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Zur Hilfe eilt das Nagetier

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Matt Mello
31.03.2013
31.03.2013
1
4.135
 
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AN: Ein „kleiner“ Oneshot zu Ostern! Mittlerweile über ein Jahr alt, sollte auch letztes Jahr on eigentlich, aber irgendwie entschied ich mich da doch dagegen. Also an die, die mich kennen: Nicht wundern über nen möglicherweise etwas anderen Schreibstil als gewohnt ^^ Und jaa, die leicht fluffige Seite an mir ist nicht einfach verschwunden, keine Sorge! xD Oder eben doch.. naja. xD

OS-Wunsch für Cheesecake-, dementsprechend ist der OS für sie :3 Einziges Kriterium war das Wort „Meerschweinchen“ xD

Frohe Ostern euch allen!


Mello


Die Schulglocke klingelte. Ich packte meine Sachen und verließ wie der Rest der Klasse den Raum. Jetzt waren Ferien. Osterferien, um genauer zu sein, und ich hasste es. Zwei Wochen alleine in meiner Wohnung. Mal wieder. Mit meinem typischen, kalten Gesichtsausdruck schlenderte ich den Gang zum Ausgang entlang, hielt aber inne und blieb kurz stehen. Fuck. Die Person, die ich in den vergangenen Monaten am meisten gemieden hatte, obwohl ich ihn am meisten brauchte, stand mit seinen Kumpels direkt am Eingang und lachte. Matt.
Er hatte genug Freunde, war bei den meisten beliebt, hatte eine liebevolle Mutter und einen liebevollen Vater und ein Haus. Für ihn würden die Ferien sicher toll werden... Und das wären sie für mich auch, wenn ich nicht so unglaublich stur gewesen wäre. Ich zog es in Betracht, den Hinterausgang zu nehmen, um ihm nicht über den Weg laufen zu müssen. Doch ich wusste, dass so sehr ich ihn eigentlich meiden wollte, ich eigentlich alle Zeit mal wieder etwas mehr Nähe brauchte, um die Erinnerung an ihn nicht zu sehr zu verlieren.

Also atmete ich tief durch, und setzte meinen Gang in Richtung Tür fort. Als ich direkt an ihm vorbeiging, schielte ich etwas in seine Richtung um ihn zu mustern. Er trug ein schwarzweiße gestreiftes, lockeres Shirt und hielt seine Weste mit seiner Hand fest. Es war wohl zu warm dafür. Ich hatte keine Zeit, ihn weiter zu mustern, denn plötzlich hob er den Kopf und unsere Blicke trafen sich kurz. Sofort sah ich weg und meine Wangen röteten sich vor Scham des Erwischt-Werdens. Fuck.

Ich trat an die recht warme Luft und marschierte auf den Ausgang des Schulgeländes zu. Ich hatte es etwa eine halbe Stunde zufuß zu mir nach Hause, und diese halbe Stunde musste ich auch zufuß gehen. Als meine Eltern vor Monaten starben, wurde unser noch nicht ganz abbezahltes Haus verkauft, und ich schaffte es durch meinen Onkel mir eine kleine Wohnung zu mieten. Mein geliebtes Motorrad, das ich noch nicht einmal sehr lange gefahren hatte, wurde weiterverkauft und ich blieb mit den nötigsten Sachen zurück, musste neben der Schule mein Geld mit Gelegenheitsjobs einbringen.

Ich schweifte meinen Gedanken nach, und kam meiner Wohnung immer näher. Toll. Mein erstes Ostern alleine. Das wird sicher Klasse...

Waren meine Gedanken schon immer so sarkastisch? Ich schüttelte genervt über mich selbst den Kopf und schritt weiter auf meine kleine Wohnung zu. Lustlos.

Matt


Ich stürmte mit meinen Freunden aus dem Kursraum, als es klingelte. Schulschluss. Endlich Ferien und Ausschlafen!

Wir blieben noch eine Weile am Eingang stehen, und es gesellten sich immer mehr Menschen zu uns, wollten alle ein Gespräch mit uns anfangen. Ich antwortete halbherzig zurück, wartete nur darauf, dass sie endlich gehen würden damit ich in meinen Wagen steigen konnte, um nach Hause zu fahren. Nach kurzer Zeit nahm ich mir sehr bekannte, blonde Haare wahr, und blickte auf.

