Von Liebe und Schuld

GeschichteRomanze, Fantasy / P12
03.04.2013
17.04.2016
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Die Musik des Festes erklang hier hinten im Bereich der Ställe nur noch gedämpft.
Der Mond hing voll und rund über dem Palast des Königs der der blauen Berge.
„Hochzeitsmond" lächelte der Mann, der mit den tiefen Schatten im Hof der Pferde verschmolz.

Lange stand er in der Gasse zwischen den Ställen und lauschte.
Nur gedämpft wehten die Geräusche des großen Festes in diesen Teil des Palastes.
Niemand war zu sehen, alle feierten die Hochzeit der königlichen Geschwister. Nur der Mann glitt zielstrebig im königlichen Stall zu einer bestimmten Box und öffnete den Riegel.
Das Pferd in der Box begrüßte den Mann mit aufgeregtem Schnauben und Suchbewegungen.
“Schatten, mein alter Schlawiner, suchst Du Deine Möhren?“ Mit fröhlichem Schnauben nickte der Graue. „Warte, hier hast Du welche“, lachte der Mann leise und während das Pferd zufrieden seine Möhren fraß, umwickelte der Mann die Hufe des Pferdes mit Stoffstreifen, zäumte und sattelte es mit geübten Bewegungen.

Dann führte er das Pferd leise aus dem Stall, um seiner Tochter genau in die Arme zu laufen. "Willst Du das wirklich tun Vater?" fragte sie ihn und wieder einmal hatte er das Gefühl, dass seine viel zu früh verstorbene Frau ihn aus dem Gesicht seiner Tochter ansah.

„Ja Malin,“ antwortete er bedächtig, „ich fühle den Ruf der Welt, die mich sucht, damit ich für das bezahle was ich getan habe, und bevor die Welt hier hereinbricht, werde ich ihr entgegen gehen. Ich habe viele gute Jahre hier verbracht, doch nun ist es an Euch, das Werk Eurer Mutter weiter zu führen.“ Die junge Frau wollte auffahren, doch er brachte sie mit einer herrischen Geste zum Schweigen. Widerwillig gehorchte die junge Frau
„Ich bin ein alter Mann, mit einer Vergangenheit, die nicht zu dem passt, was Eure Mutter in ihrem Reich begonnen hat.“
Ein Lächeln erhellte die ebenmäßigen Züge des Mannes, die seltsam alterslos wirkten.
"Du warst uns immer ein guter Vater und Mutter bis über den Tod hinaus ein guter und liebevoller Mann," antwortete die junge Frau beherrscht, ganz Prinzessin und oberste Hofdame, "vergiss das nie Vater, Du wirst hier immer willkommen sein.“
Ein Schatten glitt über das Gesicht des Mannes , nur kurz, doch sie nahm ihn wahr und kurz fühlte sie ein dumpfes Unbehagen, das sie energisch verdrängte.
"Ich werde es nicht vergessen meine Tochter", sanft umarmte der Vater die junge Frau, die in ihrem aufwendigen Festgewand vor ihm stand und umarmte auch seinen Schwiegersohn, der im Schatten seiner Frau gestanden hatte, kurz und kräftig.
„Pass auf sie auf, “ flüsterte er , „passe auf meine Kinder auf."

Wortlos neigte der junge Mann seinen Kopf vor dem Älteren, stellte sich in den Rücken seiner Frau und legte seine Arme um sie, die seine Arme fester um sich legte und festhielt.
Mit brennenden Augen sah der Vater auf diese einfache und doch so liebevolle Geste, strich seiner Tochter über das Gesicht und drehte sich dann brüsk um.

Still sah das Paar dem Mann nach, der die Stallungen verließ, sich auf sein Pferd setzte und es mit dem ersten Feuerwerkskörpern anspornte. Sie sahen ihm nach, bis Pferd und Reiter in der Dunkelheit nicht mehr auszumachen waren.

"Da geht er hin," seufzte sie," ich wünsche Dir Frieden Vater", sprach die junge Prinzessin leise, "und dass Du endlich den Ort findest, an dem deine Seele zur Ruhe kommen kann."
„Du meinst nicht, dass dein Vater zu uns zurückkehrt oder?“ fragte ihr frischgebackener Ehemann und hob ihr Kinn an, um ihr in die Augen zu sehen.

"Nein", antwortete seine Frau traurig, "sein Anker hier war Mutter. Wir Kinder waren seine Aufgaben, die es zu Ende zu bringen galt und nun hat er uns auf den Weg gebracht, den wir alleine begehen sollten."
Leise seufzend lehnte sie sich an ihren Mann, der sie um zwei Köpfe überragte, bevor er sinnend ihren Gedankengang fortführte: "Er ist auf der Suche nach einem Frieden, den er hier nicht finden wird, denn der Frieden muss ihm gewährt werden. Lass uns zurückkehren, der junge Herrscher wird seinen Berater und die Königin ihre erste Hofdame brauchen."
Spitzbübisch lächelte er seine junge Frau an.
Ernst neigte Malin den Kopf und ließ sich von ihrem Mann zurück in den festlich geschmückten Saal geleiten.
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