Reife Elben

von Elenoriel
KurzgeschichteHumor / P12
04.04.2013
04.04.2013
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Yeah, Celebrimbor gibt es endlich auch als Hauptcharakter zum Ankreuzen! *freu*

So, jetzt wieder zu den ernsten Dingen des Lebens;)
Das ist mein Beitrag zu Roheryns wunderbarem Projekt: Das Alter schlägt zu
Ort: Höhle; Gegenstände: Amboss, Fackel und Zeichenkohle


Viel Spaß beim Lesen!



Reife Elben


Annatar stand in seiner Höhle, die nur von ein paar wenigen Fackeln beleuchtet wurde. Er schlug beherzt auf das Stück Stahl, das vor ihm auf dem Amboss lag. Leise seufzte er, wie sehr er das Gefühl liebte, wenn die Inspiration sich in seinem Kopf eingenistet hatte und ihn zwang, etwas zu erschaffen. Der Schweiß lief ihm über den muskulösen Körper, doch Annatar störte die Hitze des Feuers nicht, ganz im Gegenteil. Er tauchte den glutroten Stahl in das Wasserbecken neben sich und sah lächelnd zu, wie sich der Wasserdampf in der ganzen Höhle ausbreitete. Als er es wieder auf den Amboss legte, lichteten sich die Dampfschwanden und ein großer Elb trat daraus hervor. Auch er trug nur seine Arbeitskleidung, bestehend aus einer schützenden Lederschürze und einer dunklen Hose.
  „Sei gegrüßt, mein alter Freund“, sagte Celebrimbor lächelnd. „Ich wusste doch, dass ich dich hier finden würde!“
Annatar seufzte leise, aber er ließ sich nicht anmerken, wie sehr er sich wünschte dass Celebrimbor wieder ging und ihn in Ruhe ließ. Er war doch nicht des Elben Kindermädchen, das zu jeder Zeit sein Gieren nach Aufmerksamkeit befriedigen musste. Celebrimbor hatte doch seine Frau, die dafür verantwortlich war.
  „Ich wollte dir jedenfalls sagen, dass-“ Celebrimbor hörte auf, in der Höhle auf und ab zu gehen und starrte Annatar fassungslos an.
  „Was hast du denn nun schon wieder?“, erkundigte sich Annatar genervt und vervollständigte seinen Satz in Gedanken: „Fällt es dir erst jetzt ein, dass du mir mal für meine Mühen danken könntest?!“
  „Du hast da ein-“, stotterte Celebrimbor immer noch ein wenig aus der Fassung. „Ist das wirklich ein…“
  „Ach, mein Muttermal hast du also auch schon entdeckt? Gratulation!“, dachte Annatar sarkastisch, aber laut erkundigte er sich gespielt besorgt: „Was ist denn los? Nun sag schon, was dir auf dem Herzen liegt!“
  „Das ist einfach unmöglich… Dein Haar ist… Es ist…“ Celebrimbor schüttelte den Kopf, unfähig weiter über das Grauenvolle zu sprechen. Erschöpft ließ sich der Elb auf einem Felsbrocken nieder und deutete mit zitterndem Finger auf Annatar. Dem dämmerte langsam, dass Celebrimbor keine Späße mit ihm trieb, sondern es ernst meinte. Aber da aus dem Elben kein vernünftiges Wort mehr herauszubekommen war, schnappte sich Annatar eine Fackel und betrachtete sein verschwommenes Spiegelbild in dem Wasserbecken. Erst bemerkte er gar nichts ungewöhnliches, sein Gesicht wies einige Rußflecken auf. Doch dann entdeckte er, was Celebrimbor gemeint hatte. Vor Schreck und Entsetzen ließ er die Fackel fallen. Das Zischen und Dampfen registrierte er gar nicht mehr.

