Weiße Ostern

KurzgeschichteFantasy, Schmerz/Trost / P16 Slash
Zauberer & Hexen
31.03.2013
31.03.2013
1
4122
 
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Weiße Ostern
Ein Geschenk für Ryokai

Es war Ostern, doch trotzdem schneite es. Ryokai hatte so gehofft, dass zu Ostern der Schnee endlich weg wäre, aber diesen Gefallen tat ihm Mutter Natur nicht und dann war es auch noch so kalt. Erstrecht, wenn der Wind einem entgegenbläst. Der Junge mit den blauen Haaren fror, auch durch seinen Pullover - welchen er von seiner Mutter zu Weihnachten bekommen hatte, der in weiß gehalten war und wo ein Bild von seinem Lieblingsanime drauf war – und seine Winterjacke, welche so blau war, wie seine Haare, in welchen vereinzelte Schneeflocken hingen. Der Junge hatte zehn Jahre in Japan gelebt, doch dann musste sein Vater zurück nach Deutschland, da seine Eltern schwer krank waren und diese die Hilfe seines Vater´s brauchten. Da Ryokai´s Mutter aber zu der Zeit auch sehr krank war und nicht arbeiten konnte, da hatte sein Vater sie Beide mit nach Deutschland genommen.

Sein Vater war verstorben kaum das sie sich eingelebt haben. Er wollte nur die Straße überqueren und da hatte ihn ein Auto erfasst. Das Auto hatte ihn überrollt und dann war es einfach weiter gefahren. So hatten es die Zeugen berichtet, wie er es damals der Zeitung entnahm. Damals war er
dreizehn und der Tod seines Vater´s hatte ihn so mitgenommen, dass er mehrere Monate nicht einmal mit seiner Mutter, oder sonstwem geredet hatte und dadurch hatte er die einzigen Freunde verloren, welche er auf der Schule hatte. Natürlich hatte er noch Kontakt zu seinen Freunden aus Japan, aber die konnten nicht zu ihm. Doch hatten sie versprochen, wenn sie das Geld hatten, dann würden sie ihn besuchen und alle zusammen würden sie Berlin unsicher machen, denn da wohnte Ryokai jetzt, seit vier Jahren mit seiner Mutter in dem Haus, welches sein Vater von seinen Eltern geerbt hatte. Ryokai gefiel es, doch trotzdem wollte er wieder nach Japan, denn dort wurde er in der Schule nicht wegen seiner Haare, seiner Klamotten,oder seiner Hobby´s beleidigt und verspottet. Dort hatte er wenigstens Freunde, welche ihn nicht wegstießen, bloß weil er mal eine Zeit nicht mit ihnen geredet hat, dass taten sie vorher nämlich auch, wenn es ihnen scheiße ging und er hatte es auch respektiert. Und sie, sie hatten ihm dafür die Freundschaft gekündigt, obwohl er doch die ganze Zeit mit ihnen abgehangen hat. Dann hatte sein angeblich bester Freund breitgetreten, dass er schwul ist und das hatte das Mobbing nur noch verschlimmert. Er wurde beleidigt, schikaniert, verprügelt und verarscht.

Ein nettes Leben in Deutschland. Dachte Ryokai sarkastisch.

Er war gerade unterwegs, um seiner Mutter einen Osterstrauß zu kaufen. Ein Geschenk für sie hatte er schon, in seinem Zimmer versteckt. So ging er zu dem Blumengeschäft, wo die Sträuße mit den Lieblingsblumen seiner Mutter schon weg waren, daher sah er sich weiter um. Doch so recht was finden konnte er nicht, obwohl er in diesem Laden jedes Jahr für seine Mutter hier Blumen kaufen ging, egal zu welchem Anlass. Doch,wie gesagt, irgendwie fand er nicht wirklich was. Zwar würden ihr die Blumen hier gefallen, aber er wollte ihr unbedingt ihre Lieblingsblumen schenken, deswegen sah er sich weiter um. Der Verkäufer, ein junger Mann - welcher hier erst seit Anfang des Jahres arbeitete – wurde auf den Jungen aufmerksam, von wem erzählt wird, dass er jedes Jahr zu bestimmten Anlässen hierherkam, um einen schönen Strauß Lilien für seine Mutter zu kaufen. Naja, zuerst wusste er nicht, dass es dieser Junge war.  Er fiel ihm nur auf, da der Junge total in Blau gekleidet war und dessen Geruch ihn fast um den Verstand brachte. Der Kleine roch nach Lilien, Ostergras, Fichte und irgendwas, was er nicht zuordnen konnte. Er starrte den Jungen die ganze Zeit an.

