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Smile Precure - Rotkäppchen und der “böse” Wolf

KurzgeschichteRomanze, Fantasy / P12
23.03.2013
23.03.2013
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Rotkäppchen und der “böse” Wolf

Es war einmal … in einem weit entfernten Land.
Da lebte ein kleines Mädchen mit seiner Familie in einem schönen und großen Haus, nahe des Waldes. Ihr Name war Miyuki, doch alle nannten sie nur liebevoll das Rotkäppchen. Diesen Beinamen erhielt sie dank eines Geschenkes ihrer Großmutter, einen roten Umhang mit Kappe. Eines Tages kam es, dass das Rotkäppchen der Großmutter ein Korb mit Kuchen, einer Flasche Wein und anderen Köstlichkeiten bringen sollte. Da Großmutter am anderen Ende des Waldes lebte, ermahnte die Mutter das junge Mädchen ja nicht vom Weg abzuweichen. Das Rotkäppchen versprach sich an die Mahnung der Mutter zu halten und begab sich auf zur Großmutter. Als es den Wald schon halb durchquert hatte, gelangte es auf eine kleine Lichtung mit wunderschönen Blumen. Und trotz der Mahnung der Mutter verließ Rotkäppchen den Pfad und begann auf der Lichtung einen schönen Blumenstrauß zu zaubern. Doch was sie nicht wusste, war dass sie aus der Dunkelheit des Waldes beobachtet wurde. Ein silberner Wolf schlief sich an das junge Mädchen heran. Ihr sanfter Duft lag in seiner feinen Nase und er freute sich darauf diese Jungfrau zu fressen. Doch genau in dem Moment indem der Wolf das Mädchen angreifen wollte, drehte Sie sich um und der Wolf blickte in schimmerndes Pink. Rotkäppchen war überrascht, dass der Wolf mit erhobenen Tatzen und geöffneten Maul hinter ihr stand und der Wolf war überrascht das die Kleine noch nicht schreiend vor ihm davon lief. Eine Weile blickten sich die beiden an bis das Rotkäppchen sich ganz umdrehte und den Wolf freundlich anlächelte. Der Wolf war so überwältigt, dass er sein Maul schloss und seine Arme sinken ließ. Als dann das Rotkäppchen ihm die Hand entgegen streckte und ihn nach seinem Namen fragte, verstand der Wolf gar nichts mehr. Er war es gewohnt, dass die Menschen schrien und kreischten, vor ihm davonliefen oder ihn jagten. Doch das jemand ihn anlächelte und nach seinem Namen fragte war ihm völlig neu. Und so murmelte er leise seinen Namen, während er auf Rotkäppchen hinab blickte. „Wolfrun? Der Name gefällt mir. Ich heiße Miyuki! Aber du kannst mich auch Rotkäppchen nennen!“ Und so begann das Märchen des Rotkäppchens sich zu verändern…


Im Wald, am Rande einer Lichtung

“Wolfrun!” Als er seinen Namen hörte und die Stimme erkannte die ihn rief, entwich ihm ein leises Knurren. Damit wäre die Ruhe für heute vorbei. “Wolfrun! Hier steckst du also! Ich hab dich schon überall gesucht. Ich muss dir unbedingt etwas erzählen, dass …” “Jetzt komm mal wieder runter und hol Luft. Wenn du dich übernimmst, kippst du nur wieder um.” Gerade noch konnte er sich an einen Baum gelehnt, die Arme hinter dem Kopf verschränkt und die Beine überschlagen in der warmen Frühlingssonne entspannen. Das konnte er jetzt jedoch vergessen. Darum richtete er sich langsam auf und blickte hinauf zu der Person die ihn bei seinem Nickerchen gestört hatte. Ein junges Mädchen mit rot - pinken Haaren und leicht geröteten Wangen, gekleidet in einem roten Umhang stand vor ihm und blickte ihn mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht an. Sie roch nach Wildblumen und wilden Beeren. Ihre Freundlichkeit, Offenherzigkeit und auch Naivität waren unglaublich und überraschten ihn jedes Mal auf´s Neue. Denn genau diese Eigenschaften hatten dazu geführt, dass sie Freunde wurden und ihre Freundschaft bis heute hielt. Nach ihrem ersten Treffen auf der Lichtung, trafen sie sich immer öfter im Wald. Anfangs nahm er sich immer wieder vor das junge Mädchen zu fressen, doch als es ihm nicht gelang versuchte er ihr aus den Weg zu gehen. Doch seltsamerweise gelang es der Kleinen immer wieder ihn zu finden. Und statt Angst zu haben, neckte und ärgerte sie ihn, brachte ihn zum lachen und wenn er mal schlechte Laune hatte ertrug sie all sein Gezeter ohne mit der Wimper zu zucken. Na ja, sagen wir mal… Dieses Rotkäppchen ist ein Rätsel für sich. Inzwischen hatte das junge Mädchen sich neben ihn fallen gelassen und sah ihn mit freudestrahlenden Augen an. “Es ist einfach fantastisch. Der König und die Königin geben in zwei Wochen einen großen Ball zum Geburtstag des Prinzen. Und heute Morgen bekam meine Familie eine Einladung. Ist das nicht aufregend. Ich wollte das Schloss schon immer mal von ihnen sehen. Und es werden so viele Menschen da sein. Es wird gefeiert und getanzt und alle tragen so schöne Kostüme. Ich freu mich schon so darauf!” Als seine Freundin geendet hatte blickte sie ihn erwartungsvoll an, doch er blickte nur desinteressiert zurück. “Du meinst sie schmeißen eine Party für den Knallkopf der mit seinen Jägern ständig im Wald umherstreift und unschuldige Lebewesen erschießt? Na großartig. Und darauf freust du dich? Den Kerl würde ich in hundert Jahren nicht feiern. Wenn der König werden sollte, wander ich aus.” Nach diesen Worten stieß er ein leises Knurren aus. Er konnte diesen Prinzen wirklich nicht leiden. Aber wahrscheinlich lag es auch daran, dass dieser Knilch ein paar Mal versucht hatte ihn zu erschießen. Das erste Mal war vor einigen Jahren als der Wolf bei Rotkäppchens Großmutter lebte, weil diese so schrecklich krank war. Dieser arrogante Kerl war einfach in die Hütte gestürmt und wollte ihn über den Haufen schießen. Glücklicherweise stellte die Großmutter sich dem Prinzen in den Weg und so konnte er entkommen. Doch jedes Mal wenn sich der Wolf und der Prinz begegneten versuchte letzter den Wolf zu erledigen. Da ist die Abneigung ja wohl mehr als gerechtfertigt. Noch während ihm diese Erinnerungen und Gedanken durch den Kopf schossen, blickte das Rotkäppchen ihn niedergeschlagen an. Sie wusste dass Wolfrun nicht viel von Menschen hielt und dass er besonders auf das Adelsgeschlecht schlecht zu sprechen war. Sie hatte sich so über die Einladung gefreut und dachte gar nicht darüber nach, mit dieser Nachricht ihren Freund zu verstimmen. Das wollte sie nun wirklich nicht. Als der Wolf in das traurige Gesicht von Rotkäppchen blickte, stieß er ein entnervtes Seufzen aus. Er hasste es, wenn sie so traurig dreinblickte und er der Grund dafür war. Deshalb wuschelte er seiner Freundin durch die Haare bis sie ganz zerzaust waren. Dabei grinste er sie mit seinem typischen Wolfsgrinsen an. “Jetzt schau doch nich so. So ein niedergeschlagener Gesichtsausdruck passt nicht zu dir. Da ist mir dein dümmlicher Gesichtsausdruck lieber.” “Was soll das denn heißen? Ich hab keinen dümmlichen Gesichtsausdruck! Wolfrun!” Die Sonne schien auf die Lichtung hinab und es wirkte so als würde sie dem ungleichen Duo, das lachend umher rannte ihren Segen geben.

Miyuki - Der Abend des Balls

Miyuki war besorgt. Seit sie vor zwei Wochen Wolfrun von der Einladung in den Palast erzählt hatte, war er wie vom Erdboden verschluckt. Für gewöhnlich fand sie ihn an seinen Lieblingsplätzen im Wald, doch er war einfach nicht aufzufinden. Sie hatte panische Angst, dass ihm etwas zugestoßen sein könnte und suchte daher jeden Tag den Wald ab. Doch ohne Erfolg. Sie war so verzweifelt, dass sie sich nicht einmal mehr auf die Feier im Schloss freuen konnte. Ihre Mutter schien es jedoch nicht zu bemerken. Schon seit Tagen war sie am Wirbeln und Vorbereiten. Ständig musste das junge Mädchen Kleider anprobieren und Proben über sich ergehen lassen. Knapp eine Stunde vor Beginn des Balls, hatte Miyuki endlich Zeit ihren Gedanken nachzugehen. Sie schweiften in den Wald zu diesem unmöglichen Spinner, den sie seit zwei Wochen so verzweifelt suchte. Sie verstand ihn einfach nicht. Er wusste doch, dass sie sich um ihn sorgte und dass sie verrückt wurde wenn sie auch nur einen einzigen Tag nichts von ihm hörte. Am liebsten würde sie zur Großmutter ziehen, da ihr Haus näher am Wald lag und somit näher bei ihrem Freund. Aber ihre Mutter würde dies niemals zulassen. Dabei wünschte sie es sich so sehr. Der Großmutter näher zu sein, dem Wald mit seinen Wundern und Geheimnissen und vor allem … näher bei Wolfrun. Plötzlich stutzte sie. Warum wurde ihr jedes mal so warm, wenn sie an ihn dachte und warum fühlte sie sich so verloren, wenn er nicht bei ihr war? Sie waren doch nur Freunde. Und trotzdem fragte sie sich manchmal ob das alles was sie empfand nur Freundschaft war. Eine Antwort hatte sie bis jetzt noch nicht gefunden und auch jetzt würde sie keine finden, denn die Mutter drängte zum Aufbruch. Das in dieser Nacht viele Fragen beantwortet werden sollten, ahnte Rotkäppchen noch nicht.

Wolfrun - Drei Tage vor dem Ball, im Wald

Er war wütend und zwar auf sich selbst. Er benahm sich wie ein Idiot, weil er Miyuki auswich und sich vor ihr versteckte. Jeden Tag zu sehen, wie sie ihn suchte und dann doch wieder mit Tränen in den Augen den Wald verlies. Aber es ging nicht anders. Würde er ihr jetzt gegenüber treten, würde er sie sicher packen und ganz weit weg bringen. Es machte ihn verrückt, doch er empfand schon lange mehr als nur Freundschaft für dieses Naivchen. Er liebte sie und zwar von ganzem Herzen. Wann er sein Herz an sie verlor wusste er nicht, allerdings interessierte es ihn auch nicht. Sie war die Einzige, seine zweite Hälfte, seine Seelenverwandte. Doch bald schon würde er sie für immer verlieren und dann würde seine Welt in tausend Scherben zerbrechen. Miyukis Familie war recht wohlhabend und Miyuki gab eine recht gute Partie ab. Sie war schön, freundlich, gutherzig und würde eine große Mitgift in die Ehe mitbringen. Jeder Mann der auch nur einen Funken Verstand besaß, buhlte um ihre Hand. Das war zwar nichts neues für ihn, doch er verdrängte die Tatsache steht’s, dass er sie verlieren könnte. Umso geschockter war er, als er erfuhr wessen Braut Rotkäppchen werden sollte. Noch am gleichen Tag, als die Kleine ihm von der Einladung zum Ball erzählte, kamen die Reiter des Königs in den Wald. Glücklicherweise bemerkten sie ihn nicht und so belauschte er den Prinzen und seine Männer eine Zeitlang. Als sie auf den Ball zu sprechen kamen, lachte der Prinz und sagte an die anderen gewand: “Dieser Ball dient nur einem Zweck. Mein Vater will mich endlich verheiraten. Was er aber nicht weiß ist, dass ich mir meine Braut bereits ausgesucht habe. Dieses süße Mädchen ihm roten Umhang und dem strahlendem Lächeln, welches so oft hier im Wald umher wandert. Ihre Familie hat eine guten Stammbaum und mit der Mutter habe ich bereits alles geklärt. Und auf dem Ball werde ich sie dann offiziell meinem Vater vorstellen.” Am liebsten hätte Wolfrun diesem Mistkerl die Kehle durchgebissen oder ihn in hunderte kleine Teile zerrissen, doch der Schock über das gehörte hielt ihn in seinem Versteck. Er verfluchte die ganze Welt und den Himmel für diese Qual. Ausgerechnet dieser Mann wollte sein Rotkäppchen heiraten. Das konnte er nicht zulassen, aber was konnte er schon tun? Er war ein Geschöpf des Waldes, ein Wolf. Und so begeistert wie seine Freundin von der Einladung zum Ball war, konnte er sich vorstellen wie das alles enden würde. In diesem Moment zerriss ein furchtbarer Schmerz sein Herz und Wolfrun heulte so verzweifelt auf, dass die Pferde der Reiter aufscheuchten und diese in Panik davonrannten. Deshalb hielt er sich von ihr fern. Er wollte ihr nicht mehr nahe sein, da er den Schmerz nicht ertrug. So vieles hatte er bereits verloren, doch ihr Verlust würde er wohl niemals verkraften. Also ging er ihr aus dem Weg. Leider ging das mit seine Gefühlen nicht so einfach. Während er so versunken in seinen Gedanken, auf einem Baum saß näherte sich ihm eine vertraute Gestalt. “Hier steckst du also. Ich hab dich schon gesucht.”