  „Unmöglich“, hauchte er und unterdrückte einen wütenden Schrei. „Wir können keine grauen Haare bekommen, oder? Oder, Celebrimbor?“
Der Elb schien sich wieder gefasst zu haben und zuckte mit den Schultern. Gedankenverloren fuhr er mit dem Finger über die Felswand. „Es gibt doch auch Elben mit Bärten. Mein Urgroßvater hatte zum Beispiel einen und ich bin mir sicher, dass Círdan auch langsam Bartwuchs entwickelt.“
  „Das kann man doch überhaupt nicht vergleichen. Jetzt, hör auf zu lachen!“, schrie Annatar zornig auf, aber noch hatte er sich soweit unter Kontrolle, dass er nicht völlig ausrastete. Er stellte jedoch beunruhigt fest, dass die Fackeln bereits heller und höher brannten als sie sollten. Leise und verzweifelt fragte er: „Und was mache ich jetzt?“
  „So schlimm ist es nun auch wieder nicht. Menschen und Zwerge werden immer grau. Noch sind es ja nur zwei, drei Haare, das wird bestimmt keiner merken.“ Celebrimbor hatte sich schnell von seinem Schock erholt, zu schnell für Annatars Geschmack. „Wenn es dich so stört, reiß sie aus oder schneid sie ab.“
  „Wie bitte? Bist du verrückt?“ Annatar packte den Elben fest am Arm. „Bitte, hilf mir, nur dieses eine Mal!“
  „Aua, lass mich los. Ich helf dir ja schon.“ Celebrimbor entwand sich seinem Griff und blickte sich dann suchend um. „Wie wäre es mit färben? Hast du hier Ruß oder Kohle da?“
  „Nein, nur Zeichenkohle. Meinst du wirklich, dass das funktioniert?“
  „Hm, ich weiß nicht so genau. Normalerweise würde man sie auch nicht sehen, nur wenn du die Haare zum Arbeiten wegbindest. Naja, wir können es mal probieren, kostet schließlich nichts.“
Der Elb griff nach der Zeichenkohle und rieb darüber. Augenblicklich färbten sich seine Fingerkuppen schwarz und er nickte zufrieden. „Ich glaube, das wird gut. Knie dich neben dem Amboss hin.“
  „Wieso denn?“, fragte Annatar misstrauisch und bewegte sich nicht einen Zentimeter.
  „Wie soll ich sonst die Haare schwärzen? Ich brauche die glatte Oberfläche dafür, also knie dich hin!“, befahl Celebrimbor in einem Ton, der keinen Widerspruch duldete und murrend ließ Annatar sich nieder. „Hm“, machte der Elb, nachdem er ein paar Mal mit der Kohle über das Haar gestrichen hatte. „Das will einfach nicht haften bleiben. Seltsam. Tut mir wirklich leid.“
  „Ich habe eine Idee“, sagte Annatar und ließ sich von der schlechten Nachricht nicht aus der Ruhe bringen. Er erhob sich und schlug begeistert vor: „Ich könnte ein Kleinod schmieden, dass die Macht und Energie speichert und so den Alterungsprozess aufhält.“
Celebrimbor sah seinem Freund stirnrunzelnd zu, wie dieser einen zerknitterten Bogen Pergament hervorholte und die Zeichenkohle, die sie vorher noch als Haarfärbemittel missbraucht hatten, in die Hand nahm. Interessiert beugte sich der Elb vor und sah neugierig dabei zu, wie langsam ein Ring Gestalt annahm, um ihn herum viele Notizen.
  „Mir gefällt dieser Gedanke, aber diese Zeile dort.“ Er deute auf eine kleine, unscheinbare Ansammlung von Runen. „Das würde doch dafür sorgen, dass all die Macht, die man besitzt ewig gespeichert wird. Meinst du, man kann Elben mit unbegrenzter Macht ausstatten. Ich denke nicht, dass das gut ausgehen wird.“
  „Mit den Richtigen schon“, zerstreute Annatar die zweifel seiens Freundes. „Das wird großartig, du wirst sehen. Wir probieren das und dann, sollte es funktionieren…“
Er ließ den Satz offen stehen.
  „Aber wir können den Zwergen und Menschen auf gar keinen Fall derartige Ringe schenken“, widersprach Celebrimbor, der immer noch nicht völlig überzeugt war.
  „Das habe ich auch nie behauptet, sie wären zu mächtig für die niederen Rassen. Für sie würde ich die Ringe ein wenig verändern“, versprach Annatar und als er seinen Kopf wieder senkte, lächelte er maliziös.

