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Tomb Raider - A Survisor Is Born

GeschichteAbenteuer, Drama / P18
Lara Croft
20.03.2013
29.06.2013
7
19.625
 
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Dieses Kapitel
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20.03.2013 4.220
 
Kapitel Fünf
Das Bergdorf Teil 1




Nach dem strapazierenden Marsch durch den abstrusen Wald, steht Roth vor einer steinernen Treppe, die wahrscheinlich rutschig vom zuvor niederprasselnden Regen ist. Trotz der Gefahr auszurutschen steigt Roth Stufe für Stufe mit verlangsamtem Tempo die Treppe runter. Obwohl Roth kaum die Möglichkeit hatte sich nach dem Schiffsunglück zu erholen, scheint er dennoch bei bester Kondition zu sein. Nur da fragt man sich, wie lange er es aushält. Selbst ein Mann hat seine Grenzen und kann dann keinen Meter mehr laufen.

Schon erstaunlich, dass er den Weg aus dem Wald wie seine Westentasche kennt. So wie der Kampf mit dem Wölfen sich angehört hatte, ist er den Weg nicht das erste Mal gegangen. Wenigstens kann er sich auf dem schnellsten Weg um Lara kümmern, die immer noch ohne Bewusstsein ist. Lara ist in diesem Zustand jetzt schon eine gefühlte Ewigkeit. Da grenzt es schon an Zauberei, dass sie bei den Verletzungen überlebt. Man kann über Menschen, die in diesem Genre arbeiten was man will, aber eins steht vorab schon fest. Diese Personen haben mehr Glück als Verstand. Bei Lara trifft es eher zu, dass sie sowohl Glück als auch Verstand hat, was sie unwiderruflich von ihrem Vater geerbt hat. Gerade deswegen zweifelt Roth nicht, dass Lara genau zu der Sorte Croft wird, die ihr Vater ist.

Während Roth die Treppe heruntersteigt pfeift der Wind um seine Ohren und Krähen fliegen kreischend über dem Ort. In der Dunkelheit flackert wie aus dem Nichts ein rotorangenes Feuer, das in einem Steingehäuse brennt. Roth läuft zum Feuer nimmt die Fackel in die Hand, die auf einer Steinstufe liegt, hält sie in die rotorangene Flamme und die Fackel entzündet sich. Für erste hat Lara ein bisschen Wärme, um nicht zu erfrieren. Wegen der Bewusstlosigkeit droht jeder Körper zu erfrieren. Obwohl die Luft drückend ist, ist es nicht gerade warm auf der Insel. Scheinbar muss es mitten in der Nacht sein.

Diese Stille ist zwar nicht sehr beruhigend, aber nach all den Adrenalinkicks in den vergangenen Stunden macht jede Atmosphäre misstrauisch. Gerade jetzt, da die rotorangene Flamme unheimliche Schatten an der linken Steinwand wirft. Rechter Hand erstreckt sich der Ozean, deren meterhohe Wellen gegen die Klippe schlagen. Das erweckt die Erinnerung an das Schiffunglück, was mehrere Stunden zurückliegt.

Wie Lara kann sich nur zu gut daran erinnern, wie sie um ihr Leben rannte, wie der Regen auf sie niederprasselte und wie er versuchte, ihr zu helfen. Doch es nützte alles nichts, er musste mit ansehen, wie Lara in das tosende Wasser stürzte das Schiff dabei war, in seine Einzelteile zu zerschellen, während er als Kurzschlussreaktion in das stürmische Meer sprang und verzweifelt versuchte ans Land zu schwimmen.

Mit einer hektischen Kopfbewegung schüttelt er die Erinnerung weg und konzentriert sich aufs Weiterkommen. Lara hat eventuell nicht mehr viel Zeit und wenn Lara an diesem Ort stirbt, wird ihr Vater es ihm nie verzeihen. Richard Croft liebt seine einzige Tochter, mehr als alles andere auf der Welt. Hört sich zwar jetzt sehr behütet an, aber Väter lieben doch immer ihre Tochter wie ihren Augapfel. Da macht Lara keine Ausnahme. Das Verhältnis zwischen Vater und Tochter ist in jeder Generation inniger. So ist die Chemie nun einmal zwischen Menschen. Daran kann man so gut wie nichts ändern.

Nach dem Roth die Treppe herunter gelaufen ist, treten seine Schuhe auf sandigen, harten Boden und nach wenigen Metern steht er in einem zerstörtes Bergdorf, was Roth nicht im Geringsten bei den stürmischen Wetterverhältnissen überrascht. Womöglich macht eine Räuber- oder Piratenbande ihr Unwesen auf der Insel. Oder etwas völlig anderes. An so einem verfluchten Ort wie das Drachen-Dreieck ist alles möglich.

Nach dem Lara den Kurs zum Drachen-Dreieck vorgeschlagen hatte, war Roth auch erst gegen die Idee. Roth kennt die junge angehende Archäologin schon zu lange, um zu wissen, dass Lara zur Überzeugung nur schlagwürdige Argumente braucht, um den Rest der Crew und somit auch Roth zu überzeugen. Die schlagenden Argumente klingen zwar als nicht Archäologen wie ein stinklangweiliger Roman, aber dafür sehr aufschlussreich. Nicht nur die Crew auch Roth selbst ist um einiges schlauer geworden. Nicht dass er dieses Wissen nötig gehabt hätte, aber Laras Erkenntnissen zuzuhören ist immer guttuend für die Ohren.

Das Drachen-Dreieck, auch bekannt als Teufelsmeer, ist ein Gebiet im Pazifik, was etwa einhundert Kilometer südlich von Tokyo bei der Miyake-Insel liegt. Als Ecke des Dreiecks gilt die Insel Guam. Das Dreieck ist im eigentlichen Sinne eine Inselkette, die aus mehreren Inseln besteht. Genauer genommen eine besteht aus einer Inselkette.

Obwohl der Name „Teufelsmeer“ von japanischen Fischern verwendet wird, erscheint er nicht auf Seekarten. Vor allem in den USA gilt das Teufelsmeer, genau wie das Bermudadreieck, als Ort, an dem Schiffe und Flugzeuge unter mysteriösen Umständen verschwinden. Die Japaner hingegen betrachten das Drachen-Dreieck nicht als mysteriöser oder gefährlicher als andere Meeresgegenden Japans.

Das Zentrum des Dreiecks bildet die Izu-Inseln, die sich südöstlich der Izu-Inseln von der Halbinsel Honshu, die sich in aus der Südrichtung in den Pazifik erstreckt. Sie liegen rund einhundert bis dreihundertfünfzig Kilometern von der japanischen Hauptstadt Tokyo entfernt. Diese Inselkette hat einen vulkanischen Ursprung und gehört geologisch zum Izu-Bonin-Marianen-Inselbogen. Mit den zweihundertneunzig Kilometern weiter südsüdöstlich gelegenen und ebenfalls zu diesen Inselbogen gehörenden Ogasawara-Inseln werden sie auch zu den „Südlichen Inseln“ zusammengefasst. Darüber hinaus ist diese Inselkette die nordöstliche Begrenzung des Philippinensees.

Diese Inselgruppe besteht aus mehreren Inseln. Genauer genommen sind es bis zu siebzehn Inseln, die diese Kette bilden. Izu-Oshima, Toshima, Udone-Shima, Niijima, Shikine-Jima, Kozu-Shima, Miyake-Jima, Onohara-Jima, Mikura-Jima, Inamba-Jima, Hachijo-Jima, Hachijo-Kojima, Aogashima, Bayonnaise-Retsugan, Sumisu-Jima, Torishima und Sofugan.

Auf einer dieser siebzehn Inseln haben sich Roth und Lara gerettet. Die Wahrscheinlichkeit, dass es die Zielinsel ist, ist sehr gering. Ursprünglich wollte Lara Kurs auf die Miyake-Insel nehmen, weil Geografen annehmen, dass dort dieses mysteriöse Drachen-Dreieck liegt. Ob sich das gut eingestellte Duo auf diese Insel gerettet hat, wird vorerst ein Rätsel bleiben, was sich im Laufe des Abenteuers lüften wird.

Roths Augen erfassen einen windgeschützten Punkt, an dem er Lara endlich absetzen kann. Der Platz besteht zwar nur zwei zerlöcherten Holzwänden, einem Holzboden und einer verdreckten weißen Plane, die im Wind flattert. Immer noch besser, als der finstere Wald von eben.

Obwohl ihm die Idee selbst nicht gefällt, steckt er die Fackel in den Boden, geht in die Hocke und setzt Lara rücklings auf dem Holzbretten ab. Mit mehreren dickeren Holzbalken entzündet der kräftige Mann mit der Fackel ein Lagerfeuer und das rotorangene Feuer knistert vor sich hin. So erfriert die bewusstlose Lara wenigstens nicht und wird erwärmt. Die Zeit zum Ausruhen hat Roth trotz allem nicht, denn er muss schleunigst Hilfe finden. Wenigstens ein Medi-Pack, oder etwas in der Richtung. Ganz egal, was er bei der Durchforstung der Dorfruine findet, er muss sich beeilen. Lara hat zwar eine Willensstärke, die bei weiten übertrifft, aber bei ihren Verletzungen und Schmerzen, die sie hat, hilft auch ihre Selbstbeherrschung nicht, um die Verletzungen zu behandeln.

In der Hoffnung, dass Lara dadurch die Besinnung gewinnt, streicht Roth ihr die wirren Haarsträhnen aus der Stirn, was in der Unterhaltungsbranche oft der Fall ist, geschieht in der Realität nicht ein. Nach wie vor ist Lara ohne Bewusstsein und scheint in so eine Art Tiefschlaf wie Dornröschen, oder Schneewittchen zu befinden. Roth weißt zwar nicht, was Lara bei der Untersuchung passiert ist, aber es muss ihr sehr zugesetzt haben, sonst hätte sie nicht all diese Verletzungen.

Ihr Mentor wendet sich von ihr ab und blickt für einen kurzen Moment zu den Klippen hoch, die sich im Dorf erstrecken. Seine Augen erfassen einige herausstehende Felsbrocken und abgeflachte Stellen. Darüber hinaus auch noch einen Kuhle, die eventuell zu der Höhle des Löwen führt. In diesem Fall sind es keine Löwen, sondern hungrige Wölfe, die nach den Überlebenden trachten.
Neben mehreren Felswänden nimmt er trotz der Dunkelheit ein schwaches rotes Aufleuchten, was in regelmäßigen Abständen aufleuchtet. Mit etwas Glück ist dort ein Funkturm, wo er nach Hilfe funken kann.

Die Erste Priorität ist Lara, damit sie wieder auf den Beinen steht.
   „Keine Sorge, es wird nicht lange dauern.“, spricht Roth ihr trotz allem Mut zu. „Versprochen.“

Danach nimmt er die brennende Fackel in die linke Hand, richtet sich auf und durchstreift das zerstörte Bergdorf. Wegen dem Wind, der über die Insel weht, zieht die Flamme rüber. Um keine Verbrennungen in seinem Gesicht, oder sonst wo, zu riskieren, hält er die Fackel über seinem Kopf. In seiner rechten Hand hält er vorsichtshalber seine Pistole. Schließlich kann hinter jeder Ecke der Tod lauern. man nie, was hinter jeder Ecke lauern kann.

Lara ist in diesem Fall leider das beschissenste Beispiel, aber ein anderes Beispiel hat man leider nicht dafür, das beweist, dass auf dieser Insel der blanke Horror und der lauernde Tod existieren. Ein paar Krähen sitzen kreischend auf den Dächern. Daran erkennt Roth, dass Krähen nachtaktive Tiere sind, über die er hinweggucken kann. Vorläufig.

Im zerstörten Dorf erstecken sich mehrere Klippen, die Roth erklimmen muss, um seinem nicht erkenntlichen Ziel vorzurücken. Das Holz knarzt unter seinen Schuhen als er über eine gebogene Holzbrücke läuft. Plätschern des Flusses, das an den Klippen herunterströmt und unter der Brücke fließt, mag zwar schön und gut sein, aber ist trotzdem selbst für einen erfahrenen Mann irritierend. Immer noch besser als heulende Wölfe, die einen zerfleischen wollen. Um ein Haar hätte das Rudel es das geschafft. Roths jahrelange Militärerfahrung haben ihm das Leben gerettet, so wie bei Lara ihre Willenskraft, die nur eine Croft aufweist.

Was ebenfalls irreführend ist, dass in den Steingehäusen rotorangene Flammen brennen. Ganz egal, wer diese Feuer entzündet hat, muss sicherlich noch in der Nähe sein. Nichtsdestotrotz verliert der ehemalige Kapitän von der schiffbrüchigen Endurance weder seinen Optimismus noch seine Realitätsnähe.

Um sicher zu gehen, dass Lara wirklich sicher an diesem Ort ist, untersucht Roth eins der zerstörten Häuser. Im Haus wirft die Flamme unheimliche Schatten um sich, die verstümmelte Leichenahme enthüllen. Um zu überleben ernähren sich die Krähen vom toten Fleisch. Roth sieht genauer hin und zählt sechs Leichen. Die Leichen sind bereits in einem zu verwesten Zustand, um das Geschlecht des Leichnams zu identifizieren. Obwohl diese Anzahl haargenau seiner Crew entspricht, glaubt Roth nicht an dem Tod seiner Leute. Dafür ist er ein zu starker Optimist, um weder seinen Optimismus noch seine Realitätsnähe zu verlieren. Roth hat nicht umsonst Samantha „Sam“ Nishimura, Alex Weiss, Angus „Grim“ Grimaldi, Joslin Reyes und Jonah Maiava für seine Crew ausgesucht. Denn die Sicherheit und das Wohlbefinden seiner Crew ist das wichtigste für ihn und er rühmt sich damit, instinktiv zu wissen, wer ein gutes Mitglied für sein Team sein kann. Dennoch schluckt Roth ungewöhnlich für einen sonst harten Kerl. Um nicht noch mehr Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen kehrt Roth der Hütte den Rücken zu. Schließlich will er nicht noch mehr Zeit verschwenden.

Um die Kuhle zu erreichen muss Roth eine Kletterpartie in Kauf nehmen, die für den erfahrenen Abenteurer ein Klacks sein wird. Da das gröbste mit Fackeln erleuchtet wird, schmeißt Roth die Fackel ins Wasser, die zischend erlischt und in der Strömung treibt. Roth verstaut seine Pistole im Ärmelholster und wirft einen letzten Blick nach oben, bevor er zum Klettern ansetzt. Um einen besseren Halt zu haben greift Roth zur Kletteraxt, die er in die felsige Wand rammt und beginnt Fuß für Fuß und Arm für Arm in die Vertikale zu bewegen.

Seine langjährige Erfahrung als Schatzsucher, die er nach seiner Militärzeit beim RMC, dem Royal Marine Commandos, gesammelt hat, ist jetzt eine gute Unterstützung für Lara, die sie auch braucht, trotz ihrer Spürnase und Initiative. Lara mag zwar die Tochter eines Archäologen sein, ist sie trotzdem auf diesem Gebiet ein Neuling und muss jede Unterstützung an ihrer Seite haben, die sie nur ergattern kann.

Nach dem Conrad Roth das Militär verlassen hat, hat er seine speziellen Fähigkeiten als unabhängiger Schatzsucher und Taucher unter Beweis gestellt. Dadurch hat er die Welt bereist und sich einen Ruf als harter Kerl, auf den man sich verlassen kann, erarbeitet. Dass man sich auf ihm verlassen kann, hat er für Lara mehr als einmal unter Beweis gestellt. Diese Qualitäten machten ihn für wohlhabende Privatsammler attraktiv, so lernte er zum Beispiel Laras Eltern kennen. Über Jahre hinweg hat er Richard Croft auf über einem Dutzend Schatzsuchen als Führer, oder auch als Bodyguard begleitet. Jetzt wundert es auch keinem, dass er sich um Lara kümmert, als wäre sie seine eigene Tochter. Wie einige harte Kerle, hat auch Roth einen weichen Kern, den er besonders gegenüber Lara offenbart. Irgendwie muss man doch einer jungen Frau zeigen, dass sie nicht alleine ist.

Nach wenigen Sekunden ist Roth oben angekommen, steckt er die Kletteraxt in dem linken Beinholster und stemmt sich ohne große Mühe hoch. Trotz seiner fünfzig Jahre, die Roth mindestens mit sich bringt, merkt man ihm gar nicht an. Mit seiner Kondition kann er mit so jemandem wie Lara Croft allemal mithalten.

Durch die kleinen Flammen wird das Gebiet zwar nur spärlich beleuchtet, immer noch besser als gar keine Lichtquelle zu haben. Von seiner Position aus kann Roth die untere Hälfte erblicken und sieht gerade so noch, dass Lara immer noch bewusstlos am Feuer liegt. Das Kreischen von den Krähen, die durch und über dieser Dorfruine fliegen, bringen Roth dazu weiter zu gehen. Und er bemerkt erst jetzt, dass mitten im Dorf ein altes Flugzeugwrack liegt. Das muss auch wohl in Sturm geraten sein und ist hier abgestürzt. Das Drachen-Dreieck ist wirklich mit dem Bermuda-Dreieck zu vergleichen.

Roths Schuhe verursachen klatschende Geräusche, da der Boden vom Regen matschig ist. Sprünge vernünftig von einem Punkt zum nächsten zu korrigieren ist nicht gerade das einfachste, aber Roth hat keine andere Möglichkeit, um zur vermutlichen Höhle zu gelangen.

Für den Aufstieg wird Roth trotz seiner jahrelanger Erfahrung und seiner guten Kondition Minuten brauchen. Hinzu kommen noch die Durchsuchung und der anschließende Abstieg. Da sind locker fünfzehn Minuten drin. Wenn er Glück hat sind es vielleicht ein, oder zwei Minuten weniger. Wenn er Pech hat, werden es mehr sein. Die nächste Steinwand höher zu klettern hindert ein breiter Spalt. Wäre auch zu schön um wahr zu sein, dass er diesen Aufstieg locker bewältigen wird. Nichtsdestotrotz nimmt der Brite Anlauf, springt mit seinem rechten Fuß kurz vor der Kante ab, packt im Sprung nach seiner Kletteraxt und rammt sie in die felsige Wand ein, bevor er mit seinen robusten Körper gegen die Klippe prallt.
Um sich zu fassen verharrt Roth für einen Moment in der Bewegung und bewegt sich langsam Fuß für Fuß und Arm für Arm in die Vertikale.

Da hat er sich doch von seinem Instinkt gut leiten lassen. Die jahrelange und strapazierende Erfahrung macht sich nachhinein doch im Leben bezahlt. Wenn Roth jetzt in Laras Alter wäre, dann wäre dieser Trip eine Erfahrung fürs Leben, an die man sich Jahre später noch erinnert. Vor allem dann, wenn man Narben davon trägt, was bei Lara wahrscheinlich der Fall sein wird. Mit seiner Hilfe wird sie schon nicht in irgendeiner psychopatischen Klink ihr restliches Leben führen müssen.

Um zur nächsten Ebene zu gelangen muss Roth an einem rauschenden Wasserfall vorbeispringen.
   „Auch das noch.“, brummt der harte Mann, zieht die Spitze von der Kletteraxt raus, springt rüber und rammt die Axt wieder in dem harten Untergrund und bewegt sich Meter für Meter in die Vertikale, um die nächste abgeflachte Stelle zu erreichen.

Ohne große Mühe stemmt er sich hoch und klemmt die Kletteraxt an seinem linken Bein atmet tief durch, bevor er zur Kuhle hochblickt. Von der höheren Position aus, kann Roth deutlicher sein, dass zur Kuhle eine Holzbrücke führt, die nicht gerade den stabilsten Eindruck macht. Zumindest macht sie es von der Position aus. Wenn er oben ist, kann sich der Eindruck schnell ändern. Roth verschafft sich einen Überblick, wie er am besten hochkommt. Ihm stehen jetzt zwei Wege zur Auswahl, entweder springt rüber Zum Flugzeugwrack balanciert vorsichtig rüber und springt von einem Häuserdach zum nächsten, um die Steinwand hochzuklettern. So erspart er sich die Holzbrücke, die nicht ihm trotz seines Optimismus nicht geheuer ist. Die Alternative wäre, wenn er rüber springt und von Klippe zu Klippe hocharbeitet und läuft über die Holzbrücke, um die Kuhle zu erreichen.

Nachhinein schaut er runter zu Lara. Dem Anschein nach, kann er sich nicht wirklich für einen Weg entscheiden. Erneut atmet der harte Mann tief durch und entscheidet sich schließlich für die Kletterpartie zu seiner rechten Seite. Er springt ohne große Anstrengung zur nächsten flachen Stelle rüber und klettert mit Hilfe seiner Kletteraxt hoch. Eins merkt er vorab schon. Je höher er gelangt, desto stärker wird der Wind, was Roth an sich durch seine bisherigen Entdeckungsreisen gewohnt ist, die ihm bekanntlich um die Welt gebracht haben. Keine seiner bisherigen Abenteuer über trifft diese im Drachen-Dreieck. Wobei die Expedition nicht einmal richtig anfing, stößt man an seine Grenzen. Roth jetzt nicht so unbedingt, aber so jemanden wie Lara schon.

Während des Aufstiegs nutzt Conrad keine flache Stelle, um sich zu sammeln, was er eigentlich machen sollte. Wer weiß, wie lange es noch Lara macht. Wenn Lara jetzt sterben sollte, dann wird er es sich nie verzeihen können. Schon gar nicht ihr Vater. Richard wird seinen langjährigen Freund bis zum Tod hassen, falls Lara auf dieser Insel ihr Leben endet. Genau deswegen zögert Conrad keine weitere Sekunde mehr, um Laras Leben zu retten.

Endlich oben angekommen, steht Roth vor der Hängebrücke, die weiterhin keinen guten Eindruck vermittelt, was größtenteils an dem Wind liegt, der die Hängebrücke sachte ins Schwanken bringt. Er hat sich nun einmal diesen Weg ausgesucht also muss er jetzt da durch. Dank dieser Position erkennt Roth, dass diese Kuhle tatsächlich der Eingang einer finsteren Höhle ist.

Roths Optimismus treiben ihn an, um die Hängebrücke, mit verlangsamtem Tempo zu balancieren. Das Holz krächzt verdächtig unter seinen halbhohen Einsatzschuhen. Bei den Wetterbedingungen ist jeder froh, dass überhaupt eine Brücke steht. Wenn es sie nicht gäbe, dann hätte sich Conrad für den anderen Weg entschieden.

Mit einem Mal fegt der Wind stärker über die Insel. Roth verharrt mitten in der Bewegung und die Hängebrücke wackelt heftiger hin und her. Dabei muss Roth die Balance halten, um nicht zu fallen und herunter zu stürzen. Dann hätte er allerdings mehr als einen miesen Tag und Lara stirbt erst recht an ihren Verletzungen. Nach dem Roth das Gleichgewicht wiedererlangt, tritt er mit einem Fuß vor bricht durchs Holz, breitet reflexartig seine Arme aus und hält sich an der Kante fest. „Scheiße!“, flucht er zwischen seinen aufeinander gebissenen Zähnen. Einen Augenblick baumeln seine Beine über dem Abgrund, doch er zieht sich ächzend hoch.

Er will gerade loslaufen, da zerreißen auf einmal die Seile, die die Brücke halten. Die Hängebrücke reißt mittendurch, und die beiden Hälften schwangen links und rechts an die Wände der Schlucht zu. Roth kann sich gerade noch an einem Seil festklammern, bevor das Unglück geschieht. Er rast mit der Brücke an einer der Felswände, und hätte fast losgelassen, als das Brückenstück, das jetzt wie eine Strickleiter hängt, an die Felswand geknallt ist. Nach dem sich Roth gefasst hat, beginnt er langsam Fuß für Fuß und Arm für Arm sich in die Vertikale zu bewegen.
Plötzlich bricht eine Strebe ab und Roth hätte fast den Halt verloren, hätte er sich nicht systematisch am Seil festgehalten.

Mit Leibeskräften arbeitet er sich nach oben und stemmt sich hoch, als er mit beiden Händen die letzte Strebe umklammert. Schlussendlich wirft er seinen kräftigen Körper über die Kante der Felswand.

Um zu Kräften zu kommen, bleibt er auf dem Rücken liegen und atmet durch.
   „Hätte ich doch bloß den anderen Weg genommen.“, brummt er als er sich erhebt. „Zumindest bin ich am Ziel angekommen.“, fügt er hinzu, als er in dem düsteren Höhleneingang hineinblickt.

Bevor Roth die Höhle betritt entzündet er eine Fackel, die er in einer wettergeschützten Nische gefunden hat. Mit der Fackel haltend betritt er die dunkle Höhle.


Die rotorangene Flamme wirft unheimliche Schatten an den kargen Felswänden. Obendrein hallen die Roths Schritte von den Wänden wider, was die beklemmende Atmosphäre nicht gerade mindert. Was dem Briten auf Anhieb auffällt sind die zerstückelten blutgefleckten Knochen, die zerstreut rumliegen. Teilweise kleben auf den Knochen noch Fleischfetzen. