Kinderhände und Weinflaschen

von Roheryn
KurzgeschichteHumor, Familie / P12
Oropher Thranduil
23.03.2013
23.03.2013
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„Thranduil, bring mir den Hammer!“ Orophers Stimme hallte laut durch den leeren Raum.
 „Hier…“, erklang ein kleines Stimmchen. Thranduil kam auf seinen Vater zu, den großen Hammer schleifte er hinter sich her, er war einfach noch zu klein, um diesen richtig zu tragen. Sein Vater seufzte schwer, als er bemerkte, dass Thranduil über und über mit weißen Punkten besprenkelt war.
 „Was hast du angestellt, Junge? Du solltest die Wand weiß anmalen und nicht dich selbst.“ Was hatte sein Sohn daran nicht verstanden? Wirklich schwer war die Anweisung nicht gewesen. Es war eindeutig keine so gute Idee gewesen, das Zimmer selbst neu herrichten zu wollen. Er hätte das eindeutig jemand anderem überlassen sollen, Doriath hatte genügend gute Handwerker, nur sein Sohn gehörte nicht dazu. Vielleicht war er aber auch nur zu jung?  Keiner der Handwerker war nur hüfthoch und ziemlich genau so groß war sein Sohn im Moment.
 „Ich hab‘ die Wand gestrichen, wie du gesagt hast…“, verkündete sein Sohn stolz, während er den Hammer überreichte.
 „Nun ja… ist die Wand wenigstens weiß?“
 „Nein… das dunkle Grün will sich nicht übermalen lassen, egal was ich gemacht hab, es schimmert immer noch durch“, erklärte Thranduil und es war wahr. Die Wände waren nicht länger von dunklem Tannengrün, doch weiß waren sie auch nicht, Pastellgrün wäre eine recht treffende Bezeichnung.
 „Saeros hatte keinen Geschmack, aber immerhin sieht das Zimmer etwas freundlicher und heller aus“, murrte Oropher, während er den Hammer nahm und begann, den alten Boden herauszuschlagen. Dieser war so abgenutzt, dass es nicht mehr ansehnlich war.
 Sie richteten das Zimmer her, da Oropher die Gunst der Stunde genutzt hatte. Nachdem Saeros unter sehr fragwürdigen Umständen  (für die er aber absolut nichts konnte) sein Leben verloren hatte, brauchte er seine Gemächer nicht mehr und warum sollten die großzügigen Räume ungenutzt bleiben? Also hatte er, Oropher, sie für sich und seinen Sohn beantragt und da er der erste gewesen war, der diesen Antrag vorgebracht hatte, hatten sie nun die Räume, was sehr gut war. Thranduil brauchte einfach zu viel Platz.
 Nach einigen Stunden machten die beiden eine Pause. Der Junge konnte nicht mehr und wenn Oropher ehrlich mit sich war, auch er hatte eine Pause nötig. Die Hälfte des alten Bodens hatte er ausgeschlagen, eine Knochenarbeit die verboten gehörte.
 Er nahm den Korb aus der Ecke und holte etwas Brot heraus, von dem er einen Teil an sein Kind gab, für sich selbst nahm er auch noch die Weinflasche heraus.
 „Darf ich auch, Ada?“, fragte Thranduil hoffnungsvoll, aber Oropher schüttelte nur seinen Kopf.
 „Du bist zu jung, Thranduil!“ Vermutlich wäre jeder beim Klang seiner Stimme zusammengezuckt, nur nicht sein Sohn. Einerseits war das nicht schlecht, sein Sohn durfte nicht leicht einzuschüchtern sein, dummerweise untergrub das auch seine Autorität und das war nicht gut. Kinder sollten ihren Vätern schließlich nicht auf der Nase herumtanzen.
 „Aber Wein ist lecker!“ Das stimmte wohl, aber das alkoholische Getränk war dennoch nichts für Kinder, besonders nicht, da Oropher schweren Wein bevorzugte. Nein, das war nichts für seinen Sohn, beim besten Willen nicht.
 „Wenn du möchtest, zeige ich dir heute Abend, wie man Karten spielen kann, ohne jemals zu verlieren. Ist das was?“ Der Köder wurde nicht so gut geschluckt, wie Thranduils Vater es sich erhofft hatte, aber es hätte schlimmer sein können. Immerhin zeigte der Jungelb etwas Interesse daran.
     
