Beamter Balrog – Oder: Der schlimmste Tag meines Lebens

von Lineri
GeschichteHumor, Parodie / P12
02.04.2013
09.04.2013
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Dieses Kapitel
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Beamter Balrog – Oder: Der schlimmste Tag meines Lebens

Disclaimer: Ich verdiene kein Geld mit dieser Geschichte. Alle bekannten Namen, Figuren, Orte, Ereignisse etc. gehören J.R.R. Tolkien bzw. Christopher Tolkien.

Kurzbeschreibung: Ein scheinbar normaler, langweiliger Tag, im Leben des Beamten Balrog. Doch dann kippen die Situation und auch die Stimmung. Und das alles nur, wegen einem „grauen Haar“ und neun Personen, die sich ohne Genehmigung Zutritt in den Zuständigkeitsbereich des Beamten Balrog verschafft haben.

Anmerkung: Ein TwoShot wie er lächerlicher nicht sein könnte. Vom lesen wird dringend abgeraten, da die bekannten Charaktere, aus Tolkiens Werken, auf groteske Weise, sehr zu ihrem Nachteil verändert wurden. Wobei die OC auch nicht viel besser sind.

Die Idee des Beamten Balrog entstammt (ursprünglich) dem hiesigen Forum (Kategorie: Herr der Ringe / Thread: Was die HdR-Charaktere niemals sagen würden...).

Da ich mich nicht alleine für diesen Mist verantworten möchte: DeepSilence hat auch ihren Teil in die Suppe geworfen  :-)

Beitrag zum Tolkien-Projekt Das Alter schlägt zu!
http://forum.fanfiktion.de/t/19709/1#jump2018657


Wieder eine Anmerkung zu/an DeepSilence:
Da du mich auf dieses Projekt aufmerksam gemacht hast und der Beamte Balrog auch dein Baby ist, widme ich diese Geschichte Dir. Hast du Dir selber zuzuschreiben  :-)

Ort: Höhle


Gegenstände: Pergament, Kerze, Asche




Kapitel 1 Schlimmer geht nimmer? Und ob!

Statusbericht vom 15. Januar 3019, im Dritten Zeitalter

Kurzbericht, über die Ratsversammlung.

Die Orks verlangen die Instandsetzung der Treppenanlagen, vor der Brücke von Khazad-dûm. Sie halten die Anlage für einsturzgefährdet. Der Antrag wurde abgelehnt, da das Budget nicht ausreicht (mein Büro musste dringend saniert werden).
Persönliche Anmerkung: Einsturzgefährdet. Das ich nicht lache. Da könnte eine Horde Olifanten drüber hinweg marschieren und es würde nichts geschehen.

Orks verlangen eine Amüsiermeile und zweimal im Jahr einen Jahrmarkt.
Der Rat hat darüber abgestimmt und kam bisher zu keinem einstimmigen Ergebnis. Weitere Wahldurchgänge wurden auf Ende der Woche festgelegt. Ich habe mich dagegen ausgesprochen.
Persönliche Anmerkung: Vergnügungssüchtige Orks. Kaum haben sie eine zeitlang keine Zwerge, Elben oder Menschen zum abschlachten und schon kommen sie auf völlig wahnwitzige Ideen.


Zudem wurden heute von mir mehrere Beschwerden entgegengenommen, die nachfolgend,
in der Reihenfolge der Dringlichkeit aufgeführt werden:

- Die 26. offiziell gemeldete Beschwerde gegen den Ork Prulo, eingereicht von Ork Hurg.

Der von Prulo widerrechtlich gehaltene, schon mehrfach konfiszierter Bergtroll soll, wieder einmal, in des Nachbarn Garten, einen nicht unerheblich großen Haufen Kot abgesetzt haben.

Prulo bestreitet diese Tat. Die unumstößliche Tatsache, dass im Garten seines Nachbarn Hurg, ein 20 Zentner, frischer, dampfender Haufen, eindeutig identifizierbarer Trolldung liegen,  hält er für Absurd.

