Back in the desert

von anyrei
GeschichteAngst, Schmerz/Trost / P18 Slash
23.03.2013
01.06.2014
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Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
Kapitel 2: Stille Worte

(A.d.A. Vielen Dank für eure lieben Reviews (Ihr seit so eine riesige Motivation!) Ostern hat mich leider auch vom Schreiben abgehalten, aber jetzt kann ich endlich wieder loslegen! An einer Stelle habe ich mich entschieden ein Zitat nicht zu übersetzen. Ich hoffe ihr verzeiht mir das, aber manchmal sind Moffats Sätze einfach nicht zu übersetzen ohne die Wucht dahinter zu verlieren. Ich hab es versucht, aber die Übersetzung klang einfach zu blöd. Für alle Leute, die im Englischen nicht so fit sind, aber trotzdem hier die grobe Übersetzung: Alle Leben enden. Alle Herzen brechen. Sich Sorgen ist kein Vorteil. *brrr*)

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Meistens belehrt erst der Verlust uns über den Wert der Dinge. - Arthur Schopenhauer

Ich vermisse dich.

Das hatte John gesagt, als er an seinem Grab gestanden hatte. Sherlock war bei diesen Worten erstarrt.
Als John erklärte, was er vorhatte, war es so, als würde eine eiskalte Faust sich um Sherlocks Herz schließen.

Das war nicht der Plan. Sherlock wollte Moriartys Scharfschützen finden und ausschalten, damit er und John wieder zusammen sicher in der Bakerstreet leben konnten. Erst wenn diese Verbrecher von der Bildfläche verschwunden waren, konnte er wieder in sein Leben zurückkehren. Sein Leben mit John.

Doch so lange die Situation nicht geklärt war, war das unmöglich. Moriarty hatte gesagt, dass seine Scharfschützen alle töten würden, wenn er nicht vom Dach springen würde. Wenn er jetzt wieder von den Toten auferstehen würde, wäre alles umsonst und Mrs Hudson, Lestrade und vor allem John wären wieder in Gefahr.

Aber wenn John jetzt nach Afghanistan zurückkehren wollte... Ausgerechnet Afghanistan. Das Land, in dem er fast gestorben war, das Land von dem er immer noch in seinen Albträumen verfolgt wurde.

Wie sollte er John in so einem Land beschützen? Sherlock überlegte fieberhaft, was er tun sollte und kam zu einem Schluss, der ihm überhaupt nicht gefiel. Aber er hatte keine andere Wahl.

Sogar das würde er tun – für John. Und die Tatsache, dass er es tatsächlich in Erwägung zog, seinen Bruder um Hilfe zu bitten, war etwas, das Sherlock noch nachdenklicher werden ließ. Wann hatte John in seinem Leben so einen essentiellen Platz eingenommen?

All lives end. All hearts are broken. Caring is not an advantage...

Diese Worte hatte Mycroft vor nicht allzu langer Zeit zu ihm gesprochen und Sherlock hatte ihm zugestimmt. In den Fluren des Krankenhaus, wo sie eine kleine Gruppe Menschen beobachtet hatten, die über den Verlust eines Familienmitgliedes weinten. Sherlock hatte es in diesem Moment nicht verstanden; diese Gefühle waren ihm alle fremd. Menschen waren ihm schon immer egal.

Aber John... Mit John war es was anderes. Sherlock hatte niemals einen Freund gehabt. Jemanden, dem er vertraute – so sehr, dass er auch wusste, dass John sein Leben für ihn opfern würde und umgekehrt. Und das war der Grund, warum er John nichts von seinem Plan mit Moriarty erzählt und ihn weggeschickt hatte. Moriarty hätte John zweifelsohne getötet. Das Finale war zwischen Sherlock und Moriarty und dieser hätte nicht toleriert, dass John dabei gewesen wäre.

Als er John kennen gelernt hatte, hatte John ihm das Leben gerettet. Und jetzt hatte Sherlock dasselbe getan.

Doch der letzte Schachzug in dem großen Spiel gegen Moriarty hatte Sherlock zu viel gekostet. Sein altes Leben in der Bakerstreet war für ihn nun erst einmal unerreichbar. John war für ihn unerreichbar. Und ohne John machte das Spiel keinen Spaß. Aber das war nicht alles. Und wenn er alle Gedanken über John summierte, so lief es auf eine Sache hinaus: Er vermisste John.

Ein Gedanke, der Sherlock neu war, und dieser war mit einem Gefühl verbunden, das ihm nicht gefiel.

Vielleicht hatte Mycroft recht, und Gefühle zu haben, war kein Vorteil. Aber es änderte nichts daran, dass Sherlock sie dennoch hatte. Auch wenn es nur für einen Menschen war.

Mycroft... Sherlock wusste, dass John bei ihm gewesen war, um ihn zur Rede zu stellen. Sherlock hatte sich die Mühe nicht gemacht. Ihm war im Vorhinein schon klar, dass Moriarty die Informationen von seinem Bruder erhalten hatte, trotzdem hatte ihn die Tatsache damals sehr schockiert. Nicht so sehr, weil sein Bruder ihn verraten hatte, sondern weil er Moriarty in die Falle gegangen war. Sein Bruder war - wie er - stolz auf die Tatsache, solche Dinge normalerweise zu durchschauen. Meistens gelang ihm das auch, doch im Fall von Moriarty hatte er seinen Meister gefunden.

Vielleicht weil Moriarty eben nicht vollkommen emotionslos war. Vielleicht hatte er nicht damit gerechnet, dass Moriarty eine ganz tiefe emotionale Variabel in das Spiel gebracht hatte. Er wollte Sherlock nicht nur töten, er wollte sein ganzes Leben zerstören. In diesem Fall war es eher von Vorteil, wenn man selbst Gefühle kannte, schlussfolgerte Sherlock schließlich. Man kann nur gegen einen Gegner kämpfen, den man versteht. Wenn man gegen Emotionen kämpft, muss man sie und ihre Beweggründe kennen. Gefühle folgen einer eigenen Logik, die man nur vorhersehen kann, wenn man sie selbst kennt.

Ohne John zu kennen und den Einfluss, den er auf sein Leben hatte, hätte Sherlock vielleicht niemals gegen Moriarty triumphiert.

Aber all das war jetzt unwichtig. Denn mit seinem Sieg über Moriarty hatte er John verletzt. Tiefer als er sich damals vorstellen konnte. Und um John zu beschützen, musste er sich bei seinem Bruder Hilfe holen. Sherlock grinste schief. Zumindest konnte er dafür sorgen, dass sich Mycroft wegen allem was vorgefallen war, richtig schlecht fühlte.