Nach der Pause arbeiteten sie weiter, aber es wurde recht bald klar, dass aus dem Plan, ihre Möbel schon am Abend hier stehen zu haben, nichts wurde. Irgendwie hatten sie die Arbeit, die das Herrichten des Raumes machen würde, doch gewaltig unterschätzt.
 Es war abzusehen, dass sie sich wohl mit ein paar Decken auf dem Boden begnügen mussten, was Thranduil aufregend fand. Oropher war nicht begeistert. Er war zu alt dafür (es hatte ihn bereits vor dem Mond und der Sonne gegeben) und jetzt sollte er auf dem Boden schlafen?! Er, das durfte alles nicht wahr sein! Was tat man nicht alles für ein größeres Zimmer, in dem es auch der Sohn gut hatte?
 Immerhin verschaffte das Kartenspiel eine gewisse Ablenkung vom unbequemen Boden, das war schon einiges wert. Aber warum sah sein Sohn ihn so seltsam an?
 „Ada, was hast du da?“, fragte der Junge und kam auf ihn zu, was ja noch annehmbar war, kritisch wurde es, als der Kleine begann an seinen Haaren zu zupfen.
 Gerade wollte er seinen Sohn maßregeln, als er bemerkte, was sein Sohn ihm zu zeigen hatte. Ein Haar… aber nicht irgendeines, nein: ES WAR GRAU!! Zutiefst erschüttert hob er seine Hand und nahm das Haar zwischen seine Finger und betrachtete es. Was war mit ihm, er war ein Elb, Elben wurden nicht grau! Niemals, es gab einige, die mit silbernen Haaren zur Welt kamen, aber das war etwas anderes…
 „Was habe ich getan, um das zu verdienen? Warum straft man mich so?“, murmelte er und ignorierte, dass sein Sohn auf seinen Schoß geklettert war und versuchte ihn zu trösten. Es war aber auch notwendig. Was machte man auch, wenn an feststellte, dass das schöne silberblonde Haar, auf einmal grau uns stumpf wurde?
 „Ada? Ada… hier trink das, dann fühlst du dich sicher besser“, piepste Thranduil, der die wachsende Verzweiflung besorgt sah.
 Das Kartenspiel war vergessen und auch Thranduil sah ein, dass es für ihn keinen Wein geben würde, den brauchte sein Vater jetzt. Warum auch immer dieser so verzweifelt war, nur weil ein Haar anders aussah, als alle anderen. Eltern konnte man einfach nicht verstehen, sie waren komisch und blieben es! Nachdem Oropher die erst Weinflasche geleert hatte, schickte er seinen Sohn los, um eine weitere zu holen. Er musste den Kummer über sein Haar irgendwie vergessen. Da war Wein immer eine gute Lösung und eine einfache noch dazu. Man konnte seinen Sohn losschicken, um Nachschub zu holen, was wollte man mehr?

Thranduil überlegte fieberhaft, was er machen konnte. Es gefiel ihm nicht, dass sein Vaters sich so… unmöglich verhielt. Während er immer wieder loslaufen musste, um weiteren Wein zu holen (den er ungerechter Weise nicht trinken durfte), grübelte er weiter.
 Eine Tür war einen Spalt breit offen und er sah einen Heiler, der einige Dinge zusammenrührte und bekam eine Idee, wobei, nicht irgendeine, es war DIE Idee. Er wusste, wie er das seltsame Haar seines Vaters behandeln konnte. So schnell er konnte, huschte der kleine Junge durch die Gänge. Erst brachte er seinem Vater die Flasche, dann lief er weiter. Er wusste, was er brauchte und wollte.
 Er flitzte zu dem Heiler hin und bat ihn um etwas von der Wundsalbe. Seine Mutter sagte immer, dass man damit alles wieder richten konnte, also bestimmt auch die Haare seines Vaters. […Jaaaa…]Thranduil seufzte, er vermisste seine Mutter, aber sie war Verwandte besuchen und er war bei Oropher geblieben, um ihm mit Saeros‘, nein, mit ihrem neuen Zimmer, zu helfen.
 Seinem Vater helfen, er hätte nie gedacht, dass „helfen“ „trösten“ einschließen würde. Normalerweise tröstete seine Mutter… und dann auch nur ihn. Oropher brauchte niemanden, der ihn tröstete, nur heute sah das irgendwie anders aus. Was unheimlich war.
 „Mit Wundsalbe wird alles wieder…“, murmelte er, während er das Gefäß entgegennahm und sich artig bedankte. Dann flitzte er weiter. Ihm kam noch eine Idee, er hatte doch seine Zeichenkohle, die hatte so eine schöne Farbe und überdeckte alles. Er rannte durch die Gänge und holte sie, dann kniete er sich auf den Flur und begann seine Zeichenkohle schweren Herzens zu zerreiben. „Für Ada… nur für Ada… und vielleicht… vielleicht habe ich Glück und bekomme neue Kohle, weil ich es ja gut mit ihm gemeint habe.“
 Der Verlust seiner geliebten Zeichenkohle wog schwer und Thranduil war definitiv geknickt, aber es war für seinen Vater, es war richtig, was er tat. Hoffte er zumindest und ignorierte die leise Stimme, die ihm zuflüsterte, dass er nichts richtig machen konnte.
 Die fein zerriebene Zeichenkohle tat er dann in die Wundsalbe und vermischte alles, bis die Salbe schön schwarz war.

Etwas später schlich er sich in das Zimmer, in dem sein Vater war, der, wie er sich erhofft hatte, schlief. Thranduil schnupperte leise. Er hatte recht früh gelernt, wie sein Vater roch, wenn er nicht leicht zu wecken war und im Moment roch er wieder so. Vorsichtig war er trotzdem, denn er wusste, wenn er es doch schaffte den älteren Elben zu wecken, dann war dieser sehr böse.
 Vorsichtig öffnete er seinen Wundsalbenbehälter, nahm eine Portion der schwarzen Pampe und schmierte sie auf eine der langen Strähnen, dann nahm er den Kamm, den er mitgebracht hatte, und begann die Masse hinein zu kämmen. Als er die erste Strähne zufriedenstellend schwarz  bekommen hatte, machte er mit der Nächsten weiter.
 Es dauerte Stunden, bis er seinen Vater ganz behandelt hatte, aber das Ergebnis konnte sich sehen lassen – fand er. Dann krabbelte Thranduil unter seine Decke, um sich selbst auszuruhen, er war todmüde.

Sein Schädel brummte, vielleicht war die letzte Flasche etwas zu viel gewesen. Er schloss seine Augen und korrigierte sich, die letzten zwei waren zu viel gewesen, so wie sein Kopf schmerzte. Immerhin war es um ihn herum still, wobei das ungewöhnlich war, normalerweise konnte sein Sohn seinen vorlauten Schnabel nicht halten. Dazu wusste Oropher, dass er dazu neigte, sehr lange zu schlafen, wenn er getrunken hatte. Zu lange, wie seine Frau sagte und Thranduil teilte diese Meinung, nur hatten die beiden keine Ahnung!
 Stöhnend setzte er sich auf und beschirmte seine Augen mit seiner schlanken Hand, um sie vor dem Licht zu schützen. Dann bemerkte er seinen Jungen, der sich zu einem Ball zusammengekugelt hatte und schlief. Immerhin schien es dem Burschen gut zu gehen.
 Leicht schwankend stand er auf hielt sich erst einmal an der Wand fest, es war eindeutig zu viel Wein gewesen, wenn sein Gleichgewicht noch jetzt so schlecht war. Dann bemerkte er sein Spiegelbild, in einer polierten Metallplatte und erstarrte. Seine Haare, seine schönen silberblonden Haare, waren schwarz. SCHWARZ!! Wie die der morgothverfluchten Noldor!
 Vielleicht war es doch nicht genug Wein gewesen… alles war besser, als das bei vollem Bewusstsein zu ertragen.


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Mein Zweiter Beitrag zu: Das Alter schlägt zu


Worte: Wundsalbe/Zeichenkohle/Weinflasche
Ort:: Baustelle (oder das Zimmer vn Saeros, das gerichtet wird)

Danke Auctrix, für das Fangen und vernichten meiner Fehler

Es gilt wie immer: Mir gehört nichts, alle Personen werden in gutem (und nüchternem Zustand) wieder abgegeben. Geld verdiene ich hiermit nicht
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