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Bei Nebel und Nacht

von MaryV
Kurzbeschreibung
GeschichteThriller / P12 / Gen
06.04.2013
13.05.2013
2
1.359
4
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Dieses Kapitel
1 Review
 
 
06.04.2013 984
 
zwei Monate früher


„Na, wie war dein Wochenende?“, wurde Mina sofort von Arthur begrüßt, als sie ins Büro kam. „Super!“, antwortete Mina verwundert und zugleich erfreut über diesen Überfall und grinste. Arthur konnte sich schon denken, warum. „Und wo warst du diesmal? Stuttgart, Berlin, Hamburg?“ „Stuttgart. Alle guten Dinge sind fünf.“, kam zurück. „Oh je, schon wieder Rebecca.“, nuschelte Arthur nur und Mina wollte ihm empört entgegnen, dass man Rebecca nie oft genug sehen konnte. Als sie allerdings den eifersüchtigen Blick sah, der von ihrem Freund Jonathan kam, ging sie schnell zu ihrem Schreibtisch und machte sich an die Arbeit. Sie verstand sich gut mit Arthur, aber Jonathans Eifersucht nervte und war unnötig. Sie war glücklich mit ihm und würde nie etwas mit einem anderen Mann anfangen. Und schon gar nicht mit Arthur. Er war ganz nett, aber überhaupt nicht Minas Geschmack. Arthur war sehr schüchtern und so ein Überfall wie eben war für ihn schon eine Art Gefühlsausbruch. Manchmal dachte sie darüber nach, wie Arthur privat lebte und was er in seiner Freizeit machte. Eine Freundin hatte er sicher nicht. Mina hatte schon oft versucht, Arthur zu überreden, etwas mit ihr, Jonathan und ihrer Freundin Lucy zu unternehmen, aber bisher hatte sie es nie geschafft, ihn aus der Reserve zu locken. Auch jetzt saß sie wieder an ihrem Schreibtisch und dachte darüber nach. Irgendwie war Arthur ein komischer Kauz.

„Nicht träumen, Mina, arbeiten!“ Sie schreckte aus ihren Gedanken. „Bin schon dabei, Chef.“, antwortete sie nur. Sie war froh, dass das Verhältnis zu ihm so gut war. Abraham war ein lockerer Typ und hatte von Beginn an angeboten, sich gegenseitig mit Vornamen anzusprechen. Wie seine Eltern auf den Namen Abraham gekommen waren, wunderte sich Mina allerdings immer wieder.

Nach diesem Wochenende fiel es ihr gar nicht so leicht, sich auf die Arbeit zu konzentrieren. Ständig spukten ihr Lieder aus Rebecca durch den Kopf und außerdem hatte sie es nach der Vorstellung geschafft, fünf Minuten mit Arvid, ihrem Lieblings-Maxim, zu sprechen und war unglaublich stolz auf sich. Sie war, wenn auch sonst aufgeschlossen, an der Stage Door meistens ziemlich schüchtern und wusste nie, was sie außer „Bekomm ich ein Autogramm?“ oder „Darf ich ein Foto machen?“ sagen sollte. Und dann auch noch auf Englisch. Umso glücklicher war sie nach diesem Gespräch gewesen. Er war aber auch ein süßer Typ.
Als sie merkte, dass sie schon wieder da saß und vor sich hin träumte, zwang sie sich dazu, endlich etwas zu arbeiten. Und so brachte sie den Vormittag irgendwie rum.

In der Mittagspause ging sie mit Jonathan in die Kantine und freute sich auf ein paar Minuten mit ihm, hatten sie sich doch das ganze Wochenende nicht gesehen. Arvid kam eben doch nicht an ihn ran, dachte sie, innerlich über ihre Spinnereien schmunzelnd, als sie sich im gegenüber setzte und er sie mit seinem typischen Grinsen ansah.
Sie waren gerade ins Gespräch vertieft, als Arthur an ihren Tisch kam. „Ist hier noch frei?“ Im Augenwinkel sah sie den genervten Blick von Jonathan und, obwohl auch sie keine Lust hatte, dass er sich zu ihnen gesellte, wollte sie ihn nicht verletzten und bejahte. Schließlich kam es nicht alle Tage vor, dass Arthur so aufgeschlossen war und sich zu jemandem an den Tisch setzte. Mina versuchte, Arthur irgendwie ins Gespräch mit einzubinden, aber die ganze Situation war so verklemmt und angespannt, dass sie froh war, als es 13:00 Uhr war und sie wieder ins Büro gehen konnten. Auf dem Weg nach oben, als Arthur schon vorausgegangen war, fragte Jonathan: „Musste das sein?“
„Hätte ich ihn wegschicken sollen?“
„Wär vielleicht besser gewesen. Der steht doch voll auf dich. Dass du das nicht merkst!“
„Jetzt mach mal halblang! Der wollte einfach nur nicht alleine essen. Ist doch toll, dass er mal ein bisschen aus sich raus kommt!“
„Ich begreif dich nicht, dein Hirn ist doch sonst nicht so langsam!“, kam von Jonathan, heftiger als beabsichtigt, bevor er schneller ging und sich wütend auf seinen Schreibtischstuhl fallen ließ. In dieser Hinsicht war Mina seiner Meinung nach einfach naiv. Er hatte bemerkt, wie Arthur seine Freundin während dem Essen ständig von der Seite angesehen hatte. Wenn das so weiter ging, dachte er, würde er ihm schon mal sagen, was er über ihn dachte. Wenn sich jemand an seine Freundin ranmachte, verstand er keinen Spaß.
Eigentlich wollte er Mina heute Abend zum Essen einladen, aber nach dieser Diskussion gerade, hatte er darauf keine Lust mehr.


***

Als Mina nach der Arbeit nach Hause kam und, genervt davon, wie der heutige Arbeitstag verlaufen war, ihren Briefkasten öffnete, fand sie einen Brief ohne Absender darin. Während sie sich fragte, von wem der Brief sein könnte, ging sie nach oben. Sie öffnete das Couvert und nahm das einzelne Blatt heraus, das sich darin befand. Auf dem Papier befanden sich lediglich ein paar, mit einem PC geschriebene Zeilen, die ihr irgendwie bekannt vorkamen.


Ich bin da, weil du mich liebst, nur für dich bin ich am Leben.
Jede Sehnsucht tief in dir findest du allein in mir.
Wirf dich nicht weg an diesen ahnungslosen Mann und seines Gleichen.



Wer bitte schickte ihr einen solchen Brief? Er war nicht einmal an sie adressiert und wurde anscheinend direkt in ihren Briefkasten geworfen. Wahrscheinlich ein Streich von irgendwelchen Leuten, die meinten, sie wären lustig. Aber nach dem Streit heute mit Jonathan, mit dem sie während des restlichen Tages nicht mehr wirklich gesprochen hatte, hatte sie keine Lust auf Scherze. Jonathan war so verklemmt, wenn es um ihr Verhältnis zu anderen Männern ging. Ständig sah er irgendwelche potentiellen Verehrer. Das war so ziemlich das Einzige, was sie an Jonathan störte. Sie war gerne mit ihm zusammen und die Beziehung war glücklich, aber diese Eifersucht raubte Mina den letzten Nerv. Wie auch immer. Sie beförderte den Zettel zusammen mit dem Umschlag in den Papierkorb, ließ sich ein Bad einlaufen und machte sich keine weiteren Gedanken über die seltsame Post.
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