„Daikichi!“, wurde er von seinem Chef aus seiner Traumwelt gerissen, welche a) nicht zur Arbeit gehörten und b) doch ziemlich pervers waren.

„Das ist Ryokai! Nun starr ihn nicht an, da würde ja jeder angst kriegen. Vergiss nicht, du arbeitest hier und er ist dein Kunde!“, sagte Mister  Dichter, sein Chef, welchen aber alle mit Harald, seinem Vornamen anredeten, denn er mochte es nicht von seinen Angestellten gesiezt zu werden, dann fühlt er sich immer so alt.

Naja, sehr jung war er auch nicht mehr, denn er ging schon auf die fünfzig zu, hatte einige graue Haare, einige Falten im Gesicht und seine Haut war pergamentartig. Von der Statur war er dünn, etwas größer als Daikichi, schmales, aber freundliches Gesicht und ein paar Stoppeln im Gesicht.

Daikichi hielt sich an die Anweisung und ging auf den Jungen zu. Desto näher er diesem kam, desto größer wurde sein Verlangen auf diesen. Er stellte zu dem Jungen und sprach ihn an.

„Kann ich dir helfen?“, fragte er hilfsbereit und lächelte charmant.

Ryokai erschrak und sah zu dem größerem Mann auf. Dieser hatte langes schwarzes Haar, welches zu einem lockerem Pferdeschwanz gebunden war und der Pony war wasserstoffblond gefärbt.

„...ÄH... j...ja! Ich wollte...ich...“, stotterte der Junge mit den blauen Haaren nervös und eine Röte überzog seine Wangen.

„Wenn ich dich nervös mache, dann schick ich einen meiner Kollegen zu dir!“, sagte Daikichi freundlich und lächelte charmant.

Der Kleine sieht süß aus, wenn er rot wird. Dachte sich Daikichi.

Das Rot in Ryokai´s Gesicht vertiefte sich durch dieses Lächeln und wilde Fantasien legten sein Denkvermögen lahm. Wieso dachte er so was mit einem Fremden? Er kannte diesen Mann doch gar nicht. Unwirsch schüttelte er den Kopf um diesen Gedanken zu vertreiben, doch fasste sein älteres Gegenüber als nein auf und blieb bei dem Minderjährigen um diesem zu helfen.

„Was suchst du denn für Blumen?“, fragte der Ältere daher.

Der Junge senkte den Blick, um dem Mann nicht in die Augen sehen zu müssen, oder eher um diesen nicht ansehen zu müssen, denn in seiner unteren Region machte sich gerade ein unangenehmes Gefühl breit.

„Ich...ähm...ich suche einen Osterstrauß für meine Mutter.“, sagte er noch etwas unbeholfen.

„Sollen es denn bestimmte Blumen sein?“, fragte Daikichi geduldig.

„Blaue Lilien.“, sagte Ryokai.

Der Mann überlegte. Hatten sie hier noch irgendwo blaue Lilien? Hm... Ach ja! Im Lager!

„Ich werde einen schönen Strauß für deine Mutter zusammenstellen! In der Zeit kannst du dich ja noch umsehen.“, sagte der Ältere mit den schwarzen Haaren und eilte in das Lager.

Dort fand er zwar die gesuchten Blumen, doch sahen sie nicht mehr schön aus. Einige hatten verwelkte Blätter, andere waren abgeknickt und wieder andere hatten keine Blüten mehr. Daikichi nahm sich die Blumen, welche noch am Schönsten waren und machte daraus einen Blumenstrauß. Er kramte in seiner Tasche herum und nahm einen kleinen Beutel aus seiner Hosentasche. Er machte den Beutel auf und lies etwas regenbogenfarbenes Pulver auf den Strauß rieseln. Sofort richteten sich die Blüten wieder auf und hatten eine kräftige blaue Farbe, was auch mit dem Stengeln und den Blättern passierte. Mit diesen Blumen ging er wieder in den Verkaufsraum, machte noch einige Zweige zu dem Strauß und ein kleiner Osterhase, welcher zwischen den Blumen „saß“  durfte natürlich natürlich auch nicht fehlen. Mit diesem Strauß in der Hand ging er auf seinen jungen Kunden zu, welcher sich gerade eine Osterkarte ansah.

