Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

I won't let you down

von Millijana
GeschichteSci-Fi, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Commander Shepard James Vega
16.04.2013
30.07.2020
28
76.830
4
Alle Kapitel
61 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
18.06.2020 1.967
 
Sie schreckte im Schlaf hoch. Den Schrei noch immer in ihren Ohren. Das Gefühl des schlanken Körpers wie er gegen ihren festen Griff ankämpfte, als sie von Ella in den Aufzug gezogen wurde, ließ ihren Arm prickeln. Sie wischte sich eine Träne von der Wange, als sie versuchte die Erinnerung an die Mission abzuschütteln.
Ein Seufzen entwich ihr ehe sie zurück auf die Matratze sank, die kühl und feucht von ihrem Schweiß war. Ein Schauer lief ihr über den Rücken und hinterließ eine Gänsehaut auf ihrem Körper. Sie wünschte sich warme, raue Hände wären hier, um das Gefühl zu vertreiben. Aber das durfte nicht sein. Scheißegal, wie sehr sie es vermisste.
Ein Beweis dafür war das Datapad, dass sie gefunden hatte und das sie auf der Citadel übergeben würde. Wie so viele andere, die sie noch abgeben würde. Oder von denen sie lesen oder hören würde. Sie selbst wusste noch immer, wie sich der Stoff in ihrer Hand angefühlt hatte.

Und dennoch fühlte sie, wie sie fühlte. Es würde besser werden, sie musste sich nur mehr auf die Mission konzentrieren. Bis sie in ihrem Schädel kein Platz mehr für ihn war. Dafür, wie er roch, wie er sich anfühlte, wie er schmeckte und wie verdammt gut es gewesen war, wenn er in so einer beschissenen Nacht hier gewesen war.

Er war während der Mission einige Male über sich selbst gestolpert und hatte mit ihr gesprochen als wäre nichts passiert. Anders als Kaidan, der wirklich gestolpert war und damit fast einen Schusswechsel zwischen den eigenen Leuten ausgelöst hatte, neben dem scheiß Schrecken, den er allen eingejagt hatte. Idiot.

Sie hatte lange gehadert, wen sie mitnahm. Asari, Ardat-Yakshi. Ein rein biotisches Team war ihr erster Gedanke gewesen. Aber Liara... sie hatte noch immer mit diversen Dingen zu kämpfen. Sie war gereift- scheiße, was war das kleine Mädchen von damals gereift. Sie war ein Profi – eiskalt, wenn sie musste. Aber dies hier war was anderes. Sie würde gegen ihre eigenen Leute kämpfen und das war etwas, was ihr zusetzen würde.

Garrus hatte gerade etwas Stress in seiner Reaper-Berater Funktion und kotzte ohnehin schon den halben Tag, weil er so viele Anfragen und Berichte zu lesen bekam. Ella wollte ihm die eigenen Berichte ersparen und etwas Raum geben. Als Sniper würde sie ihn immer gebrauchen können, wie auch seine taktische Einschätzung, aber gegen Biotik half ihm sein ganzes technisches Wissen rein gar nix. Und es waren enge Gänge und begrenztes Terrain zu erwarten, wo er als Sniper nicht ideal eingesetzt war.

Javik... sie hatte kurz in Erwägung gezogen. Aber er hatte noch immer massive Probleme sich nach seinem Aufwachen wieder einzukriegen – natürlich mit gutem Grund, aber es war eben zu früh, um ihn ins Bodenteam zu holen, auch wenn er es wohl anders sah, wie er recht unverblümt in der Messe hatte verlauten lassen, bevor er sich dann über den Fraß dort beschwerte. In deinem Cycle am Arsch, mein Freund. Dann versauer doch in deiner Kabine.

Und EDI stand außer Diskussion für Ella. Ein Gefühl sagte ihr, dass EDI ihren Einsatz bekommen würde, aber noch sah sie keine Veranlassung dazu den Körper der AI zu verheizen.

Also konnte die Wahl wieder nur auf das Team der letzten Mission fallen. Auch wenn sie James vor den Kopf gestoßen hatte. Er würde das im Griff haben, da hatte sie ihren Arsch Wort wörtlich drauf verwettet. Sie hatte ihm blind vertraut, dass er sich auf die Mission konzentrieren würde und nicht auf ihren persönlichen Disput. Oder ihren Arsch.

„Hey, Commander, wann führst du uns diesen Trick vor,“ hatte er Samaras herabgleiten kommentiert.

„Sobald du mich im Sparring schlägst, Vega.“

„Klingt nach einer Herausforderung. Da bin ich dabei. Nenn mir Zeit und Ort. Vielleicht gleich, sobald wir wieder auf der Normandy sind.“ Er klang nicht so amüsiert, wie er sollte. Selbst Kaidan sah Ella fragend an, über den, für James, zu trockenen Tonfall und ide ungewohnt formelle Anrede. Der übliche Charme und Witz fehlten. „Da sind wir noch warm.“

„Wenn du denkst, dass das deine Chancen vergrößert – nur zu gern. Wann ich dir deinen Arsch auf einem Silbertablett präsentiere ist mir ziemlich egal, James.“ Sie hatte ihn nicht einmal dafür angesehen, sondern sich schon der Tür zugewendet, durch die sie nun gehen mussten um den Asari zu folgen.

„Bien.“


Ella stand aus dem Bett auf und ging schleppend durch die Kabine in Richtung des Badezimmers. Auf dem Tisch neben dem Datapad stand noch immer ihr Glas. Es war unberührt. Nach der Mission hatte sie sich wie selbstverständlich einen Drink eingeschenkt. Dann aber der Versuchung wiederstanden. Sie würden diese Kacke nicht wieder anfangen. Das war lange vorbei. Vor ihrer Karriere. Als sie noch ziellos und ratlos durch die Straßen von New York geschlendert war. Immer auf der Suche nach Ärger. Frustration, Trauer, Wut, Hilflosigkeit durften nicht zum Grund werden, um sich zu betrinken. Es war wie ein Mantra, dass sie sich immer wieder vorsingen musste, damit es in ihren dicken, dummen Schädel hineinging & und diesen ekelhaften Samen der in ihr von Geburt an schlummerte unterdrückte.


James hatte angemerkt, dass das Kloster ein schöner Ort gewesen war, bevor die Reaper und das Asari Kommando keine halben Sachen gemacht hatten, um es in Klump und Asche zu legen. Ella hatte ihm stumm zugestimmt. Ein Ort an dem die Ardat-Yakshi in Frieden leben konnten. Ihr zu Hause und ihr sicherer Ort. Die Reaper nahmen es ihnen.
Schlimmer noch, sie nahmen die Bewohner und machten sie zu mit Abstand den beschissensten gruseligsten Monstern, die Ella je untergekommen waren – naja seit Udina oder TIM vielleicht.
Sie hatte den Horror, den es in Samaras Tochter ausgelöst hatte, gesehen. Selbst Samara war nicht unberührt gewesen. Das Begreifen. Sie würde hier wohlmöglich alle ihre Kinder verlieren. Ella konnte nicht nachempfinden, wie sich das anfühlen musste. Sie hatte nie einen Wunsch danach gehabt Mutter zu sein. In ihrer Lebensplanung hatte das schlicht keinen Raum gehabt. Keine Zeit. Aber sie ahnte, was es wohl mit einem Elternteil tat – naja, einem, das nicht ihres war.
Sie hatte erkannt, dass Falere ihre Schwester niemals aufgeben würde. Hätte Ella sie nicht mit all der Kraft die ihr als verdammter Cyborg zur Verfügung stand zum Aufzug gezogen wäre sie mit Ihrer Schwester Rila und unzähligen der langliedrigen Monstern in die Luft gegangen.
Es hatte Ella berührt. Es hatte ihr.. scheiße, es hatte wehgetan. Zu sehen, wie die Asari gegen die Aufzugtüren gesunken war, als die Detonation das Gebäude ins wanken gebracht hatte.


Sie drehte den Wasserhahn auf und schöpfte kaltes Wasser in ihr Gesicht. Ein Blick in den Spiegel verriet ihr, dass es wieder schlimmer geworden war. Die Narben waren tiefer und ein oranges Leuchten schimmerte durch ihre bronzene Haut hindurch. Es waren neue kleine Furchen dazugekommen. Stellen an denen die Haut aufbrach. Es zerriss sie im wahrsten Sinne des Wortes. Sie wusste, dass es nicht nur auf ihr Gesicht zutraf. Auch andere Körperteile waren betroffen. Nicht zu ihrem kosmetischen Vorteil. Wohl aber für ihr Verhandlungsgeschick.
Es war besser geworden. Selbst nach diesen wenigen Tagen… Ella griff nach dem Handtuch und trocknete sich ab. Sie wischte sich ihre langen dunklen Haare aus dem Gesicht und verließ dann den Raum, nicht ohne sich ein weiteres Mal zu begutachten.
Sie brauchte eine Methode Stress loszuwerden. Oder sie würde das Ende des Krieges nicht erleben. Die scheiß Implantate, würden sie innerlich zerfressen.
Verdammt… wo war Miranda, wenn man sie brauchte. Ms Perfect hätte sicher eine Idee, wie man das zumindest verlangsamen konnte, damit sie das hier zu Ende bringen konnte. Wenigstens tat die Scheiße nicht weh. Das würde ihr noch fehlen.


Das Geräusch der Waffe hatte sie alarmiert und ihren Kopf drehen lassen.

