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GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
Amerika England Frankreich Kanada
12.04.2013
09.11.2015
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12.04.2013 1.281
 
Es war still.

Die Luft fühlte sich seltsam schwer in seinen Lungen an, als er versuchte einzuatmen und die Sonne stach ihm in die Augen, als er sie langsam aufmachte.

"Mattie! Du bist endlich wach!"
Verwirrt sah er sich um und entdeckte einen breit grinsenden Amerikaner, der auf ihn herabstrahlte. Nicht dass er dessen Grinsen nicht schon kennen würde, doch diesmal stimmte etwas nicht.

Und zwar ganz gewaltig...

"Du bist vorhin einfach so weggekippt und ich hab mir schon Sorgen um dich gemacht... Aber es scheint dir ja gut zu gehen, oder?"

Er nickte. Auch wenn es ihm noch besser gehen würde, wenn jemand die Gnade besitzen würde dem Anderen die viel zu laute Klappe zu stopfen und ihn über ein paar Sachen aufzuklären.
Nur langsam richtete er sich mit einem schmerzerfüllten Seufzen auf und griff sich automatisch nach seiner schmerzenden Seite. Er konnte nicht auf Anhieb sagen was passiert war, aber so wie seine Seite entsetzlich schmerzte und auch scheinbar dick bandagiert war, konnte er mit großer Sicherheit sagen, dass egal wie er gefallen war, scheinbar ziemlich bescheuert auf seinen Rippen aufgekommen sein musste. Und zwar mehr als nur bescheuert, ohrfeigte er sich in Gedanken, als er feststellte dass seine Rippen ihm sich bei jedem  Atemzug schmerzhaft in die Lunge bohrten wie sie es sonst nur taten, wenn sie gebrochen waren.

"Die Docs wissen zwar nicht was bei dir passiert war, aber sonst scheint wohl alles okay zu sein."
Vor seinen Augen zerfloss alles kurzzeitig zu einer undefinierbar, grauen Masse, als ihm wieder einfiel, was passiert war.

Die Docs wussten es nicht und würden es nie herausfinden. Aber er wusste es.

Und es war nicht alles okay.

~*~

"Och nein, Matthew... Das solltest du nicht tun~"

Er bückte sich noch mehr und hörte das tiefe, laute Knurren seines Eisbären, an seiner Seite, der sich kampfbereit neben ihn gestellt hatte.

Blaue Augen durchbohrten sie amüsiert, während der Rest des Körpers in Schatten verborgen lag.
Plötzlich verschwamm alles vor seiner Sicht und er spürte unglaubliche Kopfschmerzen. Leises Lachen ertönte im Raum, hallte von den Wänden, direkt in seinem Kopf wieder. Er nahm nur am Rande wahr, wie die Person aufgestanden und zu ihm gegangen war, als er bereits zusammengekrümmt auf dem Boden lag.

"Ich habe dir doch gesagt Darling, dass du das nicht tun solltest."

Dann hörte er entfernt einen Schuss und nahm das Aufprallen eines mächtigen Körpers neben ihm auf dem Boden wahr. Etwas in ihm zog sich verräterisch zusammen, bevor sich die Schritte der Person immer weiter von ihm entfernten und er kurzzeitig in schwarze Leere tauchte.

~*~

Er unterdrückte den Impuls aufzuspringen und aus dem Bett zu kommen, genauso schnell wie er gekommen war. Es gab viele Leute die ihm misstrauten. Die sein Desinteresse als Dummheit deuteten und ihn im selben Atemzug mit seinem geistesgestörten Bruder verglichen, der scheinbar nicht nur deutlich stärker, sondern auch intelligenter war wie er. Doch es gab zwei Dinge die, die breite Masse nie erfahren würde.

Egal wie sehr Alfred sich auch aufspielte, er gehorchte ihm aus gutem Grund fast immer wortlos.
Und egal wie oft seine Schweigsamkeit missverstanden wurde...

Er war alles andere als Dumm.

Tatsache war, dass er keine Ahnung hatte, wie er hierhergekommen war, doch er schien alleine zu sein. Er wusste nicht welche Regeln hier herrschten und was man von ihm erwartete, also sprach es dafür, sich vorerst wohl an den blonden Amerikaner neben ihm zu hängen, der ihm mit irgendwas die Ohren volllaberte, was er aber gekonnt ignorierte. Wo seine Kleidung abgeblieben war, war die nächste gute Frage und auch wie viel Kraft er noch zur Verfügung hatte. Da er sich ziemlich schwach fühlte, nahm er stark an, dass er schon mehrere Tage nicht gegessen haben musste. Zumindest fühlten sich sowohl seine Arme, als auch Beine nicht gerade so an, als würde er gleich vor Energie zerbersten, was an sich vielleicht gar nicht so schlecht war, weil es ihm ein wenig Zeit verschaffte.