Der Angeklagte weigert sich für die Aufräumarbeiten aufzukommen. Daher wurden rechtliche Schritte eingeleitet. Der Troll wurde konfisziert und der Armee übergeben, die ihr Zuständigkeitsgebiet in Kammer von Mazarbul hat.

- Die 3. Beschwerde der Orks, die die Eingangshalle bewohnen.
Beschweren sich über den Gestank verwesender Zwerge. Bitten erneut um Hilfsmittel, zur Beseitigung der Kadaver. Hilfe zugesagt. Werde mich in der nächsten Woche darum kümmern, wenn nichts dazwischen kommt. 

- Die erste Beschwerde von mir, Beamter Balrog, stationiert in Moria, dieser elendigen, stickigen, stinkenden Höhle. Seit...viel zu lange schon. Die Orks widern mich an. Grässliches Pack. Man sollte sie vom Antlitz der Erde verbannen.
Habe um Versetzung nach Mordor gebeten, aber meine Anfrage wurde nicht berücksichtigt....
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Frustriert starre ich auf das Pergament vor mir und streiche den letzten Absatz wieder. Was interessiert es schon die Obrigkeit, dass sich ein einfacher Beamter wie ich, in seinem Beruf nicht mehr wohl fühlt? Nicht einmal Urlaub wird mir gewährt. Dabei träume ich seit Jahrhunderten von einem Badeurlaub, an den südlichen Stränden. Aber nein. Nichts da. Ich bin ja nur ein popliger Beamte, im einfachen Dienst. Degradiert und hierher strafversetzt, in diese muffige, alte Höhle. Und warum? Wegen diesem kleinen Zwischenfall, mit diesem Elben, im ersten Zeitalter. Konnte ich ja nicht wissen, dass der Glöckchenkollege so schnell in Flammen aufgeht. 
Dass das Goldlöckchen mir den Arm abgehackt hat, dass interessiert natürlich niemanden. Ausgerechnet meinen guten Peitschenarm. Gut, durch die Beihilfe habe ich eine ganz ordentliche Prothese erhalten, aber es ist einfach nicht das gleiche.

Lustlos beginne ich kleine Bildchen und Strichmännchen auf das Pergament zu malen. Ein Strichmännchen bezeichne ich mit Morgoth und eines mit Gothmog.

Ein Grinsen ziert mein Gesicht, als ich das Pergament mit einem Fingerzeig in Flammen aufgehen lasse. Ja, brennen sollen sie und zu Asche zerfallen.  Auf immer und ewig. Diese miesen, widerwärtigen, abscheulichen Ent-Köttel. Ich möchte auf ihren Gräbern tanzen.

Obwohl es überaus kindisch ist, fühle ich mich nach dieser Aktion etwas besser und obwohl mir bewusst ist, dass ich den "spannenden Bericht" über Trolldung nochmal schreiben muss. 

Ich fege das was vom Pergament noch übrig ist auf und werfe die Überreste auf einen bereits vorhandenen Ascheberg. Das Format des Berges zeigt, dass ich in letzter Zeit wirklich verdammt unzufrieden bin. 

Trotz des nagenden Gewissens, da ich noch einiges zu tun habe, verlasse ich mein Büro und begebe mich in meine Privaträume. 

Beim eintreten schweift mein Blick über die Gemälde von Familie, Freunden und Bekannten. Bilder aus Zeiten, in denen wir Balrog noch gefürchtet waren und keine Gruselgestalten aus Schauergeschichten. 

Mit einem sentimentalen Kopfschütteln durchquere ich die Diele und begebe mich ins Badezimmer. Erschöpft lehne ich mich auf das Waschbecken und versuche die aufziehenden Kopfschmerzen zu ignorieren. 

Ich spritze mir Wasser ins Gesicht, welches sofort verdampft und Nebelschwaden bildet. Was bin ich nur für ein feuriger Typ... Ich betrachte den Balrog, den ich im Spiegel sehe. Das soll ich sein? Das helle, heiße Feuer, dass einst mein Gesicht so Strahlen ließ ist verblasst und...was zum? Ich schließe die Augen und öffne sie wieder, in der Hoffnung es war eine Sinnestäuschung. Nein, nein, nein. Unmöglich. Mit eine fahrigen Bewegung wische ich über den beschlagenen Spiegel. Verflucht! Zögernd streiche ich mir über den Kopf. Eine Valarverdammte graue Feuerzunge. 