Womit ich nicht gerechnet hatte, war dass der Blick dieser Person auf mir ruhen würde.
Mellos eisblaue Augen hatten mich gemustert. Er sah weg, als wäre nichts gewesen und verließ das Gebäude. Es war das erste Mal seit langer Zeit, dass ich ihm wieder wirklich ins Gesicht gesehen hatte. Nach dem großen Streit, kurz nachdem er seine Eltern verlor, sprachen wir nicht mehr miteinander.

Es dauerte eine ganze Weile, bis ich ohne ihn zurück in die Gesellschaft fand- immerhin waren wir unser Leben lang die besten Freunde. Aber es war besser so. Er wusste, dass ich es hasste, rumkommandiert zu werden, und trotzdem hatte er es riskiert und mich rumgescheucht wie einen treudoofen Hund. Anfangs hatte ich noch Verständnis mit ihm, nahm sein unfaires Verhalten zu mir locker. Immerhin wollte ich ihn nur wenige Wochen nach dem Schicksalsschlag nicht vor irgendwelche große Konfrontationen stellen. Doch irgendwann hatte auch ich die Nase voll, und alles artete in einem riesigen Streit aus. Zwar machte es mir wenn ich zurück blickte nicht soviel aus, wie ich es behauptet hatte- doch nun konnte ich meine Vorwürfe nicht mehr zurück nehmen, und er seine ebenfalls nicht.

Ich zuckte die Schultern, ignorierte die Quasselstrippen von „Freunden" die mich im Augenblick zu Tode nerven drohten, und machte mich auf den Nachhauseweg.


Nur wenige Tage später war Ostern, und obwohl mein Vater ziemlich ungläubig war, bestand meine Mutter darauf dieses Fest zu feiern, so wie es ihr bereits von ihren eigenen Eltern beigebracht worden war.

Zumindest an diesem Tag wurde nichts aus dem Plan auszuschlafen, denn ein Klopfen weckte mich am nächsten Morgen.

„Heute ist keine Zeit, um zu schlafen, Mail!", kam die überdrehte Stimme meiner Mutter als sie meine Gardinen zur Seite schob und das nervige Licht in mein Zimmer strömte.
„Das Frühstück wartet unten und später kriegst du noch ein kleines Geschenk!"

Ich grummelte noch eine Weile, bevor ich mich aufsetzte und anzog, und tatsächlich die Treppe nach unten runterschlenderte.

Am Esstisch saß bereits mein Vater, und meine Mutter legte die letzten Nahrungsmittel auf den Tisch.

„Frohe Ostern", begrüßte mich mein Vater.
„Mhm...frohe Ostern...", erwiderte ich müde und setzte mich an den Tisch.

Kurz darauf gesellte meine Mutter sich zu uns, und wir begannen zu essen.

„Was machst du noch in den Ferien?", fragte mich meine Mutter, und ich zuckte nur mit den Schultern.
„Nichts besonderes. Du weißt schon, mich mit ein paar Freunden treffen vielleicht, ausschlafen." Ich nahm mir ein Ei, und begann es zu schälen.
„Mhm okay. Und mit wem?", fragte sie weiter. Waren alle Mütter so, oder war ich der einzige, der durchgehend ausgefragt wurde?
Ich seufzte bloß. „Du weißt schon. Die Üblichen", antwortete ich ihr und begann zu essen.
„Die üblichen also...und was war jetzt mit Mihael? Willst du ihn nicht mal besuchen gehen?" Sofort hörte ich auf zu essen und sah sie ungläubig an. Sie wusste ganz genau, dass sie sich auf dünnem Eis befand. Mello war für mich kein Thema mehr, das man beiläufig am Frühstückstisch erwähnte, und das wusste sie.

„Was soll mit ihm sein?", fragte ich und sah auf meinen Teller, aß weiter.
Die Wahrheit war, dass mir dieser Streit leid tat. Ich bereute es, ausgerastet zu sein und vermisste sogar das, was ich damals am wenigsten ausstehen konnte: Das hin und hergescheucht werden. Auch, wenn ich ihm das niemals so sagen würde.
„Redet ihr beide immer noch nicht miteinander?" Ich schüttelte bloß den Kopf, aß weiter das Ei. Dieses Mal seufzte sie. Konnte sie nicht einfach damit aufhören?
„Du solltest mit ihm reden. Es ist ja nicht mit anzusehen, wie das ausgeartet ist." Ich wusste, dass sie Mello schon immer gemocht hatte. Sie hatte ihn schon fast als zweiten Sohn gesehen, und vorallem nach dem Tod seiner Eltern hatte sie ihn aufgenommen, als wäre er schon immer ein Teil unserer kleinen Familie gewesen.

