Save me from hell

GeschichteDrama, Fantasy / P16
Captain America / Steven "Steve" Grant Rogers Hawkeye / Clint Barton Iron Man / Anthony Edward "Tony" Stark Loki OC (Own Character) Thor
28.03.2013
12.11.2019
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„Thor hat nicht zufällig gesagt, wo er seine Antworten suchen will, oder?“ Nach einer Weile des Schweigens konnte ich nicht anders und musste nachfragen.
„Manchmal erzählen Kameraden einem nicht alles. Das kommt vor. Zwar hatte ich gedacht, das wir alle uns unter einander immer alles erzählen, aber nun ja.“ Antwortete mir Steve. Eldr hackte derweil auf einen weiteren Baumstamm ein. Nur seine Kiefer mahlten bedächtig.
„Er ist in Asgard. Gib ihm Zeit er kommt wieder.“ Grummelte dieser und schmiss den Abschnitt des Holzes zu Steve. Dieser fing ihn und stellte ihn aufrecht hin, sodass er in weiter zerkleinern konnte. „Genau, man weiß ja nicht, was er gesehen hat. Vielleicht hat es ihn genauso erwischt wie Runa. Wir wissen ja nicht, was die Hexe ihm gezeigt hat.“ Setzte ich dem Drachen nach.
„Ich kam mir vor, als wären wir nichts im Vergleich zu ihr. Der Einzige, dem es so ziemlich egal zu sein schien warst du, Eldr.“ Sagte Steve. Eldr richtete sich auf und sah zu uns rüber. Im Gegensatz zu mir konnte man ihm seine Anstrengung keineswegs ansehen. „Das liegt an unserer Haut. “ Klar. Was gibt es eigentlich auf dieser Welt, was ihm etwas anhaben könnte? Liebe? Nettigkeit? Er nahm ein weiteren Baumstamm und zog ihn zu sich ran.
„An dich ist es auch nicht wirklich heran gekommen, oder?“ Fragte ich Steve. Dieser wollte erneut einen Scheit spalteten, hielt dann aber doch inne und sah zu mir. „Ich habe es mir vielleicht nicht so anmerken lassen. Ist das etwa ein Problem?“ Fragte er mich. Eldr pausierte nun auch seine Arbeit und kam auf uns zu.
„Nun. Es lässt einen doch schon etwas stutzen. Ich traue nun mal keinem, der keine dunkle Seite hat. Nur weil etwas Flügel hat und sprechen kann, muss es kein Engel sein. Das Einzige, was ich in groß mit Flügeln kenn ist ein Drache. So etwas wie Engel, gibt es nun mal nicht.“ Entgegnete ich mit einem Schulter zucken. „Nur weil du etwas noch nicht gesehen hast, heißt es nicht, dass es nicht existiert. Vielleicht habe ich auch eine dunkle Seite und du kennst sie einfach nur noch nicht.“
„Jungs, vielleicht solltet ihr mal runter kommen.“ Kam es nun ausgerechnet von Eldr. „Ist euch denn nicht bewusst, dass Ultron versucht uns auseinander zu reißen? Wenn wir auseinander brechen sind wir für ihn einfacher zu zerstören, als wenn wir weiter ein Team bleiben.“
Ausgerechnet Eldr sagte so etwas. Derjenige von uns der scheinbar bei einer Mücke direkt einen kompletten Krieg beginnen würde. Ausgerechnet er sagt uns wir sollen runter kommen? Hier passte doch etwas ganz und gar nicht.
„Du musst es ja wissen.“ Meinte ich zu ihm. Ein neuer Teil eines Baumes lag vor Steve und wurde zertrümmert. „Wenigstens weiht er uns ein, in das was er vorhat.“ Setzte Steve Eldr nach.
„Bruce und ich, wir haben geforscht. Das ist normal. Forschen. Möglichkeiten entdecken und sie weiter zu entwickeln. Wer hätte ahnen können, dass so etwas daraus entsteht?“ Fragte ich die beiden.