Er steckte hier also fest, ohne Plan, ohne Anleitung zum Handeln und ohne auch nur die geringste Ahnung, wie er wieder zurückkommen sollte.

"Hey."

Der blonde Amerikaner verstummte sofort und verschluckte sich im selben Augenblick an seiner Spucke, wodurch er einen heftigen Hustenanfall erlitt. Fragend hob der Mann die Augenbraue und musterte den Blonden, der sich verzweifelt auf den Brustkorb schlug.

"Kein Grund hier gleich so angepisst zu klingen Mattie."
Seine Augenbraue wanderte höher.
"Was ist?"

Er unterdrückte ein Schnauben und versuchte seine Stimme diesmal betont ruhig und sanft klingen zu lassen, wie es von ihm scheinbar erwartet wurde, wenn der Andere seine normale Tonlage schon als 'angepisst' definiert hatte.

"Wie lange war ich weg?"
Der Amerikaner schürzte missmutig die Lippen und sah nachdenklich zur Decke.
"Nun, so etwa um die drei Tage. Die ersten zwei hat Iggy hier übernachtet, bevor Francis ihn fast schon an den Haaren herausgeschleift und gezwungen hat zu schlafen. Aber da ich der Hero bin, bin ich dann trotzdem noch hiergeblieben."

Etwas an dem Grinsen des Amerikaners sagte ihm, dass Francis einfach nicht mehr genug Arme gehabt hatte um einerseits diesen 'Iggy' wegzuschleifen und andererseits sich auch noch um den Amerikaner zu kümmern. Zumindest dürfte es wohl so sein, wenn die Kräfteverhältnisse hier noch stimmen mochten. Und etwas anderes zog sich grad in seinem Brustkorb fürchterlich zusammen, als ihm dämmerte, dass sein Bruder, sich wohl nicht so um ihn gesorgt hätte, wenn ihm was passiert wäre.
"Dann würdest du mir doch als Hero, sicherlich was Gescheites zum Essen organisieren können, oder?"

Der Amerikaner war sofort mit dem breitesten Strahlelächeln das er je gesehen hatte, aufgesprungen, hatte enthusiastisch genickt und war schon wenige Sekunden später aus der Tür verschwunden. Wenn hier alles genauso funktionierte wie bei ihnen, hatte er damit gerade zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Er hatte sich ein gescheites Essen organisiert und ein paar Minuten Ruhe verschafft, weil der Andere im Krankenhaus, sicherlich kein 'ordentliches' Essen finden würde.

Seufzend lehnte er sich zurück und schloss die Augen, während er sich müde über das Gesicht strich.

Nun musste ihm nur noch schnell genug ein guter Plan einfallen, wie er wieder zurückkam, bevor jemand seine, oder 'Matties' Abwesenheit bemerkte.

~*~


Um ihn herum war es leise. Er hustete ein wenig und richtete sich auf, wobei er sich an einer Mauer abstützte. Es stank nach Urin, Kot und Erbrochenem und schnürte ihm damit die Luftzufuhr ab. Erneut hustete er und zwang sich durch den Mund zu atmen, um dem Gestank wenigstens so etwas Einhalt zu gebieten. Denn ganz fein am Rande, fast nicht wahrnehmbar und dennoch vorhanden, hatte er den unterschwelligen Duft von Angst, Schießpulver und Verwesung vernommen, wodurch ihn die geballte Mischung, fast schon zum Erbrechen brachte.

Er brauchte mehrere Sekunden, bis er die Augen öffnete und sich umblickte, dabei milde überrascht feststellend, dass er in einer Gasse war. Dann ließ er seinen Blick weitergleiten und zuckte zusammen, als er die massive Leiche eines Eisbären, mehrere Meter von ihm entfernt vorfand. Nun wusste er auch warum es hier so entsetzlich roch. Erneut unterdrückte er tapfer den Impuls sich zu übergeben und konzentrierte sich darauf einen Fuß vor den Anderen zu setzen um endlich aus der Gasse zu kommen, was ihm auch gelang. Als er sich dann jedoch von der Wand löste und versuchte alleine zu laufen, gaben seine Knie nach und er kam mit dem Kopf auf dem Boden auf, wodurch er erneut das Bewusstsein verlor.

Und nicht merkte, wie sich ihm lautlos jemand nährte, ihn hochhob und sich über die Schulter warf um ihn wegzubringen.
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