Miyuki - Der Abend des Balls, im Schloss

Es war bereits dunkel geworden und die Lichter des Schlosses erhellten die Nacht. Schon von außen bot der Palast einen beeindruckenden Anblick, doch das innere übertraf selbst dies. Überall wo man hinsah war Prunk, Gold und Glanz zu sehen. Der Ballsaal war von gewaltiger Größe und die Kerzen leuchteten so hell wie die Sterne in der Nacht. Die Menschen, gekleidet in ihren schönsten Kleidern, tanzten und feierten vergnügt den Geburtstag ihres Prinzen. Miyuki jedoch nahm all dies nur am Rande wahr. Immer noch waren ihre Gedanken bei diesem Dummkopf und ihren eigenen, irritierenden Gefühlen. Immer wieder dachte sie an den Moment zurück, als sie sich das erste Mal begegneten. Wie er hinter ihr auftauchte und sein verdutzter Gesichtsausdruck, als sie ihn anlächelte. Seine Reaktionen, wenn sie ihn neckte oder ihn fand obwohl er glaubte sich gut versteckt zu haben. Ihre Ruhe und Freude, wenn sie in seinen Armen lag und schlief. Das Glück das sie in seiner Nähe empfand und die Sehnsucht, während seiner Abwesenheit. Immer weiter schweiften ihre Gedanken ab, bis sie von einem plötzlichen Schmerz in die Wirklichkeit zurückgeholt wurde. Verwirrt blickte sie sich um und stellte fest, dass ihre Mutter ihr auf den Fuß getreten war, damit Miyuki endlich von dem Mann Notiz nahm der vor ihr stand. Und als sie eben diesen Mann erkannte verneigte sie sich tief und sprach ein paar höfliche Worte. Denn niemand anderes als der Prinz stand vor ihr. Und zu ihrer Überraschung verneigte er sich ebenfalls und bat sie zum Tanz. Völlig durcheinander und überrascht willigte sie ein und so begaben sich die beiden auf die Tanzfläche. Sofort machten die anderen Tanzpaare Platz für den Prinzen und seine Tanzpartnerin. Die Musik setzte ein und die beiden begannen sich im Rhythmus der Melodie zu bewegen. Der Prinz war unglaublich charmant und freundlich. Er befragte sie über verschiedene Dinge und gestatte ihr ihm ebenfalls Fragen zu stellen. Sein Lächeln brachte sie ebenfalls zum Lächeln und sein Lachen steckte an. Als die Musik endete und das Orchester sich bereit machte ein neues Lied anzustimmen, wollte Miyuki sich zurückziehen, doch der Prinz bat sie weiterhin mit ihm zu tanzen. Und so tanzten die beiden immer weiter. Doch mit jedem Tanz wurde Miyukis Herz schwerer. Sie mochte den Prinzen, doch sie wollte nur zu ihm, zu Wolfrun. Sie vermisste ihn, sehnte sich nach ihm. Und mit einem Schlag erkannte sie die Wahrheit. Die Erkenntnis war ein solcher Schock, dass sie völlig aus dem Takt kam. Die Musik brach ab und alle wandten ihren Blick auf die Tanzfläche. Besorgt fragte der Prinz ob alles in Ordnung sei, doch sie war nicht in der Lage ihm zu antworten. Unruhig schüttelte sie den Kopf, verneigte sich, murmelte ein paar entschuldigende Worte und verließ die Tanzfläche. Ihre Mutter kam ihr eilig entgegen, doch Miyuki Aiko warf dieser nur ein kurzes Lächeln zu und verlies den Ballsaal. Sie eilte durch Flure und Gänge, bis sie um eine Ecke bog und mit jemanden zusammenstieß. Durch den Aufprall drohte sie nach hinten zu fallen, doch bevor dies geschehen kann, spürte sie wie jemand ihr Handgelenk umschloss und sie nach vorn zog. Als sie wieder fest auf beiden Beinen stand, murmelte sie ein paar Worte der Entschuldigung und des Dankes. Ihr drehte sich alles und sie hielt ihre Augen noch kurz geschlossen, dann jedoch blickte sie hinauf in das Gesicht der Person mit der Sie zusammen stieß. Und als sie die Person erkannte, setzte ihr Herz für einen Moment aus.

