Die Verwandlung - Mögliche Fortsetzung

von Eralie
KurzgeschichteAllgemein / P12
24.03.2013
24.03.2013
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Eine Arbeit, die wir in der Schule mal als Hausaufgabe auf hatten.
Da dachte ich mir: Stell's rein, vielleicht interessiert es ja jemanden. :D
Es ist nur meine Vorstellung von einer möglichen Fortsetzung vom Ende, also wäre schon nützlich, wenn man den Rest der Geschichte kennt.
Viel Spaß beim Lesen. Ich würde mich auch über eure Meinung freuen.


Franz Kafka „Die Verwandlung“
Mögliche Fortsetzung


Als gerade Herr Samsa, Frau Samsa und Grete wieder das erste Mal seit Monaten einen freien und ruhigen Moment als Familie genossen, passierte etwas Erstaunliches in ihrer Wohnung.

Die Bedienstete hatte veranlasst, dass sich Ungezieferbekämpfer um Gregors leblosen Körper kümmern sollten, das heißt, sein Körper war noch in der Wohnung der Familie Samsa. Allerdings sollte es nie dazu kommen ihn zu beseitigen.

Durch den vermeintlich leblosen Körper ging ein Ruck und der Fluch fiel von ihm ab. Seine Verwandlung wurde rückgängig gemacht. Der Chitinpanzer und die Flügel verschwanden und es kam Haut zum Vorschein. Die vorderen Beinpaare bildeten sich wieder zu Armen und das hinterste zu Beinen; das mittlere Paar verschwand einfach. Auch sein restlicher Körper bildete sich vom riesigen Käfer zurück zum Menschen. Er war wieder Mensch und mit dem Vollenden der Rückverwandlung öffnete er seine Augen.

Gregor war zunächst verwirrt. „War das alles nur ein Traum? Ein schrecklicher, verwirrender Traum?“, fragte er sich. Dann allerdings entdeckte er, dass sein Zimmer nun einer Abstellkammer glich. Er erkannte, dass er seine Verwandlung leider doch nicht nur geträumt hatte. Doch wieso lebte er? War er nicht gestorben? Gestorben für seine Familie? Gestorben um keine Belastung für sie zu sein? Gestorben weil sie ihn scheinbar nicht mehr wollten?

Langsam stand er auf und macht sich auf die Suche nach einem Spiegel, um zu überprüfen, ob er wirklich wieder Gregor Samsa war und nicht ein anderes schreckliches Ungeziefer. Da er weder das Zimmer seiner Eltern noch das seiner Schwester betreten wollte, in der Angst es sei jemand da, ging er in das Badezimmer und sah sich im dreckigen, kleinen Spiegel über dem Waschbecken an. Kein Zweifel, das war das Äußere von Gregor Samsa. „Doch bin ich auch Gregor Samsa? Bin ich überhaupt noch ein jemand? Gehöre ich noch zu dieser Familie?“

Er lief wieder zurück in sein Zimmer oder das, was davon geblieben ist. „Vielleicht habe ich ja nie richtig dazu gehört? Durch die viele Arbeit und die wenig verbliebene Freizeit hatte ich nie Zeit für meine Familie.“

Gregor dachte an die Zeit vor seiner Verwandlung. Er dachte daran, wie seine Familie ehemals stolz darauf war, dass er solch eine gut bezahlte Arbeit hatte und sie versorgte. Sie hatten nie etwas tun müssen und dies wurde im praktisch zum Verhängnis. Dass er die Brötchen verdiente wurde zur Selbstverständlichkeit und der Stolz schwand. Sein Vater machte nichts mehr und versuchte nicht mal Arbeit zu finden, um Gregor beim Abbau eigentlich seiner Schulden zu unterstützen. Im Gegensatz zu seiner Mutter und seiner Schwester. Seine Mutter, auch wenn sie lieb und fürsorglich war, konnte sich nie richtig in ihn reinfühlen. Sicher hätte sie sich eine nette Frau an Gregors Seite gewünscht, aber hatte angenommen, dass seine Arbeit so wichtig für ihn sei, dass er keine Zeit für eine Beziehung hätte. Allerdings wollte er nur seine Familie unterstützen. Zu seiner Schwester Grete hatte er auch immer eine liebevolle Verbindung. Eine richtige Geschwisterliebe. Oft hatte er ihr beim Violinespielen gelauscht und wollte ihr Musikstudium finanzieren.

Doch nach seiner unfreiwilligen Verwandlung änderte sich alles. Gregors Vater zeigte, dass er sowohl dazu in der Lage war zu arbeiten und die Familie zu versorgen. Auch seine Mutter suchte sich eine Arbeit. Von seinem Vater wurde er nur noch geduldet, aber nicht mehr als vollwertiges Familienmitglied angesehen. Seine Mutter reagierte anfangs sehr geschockt, aber wollte sich zumindest um ihn kümmern. Seine Schwester hatte ihn nie wirklich verlassen, allerdings war auch sie die erste, die das aussprach, was alle dachten, dass Gregor nur eine Belastung für die Familie ist und nicht mehr ein Teil von ihr. Sie hatte sich vorher sicher sehr vernachlässigt von ihren Eltern gefühlt und war nun froh wichtiger zu sein als Gregor.

„Sie brauchen mich nicht.“, dachte sich Gregor traurig. Die einstmals von Gregor abhängige Familie wurde selbstständig. Jetzt erst merkte Gregor, dass immer er derjenige war, welcher seine Familie brauchte und nicht, wie es etwa den Anschein hatte, seine Familie ihn.

„Trotzdem sind sie meine Familie. Auch wenn sie mich nicht mehr brauchen, liebe ich sie trotzdem.“ Gregor wollte immer nur das Beste für seine Familie tun. So suchte er ihnen damals auch eine große Wohnung. Sie sollten es immer gut haben. Aber nun sah er ein, dass „gut haben“ heißt, dass sie ihn nicht dabei haben wollten.

In der Wohnung war es ruhig. Die Untermieter weg, die Bedienstete nicht da. Gregor fiel ein, dass er gehört hatte, dass sie sich frei genommen hatten und für heute aus der Stadt gefahren waren, wahrscheinlich war er nicht mal richtig tot gewesen. Auch bildete er sich ein sie weinen gehört zu haben, aber da hatte er sich sicher verhört. Um sie nicht noch mehr zu belasten und zu schockieren, nahm er sich vor ein paar Sachen zu Packen und zu verschwinden. Zum Wohl seiner geliebten Familie. Darauf achtend nicht zu viel mitzunehmen, damit es nicht auffällt, war er schnell fertig mit packen und hatte sich zusätzlich noch etwas Sauberes und Unauffälliges angezogen. Es war schon Abend geworden, bald würde die Bedienstete mit ihren Ungezieferbekämpfern auftauchen. Dann würde es auch sicher nicht mehr lange dauern, bis seine Eltern und Grete wieder auftauchen würden. Er wollte die drei noch ein letztes Mal sehen, bevor er für immer aus ihrem Leben verschwand. Darauf achtend nicht von jemandem erkannt zu werden, lief er unauffällig aus der Wohnung, die Treppe runter und raus aus dem Haus, das für eine lange Zeit sein Gefängnis gewesen war. Um seine Familie nicht zu verpassen, um aber auch nicht von ihnen erkannt zu werden, versteckte er sich in einer kleinen Seitengasse unweit vom Eingang des Hauses. Er hatte Glück niemand kam in die Gasse und niemand bemerkte oder erkannte ihn.

Gregor hatte recht gehabt. Eine Viertel Stunde später kam die Bedienstete und im Schlepptau hatte sie zwei Ungezieferbekämpfer. Diese schauten noch etwas unschlüssig, sie wusste wohl nicht, wieso man sie rief, wenn das besagte Ungeziefer bereits tot war. Weitere zehn Minuten später kamen die zwei lachend wieder raus, das Ungeziefer hatte sich selbst beseitigt. Nach einer weiteren halben Stunde verließ, nach getaner Arbeit, auch die Bedienstete das Haus. Sie hatte einen leicht verstörten Gesichtsausdruck aufgesetzt und sah sich immer wieder verstohlen um, als ob sie sich verfolgt fühlte. Gregor musste darüber seit langem wieder ein bisschen grinsen. Doch nun würde bald der Abschied bevor stehen. Sein Abschied von seiner Familie.

Als die Sonne schon fast untergegangen war, kamen sie endlich wieder zurück. Das Abendrot verlieh ihnen einen schönen Glanz, Gregor hingegen befand sich mittlerweile im Schatten, welcher nun die Seitengasse beherrschte. Sie würden ihn nicht sehen, er aber sie dafür. Ihre Gesichter lagen im Schatten, da ihnen die Sonne in den Rücken schien. Aber dennoch sahen sie so glücklich aus, wie Gregor sie schon lange nicht mehr erlebt hatte. Nicht mal vor seiner Verwandlung. Sie mussten nicht laut lachend durch die Straßen gehen; sie lächelten nur und ihnen war die Erleichterung und Entspannung ins Gesicht geschrieben. Auf den Stufen zum Eingang drehte sich Gregors Mutter in seine Richtung um. Schnell sprang er weiter zurück in den Schatten, doch traute er sich nicht weg zu schauen, war es doch wahrscheinlich das letzte Mal, dass er sie sah. Sein Vater und seine Schwester schauten seine Mutter kurz erstaunt an und zogen sie dann weiter an den Armen hinein. Scheinbar hat sie ihn nicht bemerkt; nur seinen Blick gespürt.

Da verschwand nun seine Familie im Treppenhaus. Gregor hatte sich still von ihnen verabschiedet und nun konnte er ein neues Leben beginnen, in einer neuen Stadt, mit einem Beruf, der ihm gefällt und bald vielleicht mit einer eigenen kleinen Familie.

Ich hoffe es hat euch gefallen.
Ich weiß, dass es so ziemlich nicht Kafkas Stil ist, aber was soll's. Ich hab's ja geschrieben. (;
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