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Alle für einen, jeder für sich selbst...

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12
D'Artagnan
27.03.2013
24.07.2013
15
18.756
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27.03.2013 1.096
 
So leise wie möglich schloss ich die Tür zu meinem Zimmer. Es war bereits stockdunkel draußen und es viel kein Licht durch die großen Fenster an denen ich vorbei eilte. Ich erreichte die große, marmorne Treppe die von der Oberen Etage unseres Hauses in  die darunterliegende Eingangshalle führte. Schnell zog ich meine Schuhe aus und schlich barfuß über den kalten Stein. Unten angekommen durchquerte ich das Foyer. Große Gemälde schmückten  die Wände rechts und links von mir.

Vor einem dieser Gemälde blieb ich stehen. Es zeigte meine Familie. Meine Mutter war auf der linken Seite des Gemäldes abgebildet, ihre Augen funkelten vor Freude und lebhaftigkeit, und verliehem dem grün einen ganz besonderen Reiz, rechts neben ihr, mein Vater. Sein Blick war etwas ernster, jedoch durchwirkt von Freude und Stolz. Ein Lächeln, wie nur Geschäftsmänner es haben konnten, zierte seine Lippen. Sein rechter Arm ruhte am Rücken meiner Mutter. Sie hatten, seit ich mich zurückerinnern kann, immer schon ein liebevolles Verhältniss zueinander gehabt.  Dann glitt mein Blick hinüber zu der dritten Person auf dem Bild, mir. Ich trug ein nachtblaues Kleid,und meine dunkelblonden Haare fielen offen, und in sanften Locken über meine Schultern. Ich lächelte,etwas dass weder ich, noch mein Vater in letzter Zeit oft taten.

Ich schüttelte den Kopf.Ein Blick nach rechts, ein Blick nach links. Keiner da.Erleichtert atmete ich aus. Wie konnte ich einfach so stehen bleiben? Wollte ich etwa erwischt werden? „Nein ganz sicher nicht…“ flüsterte ich mir leise zu. Dann lief ich weiter.

Ich bog ab in einen Flur. Ein paar Schritte noch. Stehen blieb ich vor einer großen, hellbraunen Tür. Ich öffnete sie und trat herein. Unwillkürlich umhüllte mich der Duft weißer und roter Rosen. Mein Lieblingsduft, genau wie der meiner Mutter. Leise schloss ich die Tür. Einen Moment lang hielt ich den Atem an und lauschte. Da war ein Geräusch gewesen. Ich verharrte einen Augenblick lang beschloss dann aber dass ich mich wohl verhört haben musste.

Zügig durchquerte ich den Raum,ich hatte schon genug Zeit mit Erinnerungen und nachdenken vergeudet. Vor dem großen Spiegel in der linken ,hinteren Ecke blieb ich stehen. Ich streckte die rechte Hand aus und fuhr damit über den versilberten Rand des Spiegels. Bei einer mir nur allzu bekannten Einkerbung stoppte ich. Ich drückte darauf und ein leises Rattern ertönte hinter dem Spiegel. Klack!
An der linken Seite des Spiegels öffnete sich ein Spalt, gerade breit genug um hindurchzuschlüpfen. Dies tat ich auch, und fand mich in einem dunklen Gang wieder.
Der Geruch von kühlem, nassen Stein empfing mich, und ich vernahm  das hallende Geräusch meiner Schritte. Ich lief geradeaus. Es war so dunkel das ich nicht mal meine Füße sah, wenn ich auf den Boden schaute,geschweige denn das was vor mir lag. Ich fröstelte leicht. „Vielleicht hätte ich doch etwas anderes anziehen sollen als einfach nur mein Nachtkleid“ dachte ich. Doch umkehren war definitiv keine Option. „Zu riskant“ sagte ich zu mir selbst. Das Hallen, das meine Schritte begleitet hatte wurde dumpfer, und verklang schließlich als ich vor einer schon etwas morschen Holztür zum stehen kam. Ich fackelte nicht lang, sondern stieß die Tür auf und betrat den Raum.„Mein Versteck“, dachte ich, „meine Zuflucht, von der kein anderer Mensch weiß“. Ich schmunzelte. Es stimmte , niemand kannte diesen Ort außer mir, und daran sollte sich auch nichts ändern.
Mithilfe eines Streichholzes entzündete ich die ,auf einem Tisch in der Mitte des Raumes stehende, Öllampe, und warf den Rest des kleinen Stück Holzes in einen Eimer voll Wasser, damit dieses keinen Schaden anrichten konnte. „Das würde mir noch fehlen,mein eigenes Versteck abfackeln“ sagte ich laut und erschrack etwas über meine Wortwahl. Cathrina! ermahnte ich mich selbst,sowas durfte mir in der Gesellschaft anderer Adeliger nicht rausrutschen.Ich stellte mir die Gesichtsausdrücke vor wenn ich vor ihnen stehen würde, und in der Pariser Alltagssprache vor mich hin fluchte. Ich musste ein kichern unterdrücken. Wahrscheinlich würde mein Vater ausrasten, und meine Mutter, sie würde ihr Gesicht hinter einem Fächer verbergen damit ja niemand sieht wie sehr sie sich zusammen reißen musste um nicht laut loszulachen. Plötzlich fiel mir auf das ich immernoch halbnackt in meinem Versteck stand  und  schon wieder in Gedanken versunken war. Leise vor mich hinfluchend, nahm ich meine Sachen aus dem Regal ,die die ich trug  wenn ich als Diebin unterwegs war. Zum größten Teil waren sie praktischer und, da das meiste schwarz war, auch unauffälliger.
Schnell schlüpfte ich in die eng anliegende, schwarze Lederhose und die dazu passenden Stiefel. Danach zog ich mir eine  dunkelblaue Bluse über den Kopf,  die Ärmel ließen meine Schultern unbedeckt und pluderten sich leicht auf. Darüber zog ich eine Corsagen-Artige, schwarze Lederweste. Zum Schluss umhüllte ich meine Komplette Gestalt  mit einem ebenfalls schwarzen Umhang und setzte mir eine dunkle, mit Spitze verzierte Maske auf , die meine gesamte obere Gesichtshälfte verdeckte. Schnell sah ich in einen Spiegel , der an der Wand lehnte, und überprüfte  noch schnell  ob alles richtig saß. Nachdem das erledigt war fehlte nur noch eins: meine Waffen, und ich meine nicht die einer Frau, sondern echte Waffen. Ich öffnete eine Kiste die an der Wand stand, und holte nacheinander einen Degen, einen Dolch, drei Wurfmesser und eine Pistole heraus.
Den Degen band ich an meinem Gürtel fest, den Dolch und die Pistole, die kaum größer war als meine Hand, ließ ich in zwei versteckte Taschen in meiner Hose gleiten. Die Wurfmesser fanden ihren Platz in einer Tasche , die an meinem Gürtel befestigt war. „Fertig!“ sagte ich voller  enthusiasmus, und betrachtete mich erneut im Spiegel. Meine grünen Augen blitzten vor Vorfreude auf diese Nacht.
Nun wollte ich keine Zeit mehr verlieren.  Durch einen Kamin-Artigen Schacht kletterte ich auf das Dach unseres Hauses. Oben angekommen blickte ich umher, hinweg über die die zahlreichen Dächer von Paris. Ich lächelte.Mit ein wenig Anlauf sprang ich hinüber auf das Dach direkt neben unserem Haus. Eine Woge voll Adrenalin überkam mich und kitzelte in meinen Beinen, Armen, Fingern. Einfach überall! Das Rauschen des kühlen Nachtwindes drang hinauf zu meinen Ohren, zusammen mit den Geräuschen aus einem naheliegenden  Wirtshaus. Gegröle, Lachen und das klirren von Bierkrügen. Unter mir auf der Straße liefen ein Mann und eine Frau Händchen haltend vorbei, und verschwanden in einem der kleineren weniger prachtvollen Häuser. Sprung! Ich landete auf einem anderen Dach. Ich dachte nicht mehr an Zuhause. Ich dachte nicht mehr an meinen Vater. Selbst an meine Mutter, die zwei Tage nach meinem 17. Geburtstag getötet wurde, dachte ich nicht mehr. Mein Kopf war frei von allen Gedanken, von allen Sorgen und Ängsten. Und ich war es auch.
Frei!
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