Wolfrun - Drei Tage vor dem Ball, im Wald

“Hier steckst du also. Ich hab dich schon gesucht.” Plötzlich aus seinen Gedanken gerissen, blickte Wolfrun zu der Besitzerin der Stimme herunter. Er kannte die Stimme gut genug und auch den Geruch dieser Person würde er unter tausenden wiedererkennen. “Alte Frau, solltest du nicht in deinem Haus bleiben, statt hier draußen im Wald umher zu wandeln?” Geschickt lies sich Wolfrun vom Baum fallen und landete nur wenige Meter von Rotkäppchens Großmutter entfernt auf dem Boden. “Wieso sollte ich? Ich kenne den Wald sehr gut und kein Geschöpf des Waldes ist mir fremd. Und Alter, mein Lieber, bringt auch Erfahrung mit sich.” “Ja, ja…” Ein entnervtes Knurren entwich ihm und er ärgerte sich über die Ruhe der Alten Frau. Genau wie ihre Enkelin kannte die Alte Frau keine Angst vor ihm oder seinen Launen. Ohne Furcht nahm sie ihn bei sich auf, wenn er verletzt war oder krank. Verteidigte ihn vor den Jägern und unterrichtete ihn im lesen und schreiben. Und noch eine Eigenschaft war bei beiden Frauen vorhanden. Ihre Liebe für jedes Leben und jede Kreatur. Anscheinend lag das Rätselhafte in der Familie. Als er die Hand der Großmutter auf seinem Arm spürte, blickte er sie fragend an. Wieder war er so in seinen Gedanken versunken, dass er nicht bemerkte wie sie an seine Seite getreten war. “Wolfrun, ist alles in Ordnung?” Mit dieser Frage hatte er nicht gerechnet. Verständnislos blickte er auf die alte Dame hinab. “Miyuki war gestern bei mir. Sie war völlig durcheinander und besorgt. Seit Tagen habe sie nichts von dir gehört und auch nichts gesehen. Mein Junge, warum gehst du ihr denn aus dem Weg? Habt ihr euch gestritten oder ist zwischen euch etwas vorgefallen? Wolfrun, ich bitte dich… sag mir was los ist. Ich mache mir Sorgen.” Bittend blickte die alte Frau zu Wolfrun hinauf. Er wusste nicht was er sagen sollte, geschweige den wie er sich erklären sollte. Deshalb tat er das was er am besten konnte: er überspielte seine Gefühle mit Arroganz und Selbstsicherheit. “Das ihr aber auch immer so eine Panik haben müsst, wenn man sich mal eine Weile nicht blicken lässt. Ich hab im Moment einfach keine Lust auf ihr übertriebenes Gequietsche wegen dem Ball dieses Spinners. Außerdem vergesst ihr beide, dass ich ein Wolf bin. Wir sind Einzelgänger und anders als ihr Menschen brauchen wir keine Nähe. Also geht mir nicht auf die Nerven, sonst hol ich das nach was ich bereits vor Jahren hätte tun sollen.” Mit diesen Worten wandte er sich zum gehen, doch als er die folgenden Worten der Großmutter hörte, blieb er wie angewurzelt stehen. “Du liebst sie, nicht wahr.” Dieser einzige Satz brachte Wolfrun ins Wanken. Er drehte sich halb zu ihr um und fragte Sie wie sie auf so einen Blödsinn kam. Doch er erhielt keine Antwort. Miyukis Großmutter blickte ihn mit einem sanften Lächeln an. Dann kam sie auf ihn zu, legte eine Hand auf Wolfruns Brust und legte ihre andere Hand auf ihr eigene Brust, über ihr Herz. “Wolfrun, meine Enkelin will nicht in einem Schloss aus Gold und Reichtum leben. Sie liebt den Wald und ihre Freiheit. Doch ihre Mutter wünscht sich eine andere Zukunft für Miyuki. Sie möchte das ihre Tochter die Frau des Prinzen wird. Aber ich weiß, dass diese Entscheidung ein furchtbarer Fehler wäre. Doch ich kenne meine Kleine gut genug. Sie würde niemals den Wunsch ihrer Mutter widersprechen und würde ihre eigenen Wünsche und Träume ignorieren. Aber ein solches Leben, wie es für sie vorgesehen ist, würde sie zerstören. Ich habe dich und meine Kleine seit Jahren beobachtet und ich weiß, dass du Sie von ganzen Herzen liebst. Und auch für sie bist du mehr als nur ein Freund. Darum bitte ich dich, meine Enkelin vor ihrem Schicksal zu retten. Du bist der Einzige der ihr helfen kann.” Nach diesen Worten entstand Stille. Der Wind wehte durch den Wald und es klang als würde er leise ein Lied singen. Eine Weile standen der Wolf und die Großmutter still unter den Bäumen. Doch dann regte sich der Wolf, legte seine Klaue über die Hand der Großmutter auf seine Brust und sprach: “Was muss ich tun?”

