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Die Seele des Feuers

von DieSammie
GeschichteFantasy, Freundschaft / P12
07.04.2013
09.09.2013
23
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07.04.2013 752
 
Zur gleichen Zeit zurrte Aaron die Schulterriemen seines Rucksacks enger und schüttelte sich mit einem Rucken seines Kopfes das widerspenstige, braune Haar aus den Augen. Dann trat er mit der Stiefelspitze gegen einen Felsbrocken und setzte sich wieder in Bewegung. Hinter ihm verschwand das kleine Dorf in der Dunkelheit, in dem er eigentlich vorgehabt hatte zu übernachten. Warum konnte er nicht ein einziges Mal seine Klappe halten? Inzwischen müsste er doch wissen wie die Menschen in Rivellon auf seine Sympathie für Drachen reagierten! Er lernte einfach nicht dazu. Wieder war er aus einer Siedlung geworfen worden, als Kravall-Macher und Störenfried. Nicht dass er nicht daran gewöhnt war, doch mal wieder in einem richtigen Bett zu schlafen wäre wahrhaftig nicht zu verachten gewesen.
Aber wenn die Leute in den Gaststätten anfingen darüber zu reden, wie froh sie waren fast alle Drachen ausgelöscht zu wissen, dann konnte er nicht anders als zu widersprechen. Was die Menschen dachten, hielt Aaron für falsch und unfair. Ein Drache hatte den Göttlichen getötet, tragisch, aber na und?
Ein Mann hatte seinen Vater ermordet, als Aaron fünf Jahre alt gewesen war, hasste er deshalb die ganze Menschheit? Nein!
Außerdem lag dieses Ereignis nun schon so viele Jahre zurück! Doch niemand verstand ihn, oder versuchte es nur, deshalb hatte er keinen festen Wohnsitz, keine Familie und keine Freunde. Er war ein Einzelgänger, obwohl er eigentlich ein aufgeschlossener Mensch war. Wenn ihm nur jemand zuhören würde! Mit einem leisen Seufzer ließ er die Luft aus seinen Lungen entweichen und als dieser Laut verklungen war wurde es still um ihn herum, bis auf das Zirpen einer einzelnen Grille und dem Geräusch seiner eigenen, leichten Schritte. Das Schwert an seiner Hüfte schlug bei jedem Schritt gegen seinen Oberschenkel, als wolle es ihn antreiben immer und immer weiter zu gehen. Um ihn herum ragten majestätisch und unbezwingbar die Berge der Orobas-Fiorde in die Höhe. Er würde bis zum Großen Ritter marschieren, entschied er, und dann noch dem Weg hinauf folgen. Dort gab es einen Felsvorsprung der ihm Schutz für die Nacht versprach. Aaron war diesen Pfad schon einmal entlanggewandert, damals war er durch einen Tunnel in den Bergen ins Trümmertal gelangt, und von dort aus weiter bis Hohenzell gegangen, nun würde er das Dorf in Augenschein nehmen, das in diesem idyllischen Tal lag.
Unter seinen Stiefeln knirschte Sand, und holte ihn so aus seinen Gedanken. Sofort blieb er stehen und lauschte. War da nicht ein Geräusch gewesen? So etwas, wie ein Gurgeln?
Angestrengt lauschte er in die Nacht hinein, doch es war wieder still. Wahrscheinlich war er auf eine Schneebeere getreten. Um seine völlig logische Erklärung nicht zunichte zu machen sah er nicht nach, ob sich selbige unter seinem Schuh befand, sondern ging einfach weiter. Normalerweise hatte er keine Angst im Dunkeln, also sollte er jetzt nicht damit anfangen!
Doch ein ungutes Gefühl hatte von ihm Besitz ergriffen, und die feinen Härchen in seinem Nacken stellten sich auf, als er eine Gänsehaut bekam. Er sah ein Zucken aus den Augenwinkeln und wirbelte erschrocken herum. Da war nichts. "Dämlicher Narr, hör auf Angst vor Schatten zu haben!" schallte er sich selbst flüsternd und wusste, dass er es nur tat um seine eigene Stimme zu hören. Was sollte dieser Schatten schon bedrohliches sein? Ein Goblin, höchstens ein Imp, und mit denen war er bisher jedes mal fertig geworden.
Um sich abzulenken begann er leise zu summen,

"Wer ihn geht,

kennt den Weg
er führt uns hin
zu Ruhm und Gewinn
Bleib niemals steh'n
um zurück zu seh'n
schau nie zurück
dann führt der Weg zum Glück..."


Aaron sang das Lied lautlos vor sich hin und spürte wie seine Anspannung langsam nachließ. Es war schließlich nicht das erste Mal, dass er bei Nacht unterwegs war. Im Grunde genommen war er das beinahe jede Nacht seit dem Tod seiner Mutter vor zwölf Jahren gewesen. Sie hatte ihn drei Jahre nach dem ewigen Abschied seines Vaters allein gelassen. Er hatte die Schmiede seiner Eltern aufgegeben und war gegangen. Und seit diesem Tag tat er nichts anderes mehr, er ging, lief immer weiter und blieb kaum stehen.
Ort für Ort, Dorf für Dorf suchte er nach dem richtigen Platz um dort zu verweilen, und glaubte doch in seinem tiefsten Inneren selbst nicht mehr daran ihn jemals finden zu können. Etwa vier Stunden vor Sonnenaufgang erreichte er den Felsvorsprung und schlug dort sein Lager auf. Der nächste Tag würde Aaron nach Trümmertal-Dorf führen...und in ein neues Leben hinein.
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