Die Seele des Feuers

von DieSammie
GeschichteFantasy, Freundschaft / P12
07.04.2013
09.09.2013
23
22.502
3
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Dieses Kapitel
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07.04.2013 964
 
(Mit Riesendank an Shadowstorm, ohne deine Review- Antwort hätte ich mich nie getraut diese FF Hochzuladen, Dankeschön (Falls du dich hierher verirrst, falls nicht, dann auch :) ))


Das war die Vorschau, wir kommen nun zum Hauptprogramm. :D Hoffe es gefällt euch :)
LG Syvina

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Das Mondlicht schien auf den gewaltigen Kadaver der Bestie, die einstmals wohl der Herrscher über den Himmel gewesen sein musste, herab. Einstmals musste dieses Wesen ganze Städte in Angst und Schrecken versetzt haben, mit seinem Feueratem und den riesigen Schwingen.
Nun aber blickten seine Augen leer und kalt in den sternenklaren Himmel. Das kleine Mädchen beugte sich über den toten Körper der schuppigen Echse und ihre großen, eisblaunen Augen waren geweitet vor Neugier. Die Drachentöter hatten es also tatsächlich geschafft, die Bestie war besiegt.
Richa streckte eine zitternde Hand aus und zögerte dann doch. Ob es gefährlich war, den Drachen zu berühren? Ach Unsinn, was sollte er ihr schon tun, er war schließlich tot! Dennoch wagte sie nicht mehr, als die Fingerspitze ihres rechten Zeigefingers über die knochige Augenbraue des Drachen streichen zu lassen. Seltsamerweise war die Haut der Bestie nicht glitschig und eklig, wie sie angenommen hatte. Nein, sie fühlte sich weich und ledrig an, wie der Sattel von Richards Pferd.
Richard... sie mochten den Champion nicht, er war immer gemein zu ihr! Deshalb hatte sie auch den Sattelgurt seines Pferdes zerschnitten und dabei hatte sie gespürt, wie der Sattel sich anfühlte.
Sonst hätte sie wohl in ihrem ganzen Leben nicht Kontakt mit so kostbarem Material gehabt, als Tochter eines Schweinebauern. Wobei, eigentlich war ihre Mutter Rosi die Schweinebäuerin, denn ihr Vater, Folo, liebte die Tiere viel zu sehr als dass er sie schlachten würde. Richa hasste die Schweine, weil ihr Vater die Viecher mehr liebte als seine Familie.
Mit einem genervten Ausatmen ließ sie sich auf den Boden neben dem Drachen plumsen und betrachtete ihn weiter eingehend.
Eigentlich sah das schlangenhafte Geschöpf richtig hübsch aus.
Ihr Blick blieb an den Schwingen des Tieres haften und Richa stellte sich vor wie es war zu fliegen. Keine Grenzen, keine Schranken, nur die Erde unter und die Unendlichkeit über einem. Die dicken, kühlen Wolken, die ihre Haut liebkosten, die Sonne, die sie streichelte.
Ein wohliger Schauer rieselte ihren Rücken hinunter, als sie die Augen schloss und das Gesicht den silbernen Strahlen des Mondes entgegen reckte. Selbst durch ihre geschlossenen Lider konnte sie das Licht wahrnehmen. In dieser Nacht schien der Mond wahrlich außergewöhnlich hell.
Die teilweise eingestürzten Säulen, die in einem Kreis um sie und den Kadaver herum standen, reflektierten es und schimmerten beinahe weiß, der riesige schwarze Turm dagegen, der in der Ferne zwischen den Wipfeln der Bäume aufragte, schien das Geschenk des Mondes zu verschlucken.
Im Dorf erzählten die Leute viele Geschichten über ihn, und nicht eine deutete auch nur teilweise etwas Gutes an. Als die Müdigkeit begann ihre Glieder hinabzukriechen schlug Richa die Augen wieder auf. Sie durfte hier nicht einschlafen, das wusste sie.
Also rappelte sie sich hoch und machte Anstalten davon zu gehen, doch sie wandte sich noch einmal um. Nach kurzem Überlegen fasst sie einen Entschluss, bückte sich, und hob eine der umherliegenden Drachenschuppen auf.
Ihr war klar, dass sie nicht noch einmal Gelegenheit bekommen würde ungesehen hierher zu kommen. Mit einem zufriedenen Nicken ließ sie die Schuppe in eine Tasche der Weste gleiten, die sie über ihrem Kleid trug, klemmte sich eine schwarze Locke hinter das Ohr und machte sich auf dem Heimweg.
Der leicht ansteigende Weg führte durch eine Art kleiner Schlucht und Richas Eltern sagten ihr immer wieder, dass sie nicht dorthin gehen dürfe. Es sei gefährlich, es könne ihr etwas passieren.
Natürlich war es gefährlich, das machte ja gerade den Reiz daran aus. Und Richa wollte nicht so eine Frau werden wie ihre Mutter, Dana oder Elsa. Und erst recht wollte sie nicht sein wie die Klatschtanten Peggy und Susi. Nein, Richa wollte sich eines Tages dem Neuen Orden, oder den Champions, ja vielleicht sogar den Drachentötern anschließen. Wobei, nein, mit ihren sieben Jahren war sie wohl schon zu alt um sich dieser Elite anzuschließen. Dann eben doch der Neue Orden. Dann könnte sie ihr Dorf vor den Goblins beschützen, die ihrer Mutter solche Angst machten. Richa hatte keine Angst vor den Goblins.
Man musste bloß die Zähne fletschen und fauchen, dann rannten sie mit irritiertem Gegrunze davon, das hatte das Mädchen schon früh gelernt.
Das Lager der grünen Biester, an dem sie nun vorbeimarschiert, war still; selbst die Goblins mussten schlafen. Wovor Richa allerdings wirklich Respekt, vielleicht sogar Angst hatte, waren die Wildschweine. Die liefen nicht davon wenn man sie anknurrte, nein, das machte sie nur noch wütender. Und schlafen mussten sie auch nicht! Das hatte ihr der mutige Robin aus dem schwarzen Eber erzählt.
Der Jäger hatte das Wildschwein erlegt, dem die Taverne ihren Namen verdankte, und Richa liebte es seinen Geschichten zu lauschen.
Der Fluss plätscherte nun fröhlich zu ihrer Linken, doch da sie keine Lust hatte ihrer Mutter die nassen Kleider zu erklären, lief sie ein Stück weiter und überquerte die Steinbrücke, die von einer einzelnen, traurigen Laterne in tristes Licht getaucht wurde. Nun konnte sie schon die Palisade von Trümmertal-Dorf sehen, und die Silhouetten der darauf patrouillierenden Wachen.
Um unbemerkt an den Wächtern vor dem Tor vorbeizukommen nutzte sie ihre Fähigkeit. Ein reisender Magier hatte sie ihr vor einiger Zeit beigebracht, sie hieß "Umarmung der Schatten" und erlaubte es ihr, sich für kurze Zeit unsichtbar zu machen.
Und wirklich stahl sie sich wie ein Schatten an den Wachen, den Betrunkenen, die gerade aus dem schwarzen Eber torkelten und schließlich an ihren schlafenden Eltern vorbei und kuschelte sich in ihr Bett, gerade als der Zauber begann sich aufzulösen. Noch wusste Richa nicht, dass sich nach dieser Nacht ihr Leben von Grund auf ändern würde.
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