Der Traum eines einsamen Herzens

GeschichteAbenteuer, Drama / P16
Calcifer Die Hexe aus dem Niemandsland Hauro Madame Suliman Markl Sophie
01.04.2013
27.06.2013
3
3.464
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01.04.2013 1.016
 
Titel: Der Traum eines einsamen Herzens

Fandom: Das wandelnde Schloss

Rating: P16 (vorerst)

Autor: Luna Lucia

Disclaimer: Mir gehört nichts, außer Charlotte Lyall. Das ganze „Das wandelnde Schloss“-Universum gehört Hayao Miyazaki-sama beziehungsweise dem Studio Ghibli. Ich verdiene mit dieser Fanfiction kein Geld.

KB: Die besten Geschichten beginnen mit den Worten „Es war einmal...“. Die Magie die in diesen Worten liegt, wird schon seit Generationen weitergegeben, verzaubert die Herzen der Menschen und lässt Kinderaugen strahlen. Diese Geschichte hier, beginnt ebenfalls mit diesen Worten... auch wenn sie kein Märchen ist; auch wenn sie weitaus trauriger, düsterer ist. Denn Magie hat immer zwei Seiten...
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Der Traum eines einsamen Herzens





Prolog





„Es war einmal...“

Es war nur ein leises Murmeln, spöttisch langgezogen, als müssten die Worte erst gekostet werden.

„... ein Mädchen, welches am Flussufer nahe ihres Hauses saß und weinte. Ihr Herz war schwer von Kummer und Schmerz.
Denn ihr Liebster, ihr Vertrauter, ihr Leben, hatte sie betrogen... wie sollte sie nur weiterleben?


Spröde Lippen verzogen sich zu einer zynischen Grimasse, die einem Lächeln nur entfernt ähnelte. Der Spott der diesen Satz begleitete schwebte im Raum, schmeckte bitter.

„Doch plötzlich tauchte ein Gesicht im Wasser des Flusses auf. ,Wieso weinst du?', fragte es das Mädchen.
Das Mädchen erschrak, antwortete dennoch: ,Mein Liebster verließ mich, mein Herz ist gebrochen, nun werde ich sieben Jahre trauern müssen, bis es wieder verheilt ist.'
Das Mädchen rieb sich über seine Augen. ,Ach, ich wünscht' ich könnt' mein Leid vergessen!', schluchzte es.“


Finger rieben nachdenklich über die aufgerissenen Lippen.

„Das Gesicht lächelte. ,Ich kann.... dir helfen dein Leid zu vergessen...', versprach es, ,... und noch viel mehr.'
Das Mädchen sah das Gesicht hoffnungsvoll an. ,Ihr könnt? Wie?'
Es lächelte wieder, diesmal etwas breiter. ,Ich bin der Wasserdämon Kohaku... und ich habe dir einen Handel vorzuschlagen.'
Nun bekam das Mädchen es mit der Angst zu tun. Ein Damön? Was, wenn er sie verschlingen würde?“


Ein Schnauben erklang.

„Doch die Neugier zwang sie dazu zu bleiben.
,Ich kann dich von deinem Leid befreien', sprach der Dämon, ,Und nicht nur das...'
Gebannt beugte sich das Mädchen etwas weiter vor.
,Wenn du auf meinen Handel eingehst, wirst du Macht haben, mehr als du dir je vorstellen kannst. Du könntest...' Die Lippen des Wasserdämons verzogen sich abermals zu einem Grienen ,...zaubern'“


Abermals zuckten die Mundwinkel und bildeten ein schiefes Lächeln.

„Nachdenklich sah das Mädchen den Dämon an.
,Wirst du dein Versprechen denn auch halten können, mich meinen Schmerz vergessen zu lassen und mir Zauberkraft zu verleihen?', fragte es.
,Dämonen machen keine Versprechen', schnaubte der Wasserdämon, ,Aber Handel sind bindend. Jedenfalls... solange niemand das Geheimnis dieses Handels herausfindet.'
,Und was ist dieses Geheimnis? Was wollt Ihr?', fragte das Mädchen.
Der Dämon lachte, ein schauerliches Geräusch, und zischte: ,Dein Herz.'
Das Mädchen erschrak. ,Mein Herz?', wiederholte es.
,Ja', sagte der Dämon, ,dafür, dass ich dich vergessen lasse und dir grenzenlose Macht schenke.'“


Einen Moment lang herrschte Stille.

