Schwesterherz

von lardri
GeschichteRomanze, Freundschaft / P12
Lucas Taylor Skye Tate
16.04.2013
16.04.2013
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16.04.2013 2.228
 
Inhalt: Lucas trifft nach Wochen wieder auf Skye, nachdem er von ihr angeschossen wurde. Wird er ihr verzeihen, was sie ihm angetan hat?

Disclaimer: Weder Figuren noch verwendete Schauptätze gehören mir.


Lucas mochte die Freiheit, er liebte es frei und fast unbeschwert durch den Dschungel zu laufen. Es viel ihm so leichter nachzudenken und es kamen ihm neue Ideen betreffend des Portals.
Noch immer war er krampfhaft dabei eine Lösung für sein Problem zu finden und das beanspruchte die Meiste Zeit seiner Tage.
Langsam aber sicher wurde es für ihn zu einer Last. Er fühlte sich gedrängt und ausgenutzt.
Nachdem Skye ihn hintergangen hatte und sich für ihren ,,Vater“, seinen Vater, entschieden hatte, verbrachte er seine Zeit zudem mit nichts anderem mehr.
Damals hatten die Sixer Lucas verwundet und angeschossen im Dschungel gefunden und so gut sie konnte zu seiner Genesung beigetragen. Jedoch handelten sie wie er wusste, nicht ganz uneigennützig.
Sie erhofften sich davon schließlich, dass Lucas für sie das Portal wieder funktionstüchtig machen könnte. Die Sixer waren daran interessiert den Durchgang zur alten Welt zu ermöglichen, da sie aus Terra Nova Profit schlagen wollten. Auch ihre Anführerin, Mira, wollte zurück ins Jahre 2149 gehen können, um nach langer Zeit ihre Tochter wieder zu sehen.
Sie hielten es nur für richtig, dass er es ihnen ermöglicht, da sie ihm das Leben retteten.
Lucas war von dieser Abhängigkeit aber keinesfalls begeistert. Es belastete ihn zunehmend und er fühlte sich wie ein Gefangener.

Einige Sixer brachten ihm glücklicherweise noch immer Vertrauen entgegen, sodass Lucas seine wenigen Freiheiten vollends ausnutzen könnte.
So auch an diesem sonnig warmen Tag. Er hatte den Sixern erklärt, dass er im Dschungel nach neuen Inspirationen suchen würde, nur um ein wenig seine Ruhe zu haben.
Lucas war kein Mensch, der viel redete oder sich gerne in Gruppen bewegte. Die fünf Jahre alleine Im Dschungel hatten ihn verändert.
Er liebte die Ruhe und das alleine sein, so konnte er seine Probleme bisher immer alleine bewältigen. Es machte ihm nichts aus, dass sich im Dschungel viele mörderische Dinosaurier herumtrieben, denn dies alles war mittlerweile Routine für ihn. Es war sein Leben nur mit einem Messer, einem Gewähr und ein wenig Proviant ausgestattet durch die Wildnis zu laufen.
Lucas wusste wie er sich verhalten musste um keinen Schaden zu nehmen und er wusste, wie er sich zu verstecken hatte.
In den Jahren hatte er viele Orte erkundet und einige kannte ausschließlich er persönlich. An einigen dieser Orte, konnte er gegeben falls übernachten ohne Gefahr zu laufen, von einem Dinosaurier gefressen zu werden.

Fünf Jahre lang hatte Lucas`s Vater, Commander Taylor, ihn nicht finden können. Lucas war wie verschollen. Nur die Zeichnungen und Berechnungen auf Steinen und Felswänden, waren Zeugnis davon, dass Lucas noch am Leben war.
Er hinterließ diese gerne um seinen Vater auf sich aufmerksam zu machen, denn es war eine Art Provokation und Lucas liebte Provokationen.
Leider gab es nicht viel was er wirklich liebte, denn seine Liebe zu seinem Vater war schon vor Jahren verblasst und dem Hass gewichen.
Nachdem Lucas Mutter, Ayani, im Jahre 2138 während einer Gefangenname in Somalia starb, litt die Beziehung zwischen Vater und Sohn sehr. Nathaniel Taylor sollte zwischen seiner Frau und seinem Sohn wählen und nur einer durfte überleben.
Letztendlich entschied sich der Commander für seinen Sohn, was dieser ihm noch bis heute nachträgt. Er hatte seine Mutter über alles geliebt und dann musste er mit ansehen, wie sie vor seinen Augen langsam gestorben ist.
In diesem Moment war Lucas Welt zusammengebrochen.

In Gedanken versunken lief er durch den Dschungel. Routiniert scannte er die Umgebung nach Dinosauriern ab und lauschte ihren Geräuschen.
Große alte Bäume streckten sich vor ihm in die Höhe, Blätter und Geäst zierte den Boden. Das verwilderte grüne Astgeflecht machte es der Sonne unmöglich hin durchzuscheinen.
Alles erschien düster und unheimlich, doch Lucas hatte keine Angst.
Er schielte hinauf zu den Baumkronen um sich zu orientieren.
Es war still. Fast schon zu still; dachte er sich.
Das Zwitschern der Vögel war verstummt und kein Insekt surrte. Lucas hielt in seiner Position inne und tat es ihnen gleich.
Er wusste womit er zu rechnen hatte. Ein Dinosaurier musste ganz in der Nähe sein.
Zielsicher schlich er auf einen Baum zu und versteckte sich hinter dem dicken Stamm. Konzentriert horchte er den Geräuschen des Windes. Blätter rieben aneinander, Aste knickten um und ein Jaulen ging durch die entfernte Schlucht.
Noch immer verharrte er in seiner Position. Aus Erfahrung wusste er, dass die Ruhe täuschen konnte.
Dann durchschnitt ein Brüllen die Stille. Lucas kannte dies Geräusch, denn es war das Brüllen eines Nykoraptors. Einem solchem Dinosaurier hatte er auch die Narben hinter seinem rechten Ohr zu verdanken.
Zugern wäre er aus seinem Versteck hervorgekrochen und hätte den Nykoraptor erschossen, doch die Vernunft hielt ihn zurück. Dieses Tier ist es nicht wert; beruhigte er sich selbst.
Erst als ein weiteres Geräusch Lucas Aufmerksamkeit erregte, entschied er sich doch zu handeln. Diesmal war es kein Brüllen gewesen und es schien auch nicht als käme es von einem Tier, nein, vielmehr klang es wie ein menschlicher Schrei.  
Eiligst zog er sein Messer aus der Scheide und sprintete in Richtung des nächsten Baumes, in dessen Schatten er Schutz fand. Diesen Prozess wiederholte er viele Male, bis er schließlich an der Quelle des Hilfeschreis angekommen zu sein schien.
Noch immer verdeckte einer der vielen modrigen Bäume seinen Blick auf die Szenerie.
Ein letztes Mal vergewisserte sich Lucas, dass keine weitere Gefahr lauerte, dann umrundende er vorsichtig den Baumstamm.
Er glaubte nicht was er da schließlich sah. Völlig perplex starrte er auf die am Boden liegende Person. Sie schien verletzt zu sein und Blut säumte die Laubdecke.
Als hinter einem Busch ein weiteres Lautes Brüllen ertönte, ging er wieder in Deckung und löste seinen Blick von der Gestalt.
Noch immer schockiert richtete er seine Waffe auf den Nykoraptor, der soeben seinen Kopf aus dem Busch streckte. Mit großen hungrigen Augen schaute der Dinosaurier auf ihn hinunter und nickte dabei leicht mit dem Kopf.
Lucas hatte schon immer den Eindruck, dass diese Nykoraptoren beziehungsweise Velociraptoren viel intelligenter waren, als ihre Artgenossen. Doch er versuchte sich davon nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.
Seine Hand zitterte leicht unter dem Gewicht der Waffe. Präzise zielte er auf den Kopf des Dinosauriers und traf ihn genau zwischen den Augen. Er war sofort tot. Es war nicht der erste Dinosaurier den Lucas erschossen hatte, aber bestimmt auch nicht der letzte, dessen war er sich gewiss. Anderenfalls kommen diese Viecher immer wieder; begründete er sich im Gedanken sein brutales Vorgehen. Er war zufrieden mit dem was er getan hatte und zeigte keine Reu.  
Stolz ging er ein paar Schritte auf die noch immer am Boden liegende Gestalt zu. Er betrachtete sie eingehend bevor er sie sachte mit seiner Handfläche an stupste. Doch sie reagierte nicht.
Langsam machte sich ein ungutes Gefühl in ihm breit. War er zu spät gekommen?