Eldr richtete sich wieder auf. Ich konnte genau sehen, was sein Blick mir sagen wollte. Er wollte so vieles sagen, doch mahlten nur seine Kiefer stark auf einander und seine Augen funkelten bedrohlich. Nur sein Blick traf mich und wollte mich durchbohren.
„Wer hätte ahnen können, dass deswegen das Team auseinander bricht.“ Sprach Steve. In dem  Schlag steckte seine ganze Wut drin.
Jetzt war es vorbei bei mir. „Ist das nicht das Ziel? Das Große und ganze Ziel? Wofür brauchen wir noch ein Team, das die Welt rettet, wenn sie niemand mehr angreifen will? Wenn die Welt so gut beschützt ist? Wer? Sagt es mir.
Wir könnten endlich nachhause kommen! Endlich ankommen. Ruhe und Frieden.“ Platzte es aus mir raus.
Eldrs Blick wurde umso bedrohlicher. „Nach Hause sagst du?“ Sein Zischen war mehr als nur giftig. Ich habe ihn lange nicht mehr so erlebt. „Du weißt was die Konsequenzen davon sind, oder? Wenn wir nach Hause gehen.
Denkst du allen Ernstes, das wenn wir wirklich nach Hause gehen, dass Runa dann zurück zu dir kommt? Das alles wieder so wird wie vorher? Nur weil sie sich nicht daran erinnerst, dass du sie zwei Mal betrogen hast? Falls es dir nicht aufgefallen ist… Sie will dich nicht.“
Er begann zu lachen. „Ihr zu Hause ist der Garten namens Dyrheim. Und das ist in ihrem Kopf eingebrannt. Nicht Midgard. Nicht Kalifornien. Nicht dein hässlicher Tower. Und auch garantiert nicht dein Bett.“
War ich auf ihn zugelaufen? Vielleicht. Starrte ich nun diesem Urzeitwesen direkt in seine roten Augen? Ja, auf jeden Fall. „Vielleicht solltest du aufhören sie zu bevormunden. Sie ist weder deine Tochter, noch in sonst einer Art dein Eigentum. Runa ist in einem Alter, wo sie selbst entscheiden kann, wo und mit wem sie ist. Oder bist du etwa eifersüchtig?“
War Eldrs Blick gerade finster gewesen? Dann war er nun von Hass erfüllt. Ihm traute sich ja sonst niemand endlich mal die Wahrheit zu sagen. Aber ihm musste man einfach mal die Wahrheit sagen. Und es tat verdammt gut es ihm zu sagen.
„Verzeihung?“ Kam es von hinter mir. Langsam drehte ich mich um. Laura Barton stand am Treppenansatz und blickte zu uns her. „Mr. Stark, Clint meinte, dass sie in der Lage wären unseren kaputten Traktor zu reparieren. Wären Sie so freundlich?“ Ich ließ mein Beil sinken. „Ja, ja das ist kein Problem. Wo steht er?“ Fragte ich. „Da drüben in der Scheune.“ Sie deutete nach hinten.
Mit schnellen Schritten setzte ich mich in Bewegung und ging auf die Scheune zu. Mit voller Wucht schlug ich im Vorbeigehen mein Beil in einen dicken Baumstamm. Das schwere Scheunentor knarrte, als ich es zur Seite schob. Hinter einem Berg Heu sah ich das alte Schätzchen stehen. Der Staubschicht nach zu urteilen wurde er schon länger nicht bewegt.
„Was stimmt denn mit dir nicht? Magst du mir das vielleicht sagen? Ich kann dir bestimmt helfen.“ Meinte ich zu dem Traktor und legte meine Hand auf ihn. „Tun Sie mir bitte einen Gefallen und erwecken Sie ihn auch nicht noch zum Leben.“ Kam es von einer vertrauten Stimme rechts von mir.
Ich seufzte und sah mir den abgeblätterten Lack des Traktors an. Der Traktor wurde vom Rost in fester Hand gehalten. „Mrs. Barton, sie kleine Verräterin.“ Flüsterte ich zu mir.
Schnell drehte ich mich zu der Stimme um. Am anderen Ende der Scheune stand Nick Fury. Neben ihm ragte ein großer, schwarzer Wolf in die Höhe. Dieser hatte seinen Kopf gesenkt und sah zu mir, dann zur Tür.
