Sleepwalker

von Soffel98
GeschichteHumor / P12
Emppu Vuorinen
04.04.2013
04.04.2013
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Hallo :)
Wird mal wieder Zeit für einen OS meinerseits... (und mal wieder ein Hirngespinst, dass z.T. auch von hopeless-angel stammt.)
Irgendwie werden sie zwar nie das, was ich eigentlich wollte, aber Hauptsache ich schreibe sie, ne?
Und weil ich ein liebes Mädchen bin und mir bloß keiner vorwerfen soll, das hier wäre ein Plagiat, sag ich euch auch, dass das Tarja-Zitat gegen Ende aus der Nightwish-Biografie entnommen wurde :)
Was ich vielleicht noch sagen sollte, ist, dass dieser OneShot durch dieses Foto inspiriert wurde:
http://www.nightwish.com/gallery/albums/diary/studio-5/230104/Tuomazz.JPG
LG, Soffel









Tuomas

Die vorerst letzten Aufnahmen der Once standen an. Tarjas Gesangsaufnahmen. Danach würde Tuomas nach London fliegen für die Orchesteraufnahmen. Hallo? London. Wie krass war das denn? Der Dunkelhaarige merkte, wie er schon wieder leicht auf und ab hüpfte vor Aufregung und zwang sich zur Ruhe.
Sie arbeiteten gerade an einem der letzten Songs. Ghost Love Score. Schon in der Rohversion ein wunderbares Lied. Doch die Aufnahmen liefen anders als geplant. Weil sie den Song teilten, um nicht immer die ewig langen Instrumentalparts aushalten zu müssen, musste Tarja auch immer riesige Gedankensprünge machen, um hinterher zu kommen. Was nicht immer klappte. Genau wie jetzt.
„Tuomas, wo sind wir denn jetzt?“, rief sie verzweifelt ins Mikrofon, damit Tuomas und Tero sie auf der anderen Seite der Glasscheibe hörten.
„Bei A Siren from the deep und so weiter.“
„Ah, okay. Tero, mach noch mal den Part von vorn.“ Naja, den Text hatte sie gefunden, aber sie sang ihn in der Melodie von „redeem me into childhood“.
Tuomas seufzte. Er war heute leicht gereizt. Irgendwie kapierte Tarja heute gar nichts. Normalerweise schaffte sie es sofort, Tuomas' Lieder umzusetzen. „Tarja, stopp, so wird das nichts. Wir machen eine Pause.“
Tarja nickte nervös und kam auf die andere Seite.
„Fünf Minuten, dann machen wir weiter. Diesmal ordentlich, ja?“, fuhr er Tarja an.
Diese wich zurück.
„Tschuldigung.“
„Du, Tuomas? Ich weiß, dass heute nicht alles rund läuft, aber ich hab dir was mitgebracht“, sagte Tarja auf einmal.

Der Angesprochene wurde neugierig. Tarja überreichte ihm einen Energy-Drink. Halt. Ein Energy-Drink?
„Mit ner geheimen Zutat. Hat mir der Verkäufer versichert. Macht sofort glücklich.“ Die Sängerin reichte eine Dose an Tero und eine an Tuomas weiter. Tero verzog das Gesicht und stellte die Dose weg. Tuomas zuckte mit den Schultern und trank das – extrem süße – Gesöff.
„Danke. Gehst du trotzdem zurück? Wir wollen weitermachen.“
Tarja nickte und trank dabei ihren Energy-Drink leer. Dann ging sie zurück ans Mikrofon und weiter ging es mit Ghost Love Score. Diesmal lief alles glatt und Tuomas merkte, wie er sich langsam entspannte. Er hörte Tarja zu und ein Lächeln legte sich auf seine Lippen. Oh, ja, das neue Album würde sehr gut werden.
Nach einer halben Stunde nahmen sie dann den letzten Song, Dark Chest of Wonders, auf. Tuomas wusste nicht warum, aber als Tarja den Refrain einsang, stellte Tuomas sich auf das Sofa, das in der Ecke stand und tat bei der Zeile „Fly to a dream“ so, als würde er fliegen. Allerdings merkte er erst zu spät, dass er sich dabei nach vorn beugte und er landete unsanft auf dem Fußboden.
„Nix passiert“, sagte er zu Tero, der ihn ansah wie ein Fahrrad.
Tarja schien von der Aktion nichts mitbekommen zu haben. Auch dieser Song war nun endlich aufgenommen und zu dritt standen sie nun im Studio und hörten sich das vorläufige Ergebnis an. Alle waren zufrieden damit. Außer Tero. „Ach, das ist doch Müll.“
„Quatsch nicht, das ist perfekt“, sagte Tarja.
„Also, wir sehen uns dann... irgendwann wieder“, sagte Tuomas an Tarja gewandt, denn er wusste jetzt nicht, wann sie sich wiedersahen. Warum eigentlich nicht? Dann umarmte er die Sängerin. Sie waren Freunde. Schon immer. Für immer.


Johanna

Endlich hörte sie, wie sich der Schlüssel im Schloss herumdrehte. Lange genug hatte Johanna auf ihren Freund gewartet, doch sie verstand natürlich, dass er seinen Job machen musste. Sie stand von der Couch auf und ging in den Flur, um den Keyboarder zu empfangen.
„Hey, da bist du ja endlich“, lächelte sie.

