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I won't let you down

von Millijana
GeschichteSci-Fi, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Commander Shepard James Vega
16.04.2013
30.07.2020
28
76.830
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16.07.2020 3.155
 
„Auf dein Zeichen.“

Die tätowierte Biotikerin nickte und Ella wusste, dass sie bereits die notwendigen Knotenpunkte in den Implantaten in ihrem Körper aktivierte. Ella tat das Gleiche. Da die jüngere Frau aber ungleich mächtiger war kostete es sie mehr Konzentration sich auf das zu limitieren, was sie auch wirklich tun wollte. Im Grunde genau das Gegenteil von dem was „normale“ Biotiker in der Regel so taten. Ella kannte die wenigen Momente in denen bei ihr selbst das ganze System ‚gebrannt‘ hatte und beneidete Jack nicht darum, ständig unter Dauerfeuer zu stehen und es konstant im Zaum halten zu müssen. Tatsächlich hatte sie immensen Respekt davor.

„Jetzt,“ presste Jack zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.

Ella sprang aus ihrer Deckung und chargte auf den Atlas zu, während Jack die Schockwelle losschickte.

Timing war hier alles. Niemand wagte zu bezweifeln, dass die beiden Frauen ihre Fertigkeiten beherrschten – sie würden auch ohne Timing diese Runde mit Bravour gewinnen, aber sie wollten es mit einem Feuerwerkt tun – wofür sie mittlerweile fast schon bekannt waren.
Ein wenig angeben schadete halt nie.

Und so beendeten sie ihre Runde mit einer Explosion, die sich gewaschen hatte und das Publikum tatsächlich etwas zucken ließ.

Auf der Anzeige prangten die Namen Jaqueline Nought/ Valentina Albiol Moreno. Aus offensichtlichen Gründen hatte Ella nicht ihren richtigen Namen angegeben und verzichtete auch darauf ihren Helm bereits in der Arena abzunehmen.
Die Rüstung war natürlich auch eine, die sie explizit für diesen Zweck erworben hatte. Sie wollte hier einfach ihre Ruhe haben, etwas Druck abbauen und nicht mit allem möglichen Scheiß genervt werden, vor dem sie sich hier versuchte zu verstecken. Und heute war es mehr als nur der Krieg, der aus ihrem Kopf verschwinden sollten.

„Nicht schlecht für einen Spätzünder.“ Jack versäumte seltene eine Gelegenheit sie damit aufzuziehen, dass sie erst so spät ihre Implantate und ihr Training bekommen hatte, hier riss sie Ella aus einer gedanklichen Abwärtsspirale heraus, wofür Ella ihr stumm dankte.

„Hab mir sagen lassen, die können’s am Besten, weil sie so viel nachzuholen…“

„… und es besonders nötig haben,“ fiel Jack ihr ins Wort.

Ella grinste. „Du ahnst gar nicht wie sehr.“

Die Frauen lachten beide als ihre Fäuste sich zu einem Bro-Fist trafen ehe sie sich unter noch anhaltendem Gejubel zum Ausgang der Arena bewegten. Sie hatten im 2. Versuch einen für sie annehmbaren Score erreicht, der wohl zumindest für einige Tage bestehen bleiben würde, wenn nicht auch bis zum Tilt der Liste am Ende der Woche.
Sie versuchten immer gleich am Anfang der Woche den Score hoch zu setzen. Das brachte am Ende zum einen mehr Credits und zum anderen war es ein großes Vergnügen andere bei einem Bier scheitern zu sehen. Massani spuckte ihnen gelegentlich in die Suppe, aber er schaffte es gewöhnlich nicht all zu häufig hier mitzuspielen – er tat es auch nur um Ella ins Müsli zu pissen, vermutete sie. Das Geld und der Ruhm waren ihm gleichermaßen scheiß egal.

Sie hatten zwischen ihren beiden Versuchen schon einiges Getrunken und würden auch jetzt wieder den Weg in einen der Clubs finden, damit sie noch etwas weiter trinken konnten. Ella war froh, dass Jack weit genug weg vom Team war, um nicht über alles auf der Normandy informiert zu sein – zumindest war das die Hoffnung. Es bestand auch einfach die Möglichkeit, dass sie nur keinen Bock hatte drüber zu reden. Mit anstand hatte dies jedenfalls gar nichts zu tun.

Es war ein guter Abend und er lenkte Ella ab. Sie verzichteten auf Tanzen, auch wenn Jack es einige Male versuchte und sie hatten mehr als einmal spaß mit Typen die versuchten sie beide gleichzeitig abzuschleppen, für diverse Konstellationen. Aber beiden Frauen stand nicht der Sinn nach dieser Art Abenteuer. Beide waren nicht (oder nicht mehr) in der Position Angebote dieser Art einfach so anzunehmen. Früher war das anders gewesen, für beide. Da waren sie noch keine Vorbilder gewesen. Also gaben sie jedem davon eine Abfuhr, die sie beide amüsiert zurück ließen.

„Scheiße, der sah nicht mal gut aus,“ kommentierte Jack den letzten.

„Ja, man sollte meinen, dass man ab einem bestimmten Bekanntheitsgrad immerhin die attraktiveren Optionen bekommt.“

Jack sah sie mit einer hochgezogenen Augenbraue an. ‚“Als wenn du wirklich jammern müsstest. Da rennt doch genug eye-candy auf der Normandy rum.“

Ella schmunzelte. „Ja, würde es aber nur unnötig kompliziert machen.“

„Willst du mich verarschen?“

„Hä?“

„Du willst mir doch nicht sagen, dass nicht mittlerweile zwischen dir und dem Großmaul was gelaufen ist.“

Ella seufzte. Was war nur mit diesem verfickten Tag nicht in Ordnung? Warum musste jeder dieser verdammten Idioten auf ausgerechnet diese Person zu sprechen kommen? Zum Kotzen. „Der genießt lieber die Gesellschaft anderer.“ War ihre knappe Antwort. Sie wusste noch immer nicht ob dem so war, aber allein der Gedanke ließ sie kochen. Es war nicht nur Wut, sondern auch etwas anderes. Sie war enttäuscht.  Ella leerte ihr Glas in einem Zug. „Ich denke ich habe genug für heute.“

Jack sah sie mit hochgezogener Braue an. „Dein scheiß Ernst?“

„Jap. Mein scheiß Ernst.“ Sie stieß sich von der Theke ab, an der sie gelehnt hatten. „Du bist heute die dritte die mir mit dem Thema auf den Sack geht und ich habe jetzt die Schnauze voll.“

Jack lachte etwas. „Fein.“ Sie leerte ebenfalls ihr Glas. „Ich geh davon aus, du meldest dich, wenn du wieder auf der Citadel bist?“

„Jo, mach ich. Wird aber wohl nicht gerade übermorgen sein.“

„Das ist mir klar, Hohlbirne. Bekomm einfach vorher deinen Scheiß auf die Kette. Keinen Bock das nächste Mal weiter auf Eierschalen zu tanzen.“

Ella verdrehte die Augen. „Jaja, nur weil du gerade mal oben schwimmst und keinen Grund hast zu meckern.“

Jack grinste. „Prinzessin, du vergisst, dass ich immer einen Grund habe zu meckern. Und jetzt gerade sind es deine lächerlichen Stimmungsschwankungen wegen dem Muskelprotz mit seinem Möchtegern Iro.“
„Sagte die Queen der geschmackvollen Frisuren.“ Ella schüttelte ihren Kopf mit einem Grinsen auf den Lippen.

„Fick dich,“ lachte Jack ehe sie Ella freundschaftlich gegen die Schulter boxte.

„Ja, du mich auch.“ Ella zeigte ihr einen Mittelfinger mit einem Schmunzeln auf ihren Lippen und ließ die junge Frau dann ziehen. Sie sah ihr einen Moment nach und bestellte sich dann noch einen Tequila, den sie gleich in einem Zug leerte, bevor sie sich selbst auch auf den Weg machte.

Ella lief langsam durch die Menge, die sich den Vergnügungen auf dem Strip hingaben. Sie war etwas neidisch. Sie hatte den ganzen Tag versucht ihre Gedanken von ihren aktuellen Problemen abzulenken, aber nichts davon würde ausreichen. Natürlich konnte sie sich nun weiter betrinken, das würde aber nur dazu führen, dass sie später eine wirklich unausstehliche Laune hatte und das musste sie der Crew nun wirklich nicht zumuten.

Ihr wurde im Vorbeigehen ein Werbe-Datapad in die handgedrückt. Die kleine Karte bewarb eine weitere Arena, aber persönlicher, näher, echter. Ein kleiner Werbefilm zeigte einen Faustkampf zwischen zweit Kombattanten. „keine Amps, keine Waffen, keine Regeln“ Das war der Werbespruch. Das klang… gut, um ehrlich zu sein. Vielleicht genau, was sie brauchte. Es hatte früher auch geklappt. Sie zuckte mit den Schultern und ließ ihr Omnitool die Karte auslesen und einen NavPoint generieren.

„Edi? Melde mich für die nächsten 3 Stunden ab. Sollte ich mich in 5 nicht melden, lass nach mir an folgendem NavPoint suchen.“

„Verstanden, Shepard. Wenn ich…“

„Danke, nein,“ fiel sie der AI ins Wort. „Du darfst mir später vorhalten, dass du es mir vorher hättest sagen können.“ Damit schaltete sie ihr Omnitool auf ‚Do not disturb‘ und folgte der Wegbeschreibung.


Es roch nach Schweiß und Blut. Es war schmutzig und laut. Und sie liebte es. Sie konnte das Adrenalin fühlen. Die Rufe der Zuschauer, die Sprecher an den verschiedenen Ringen, die die jeweiligen Kämpfe kommentierten und die Menge anheizten. Ella konnte das dumme Grinsen nicht verbergen. Das war exakt, was sie sich erhofft hatte.

„Willst du mich verarschen? 1500 Creds Startgeld? Für ne dreckige Umkleide und ein vollgepisstes Klo? Schieße, seid ihr Abzocker…“ maulte sie, als sie dennoch das Startgeld bezahlte und die Holomaske entgegennahm, die alle Kämpfer zu tragen hatten. Damit stellten sie sicher, so hatten sie ihr erklärt, dass die Kämpfe auch wirklich nur hier ausgetragen wurden und nicht später Probleme verursachten, die auf die Arena zurückzuführen waren. Klang clever, war aber bullshit. Ella würde ich aber sicherlich nicht beschweren, denn es war auch hier wieder in ihrem Interesse nicht erkannt zu werden. Jeder mit dem sie bisher gesprochen hatte, hatte zumindest den Anstand gehabt nichts zu sagen, aber wenn sie dann im Ring stand konnte sie sich nicht darauf verlassen.
Das war genau die Art Vergnügen, bei der die Alliance etwas nervös wurde.

Sie hatte erneut den Namen ihrer Mutter angegeben. Er hatte sie schon häufiger in ihrem Leben gute Dienste erwiesen und sie vor wirklich unangenehmen Situationen bewahrt. Da sie so dumm gewesen war sowohl Jacke als auch T-Shirt mir N7 Emblem zu tragen, musste nun Hose und Sport-BH als Dress herhalten. Aber das war besser hinnehmbar als die Verbindung zu ihrem Training und somit eventuell zu ihrer Person. Niemand würde die Narben mit ihr in Verbindung bringen können. Seit sie im Gesicht schlimmer geworden waren, hatte sie niemand mehr fotografieren können, da sie fast konstant unterwegs gewesen waren. Und ihre Tätowierung kannten nur wenige. Vornehmlich Leute, die sie hier nicht antreffen würde. Die Hose war Alliance Standard, der gerade jetzt unter Zivilisten beliebt war. Ihr Amp hatte sie an der Anmeldung abgeben müssen.


Sie trat barfuß in den Ring, als sie angekündigt wurde und war tatsächlich etwas aufgeregt. Sie schmunzelte unter ihrer Maske, als ein schmächtiger Kerl ihr entgegen trat, der ihr Gegner in diesem Kampf war.

Ella hatte ihn unterschätzt. Sie hatte ein paar fiese Schläge einstecken müssen. Sie wischte sich mit der rechten Hand das Blut von der Unterlippe und grinste, als sie am Ende als Siegerin verkündet wurde. Sie fühlte sich wunderbar.

Der nächste Gegner war eine Asari. Es war spannend gegen eine andere Biotikerin anzutreten, die wie sie ihre Fähigkeiten nicht nutzen durfte. Zum Glück für Ella war die Asari jung. Ansonsten wäre dieser Kampf nicht so ausgeglichen, wie er es jetzt war. Ella musste zugeben, dass sie schnell und wirklich gut war. Die Tritte und Schläge, die Ella einstecken musste, waren ein klares Zeichen dafür. Aber am Ende war es die Asari, die abklopfte, als Ella sie endlich auf dem Boden halten konnte und ihr so ihren zweiten Sieg bescherte.

Ein Blick auf die Uhr verriet ihr, dass sie wohl noch einen Kampf schaffen würde, bevor sie sich zurückmelden musste. Edi würde keine halben Sachen machen, wenn Ella auch nur eine Sekunde überfällig war.

Wie das Schicksal es wollte, war ihr letzter Gegner ein Typ der Mal ein Kroganer hatte werden wollte. Sie war sich sicher, dass dies wehtun würde. Wirklich wehtun. Karin würde ihr die Hölle heiß machen, aber das war es wert. Es spielte keine Rolle ob sie gewann. Es ging nur um einen guten fight.

Und den bekam sie. Er hatte sie mehr als einmal soweit, dass sie fast keinen Ausweg aus der Situation mehr sah, denn, scheiße, war er ihr körperlich überlegen. Einzig ihre Erfahrung und die Tatsache, dass sie ein scheiß Cyborg war bewahrten sie davor, dass sie diesen Kampf verlor. Letzteres bewahrte sie wohl auch vor einigen ernsthaften Verletzungen und Knochenbrüchen. Aber sie würde in einigen Stunden mehr als nur schrecklich aussehen. Letztendlich konnte er aber nicht mehr aushalten als Ella. Er war groß kräftig und wirklich, wirklich gut. Erfahren und ein einer Mordsform. Aber Ella war doch besser, flinker und von klein auf diese Art der Kämpfe gewohnt. Ein guter Straßenkampf mit allen schmutzigen Tricks, die sie hier im Ring einsetzen konnte, war ein Spaß für sie. Wie eine Erinnerung an ihre Jugend, wo sie mehr als nur einmal nicht nur zum Spaß hatte kämpfen müssen.

Heute jedoch war es ein erfolgreicher Spaß. Sie ging am Ende um viele Credits reicher aus der Halle, die ihr im Grunde allerdings gar nicht bedeuteten. Sie schaltete ihr Omnitool an und einige Nachrichten kamen herein, aber zunächst musste sie Edi entwarnen.

„Ich lese erhöhte Adrenalinwerte und Endorphine in deinem System, Shepard. Es gibt Hinweise auf Blutungen und Verletzungen. Gab es Probleme?“

Ella musste fast lachen. „Nein, kann man so nicht sagen. Dennoch wäre es gut, wenn Chakwas wach ist, wenn ich auf der Normandy eintreffe. Nur zur Sicherheit.“

Eine der Nachrichten war von Aria. Vor 30 Minuten gesendet. Es war den Versuch wert. Sie antwortete ihr und bestätigte den Treffpunkt.

„Oh komm, das kann nicht den scheiß Ernst sein, Aria. Ohne mein Team?“ Ella schüttelte den Kopf. „Das sind verdammte Profis.“ Sie saß in einem Skycar, der von Bray geflogen wurde, während die beiden Frauen hinten saßen und darüber sprachen, wie Aria sich vorstellte Omega zurück in ihre Hand zu bekommen.

Die Asari macht Ella zunächst kühl klar, dass sie Vorbehalte gegen einige aus ihrem Team hatte und sie nicht auf ihrer Raumstation haben wollte.
Ella seufzte. Sie hatte alle Informationen bekommen. Wer er war, wann es losgehen sollte – was an Lächerlichkeit nicht zu überbieten war, denn Aria setzte ihr buchstäblich die Pistole auf die Brust. Ella hatte 4 Stunden sich das zu überlegen und ihre Sachen zu packen.

„Das ist Erpressung, das ist dir klar…“

Die Asari lachte trocken. „Ja, mit dem kleinen Bonus, dass wir beide am Ende gewinnen. Überleg es dir.“

Ella nickte. „Werde ich, auch wenn du bereits weißt, dass ich im Grunde keine Wahl habe, weil ich die beschissenen Einheiten an die Reaper verfüttern muss, damit wir immerhin ne kleine Chance haben…“

Aria lächelte überheblich. „Ich bin froh, dass wir uns hier einig werden konnten. Ich freue mich auf unseren kleinen Ausflug.“

Sie wurde in der Nähe ihrer Andockstation abgesetzt. Sie schüttelte ihren Kopf und stöhnte etwas, als ihr kurz schwindelig wurde und sie einen leichten Druck im Nacken in der Nähe der Sockel für ihr Amp fühlte. Fein. Eine Migräne. Dieser Ausflug mit Aria würde noch bekackter werden, als es bis eben noch ausgesehen hatte.

Sie stand in der Schleuse, als sie Edi Befehle gab, welche Nachrichten sie an wen weiterleiten sollte. Hackett musste wissen was sie tun würde. Karin musste sie behandeln und eine Sammlung an Stims vorbereiten, damit sie fit für diesen Einsatz sein und auch währenddessen bleiben würde. Eine Unternehmung dieser Art kam selten mit Schlaf und wenn dann waren es nur kurze Ruhephasen.

Sie musste die Crew informieren, Aufgaben verteilen. Vielleicht konnte Cortez noch etwas besorgen, das ihr half. Und von Liara würde sie sich alles auf ihr Omnitool schicken lassen, was sie über Omega und diesem Typen mit dem russischen Namen hatte.

Eine Stunde nach dem Briefing und drei Stunden nach ihrer Rückkehr später stand sie mit James an einer Werkbank, bereits in ihrer Rüstung und diskutierte letzte Details über Modifikationen für das was sie erwarten würde oder konnte. Er war angespannt aber konzentriert.

„Du siehst scheiße aus,“ sagte er nachdem sie beide dort standen und ihre Waffen ein letztes Mal begutachteten.

„Ja, ich weiß. Ewas sagt mir, dass es wohl nicht besser wird in den kommenden Stunden.“

Er seufzte „Du hättest dir halt einfach die Fresse nicht so polieren lassen müssen.“

Ella lachte trocken. „Wird‘ ich mir merken, Captain Obvious.“ Sie sahen einander noch immer nicht an. Es mache aber auch keiner von ihnen Anstalten zu gehen.

„Wer ist die Frau deren Name du für diese Aktionen nutzt?“

Ella sah ihn mit zusammengezogenen Brauen an. „Woher…?“

Er schnaubte. „Ich kenne jede verdammte Narbe an deinem Körper, jeden Zentimeter… natürlich habe ich dich erkannt…“ Er sah sie nur kurz an, bevor er seinen Blick wieder auf die Waffen vor ihnen richtete. Er war todernst.

„Meine Mutter. Valentina Albiol Moreno ist... war meine Mutter.” Ella schlang ihre Arme um ihre Körpermitte und sah auf den Boden. „Sie verschwand als ich neun war.“

„Da kannst du froh sein, dass sie wohl nen Schutzengel auf dich heut angesetzt hat, denn verdammte Scheiße… Was hast du dir nur dabei gedacht, Lola?“ Er sah schnell wieder weg, als er bemerkte, dass ihm sein Kosename für sie eben herausgerutscht war.

Ella holte tief Luft und hielt diese für einige Moment an, in denen sie auf der Innenseite ihrer Wange kaute. „Ich musste den Kopf frei bekommen. Und das klappt für mich wohl nur in zwei Situationen. Eine davon ist halt mir die Fresse polieren zu lassen.“

Er lachte einmal humorlos. „Ja, das haste gut hinbekommen. Du solltest in Erwägung ziehen die andere Option vorzuziehen.“

„Stand nicht zur Auswahl heute. Was hast du da überhaupt verloren gehabt?“

Er zuckte mit den Schulten. „Bin eher dahingezerrt worden. Hab ne alte Bekannte von Omega getroffen und wir haben das Wiedersehen etwas gefeiert, sie meinte sie kennt da nen Ort... die war immer schon etwas loco. Hat mir aber halt auch nen Rabatt aufs Tattoo eingebracht, also will ich mich mal nicht beschweren.“

Ella sah ihn überrascht an. „Ein Tattoo?“ Und so langsam dämmerte ihr, wie unfassbar saudämlich sie gewesen war.

„Si. Hatte von nem Batarianer gehört, der in den zivilen Andockbereichen für annehmbare Preise gute Resultate bringt.“ Er zuckte mit den Schultern.

Sie wollte sich ohrfeigen. Aber ihr Kopf dröhnte bereits genug. Also schloss sie kurz ihre Augen und presste genervt ihre Lippen aufeinander. „Hab dich gesehen. Und es natürlich völlig falsch eingeschätzt…“

„Du hast nicht im Ernst…“ es hatte einen kleinen Moment gedauert, bis er kapiert hatte, was sie andeutete und es machte ihn etwas fassungslos. Er drehte sich zu ihr und griff nach ihrem Oberarm um sie zu ihm zu drehen, so dass sie ihn ansehen musste.

„Nein, aber ich wusste auch nicht was ich denken sollte. Mich überfordert diese scheiß Situation, okay?“

„Shepard, wenn du rechtzeitig aufbrechen möchtest, wäre nun der Zeitpunkt dies zu tun.“ Edi unterbrach ihre Unterhaltung.

„Verstanden.“ Ella sah James an holte Luft und schloss ihren Mund dann wieder.

Die Commander griff nach ihren Waffen und befestigte sie in den entsprechenden Halterungen an ihrer Rüstung. Sie hatte schon einige Schritte in Richtung Aufzug gemacht, als er sie einholte, sich vor sie stellte und ihr Gesicht in seine großen Hände nahm. „Pass verdammt nochmal auf dich auf. Es macht mich wahnsinnig, dass ich denen Arsch da draußen nicht frei halten kann. Sag Aria, dass sie es bereut, wenn dir was passiert und das hat rein gar nichts mit den Reapern zu tun.“ Er drückte ihr einen Kuss auf die Stirn. „Und wenn du wieder da bist und die Stims ausgeschlafen hast reden wir. Ich bin nicht bereit einfach so aufzugeben.“

Ella schluckte schwer. Es ließ ihr Herz hüpfen, als er sie hielt und ließ ihre Knie ein wenig weich werden, als sie seine Lippen auf ihrer Stirn fühlte. Sie verstand jetzt, was die anderen, insbesondere Kaidan, ihr hatten sagen wollen. Zumindest fing sie an es langsam besser zu verstehen. „Gut, denn ich bin auch nicht bereit einfach aufzugeben.“ Sie sah ihn ernst an. „Ich verspreche, dass ich alles dafür tu‘ in einem Stück wieder zurück zu kommen. Und ja, dann reden wir. Versprochen.“
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