„Hill hat Sie bestimmt her geschickt, nicht wahr? Wann arbeitet diese Frau mal nicht für Sie? Hat sie überhaupt noch ein eigenes Leben?“ Der Wolf zog den Duft der Umgebung ein und begann zu jaulen. „Du kannst ruhig zu deinem Freund.“ Sagte Fury zu dem Wolf, der direkt los lief.
„Künstliche Intelligenz… Haben Sie gerne Gott gespielt? Sie haben ja noch nicht einmal eine Sekunde gezögert.“ Abermals seufzte ich. Musste er jetzt auch noch damit anfangen? „Hören Sie. Ich bin müde, es war ein sehr langer Tag, als würde man den Hobbit und Herr der Ringe in der Extended Version direkt nach einander sehen. Also bringen Sie sich vielleicht doch einfach ein. Ich habe keine Lust darauf, Ihnen alles aus der Nase zu ziehen.“ Gab ich meinem Missmut freien Lauf.
„Stark. Sehen Sie mir ins Gesicht und sagen Sie, dass Sie dieses Ding abschalten werden.“ Auch seine Stimme klang müde. „Sie vergessen da aber eine Tatsache, Fury. Sie waren und sind nicht mein Boss.“ Ich hielt seinem Blick stand.
„Im Grunde bin ich von Niemanden der Boss. Falls Sie es vergessen habe, eigentlich bin ich tot.“ Er setzte sich auf einen Heuballen und blickte mich an. „Aber ich bin ein alter sentimentaler Mann. Mir liegt einiges an Ihnen und an den anderen da draußen.
Was in Afrika passiert ist, ging nicht ohne Spuren an mir vorbei. Mir hat es im Herzen wehgetan, zu erfahren, was die mit Runa gemacht haben.“ Er hielt einen Moment inne und sah zur Scheunenwand. „Sie kann sich immer noch nicht erinnern?“ „Sie ist immer noch bewusstlos.“ Antwortete ich ihm. „Aber nein, erinnern kann Sie sich immer noch nicht.“
Er schwieg erneut. „Ich hätte sie beschützen müssen. Sie alle. Ich hab es gesehen, wissen Sie. Sie alle sind wegen mir gestorben. Jeder einzelne meiner Freunde ist wegen mir gestorben. Und ich habe ihnen nichts gesagt.
Mir scheint es, als würde ich dazu verdammt sein immer das zu verlieren, was ich eigentlich nicht verlieren möchte. Aber dieses Mal geht es nicht darum, dass ich meinen Sohn verloren habe oder meine Frau. Ich habe sogar diese Welt verloren.“ Ich lehnte mich an den Traktor an und sah auf den dreckigen Scheunenboden.
„Ich… Ich wollte diese Welt beschützen. Sie sicherer machen. Damit nicht mehr Familien ihre Kinder verlieren. Wissen Sie, ich werde jeden Tag an meinen Verlust erinnert. Als wäre jemand neben mir und würde es mir ständig entgegen schreien. Ich musste zum zweiten Mal meinen Sohn beerdigen. Wissen Sie, wie sich das anfühlt? Sein Kind zu Grabe zu tragen?
Dann verlor sie sich selbst.