Entnervt stöhne ich auf. Eine graue Feuerzunge und das in meinem Alter.
Ich hatte doch gerade mal, vor einem Jahrhundert, meinen 10.000 Geburtstag gefeiert.

Was würden nur die anderen sagen? Hastig untersuche ich meinen Schopf nach weiteren grauen Stellen, aber kann zum Glück keine ausmachen. Auch kahle oder dünner werdende Feuerstellen kann ich nicht festmachen. Wenigstens etwas. 

Was soll ich tun? Was soll ich nur tun? Vielleicht?! Nein...aber...aber…ja, natürlich!

Schnelle Schritte tragen mich in den Wohnbereich. Ich nehme mir eine Kerze, aus den dort stehenden Ständern und komme nicht umhin festzustellen, dass ich mal wieder abstauben könnte. Später.. Geschwind eile ich wieder ins Badezimmer und entzünde die Kerze.

Ich hoffe, nein ich flehe, dass ich es schaffe, die graue Feuerzunge neu zu entfachen. Vorsichtig hebe ich die Kerze an mein Haupt und warte. Und warte. Und warte. Mist.

Die graue Feuerzunge macht keine Anstalten, auf die Flamme der Kerze, zu reagieren. Ich beschwöre die Kerze, mit der Hilfe des dunklen Feuers. Dadurch verleihe ich ihr mehr Macht und dann endlich - die Feuerzunge entzündet sich. Überglücklich lösche ich die Kerze und lasse sie ins Waschbecken fallen. Zufrieden betrachte ich meine, nun wieder, vollkommene Feuerpracht.

Doch was war das? Ein Flackern. Noch ein Flackern. Nein, nein, nein. Ein weiteres Flackern und die Feuerzunge ist wieder erloschen. Verflucht. Wütend nehme ich die Kerze aus dem Becken und zerdrücke sie in meiner Hand zu flüssigem Wachs. Unnützes Ding!

Frustriert verlasse ich das Badezimmer. Die Kopfschmerzen lassen sich mittlerweile nicht mehr ignorieren. Ich bin genervt und will eigentlich nur noch ins Bett. Gerade will ich mich in mein Schlafgemach begebenen, als es an der Türe klopft. 
Kurz denke ich daran, es einfach zu ignorieren, aber da ich weiß, dass nur Krorbag (mein persönlicher Assistent und Nerven-Tod-Trampler) vor der Türe stehen kann und der sich nicht ignorieren lässt, beschließe ich die Türe zu öffnen. Vermaledeiter, pflichtbewusster Ork. Wo gibt es den sowas? 

Genervt stapfe ich los, reiße die Tür auf und starre auf den hässlichen, kleinen Ork hinab, der mich ängstlich beäugt. Beäugt? Hat der mit gerade auf meine graue Feuerzunge gestarrt? Wütend baue ich mich vor ihm auf und lasse die Flammen, um meinen Körper lecken.

"Was willst du!?" fahre ich ihn an. Dass er sich bei meinem Anblick und meiner Stimmung fast einnässt hebt meine Laune minimal und ich beschließe, dass ich ihn (vorerst) nicht rösten werde. Ich bin einfach zu gütig.

"Beamter Balrog, mein Herr. Neun Personen haben sich, ohne sich vorher auszuweisen und die  Passierscheine A38 und K52-B zu lösen, Zutritt in die Sektoren 1A bis 8R verschafft. Dem eingeschlagenen Weg zufolge sollten sie, in der nächsten Stunde, den nächsten Sektor erreichen." 

Genervt schnaube ich auf und erfreue mich an dem jämmerlichen Anblick, den Krorbag abgibt. Herrlich unterhaltsam, so ein schlotternder Ork.

"Welcher Sektor?" schnauze ich ihn an. 

