Die Sage der Lygeia

GeschichteAllgemein / P16 Slash
Ephiny Gabrielle OC (Own Character) Xena
14.04.2013
10.06.2013
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Erster Gesang

Das Haus war ein typischer Flachbau in einer ordentlichen, aber doch preiswerten Gegend von Los Angeles. Lygeia parkte ihren Wagen am Straßenrand, stieg aus und ging den gepflasterten Weg zur Haustür. Nachdem sie den Schlüssel aus ihrer Tasche gefummelt und aufgeschlossen hatte betrat sie das Haus. Der Flur war klein, hübsch eingerichtet.

„Mum, ich bin zu Hause!“ rief Lygeia durch das ganze Gebäude. Ihre Mutter Alicia kam aus der Küche und lächelte ihre Tochter an. „Hallo, Lygeia. Wie war die Arbeit?“

Lygeia zuckte mit den Schultern und nahm ihre Mutter in den Arm. Trotz ihrer fünfundzwanzig Jahre hing sie sehr an ihrer Mutter. Bedingt auch durch eine sehr schwierige Vergangenheit, die lange zwischen ihnen gestanden hatte und nun nicht mehr erwähnt wurde. Man konnte an der Art, wie Alicia ihre Tochter umarmte sehen, wie viel ihr diese kleine Zärtlichkeit bedeutete. Erst nach einer langen Zeit löste sich Lygeia von ihrer Mutter und ging in ihr Zimmer. „Das Essen ist gleich fertig!“ rief ihr Alicia noch hinterher.

Lygeias Zimmer befand sich im hinteren Teil der Wohnung. Müde warf sie ihre Tasche auf das Bett und ließ sich erst mal in den Sessel vor ihrem Schreibtisch fallen. Kurz schweifte ihr Blick durch ihr kleines Reich. Über ihrem Schreibtisch hing ein eingerahmtes Poster von H. P. Lovecraft, Lygeias unumstrittener Lieblingsautor. Direkt daneben, in etwas kleinerer Ausführung, hing ein Bild von Edgar Alan Poe.

Eine ganze Wand des Zimmers wurde von einem Bücherregal eingenommen. Dort reihten sich die Sammelbände von Lovecraft und Poe neben den Romanen von Terry Goodkind, J. R. R. Tolkien und Marion Zimmer Bradley. Neben den Fantasy Romanen und den verehrten Altmeistern des Horrors und Science Fiction wurden die Regalfächer von Sachbüchern über verschiedene Kampfsportarten und Fitnessübungen eingenommen. Hie und da hatte sich auch ein Buch von Stephen King eingeschlichen. Lygeia schaute zu der gegenüberliegenden Wand. Über dem Bett hing, ebenfalls eingerahmt, ein Poster von der Serie „Xena“.  

Alles in allem war ihr Zimmer ein Raum in dem man sich wohlfühlen konnte. Kurz tauchte in ihrer Erinnerung das Bild ihres alten Zimmers in New York auf. Es war kleiner gewesen als das hier. Und außerdem dreckiger und versiffter. Volle Aschenbecher, leere Alkoholflaschen, der Geruch von Nikotin und Alkohol. Niemals hätte sich in diese Hölle ein Buch verirrt, geschweige denn ein Poster von Xena. Nein. Dieses Zimmer damals hatte nichts anderes dargestellt als Lygeias frühere Selbstzerstörung.

Das Klopfen an der Tür vertrieb die aufkommenden Erinnerungen. Alicia kam herein. „Kommst du essen?“

Lygeia stand auf und folgte ihrer Mutter in die Küche. Dort setzen sich beide an den kleinen Tisch, an dem drei Personen Platz gehabt hätten. Während des Essens unterhielten sie sich. Lygeia erzählte von ihrer Arbeit und von Dingen, die sie währenddessen erlebt hatte. Es bereitete ihr ein unglaubliches Vergnügen ihre Mutter mit kleinen Anekdoten zum Lachen zu bringen.