  „Celebrimbor?“, rief plötzlich eine helle Frauenstimme vom Höhleneingang her. Die Köpfe der Männer zuckten augenblicklich nach oben und starrten die Elbin überrascht an. „Ein seltsamer Zwerg wartet auf dich, Celebrimbor. Derjenige, der aussieht wie eine Zwergenfrau, aber gar keine ist.“
  „Oh, den kenn ich“, meinte der Elb grinsend. „Lass ihn das aber bloß nicht hören, Zwerge sind immer sehr schnell beleidigt.“
Immer noch lächelnd verließ er die provisorische Schmiede in der Höhle, während seine Frau blieb neben Annatar stehen. Als sie das beschriebene Pergament entdeckte, sah sie ihn fragend an. „Was wird denn hier wieder ausgeheckt?“
  „Weißt du, Lairë, das ist die Idee meines Lebens, glaub mir!“ Er legte ihr einen Arm um die Schulter und wedelte begeistert mit dem Blatt Papier vor ihrer Nase herum. „Ich werde den Alterungsprozess der Welt beenden!“
  „Ähm, ich will deinen fortschrittlichen Eifer ja nicht bremsen, aber wie zum Morgoth bist du denn darauf gekommen?“
Annatar wurde rot. „Das will ich nicht sagen.“
  „Aha, dürfte ich dann erfahren, wieso eine Fackel im Wasserbecken liegt. Da gehört sie nämlich nicht hin.“
  „Nein. Geh, ich will allein sein“, befahl er deprimiert. „Seit meiner Idee hab ich nicht mehr daran gedacht, aber du musstest mich unbedingt daran erinnern. Danke schön, Lairë!“
Sanft legte Laire die Arme um seinen erhitzen, verschwitzen Körper und wies ihn vorsichtig darauf hin: „Mein lieber Annatar, du kannst mir immer sagen, was dich bedrückt.“
  „Du verrätst es auch keinem?“
  „Versprochen.“ Sie beobachtete stirnrunzelnd, wie das Licht der Fackeln Annatars Gesicht noch düsterer wirken ließ.
  „Ich bekomme graue Haare“, murmelte er kaum hörbar.
  „Wirklich? Darf ich sie mal sehen?“ Ohne eine Antwort abzuwarten, fasste sie ihm in die Haare. „Hast du etwa mit Celebrimbor versucht, sie zu färben? Hat nicht gut funktioniert, was?“ Sie kicherte leise. „Männer.“ Als sie jedoch seinen Gesichtsausdruck sah, verstummte die Elbin.
  „Hör auf, mich auszulachen!“
  „Aber ich lache dich doch gar nicht aus.“ Sie strahlte ihn freundlich an. „Mir gefallen die grauen Haare. Das zeigt doch nur, dass du reifer und weiser wirst. Graue Haare zerstören doch nicht die Schönheit eines Mannes, oder?“ Dann errötete sie und murmelte: „Ich persönlich finde das sogar sehr attraktiv.“
  „Tatsächlich?“, fragte er unsicher und kam sich ein wenig albern dabei vor. Lairë war schon ein wenig verrückt, wenn sie diesen Makel gern mochte.
  „Klar, was meinst du, warum ich Celebrimbor nie erzählt habe, dass er auch schon graue Haare bekommt?“ Sie kicherte hinter vorgehaltener Hand.
  „Er etwa auch?“ Annatar runzelte die Stirn, aber langsam breitete sich ein Lächeln auf seinem Gesicht aus.
  „Aber sicher, sag es ihm aber bitte nicht. Er würde sie nur färben, dabei gefällt es mir so gut. Auch weil er jetzt nicht mehr so verdammt perfekt ist, sondern ein paar Ecken und Kanten mehr dazu bekommen hat.“ Lairë zwinkerte schelmisch und seufzte zufrieden.

Annatar kicherte, jetzt würde es ein Kinderspiel werden, Celebrimbor davon zu überzeugen, dass sie die Ringe schmieden mussten.
Und das alles nur wegen ein paar grauen Haaren!
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