So nah und doch so fern…

von - Leela -
GeschichteAngst, Freundschaft / P12
Eddie Jake Jessica Tracy
20.03.2013
20.03.2013
1
5273
 
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Eddy und Jake kamen gerade vom Einkaufen zurück, parkten GB in der Garage und nahmen die Tüten von dem Rücksitz.
      „Also, ich verstehe nicht, daß sie die Marshmallow-Schokocreme nicht mehr haben!“ beschwerte sich Eddy. „Die war so genial, die konnte man einfach für alles verwenden!“
      „Ich sollte vielleicht mal einen Dankesbrief an den Laden schreiben!“ ließ sich GB vernehmen. „Vielleicht nimmst du ja jetzt mal ab!“
      „Ach, laß gut sein, GB!“ meinte Jake. „Eddy hat recht, es ist wirklich eine Schande.“
      „Ja! Wie gut, daß du nachgefragt hast, sonst wüßten wir gar nicht, daß sie aus dem Sortiment genommen wurde. Ich hätte wirklich gedacht, daß sie schlicht ausverkauft ist!“ meinte Eddy mißmutig.
      „Wir schauen mal, ob wir sie wo anders herbekommen können! Jessica kommt doch heute vorbei, wir können sie mal fragen, ob sie vielleicht einen guten Tip hat!“
      „Ja, das ist eine gute Idee!“ stimmte Eddy zu und ging voran zum Skelevator.
      Jake drehte sich noch einmal um. „Schlaf’ gut, GB!“ Dann machte er das Licht in der Garage aus und folgte Eddy in den Skelevator.
      „Zum Büro, Skelevator!“ wies Eddy bereits an.
      „Wenn ihr meint…“ bekam er zur Antwort.
      „Was soll das denn heißen?“ bemerkte Eddy gereizt.
      „Welche Büroebene hättet ihr denn gerne?“ kicherte der Skelevator.
      „Ein Stockwerk im einstelligen Zahlenbereich!“ gab Jake unmißverständlich Auskunft.
      „Das ist aber langweilig…“ beschwerte sich der Skelevator und setzte sich in Bewegung.
      Jake stellte seine Tüte zu der anderen auf den Boden, lehnte sich an die Wand der Kabine und atmete durch. Warum ging es nicht einmal ohne Diskussionen ab?
      „Wann wollte Jessica eigentlich kommen?“ erkundigte sich Eddy.
      „Gleich nach der Presseversammlung!“ meinte Jake und fügte schmunzelnd an: „Sie meint, danach braucht sie erst mal Erholung!“
      „Na, wie beruhigend, daß sie sich dafür einen Besuch bei uns aussucht!“ Eddy sah reflexmäßig zur Uhr. „Weißt du, wann das ist?“
      „Nein, das konnte sie selbst nicht genau sagen. Das kommt immer darauf an, wie lange sich die Veranstaltung hinzieht!“
      „Hm, dann haben wir ja vielleicht gleich noch Zeit, etwas schönes vorzubereiten! Ich könnte Nougattörtchen machen…“
      Eddy hatte knapp ausgesprochen, als plötzlich ein Rucken durch die Kabine ging, und der Skelevator stand.
      Jake sah irritiert auf. „Sind wir schon da? Du kannst die Türen ruhig aufmachen, Skelevator!“
      „Irrtum!“ war die Antwort. „Genau das kann ich nicht! Und wir sind auch nicht da, sondern auf einer Zwischenebene!“
      Jake warf dem Skelettkopf einen abschätzenden Blick zu. „Okay, laß den Blödsinn! Fahr endlich weiter, auf solche Scherze habe ich gerade echt keine Lust!“
      „Ich würde ja, wenn ich könnte!“ gab der Skelevator zurück, und seine Stimme klang ausnahmsweise nicht belustigt.
      Eddy stutzte. „Was willst du damit sagen…?“
      Jetzt wechselte die Stimmlage des Skelevators in Ärger. „Bist du so schwer von Begriff? Ich hänge fest!“
      Eddy schnappte nach Luft. „So richtig? Ich meine, probier es doch mal mit dem Rückwärtsgang!“
      „Irgend etwas blockiert mich vollständig! Ich kann weder vor noch zurück! War das jetzt deutlich genug?“
      Jake atmete durch. „Na, wunderbar! Das hat uns noch gefehlt!“
      „Und das ist jetzt auch kein Witz?“ fragte Eddy skeptisch.
      „Wirke ich auf dich, als würde ich mich amüsieren?“ war die Antwort vom Skelevator darauf.
      Jake ging bereits durch die Kabine zum Skelettkopf. „Okay, es muß doch so etwas wie einen Notfallknopf geben.“
      „Den gibt es auch! Du mußt nur die richtige Tastenkombination eingeben!“ erwiderte Skelevator.
      Jake stutzte. „Okay, und wie ist die?“
      „Was weiß ich? Ich bediene mich ja so selten selbst!“
      Eddy wandte sich zu Jake um. „Haben wir nicht ein Skelevator-Handbuch?“
      „Ja!“ grummelte Jake. „Das liegt wohlbehalten im Büro!“
      Eddy warf die Arme in die Luft. „Na, phantastisch!“

Tracy hatte in der Zwischenzeit ein wenig Klarschiff im Büro gemacht. Als es klingelte, ging er, um die Tür zu öffnen. „Hallo, Jessica!“
      „Hallo, Tracy! Schön, dich zu sehen!“ erwiderte sie, als sie eintrat. Dann sah sie sich schnell um. „Sind Jake und Eddy auch da?“
      „Sind einkaufen!“ gab Tracy Auskunft.
      „Ah, okay! Na, dann warten wir jetzt wohl gemeinsam, bis die beiden zurück sind!“
      „Oki Doki! Cappuccino?“
      „Ja, gerne!” Jessica folgte Tracy in die Küche. „Sind sie schon lange unterwegs?“
      Tracy sah zur Uhr. „Müßten jeden Augenblick zurück sein!“ Dann ging er zur Küchenzeile, um Wasser aufzusetzen, während Jessica schon mal vier Tassen aus dem Küchenschrank nahm. Sicher wäre es ein netter Empfang für die beiden Jungs, wenn sie zurückkamen und gleich mit einer Tasse Cappuccino begrüßt werden konnten.

Eddy atmete tief durch und sah sich die Zahnknöpfe auf dem Skelevatorkopf genauer an. „Okay! Die Kombinationen für die Stockwerkeingaben weiß ich. Wieviel kann passieren, wenn ich einfach ein paar Kombinationen ausprobiere?“
      „Das möchtest du gar nicht wissen!“ sagte Skelevator.
      „Wahrscheinlich will ich das wirklich nicht! Aber es nützt ja nichts!“ Etwas unsicher begann er, einige Kombinationen durchzuprobieren.
      „Gibt es denn hier kein Lautsprecher- oder Alarmsystem?“ fragte Jake, der unruhig von einer Seite zur anderen wanderte.
      „Doch, gibt es!“ sagte Skelevator zu Jakes Freude, fügte aber gleich an: „Um es zu aktivieren, muß Eddy nur die richtige Kombination finden!“
      Jake stöhnte auf.
      Eddy gab derweil auf und sah sich um. „Die meisten Fahrstühle haben doch eine Dachluke, durch die man im Notfall rauskommen kann.“
      Jake sah nach oben. Das Dach bestand aus vier Elementen, die mit der Knochenverstrebung miteinander verbunden waren. „Laß uns das versuchen! Heb’ mich hoch!“
      „Was wird das denn jetzt?“ stieß Skelevator hervor, als Eddy die Hände faltete, so daß Jake sich bis zum Dach abstützen konnte.
      Jake tastete das erste Element ab und schlug leicht mit der Handfläche dagegen.
      „Ich nehme euch eure Illusionen ja nur ungerne, aber das wird euch nicht viel nützen!“ ließ sich der Skelevator vernehmen.
      „Versuchen kann man es trotzdem!“ gab Jake zurück. „Los, nehmen wir uns das nächste Element vor!“
      Eddy und der Skelevator stöhnten synchron auf.
      Einen Augenblick später begannen sie die Prozedur auf der anderen Seite von neuem.
      „Jungs!“ Die Stimme des Skelevators klang gepreßt. „Ich hatte bislang noch keine Gelegenheit, mich mit anderen Fahrstühlen zu unterhalten, aber bei mir gibt es keine »Dachluke« zum aussteigen!“
      „Dann ist das ein Konstruktionsfehler!“ stieß Jake ebenso gepreßt hervor.
      „Jake, kannst du jetzt bitte wieder runterkommen? Ich kann dich nicht mehr lange halten!“ ließ sich Eddy vernehmen.
      Jake sprang wieder zu Boden und sah sich verzweifelt die zwei verbleibenden Elemente der Skelevator-Decke an. „Das sieht nicht so aus, als bräuchten wir es da zu versuchen.“
      „Meine Güte… Du hast es echt begriffen!“ höhnte Skelevator. „Ich bin begeistert!“
      Jake und Eddy wechselten einen hilflosen Blick.
      „Okay, was machen wir jetzt?“ fragte Eddy. „Rufen wird nichts bringen!“
      „Nein, wahrscheinlich nicht. Also, was haben wir noch für Möglichkeiten…?“

Tracy und Jessica setzten sich in der Zwischenzeit gemütlich am Küchentisch zusammen.
      „Wie war die Konferenz?“ erkundigte sich Tracy, während er ihr eine Tasse mit Cappuccino hinstellte.
      „Ach, langweilig wie immer!“ erzählte Jessica. „Ich bin nur froh, daß heute niemand auf die Idee gekommen ist, irgendwelche blöden Zwischenfragen zu stellen. Deswegen sind wir auch so schnell fertig geworden. Ich hätte wirklich nicht gedacht, daß ich es vor zwei schaffe, bei euch zu sein.“
      „Liegst gut in der Zeit!“ grinste Tracy.
      „Ja!“ lachte Jessica. „Zu gut! Wenn ich sogar schneller bin als Jake und Eddy!“
      „Haben bestimmt noch nicht mit dir gerechnet!“ Tracy lächelte gewinnend, dann stießen die beiden mit den Tassen an und nahmen einen Schluck.
      „Ah, das ist phantastisch! Dafür lasse ich auch gerne mal so eine Konferenz über mich ergehen!“ meinte Jessica entspannt.
      „Du darfst aber gerne auch so vorbeikommen!“ bemerkte Tracy schmunzelnd.
      Jessica lachte. „Oh, das Angebot nehme ich gerne an! – Wer weiß, wenn ich unangemeldet komme, dann klappt es wahrscheinlich sogar bestimmt, daß Jake und Eddy dann auch da sind!“ fügte sie zwinkernd an.

Eddy untersuchte die Wände des Skelevators in der Hoffnung, eine Luke oder etwas ähnlich hilfreiches zu finden. Ein Schaltpaneel vielleicht.
      Jake versuchte derweil, die Türen des Skelevators aufzustemmen.
      „Du machst es gerade nicht besser, das ist dir hoffentlich klar!“ bemerkte der Skelevator.
      „Aber irgend etwas muß doch funktionieren!“ knirschte Jake.
      „Ja! Ich hätte da eine Idee!“ Jake bemerkte den sarkastischen Unterton zuerst nicht und drehte sich hoffnungsvoll um, da schoß der Skelevator raus: „Zertrümmert mich doch! So kommt ihr hier raus! Ich weiß zwar nicht, wo ihr dann landet, und wie das Leben nach dem Tod aussieht, kann ich euch dann auch nicht mehr erzählen, aaaber es funktioniert!“
      Jake ließ schwer seufzend von der Tür ab. „Mit anderen Worten, es gibt nicht einmal ein Notfallsystem, um die Türen aufzustemmen!“
      „Oh, es gibt ein Notfallsystem, um die Türen zu öffnen!“ widersprach der Skelevator. Eddy und Jake sprachen die Worte leise mit, als er sagte: „Durch die richtige Tastenkombination!“
      „Sag’ mal, weißt du wirklich keine einzige von den Tastenkombinationen, die uns wirklich weiterhelfen könnten?“ fragte Eddy gereizt, der noch immer auf dem Boden entlangkroch auf der Suche nach einer Möglichkeit, aus der mißlichen Lage zu entkommen.
      „Sag’ mal, meinst du wirklich, mir macht es Spaß, mit euch hier festzuhängen?“ schoß der Skelevator zurück. „Wenn es wenigstens Futura und Jessica wären! – Ich weiß nur, daß du bei deinen Versuchen einmal eine Tastenkombination erwischt hast, um die Kabine in das Kellergewölbe zu verfrachten! Dank der Blockade funktioniert das ja aber auch nicht!“
      Plötzlich hatte Jake ein flaues Gefühl im Magen. „Sag’ mal, Skelevator… Gemäß dem Fall, die Blockade wird aufgehoben. Arbeitet dein System dann eigentlich alle eingegebenen Befehle nacheinander ab, oder wie läuft das…?“
      „Vermutlich schon, warum fragst du?“
      Jake sah Eddy wie elektrisiert an, der seinen Blick geschockt erwiderte. „K-kann man einen Reset-Knopf d-drücken?“ brachte er stockend hervor.
      „Sicher!“
      „Laß mich raten!“ gab Jake zurück.
      Doch bevor er dazu kam, sagte der Skelevator: „Du mußt nur unten rechts drücken, einmal kurz. Dann löscht du alle aktuell eingegebenen Befehle!“
      Jake hielt den Atem an, und als er die Aussage kapiert hatte, hechtete er zu dem Schaltkopf und kam dem Hinweis sofort nach.
      „Was passiert jetzt, wenn die Blockade gelöst wird?“ erkundigte sich Eddy.
      „Ich weiß nicht! Entweder bleiben wir einfach stehen, oder wir stürzen ab…“ stellte Skelevator ruhig in den Raum.
      Jake biß die Zähne zusammen.
      „Also, ich würde vorsichtshalber einfach ein Ziel eingeben!“ bemerkte Skelevator.
      Wie in Trance gab Jake noch einmal die Büroebene ein.
      Eddy kroch derweil weiter an der Rückwand des Skelevators entlang und sondierte die Elemente.
      Jake lief unruhig hin und her. „Gibt es denn gar keine Möglichkeit, die wir nutzen können, um hier rauszukommen?“ fragte er, und es klang, als wäre die Frage nicht einmal an jemanden bestimmtes gerichtet, sondern an die Welt im Allgemeinen.
      „Naja, du wirst lachen“, sagte der Skelevator. „Es gibt sogar einen Befehl, mit dem du komplett die Wände nach außen klappen lassen kannst!“ Als Jake sich von Hoffnung erfaßt umsah, ergänzte er: „Aber zum einen würde ich das gerade nicht empfehlen, zum anderen könnte es sein, daß auch der Mechanismus von der Blockade erfaßt ist – wie die Kabine, und die Tür…“
      „Außerdem wissen wir die Tastenkombination nicht!“ stellte Eddy nebenbei fest, während er weiter die Wände untersuchte und mittlerweile bei der nächsten Ecke angekommen war.
      „Das kommt noch dazu“, flötete der Skelevator.
      Jake stöhnte auf, sah zur Decke hinauf und dann zu Boden. Doch auch im Boden schien es keinerlei Notfallluken zu geben. „Hast du schon etwas gefunden Eddy?“
      „Nichts! Keine Luke, keine Klappe, kein Panel… Absolut nichts!“
      „Das hätte ich euch auch gleich sagen können!“ sagte der Skelevator.
      „Und warum hast du das nicht?“ fragte Jake gereizt.
      „Ganz einfach: Weil ihr mir doch nicht richtig zuhört! Ihr wollt ja alles selber ausprobieren!“
      Jake machte eine verzweifelte Geste, schenkte sich aber einen Kommentar.
      Als Eddy aufgab und sich schlicht auf dem Boden aufsetzte, hatte Jake sich nach vorne gegen die Skelevatortür und den Kopf gegen den Arm gelehnt und wirkte, als hätte er Kopfschmerzen. „Geht’s dir gut, Partner?“
      Jake rappelte sich wieder auf, machte eine kategorische Geste und sagte vehement: „Ich will hier raus!“
      „Hey, ich weiß, daß es dich ärgert, weil Jessica heute kommen wollte!“ versuchte Eddy, ihn zu beschwichtigen. „Aber wir können im Moment nichts anderes machen, als das beste aus der Situation zu machen!“
      „Das Beste?“ hauchte Jake fassungslos. „Wir sitzen hier fest! Es geht mir nicht um Jessica, es geht mir darum, daß wir hier nicht rauskommen! Hast du dir mal überlegt, wie es weitergehen soll, wenn wir keine Möglichkeit finden, hier rauszukommen?“
      Eddy schwieg etwas aus der Bahn geworfen.
      Jake ließ sich verzagt auf dem Boden nieder. „Und wir können nicht einmal Hilfe holen…“

Inzwischen waren Tracy und Jessica von einem Thema zum nächsten gekommen.
      „Das ist wirklich sehr interessant!“ sagte Tracy gerade.
      „Ja, Photographie ist ein unheimlich interessantes Thema!“ bestätigte Jessica. „Wußtest du, daß du ganz faszinierende Effekte erzielen kannst, wenn du zwar mit Blitz photographierst, aber während dessen den Blitz zuhältst?“
      „Oh, noch nie probiert!“
      „Solltest du mal, besonders wenn du Feuer photographierst! Wenn du mal wieder bei mir bist, zeige ich dir mal ein paar Bilder!“
      „Ja, gerne!“
      Jessica nahm einen Schluck aus ihrer Tasse und fuhr fort: „Ich persönlich mag ja Landschaftsphotographie sehr gerne. Wer das wirklich draufhat, kann eine Atmosphäre in den Bildern einfangen, das ist unglaublich! – Sag’ mal, hast du noch einen Cappuccino für mich?“
      „Aber sicher!“ bestätigte Tracy und wandte sich zur Küchenzeile um. „Oki Doki!“

Jake hatte sich mit dem Rücken an die Wand des Skelevators gelehnt, die Beine angezogen und die Arme darum verschränkt.
      Eddy wanderte derweil gemächlich durch die Kabine. „Na, wie gut, daß niemand von uns Platzangst hat!“ meinte er, während er gelangweilt die Struktur der Wände betrachtete.
      „Meinst du!“ erwiderte Jake, ohne aus seiner Haltung aufzusehen.
      Eddy drehte sich zu ihm um. Dann erst schaltete er. „Im Ernst, Jake?“
      „Eigentlich nicht!“ erwiderte der. „Aber jetzt wird es gerade grenzwertig!“
      Eddy kniete sich zu ihm auf den Boden. „Hey, wir kommen hier schon wieder raus! Zumindest sind wir hier sicher, und zu Essen haben wir ja auch für eine Weile.“
      „Deine Ruhe möchte ich haben!“ gab Jake zurück, was einen merkwürdigen Kontrast zu dem Bild vermittelte, daß sie abgaben, denn Jake war ruhig – zu ruhig.
      „Jake. Selbst wenn wir keinen Weg rausfinden: Irgendwann wird Tracy uns vermissen, und spätestens er holt uns dann hier raus! Und wenn es jemand schafft, uns zu befreien, dann er. Da habe ich überhaupt keine Bedenken!“ argumentierte Eddy. Doch er merkte schnell, daß er auch damit nicht bis zu Jakes konfuser Gefühlsebene vorkam.
      „Was ist, wenn Tracy es versucht, und auch keine Lösung findet?“
      Eddy spürte, wie sich ein elektrisierender Schauer über seine Haut zog. Hatte er sich gerade getäuscht, oder war Jake nicht mehr weit davon entfernt, in Tränen auszubrechen? Er legte kameradschaftlich einen Arm um seinen Partner. „Dann greift immer noch der Vorschlag vom Skelevator: Spätestens dann nimmt Tracy hier alles auseinander, um uns zu retten, und wenn er den ganzen Skelevatorschacht zerlegen muß. Und das würde funktionieren, glaub’s mir!“
      Er schaffte so sogar, Jake zum lachen zu bringen, auch wenn er dafür den Eindruck hatte, die Skelevatorkabine würde schaudern. Der Moment hielt aber nur kurz an, bis Jake die Beine noch enger an den Körper zog und sich mit leichtem Zittern in Apathie fallen ließ
      Eddy seufzte hilflos. Ihm fiel nichts mehr ein, wie er Jake helfen konnte. „Kann ich irgend etwas für dich tun, Partner?“ fragte er vorsichtig.
      Zuerst antwortete Jake nicht. Dann kam nur ein leises: „Hol’ uns hier raus, wenn du kannst…“
      Eddy seufzte. Dann wandte er sich um und untersuchte noch einmal die Skelevatorwände nach Klappen, Notfallsystemen oder anderen hilfreichen Einrichtungen. Wer weiß, vielleicht hatten sie ja irgend etwas übersehen…

Tracy und Jessica begannen mittlerweile ihre dritte Tasse Cappuccino.
      Jessica sah zur Uhr. „Die beiden sind jetzt aber schon lange weg!“
      „Ja, seltsam!“ meinte auch Tracy mit einem nachdenklichen Blick auf die Küchenuhr. Beide hatten kaum gemerkt wie die Zeit während ihres Gespräches vergangen war, und waren nun doch ein bißchen erschrocken, als sie feststellten, wie spät es mittlerweile geworden war.
      „Die beiden haben bestimmt unterwegs jemanden getroffen und sich festgequatscht! Das kann ich mir von Jake richtig gut vorstellen, dem alten Charmeur!“ lachte Jessica.
      Tracy stimmte in das Lachen mit ein. „Gut möglich, gut möglich!“
      „Na, super!“ Jessica lehnte sich mit einem Kopfschütteln zurück. „Die beiden amüsieren sich wahrscheinlich gerade und lassen uns hier sitzen! Na, die können was erleben, wenn sie zurück sind!“

Jake robbte über den Boden und schlug ein weiteres Mal die Wände der Kabine ab.
      „Hey, was soll das? Ich habe dir nichts getan! Ich kann doch auch nichts dafür, daß wir nicht weiterkommen! Meinst du, mir gefällt es, hier festzusitzen?“
      „Ich kann nicht verstehen, daß es hier kein vernünftiges Notfallsystem gibt!“ stieß Jake ärgerlich hervor. „Es gibt keine Luken, keine manuellen Öffnungsmechanismen, keine Notfallschaltungen… Wer hat den Mist hier eigentlich konstruiert?“
      „Hey, immer vorsichtig mit der Wortwahl, ja? Wenn ihr Dinge benutzt, ohne vorher die Betriebsanleitung zu lesen, kann man das wohl kaum jemand anderem zum Vorwurf machen!“
      „Skelevator hat Recht, Jake! Den Schuh müssen wir uns wohl anziehen!“ bemerkte Eddy hilflos.
      „Und selbst wenn! Es muß eine verdammte Möglichkeit geben, hier rauszukommen!“
      „Wenn wir das hier hinter uns haben, legen wir das Skelevator-Handbuch in die Kabine, damit man es griffbereit hat, wenn man es wirklich braucht!“ sagte Eddy.
      „Gut, Eddy! Das nützt uns nur gerade nichts!“
      „Jetzt sei doch nicht so giftig!“ gab Eddy zurück.
      „Ich will nur hier raus!“ stieß Jake durch zusammengebissene Zähne, und ein deutlicher Hauch Panik schwang in der Äußerung mit.
      ‚Okay!’ schoß es Eddy durch den Kopf. ‚Jetzt ist es soweit. Jake ist so in Panik, daß nicht mehr viel daran fehlt, und er dreht so durch, daß er wirklich die Skelevatorkabine auseinandernimmt!’ Er stand auf, atmete durch und ging zu Jake herüber, stellte sich ihm in den Weg und tat das einzige, was ihm in der Situation gerade einfiel: Er faßte Jake kameradschaftlich aber fest bei den Armen und sah ihm in die Augen. Seine Stimme hatte plötzlich einen ganz anderen Klang im Gegensatz zu dem gereizten Tonfall zuvor, als er sagte: „Jake, ganz ruhig! Du bist nicht allein!“ Und mit den Worten nahm er Jake einfach in die Arme.
      Nun konnte er Jakes leichtes Zittern spüren, vor allem aber hatte er das Gefühl, genau das richtige getan zu haben. Es wirkte, als würde seine Geste tatsächlich helfen. Zwar stand Jake etwas verkrampft, hatte aber die Chance genutzt, sich an Eddy festzuhalten, und seinen Fokus etwas von seiner Angst abzulenken. Eddys Geste half ihm dabei, seine Gedanken in Leerlauf zu setzen und die Umgebung für einen kurzen Moment auszublenden. „Danke, Kumpel“, hauchte er. „Ich bin so froh, daß du da bist. Ich weiß nicht, was ich getan hätte, wenn ich hier allein festgesessen hätte!“
      „Das möchten Skelevator und ich auch nicht wissen!“ schmunzelte Eddy. „Wir kriegen das schon hin, Jake. Keine Angst!“
      Jake hielt sich noch immer etwas verkrampft an Eddy fest. „Habe ich dir jemals gesagt, daß du der beste Freund bist, den man sich wünschen kann…?“
      „Ich weiß nicht, kann schon sein“, überlegte Eddy. „Ich glaube, als wir Kinder waren, hast du so was mal zu mir gesagt!“
      „Dann bedaure ich gerade, daß ich es dir in so einer Situation erst wieder sage. Du hast mehr verdient als das!“
      „Mag sein, aber in so einer Situation wird es einem manchmal erst wieder richtig bewußt. Einen besseren Freund als dich kann man sich auch nicht wünschen. Und ich bin für dich da, solange du mich brauchst!“
      „Nimm’s mir bitte nicht übel, aber ich hoffe, das wird nicht mehr allzu lange sein…“ hauchte Jake.
      „Oh, das nenne ich doch mal eine berührende Szene“, schaltete sich der Skelevator wieder ein, der lange Zeit geschwiegen hatte. „Wenn ich mir das so angucke, bedaure ich fast, daß ich nicht dafür verantwortlich bin…“
      Eddy und Jake atmeten synchron durch, konnten sich aber ein Schmunzeln nicht verkneifen.
      Jake richtete sich langsam wieder auf. Ihm ging es zwar noch immer nicht richtig gut, aber zumindest ging es ihm Dank Eddy besser als vorher.
      „Geht’s?“ fragte Eddy besorgt.
      „Mein Kreislauf macht ein bißchen schlapp, aber es geht“, erwiderte Jake ruhig.
      „Dann setz’ dich lieber hin, bevor du mir hier noch wegklappst!“ empfahl Eddy.
      „Nein, im Augenblick geht’s wirklich!“ Er ließ den Blick erneut durch die Kabine schweifen. „Hast du noch eine Idee, was wir tun können, als willkürliche Tastenkombinationen auf dem Bedienfeld einzugeben?“
      Eddy schaute hilflos. Dann meinte er: „Vielleicht sollten wir es doch mal mit Rufen probieren?“
      Jake schüttelte den Kopf. „Das hörst du bis oben nicht! Das weiß ich durch die Aktion, die Skelevator mal mit Jessica veranstaltet hat. Da stand die Kabine oben, und ich habe es wirklich nur durch puren Zufall mitbekommen!“
      „Naja, vielleicht hilft uns jetzt aber auch der Zufall, keine Ahnung, durch irgend ein Rohrsystem, oder so.“
      Jake konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, meinte dann aber: „Okay, probieren wir es!“
      Es bedurfte nur eines kurzen Blickwechsels, dann riefen die beiden nach Kräften um Hilfe.

In der Küche war gerade eine Pause zwischen den Themen eingetreten. Stille herrschte, eine merkwürdige Stille. Es lag nicht daran, daß sie sich nichts mehr zu erzählen hatten, sondern eher an der Atmosphäre, denn langsam wurde es Tracy und Jessica unheimlich.
      Jessica warf einen weiteren Blick zur Uhr. Das Ticken der Zeiger wurde plötzlich so laut, daß es ihr Bewußtsein und die ganze Küche füllte, obwohl es nicht lauter war als die Zeit davor.
      Jessica und Tracy wechselten einen Blick. „Ich fange an, mir Sorgen zu machen. Wollen wir nicht lieber langsam mal nach ihnen suchen?“ fragte sie.
      Tracy nickte. „Gute Idee!“
      „Die beiden werden mit GB unterwegs sein, nicht wahr? Nehmen wir besser mein Auto!“ Sie gab Tracy einen Wink zur Haustür. „Weißt du noch, wo sie einkaufen wollten?“
      „Ja! Laß uns erst mal die Läden abklappern!“
      „Gute Idee!“
      Sie war schon auf dem Sprung die Treppe hinunter, als Tracy sie zurückhielt. „Laß uns den Skelevator nehmen!“
      „Den Skelevator? Aber hier kommen wir schneller zu meinem Auto!“ widersprach sie.
      „Ja, aber der Skelevator führt zur Garage. Wenn sie schon auf dem Rückweg sind, verpassen wir uns so nicht!“
      „Ah, das ist eine gute Idee!“ sah Jessica ein.
      Gemeinsam gingen sie zum Skelevator, und Tracy drückte auf den Knopf, um die Kabine zu holen.
      Unten im Skelevator spürten Jake und Eddy in dem Augenblick einen jähen Ruck durch die Kabine gehen.
      „Jake! Der Skelevator setzt sich in Bewegung!“ rief Eddy euphorisch.
      Jake hatte es mit einem Schreck zur Kenntnis genommen, vergeblich versucht, das Gleichgewicht zu halten und riß Eddy fast mit sich zu Boden.
      Die Fahrt ging gewohnt schnell zu Ende – schnell für Skelevatorverhältnisse, wenn dieser keinen Unsinn im Kopf hatte, aber diesmal schien der, nach einer gefühlten Ewigkeit zusammen mit den zweien im Nirwana gefangen, selbst kein Interesse an irgendwelchen Späßen zu haben.
      Als sich die Türen vom Skelevator öffneten, stolperten Eddy und Jake übereinander und lagen so Tracy und Jessica zu Füßen.
      Die beiden sahen sie erstaunt an.
      „Jake, Eddy! Was für ein Zufall! Wir wollten gerade nach euch suchen!“ begrüßte Jessica sie.
      Ohne darauf einzugehen, robbte Jake sich erst mal aus der Kabine des Skelevators in’s Freie.
      Eddy sammelte sich vom Boden auf. „Dem Himmel sei Dank! Tracy, die Kabine vom Skelevator steckte fest! Irgend etwas ist da nicht in Ordnung!“
      „Das müssen gefühlte Stunden gewesen sein, die wir da festgehangen haben!“ brachte Jake hervor.
      Eddy sah zur Uhr. „Es waren Stunden, Jake! Um halb zwei sind wir zurückgekommen. Jetzt ist es vier!“
      Jessica sah die beiden erschrocken an. „Ihr habt zweieinhalb Stunden in dem Skelevator festgehangen?“
      „Ja, und wir hatten keine Möglichkeit, einen Notruf abzusetzen!“ erzählte Eddy. „Tracy, schaust du dir das bitte mal an?“
      „Oki Doki!“
      Jessica half derweil Jake wieder auf die Füße zu kommen. „Den Skelevator von hier oben aus zu aktivieren muß die Blockade gelöst haben!“ vermutete sie.
      „Na, Gott sei Dank!“ bemerkte Jake von Herzen.
      Jessica sah ihn betroffen an. „Du liebe Güte… Wenn wir das nur gewußt hätten…“
      Jake machte eine hilflose Geste. „Woher hättet ihr das wissen sollen! – Tracy, gibst du uns mal bitte die Tüten raus…?“
      Anhand von Jakes zaghafter Stimme erkannten die anderen, daß er es gerade nicht noch einmal wagte, den Skelevator zu betreten.
      Eddy war da etwas beherzter, drehte sich noch einmal um und reichte Jake eine der Tüten an, bevor er sich die zweite nahm. Dann gingen die Jungs zusammen mit Jessica in die Küche, und überließen Tracy das Rätsel mit dem Skelevator.

Erschöpft zogen sich Jake und Eddy mit Jessica in die Küche zurück, während Tracy sich gleich den Skelevator ansah.
      „Und ihr seid euch sicher, daß der Skelevator euch nicht wieder nur einen Streich gespielt hat?“ erkundigte sich Jessica, nachdem sie sich den Schreckensbericht zu Ende angehört hatte.
      „Diesmal bin ich mir da tatsächlich sicher, Jess!“ meinte Jake. „Ich habe ihn noch nie so ernst erlebt!“
      „Ja! Spätestens nach dem, was wir alles ausprobiert haben, wäre er von alleine weitergefahren, wenn er gekonnt hätte!“ stimmte Eddy zu.
      „Er war selbst in Panik!“ meinte Jake. „Und das meine ich nicht nur wegen unseren Versuchen.“
      „Sagt mal, hat Tracy nicht seinerzeit auch den Skelevator gebaut?“ erinnerte sich Jessica.
      „Das vermuten wir!“ sagte Jake, während Eddy die Einkäufe auspackte und in den Schränken verstaute. „Aber zumindest kennt er sich mit den ganzen Systemen aus, um sie reparieren zu können.“
      „Wir dürfen nachher nicht vergessen, das Handbuch in die Kabine zu legen!“ erinnerte Eddy.
      „Ja, genau! Ich suche es nachher gleich mal raus!“
      Jessica schmunzelte. „Ich wette, Tracy hätte die richtige Kombination gewußt!“
      „Ich wette, er hätte die Kabine in Schutt und Asche gelegt, wenn er nicht weitergekommen wäre!“ merkte Jake an und drehte sich um, als Tracy in die Küche kam.
      „Und, hast du den Fehler gefunden?“ fragte Eddy.
      „Habe alles geprüft. Keine Ahnung, woran es lag!“ Tracy hob die Schultern. „Alles wieder in Ordnung!“
      „Wahrscheinlich war es nur eine vorrübergehende Blockade!“ versuchte Jessica, sie zu beruhigen.
      „Hoffentlich! – Nun erzähl’ aber mal von der Pressekonferenz!“ wechselte Jake das Thema.
      „Da gibt es nichts zu erzählen!“ erwiderte Jessica. „Ich möchte euch ja nicht langweilen. – Aber, etwas gutes mußte die Veranstaltung ja haben!“ fügte sie an und kramte in ihrer Tasche. „Auf dem Rückweg bin ich nämlich noch an dem kleinen Tante-Emma-Laden vorbeigekommen, der in der Nähe der Konferenzhalle ist, und habe euch das mitgebracht!“ Sie stellte ein Glas auf den Tisch.
      Eddy und Jake fielen bald die Augen aus dem Kopf.
      „Marshmallow-Schokocreme!“ hauchte Eddy ehrfürchtig.
      Jake lachte. „Wenn GB das wüßte, wärst du jetzt auf seiner Beliebtheitsskala ein ganzes Stück tiefer gerutscht!“
Review schreiben
 
 
'