Ich habe nicht nachgedacht. Ja, man kann es sagen, dass ich noch nicht dafür bereit war. Aber ich wollte diese Welt besser für sie machen. Es ist mein Fehler, dass das alles hier passiert, weil ich nicht bereit war, alles zu geben.“
„Ich rate ins Blaue und behaupte, dass Sie nicht nur das gesehen haben. Die kleine Maximoff spielt mit Ihren Ängsten. Und ich wette da war mehr. Bei weitem mehr.“
Kurz blickte ich zu ihm auf. „Nachdem ich meine Freunde dort liegen hab sehen, fiel ich. Ich fiel in ein schwarzes Loch. Es war das, was ich jeden Tag sehe. Dass ich alleine bin und meine Familie verloren habe…“ Ich sah wieder auf den Boden. „Das sie ohne mich glücklich ist
Sie hat mich nicht rein gelegt, sie hat mir mein Leben gezeigt. Die Wirklichkeit. Wozu braucht sie dann noch meine Ängste? Ich habe mein Leben selbst weggeworfen, da braucht sie keine Illusionen.“
Fury stand auf und trat einen Schritt auf mich zu. „Stark. Sie haben so viele Dinge erfunden und geschaffen. Sie sind kein Mensch für den Krieg. Weder den mit Waffen, noch den in Ihnen selbst.“
Ich drehte mich zu dem Traktor um und beschäftigte mich mit der Staubschicht. „Das Schlimmste daran war noch nicht mal das ich meine Freund habe dort liegen sehen…“ „Es ist, dass Sie nicht gestorben sind.“ Sprach Fury meinen Gedanken aus.
Wortlos sah ich ihm in sein Gesicht.

-Sichtwechsel-
Als ich mit allem fertig war, zog ich mich an und ging die Treppe hinab. Einige der Stufen knarzten. Kaum war ich unten angekommen, stand Havard vor mir. An seinen Armen klebte der Schaum von Spülmittel. Hier und da tropfte er etwas auf den holzigen Boden.
„Es ist wirklich sehr schön, dass du wieder wach bist. Ich habe mir schon Sorgen um dich gemacht.“ Kam es von ihm. Auf seinem Gesicht war Erleichterung zu sehen. Kurzerhand ging ich zu ihm und umarmte ihn. „Das ist lieb von dir, dass du dir Sorgen meinetwegen machst.“ Antwortete ich ihm.
„Wo sind wir hier eigentlich?“ Flüsterte ich ihm entgegen. Ich hatte Angst, dass ich jemanden mit der Frage verletzten könnte. „Wir sind bei Clints Familie. Die Frau, die dir die Sachen ins Bad gelegt hat ist seine Ehefrau und heißt Laura.“ Kam es von ihm als Antwort.
Für einen Moment stutzte ich. „Aber ich dachte… Ich war der Meinung ihr Name wäre Ranaa.“ Sagte ich nach einer Weile des Überlegens. „Nein, nein. Also Ranaa kanntest du auch. Aber sie ist es nicht. Es könnten Zwillinge sein, sind es aber nicht.“
„Oh… Ich war felsenfest der Überzeugung gewesen, dass ich sie kenne.“ Man konnte die Enttäuschung in meiner Stimme förmlich hören. „Das stimmt schon. Du kennst sie auch als Laura. Du hast sie damals sogar Clint vorgestellt.“ Da waren meine Kopfschmerzen wieder… Ich verfluchte meinen Gedächtnisverlust.
Als ein größerer Teil seines Schaumes auf dem Boden landete, blickte nun auch Havard auf den Boden. „Ich bin gerade am Spülen… ehm… wenn du mitkommen willst?“ Fragte er mich und sah weiter auf den Schaum, der langsam kleiner wurde. Dann blickte er auf. „Du kannst aber auch raus gehen. Das ist kein Problem. Da gibt es einen wirklich sehr schönen See.“ Als er in die Richtung deutete verabschiedete sich wieder ein Teil des Schaumes.
Unschlüssig, ob ich gehen oder bleiben sollte, sah ich durch die Haustür heraus. Eldr hatte, das erste Mal in der ganzen Zeit, keinen Anzug an. Er stand draußen vor dem Haus in einem Sportshirt und einer schwarzen Jeans und sah ebenfalls rein. Seine Augen glühten förmlich und riefen nach mir.
„Ich glaube, ich gehe kurz raus.“ Meinte ich zu Havard und setzte mich in Bewegung. Draußen blendete mich die Sonne. Es dauerte einen Moment, bis ich mich an die Helligkeit gewöhnt hatte.
Eldr starrte mich immer noch an, als würde er mich gleich fressen wollen, auch wenn ich wusste, dass er es nicht machen würde. Mit dem Anstarren war er jedoch nicht ganz alleine. Steve und Laura sahen ebenso zu mir rüber.