„Das Mädchen überlegte. Es wollte seinen Schmerz unbedingt vergessen – wollte ihren Liebsten, ihr gebrochenes Herz, ihr Leben, sich selbst... einfach alles... vergessen.
Und außerdem... die Zauberkräfte, die der Dämon ihr versprach... konnten doch sicherlich von nutzen sein, nicht wahr?
,Ich... willige ein', sagte das Mädchen.
Abermals lächelte der Dämon. ,Beuge dich vor, Mädchen', sagte er.
Sie tat es und hielt erst inne, als ihre Lippen beinahe die Wasseroberfläche berührten.  Angespannt wartete sie.
Plötzlich schoss das Gesicht das Dämons hoch, seine kalten, harten Lippen pressten sich auf die des Mädchens und er presste seine rechte Hand auf ihre linke Brust.
Ein sengender Schmerz schoss durch den Körper des Mädchens, sie kniff die Augen zusammen und schrie einen gellenden Schrei, gedämpft von den Lippen des Dämons und dann...
und dann war es vorüber.“


Eine Hand wurde auf ebendiese Stelle gelegt und umklammerte den Stoff des Kleides.

„Als das Mädchen ihre Augen wieder öffnete, fühlte es sich leicht, so als würde es schweben. Es kam ihr vor, als hätte es ihr vorheriges Leben nur geträumt, als wäre es gerade zum ersten Mal aufgewacht und hätte die Welt gesehen.
Prüfend legte das Mädchen ihre Hand auf die Stelle an der ihr Herz schlagen sollte und wartete. Nichts, nicht einmal das kleinste Flattern.
Und obgleich es sie hätte abschrecken sollen, erfüllte diese Tatsache sie mit Ruhe.
,Unser Handel ist bindend', ertönte plörzlich die hallende Stimme des Dämons. Das Mädchen sah sich um, konnte ihn jedoch nicht entdecken.
,Wann immer du mich brauchst, rufe mich, ich werde kommen und dir zu Diensten stehen.', sagte er.
,Und die Zauberkräfte?' Das Mädchen war ein wenig erstaunt über seine eigene Stimme, die jetzt plötzlich so kühl und unbeteiligt klang.
,Du besitzt sie, kannst aber noch nicht mit ihnen umgehen. Geh hinaus in die Welt, wandere, lerne und bilde deinen Geist. Wenn du in diese Stadt zurückkehrst, wirst du eine der besten deines Faches sein.'“


Ein Rascheln ertönte, als die Hand von der Brust genommen und wieder auf den Schoß gelegt wurde.

„So machte es – das Mädchen, welches den Dämon küsste; das Mädchen ohne Herz – sich, ohne einen weiteren Gedanken an seine Familie zu verschwänden, auf um die Welt zu bewandern und seine Kräfte zu üben.
Und drei Jahre später, als es in seine Stadt zurückkehrte, war die Vorhersage des Dämons eingetroffen, das harte Üben und viele Lernen hatten das Mädchen zu einer der besten Zauberinnen der Welt gemacht.
Doch kurz darauf, bemerkte das Mädchen, dass es nichts mehr in der Stadt hielt. Nun, da es kein Herz mehr hatte, sah es alles viel klarer.
Es fiel ihm auf, wie hässlich das Haus, in dem es aufgewachsen ist, war und wie sehr seine Familie es langweilte.
Und so zog das Mädchen erneut aus, um die Welt weiter zu erforschen und ihren unendlichen Wissensdurst zu stillen.

Und wenn es nicht gestorben ist, so lebt es noch heute“


Meine spröden Lippen verzogen sich abermals zu einer bitteren Grimasse, als ich meine – mir selbst aus Langeweile vorgetragene – Geschichte beendete und meine Hand erneut auf meine leere Brust legte.