„Hier der Strauß!“, sagte er, ohne sich vorher anzukündigen, worauf sich der Kleinere fast zu Tode erschreckte.

Er drehte sich um und wurde von den dunklen Augen gefangen genommen. Wieder schlug sein Herz so schnell, aber aus Erschrockenheit oder Verlegenheit wusste er nicht zu sagen.

„Gefällt dir der Strauß, oder soll ich ihn ändern?“, fragte Daikichi freundlich.

„J...Ja... der ist ja echt wunderschön!“, stotterte Ryokai verlegen. „Meiner Mutter würde er sicher gefallen.“

Der Verkäufer ging mit dem Jungen zur Kasse.

„Wie viel kostet er denn?“, fragte der Schüler.

„Dafür, dass du so ein niedlicher Junge bist und wohl ein guter Stammkunde würde ich sagen drei Euro.“, sagte der Größere und wickelte den Strauß vorsichtig in durchsichtige Folie mit einem Ostermuster ein.

Mit der Karte insgesamt zahlte Ryokai vier Euro und verließ das Blumengeschäft. Der Chef wandte sich an seinen jungen Mitarbeiter.

„Das hast du echt gut hingekriegt. Normalerweise redet der Junge nur mit mir und mit keinem Anderem meiner Mitarbeiter.“, sagte Harald etwas erstaunt.

„Wieso denn das nicht?“, fragte der junge Mann.

„Er ist anders. So wie du.“, sagte Mister Dichter.

„Er ist so wie ich?“, fragte sich Daikichi leise.

Wieder wurde er aus seinen Gedanken gerissen als ein Kunde an die Theke kam.


Ryokai war gerade vom Blumenladen auf den Weg nach Hause als er in eine Gasse gezerrt wurde. Sofort wurde ihm der Blumenstrauß aus der Hand gerissen und zertreten. Die schönen Blumen, die sollten doch für seine Mutter sein.

„Ey! Was soll das?“, fragte er bissig.

„Halt die Klappe, du Schwuchtel!“, keifte einer seiner Klassenkameraden und schlug ihm ins Gesicht, so dass der Vierzehnjährige auf den Boden fiel.

Er wurde von den Anderen umringt und einer von ihnen zerrte ihn auf die Beine, um ihm ins Gesicht und in den Magen zu schlagen. Der Junge keuchte und Tränen traten in seine Augen. Ihm wurde ins Gesicht gespuckt.

„Muss das Baby jetzt auch noch weinen?“, fragte der Anführer, sein Name war Jens, zuckersüß.

„Halt die Klappe, du Warzenschwein!“, sagte Ryokai wütend und erntete dafür einen Schlag in den Unterleib und mehrere ins Gesicht. Dann wurde er an beiden Armen gepackt und von jedem seiner Peiniger bekam er mehrere Schläge in den Magen, bis er Blut spuckte. Dann ließen sie ihn los und er sackte vor Schmerzen wimmernd auf den Asphalt. Die Jugendlichen begannen auf seinen schmerzenden Körper einzutreten. Ryokai versuchte so gut es ging sich so einzuigeln, dass seine Peiniger nicht viel Angriffsfläche hatten, doch wirklich funktionieren wollte es nicht, da sein Körper so sehr schmerzte.

„Das hast du davon, du Schwanzlutscher!“,  sagte Jens und trat ihm in den Magen, so dass der am Boden Liegende wieder Blut spuckte und er einen Riss im Magen bekam.

Noch einmal trat der Anführer auf die zertrampelten Lilien und die Bande verzog sich. Mit aller Kraft zog sich Ryokai zu dem zerstörten Blumenstrauß, zog ihn in seine Arme und weinte. Was sollte er denn jetzt seiner Mutter schenken? Sie wird enttäuscht von ihm sein.


Daikichi hatte gerade Mittagspause und wollte zu dem Nudel-Imbiss gehen, um sich sein Mittag zu holen, da liefen gerade mehrere Jungs an ihm vorbei und er hörte ein leises Schluchzen. Also ging er in die Gasse, aus welcher die Jungs kamen und entdeckte einen zusammengerollten Jungen am Boden. Erst als er bei dem Kleinen ankam, da erkannte er, wer da zusammengeschlagen und weinend am Boden lag. Ihm sank sein Herz in die Hose. Das war der Junge aus dem Laden, welcher zusammenzuckte und sich trotz Schmerzen noch mehr einigelte. Das Schluchzen war auch leiser geworden, so als ob der Kleine Angst hatte dadurch noch mehr Prügel zu bekommen.

Er denkt wohl, ich bin einer dieser Jungs, welche ihm diese Schmerzen zugefügt haben. Der arme Junge. Dachte er mitleidig.

Daikichi bückte sich zu dem Jüngeren und war erst einmal geschockt als er das Blut sah, welches an dem Mund und dem Kinn des Jungen klebte. Es war noch frisch. Erst drehte er den Jungen auf den Rücken, welcher gepeinigt aufstöhnte, dann nahm er mehrere Taschentücher aus seiner Tasche und wischte vorsichtig den Mund sauber. So sah er dann auch die blauen und grünen Flecken im Gesicht des Schüler´s. Er nahm er den Kleinen auf seine Arme, wobei er den zerstörten Blumenstrauß entdeckte, welchen Ryokai in den Armen hielt.

Beruhigend sprach mit ihm. „Ich bin keiner von denen, die dir wehgetan haben. Hab keine Angst. Ich möchte dir nur helfen.“

Doch der Schüler reagierte nicht auf seine Worte.

„Ich will dir wirklich nur helfen.“, sagte Daikichi sanft.

Ryokai wunderte sich, wer ihm da helfen wollte und da erkannte er die Stimme des jungen Verkäufer´s aus dem Blumenladen und er schämte sich jetzt erst recht für seine Schwäche. Wieso konnte er sich nicht verteidigen? Wieso war er so schwach? Mit Schmerzen am ganzem Körper versuchte er sich in den Armen des Älteren von diesem runter zu kommen, doch er war zu schwach und so blieb er vor Schmerzen stöhnend in Daikichi´s Armen.

„Ich bringe dich zu einem Arzt.“, sagte er.

„Ich...k...kann sch...schon allein gehen!“, widersprach der Junge, doch war er zu schwach, um sich aus dem Griff zu befreien.

„Du konntest ja noch nicht einmal aufstehen und der Arzt, zu welchem ich dich bringe kann dir helfen.“, sagte Daikichi und mit dem Jungen in seinen Armen sprang er auf das Dach.

Nur, durch diesen Sprung wurde dem Jungen schlecht und er übergab sich. Aber nicht nur Essensreste waren in dem Erbrochenem zu finden, sondern auch Blut. Ryokai nahm seine Umgebung nur noch verschwommen war als sein Retter so schnell lief wie der Wind.

Nach fünfzehn Minuten erreichten sie einen Wald und sahen ein kleines Häuschen, welches Daikichi nach nicht einmal fünf Minuten erreichte. Er sah besorgt in die glasigen Augen des Jungen in seinen Armen, welche sich kaum noch offen halten konnten. Dann klopfte er ungeduldig gegen die Tür, welche von einer Frau geöffnet wurde. Sie war schon ziemlich alt, trug ein graues Kleid und einfache Sandalen.

„Wer ist das?“, fragte sie misstrauisch.

„Ein Junge, der deine Hilfe braucht. Es geht ihm nicht gut. Er wurde von einigen Jung´s verprügelt und hat Blut gespuckt.“, erklärte Daikichi.

„Wieso sollte ich einem Unbekanntem helfen? Wie es scheint ist er nur ein kleiner, unbedeutender Schwächling.“, sagte sie verächtlich und sah angewidert auf den bewusstlosen Jungen in den Armen ihres Gegenüber´s.

„Du schuldest mir noch genug. Oder soll ich Damon sagen, dass du deine Schulden nicht begleichst? Darüber würde er nicht erfreut sein und du weißt ja, wie er dann ist. Das willst du doch sicher nicht wieder erleben, oder?“, drohte Daikichi jetzt zornig.

