Versprochen

KurzgeschichteFamilie / P6
Fili Kili Thorin Eichenschild
27.03.2013
27.03.2013
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Titel: Versprochen

Autorin: Vive La Nuit

Disclaimer: Die Rechte an den Figuren liegen allesamt bei J.R.R Tolkien und seinen Erben, mir gehören sie nicht und ich verdiene mit dieser Geschichte kein Geld.

Inhalt: Thorin ist krank. Und Kíli und Fíli haben ihre ganz eigene Art, dagegen etwas zu unternehmen.



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Es ist … eine Gutenachtgeschichte. lida hat mich dazu überredet, es online zu stellen, obwohl es glaub ich das kürzeste ist, was ich jemals hochgeladen habe.

Aber vielleicht gefällt es euch ja auch :-)



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Versprochen


*

Für lida




Kíli war mucksmäuschenstill.

Er kauerte an der gegenüberliegenden Wand von Thorins Tür auf dem Boden, das kleine Holzschwert, das sein Onkel ihm geschenkt hatte, dicht an sich gedrückt.

„Warum dauert das so lange?“, wisperte er.

Fíli, der neben ihm saß und unruhig an seiner Unterlippe nagte, zuckte die Schultern, antwortete aber nicht.

In diesem Moment ging die Tür zu Thorins Schlafgemach auf. Fíli sprang auf die Füße und Kíli tat es ihm nach, auch wenn er sich eher hinter den Beinen seines älteren Bruder verkroch.

„Er braucht Ruhe“, hörte Kíli Meister Óin zu ihrer Mutter sagen. „Und er soll das hier zu sich nehmen, jede Stunde drei Tropfen.“

Dís schnaubte. „Er ist stur wie ein Esel, er wird morgen wieder über seinen Schriftrollen brüten wollen.“

„Das sollte er tunlichst vermeiden, wenn er wieder gesund werden will. Mit seinem Husten und dem Fieber ist nicht zu spaßen“

„Was hat Onkel Thorin denn?“, Fílis helle Stimme riss ihre Mutter und den Heiler aus ihrem Gespräch und Kíli versteckte sich noch ein bisschen mehr hinter Fíli, als er Dís strengen Blick bemerkte. Ihre Mutter hatte sie angewiesen, im Bett zu bleiben.

Dís entließ Meister Óin mit einem dankbaren Nicken, dann wandte sie sich Kíli und Fíli zu, kniete sich vor ihnen auf den Boden. „Hatte ich euch nicht gesagt, dass ihr auf eurem Zimmer bleiben sollt?“, wollte sie wissen.

Kíli senkte beschämt den Kopf und aus den Augenwinkeln sah er, dass auch Fíli verlegen die Schultern hob. „Wir wollen doch nur wissen, wie es Onkel Thorin geht.“

Einen Moment lang war es still, dann seufzte Dís. „Er wird wieder gesund werden, aber dafür muss er auf das hören, was Meister Óin ihm sagt“, erklärte ihre Mutter und sie klang immer noch verärgert. Dann aber strich sie Kíli kurz über den dunklen Haarschopf und küsste Fíli auf die Wange. „Und ihr hört auf das, was eure Mutter euch sagt, und verschwindet jetzt in euren Betten.“

Und tatsächlich hatte Dís wenig später dafür gesorgt, dass Kíli und sein Bruder wieder unter ihren weichen Decken lagen. Kaum hatte sie jedoch die Kerzen gelöscht und die Tür hinter sich zugezogen, krabbelte Kíli aus seinem Bett und huschte zu Fíli hinüber, kletterte dort auf die weichen Felle und kuschelte sich an seinen Bruder.

„Glaubst du wirklich, Onkel Thorin hört nicht auf das, was Meister Óin zu ihm sagt?“, fragte Kíli nach einer Weile leise.

Fíli zuckte die Schultern. „Ich weiß es nicht.“

„Aber dann wird er doch nicht gesund!“

Dazu schwieg Fíli und Kíli biss sich auf die Lippe. Sein Onkel musste unbedingt wieder gesund werden.

„Komm mit“, flüsterte er, doch er war kaum aus Fílis Bett gestiegen, da hielt sein Bruder ihn fest.

„Wo willst du denn hin? Du hast doch gehört, was Mutter gesagt hat!“

„Komm einfach!“

Und tatsächlich stolperte Fíli hinter Kíli her, als Kíli das Handgelenk seines Bruders packte und ihn hinter sich herzog. Auch draußen auf dem Flur war nun alles dunkel und die beiden Zwerglinge schlichen leise über den dunklen Holzboden, bis sie vor Thorins Schlafgemach standen.

„Was willst du hier?“, zischte Fíli.

„Ihm sagen, dass er gesund werden muss“, bei diesen Worten drückte Kíli den gusseisernen Griff hinunter und stemmte sich gegen die Tür, bis sie aufging. Sie quietschte nicht, knarzte auch nicht über den Boden, sodass die beiden Zwerglinge ganz unbeobachtet blieben, bis sie links und rechts neben Thorins Bett standen.

Kíli zögerte einen Moment, doch dann zog er sich nach oben auf die weichen Kissen und Felle und schmiegte sich eng an seinen Onkel – der zusammenzuckte und aus dem Schlaf hochfuhr, als er so dicht neben sich eine Bewegung spürte.

„Was …!“, begann er, stieß aber dann die Luft aus, als er Kíli erkannte, der neben ihm kauerte. „Kíli …“, sein Blick huschte nach rechts, wo Fíli noch immer stand und seinen Onkel unsicher anschaute. „Fíli … was macht ihr hier, ihr solltet schlafen …“

Kíli hob den Kopf. Onkel Thorins Stimme klang anders als sonst, rauer und viel zu müde. Und er sah auch müde aus und blass. „Wir schlafen bei dir“, verkündete er.

Über die Lippen seines Onkels flackerte ein Lächeln. „Dann werdet ihr auch krank“, seine eine Hand streichelte durch Kílis Haare, mit der anderen griff er nach Fíli und forderte ihn auf, ebenfalls auf das Bett zu klettern.  „Und das will ich nicht.“

„Mutter sagt, du musst auf Meister Óin hören“, sagte Fíli jetzt leise, seinen Kopf hatte auf Thorins Schulter gelegt. „Sonst wirst du nicht gesund.“

„Und sie sagt, du bist stur wie ein Esel“, fügte Kíli hinzu.

Thorin schnaubte. „Sagt sie da, ja?“, brummte er.

Kíli nickte, dann schaute er wieder auf, seine kleinen Finger schlangen sich in den Stoff an Thorins Kragen. „Aber das bist du nicht, Onkel, oder?“, fragte er leise. „Du … machst das doch, damit du wieder gesund wirst?“

„Und du … arbeitest morgen nicht schon wieder, oder?“, Fíli klang unsicher. „Meister Óin sagt, sonst wirst du noch viel kränker.“

Und jetzt musste Thorin lächeln. Er hob die Decke an, sodass seine beiden Neffen darunter kriechen konnten, dann zog er Fíli wieder an sich und griff in Kílis dunklen Haarschopf, als der Jüngere sich erneut an ihn gekuschelt hatte.

„Glaubt ihr, es hilft, wenn ich auf Meister Óin höre?“, fragte er, zweifaches eifriges Nicken war die Antwort.

Liebevoll schaute er auf seinen beiden Neffen hinab und das zärtliche Gefühl in seiner Brust zerriss ihn beinah.

„Dann werde ich das wohl tun …“

Und wenn er die nächsten drei Wochen hier lag.

„Wirst du dann wieder gesund?“, wisperte Kíli.

„Ja, das werde ich“, sanft drückte er zunächst Kíli, dann Fíli einen Kuss auf die zersausten Haare. „Versprochen.“