochter, die anmutig mit ihren fast durchsichtigen Schwingen über unseren Köpfen schwebte. Hinter ihr hatte es den Anschein, als würde es Licht regnen.
"Ich weiß doch, dass du hoch springen kannst! Du bist ein Grigori und du springst besser als Mama."
"Das habe ich gehört!", rief ich mit einem scherzhaft warnenden Unterton.
Dann veränderte sich die Szene.
Ich war Zuhause in meinem Zimmer, draußen regnete es und auf meinem Bett saß der Engel der mich erschaffen hatte.
"Was war das?", fragte ich verwirrt ohne auf irgendwelche Förmlichkeiten zu achten.
"Eine Zukunft, die möglich ist."
"Ich bekomme eine Tochter?"
"Möglicherweise." Ich überging diese nichts sagende Antwort und stellte meine nächste Frage.
"Sie hatte Flügel. Wie kann das sein?"
"Sie war die Person, die das Schicksal für die vorgesehen hat."
"Mein Baby hat eine Aufgabe?"
"Nein, es hat eine Bestimmung."
"Warum?", fragte ich leise und legte meine Hände schützend auf meinen Bauch. "Warum erst meine Mutter und jetzt ich? Warum?" Ich wurde wütend und schrie das Wesen an.
"Du bist mächtig.", antwortete dieser Mensch ruhig.
"Und was ist mit dem freien Willen?"
"Menschen entscheiden sich lediglich für einen Weg, den ihr Leben einschlägt, doch die Wahlmöglichkeiten sind begrenzt."
Darauf wusste ich nichts zu sagen. "Ich möchte, dass mein Kind ein normales Leben führt."
"Du vergisst, welche Konsequenz das haben wird."
"Dann erzähl sie mir."
"Du wirst dein Kind sterben sehen. Während du jung bleibst, wird es altern und stirbt schlussendlich. Dein Kind wird in einer Welt voller Hass aufwachsen, denn dann können wir den Morgenstern nicht mehr halten."
Seine Worte versetzen mir einen Stich. Wie konnte ich nur so dumm sein? Natürlich würde ich mein Kind überleben und das würde mir das Herz brechen. Und gleichzeitig wurde mir noch etwas bewusst.
Ich blinzelte eine Träne weg und schaute den Engel an.
"Entweder stirbt mein Kind oder ich sterbe, oder Lincoln. Es wird darauf hinauslaufen, dass es nie das Leben haben wird, was ich ihm wünsche."
Der Engel blickte mich traurig an. "Es liegt in deiner Hand."
"Was meintest du damit, ihr könnt den Morgenstern nicht mehr halten?" Ich schob das Gespräch wieder in eine andere Richtung.
"Lilith war nur der Anfang. Er hat seine Untertanen unter euch. Er wird von Tag zu Tag mächtiger. Wir sind nicht die Torwächter und wenn er es schafft auf die Erde zu kommen, dann werdet ihr ihn nicht aufhalten können."
"Warum? Er ist doch auch nur ein Verbannter."
"Nein, er ist der Herrscher der Unterwelt. Du kannst ihn nicht mit deiner Klinge zurück schicken. Er kann nur von einem ebenbürtigen Gegner besiegt werden, einem Gegner, der die gleiche Lebensenergie besitzt, wie er einst, einem Gegner, der sein Gegenstück ist."
"Aber wer ...?"
"Es liegt in deiner Hand, Violet."
Der Engel war verschwunden und seine Stimme klang wie vom Wind getragen, ehe ich den Boden unter den Füßen verlor und fiel.
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