Miyuki - Der Abend des Balls, im Schloss

Sie konnte es nicht fassen. Spielte ihr Verstand ihr etwa einen Streich? Sehnte sie sich so sehr nach ihm, dass sie jetzt schon Halluzinationen bekam? Ungläubig starrte sie ihren Freund an und reagierte überhaupt nicht mehr auf äußere Einflüsse. Erst als Wolfrun ihr wie schon so oft, das Haar durchwuschelte, kam sie in die Realität zurück. “Du siehst ziemlich daneben aus, weißt du?” Immer noch unfähig etwas zu sagen, blickte sie zu ihm hinauf. Erst jetzt bemerkte sie, dass er statt seiner einfachen Kleidung die er für gewöhnlich trug, die Kleidung eines Adligen trug. Sein sonst so wildes Haar war gebändigt und im Nacken zusammengebunden. Seine Klauen verbarg er unter weißen Handschuhen und ein langer Umhang umgab ihn. Er sah einfach unglaublich aus. “Wolfrun…? Bist du… das wirklich?” Einen Moment sah er sie noch grinsend an und dann begann er zu lachen. “Hahahaha! Damit hast du wohl nicht gerechnet. Ich seh zwar anders aus, aber ich bin´s! Allerdings ist der Fummel grauenhaft. Viel zu eng und man kann sich kaum bewegen. Wie haltet ihr Menschen das nur aus?” Während er noch sprach, blickte mein Freund abschätzend an sich hinab. Er schien wirklich nicht viel von seiner Kleidung zu halten. Aber er sah wirklich fantastisch aus. Schon in seiner normalen Kleidung sah er klasse aus, aber das hier übertraf alles. Moment mal, was dachte sie denn da? Sie waren Freunde! Nur Freunde! Das sie fand, dass ihr Freund toll aussah war völlig okay. Kopfschüttelnd wandte sie sich wieder Wolfrun zu. Sie hatte eine Menge Fragen und dieses Mal wollte sie Antworten. “Was machst du hier, Wolfrun? Warum warst du so lange verschwunden? Ich hab dich die ganze Zeit gesucht. Und woher hast du diese Kleidung? Und wie bist du hier rein gekommen? Und … Umpf!” Plötzlich lag Wolfruns Klaue auf ihrem Mund und stoppte so den Fragenfluss. “Jetzt mach mal langsam. Ich erklär dir alles, aber nicht hier. Hältst du also bitte den Mund?” Da seine Klaue immer noch auf ihrem Mund lag, konnte sie nicht antworten. Darum nickte sie nur stumm und wartete ab. Schließlich grinste ihr Freund sie auf seine typische Art und Weise an und nahm seine Klaue von ihrem Mund. Dann trat er einen Schritt von ihr weg und streckte ihr seine behandschuhte Klaue entgegen. Und seine folgenden Worte ließen ihr einen Schauer über den Rücken laufen. “Prinzessin, reicht mir eure Hand und ich zeige euch die wahre Gestalt dieser Nacht.” Einen Moment lang sah sie ihn einfach nur an. In ihrem Kopf herrscht so ein durcheinander, dass sie gar nicht mehr wusste was sie tun sollte. Doch mit einem Schlag war all das Durcheinander verschwunden. Hatte sie sich nicht gerade eben so sehr nach ihm gesehnt, dass sie glaubte ihr Herz würde verstummen. Und genau jetzt, hier in diesem Moment war er bei ihr. Alles was sie tun musste war ihre Hand in seine zu legen. Und genau das tat sie auch. Als ihre Hand in der seinen lag, umschloss Wolfrun sie mit seinen Fingern. Plötzlich ging ein Ruck durch ihren Körper und sie spürte wie Wolfrun ihr einen Arm um die Taille legte und sie mit sich zog. Sie liefen durch die Flure des Palastes und Miyuki lies sich einfach mitziehen. Als Wolfrun sie durch eine Glastür auf einen Balkon führte, dachte Sie sie hätten ihr Ziel erreicht. Doch dann hob ihr Begleiter sie hoch und sprang hinaus in den Garten. Vor Schreck klammerte sie sich an ihn und stieß ein kleinen Schrei aus. Doch sie landeten sanft auf der grünen Wiese und Wolfrun setzte sie wieder ab. Dann nahm er erneut ihre Hand und führte sie durch den Garten zu einem Pavillon. Dieser war umgeben von Bäumen und an seinen Säulen wuchs Efeu empor. Der Vollmond erstrahlte in sanftem Licht und lies alles magisch erscheinen. Es sah wunderschön aus und Miyuki hörte sanft die laute Musik aus dem Ballsaal. Inzwischen hatte Wolfrun ihre Hand wieder losgelassen und hatte den Pavillon betreten. Kurz zögerte sie noch, doch dann folgte sie ihm. Lässig lehnte er an einer der Säulen und sah zum Mond hinauf. Dann wandte er sich ihr zu und verneigte sich vor ihr. “Würdet ihr mir diesen Tanz schenken?” Ungläubig starrte sie ihn an und verstand die Welt nicht mehr. War das wirklich ihr Freund der da vor ihr stand und sie um einen Tanz bat? So seltsam hatte er sich noch nie benommen. Andererseits war dieser Abend eh recht seltsam. Vielleicht träumte sie das alles ja nur. Genau so musste es sein. Sie träumte! Bei diesem Gedanken durchflutete sie Traurigkeit. Denn auch wenn all das nur ein Traum war, so waren ihre Gefühle sehr Real. Und weil sie diesen Traum noch weiter träumen wollte, verneigte sie sich ebenfalls und antwortete: “Es wäre mir ein großes Vergnügen.”