,,Skye?“ sagte er mit sanfter fragender Stimme, doch noch immer rührte sie sich nicht. ,,Schwesterherz!“ startete er einen zweiten Versuch, diesmal etwas lauter. Ein Zucken ging durch ihren Körper und auf Lucas Stirn bildeten sich Sorgenfalten. Er rutschte etwas näher an sie heran um ihren Puls zu fühlen. Er freute sich für einen Moment, als dieser scheinbar in Takt war.
Er wollte Skye nicht verlieren, schließlich war sie auf eine bestimmt Art und Weise seine Schwester, oder vielleicht etwas ähnliches.
Was macht sie überhaupt hier draußen; fragte Lucas sich selbst. Sie sollte nicht hier sein, sondern in der Kolonie. War sie abgehauen oder etwa verbannt worden?
,,Skye!“ nun schrie er sie schon fast an.
Urplötzlich schnellte Skyes Körper in die Höhe und sie saß aufrecht ihm gegenüber.
,,Was?“ Skye sah sich verwirrt um ,,Wo bin ich?“.
Als sie der Schwindel zu übermannen schien stabilisierte Lucas ihren Rücken, damit sie nicht zurückkippte. Er saß hinter ihr und hielt sie fest an ihrer Schulter.
,,Draußen im Dschungel, Bucket“ sagte er monoton.
Skye drehte sich rückartig zu ihm um und sah ihn entgeistert an. ,,Du, aber du bist doch Tot“ war das einzige was ihr über die Lippen kam.
Lucas grinste sie an ,,Bucket, du bist so naiv! Nur weil du mich angeschossen hast, heißt das noch lange nicht, dass ich auch sterbe.“
Skye schaute ihn immer noch verzweifelt an, am liebsten wäre sie weggelaufen, doch sie konnte nicht. Ihr Bein schmerzte furchtbar und ihr Kopf dröhnte, als würde jemand mit einem Hammer auf ihren Schädel schlagen. ,,Aber du, was machst du hier?“ setzte sie ein weiteres Mal an.
Lucas schaute sie irritiert an ,,Denkst du ich lasse zu, dass meine einzige Schwester von einem hungrigen Dinosaurier gefressen wird.“
Skye fühlte sich provoziert und ließ ihm einen hasserfüllten Blick zukommen. ,,Lucas! Ich bin nicht deine Schwester und das weißt du, also lass den Quatsch!“ erwiderte sie gereizt.
,,Bucket, sieh doch nicht immer alles und jeden so negativ“ sagte er mit Ironie in der Stimme, ,,Ich will doch nur dein Bestes.“
,,Haha, ich habe dich angeschossen, Lucas. Und ich glaube dir nicht!“ fauchte Skye ihm ins Gesicht . Schwerfällig versuchte sie sich zu erheben und sich aus seinem Griff zu lösen.  ,,Ich gehe jetzt und du lässt mich alleine“ fügte sie hinzu bevor sie es ein zweites Mal versuchte.
Lucas ließ sie in ihren Bemühungen alleine und positionierte sich einige Schritte von ihr entfernt. Abfällig schaute er zu ihr hinunter, doch als sie ihn anschaute grinste er nur noch.
Er konnte sich nicht verkneifen sie noch einmal anzusprechen ,,Soll ich dir helfen, Schwesterherz?“.
Schnell strecke er ihr seine Hand entgegen.
Skye schenkte ihm einen weiteren Todesblick und fügte ein ,,Idiot!“ hinzu.
Mit viel Mühe zog Skye sich selbst auf die Beine und humpelte los in Richtung Kolonie.
Lucas folgte ihr mit einem charmanten Lächeln im Gesicht. ,,Das hast du gut gemacht, aber seinen wir mal ehrlich, Bucket, du schaffst es mit deinem Knie doch niemals alleine bis in die Kolonie.“ Er war sich siegessicher.
Mit einem gequälten Ausdruck im Gesicht wandte sich Skye Lucas zu. ,,Ehrlich?“ fragte sie unsicher.
,,Ehrlich!“ erwiderte er flink, bevor sie es sich anders überlegen könnte.
Leidend fasste Skye sich an die Wunde an ihrem Knie. Sie würde es wirklich nicht alleine schaffen.
,,Okey Lucas, du darfst mich begleiten, aber wage es ja nicht…“ sie zögerte, ,,Wage was nicht?“ unterbrach sie Lucas.
Skye schaute ihn grimmig und entschlossen an. ,,Du bringst mich zur Kolonie und das wars!“
,,Abgemacht!“ antwortete er schnell und schenkte ihr ein ehrliches Lächeln.
Bei diesem Anblick zuckte Skye kurz zusammen, denn sie hatte ihn noch nie so Lächeln sehen. Immer grinste er sie an oder warf ihr einen erniedrigen Blick zu. In seiner Gegenwart fühlte sie sich immer so komisch und dumm, ganz anders als in diesem Moment.

