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Gegenstrom

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
20.03.2013
17.07.2013
13
10.808
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20.03.2013 842
 
Würden wir C.B. aus den Augen verlieren, würden wir ihn nicht mehr so schnell in die Hände bekommen. Und das durfte auf keinen Fall passieren.
Ich rannte hinter Jules her. Als ich die Tür zum Deck aufstieß, schloss ich erst mal meine Augen. Dass es so einen heftigen Wetterumschwung gegeben hatte, war an mir vorbeigegangen. Eiskalter Meereswind blies mir ins Gesicht. Das Meer war unruhig, noch etwas mehr und das Schiff würde sich hin und her wiegen. Bei dem Gedanken wurde mir schlecht.

Ich blickte mich um, und konnte niemanden sehen, noch hören. Der Wind pfiff mir inzwischen in die Ohren, als müsste ich unbedingt taub werden. Entschlossen setzte ich meinen Fuß nach vorne, der Wind wandelte sich zu einem Sturm, drehte und schob mich zurück. Ich verlor das Gleichgewicht und wäre beinahe mit dem Kopf gegen den Türrahmen geknallt, hätten mich nicht zwei starke Hände aufgefangen.

Fassungslos starrten wir uns an. „Was tust du hier?“
„Charles jagen.“  Etwas sehr selbstverständlich kam meine Antwort. Er sah mich dementsprechend an. Ich setzte noch eins nach. „Deine Liebste jagt übrigens auch.“
Sams Stirn schlug für einen kurzen Augenblick Denkfalten, dann wirkte er gefasst. Ich verlor dafür meine Haltung. „Sam, du blutest ja!“ Rasch ergriff ich seine Schulter, und versuchte die Blutung zu stoppen.
Er blickte von seiner Schulter zu mir, sein Gesichtsausdruck noch immer bedenklich gefasst. Vorsichtig, beinahe zärtlich nahm er meine Hand von sich. „Tracy. Es geht mir gut. Wo ist Jules?“
Wieso auch immer, ich brachte kein Wort hervor. Meine Augen waren gefesselt von der Ruhe meines Lebensretters, mein Liebster aller Cops. Er lebte und das war gerade das Wichtigste.
„Trac-“
Weiter kam Sam nicht. Er knickte zusammen, rutschte die Wand mit dem Rücken entlang auf den Boden und lehnte seinen Kopf nach hinten. Die Augen waren mühevoll auf mich gerichtet. Bestürzt glitt ich auf meine Knie. „Der Blutverlust ist groß.“, murmelte ich und erneut drückte ich meine Hand hilflos auf seine Schulter. „Ich bin keine Expertin, Sam. Woher kommt diese Wunde? Wo warst du überhaupt, und wie… “ Ich hatte viel zu viele Fragen. „Verdammt, ich weiß nicht was ich tu-“
„Tracy. Sch.“ Sams Stimme war mit einem Mal so schwach, ich konnte sie kaum hören. Verdammter Wind. „Tracy?“
„Ja?“, fragte ich nun etwas seliger, seine Ruhe hätte jeden umwickelt.

Das änderte sich schlagartig.

Sam zog eine Waffe hinter sich hervor. Meine Augen wechselten irritiert zwischen dem metallenen Dings und seinen beinahe glanzlosen blauen Augen hin und her. „Schon mal in der Hand gehabt?“
Prompt kam meine empörte Antwort. „Natürlich nicht.“ Natürlich schon! Das bringt das Leben mit einem gesuchten Verbrecher als Mann so mit sich.
Er schüttelte den Kopf, so als ob er mir die Wahrheit von den Augen laß. Sam kannte mich inzwischen gut, was einerseits süß und andererseits gefährlich war. „Du musst Ju-“
„Nein.“, ich fiel den Blondschopf ins Wort, meine Hand rutschte dabei von seiner Schulter, er verzog das Gesicht, ich flüsterte ein Entschuldigung und fuhr dann wieder fort. „Du bleibst gefälligst bei Bewusstsein und –“ Und plötzlich war alles anders.

Ich weiß noch wie Sam meinen Namen rief und mich zur Seite schob. Ich drehte meinen Kopf in seine Blickrichtung, und da stand wenige Meter entfernt einer von Charles Männern. Er blickte völlig wutentbrannt auf das vom Regen total durchnässte Paar vor sich. Blitzschnell war Sams Waffe in meinem Besitz.

Es knallte, es gab ein Peng und ein klatschendes Geräusch als die Masse von Körper auf den Boden aufschlug.

Dann waren wieder nur die Tropfen zu hören, die unerbittlich auf uns niederprasselten.
Ich schüttelte den Kopf und begann zu zittern, spürte dann seine kalte, aber beruhigende Hand auf meiner.  Mit meiner anderen Hand krallte ich mich an dem metallenen Ding fest. Erschöpft ließ sich Sam vollends zurücksinken, lehnte seinen Kopf gegen die Wand  und formte so etwas Ähnliches wie ein Beeindruckend mit den Lippen.
Ich nickte, noch etwas entgeistert, und setzte zum Sprechen an, als ein Schuss uns aus den Gedanken riss.
Jules!
Ich hatte sie völlig vergessen.

„Warte hier.“, rief ich zu Sam und rannte ohne weitere Worte los.

Ich rannte nicht ganz so schnell wie ich wollte, wegen dem durch den Regen verflucht rutschigen Boden. So hörte ich gerade noch Stimmen hinter mir. „Sam. Ist bei ihnen alles okay?“ Hastig drehte ich mich um. Ohne wirklich langsamer zu werden, erblickte ich die Gesichter seiner Teamkollegen, in voller Montur. Das darf doch nicht wahr sein, schoss mir durch den Kopf. Der Technikfreak der Bullenbande kniete sich zu Sam nieder und begutachtete die Wunde. Der Sergeant sah mir nach, unsere Blicke trafen sich. „Ist sie das?“, hörte ich ihn sagen, während der Glatzköpfige und ein weiterer mir unbekannter Mann meiner Richtung hinterherfolgten, im Laufschritt versteht sich.
Also hatte Jules ihre Kollegen alarmiert? Oder war es Sam? Aber wie konnte die Bande so schnell herkommen? Hubschrauber? Nein, das hätten wir gehört. Sie mussten mit einem Schiff der Küstenwache an Bord gekommen sein.  
Also hatten Jules und ich nun Hilfe. Alles würde gut werden.

Dachte ich.

Und rannte mit meinen Verfolgern geradewegs ins Unglück.
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