Wolfrun

Und so tanzten sie gemeinsam im Licht des Mondes und zur Musik die leise aus dem Schloss erklang. Wolfrun hatte Rotkäppchen nah an sich heran gezogen und genoss ihren Duft. Er nahm nur Sie wahr, alles andere um ihn herum verschwand. Erst als er eine leise Stimme vernahm, kam er wieder ins hier und jetzt zurück. “Wolfrun? Warum warst du so lange verschwunden?” Sie blickte ihn nicht an, als sie ihm diese Frage stellte. Einen Moment blickte er auf sie hinab und dann richtete er den Blick in die Ferne. Eine Weile überlegte er was er ihr sagen sollte, doch dann sagte er ihr die Wahrheit. “Ich wollte dich nicht sehen und bin dir aus dem Weg gegangen.” Bei diesen Worten zuckte das junge Mädchen zusammen und wollte sich von ihm entfernen. Aber Wolfrun hielt sie weiterhin fest an sich gedrückt und sprach schnell weiter. “An dem Tag als du mir von der Einladung ins Schloss erzählt hast, kam dieser Schnösel mit seinen Jägern in den Wald. Sie sprachen von dem Ball und auch das der Prinz bereits eine Braut für sich erwählt hatte. Als ich davon erfuhr und den Namen der Braut hörte, wusste ich mir nicht anders zu helfen und blieb dir fern.” Inzwischen blickte Miyuki zu ihm hinauf und sah reichlich verwirrt aus. “Aber was hat das denn, damit zu tun dass du mir aus dem Weg gegangen bist?” Das war mal wieder typisch. Die Kleine verstand es einfach nicht. Mit einem Seufzer blickte er ihr in die Augen und drückte sie noch ein bisschen mehr an sich heran. “Ich bin dir aus dem Weg gegangen, weil der Prinz DICH als seine Braut erwählte und bereits alles mit deiner Mutter geklärt hatte. Verstehst du?” Und plötzlich versteifte sich Miyuki in seinen Armen. “WAS? Ich soll die Braut des Prinzen sein?” Mit entsetztem Gesichtsausdruck blickte sie ihn an, doch er nickte nur. Plötzlich riss die Kleine ihre Arme nach oben und verpasste ihm ungewollt einen Kinnhacken. Und der hatte es in sich. Die Kleine hatte mehr Kraft, als man ihr ansah. Während er sich das schmerzende Kinn rieb, lief seine Freundin aufgebracht durch den Pavillon und redete wie ein Wasserfall. Jetzt würde alles Sinn ergeben und jetzt wüsste sie auch, warum der Prinz nur mit ihr tanzte. Und jetzt verstand sie auch die Aufregung ihrer Mutter und derer übertriebene Aufregung und Freude. Auch die seltsamen Kommentare und Anweisungen ergaben jetzt einen Sinn. Irgendwann konnte Wolfrun ihr nicht mehr folgen und er bat sie sich etwas zu beruhigen. Doch anstatt auf seine Bitte einzugehen, fuhr sie jetzt ihn an. “Ich soll mich beruhigen? Wie soll ich mich denn bitte beruhigen? Meine Mutter hat mich einfach so dem Prinzen versprochen, ohne auch nur ein Sterbenswörtchen an mich zu verlieren. Zwei Wochen lang hat sie alles arrangiert und vorbereitet. Hat mich angelogen und verkauft. Und dabei kenn ich den Prinzen nicht einmal. Gut, heute hab ich ihn kennengelernt, aber gleich heiraten. Und ich als Prinzessin? Fragt mich denn gar keiner was ich mir wünsche? Sind meine Gefühle denn gar nicht von Bedeutung?” Während dieses Wutausbruchs konnte Wolfrun sie nur überrascht ansehen. So kannte er Miyuki gar nicht. Sonst blieb sie bei allem doch so ruhig. Aber einen solchen Ausbruch hatte nicht erwartet. Und ehe er überhaupt wusste, wie ihm geschah bekam er ihre Wut ebenfalls zu spüren. Mit wütendem Blick sah sie ihm in die Augen, stemmte ihr Hände in die Hüften und baute sich vor ihm auf. “Und du bist auch nicht besser. Zwei Wochen wusstest du Bescheid und hast mir kein einziges Wort gesagt. Außerdem bin ich vor Sorge fast verrückt geworden, weil du verschwunden warst. Tagelang hab ich den Wald nach dir abgesucht und hab mir Nachts die Augen ausgeweint, weil ich dachte die Jäger hätten dich erwischt. Was hast du dir denn nur gedacht? Ich dachte wir wären Freunde und könnten uns alles erzählen. Aber du wartest bis zum letzten Moment, schleifst mich aus dem Schloss und erzählst mir mal ganz so nebenbei, dass ich die Verlobte des Prinzen bin. Wieso? Wieso tut ihr mir das an? Wieso???” Die letzten Worte schrie sie ihm nur noch entgegen und die Tränen die sie so verzweifelt zu unterdrücken versuchte, liefen ihr jetzt in Strömen übers Gesicht. Aus ihren Worten wurde ein Schluchzen und sie verbarg ihr Gesicht hinter ihren Händen. Wolfrun hatte das Gefühl sein Herz würde zerspringen. Er wollte ihr nicht wehtun, wollte sie nicht weinen sehen. Am liebsten wollte er sie in seine Arme ziehen und sie weit, weit weg bringen. Aber das konnte er nur, wenn er ihr jetzt die ganze Wahrheit sagte. Und das würde verdammt schwer werden, musste aber sein wenn er sie nicht für immer verlieren wollte. Also atmete er tief ein und begann ihr die Wahrheit zu erzählen. “Ich weiß, dass du wütend bist. Und ich kann´s dir auch nicht verübeln. Aber ich hatte meine Gründe, warum ich dir fernblieb. Und glaub mir, wenn ich dir sage das dass für mich wohl noch schwerer war, als für dich. Ich war wahnsinnig wütend und hätte diesem Lackaffen am liebsten die Kehle durchgebissen. Aber das hätte mir nur noch mehr Ärger eingehandelt und dich hätte ich dann auch nicht mehr sehen können. Und genau das war es was ich am meisten fürchtete. Dich zu verlieren. Dir nicht mehr nahe sein zu können. Nicht mehr mit dir zu lachen, streiten und rumtollen. Doch dich an diesen “möchte gern” Prinzen zu verlieren und mir vorzustellen, wie du in seinen Armen liegst war noch schlimmer. Es machte mich nur noch wütender, aber gleichzeitig zerriss es mich. Und weil ich glaubte wenn ich dich nicht mehr sehen würde, dich meiden würde, wäre es einfacher für mich. Natürlich habe ich damit selbstsüchtig gehandelt und keinerlei Rücksicht auf dich genommen, aber ich wusste mir nicht anders zu helfen. Vor ein paar Tagen dann hat mich allerdings deine Großmutter aufgespürt und mich zur Rede gestellt. Sie überredete mich hierher zu kommen und dir alles zu erzählen, damit du selbst eine Entscheidung fällen kannst. Sie war es auch die mir diese Kleider besorgte und mir einige Tipps gab. Nun ja, jedenfalls… ich wollte dir nicht wehtun oder dich verletzen. Aber ich war zu sehr mit meinen eigenen Gefühlen beschäftigt und das was ich dir jetzt sagen will, kostet mich all meinen Mut.” Er legte eine kurze Pause ein und richtete seinen Blick auf das eine Mädchen, die eine die zählte. Inzwischen hatte sie aufgehört zu weinen und auch ihr Gesicht verbarg sie nicht mehr. Jetzt sah sie ihn an und in ihrem Blick lag zwar immer noch Trauer und Wut, aber auch Neugier. Eine Zeit lang blickten sie sich einfach nur an. Wolfrun blickte in diese wunderschönen Augen, in denen er sich am liebsten verlieren wollte. Schließlich trat er einen Schritt nach vorn, legte eine behandschuhte Klaue auf ihre linke Wange und sagte ihr die Worte, die ihm schon so lange auf der Seele lagen: “Ich liebe dich, Rotkäppchen!”