Früher hätte sie so etwas nicht getan. Zusammen mit ihrer Mutter essen, sich mit ihr unterhalten oder lachen. Die einzigen Dialoge, die sie damals in ihrer alten Wohnung in New York geführt hatten, waren entweder Befehle „Gib mir Kohle, du Stück Scheiße!“ oder „Geh endlich sterben, du Missgeburt!“

„Ist es in Ordnung wenn ich heute Abend ausgehe?“ fragte ihre Mutter.  

Lygeia lächelte verschwörerisch. „Mit Armin?“ fragte sie.

Ihre Mutter nickte. „Wir wollen uns einen Film ansehen und dann vielleicht noch essen gehen.“

Armin war der Freund ihrer Mutter, und außerdem schwer in Ordnung. Lygeia hatte ihn vor drei Monaten kennengelernt. Und nach einem langen Gespräch hatte sie ihm, sozusagen, ihren Segen erteilt.

„Du musst mich doch nicht fragen, wenn du ausgehen willst.“ Sagte Lygeia.

Alicia lächelte sie an, streckte ihre Hand aus und streichelte ihrer Tochter kurz über die Wange. Auch das gehörte zu den Dingen, die es früher nicht gegeben hätte. Lygeia war jeder körperliche Kontakt mit ihrer Mutter ekelhaft gewesen. Hätte ihre Mutter sie damals einfach so an der Wange berührt, hätte sie sich eine gefangen.

Nach dem Essen räumte Lygeia gemeinsam mit ihrer Mutter das benutzte Geschirr weg. Dann verzog sie sich wieder auf ihr Zimmer. Dort legte sie sich ihre Sachen für heute Abend raus. Ein schwarzes T-Shirt und eine grüne Tarnhose. Wenn ihre Mutter heute ausgehen würde, dann hätte Lygeia heute mal wieder Zeit für einen Xena DVD Abend.



Um fünf nach sechs klingelte es an der Tür. Lygeia öffnete und ließ Armin herein. „Hallo, Armin.“ Begrüßte sie ihn.

„Hallo Abby.“ Sagte Armin. Abby war die Kurzform von Lygeias zweitem Vornamen. Mit vollem Namen hieß sie Lygeia Abigail Johansson.

Armin kam rein und setzte sich auf das Sofa im Wohnzimmer. Er war groß, hatte breite Schultern und helle kurze Haare. „Und wie geht’s dir?“ fragte er Lygeia.

„Ganz gut.“, Antwortete sie, „Und dir?“

„Auch.“

Lygeias Mutter kam ins Wohnzimmer. Sie trug eine weinrote Bluse und eine normale Jeans. Armin stand auf und begrüßte sie mit einem kurzen Kuss. „Gehen wir?“ fragte er.

Alicia nickte und umarmte ihre Tochter. „Bye.“

„Bye.“

Armin und Alicia verließen die Wohnung, sodass Lygeia jetzt alleine war. Wie immer, wenn sie alleine war, verschloss sie die Wohnungstür. Das tat sie erst seit sie siebzehn war. Dann holte sie ihre Xena-DVD Boxen aus ihrem Zimmer. Dazu gesellten sich eine Schüssel mit Keksen und eine Kanne Tee. Und während Lygeia der Handlung auf dem Bildschirm gespannt folgte, sich hin und wieder einen Keks in den Mund schob oder einen Schluck Tee trank, dachte sie an die Zeit als Xena in ihr Leben getreten war.

Kaum dass Lygeia daran dachte spürte sie es wieder. Dieses Jucken an ihren Handgelenken. Geistesabwesend strich sie zunächst mit den Fingern darüber, dann kratzte sie bewusst mit den stumpf gehaltenen Fingernägeln. Selbst heute, nach all den Jahren, hatte sie manchmal immer noch den Drang sich zu spüren. Zu spüren ob sie da war.

Ob überhaupt etwas da war.

Unbehaglich zog Lygeia ihre Beine an und schlang die Arme darum. So konnte man sich einen Abend verderben. Indem man sich an die eigene beschissene Vergangenheit erinnerte und sich für all die Fehler schämte. Tränen bildeten sich in Lygeias Augen.

„Mia.“ Hauchte sie mit erstickter Stimme.
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