„Was machst du da?“ Sie hatte die Panik nicht vollständig verbergen können – schon gar nicht vor den hier anwesenden, wie ihr bewusst wurde. Nicht Samara!

„… die einzige Weise, wie ich Falere retten kann…“ war das Einzige, was bei ihr wirklich ankam, während sie versuchte die Waffe aus Samaras Hand zu ringen.

„Was zur Hölle soll das?!“ Samara hatte sich nicht gewehrt. Sie hatten beide gewusst, dass Samara ihr überlegen war. Ella würde als Mensch niemals lange genug leben, um diese Perfektion ihrer Biotik zu erlangen, wie die Justikatin. Aber Samara hatte einfach nur deutlich ‚gebeten‘ losgelassen zu werden. Was Ella natürlich ignoriert hatte.

Am Ende war es die Tochter, die ihre Mutter rettete. Und vielleicht auch Ella. Sie wollte sich nicht ausmalen, wie beschissen es ihr jetzt gehen würde, hätte Samara die Nummer durchgezogen. Ella war einfach froh, dass sie schnell genug reagiert hatte.

Sie würden Samara auf der Citadel abliefern. Die Justikarin hatte darum gebeten für die Reise ungestört zu sein und Ella würde dies respektieren. Sie hatte gerade ihre zweite Tochter verloren und die dritte völlig allein in einem Kloster zurückgelassen, dass aus Schutt und Leichen bestand. Niemand konnte sich sicher sein, dass die Reaper nicht wieder kämen oder Cerberus oder... Falere war eine Asari, Ardat-Yakshi obendrauf, aber sie war keine Kämpferin. Sie hatte es nie gelernt – nie gemusst. Innerlich beneidete Ella sie etwas. Wie musste es sein in völligem Frieden zu leben. Ohne Krieg, Waffen... Sie hatte keine Ahnung... würde es wohl auch nicht mehr erfahren. Es war ihr nicht in ihrem letzten Leben gelungen und würde wohl auch nicht in diesem klappen.

Sie setzte sich an ihren Schreibtisch und öffnete die Berichte des Teams. Sie hatte Kaidans halb fertig gelesen, als ihr einfiel, dass sie ihm noch eine Nachricht schuldete.
Steak-Sandwich… ja das klang gut und sie konnte einen Freund brauchen. Sie konnte Ablenkung gebrauchen, die nicht mit Lt. Geh-Mir-Nicht-Auf-Den-Sack und alles, was er mit ihr machte und was er in ihr auslöste und.. Scheiße.. Wie hatte dieser Typ ihr so unter die Haut gehen können? Und was war mit ihren Vorsätzen passiert, dass sie es wirklich versuchen wollte?Welcher ihrer Vorsätze war nun der mit dem sie sich selbst belog? Warum schaffte sie es nicht mal zwei beschissene Wochen ihn nicht zu verletzen? Sie schüttelte ihren Kopf. Er hatte besseres verdient. Sie war zu sehr ihr Vater. Ein Teil in ihr wollte, dass es klappt, war sich sicher es hinzubekommen, wenn sie es nur wirklich zulassen würde. Und ein anderer hatte keine Ahnung wie. Der letzte Teil in ihr meinte, dass er besseres und sie es überhaupt nicht verdient hatte.  



                             To: [ Maj. Biotic Booty]
                                       Ich schulde dir noch eine Antwort: Steak klingt gut – solange
                                       ich es nicht zubereiten muss. Details, wenn wir da sind.


Sie würden nicht viel Zeit auf der Citadel haben. Maximal 36h. Das würde aber reichen um mit Kaidan zu Essen, mit Garrus zu tun, was immer er vor hatte zu tun, woraus er so ein affiges Geheimnis machte, Liara zu treffen und mit Jack auf etwas zu schießen.

Die Konsole blinkte schon wieder. Miranda. Naja, dann eben auch das. Ella konnte sich nicht vorstellen, dass das Cheerleader all zu viel Zeit beanspruchen würde, gemessen daran, wer ihr alles am Arsch klebte. Ella wusste es besser als anzunehmen sie in Person zu treffen.

Das würde in Landgang nach ihrem Geschmack sein: sie würde keine Zeit zum Grübeln haben, sondern Zeit mit Kameraden verbringen. Mit Freunden und Weggefährten. Das würde sie davon abhalten an IHN zu denken. Bevor sie eine Entscheidung treffen konnte musste sie Abstand gewinnen und den Kopf frei bekommen.


Bis dahin, musste sie es irgendwie schaffen trotz der Banshee Schreie in ihrem Kopf etwas Schlaf zu finden. Trotz Faleres Schluchzer & ihrer herausgeschrienen Verzweiflung und Trauer… Die Ella so sehr nachempfinden konnte.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast