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I won't let you down

von Millijana
GeschichteSci-Fi, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Commander Shepard James Vega
16.04.2013
30.07.2020
28
76.830
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27.05.2020 2.343
 
Er sah erneut das grüne Leuchten in ihren Augen und konnte das ungute Gefühl in seiner Magengegend nicht länger leugnen. In seiner nicht ganz ereignislosen Karriere hatte er sich schon häufiger Sorgen um Kameraden oder Zivilisten gemacht – doch das hier war etwas vollkommen anderes & hier im CIC zu stehen, ohne aktiv eingreifen zu können und ihr dabei zuzusehen, wie sie ihren Arsch riskierte, war die Hölle. Besonders, wenn sie geistig völlig woanders zu sein schien und Dinge beobachtete, die ihnen allen verborgen waren, während der Typ ihr den Rücken freihielt, der ihr vor nicht mal 36h das Hirn hatte wegpusten wollen. Wenigstens war Doc da. Ihr vertraute er deutlich mehr als Alenko.

James gab sich die größte Mühe, sich auf seine Aufgabe zu konzentrieren und nach den ihm vorgegebenen Parametern und ggf auf verbesserungswürdige Manöver, die er später ansprechen konnte zu achten. Er zweifelte nicht eine Sekunde daran, dass Lola es ihm nicht so leicht durchgehen lassen würde.

Das Bodenteam hatte sich bisher jedoch ausgesprochen gut geschlagen, was ihm bisher nicht viel Kritik ließ – was ihm ehrlich gesagt auch lieber war. Es rettete ihm aber auch ein wenig den Arsch da er so nicht in die Bredouille kam, gravierendes zu übersehen.

Sie hatten sich dazu entschlossen dem Widerstand auf Eden Prime mit wichtigen Informationen gegen Cerberus zu helfen. Das dehnte den Einsatz aus, aber James wusste, dass sie nicht widerstehen konnte, wenn es darum ging gegen Cerberus zu schießen. Er hoffte der Major würde das auch erkennen. James war noch immer mürrisch was Alenko anging und er befürchtete auch, dass das nicht so rasch abnehmen würde. Allein die Tatsache, dass er da auf dem Planeten stand und nicht James, machte es sogar fast noch etwas schlimmer. Sicher, sein Misstrauen war nachvollziehbar. Das machte auch vollkommen Sinn. Aber eine Waffe auf Lola richten, mit dem Finger am Abzug, nach allem was die beiden durchhatten? Andere Hausnummer. Ganz andere Hausnummer.

Sein Gedankengang wurde durch Lolas Beschreibungen unterbrochen, was sie in dieser… Vision gesehen hatte unterbrochen und er lauschte mit Staunen. Und einem schwerer werdenden Knoten in seinen Eingeweiden, den er deshalb hatte, weil er verdammt nochmal gerade dort mit ihr sein sollte.
Seine Knöchel wurden weiß, als er die Griffe im CIC bei erneutem Feindkontakt fester umschloss. Auch wenn er mit eigenen Augen sah wie die drei Biotiker sich ergänzten. Es hagelte diverse Explosionen, meist mit Lola im Mittelpunkt, die auch immer am Ende nahezu entspannt aus dem Tumult herausspazierte. Manchmal feuerte sie nochmal ihre Waffe auf einen der Cerberus Agenten, wenn sie noch zuckten, manchmal zuckte sie einfach gleichgültig mit den Schultern, nach einer kurzen Inspektion des Körpers am Boden. Als wolle sie andeuten, dass sich der Schuss ohne hin nicht lohnen würde, weil er es eh bald hinter sich hatte.

James brauchte einen Moment, um zu erkennen, dass diese nahezu perfekte Zusammenarbeit ihn zwar beeindruckte, aber auch ärgerlich, ja fast schon eifersüchtig zurück ließ.

Er konnte keine wirbelnden blauen Dingsies in der Luft platzieren, Gegner damit schweben lassen, die dann mit einer gezielten Aktion von Ella explodierte und die Gegner in Stücke riss, oder gegen Wände knallte.
Er konnte schießen. Zugegeben, das konnte er ausgesprochen gut, so wie nen Haufen anderer Dinge auf dem Schlachtfeld… aber… Er wollte sich für diese Gedanken selbst eine reinhauen, während das Team auf dem Bildschirm sich wieder entspannte. James ließ die Griffe los und versuchte seine Muskulatur in Armen und Händen etwas zu entspannen in dem er die Hände immer wieder öffnete und schloss, die fühlten sich nämlich an, als hätte er ne Stunde lang Klimmzüge gemacht. Er hörte sie sich durch kleine Frotzeleien zum überstandenen Kampf beglückwünschen. Auf der Übertraugen ihrer Helmkamera sah er Alenkos Gesicht durch seinen Helmvisor. Er grinste den Commander schief an.

„Na, hast du jetzt weniger zu nörgeln, Major?“

„Sagen wir, ich gewöhne mich wieder zunehmend an deine Vorgehensweise.“

„Ich wäre auch enttäuscht, wenn diese Information unwiederbringlich verlorengegangen wäre.“

James hörte das Lächeln in ihrer Stimme. Und es machte ihn wütend – aus vollkommen lächerlichen Gründen, wie ihm vollkommen klar war. Aber wie ein kleiner junge wollte er derjenige sein über dessen dümmliche Witze sie lachte. Er bekam schlechte Laune. Hauptsächlich auf sich selbst, weil er sich benahm wie ein beschissener Teenager.

James zog sich die Bildübertragung auf sei Omnitool & den Soundchannel auf sein persönliches Comm-Tool. Er musste nicht jedem, dem er begegnete zeigen, bei welchen Bemerkungen ein ne Fresse zog.

Auf dem Weg in die Küche begegnete ihm zum Glück schon mal keiner – jeder saß auf seinem Posten oder schlief. Er wollte jetzt mit niemandem den Verlauf des Einsatzes debattieren, während der Einsatz noch lief. Diese Art der Einschätzung konnte er nicht ausstehen und James war davon überzeugt, dass es schlechtes Karma verbreitete (sofern es sowas wirklich gab), wenn man einen Einsatz lobte, eh er auch nur im Ansatz vorbei war. Aus Erfahrung wusste er zu gut, dass selbst Sichere Nummern gerne mal sehr plötzlich den Bach runter gingen.

Kaffee würde ihn vielleicht etwas beruhigen – wer’s glaubt – aber natürlich war er zunächst einmal der Arsch, der die Maschine neu bestücke durfte, also hatte er genug Zeit, während dieser Arbeit und dem anschließenden Warten darauf, dass die Glaskanne sich füllte zu beobachten, wie das Team zum Cryo-Pod gingen um endlich den Code einzugeben, der das Teil öffnen würde.

Der Anschließende Kampf, ließ ihn starr in der Messe stehen, umso mehr, als er den verdammten Atlas sah, den Cerberus auf seine Kameraden abgeworfen hatte. Aber sie schlugen sich auch hier gut. Sicher, die Biotik war nicht ideal gegen die Panzerung des Mechs, aber er wusste, dass Ella eine verdammt gute Schützin war, der es schließlich auch gelang mit ihrer Paladin das Glas der Führerkabine zu durchdringen und den Piloten mit einem Kopfschuss zu beseitigen. In der restlichen Zeit hatten der Major und Doc die anderen Cerberus Einheiten eliminiert. Als er nach der Kanne griff, kam das Team zusammen und beobachtete, wie sich der Pod öffnete. Er war gespannt, aber nicht so sehr, dass er nun weiter auf den Kaffee verzichten wollte. Jedoch hatte er seine Rechnung ohne das Wesen im Pod gemacht und er starrte gebannt auf die Übertragung auf seinem Omnitool und vergaß die Kanne in seiner Hand vollkommen während er immer weiter Kaffee in die Tasse goss. Langsam aber sehr stetig.

Der Protheaner war am Leben und wie er am Leben war - scheiße. James betrachtete mit einem hilflosen Gefühl, wie das Wesen aus dem Pod zuerst das Bodenteam von sich schleuderte, über die Plattform stolperte und dann als Ella ihm nachging, während er die Ruinen seiner Kultur anstarrte beide für einige Sekunden völlig regungslos verharrten, als sie ihn berührte. Die Anspannung wich sofort aus der ganzen Situation als Ella sich mit dem Alien begann ruhig zu unterhalten. James‘ Aufmerksamkeit wurde auch zurück in die Messe der Normandy gezerrt, als seine Hose am Knie plötzlich erschreckend warm und feucht an der Haut klebte. Natürlich war wie zu erwarten der Kaffee übergelaufen und hatte um die Tasse schon eine beachtliche Pfütze gebildet, die auch schon herunter tropfte, hektisch stellte James die Kanne beiseite, stieß dabei gegen die Tasse, die natürlich zu allem Überfluss (wortwörtlich) umfiel und das Chaos perfektionierte.

„… ich bin von Primitiven umgeben…“ Ja, dachte James so bei sich, das ist bei manchen näher an der Wahrheit als man meint, als er immer wieder zwischen Übertragung und Kaffee-Katastrophe hin und her sah.

„Scheiße,“ murmelte er als er sich dem Ausmaß des Kaffeemassakers bewusst wurde, setzte sich aber dennoch nicht in Bewegung um das zu beseitigen, sondern beobachtete die Situation, auf dem Planeten noch einen Moment, bis das Team die Evac Nachricht erhielt. Hier in der Küche konnte es wohl kaum beschissener werden. Er schloss schließlich die Übertragung und rieb sich mit Daumen und Zeigefinger über seine geschlossenen Augen und drücke für einen Moment seine Nasenwurzel um den dort erstandenen Druck am Übergang zur Stirn etwas zu lindern.

„Es scheint, als wären Sie nicht ganz bei der Sache gewesen, Lieutenant.“

James schmunzelte und drehte sich zu der Ärztin um. „Ich habe keinen blassen Schimmer, wie Sie auf diese Idee kommen, Doc.“

„Die Dunkle Flüssigkeit, die vom Tresen tropft, gibt da einen gewissen Hinweis,“ gab sie, ohne auch nur ihr Gesicht zu verziehen, zurück.

James mochte diese trockene Art der Ärztin und konnte sich das leise Lachen nicht verkneifen. Chakwas ging an ihm vorbei und griff nach einem Handtuch und Lappen aus der Spüle, die sie mit ihren nächsten Worten gegen James Brust drückte, der das Putzzeug entgegen nahm: „Wir alle machen uns Sorgen, wenn das Team da draußen ist. Denn jeder von uns weiß, was es bedeutet, wenn wir scheitern. Aber Sie sollten lernen mehr auf ihre Fähigkeiten zu vertrauen. Und noch viel mehr sollten Sie Ihre Emotionen besser im Griff haben.“

Das wiederum war etwas, das James zuweilen schwierig fand: dieser Frau entging nichts. Glücklicherweise jedoch war sie keine Tratschtante, wo es nun ihre Position hergab, das sie über vieles informiert war, was auf so einem Schiff abging.

Er holte tief Luft bevor er nach einem Seufzen antwortete. „Leichter gesagt als getan…“

Die Ärztin nickte. „Das geht uns anfangs allen so, James. Ich bin da aber ganz optimistisch, dass Sie das hinbekommen werden. Denn auch auf gemeinsamen Einsätzen kann Ihnen vergleichbares passieren.“ Sie deutete auf das noch immer tropfende Chaos in dem offenen Küchenbereich der Normandy.

James merkte, wie ihm Röte in die Wangen stieg. „Ich bin mir nicht ganz sicher, was Sie meinen.“ Er ahnte, dass es keinen Sinn machte, es zu leugnen, aber er konnte es versuchen.

Chakwas lachte. „Halten Sie mich nicht zum Narren, Lieutenant. Jeder mit Augen im Kopf und etwas empathischem Talent kann sehen, was sie Ihnen bedeutet.“

Glücklicherweise waren sie allein auf dem Deck, wobei James auch eher eine höhere Summe gewettet hätte, dass Chakwas sich sonst auch zurückgehalten hätte, was dieses Thema anging.

James seufzte erneut. „So offensichtlich?“

„Ziemlich. Aber lassen Sie sich von jemandem mit meiner Erfahrung sagen: Wir haben alle schon in ähnlichen Situationen gesteckt und haben das alle auf die eine oder andere Art hinbekommen. Vielleicht reden Sie mal mit ihr darüber.“

Für einen Moment dachte James der letzte Satz sollte ein Scherz sein, erkannte aber, dass die Ärztin keineswegs scherzte, sondern es ihr vollkommener Ernst war. Der Marine runzelte ungläubig die Stirn eh er antwortete: „Mit Verlaub, aber sind Sie loco?“

Nun konnte Chakwas das Lachen nicht unterdrücken. „Ich bin zumindest schon schlimmer betitelt worden...“ Jetzt lachten sie beide für einen Moment. „ich meine es ernst, James, Man kann seine Sorge um einen Menschen äußern, ohne ihm das Gefühl zu geben ihn zu erdrücken, ich bin mir sicher, dass sogar Sie das sehr gut können.“

„Sogar ich?“

„Nun, Sie, als Marine. Denen sagt man nicht allzu viel Fingerspitzengefühl bei diesen Themen nach.“ Das Zwinkern deutete an, dass sie es nicht allzu ernst meinte damit.

James lachte tonlos und gab sich seiner Vorstellungsgabe hin, wo sich eine Situation abspielte, in der er im frisch reparierten Ausstellungskasten landete, nachdem er Ella versuchte beizubringen, wozu die Ärztin ihm geraten hatte, und diese eher weniger Verständnis für sein Anliegen und Gefühlslage aufbringen konnte. Letztendlich war James ja schon froh, dass sie dort waren, wo sie waren…. „Ich bin mir nicht so sicher, ob sie das auch so sieht,“ sagte er schließlich, „Genaugenommen ist es gut möglich, dass ich bereits den Kopf abgerissen bekomme, wenn sie nur herausfindet, dass wir beide miteinander über dieses Thema gesprochen haben…“

„Ich sage nichts, wenn Sie nichts sagen,“ zwinkerte sie ihm zu und ging an ihm vorbei zum Kühlschrank und nahm sich eine Flasche Wasser heraus. „Denken Sie darüber nach. Allerdings,“ sie deutete auf den erkalteten Kaffee, der die Küche zierte, „würde ich an ihrer Stelle dieses Massaker dringend zuerst beseitigen. Ihre Position verschlechtert sich drastisch und riskiert bereits ihren hübschen Kopf, wenn der Commander keinen Kaffee trinken kann, wenn sie die Mission evaluiert.“

James schmunzelte ob dieser Wahrheit und hielt die Putzutensilien in seiner Hand etwas höher. „Zu Befehl, Doc.“

Die Ärztin tätschelte seinen Oberarm mit einem schiefen lächeln und verschwand mit ihrem Wasser zurück ins Med-Bay.


Es gelang ihm genau rechtzeitig, das Chaos zu beseitigen und neuen Kaffee gekocht zuhaben, bis das Team wieder eintraf und Lola sich bei ihm mit einem zwinkern bedankte, als sie einen frischen Kaffee mit in ihre Kabine nehmen konnte. Auf dem Weg zum Aufzug begleitete James sie.

„Und? Notizen gemacht?“

„Mehr oder minder,“ gab er zu.

Ella runzelte die Stirn. „Na, dann beweg deinen Arsch. Du hast Zeit bis ich unter der Dusche war und mit dem Protheaner gesprochen habe. Das Debriefing habe ich nach hinten verlegt, da wir deine Einschätzung mit einbeziehen wollen. Abhängig davonwie gut das läuft, wirst du das auch im Debriefing selbst tun. Ich bin nicht deine Nanny“

Er musste lachen, auch wenn ihre Planung ihn etwas nervös machte. „Das würde die Situation auch reichlich merkwürdig und kompliziert machen.“

Sie grinste. „Und illegal… Commander Shepard.. Held von Elysium, Retter der Galaxis vögelt ihren Schützling…“ Sie wirkte einen Moment nachdenklich. „Genaugenommen tue ich exakt das. Welch ein
Glück, dass du immerhin volljährig bist.“

„Wie verwegen du bist Lola.“

„Oh ja, du hast die ein gänzlich schlechtes Vorbild ausgesucht. Ignoriert die Kommandokette mit Vorsatz und schämt sich nicht mal.“

Er lachte. „Ich bin ganz froh, dass Scham kein primärer Charakterzug ist.“

„Du hast nur nicht die richtigen Fragen gestellt, mein Lieber,“ zwinkerte sie ihm zu.

„Challenge accepted, Lola.“ Er sah sie mit einem vielsagenden Grinsen an. „Denkst du Buggy hat genug Geduld auf dich zu warten, damit ich das mit dem Rotwerden und der Scham nochmal versuchen kann.“

Die Aufzugtüre öffnete sich ehe sie eine Antwort geben konnte. Ella stieß sich neben ihm von der Wand ab und machte einige Schritte ehe sie ihm antwortete, „Du hast ne Stunde, ehe man sich fragt wo ich bleibe.“

Es dauerte nur eine halbe Sekunde ehe die Aufforderung in seinem Hirn ankam und nur Augenblicke, eh andere Körperpartien ihre Vorfreude sehr deutlich zeigten.

Was jedoch natürlich nicht passierte war das Gespräch ober Sorge und Emotionen. Und das Briefing bekam er auch ziemlich gut ohne Notizen hin.
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