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I won't let you down

von Millijana
GeschichteSci-Fi, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Commander Shepard James Vega
16.04.2013
30.07.2020
28
76.830
4
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24.06.2020 2.376
 
Garrus hatte angedeutet, dass ihm dieses Treffen echt wichtig war. Also eigentlich hatte er nur mehrfach versucht Ella neugierig zu machen, die aber mit einem Zwinkern und Grinsen immer einfach gegangen war, wenn er damit anfing. Auf so einen Mist reagierte sie gar nicht erst. Sicher, sie war gespannt, würde dem Turianer aber nicht die Freude machen ihm das zu zeigen und wie ein kleines Mädchen vor ihm auf & ab zu hüpfen um darum zu betteln einen Tipp zu bekommen.

Es hatte sie allerdings dazu veranlasst, dass sie das Essen mit Kaidan nach hinten verlegt hatte. Sie würde nun also erst tun, was Garrus sich in seinem hässlichen Schädel ausgedacht hatte und sich dann bei einem Steak-Sandwich davon erholen und mit Kaidan Witze über alte Zeiten machen – was zumindest war, was sie sich vorgenommen hatte, nachdem Kaidan losgeworden war, was immer er loswerden wollte.
Danach standen noch ein Kaffee mit Liara, auf dem Plan. Ein Abstecher in die Spectre-Abstellkammer (wie sie es zu nennen pflegte) um mit Miranda zu plauschen und zu hören, was sie da ausgebuddelt hatte und dann, endlich, würde sie mit Jack Dampf ablassen können und ein wenig Normalität einkehren lassen können.

Jetzt saß sie zunächst aber in einem Wagen mit Garrus, der ihr kryptische Fragen stellte über Dinge, die sie schon immer hatte tun wollen, bevor sie starb, aber wovon sie Regularien abgehalten hatten.

Bäm. Gleich ins Schwarze. Manchmal hasste sie Garrus dafür. Ihr war klar, dass diese Frage vermutlich nur die Einleitung dieser kleinen Unternehmung war und nichts mit James oder ihrer dysfunktionalen Beziehung oder was auch immer diese Scheiße zwischen ihnen war, zu tun hatte. Vollkommen ausschließen konnte sie es aber auch nicht. Diese Art der Zweideutigkeit war genau sein Ding und er hatte schon damals als sie mit der Crew ausgegangen waren seine Aufmerksamkeit unter Beweis gestellt.
Es war großartig so jemanden in seinem Umfeld zu haben, außer sie sprachen immer die unangenehmen Dinge an – wie Garrus – dann war es eher zum Kotzen. Aber wer konnte dem hässlichen Vogel schon was übelnehmen.

Also wich sie einer echten Antwort aus. „Hatte zu viel damit zu tun am Leben zu bleiben.“ Sie grinste ihn an. „Aber was ist’s bei dir?“

Er erzählte davon, dass er schon immer dem Dach des Präsidiumseinen Besuch hatte abstatten wollen – so viel also zu den ‚aufregenden‘ Dingen, die er hatte tun wollen. „Bin ich aber nie. Da waren geschätzte 137 Regularien, die mich davon abhielten.“

Ella kannte das Gefühl. „Also hast du sie ändern lassen?“

„Nein, ich gebe mittlerweile nur einfach nen Scheiß drauf.“

Sie musste lachen. Das war Garrus, wie er ihr am liebsten war – naja abgesehen von den Situationen, wenn er ihr den Rücken freihielt, da war er ihr noch ein wenig lieber. Sie mochte, was in den Jahren aus ihrem Freund geworden war und sie wüsste nicht, wo sie nach all der Zeit ohne ihn wäre. Das konnte man natürlich auch auf diverse andere Crew Mitglieder übertragen. Ohne Joker zum Beispiel, wären ihre Nerven in einem besseren Zustand. Und weil sie es ja nicht lassen kann, an so einen Scheiß zu denken: Ohne James wäre sie vermutlich nun nicht in der Lage mit Garrus ein für alle Male zu klären, wer der bessere Schütze von ihnen war.

Anfänger. Sie war ein Scheiß Cyborg. Welche reelle Chance würde er gegen sie haben?

„Scheint als hättest du eine nicht unbeträchtliche Menge an Zeit in Vorbereitungen gesteckt,“ merkte Ella an, als sie sich umsah, nachdem sie die Waffe aufgefangen hatte.

„Nun ich hatte etwas überschüssige Zeit.“

„Hattest du, ja?“

„Nun, ich habe mich nicht in meiner Kabine verkrochen und vorgegeben beschäftigt zu sein während ich darauf gewartet habe, dass bestimmte Crew-Mitglieder die Normandy verlassen, bevor ich das selbst tue.“

„Ich möchte dir manchmal Eine reinhauen, das weißt du, oder?“ Ein zynisches Grinsen umspielte ihre Lippen.

„Und dennoch bist du hier. Vielleicht auch deswegen, aber solange du hier bist und ich am Ende Gewinne ist mir das Einerlei.“

„So ist das also,“ entgegnete sie mit einem gespielt enttäuschten Kopfschütteln. „Du erhoffst dir mit diesem Thema mich ausreichend abzulenken, damit du den Scheiß Pokal am Ende mit nach Hause nimmst.“

Garrus sah sie nur mit einem Schulterzucken an.

„Aber du denkst nicht im Ernst, dass dir das einen echten Vorteil bringt, oder?“ Sie grinste ihn an. „Ich bin mittlerweile so sehr daran gewöhnt eine Scheiß Wut auf irgendjemanden im Bauch zu haben, dass ich ohne gar nicht mehr mit der Waffe umgehen könnte.“ Sie machte eine kleine dramatische Pause „Wut ist meine Grundstimmung.“

Seine Mandibeln zuckten in seinem Äquivalent zu einem Grinsen: „Ja, aber du bist nicht wütend auf ihn.“

Ella stutzte für einen Moment, bevor sie sich der Waffe zuwendete und so tat als würde sie deren Tauglichkeit überprüfen. „Ich habe unter wesentlich schwereren Bedingungen meinen Scharfschützentest im N7 Training bestanden… Da werde ich dich unter diesen Bedingungen auch noch kleinkriegen.“ Sie warf ihm einen Blick aus den Augenwinkeln zu und zog eine Augenbraue hoch.

„Darum,“ verkündete er feierlich, „steht diese Kiste hier.“ Er öffnete eine Kühltruhe mit Getränken. Tequila für Ella und was auch immer Turianer so tranken für ihn. Gleichermaßen hart.

„Du willst es wirklich wissen, hm?“ Ella ließ die Waffe sinken und kam auf Garrus zu. „Na gut. In Runden, nehme ich an?“ Sie würde sich diese Herausforderung nicht entgehen lassen. Das würde ein spannender Tag werden, wenn sie nun schon anfing zu trinken. Diesmal in jedem Fall aus den verdammt richtigen Gründen.

„Richtig. Jeder ein Getränk, dann werfen wir, jeweils für den anderen.“ Er nickte ihr zu.

„Und alles schön fair, kein Antäuschen und so ein Blech.“

„Als käme mir in den Sinn zu versuchen Commander Shepard im Flaschenschießen über den Tisch ziehen zu wollen, oder mir den Versuch nachsagen zu lassen.“ Er zuckte unbeeindruckt mit den Schultern. „Was wäre das auch für ein Sieg, wenn ich auf diese Weise siege.“

Ella schnaubte amüsiert. „Sieht so aus, als würdest du das wohl nie herausfinden.“

Der Turianer sagte darauf nichts. Nur die nicht vorhandenen Augenbrauen bewegten sich etwas skeptisch nach oben. Dann beugte er sich herab und reichte Ella eine der Flaschen & ein Glas. Bevor er sich selbst eine nahm, und sie aufdrehte. Sie gossen sich beide jeweils ein Glas ein, so dass sie beide einen Doppelten in der Hand hielten.

„Auf einen fairen Wettstreit.“

Sie stießen an und tranken für einen Moment schweigend. Der Moment war zu kostbar, um das Glas zu exen. Für einen Moment fühlte Ella sich entspannt und mit sich im Reinen. Das war was sie immer schon bis ins Tiefste geschätzt hatte. Kameradschaft. Etwas, das sie damals als Jugendliche in dem verlassenen Mietshaus, in dem sie sich eingenistet hatten, das erste Mal erfahren hatte. Später in der Alliance, nachdem in New York alles den Bach runter gegangen war, hatte sie das Gefühl gehabt, dass dies war, was sie gerettet hatte. Warum sie all das überhaupt geschafft hatte. Weil sie Kameraden hatte, für die es sich lohnte, nicht aufzugeben. Weil es da etwas gab, von dem sie ein Teil sein wollte. Das war, was ihr nach ihrer Rückkehr am meisten gefehlt hatte. Etwas für das sich dieser ganze Scheiß hier lohnte.
Nicht, dass sie ihre Kameraden nicht geschätzt hatte, aber... es hatte sie anders angefühlt. Wie kalter Kaffee.
Das hier allerdings – das war das echte Gefühl. Wie es sein musste.