Doch trotzdem konnte und wollte ich nicht darüber reden. Immerhin ging das Leben weiter, oder?
Ich stand auf, nahm drei der bunten Eier in die Hand, um sie dann oben zu essen.
„Danke fürs Essen. Ich geh hoch", murmelte ich nur und drehte mich um.

„Mail, deine Mutter hat Recht. Du solltest wirklich-"
„Danke fürs Essen. Ich geh hoch", sagte ich ein weiteres Mal, und ging ohne weitere Proteste von Seiten meiner Mutter die Treppen hoch in mein Zimmer, legte die gekochten Eier auf den Tisch und setzte mich auf mein Bett.

Es tat mir nicht einmal leid, das Frühstück ruiniert zu haben. Sie hatten immerhin selber schuld. Sie wussten, welche Themen mich wütend machten. Wie nervig...

Mello


Ich war am Sonntag früh aufgestanden, um zum Gottesdienst zu gehen, hatte dieses Jahr allerdings nicht viel Lust auf weitere Traditionen jeglicher Art.

Das einzige, was ich für nötig hielt, war das Grab meiner Eltern zu besuchen. Vor sieben Monaten kamen sie um, als in unser Haus eingebrochen wurde. Der Einbrecher wurde von ihnen entdeckt, und erschoss sie in seiner Panik.

Ich war hier regelmäßig, brauchte also nicht lange um das Grab wieder herzurichten und ihnen frohe Ostern zu wünschen, sodass ich nach Hause gehen konnte, als es anfing zu nieseln.
Als ich zu Hause im Dunkeln ankam, musste ich mich erst einmal umziehen, weil ich klitschnass vom Regen war. Toll. Einfach hervorragend.

Mit trockenen Sachen, einer Decke und einer Packung Schokoladeneis bewaffnet, setzte ich mich auf meine kleine Couch und schaltete den Fernseher an. Tolle Vorraussetzungen für einen Sonntagabend...

Matt


Als ich schon dachte, ich würde meinen Abend in Ruhe an meiner xBox verbringen können, klopfte es gegen neun Uhr abends an meiner Zimmertür, und meine Mutter kam herein.

„Tut mir leid wegen vorhin, Mail. Möchtest du dein Geschenk noch haben?"
Ich seufzte nur, und nickte dann. „Klar, gib schon her."

Mit einem leichten Lächeln auf den Lippen übergab sie mir einen Karton mit Löchern. Ohne zu zögern öffnete ich ihn, und war mehr als überrascht, als ich zwei kleine Meerschweinchen darin sitzen sah. Verblüfft hob ich eines in meine Hand. Es war noch ganz klein, hatte helles Fell und dunkle Augen. Die Farbe des Fells erinnerte mich an Mellos Haare...
Professor Kaboom. So musste ich es nennen. Mello war als Kind in eine Explosion verwickelt und trug seitdem eine große Narbe im Gesicht. Der Name passten zu Mello, und zu meinem Professor in Kleinformat. Ich hoffte nur, das Kerlchen würde bei mir überleben... Ich war nicht wirklich der beste, was Tierhaltung anging.

„Wow, danke Ma..."
„Der Käfig steht unten. Ich wollte dir eigentlich einen Hasen kaufen, aber die gab's zur Osterzeit nicht mehr. Dein Vater hat die Tiere noch nicht gesehen...der mit seiner Allergie wird durchdrehen."
Ich gab ihr noch etwas Schokolade, die ich für sie besorgt hatte, und kurz darauf verließ sie den Raum.

Schokolade...Meerschweinchen das wie Mello aussah...Mello der das erste Osterfest, was ihm so unglaublich wichtig war, alleine verbrachte....

Fuck ich hätte diesen ganzen Streit nicht anfangen dürfen. Dummer Matt, dummer Matt, dummer Matt!

Ich konnte das so nicht weitergehen lassen. Das hatte ich jetzt beschlossen. Ich stand auf und zog mir Jacke und Schuhe an, steckte meine Autoschlüssel ein. Ich musste ihn sehen. Ich musste ihn hören verdammt!
Ich sah mich in meinem Zimmer kurz nach einem Geschenk um, da er jedes Jahr bis jetzt eines von mir und seinen Eltern bekommen hatte. Mein Blick fiel auf den Karton, mit den kleinen Nagetieren und ich seufzte. Sorry Ma, ich konnte mein Geschenk nicht behalten...

Ich lief die Treppe runter, wollte mir möglichst unauffällig, damit meine Eltern nicht bemerkten dass ich Jacke und Schuhe anhatte, den Käfig holen.

„Falls die beiden miteinander nicht auskommen, haben wir im Keller noch einen zweiten Käfig", rief meine Mutter aus dem Wohnzimmer. Konnte die Frau Gedanken lesen?

„Eh...danke Ma", antwortete ich nur und holte auch den zweiten Käfig, schleppte beide in mein Zimmer.

Es dauerte nicht lange, und ich hatte zwei mit Streu, Essen und Trinken gefüllte Käfige, mit je einem Tier drin.

Und jetzt? Ich wollte nicht, dass meine Mutter sah, dass ich einen von ihren Geschenken wegbrachte. Vielleicht durchs Fenster? Ich war oft genug abgehauen, also wäre es eine Möglichkeit - hätte ich nicht einen Käfig in der Hand. Doch bevor ich nur eine Möglichkeit hatte, weiter nachzudenken, klopfte es an meiner Tür und meine Mutter kam herein. Sie hatte einen Korb mit irgendwelchen leckeren Sachen in der Hand und stellte ihn auf meinem Bett ab.

„Er hat sicher lange nichts ordentliches zu Essen gehabt. Und Mail, vergiss nicht ihm etwas Streu und Futter mitzunehmen, und nimm deine Hausschlüssel mit. Morgen sind dein Vater und ich nicht da." Ohne ein weiteres Wort verließ sie das Zimmer und ließ mich völlig perplex aber zufrieden zurück. Die Frau konnte wirklich meine Gedanken lesen, oder? Oder es war einfach mütterlicher Instinkt...

Mello


Ich hatte irgendeinen langweiligen Schwarzweißfilm geguckt, und wäre dabei fast eingeschlafen, hätte nicht jemand an meine Tür geklingelt. Ich blickte auf die Uhr. 22 Uhr 24 Minuten. Verblüfft sah ich an die Tür. Wer wollte so spät etwas von mir?! Zögerlich und mit meiner Decke um mich gewickelt schritt ich zur Tür und fragte mit der Sprechanlage, wer denn unten sei.

Kurz schwieg die Person mir entgegen.
„Mel, ich bins...", hörte ich eindeutig Matts Stimme. Matt? Was wollte er hier? Hatte ich mich verhört?

Ich zog es in Betracht, wenn auch nur ganz kurz, ihn einfach vor dem Treppenhaus stehen zu lassen, doch ich verwarf den Gedanken schnell.
Ich drückte mit schnell klopfendem Herzen auf den „Tür öffnen"-Knopf, und öffnete mit zittrigen Fingern die Haustür, als es daran klopfte. Im Treppenhaus war es dunkel, und die einzige Beleuchtung, die in der Wohnung war, war der Fernseher einige Räume weiter. Ich erkannte nur seine Umrisse, und tastete dann vorsichtig nach dem Lichtschalter. Ein warmes, oranges Licht wurde auf uns geworfen.

„Sorry, hast du schon geschlafen?", fragte er mich als das Schweigen unerträglich wurde, doch ich schüttelte nur den Kopf.

„Kann ich...reinkommen?", kam seine Stimme nach weiterem Zögern. Wieder antwortete ich nicht, schritt nur zur Seite und öffnete die Tür einen Spalt weiter. Er betrat die Wohnung, und unsere Blicke trennten sich nicht. Ich hatte Angst vor dem, was jetzt kommen würde. War zugleich neugierig. Er holte nur tief Luft und da bemerkte ich erst die Sachen in seinen Händen.

„Mel, können wir reden?", fragte er dann, und ich schloss die Tür hinter ihm, sah ihn neugierig an.
„Worüber willst du jetzt noch reden? Reichlich spät zum Reden, meinst du nicht auch?" Ich hatte eigentlich nicht vorgehabt, ihn so anzuzicken, aber ich konnte nicht anders.
Abermals holte er tief Luft.

„Ich will mich nicht mit dir streiten", erklärte er.
„Aha. Klang letztes Mal aber anders. Woher die plötzliche Umstellung?"
„Die ist keineswegs plötzlich. Ich hab mich nur vorher nie getraut, dich anzusprechen. Aber heute ist ein für dich wichtiger Feiertag, und so wie ich dich zu kennen glaub, hast du ihn wahrscheinlich alleine verbracht."

„Ich weiß nicht, was dich das anzugehen hätte", zickte ich weiter, und wollte mich im nächsten Moment dafür schlagen.
Woah wie dumm war ich eigentlich?! Ich hatte mir nichts sehnlicher gewünscht, als wieder mit ihm zu sprechen, und da machte ich sowas! Mein Herzschlag hatte sich nach wie vor nicht beruhigt.

„Wenn du mich nicht sehen willst, kann ich einfach gehen", informierte er mich und ich schloss die Augen.

„Matt so meinte ich das aber nicht. Du weißt doch, dass ich nicht anders kann. Und wieso hast du einen Käfig dabei?", wollte ich wissen als ich in Richtung des Wohnzimmers ging, auch dort das Licht einschaltete.

„Meine Alten haben mir zwei Tierchen geschenkt, und eines hat mich an dich erinnert." Er grinste mich an und hielt mir den Käfig hin, doch ich sah ihn nicht einmal an.

„Denkst du wirklich, du könntest herkommen und so tun, als wäre nie etwas gewesen?" Er seufzte nur und stellte die Sachen ab.
„Willst du so weitermachen? Hast du mich wirklich abgeschrieben?" Ich zuckte die Schultern.
„Weiß nicht."
Sein Gesichtsausdruck verfinsterte sich, und ich trat einige Schritte zurück.
„Ich für meinen Teil hab dich nicht abgeschrieben. Nicht, nach so langer Freundschaft...soll ich mich entschuldigen? Soll ich vor dir auf die Knie gehen dafür dass ich so ausgerastet bin, hm?"

Ich schüttelte bloß den Kopf.
„Mit auf die Knie gehen ist nicht immer alles geregelt."
Doch so, als ob er mich nicht gehört hätte, ging tatsächlich auf die Knie.
„Mel bitte...es tut mir wirklich leid, okay? Das...Das war dämlich von mir und-" Ich seufzte.
„Ja. Das war dämlich von dir", unterbrach ich ihn.
Kurz nachdem ich ihn mit Abstand am meisten brauchte, fing ich an schroffer zu ihm zu werden. Woran das lag, konnte ich nicht wirklich sagen. Meine Nerven lagen wohl einfach blank, ich hatte viel um die Ohren, und ließ das am einzigen Menschen aus, mit dem ich wirklich was zutun hatt. Matt.

Und dann kam eine Zeit, in der er anfing, dämliche Bemerkungen über meine Homosexualität zu machen, obwohl ihn das früher auch nie zu stören schien.
Da brauchte er sich nicht zu wundern, dass ich noch zickiger wurde...

„Ich hab das einfach nicht mehr ertragen...egal was ich gemacht hab, ich war an allem Schuld." Obwohl er mir definitiv einen Vorwurf machte, so klang es trotzdem nicht so, als wolle er das alte Thema wieder hochholen.

„Und was glaubst du, woran das lag?", fragte ich ihn mit möglichst ruhiger Stimme, und kniete mich ihm gegenüber.

Er zuckte bloß mit einem verzweifelten Gesichtsausdruck die Schultern, und ich antwortete auf meine eigene Frage.
„...also im Großen und Ganzen hatte ich viel um die Ohren... und dann...ach keine Ahnung. Ich war halt viel Stress ausgeliefert...und dann hast du immer so dumme Scherze gemacht!"

Matt

Verblüfft sah ich ihn an.
„Hm? Was meinst du?"
Ich sah, wie er tief Luft holte.
„Also...am Anfang hast du gar nichts dazu gesagt, als ich dir gesagt hab, ich würde auf Jungs stehen...und dann....Ach keine Ahnung! Du hast dich irgendwie komisch benommen und mir kam es längst so vor, als hättest du irgendwie ein Problem damit und-"

„Halt." Ich legte ihm meine Hand plump auf die Lippen.
„Wart mal nen Moment, Mel. Wieso solltest du denken, dass ich ein Problem damit hätte?"
Er zuckte nur mit den Schultern. „Keine Ahnung, aber du...naja du hast so Andeutungen gemacht. Zum Beispiel als wir in der Stadt waren und da zwei Kerle an einem Tisch saßen. Und du zeigst auf den Fetten und fragst mich, ob er mein Typ ist! Matt ich steh nicht auf alles, was einen Schwanz hat!"
...was? Zwei Typen an einem Tisch?
„Sag mal wann war das denn?"
„Als wir nach dem Konzert durch die Stadt gingen...und halt an diesem Café entlang." Ach das!
Mein Magen knurrte vor Hunger, doch das ignorierte ich.

„Ich weiß, dass mich das nicht so aufregen sollte“, fing er an. „Aber es regt mich nun einmal auf. Und ich finde das auch nicht lustig.“

„Mel...das hast du verdammt missverstanden. Pass auf...wir essen zuerst, du siehst dir das Geschenk an und dann...reden wir?" Er nickte bloß.

„Ich weiß aber nicht, ob ich irgendwas Richtiges hier hab..."
Ich hob nur den Korb hoch.
Meine Mutter hatte alles mögliche an Kuchensorten, Pizzen und sonst was für Kram reingelegt, das eigentlich zu viel für zwei Personen war.

Wir saßen schweigend auf seiner Couch, und aßen unser Essen. Das war doch gar kein so schlechter Start, oder? Immerhin hatte er mich noch nicht rausgeworfen.

„Gut und jetzt sagst du Professor Kaboom hallo!"
Verwirrt blickte er mich an. „...Professor Kaboom?"
Grinsend reichte ich ihm dem Käfig, in dem das kleine, blonde Meerschweinchen saß.
„Ich muss zugeben, dass meine Ma den für mich gekauft hatte....waren zwei Stück, aber das hier hat mich an dich erinnert irgendwie...deshalb Professor Kaboom."

„Matt wieso erinnert dich ein Meerschweinchen an mich?!"
„Es ist blond und hat weiche Haare?", grinste ich nur. Er verdrehte die Augen, holte das kleine Tierchen aber aus dem Käfig.
Sofort krabbelte es seine Arme entlang, und panisch hielt er es fest.

„Fuck das fällt gleich runter!" Ich lachte nur.
„Professor Kaboom fällt nicht so schnell runter. Und jetzt...zurück zum Thema. Mells erinnerst du dich, wer neben dem komischen Typen saß damals im Cafe? Am Tag nach dem Konzert mein ich." Er schüttelte den Kopf.

„Es war ein Kerl in unserem Alter. Er war blass und hatte irgendwie rotbraune Haare mit dunkelgrünen Augen. Auf IHN hab ich gezeigt, und nicht auf den Anderen, du Holzkopf!"

„Ahja und wozu?“
„Weil...fuck Mel du hast damals meine Frage beantwortet mit den Worten 'Eher erschieß ich mich. Drei mal'. Und ich hab gedacht jemand wie ich hätte dann auch keine Chancen bei dir...“

Verblüfft sah er mich an.
„Solche Scherze sind nicht lustig“ stellte er fest und verfrachtete Professor Kaboom wieder in seinem Käfig.
„Ich hab nie nur eine Kleinigkeit gegen dich gehabt, okay? Und...es tut mir leid, dass ich so wenig Rücksicht genommen hab, als das mit deinen Eltern passierte..."

Sein verblüffter Gesichtsausdruck war nicht gewichen.
„Ich komm schon alleine zurecht." Ich schnaubte.
„Wieso verstehst du nie was?!", ich sprang auf und sah ihn wütend an.
„Ach jetzt kommst du her um dich zu entschuldigen und dann bin ich Schuld?", keifte er zurück. Die Wut spiegelte sich in seinen Augen wieder, und es war einer der vielen Blicke, die ich vermisst hatte.

„Holzkopf!", zischte ich, als ich mich zu ihm runterbeugte und meine Lippen gegen seine drückte. Sofort stieß er mich weg.

„Mach dich nicht über mich lustig!", fauchte er, und seine Wangen wurden dunkler. Mello errötete...Interessant.
„Hatte ich nicht vor..." Abermals drückte ich unsere Lippen zusammen. Er erwiderte nicht, und gerade wollte ich meinen Kopf wegziehen. Tja. Verkackt, Matt.

Er hielt mich an den Haare fest, unsere Lippen nur wenige Zentimeter von einander entfernt.
„Matt...wieso?" Bis jetzt hatte er mir noch keine geklebt...das war ein gutes Zeichen, oder? Ich spürte, wie mein Herz heftig gegen meinen Brustkorb hämmerte, und das Blut durch meine Venen floss. Es war nicht so, dass ich das noch nie gemacht hatte, aber das war das erste mal, dass ich einen anderen Jungen geküsst hatte. Zumal war es Mello. Da hätten es tausend Kerle vorher sein können und-

„Weil ich es wollte...und weil wegen Liebe und so...", flüsterte ich zurück, fühlte mich bei meinen Worten etwas doof, aber legte meine Lippen wieder an seine. Überraschender Weise küsste er mich zurück und ich fing an zu grinsen, mitten in den Kuss hinein.
Ich griff in seine blonden Haare, vertiefte den Kuss und biss ihm sanft in seine Unterlippe. Endlich...wie lange hatte ich schon davon geträumt, das tun zu dürfen?
Ich setzte mich neben ihm auf das Sofa, löste den Kuss nicht. Er öffnete seine Lippen und ich stupste vorsichtig seine Zunge mit meiner an. Er stöhnte ganz leise, und ich grinste noch mehr, griff ihm nur um die Hüfte und zog ihn näher zu mir. Fuck fühlte sich das gut an...

Plötzlich kletterte er auf mich drauf, setzte sich mir rittlings auf den Schoß. Neeein....ich bekam langsam aber sicher einen Steifen.

Nach wenigen Minuten, in denen ich so gut wie atemlos war, spürte ich, wie etwas hartes an meine längst vorhandene Erektion drückte und musste den Kuss stöhnend lösen.

„Sorry...", murmelte er, und ich biss ihm nur leicht in den Hals.
„Da ist nichts, was dir leidtun müsste, Mel...", grinste ich und hob mein Becken etwas an. Überrascht keuchte er auf und riss die Augen auf. Doch bevor ich ihn weiter etwas quälen konnte, machte das Handy in meiner Hosentasche Terror. Genervt stöhnte ich auf.

„Das sind meine Eltern, ist ihr Klingelton. Ich sollte mal kurz rangehen..."

Keuchend zückte ich das Telefon hervor, und räusperte mich.
„...ja?"
Dann ertönte die Stimme meines Vaters, im Hintergrund hörte man die Werbepause des Fernsehers.
„Mail? Ich wollte dir nur sagen, natürlich nur für den Fall, dass im versteckten Doppelboden des Korbes Gleitgel ist. Und vergesst die Kondome nicht die daneben liegen. Schutz beim Geschlechtsverkehr ist das Wichtigste."
„Dad!", beschwerte ich mich durchs Telefon.
„Reine elterliche Intuition. Mach ich gerne, mein Sohn." Und damit legte er auf und ich wunderte mich darüber, dass meine Eltern anscheinend meine Gedanken lesen konnten. Bitte lass das nicht wahr sein...Wieder drückte ich meine Lippen gegen Mellos, und hob ihn am Hintern an. Sofort schlangen sich seine Beine um meine Hüfte, als ich aufstand, und mit Mello und dem Korb in der Hand, ins Schlafzimmer ging... Ich war mir nicht sicher, wie viel in dieser Nacht passieren würde. Und eigentlich war es mir auch egal. Ich würde auf ihn warten, und die Hauptsache war definitiv, dass ich mir keine Gedanken mehr zu machen brauchte.

„Weil wegen Liebe...", flüsterte er gegen meine Lippen, und sah mich mit diesen emotionsgeladenen Augen an, als ich ihn auf sein Bett legte und ich begann zu schmunzeln.


AN: Ohje, ich hoff ich werds nicht bereuen das gepostet zu haben xD Hinterlasst mir eure Meinung, bitte xD

Nochmals frohe Ostern! <3
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