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Gegenstrom

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
20.03.2013
17.07.2013
13
10.808
1
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Dieses Kapitel
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20.03.2013 789
 
(heute mal wieder mit ein bisschen mehr Jam..)

Ich lag im Bett, Ray war eingeschlafen. Ich dachte über Sam nach. Ich kannte ihn inzwischen sehr gut, und mit großer Sicherheit konnte ich sagen, was er vorhatte. Entweder seine eigenen Kollegen informieren, die jedoch außerhalb der Landesgrenzen kaum Befugnisse hatten. Und überhaupt, auf diesen Kreuzer zu kommen war unmöglich. Nein, Sam würde mit Jules reden und den Captain des Schiffes informieren. Ich schloss die Augen, und fragte mich was den beiden durch den Kopf ging.

Sam kam aus dem Bad gehastet und eilte unter die Bettdecke. Jules schoss in die Höhe.
„Kalte Füße?“ Jules sah ihn schmunzelnd an, nickte. Sam lächelte, zog sie zurück ins Bett und schmiegte sich an sie. Er ließ seine Hand unter ihr Nachthemd wandern, mit sanften Bewegungen strich er über ihre zarte Haut. Jules ließ es sich gefallen, erwiderte aber nicht.
Sam zog seine Hand zurück, stützte seinen Kopf auf die andere und blickte seine Süße nachdenklich an. „Welche Gedanken spinnen in deinem Kopf herum?“
Ihre Augen wanderten über die Zimmerdecke, schließlich landeten sie bei einem Paar eisblauer, durchdringender Augen. „Es ist wegen heute. Und den Tagen davor. Erst triffst du Tracy, und nun haben wir alle am Hals.“
Sam ließ seine Hand erneut unter ihr Shirt gleiten, mit kreisförmigen Bewegungen umformte er ihren Bauch. „Ich sagte doch. Morgen früh, gehe ich gleich zum Captain. Der wird die nächste Küstenwache benachrichtigen. Mehr können wir nicht tun. Und du solltest schon gar nicht erst daran denken, etwas selbst in die Ha-“
Jules legte einen Finger auf seine Lippen und schnitt ihm das Wort ab. „Sam.“, ihre Stimme war vorwurfsvoll. Sie atmete tief ein und wieder aus.  „Erneut. Ich bin schwanger. Nicht krank, oder sonst wie dienstunfähig.“
Sam musste schmunzeln. „Und du bestehst weiterhin darauf, bei unserer nächsten Station auszusteigen und diesen blöden Wandertrip zu unternehmen? Ich kann dich nicht davon abbringen?“
Lächelnd schüttelte Jules den Kopf. Ihre Hand strich nun über Sams Hand, und folgte den kreisenden Bewegungen um ihren Bauch. „Die Zwillinge wollen Bewegung, raus in die Natur, andere Kulturen kennen lernen. Relaxen liegt den beiden einfach nicht.“ Das Lächeln auf Sams Lippen war das stolze Lächeln eines Vaters. Liebevoll näherte er sich Jules Gesicht und küsste ihre Lippen. Jules umfasste seinen Körper und zog ihn an sich. Die Sorgen der letzten Tage waren vergessen.


Ich war alleine zum Frühstück gegangen, hatte Ray zurückgelassen. Eiligst und wortlos, und nach wie vor sauer auf ihn. Als ich zurückkam, war die Tür unserer Kabine halb angelehnt. Eventuell war Ray losgegangen und hatte die Tür nicht sorgfältig verschlossen. Ich glaubte mir selbst nicht und machte es kurz und schmerzlos. Der Flur war leer.  Auch das Schlafzimmer war wie immer.
Ich runzelte die Stirn. Langsam drehte ich mich um, zur Tür des Badezimmers, öffnete sie. Da war es. Ein kleines Loch zierte seine Schläfe, rötliche Fäden zeichneten sich darunter ab. Ich ging näher zum Spiegel und riss das Polaroidfoto herunter. Die Message war angekommen.

Charles! Erst unterdrückte ich es, dann heulte ich los. Heulend schloss ich die Badezimmertür, ging zum Schrank und begann zu wühlen. Ich suchte alle Teile, die es brauchte um Rays Waffe zusammenbasteln zu können. Er hatte sie zerlegt und gut geschützt, an Bord gebracht.  Nie wollte ich so ein Ding in die Hände nehmen, doch jetzt würde ich Rache nehmen. Mein Leben beschützen. Und das von Sam und Jules.

Es klopfte an der Kabinentür. Wie aus dem Traum gerissen, schreckte ich hoch. Mit hastigen Fingern schob ich die Waffe unter das Bett.
Ich lugte durch den Türspion und traute meinen Augen nicht. Hastig wischte ich meine Tränen weg. Mit dem besten unschuldigen Blick, den ich schaffte, machte ich die Kabinentüre auf.
Im Flur eine kleine stramme Persönlichkeit, leicht verzweifelt und leicht wütend. Ihre braunen Augen funkelten mich an. Für mich war es unmöglich ausfindig zu machen, welche Gefühle in ihr wohl vorgingen. Jules verstand es sich verschlossen zu zeigen. Selbst in diesem Moment, der so banal erschien. Total überflüssig, wo die Situation in der ich mich befand ohnehin schon fern meiner je erdachten Realität war. Rays Tot. Charles hoch aktiv auf Treibjagd…
Jules Worte schienen meinen Drang in einen Traum flüchten zu wollen zu bestärken.

„Sam ist weg.“

P.S.: mein liebes Tagebuch: mir kam noch etwas anderes unter als ich Rays Sachen durchwühlte. Es war klein, von einem braunen zerwetzten Lederumschlag geschützt. Meine Finger waren zittrig als ich die erste Seite aufschlug. Es war seine Schrift. Rays Tagebuch. Das war der Zeitpunkt an dem ich begonnen hatte zu lesen und seine Erzählungen mit meinen zu ergänzen. Und als erstes nahm ich mir die letzten paar Einträge vor, damit Jules und ich endlich verstehen konnten was auf diesem verfluchten Kreuzer vor sich ging…
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