Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

I won't let you down

von Millijana
GeschichteSci-Fi, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Commander Shepard James Vega
16.04.2013
30.07.2020
28
76.830
4
Alle Kapitel
61 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
05.06.2020 2.566
 
„Wie ich das zulassen konnte? Ich hatte gedacht, du wärst dabei gewesen.“ Sie schnaubte verächtlich und drückte auf den Knopf im Aufzug, der sie auf das Deck ihrer Kabine bringen würde. Er würde ohnehin nicht aufgeben, bis dieses Gespräch für ihn beendet war, da konnte er genauso gut mitkommen. Das kannte sie bereits von früher und sie ahnte, dass er diese Art nicht abgelegt hatte. Das würde also noch eine Weile dauern bis er sich wieder beruhigte.

„Ja richtig, ich habe gesehen wie du nichts unternommen hast, als ein Mann sich das Leben genommen hat.“

Ella seufzte genervt und lief aus dem Aufzug, als dieser anhielt, ohne sich die Mühe zu machen Kaidan ein Signal zu geben, dass er ihr folgen sollte – sie wusste, dass er es ohnehin tut. „Dann erkläre mir bitte mal, in deiner unfassbaren Weisheit, wie ich das hätte ahnen können?“

Kaidan seufzte nun selbst. „Du willst mir doch nicht sagen, dass du es nicht vermutet hast, nach dem er davon sprach, dass er dieses Ende verdient hat.“

„Kaidan, vielleicht wusste ich es, vielleicht hatte ich ein Bauchgefühl und vielleicht habe ich nicht nen Fick drauf gegeben, was mit ihm passiert, weil er in der Tat nicht sonderlich viel Mitgefühl verdient hat. Aber das kannst du nicht wissen, richtig?“ Sie drehte sich zu ihm um, als sie in der Mitte ihrer Kabine standen. Zynismus triefte aus der letzten Frage.

„Dann erklär es mir, verdammt. Er hätte der Allianz dabei helfen können…“

„Nein,“ unterbrach sie ihn. „Er kann zerstören, quälen und nur seinen eigenen scheiß Vorteil ausnutzen, ohne Rücksicht auf zum Beispiel seinen Bruder zu nehmen, wie du der Unterhaltung eventuell entnehmen konntest. Was du aber nicht weißt, ist, dass dieser Junge krank ist, dass er von seinem Bruder in eine Maschine eingebaut wurde, damit er Geth kontrollieren konnte, um beim Illusive Man nen verdammten Vorteil zu bekommen.“ Ihre Augen blitzten ihn für einige Sekunden wütend an. „Edi, rufe aus dem Archiv die Bilder aus der Overlord Mission meiner Helmkamera auf. Zeitpunkt als wir den Raum mit David betreten.“

Die rechte Scheibe des Aquariums verdunkelte sich und rief die Bilder auf, die ihr Helm damals von David in seinem Gefängnis aufgenommen hatte. Wie der Junge, der mit der Maschine verbunden war, um Hilfe flehte.

Ella sah mit aufeinander gebissenen Zähnen auf den Bildschirm und es dauerte nicht lange da bemerkte sie den Klos in ihrem Hals, das Kribbeln ihrer Biotik unter ihrer Haut –  diese unsägliche Wut, die so weit ging, dass es ihr Tränen in die Augen trieb. Aber sie sagte nichts. Und als sie das Video nach ihrer Ansage an den „guten Doktor“ von Edi beenden ließ und das Aquarium wieder erleuchtete, konnte sie in Kaidans Blick sehen, dass das auch nicht notwendig war. Er war blass und seine Lippen waren fest aufeinandergepresst.

„Wenn ich ihn hätte tot sehen wollen, so hatte ich die Chance darauf. Niemand hätte Fragen gestellt – keine wirklichen zumindest. Der Illusive Man hätte mir einen Rüffel gegeben, es aber hingenommen, weil er mich brauchte.“ Sie machte eine Pause. „Aber ich weine ihm ebenfalls keine Träne nach. Er war genau das wofür Cerberus steht. Und er hat am Ende nur die Konsequenzen aus seinen Handlungen gezogen.“ Ein bitteres Lachen umspielte ihre Lippen. „Ja, vielleicht wäre es richtiger gewesen ihm zu sagen, dass David okay ist, aber weißt du was? Ich bin nicht gut, ich mache nicht alles richtig. Es ist nicht der erste und wird nicht der letzte Tod sein, den ich mitverantworte, aber einer mit dem ich besser leben kann als mit vielen anderen – und das weißt du besser als jeder andere hier auf diesem Schiff.“ Ihre Stimme war leise und düster. Ihre dunkeln Augen waren eindringlich auf ihn gerichtet.

Er sah sie erst jetzt an. Er war schwer für sie zu lesen – schwerer als früher jedenfalls. Tat es ihm leid? Stimmte er ihr zu?
Ella fragte sich innerlich seit wann es ihr so verdammt wichtig war die Absolution der Personen um sie herum zu bekommen. Und warum ausgerechnet er?

„Ja, vermutlich weiß ich das besser als die anderen. Und ja ich verstehe warum du so gehandelt hast.“ Er machte eine Pause. „Ist die ganze Mission dokumentiert?“

Ella nickte nur als ihre Blicke sich trafen. Sie wollte nicht mehr reden, nicht mehr diskutieren. Sie wusste, dass er mit seinem Moral-Set niemals einen Tod oder das „nicht verhindern“ eines solchen gutheißen konnte, dennoch erleichterte es sie, dass er begann ihre Gründe zu verstehen.

„Gut. Kannst du mir Zugriff darauf geben?“

„Kaidan, du hast Zugriff auf jede beschissene Mission, die ich je beendet habe und die Edi dir zur Verfügung stellen kann. Ich habe nichts zu verheimlichen und stehe zu meinen Entscheidungen, auch wenn manche davon falsch oder Fehler waren.“ Ella wusste, dass dies eine mächtige Aussage war. Aber es entsprach der Wahrheit. Es würde ihm eventuell die Augen bezüglich einiger Dinge öffnen, von denen er eventuell ein falsches Bild hatte. Es war eine unausgesprochene Einladung auch ihre Zeit bei Cerberus näher anzusehen.

Und diesmal konnte sie ihn lesen. Sie erkannte, dass er verstanden hatte um was es dabei ging. Er sollte verstehen warum manche Dinge waren, wie sie waren. Und was das alles mit ihr gemacht hatte- wie es für sie gewesen war.

„Danke. Ich weiß das zu schätzen.“

„Ich weiß.“ Sie gab der Situation einen Moment, um zu sacken ehe sie weitersprach. „Wenn du nun aber nichts weiter zu besprechen hast, würde ich dich nun bitten mich allein zu lassen, denn ich habe noch etwas zu arbeiten und einen Bericht fertig zu machen.“
Kaidan nickte. „Ich… ich gebe dir Bescheid, sollte ich Fragen haben.“

Ella nickte ihm zu und drehte sich dann zu ihrem Schreibtisch und setzte sich hin. Sie hörte, wie sich die Tür hinter Kaidan schloss und stützte ihren Kopf mit der Stirn in ihre Hände und schloss ihre Augen. Ihr Leben war so viel einfacher, wenn niemand sie daran erinnerte was für ein beschissenes Monster sie sein konnte. Und Kaidan hatte ein verdammtes Talent dazu. Darum schätzte sie kroganische & turianische Gesellschaft so sehr. Ihnen war es egal wer drauf ging, solange es nicht sie selbst waren und es ihrer Sache diente.

Naja, außer dem turianischen Exemplar, das sie eingefangen hatte, der sie immer wieder meinte daran erinnern zu müssen, dass sie sich nur selbst etwas vormachte und es ihr doch nicht so egal war. Er war dabei jedoch nicht so penetrant, wie der zweite menschliche Spectre.

Es hatte sie viel Anstrengung gekostet, sich auf die Missions Berichte zu konzentrieren. Und nach 3 Stunden war sie damit auch endlich durch und konnte es an Hackett schicken. Sie warf sich rasch in ihre Workout Kleidung und bat Edi darum die Musik in der Kabine ihrem Plan anzupassen. Normal wäre sie dazu ins Shuttle Bay gegangen, denn dort war mehr Platz, sie konnte zum Aufwärmen etwas laufen und hatte in der Regel Gesellschaft – was aber genau war, was sie gerade nicht wollte. Ihr Trainings Programm hielt sie ungefähr eine Stunde davon ab s¬ich den Kopf zu zermartern.

Doch als sie aus der Dusche kam holte sie die Realität wieder ein, indem das scheiß Licht an ihrer verfickten Konsole blinkte, was ihr die Information gab, dass Nachrichten auf sie warteten. Sie überflog diese, nachdem sie sich etwas angezogen hatte und während sie sich die Haare mit einem Handtuch trocken rubbelte. Zum größten Teil war es nicht wichtig und diente nur der Information oder waren aus allgemeinen Verteilern der Allianz. Das Piepen ihres Omnitools lenkte sie jedoch davon ab eine Anfrage der Asari zu lesen. Sie hatte zwei neue Nachrichten.


                             (1)     From: [Lt. Muskelprotz]
                                                 Bist du in deiner Kabine und hast gerade Zeit?

                             (2)     From: [Maj. Biotic Booty]
                                                 Hey, Ella, ich habe nachgedacht. Ich würde das
                                                 aber gerne abseits der Normandy bereden.  
                                                 Nächster Citadel Halt? Steak-Sandwich?




Ella hatte eigentlich keinen Kopf für beides. Aber James Anliegen klang dringend und eventuell konnte er für etwas Zerstreuung sorgen, wenn geklärt war, was ihm auf dem Herzen lag.

Kaidans Nachricht ignorierte sie zunächst. Sie war sich nicht sicher, ob sie das annehmen wollte. Es hatte einen merkwürdigen Beigeschmack. Sie würde sich darum Gedanken machen müssen, ehe sie ihm darauf antwortete, tendierte im Moment aber eher zu einer Absage.

Ella öffnete die Nachricht von James und tippte ihre Antwort ein.

                             To: [Lt. Muskelprotz]
                                       Jap, komm hoch.

Ella hat nur Zeit die Nachricht der Asari zu überfliegen. Das würde dann ihr nächstes Ziel werden, wenn nichts Akuteres eintreten würde bis dahin. Das Vid-Comm Gespräch würde sie aber erst nach dieser „Unterhaltung“ hier führen. Kaidans Vorwürfe steckten ihr noch immer in den Knochen und es brauchte noch etwas mehr, um das abschütteln zu können. Da würde Zeit mit James eine willkommene Ablenkung sein, ehe sie sich auf neue Dinge fokussieren würde.

Sie schaltete gerade den Monitor der Konsole aus, als er auch schon in ihre Kabine kam. Ella drehte sich zu ihm um und ihr Lächeln verschwand. Stattdessen zog sie ihre Augenbrauen zusammen und legte den Kopf etwas schief.

Der Lieutenant, sah nicht nach spielen aus, sondern ernst. Sein Gesicht war fast etwas gerötet, als habe er sich kaum unter Kontrolle, sie sah seine Kiefer arbeiten, als er seine Zähne immer weder aufeinanderbiss. Was zum Henker hatte ihn derart aufgebracht?

„James was ist…“

Aber er ließ sie nicht ausreden: „Warum hast du davon nichts erzählt?“

„Wovon redest du, zur Hölle?“ Ella zog ihre Augenbrauen hoch, denn er war wütend. Und sie hatte keinen blassen Schimmer, was sein beschissenes Problem war. Warum war heute nur wieder so ein beschissener Kack-Tag? Jeder versuchte ihr wegen irgendwas ans Bein zu pissen und das vornehmlich, wenn sie nicht damit rechnete.

„Der Batarianer,“ gab er ihr einen kurz angebundenen, hervorgewürgten Hinweis. Er verschränkte die Arme vor der Brust und sah sie an, die Augen dunkel vor Wut, die Muskeln angespannt. Er kochte innerlich.

„Von welchem scheiß Batarianer redest du bitte?“ Wut stieg nun auch in ihr hoch. Es hatte nur eine Begegnung mit einem Wesen aus diesem Volk gegeben, wenn man Arias Handlanger mal außen vorließ. Und um an diese Information zu kommen hätte er ihr nachspionieren müssen. Aber sie wollte keine schlafenden Hunde wecken, falls sie schief lag und in all dem verdammten Chaos nur etwas vergessen hatte, also sagte sie nichts weiter. Dennoch mischte sich ihre Wut mit dem Gefühl betrogen zu werden. Sie hasste es, wenn ihr jemand nachspionierte, ihr nicht einfach vertrauen konnte.

„Edi.“ War alles was James sagte und Ella hatte im nächsten Moment ein Deja-vu, als sich die Scheibe des Aquariums erneut verdunkelte. Diesmal allerdings sah sie sich selbst, wie ein Batarianer eine entsicherte Waffe auf ihren Rücken richtete. Ella hatte es zu dem Zeitpunkt nicht sehen können, doch nun erkannte sie wie erregt der Mann gewesen war. Der Lauf zitterte und Ella musste zugeben, dass die Situation noch bedrohlicher wirkte, als sie sich angefühlt hatte. Und das war schon unangenehm gewesen. Doch ihr Beruf & ihre Erfahrung hatten ihr erlaubt, dass sie sich damit nicht weiter befasst hatte und es abgehakt hatte. Die Situation war gelöst und damit auch gut. Es war nichts passiert, verdammt.

„Ja, und?“ sie sah ihn mit hochgezogenen Brauen an, als fordere sie ihn heraus. „Mich würde viel mehr interessieren, wie du an diese Daten gekommen bist.“

„Spielt keine Rolle. Warum hast du nichts darüber gesagt?“ Er ließ sich nicht im Geringsten von ihr einschüchtern. Dies war erneut keine Situation in der Kommandokette, sondern zwischen zwei Menschen, die auf sehr dünnem Eis versuchten, so etwas wie eine Beziehung aufzubauen, während der eine von ihnen dieses Eis gerade mit einem Vorschlaghammer versuchte zu bearbeiten.

Ella fühlte sich betrogen. Dieser Arsch hatte hinter ihrem Rücken Überwachungsmaterial der Citadel angesehen und das hier gefunden.

„Weil es nichts zu sagen gibt.“

„Sehe ich anders.“

„So? Was hast du denn erwartet? ‚Ach übrigens einer der verbliebenen Batarianer, deren Heimat ich mit einem großen Stein zu Staub zerschlagen habe, hat mir ne Falle gestellt, und mir ne geladene Waffe in den Rücken gedrückt. Mit meinen unglaublichen rhetorischen Fähigkeiten habe ich mich aber wie so oft aus der Situation herausgewunden und jetzt steht er auf unserer Seite. Du darfst stolz auf mich sein. Ein kleiner Fick zur Feier des Tages?‘“ Sie wusste, dass sie mit ihrer zynischen Art, besonders dem letzten Satz, zu weit gegangen war. Doch es war ausgesprochen, bevor ihr Gehirn wieder klar denken konnte. Leider ließ ihr Stolz im Moment auch nicht zu, dass sie zumindest versuchte es wieder zurückzunehmen.

Er schnaubte und schüttelte mit einem bitteren Lächeln den Kopf. „Wow. Das ist das also für dich, hm?“ Er kaute einen Moment auf der Innenseite seiner Unterlippe herum, während er den Kopf schüttelte. Er sah aus, als hätte sie ihm ins Gesicht geschlagen. „Olvida lo que te he dicho,“ sagte er düster. „Tu einfach weiter so als gäbe es niemanden, dem du etwas bedeutest und der sich um dich sorgt, wenn solche pendejos versuchen dich… Sólo olvídalo ¿vale?”
Ihr Spanisch reichte, um zu verstehen, was er sagte. Vergiss es einfach, okay? Und selbst ohne jegliche Spanisch Kenntnisse, hätte sein Tonfall genug gesagt.

Ella wusste nichts darauf zu erwidern, denn er hatte Recht, das war genau, was sie übelicherweise tat. Es war nicht das erste Mal, dass er oder jemand anderes, der ihr ebenso nah gestanden hatte ihr etwas Vergleichbares gesagt hatte. In einer ähnlichen Situation. Ebenfalls, nachdem sie ihm mit Anlauf in die Fresse getreten hatte.

Er war schon dabei sich zum Gehen umzuwenden, als er sie ansah und ihre Blicke sich nochmal trafen. Sie sah die gleiche Verletztheit – wie damals bei jemand anderem. Und sie wusste, dass dies ein Fehler war, aber sie war wie gelähmt. “Ich schulde dir noch die Antwort, wie ich das gefunden hatte: Es war ein beschissener Zufall, als ich die Flüchtlinge auf der Citadel nach einem bekannten Gesicht durchsucht habe.” Er sprach leise, sah ihr fest in die Augen. Ella wollte wissen nach wem er gesucht hatte, aber er ging nicht weiter ins Detail, sondern drehte sich nun vollends um und ging aus dem Raum in den Aufzug, der noch immer auf diesem Deck stand. Ella sah ihm nach, bis die Tür sich geschlossen hatte – unfähig sich zu bewegen oder etwas zu sagen.

Sie hatte keine Ahnung wie sie das wieder in Ordnung bringen wollte. Oder ob sie das überhaupt wollte, oder es klug war das zu tun. Vielleicht ersparte sie ihm eine Menge.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast