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Gegenstrom

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
20.03.2013
17.07.2013
13
10.808
1
Alle Kapitel
20 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
20.03.2013 765
 
(so, endspurt, nur noch wenige chaps fehlen.. hf :)


„Ein flüchtiger Blick deiner Augen und mein Leben gehört dir.“ (Thin Red Line)




Wir alle, wir hatten alles mitansehen müssen. Wie Charles Körper für einen langen Moment erstarrte. Jules das Messer wieder herauszog und ihm einen letzten Kick in den Bauch gab, einen gekonnten Stoß in den Nacken. Wieder und noch einmal. Bis er zusammenbrach und sich Ed auch schon über ihn beugte mit vollem Gewicht.
Sie kniete sich erschöpft nieder, ihren Körper lehnte sie an die Relingstangen hinter sich.
Ich begann langsam wieder zu atmen. Spike eilte gehetzt zu Ed und half Charles Wunde zu versorgen. Sam stand starr wie eine Statue. Nach wie vor blutend. Ich wollte erst versuchen ihn zum Hinsetzen zu bewegen, doch der Blondschopf war apathisch und stumm. So hatte ich ihn noch nie erlebt. Was war los?
Sams wundervolle Lippen murmelten etwas Unklares, ich versuchte zu verstehen, was er sagte. Irgendwie zu ihm durchzudringen. Aber als ich die Worte endlich verstand, war mir schlagartig klar was los war. Er hatte einen Flashback. Er gab militärische Codes von sich, murmelte etwas von Verletzten.
Ich schritt an ihnen vorbei, an Ed, dessen Blick wutentbrannt war, und ließ mich, wie Greg auch, neben der starken Kämpferin nieder. „Jules.“

Kurz hielt ich inne, blickte zum Körper meines Charles. Ich wollt mich schon zu ihm beugen, ihm brutal und hastig das Hemd vom Leib reißen. Doch Greg hatte längst was ich brauchte.

Und verdammt, es wollte nicht aufhören zu regnen.

Ich kniete nahe neben Jules. Ihre Augen sahen wie in Trance zu C.B. hinüber. Ich strich ihre Hand entlang, nahm das Messer von ihr, an dem sie sich festgekrallt hatte und Greg ihr nicht abnehmen durfte. Ich schaffte es gefühlvoll, schüttelte den Kopf und wiederholte verzweifelt ihren Namen – immer und immer wieder.
„Sam.“ Murmelte sie nur. Sie wollte ruckartig aufspringen, doch Greg und ich drückten sie entsetzt nieder. „Jules! Beruhigen sie sich“, hörte ich die angespannte Stimme ihres Sergeants. Er sah zu Charles rüber, dann zu mir. „Wo bleiben die verdammten Sanitäter. Ich hole sie. Bleiben sie bei ihr?“
Ich nickte stumm. Und schon war ich alleine mit Jules. Aber nur quasi, denn um uns herum waren die anderen. Wordy, der Ed auf die Beine half und Charles versorgte. Spike, der neben Sam stand. Sams Hülle.

Meine Stimme zitterte. „Oh Gott, es tut mir so leid.“
„Ich muss zu Sam.“
„Jules du kannst jetzt nicht aufstehen.“ Ich drehte mich um, sah zu Sam und Spike. Der junge Cop bemerkte mich nicht einmal, so intensiv versuchte er zu Sam durchzudringen. Ich verstand mittlerweile, warum er so weggetreten war. Ich schaute wieder zu Jules, und versuchte ihren teilnahmslosen Blick einzufangen, doch er war auf Charles Körper festgeklebt. „Du blutest.“, murmelte ich.
Nun richteten sich Jules Augen auf mich. „Sein Blut. Charles‘ Blut.“
Ich begann zu weinen, nahm die Mullbinde aus Gregs Hosentasche an mich. Sie war durch den Regen völlig durchnässt, ich drückte sie aus und knüllte sie erneut zu einem Ball. „Nein, Jules. Dein Blut. Es tut mir alles so schrecklich-“ Weiter kam ich nicht.
Sie begriff mit einem Mal. Ihre Augen glitten nach unten, ihre Hand strich über ihren nassen Bauch und hielt an einer Stelle inne. Die Stelle, an der es sich angefühlt haben musste, als würde ihr Kind die Faust in ihre Bauchwand rammen, um den bösen, bösen Mann zu treffen. Die Stelle, an der Charles sein Messer in ihren Bauch gleiten ließ, kurz bevor sie es ihm entwendet und selbst benutzt hatte. Es passierte alles so verdammt schnell.

Ich nahm vorsichtig ihre Hand, die sich kalt und leblos anfühlte. Mit der anderen drückte ich die Mullbinde auf die Stelle an ihrem Bauch. Ich konnte beim besten Willen nicht feststellen wie tief der Einstich ging, wenige Zentimeter, oder vielleicht mehr.
„Sam.“ Ihre Augen starrten suchend in die Leere. In den abendlichen Himmel.
Meine Tränen nahmen kein Ende, oder war es der Regen? „Jules, ich hole ihn. Okay?“ Ich würde meinen liebsten aller Cops schon aus seiner Apathie holen. Und wenn ich ihm in den Hintern treten müsste. „Drück das hier fest an dich.“
Ich nahm Jules Hand und legte sie auf die Mullbinde, die sich erneut mit Blut und Regen vollgesogen hatte. Ihre Hand rutschte hinunter.
Ich flehte und fluchte zeitgleich, hilfesuchend blickte ich zu Ed und Wordy. Letzterer gab mir zu verstehen, er komme gleich.
Ich starrte wieder zu Jules hoch. Ihre Augen sahen weiter in die Ferne, diesmal mit einem Glänzen. Die Mullbinde fest an ihren Bauch gedrückt, drehte ich mich nach hinten, ihrer Blickrichtung folgend.

Da stand er.
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