„Komm bloß rein, aber ich will, dass du und dieses Gör sofort verschwindet, wenn ich ihn geheilt habe.“, sagte die Alte und ließ Daikichi mit seiner verletzten Last in ihr bescheidenes Heim.

Es gab nur zwei Räume und sie blieben im ersten Raum, wo er Ryokai auf eine zerschlissene Couch legen sollte, wo auch die Farbe schon ausgeblichen war. Aus vielmehr außer noch einem Schreibtisch, schien dieser Raum nicht zu bestehen. Daikichi nahm die zertretenen Blumen an sich.  Die Frau untersuchte erst einmal den Körper des Jungen mit einem speziellem Gerät. Es war in Form eines Stockes, aus Eisen gegossen und funktionierte nur mit Magie. Der Name des Gerätes lautete: Orem Palo.

Nach der Untersuchung wühlte sie in ihren Schränken und holte eine Dose hervor. Diese schraubte sie auf, nahm den Löffel, welcher an der Seite der Dose befestigt war. Sie rüttelte den Bewusstlosen wach, welcher stöhnend vor Schmerzen die Augen öffnete. Es dauerte etwas, doch dann hatte er sie offen und sah sich um.

„Was soll das?“, fragte Daikichi zornig.

Doch die Alte antwortete nicht, sondern löffelte dem Jungen einen grünen Kräuterbrei in den Mund. Zuerst hatte sich der Junge gewehrt, indem er den Mund geschlossen hielt, doch mit ein bisschen Magie hatte sie es dann doch geschafft ihn zum Essen zu bringen. Als er den Brei geschluckt hatte und dieser in seinem Magen gelandet war, schrie er auf vor Schmerz und wand sich. Die Frau brachte die Dose weg, machte die auf und schob den Pullover nach oben, während der Ryokai vor Schmerzen wieder in die Bewusstlosigkeit sank. Daikichi sog zischend die Luft ein als er den immer dunkler werdenden, blauen Fleck sah.  Die Alte holte eine andere Dose aus ihren Schranken, öffnete diese und schmierte eine weiße Creme auf den Bauch des Jungen. Sie rieb den Bauch damit ein und zog den Jungen wieder richtig an.

„Nimm ihn und verschwindet!“, sagte die Alte.

Daikichi nahm den Kleinen auf seine Arme und wurde von der Hexe aus dem Haus geschmissen. Mit dem Bewusstlosem im Arm lief er den ganzen Weg zurück und auf den Weg sah sie eine Frau, welche verzweifelt nach jemanden suchte, denn es war schon dunkel und spät Abends. Sie rief immer wieder einen Namen und dadurch wurde Ryokai wieder wach. Er sah seinen Retter bittend an, doch dieser ließ ihn noch nicht laufen, aber er ging mit dem Jungen zu der verzweifelten Frau.

„Mom!“, sagte der Kleine als sie die Frau erreichten, welche schon den Tränen nahe war und jetzt in stummen Tränen ausbrach, bei der schwachen Stimme ihres Kindes.

Sie drehte sich zu der Richtung um, aus der sie die Stimme ihres Sohnes hörte und war erleichtert und zugleich als sie ihn in den Armen des Mannes sah. Sofort war sie bei ihrem Jungen und strich ihm vorsichtig über den blauen Fleck auf der Wange, dann sah sie böse zu Daikichi auf.

„E...er hat mir...n...nichts getan, Mom!“, sagte Ryokai vor Schmerzen keuchend und legte eine Hand auf seinen Bauch. Wieder wurde ihm schlecht und schwindlig. Ihm drehte sich alles und deshalb schloss er die Augen. Was ihm am Meisten wehtat konnte er nicht sagen. Er wollte nur noch nach Hause.

„Der Kleine braucht ein warmes Bett, sonst würde er sich erkälten bei dieser Kälte!“, sagte Daikichi ernst.

„Natürlich! Folgen sie mir!“, sagte sie und sie gingen bis zu einem zweistöckigem Haus mit Garten und Garage.

Das Dach war spitz zulaufend und bestand aus braunen Ziegeln und einem Schornstein, das Haus war weiß gestrichen, mit mehreren Fenstern und einer braunen Tür. Es war von einem braunen Holzzaun umzäunt und sie gingen durch die Holztür, neben dieser war ein altmodischer Briefkasten.

Sie betraten das Haus und die Mutter machte das Licht an. Zur einen Seite führte ein Durchgang zum Esszimmer, wo eine Tür zu Küche führte, auf der anderen Seite war eine Tür, welche zum Keller, daneben war noch ein offener Durchgang, welcher zur Stube führte, aber sie gingen auf die Treppe zu, welche ganz hinten war. Diese stiegen sie hinauf und sie führte ihn in das Zimmer ihres Sohnes, wo Daikichi diesen in das Bett legte, welcher immer noch die Blumen umklammerte. Ryokai öffnete noch einmal schwach seine Augen und sah die Beiden nacheinander an., dann fielen sie ihm wieder zu und er schlief ein vor Erschöpfung. Die Frau strich Ryokai einige Strähnen seines blauen Haares aus dem ruhendem, blassem Gesicht.

„Was ist mit meinem Sohn passiert?“, fragte sie voll Sorge um ihr einziges Kind.

„Ich habe in vor Schmerzen gekrümmt und am Boden liegend in einer Gasse gefunden. Was vorher geschehen ist, das weiß ich nicht. Ich bin in die Gasse gegangen, nachdem ein paar Jungs aus dieser gerannt waren und ich ein Wimmern gehört habe.“, berichtete der junge Mann.

Die Mutter erbleichte.

„Steht es schlecht um ihn?“, fragte sie besorgt.

„Nein. Er braucht nur Ruhe.“, sagte Daikichi, sowie er die Heilfähigkeiten der alten Frau wusste, wie gut sie war.

Eine Weile sah sie besorgt auf ihren schlafenden Sohn.

„Ich bring sie in die Küche. Sie haben sicher Durst. Soll ich ihnen einen Tee machen. Kaffee haben wir keinen da.“, sagte die Mutter aufgewühlt als sie das Zimmer verließen.

„Ein Tee reicht vollkommen und sie können mich ruhig duzen. Mein Name ist Daikichi und ihrer!“, sagte der junge Mann, während sie die Treppe runter gingen.

„Oh...hab ich mich vergessen vorzustellen. Ich bin heute so durcheinander. Mein Name ist Nojiko Kawasiwa und du kannst mich ruhig auch duzen.“, sagte die Frau, während sie in der Küche ankamen und sie Daikichi einen Stuhl zum sitzen anbot. Nojiko setzte Wasser für Tee auf.

„Ich kann stehen. Ich will mich nur noch ein wenig aufwärmen und dann wollte ich wieder nach Hause, aber ich wollte gern morgen noch mal vorbei kommen, um nach dem Kleinen zu sehen. Ginge das?“, fragte er.

„Natürlich. Du hast ihm schließlich geholfen. Dafür danke ich dir! Aber wie wurde Ryokai geheilt? Sag mir, bist du ein Zauberer?“, fragte Nojiko, während sie ihm einen frischgebrühten Tee hinstellte.

Daikichi sah sie prüfend an, pustete den Tee und trank vorsichtig einen Schluck. Hmmmm...Waldbeere! Sein Lieblingstee! Hatte seine Oma ihm früher immer gekocht. Vor so vielen Jahren, sinnierte er traurig. Doch hatte jetzt nicht Erinnerungen zu schwelgen. Diese Zeit war vorbei. Seine Großmutter war gestorben und das konnte er nun einmal nicht ändern. Sie war alt gewesen und krank da war es klar das sie starb, doch trotzdem wollte er es damals nicht wahr haben, dass seine liebe Großmutter sterben musste hatte er nie akzeptieren können, aber was er einige Jahre später erfahren hatte, dass hatte ihn sehr geschockt, denn seine Eltern waren nicht gestorben. Nein! Er wurde von seinen Eltern weggenommen, weil diese nicht „normal“ waren.

Er riss sich selbst in die Gegenwart zurück als er merkte das seine Gedanken zu dem Tag zurückgingen, an dem er alles erfahren hatte. „Wie kommst du auf die Idee?“, fragte er und trank wieder einen Schluck vom Tee.

„Weil mein Sohn so schwach in deinen Armen lag und er Schmerzen im Bauch hatte und du sagtest ihn am Boden liegend in einer Gasse gefunden zu haben, doch da andere jemanden danach ins Krankenhaus bringen, nur Zauberer es nicht tun. Bist du einer.“, erklärte Nojiko.

„So wie du dich anhörst kennst du dich sehr gut damit aus.“, sagte Daikichi überrascht und nahm wieder einen Schluck vom Tee.

„Ich komme aus einer Gegend, in welcher es viele von ihnen gab und meine Mutter war auch eine, doch an mir ist es vorbei gegangen.“, erklärte Nojiko und nahm ebenfalls einen Schluck Tee.

„Dann könnte es also sein, dass dein Sohn, Ryokai, ein Zauberer ist.“, stellte er fest.

Jetzt sah sie ihn aus großen Augen an. Ihr Sohn war ein Zauberer? Könnte es wirklich sein, dass er die Kraft seiner Großmutter geerbt hat. Dann könnten sie wieder in der Familie angenommen werden, denn seitdem rausgekommen ist, dass Nojiko nicht zaubern kann, da wurden sie verstoßen. Von den Eltern ihrer Mutter, ihrem eigenem Vater und überhaupt der Gesellschaft. Aber wollte sie, das ihr Sohn in so einer Gesellschaft lebte? Konnte sie da noch leben, wenn sie gar keine Kräfte hat?

„Wenn es ihm besser geht, dann werde ich einen Test machen.“, sagte er, spühlte die leere Tasse aus und stellte sie Kopfüber zu dem Abtropfbrett.

In seiner Tasche vibrierte es, er nahm sein Handy heraus und öffnete seine Nachricht.

„Ich muss los, aber morgen komm ich wieder, wenn es recht ist?“, sagte Daikichi und zog seine Jacke wieder an.

„Mir ist es recht. Du musst ja nach meinem Sohn sehen!“, sagte sie und geleitete ihn zur Tür.

Als er die Wohnung verließ, da spürte er einen Schutzbann.

„Schutzmagie!“, stellte er laut fest.

Auch die Lilien erblühten wieder.

Am nächsten Morgen stand er dann gleich wieder auf der Matte und wurde von einer besorgten Mutter in das Zimmer ihres Sohnes begleitet, welcher hohes Fieber hatte und deswegen nur schlecht Luft bekam. So wurde Ryokai dann mehrere Tage gepflegt, bis es ihm besser ging. Das war dann eine Woche nach Ostern. Da war er dann wieder ganz zur Besinnung gekommen und hatte sofort in die rot-braunen Augen von Daikichi gesehen. Die blauen Augen des Jüngeren sahen diesen fragend an.

„Erinnerst du dich noch an das, was vor einer Woche geschehen ist?“, fragte der Ältere.

„Nur noch bruchstückhaft. Da waren Jens und seine Kumpel. Sie haben mich in eine Gasse gezerrt und dann auf mich eingeschlagen und getreten. Dann kam jemand und hat mich getragen.“ Der Jüngere richtete sich auf und musterte sein Gegenüber genau. „Sie waren das, stimmts?“, fragte er interessiert.

„Duze mich ruhig. Ja, das war ich. Ist das das Einzige, woran du dich erinnerst?“, fragte Daikichi.

„An den Rest kann ich mich kaum noch erinnern. Da sind nur noch Schmerzen. Mein ganzer Körper tat weh. Was passiert jetzt? Muss ich sie anzeigen?“, sagte Ryokai zum Schluss hin verängstigt.

„Ich habe schon alles dafür geregelt. Sie können dir nichts mehr tun.“, sagte Daikichi beruhigend und strich dem Jüngerem eine Strähne aus dem Gesicht.

„Danke. Aber wieso tun sie das für mich? Warum behandeln sie mich nicht wie die Anderen? Warum sind sie so nett zu mir? Warum...“, doch sein Redeschwall wurde von weichen Lippen unterbrochen, welche sich zart auf seine Lippen legten.

Er riss erschrocken die Augen auf und sein Herz schlug so schnell als wäre er einen Marathon gelaufen. Diese Gefühl, welches in ihm aufkam war so unbeschreiblich schön. Er fühlte sich in dem Moment so glücklich.

Küss ihn endlich! Drängte seine innere Stimme und nach einigem Zögern erwiderte er den Kuss.
Review schreiben