Miyuki

“Ich liebe dich, Rotkäppchen!” Und Stille legte sich. Ihr Herz blieb stehen und das alles um sie herum verschwand in Dunkelheit. Sie sah nur noch ihn, Wolfrun. Ihr Denken war völlig ausgeschaltet. Immer wieder hörte sie die Worte `Ich liebe dich!´ in ihrem Kopf und allmählich wurde ihr bewusst was diese Worte eigentlich bedeuteten. Und für einen Moment durchflutete sie wundervolle Freude und unglaubliches Glück. Doch keinen Atemzug später wurden aus Freude und Glück - Trauer und Verzweiflung. Denn all das war nur ein Traum. Und wenn sie aufwachte würde alles wieder wie vorher sein. Sie würden einfach nur Freunde sein, nicht mehr. Doch genau das brachte sie um. Denn sie wünschte sich mehr. Mehr als Freundschaft. Aber sie wusste, dass das unmöglich war. Ohne das sie es verhindern konnte begannen die Tränen wieder zu fliesen. Sie wollte nicht aufwachen. Dieser Traum sollte für immer weiter gehen und niemals enden. Allerdings war das unmöglich und deshalb weinte sie jetzt noch hemmungsloser als zuvor. Wolfrun jedoch zuckte zurück, sah sie erst verletzt an und blickte dann zur Seite. “Ist die Tatsache, dass ich dich liebe so schlimm?”, fragte er sehr leise. Aber sie verstand ihn trotzdem. Immer noch weinend schüttelte sie den Kopf. Dann, ohne Vorwarnung, lief sie in seine Arme und klammerte sich mit all ihrer Kraft an ihn. “Nei… Nein! Das ist nicht schlimm! Es … ich hab mich so … so sehr nach dir gesehnt. Alles … was ich wollte … war bei dir … mit dir zusammen zu sein. Und vor… vorhin auf der Tanzfläche, da … ist mir etwas klar geworden. All die Jahre … die wir zusammen waren … habe ich … habe ich dich … Aber das ist nur ein Traum! Dabei … wünsche ich mir … das du diese Worte … diese Worte wirklich zu mir sagst. Nicht nur … in diesem Traum. Aber wenn … ich aufwache … dann … dann…” Unter Tränen und an seine Brust gedrückt hatte sie ihm sagen wollen, was sie fühlte aber die Verzweiflung übermannte sie erneut. Wieso musste sie nur so ein Trottel sein? Warum hatte sie ihre Gefühle nicht schon viel früher erkannt? Vielleicht hätte dann eine Chance bestanden länger mit ihm zusammen zu sein. Aber dafür war es nun zu spät. Sie hatte verspielt. Dann spürte sie wie Wolfrun sie an den Schultern packte und sanft von sich schob. Mit verheulten Augen blickte sie zu ihm auf und sah in ein mehr als ratloses Gesicht. “Aiko / Miyuki, glaubst du wirklich das hier ist… ein Traum?” Überrascht über diese Frage sah sie ihn verständnislos los an und schniefte. “Ja. Ich meine… es ist viel unmögliches … passiert und du hast dich auch… >schnief< ganz anders verhalten als sonst und … das … das du mich … liebst … >schnief< kann nur ein Traum sein.” Wieder liefen mir Tränen übers Gesicht und ich schloss meine Augen, weil ich sowieso nur noch verschwommen sah. Es war einfach… Sie wusste es nicht. Doch bevor sie es herausfinden konnte, hörte sie Wolfruns Stimme: “Miyuki, sieh mich an.” Zögernd sah sie ihn an. Er erwiderte ihren Blick. “Ich hab keine Ahnung wie du darauf kommst, dass hier sei ein Traum. Aber da du mir wohl nicht glauben wirst, wenn ich dir sage das ist kein Traum muss ich es dir wohl beweisen.” Plötzlich setzte er sein typisches Grinsen auf, packte sie, hob sie hoch und rannte mit ihr zum anderen Ende des Pavillons und zum zweiten Mal in dieser Nacht, sprangen sie in die Dunkelheit. Wieder klammerte sie sich an Wolfrun. Den Schrei unterdrückte sie und plötzlich spürte sie wie sie in Wasser eintauchte. Es war nicht kalt, eher angenehm kühl und sie fühlte sich völlig schwerelos. Dann spürte sie wie sie nach oben gehoben wurde. Als sie die Wasseroberfläche durchbrachen schnappte sie automatisch nach Luft und musste gleichzeitig husten. Sie bemerkte nicht das Wolfrun sie beide in trockene Gefilde brachte, sie dort absetzte und sich neben sie kniete. Wieder grinste er sie an und wischte sich das Wasser aus dem Gesicht. “Na, glaubst du mir jetzt?” Sie war klitschnass. Ihre Kleider hatten sich mit Wasser voll gesaugt und alles klebte an ihrer Haut. Aber sie wusste jetzt das sie nicht träumte. Das hier war kein Traum und das bedeutete … Sie sah ihn einen Moment an und dann warf sie sich in seine Arme und küsste ihn. Zwar hatte sie keine Ahnung ob sie ihn richtig küsste, aber das war ihr völlig egal. Denn das sie nicht träumte, war für sie ein unglaubliches Glück.

Wolfrun

Er musste sich ein Lachen verkneifen, als er sie ansah. Sie sah völlig überrumpelt aus, ihre Frisur hatte sich aufgelöst und ihre Kleider klebten ihr am Leib. Völlig überrumpelt blickte sie an sich herab. “Na, glaubst du mir jetzt?” Hoffentlich war ihr jetzt klar, dass sie nicht träumte. Schließlich hatte er nicht seinen
ganzen Mut zusammen genommen und ihr seine Liebe gestanden und dann glaubte sie es wäre nur ein Traum. Plötzlich spürte er wie er nach hinten gedrückt wurde und sich etwas weiches auf sein Maul drückte. Im ersten Moment war er so überrascht das er gar nicht begriff, was gerade passierte. Doch dann realisierte er das Miyuki ihn küsste. Sie küsste ihn! Er war so perplex das er nicht reagieren konnte, dann aber umschloss er Rotkäppchens Gesicht und erwiderte den Kuss mit all seiner Liebe. Er war sich zwar nicht sicher, was das jetzt genau zu bedeuten hatte, allerdings hoffte er das dass etwas bedeutete. Als sie den Kuss dann lösten, lag ein deutlicher Rotschimmer auf Miyukis Gesicht, aber sie strahlte ihn an. Er konnte das Lächeln nur erwidern und strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. “Ich glaube jetzt träume ich gerade.” Bei seinen Worten begann die Kleine zu lachen und warf sich wieder in seine Arme. “Na hoffentlich nicht! Ich fürchte nämlich einen zweiten Sprung ins Wasser würden uns die anderen Tiere mehr als übel nehmen.” Nun, ob die hiesigen Tiere ihm das übel nahmen interessierte ihn herzlich wenig. Das sich Miyuki allerdings darüber Gedanken machte, hätte er sich denken können. Und auch das war einer der Gründe warum er sie liebte. Und er hoffte für sich, dass die Großmutter mit ihrer Vermutung nicht daneben lag. “Sag mal, willst du mir nicht vielleicht auch etwas sagen?” Wieder blickte die Kleine ihn überrascht an, dann jedoch lächelte sie. “Ich… habe heute etwas begriffen, Wolfrun. Etwas, was ich schon lange Zeit in mir trug, aber nicht verstand. Wahrscheinlich bin ich wirklich etwas naiv und auch etwas begriffsstutzig. Eines weiß ich aber ganz genau … Ich liebe dich, Wolfrun. Mehr als alles andere auf der Welt.” Bei den Worten “Ich liebe dich” wurde sie zwar etwas leiser, allerdings verstand er sie sehr genau und die Freude über diese Worte brachte sein Herz fast zum zerspringen. Aber eine Sache gab es noch die klar stellen musste. Deshalb zog er sein Rotkäppchen fest in seine Arme, bog ihren Kopf leicht nach hinten und gab ihr einen Kuss in dem er all seine Gefühle legte. Dann löste er den Kuss und schob sie etwas von sich, damit sie ihm in die Augen sehen konnte. “Das ist es, was ich immer wollte. Doch eines muss ich dir noch sagen! Ich liebe dich und ich bin nicht bereit dich mit irgend jemanden zu teilen. Du gehörst ganz allein mir. Egal was deine Familie mit diesen Adelspack ausgemacht hat, du bist meine Gefährtin und nicht die des Knallkopfs! Ich will dich aber auch nicht von deiner Familie trennen, allerdings fürchte ich das wir nicht mit ihrem Segen rechnen können. Na ja, mal abgesehen von deiner Großmutter. Und der Prinz wird es auch nicht so einfach hin nehmen. Er wird uns seine Jäger auf den Hals hetzen und versuchen dich zurück zu holen, damit er dich zur Frau nehmen kann. Wenn du dich entscheiden solltest, mit mir zusammen zu sein, wird es nicht einfach werden. Vielleicht müssen wir auch von hier fortgehen. Darum möchte ich , dass du dir im klaren bist, was das bedeutet. Für dich und für uns. Aber eines verspreche ich dir: Egal was noch kommen mag, ich werde jeden bekämpfen der versucht dich mir wegzunehmen. Jeden! Das schwöre ich bei meinem Leben!” Diese Worte sprach er sehr mit so viel Ernst und Stärke, wie er konnte. Es war sehr wichtig für sie beide und er wollte unter gar keinen Umständen, dass sie irgendwann die Entscheidung bereuen würde, ihn gewählt zu haben. Und das schien Miyuki auch begriffen zu haben. Fest erwiderte sie seinen Blick und dachte wohl über das was er ihr sagte nach.

Miyuki

Eine Zeit lang saßen sie sich stillschweigend gegenüber, ihre Blicke miteinander verbunden. Dann regte sich das Rotkäppchen und gab ihrem Wolf einen Kuss auf die Nase. “Mir ist klar, dass es nicht einfach werden wird. Aber all das hier, der Reichtum, der Luxus und der Glanz bedeuten mir nichts im Vergleich zu dir und von dir getrennt zu sein ist für mich das schlimmste auf Erden. Vielleicht muss ich meine Familie verlassen, aber so lange du an meiner Seite bist ist alles andere egal. Darum bitte ich dich: Bleib für immer an meiner Seite! Das ist alles was ich will.” Der Gedanke ihre Familie zu verlassen schmerzte, aber nicht so sehr wie der Gedanke Wolfrun zu verlassen. Sie liebte ihn. Brauchte ihn und nur mit ihm konnte sie glücklich werden. Einen Moment zögerte er. Dann jedoch stand er auf, zog sie auf die Beine und umarmte sie. “Ich werde dich nie verlassen. Das schwöre ich.” Glücklich über seine Worte schmiegte sie sich enger an ihren geliebten Wolf und lauschte seinem Herzschlag.
All die Jahre war er an ihrer Seite gewesen.
All die Jahre war er für sie das wichtigste auf der Welt.
All die Jahre liebten sie einander.
Und es brauchte nur eine einzige Nacht um alles was bisher gewesen war, für immer zu verändern.

Und so kam es, dass der Wolf der ursprünglich das Rotkäppchen fressen wollte und das Rotkäppchen, dass dem Rat der Mutter nicht folgte, einander lieben lernten. Sie schworen sich ewig zusammen zu bleiben und einander zu beschützen. Tief im Wald, verborgen vor den Augen, derer die ihre Liebe verachteten lebten sie glücklich und zufrieden, bis ans Ende ihrer Tage. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute…
 
 
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