Eindringlinge. Das kann ich, bei diesen Kopfschmerzen echt nicht gebrauchen. 

"8G, Beamter Balrog, mein Herr."

Die Kammer von Mazarbul. 

Da ich dort eine gute Armee stationiert habe und der dumpfe Schmerz, in meinem Kopf immer heftiger wird, weise ich den zitternden Ork, mit herrischerer Stimme an, dass er sich darum kümmern soll, dass die Personen sich auszuweisen und die notwendigen Gebühren zu entrichten haben. Die anfallende Strafgebühr erwähne ich nicht.  Krorbag wird das wissen. Das kann ich zumindest für ihn hoffen.

Ich sehe den Wunsch, mir zu widersprechen, in den Augen von Krorbag. Er kennt die Vorschriften und weiß, dass ich beiwohnen müsste. Doch er buckelt nur vor mir und wendet sich zum gehen. Angst ist was herrliches. 

Bevor der stinkende Ork, um die Ecke verschwindet rufe ich ihm hinter: 

"Die sollen den Troll von Prulo mitnehmen. Und noch etwas: Wenn euch euer Leben lieb ist, dann lasst ihr die Prozedur leise von statten gehen. Ich will nicht einen Ton hören!" 

Ein letztes mal lasse ich die Flammen hell und unheilbringend aufleuchten, um meinem Standpunkt klar zu machen. Krorbag rennt vor lauter Schreck fast gegen eine Wand.

In seinen Augen blitzt die nackte Panik. Er weiß, dass Sektor 8G über meinen Gemächern liegt. Sollte die Gruppe von Eindringlingen Widerstand leisten, dann würde es zu einem Kampf kommen und der würde sich nicht überhören lassen. Krorbag öffnet den Mund, beschließt dann aber nichts zu sagen und klappt den Mund wieder zu. Gott sei Dank. Den Mundgeruch konnte ich auf 10 Meter wahrnehmen. Er buckelt erneut und verspricht mir dann hoch und heilig keinen Lärm zu machen.

Ohne weiter auf Krorbag zu achten, werfe ich die Tür hinter mir ins Schloss und begebe mich in mein Schlafgemach. Die Kopfschmerzen sind mittlerweile so rasend und pulsierend, dass mir fast schlecht wird. Unendlich erleichtert lasse ich mich ins Bett fallen und schließe die Augen. Durch den Schacht, der über mir liegt, dringt kühle Luft, die mir ums Gesicht spielt. Herrlich. Endlich schlafen! Gnade demjenigen, der mich jetzt stört.

Ich schlafe tief und fest. Von den leisen Stimmen, die durch den Schacht zu mir gelangen, bekomme ich nichts mit. Doch als ein lautes Scheppern durch den Schacht halt werde ich wach und ich spüre Wut in mir hochsteigen.

Wer zum Teufel, wagt es mi...ich komme nicht einmal dazu meinen Gedanken zu Ende zu denken, da landet auch schon, mit ordentlichem Donnerwetter, ein Zwergenskelett und ein schwerer Eiseneimer auf meinem Schädel. Auf den Schädel, der ohnehin schon unglaublich schmerzhaft pocht. Ich sehe rot.

Wer auch immer diese Unglückselige Würmchen war, er würde bezahlen! Er würde bitter dafür bezahlen, dass er mir, dem Beamten Balrog von Moria, einen widerlichen Zwergenkadaver auf den Kopf geworfen hatte. Das würde ihn teuer zu stehen kommen.

DAS würde ihn mindestens 60 Goldstücke kosten und eine nicht unerhebliche Freiheitsstrafe. Der würde sein juristisches Wunder erleben!

Ich schnappte mir mein Strafgesetzbuch, meine Peitsche der Justiz und stürmte los, in Richtung der aufkommenden Kampfgeräusche.



*räusper* Also. Das war jetzt mal der erste Teil des TwoShot. Wer diese mysteriöse, neunköpfige Gruppe von Eindringlingen ist….tjaaaaa das erfahrt ihr im zweiten und letzten Teil von: Beamter Balrog – Oder: Der schlimmste Tag meines Lebens
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