Zur Begrüßung hob ich kurz die Hand. „Gut, dass du da bist. Wir müssen uns noch überlegen, wie wir das mit den Betten und den Zimmern regeln.“ Begann Laura. „Also, was mich angeht, ich habe damit kein Problem auf dem Boden in der Scheune zu schlafen.“ Kam es von Eldr, der nun wieder auf Laura sah. „Ich denke Havard wird auch da schlafen. Dann kann ich ja auch mit euch in der Scheune schlafen. Havard ist in seiner Hirschform ja eh so bequem wie ein Bett, da wird es mir nicht viel ausmachen.“ Sagte ich zu Eldr.
Unterbrochen wurde ich von einem lauten Jaulen. Sofort sah ich hoch. Dem Jaulen folgte das laute Trommeln riesiger Pfoten auf dem Boden. Aus der Scheune kam ein riesiger Wolf auf uns zu gerannt. Es war eindeutig Vitnir.
„Wenn sich Havard und er verstehen sehe ich darin kein Problem.“ Kam es von Laura, die zu dem Wolf sah, der mit einem freudigen Schwanzwedeln an Steve schnupperte. „Da sehe ich das kleinste Problem drin.“ Antwortete Steve, der seine Axt aus der Hand legte und seinen Wolf begrüßte. Man konnte ihm direkt ansehen, wie sehr er sich über die Anwesenheit seines Wolfes freute.
„Das Essen könnte aber etwas knapp werden.“ Clint begutachtete den Wolf. Erst jetzt fiel mir auf, dass er und ein Junge neben mir standen. „Hey, Tantchen.“ Kam es von dem Jungen. „Hey Großer.“ Sagte ich und wuschelte ihm durch die Haare, um mir nicht anmerken zu lassen, dass ich mich in keiner Weise an ihn erinnerte.
„Kein Problem, ich gehe etwas jagen. Da drüben ist ein Wald, da wird ich bestimmt etwas für den Großen und uns finden.“ „Ich begleite dich.“ Steve hatte sich wieder zu uns umgedreht. „Dann kann Vitnir auch ein bisschen laufen, da freut er sich bestimmt drüber.“ „Okay, ich hol dir eben ein Gewehr.“ Laura drehte sich um und verschwand im Inneren des Haus.
„Kann ich wohl mitkommen?“ Kam es von dem Jungen. Ich sah von dem Jungen zu Clint, der mir zu nickte. „Ja, das ist kein Thema. Vielleicht kannst du ja dann auch auf dem Wolf reiten?“ Sagte ich zu dem Jungen. Sofort begannen seine Augen zu strahlen. Vitnir kam auf den Jungen zu. Ich hob Clints Sohn auf den Rücken des Wolfes. „Und gut festhalten.“ Ermahnte ich ihn. Sofort griff er in das Fell des Wolfes.
Laura kam mit einem Gewehr in der Hand wieder nach draußen. Sie reichte es mir und deutete in die Richtung des Waldes. „In dem Wald dort drüben gibt es auf jeden Fall einige Tiere. Clint schießt normalerweise Rehe, aber in Anbetracht der Tatsachen sollten wir vielleicht darauf verzichten.“
Ich nickte kurz und blickte in die jadefarbenen Augen des Wolfes. Er wartete nur förmlich auf den Startschuss. Aber wenn es dort Rehe gab, wird es auch dort etwas anderes geben, was man essen kann.
Mit einem Sprung nahm ich alle Treppenstufen auf einmal und stand neben Steve. Ein Blick in seine Augen ließ mich für eine Sekunde an den Traum denken. Wie mein Blut an ihm klebte. Wie er schrie. Dieser Gesichtsausdruck von ihm…
Hatte sie ihn ebenso erwischt, wie mich? Mir schien, als wäre er jetzt auch mit Angst gefüllt. Vor allem sein Blick. Widerwillig riss ich mich von seinem Blick los und begann zu gehen. Vitnir begann neben Steve und mir her zu traben.
Schweigend gingen wir eine Zeit nebeneinander her. Steve sah die ganze Zeit aus, als würde er ein Gespräch anfangen wollen, doch ihm würden die Worte fehlen. Er biss sich gefühlt die ganze Zeit auf der Zunge herum.
Vitnir lief etwas vor uns her. Clints Sohn machte es sichtlich Spaß auf diesem Wolf zu reiten. Ich kann ihn verstehen, das eine Mal wo ich auf Havard geritten bin, ging es mir genauso. Auf Pferden konnte jeder reiten, doch auf einem riesigen Wolf. Das war etwas Besonderes.
„Es gibt hier Wildschweine.“ Sagte ich nach einer Weile zu dem Stadtjungen und deutete auf die Spuren im Schlamm vor uns. Schnell hockte ich mich hin und berührte die sie. Die Spuren waren noch nicht sehr alt.
„Du warst noch nie jagen, oder?“ Fragte ich und blickte von den Spuren auf. „Eh, nein nicht wirklich. Ich hatte es bis jetzt noch nie wirklich gemusst.“ Meinte Steve. „Im Grunde ist das Spurenlesen einfach.“ Ich bedeutete ihm sich neben mich hinzuhocken.
„Hier auf diesem Boden kannst du super die Umrisse erkennen. Diese langen Abdrücke sind die ‚Schalen‘. Die beiden kleinen sind die ‚Afterklauen‘. Je tiefer der Abdruck ist, desto schwerer ist das Tier. Die Spuren sind auch relativ groß. Also gehe ich davon aus, dass es sich um ein großes und schweres Tier handelt. Wahrscheinlich ein Eber. Ich schätze ihn jetzt mal so um die 200-250 Kilo und ca. eine Schulterhöhe von einem Meter.
Aber du kannst hier ja auch kleinere nicht so tiefe Spuren sehen. Also handelt es sich hier entweder um einen Wildwechsel oder um eine Rotte, also einer Gruppe von Wildschweinen. Aber da die Spuren nur in eine Richtung gehen, wird es sich hier um eine Rotte handeln, die hier vorbei gezogen ist.“
Ich richtete mich auf und ging auf einen Baum zu, an dem die Rinde sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde. Wir waren hier eindeutig richtig. „Wir finden hier definitiv etwas für uns.“ Lächelte ich. Steve war nun auch aufgestanden.
Wir gingen gemeinsam weiter und folgten den Spuren. Vielleicht liefen wir noch ein oder zwei Stunden weiter. Wenigstens hatten wir jetzt ein Gesprächsthema.
Nach einer Weile kamen wir zu einer Senke. Im Inneren dieser Senke konnten wir die Rotte sehen. Drei Schweine waren offensichtlich zusehen, die sich im Schlamm suhlten. Doch hören konnte man vielleicht fünf.
Der Wind stand gut und sie hatten uns noch nicht gerochen. Ich gebot unserem kleinen Trupp halt und legte an. Durch das Ziel Rohr konnte ich die Wildschweine besser sehen. Vielleicht war der Eber auch etwas größer als 250 Kilo. Das Fadenkreuz ruhte auf dem Blatt des Ebers.
„Versuch du es mal Steve.“ Flüsterte ich. Mit diesen Worten reichte ich ihm das Gewehr. „Aber ich kann doch gar nicht schießen. Was ist, wenn wir dann gleich gar nichts haben?“ Antwortete er und wollte sich sträuben. „Ach was. Das schaffst du schon.“
Ich stellte mich neben ihn und hob seine Arme mit dem Gewehr an. „Siehst du das Kreuz? Versuch damit über den Vorderlauf des Schweins zu zielen.“ Meine Hand stupste seine etwas weiter nach oben, wo ich merkte, dass seine Hand leicht zitterte. Also stellte ich mich ein bisschen weiter hinter ihm hin, sodass meine Hand seine und das Gewehr ebenso festhielten.
„Du schaffst das. Ich helfe dir.“ Flüsterte ich, stellte mich auf meine Zehenspitzen und blickte über seine Schulter. Irgendwie war es mir so gar nicht unangenehm so eng bei ihm zu stehen… Seinen Duft ein zu atmen… Ich konnte sogar einen Puls fühlen. „Atmete am besten einmal tief ein und aus, dann kannst du besser schießen.“ Meinte ich.