Tuomas drehte sich um. Sein Gesicht wurde von einem debilen Dauergrinsen geziert. Okay, ein leicht dümmliches Grinsen war sie von ihm gewohnt, aber das sah schon merkwürdig aus. Um nicht zu sagen geistesgestört.
„Bist du betrunken?“, fragte sie daher vorsichtig.
Tuomas schüttelte so stark den Kopf, dass seine schwarzen Locken wie wild um seinen Kopf tanzten. „Hab nich mal 'n Bier angerührt... hehe.“
Johanna runzelte die Stirn. Wenn er betrunken war, war er anders. Es musste also etwas anderes sein. Das würde sie noch herausbekommen. „Geh erstmal duschen, wir reden dann, okay?“ Tuomas nickte und verschwand.
Grübelnd setzte die Rothaarige sich wieder auf das Sofa und überlegte, was mit Tuomas los war. Doch ihre Überlegungen wurden schlagartig unterbrochen, denn Tuomas rief sie. Seufzend ging sie ins Bad und sah Tuomas unter der Dusche stehen. Nackt. Ohne den Duschvorhang vorgezogen zu haben. Sie wartete auf die nächste Katastrophe.
„Guck mal, wir sind im Regenwald.“ Tuomas hüpfte freudig auf und ab, wie ein kleines Kind und deutete auf das Wasser, das aus dem Duschkopf kam.
„Tuomas, ehrlich?“, sagte Johanna verzweifelt.
„Jaaaah“, lachte er.
Bitte, mach, dass das aufhört, betete Johanna im Stillen. Sie wollte gehen, doch Tuomas bat sie zu bleiben. Also blieb sie. Er blieb ungefähr fünf Minuten dümmlich grinsend reglos stehen, bis Johanna den Wasserhahn abdrehte. Es würde heute zu nichts mehr führen.
„Nein, jetzt ist mir kalt“, jammerte Tuomas. „Warum sind wir jetzt am Nordpol?“
„Wir haben uns gebeamt.“ Sie reichte ihm ein Handtuch.
„Aber, wo sind die Pinguine?“ Nein. Schmollte er jetzt etwa?
„Am Nordpol gibt es keine Pinguine, Tuomas.“
„Aber ich will Pinguine sehen. Und Eisbären. Zusammen. Die haben sich bestimmt lieb.“
Johanna gab Tuomas etwas zum Anziehen und führte ihn langsam ins Schlafzimmer.
Plötzlich fing Tuomas an zu weinen. Jetzt war seine Freundin leicht überfordert.
„Aber ich will doch die Pinguine sehen. Hier ist es so dunkel“, murmelte er vor sich hin.
Johanna machte das Licht an und die nächste halbe Stunde war sie damit beschäftigt, Tuomas zu erklären, dass sich Pinguine und Eisbären bestimmt nicht vertragen, ihm etwas zu Essen zu bringen, weil er plötzlich eine Heißhungerattacke hatte und sich anzuhören, wie sehr Tarja und er doch im tiefsten Herzen miteinander verbunden waren. Er schien vergessen zu haben, dass die beiden sich eigentlich aus dem Weg gingen.
Als er endlich eingeschlafen war, griff Johanna nach dem Handy und wählte Teros Nummer.
„Tero? War Tuomas im Studio auch schon so komisch?“
„Johanna? Du bist's. Inwiefern komisch?“

„Na, anders als sonst eben.“
„Joar, irgendwie schon. Er fand die letzten Aufnahmen wunderbar, obwohl sie absoluter Müll waren. Seitdem Tarja ihm diesen Energy-Drink gegeben hat...“
„Welchen Energy-Drink?“, horchte sie auf.
„Irgendeiner mit einer geheimen Zutat, was weiß ich denn.“
„Hast du auch einen getrunken?“
„Nein.“
„Halt ihn bitte von dem Zeug fern, okay? Ich glaube, da waren Drogen drin.“
Tero sog scharf die Luft ein. „Okay. Ich rede morgen mit Tarja. Wir kümmern uns schon irgendwie drum.“
„Danke.“
Kurz bevor sie auflegte, hörte sie Tero sagen: „Das ist ja fast wie bei den Aufnahmen von Sleepwalker.“
Stimmt, da hatte Nightwish doch auch so ein Erlebnis. Warum hatte sie da nicht früher daran gedacht. Johanna erinnerte sich an etwas, was Tarja ihr darüber erzählt hatte. Johanna selbst war nicht dabei gewesen, aber allein diese Beschreibung reichte ihr vollkommen:

„Es war ganz lustig. Der Produzent rauchte ständig irgendetwas. Zuerst wirkte er ziemlich steif. Ich musste in dem Raum singen, in dem er rauchte – was auch immer er rauchte. Das Ganze fand in einem winzigen, schäbigen Studio am Stadtrand von London statt. Und je mehr er rauchte, desto besser klang alles – nicht nur in seinen Ohren, sondern auch in unseren.“

Eins stand für Johanna fest: Und wenn sie Tuomas gehörig auf den Geist gehen würde, sie würde mit auf Tour und sonstwo hinkommen, bis sie sichergestellt hatte, dass kein einziger Energy-Drink mehr in der Nähe war.
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