Sie leerte Ihr Glas und stand auf. „So, willst du dich nur betrinken, oder auch einen Wettstreit verlieren?“

Garrus lachte und leerte sein Glas ebenfalls. „Führt der Alkohol schon zur Selbstüberschätzung, Commander?“

Sie lachte und ging mit der Waffe in der Hand in Position. „Lass mal sehen, was du zu bieten hast. Dann reden wir weiter.“

Garrus ging in Wurfposition und nahm etwas Anlauf, ehe er die kleine Flasche in einem hohen, langsamen Bogen warf.

Ella atmete langsam zählte innerlich, folgte mit dem Lauf der Waffe der Flugbahn, atmete aus und drückte zwischen zwei Herzschlägen ab. Es war leichter geworden, seit mehr Einfluss auf ihren Körper nehmen konnte. Es fiel ihr leichter den richtigen Zeitpunkt zu finden. Auch wenn es ihr noch immer keinen Spaß machte – normalerweise zumindest. Heute war das anders.
Der Schuss saß und die Flasche zerbarst in der Luft.

„Jetzt du.“ Sie warf Garrus die Waffe zu, der sogleich nachlud und einige Einstellungen auf ihn umstellte. Als er ihr zunickte, und seine Bereitschaft signalisierte warf sie ihre Flasche in eine ähnliche Flugbahn, wie er es zuvor getan hatte.
Auch Garrus traf sie sicher, ohne zu zögern.

Sie lachten beide nachdem sie darüber gescherzt hatten, dass Ella es ihm leicht gemacht hatte damit er sich nicht schlecht fühlte.
Dann hatten sie sich jeder wieder eine der kleinen Flaschen genommen und ihre Gläser gefüllt.
Während sie Witze machten und sich über die Crew unterhielten, ohne jedoch den rosa Elefanten im Raum anzusprechen, wiederholten sie das Spiel.

Erneut: Zielen, atmen, Abdrücken.

Natürlich bereitete es ihnen auch jetzt noch keine Probleme die kleinen Ziele zu treffen. Dafür waren sie einfach zu gut in dem, was sie taten.
Das Spiel wiederholte sich noch zwei Mal, bevor Garrus das leidige Thema wieder zur Sprache brachte.

„Was ist passiert, dass der Lieutenant sauer ist und du.. naja, was immer es ist, was du bist?“

Ella seufzte. Es machte keinen Sinn, sich hier auf Stur zu stellen. Wenn es jemanden gab, der sie nicht verurteilte, dann war es wohl Garrus. „Ich habe mein dummes Maul nicht halten können.“

„Und du hast es nicht richtig gestellt,“ hakte er nach, ohne dabei nachzufragen, um was es ging.

Ella seufzte. „Ich weiß nicht einmal ob ich das will, Gar.“ Sie nippte an ihrem Glas und schwieg einen Moment – abwägend, ob sie das Thema weiter vertiefen wollte. Letztendlich schüttelte sie ihren Kopf. „Ich habe es so klingen lassen, als wäre das nur Sex für mich. Hat er nicht so gut aufgenommen.“

„Verwunderlich.“ Er sah sie aus den Augenwinkeln an. Ella konnte die hochgezogenen Brauen förmlich spüren – wäre er ein Mensch und hätte welche.

„Ich weiß.“ Sie nippte wieder an ihrem Glas. „Es war scheiße. Aber... ach, mein Tag war ohnehin schon Kacke. Erst die Scheiße mit Archer, dann ist Kaidan ohne zwischen seinen Belehrungen aufzuholen hinter mir her und zu guter Letzt kommt James und macht mir nen Scheiß Vorwurf wegen so einer beschissenen Begegnung mit nem Batarianer..“

„…der versucht hat dich zu erschießen. Ja, ich weiß.“

Ella sah ihn überrascht an. „Woher weißt du davon?“

„Sagen wir ihr habe meine Quellen, die aber nicht der gute Jimmy Vega sind, wenn es dich beruhigt.“ Er zwinkerte ihr zu. „Aber ja, ich habe das gesehen und um ehrlich zu sein, kann ich seinen Unmut schon ein Stück weit nachvollziehen. Denn ich nehme an, du hattest ihm nicht davon erzählt?“

Ella schüttelte den Kopf. „Nein, natürlich nicht. Warum auch?“

„Vielleicht, weil man nicht möchte, dass der Partner sich sorgen macht. Das ist zumindest, was man mir in dem Zusammenhang beigebracht hat und wie ich wollen würde, wie man mit mir umgeht.“ Er machte ein kleine Pause. „Dass ich als Freund nicht immer alles erzählt bekomme, daran habe ich mich ja schon gewöhnt. Aber als Partner…“

Ella schwieg einen Moment und dachte darüber nach. Was Garrus wollen würde… was würde sie denn wollen, wären die Rollen vertauscht. Klar würde sie es wissen wollen, damit sie dem Affen, der es wagte James zu bedrohen in seinen scheiß Arsch treten konnte. Sie würde es nicht zugeben, aber allein der Gedanke, dass jemand versuchte ihn von hinten mit einer Waffe zu überrumpeln löste ein Stechen in ihrer Brust aus, dass sie nur schwer wieder niederringen konnte. ‚Sorge‘ war ein mieses Gefühl und sie hasste es. Ein Teil in ihr schalt sie dafür, dass sie nicht eher versucht hatte sich mal in seine Situation zu denken, statt einfach bockig zu sein.

„Ja, vermutlich hast du recht. Dennoch...“

„Dennoch? Du willst es so lassen?“

Sie seufzte. „Es würde nur schlimmer werden…. Mit der Sorge um den anderen.“ Sie stand auf und ging ein paar Schritte in Richtung Rand. „Ich bin als Jugendliche in der Situation gewesen und werde nie vergessen, wie ich in meinem Schlafsack wach gelegen habe und Atemnot hatte, weil ich so viel Angst um ihn hatte.“

„Denkst du nicht, dass du heute besser damit umgehen kannst als vor einer Ewigkeit, ohne Erfahrung.“

„Möchtest du etwa andeuten, dass ich alt bin, Vakarian?“

„Nichts läge mir ferner.“ Er stand nun auch auf und trat neben sie. „Aber ich glaube, du hast in der Zeit seit dem einige Erfahrungen gemacht.“

„Ja, allerdings,“ entgegnete sie bitter. „Am Ende stellte sich heraus, dass, das wovor er am Meisten Angst haben musste, ich und mein Stolz waren.“ Sie blickte auf den See unter ihnen und erinnerte sich an die Situation damals. An seinen Blick… Sie schüttelte ihren Kopf als könne sie damit die Gedanken aus ihrem Kopf vertreiben.


„Weißt du, ich glaube nicht, dass sich das auf dich heute noch übertragen lässt. Was immer die Situation damals war, ich wette, dass du 112 Wege seitdem gelernt hast, eine solche Situation zu... ‚deeskalieren‘.“ Er betonte deeskalieren besonders, so dass sie beiden wussten, was er meinte: wreak havoc.

Sie lachte etwas. „Allerdings. Mit der Ausbildung von heute, hätte damals in dem Raum niemand überlebt…“

„Siehst du, so gefällt mir das schon gleich besser. Und der Vorteil bei einem Partner wie dem guten Jimmy: Er hilft die liebend gerne dabei.“

Ella lachte nun ehrlich. „Vermutlich.“

„Wenn du nun bitte wieder zur Waffe greifen würdest… Ich habe eine Wette zu gewinnen. Und du noch weiterer Termine, wie ich glaube mitbekommen zu haben.“

Ella nahm die Waffe auf und warf sie ihm stattdessen zu. „Richtig. Letzte Runde und du diesmal zuerst.“

„Wie du meinst.“

Wie zu erwarten war, traf Garrus ihre Flasche zielsicher.

Als Ella die Waffe ansetzte und sich auf ihre Atmung konzertierte, zögerte sie. Es wäre ein leichtes nun diesen Punkt zu setzen und ihm zu beweisen, dass sie auch betrunken noch zumindest die ebenbürtige Schützin war. Aber… sie konnte auch ihren scheiß Stolz herunter schlucken und ihrem Freund für diese und all die anderen Stunden danken in denen er einfach da war und sagte, was sie hören musste, aber sicherlich nicht wollte.
Sie verzog den Lauf etwas und verschoss.

„Ich bin Garrus Vakarian und dies, meine Damen und Herren, ist mein Lieblingsplatz auf der Citadel.“
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