Dann kam der Schuss. Der Eber fiel vorne rüber in den Matsch, indem er sich zuvor noch gesuhlt hatte. Ein guter Schuss. Aufgeregt und alarmiert liefen die anderen Schweine nun umher. Steve ließ langsam das Gewehr sinken.
Der Wolf sprang die Senke hinab. Nun liefen die Schweine in die andere Richtung davon und waren hinter einem kleinen Hügel verschwunden. Ich nahm Steve das Gewehr ab und ging ebenso die Senke hinab.
Vor dem Eber beugte ich mich hinab. Der Schlamm hatte eine Rote Schicht nun abbekommen. „Danke Eber, dass du für uns dein Leben gelassen hast. Wir danken dir von ganzen Herzen.“ Sagte ich dem toten Schwein entgegen. Hören konnte es mich jedoch nicht mehr, sein Geist war schon längst fort.
Steve stellte sich neben mich hin. Ihm schien ein wenig mulmig dabei zu sein. „Das hast du gut gemacht.“ Sagte ich zu ihm. „Wirklich. Für deinen ersten Schuss und auf der Entfernung.“ Schnell war das tote Schwein auf dem Rücken des Wolfes fest gemacht. Der Junge saß nun auf dem Hals des Wolfes, hatte aber dennoch genug Platz für sich. Anschließend drehten wir um und begannen unseren Marsch heimwärts.
„Du hast dich bei dem Tier bedankt. Wieso?“ Fragte mich Steve nach einer Weile. „Ich finde es dem Tier gegenüber nur gerecht.
Wir nahmen sein Leben, also müssen wir uns auch dafür bedanken, dass es dieses Opfer für uns gebracht hat. Fleisch wächst nun einmal nicht an Bäumen und das sollten wir uns möglichst immer in Erinnerung behalten.“
Am Bauernhof wieder angekommen, ging schon langsam die Sonne wieder herab. Steve und ich scherzten noch darüber, wie schnell die Zeit eigentlich verflogen war. Laura stand mit einem Lächeln draußen und erwartete uns schon sehnsüchtig.
Das Fleisch vorbereiten ging ebenso schnell. Mit einer Schüssel voller Fleisch kam ich in das Bauernhaus und stellte die Schüssel zu Laura in die Küche. Am Kühlschrank hing ein kleines Ultraschallbild. Darauf zu sehen war ein kleines Baby.
„Wisst ihr schon was es wird?“ Fragte ich nach dem ich mir das Bild genauer angesehen hatte. „Oh ja. Es wird wieder ein Junge.“ Sagte Laura und bereitete das Fleisch zu. „Ich mag Jungs. Wenn ich ein Kind bekommen würde, wünschte ich auch, dass es ein Junge werden würde.“ Sagte ich fröhlich und drehte mich zu ihr um.
„Du hast es ja dann auch schon bald geschafft, oder?“ Ich nahm mir eine Kartoffel und begann sie zu schälen. „Ja. Es ist die 36te Schwangerschaftswoche. Es kann quasi bald jeden Moment losgehen.“ Das Lächeln auf Lauras Gesicht wurde nur breiter.
„Wollen Steve und du… auch bald ein Kind bekommen?“ Mir flutschte die Kartoffel aus der Hand und ich schnitt mich mit dem Messer in den Finger. Augenblicklich steckte ich mir meinen Finger in den Mund. Der Geschmack von Metall bereitete sich auf meiner Zunge aus. Das Rot meines Blutes glänzte an dem Metall des Messers.
Laura blickte sofort auf und reichte mir ein Küchentuch. „Oh Verzeihung, ich wollte dir nicht zu nahe treten, aber du hast Raginhari so geliebt, da dachte ich…“ Schnell nahm ich das Küchentuch und wickelte es um meinen Finger. Es verfärbte sich sofort ins Rot. Also scharf war das Messer.
„Steve und ich wir sind nicht… zusammen.“ Sagte ich nach einer Weile, die ich auf das Küchentuch gestarrt hatte.
R… Raginhari… Irgendwo her kannte ich diesen Namen…
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