Vorsichtig lief Skye weiter in Richtung Kolonie, Lucas neben ihr laufend.
Immer wenn sie ihn an sah blickte auch er in ihre Richtung. Sie fühlte sich beobachtet und ganz langsam wurde es ihr unangenehm.
Ihr Knie schmerzte mit jedem Schritt mehr. ,,Scheiße!“ fluchte sie, leider ein wenig zu laut, sodass auch Lucas es hörte.
,,Komm, Bucket, lass dir helfen!“ reagierte er sogleich.
Skye blickte ihn entgeistert an ,,Nein, ich schaff das selber. Lass ruhig.“
Lucas schüttelte den Kopf und machte sogleich einen Schritt auf sie zu. Auch als sie ihm einen weiteren kritischen Blick zuwarf, hielt er nicht inne. Vorsichtig griff er ihr unter die Arme, sodass sie sich bei ihm abstützen konnte.
Skye musste nun nicht mehr ihr gesamtes Gewicht auf das Bein verlagern und das Knie blieb größtenteils unbewegt. Kurz schaute sie in seine Richtung und blickte in seine leuchtend grünen Augen. Sie schenkte ihm ein dankendes Lächeln.

Gemeinsam begaben sie sich auf den Weg zurück zur Kolonie. Skye hatte es durch Lucas Hilfe nicht sonderlich schwer und zum Glück blieben sie von jeglichen Dinosaurierangriffen verschont.
Skye war den ganzen Weg über in ihren Gedanken vertieft. Warum war er nur auf einmal so nett zu ihr? Wollte er sich dann gar nicht bei ihr rächen? Skye hätte zu gerne die Antworten auf diese Fragen gewusst.
Unsicher lief sie neben ihm her. Immer wieder trafen sich für einige Sekunden ihr Blicke, bis sich einer von ihnen wieder abwandte.
Schweigend erreichten sie die Kolonie. Skye merkte erst wie nah sie am Tor waren, als Lucas stehen blieb und sie ansah.
,,Danke“ sagte sie mit schwacher Stimme. Er nickte ihr zu, noch immer schweigend.
Skye machte einen Schritt auf ihn zu, sodass er sie besser hören konnte. Sie waren sich nun ganz nah und Skye konnte seinen Atem hören. ,,Danke“ flüsterte sie ihm ins Ohr.
Sie konnte sehen, dass Lucas lächelte, als sie sich von ihm entfernte.
Langsam machte sie sich auf in Richtung der Tore von Terra Nova und verließ das dichte grün des Dschungels. Als sie sich noch einmal umdrehte, sah sie Lucas noch immer Lächeln. Er schaute ihr hinterher stellte ihr mit lauter Stimme eine letzte Frage. ,,Was hast du denn nun eigentlich dort Draußen gemacht? Wolltest du mich besuchen?“ sagte er in ironischen Ton. Skye lachte in sich hinein. ,,Ja sicher Bruderherz! Es gibt Dinge, die wirst du wohl niemals erfahren.“ tritzte sie ihn.  
Sie zwinkerte ihm zu, verließ dann aber sein Blickfeld, während er im unendlichen Dschungel verschwand.

Lucas dachte noch Stunden nach ihrer Begegnung über Skye nach. Er mochte diese Mädchen und liebte diese Art von Unterhaltungen mit ihr, wenn sie denn mal sprachen.
Und das kam seiner Meinung nach viel zu selten vor.
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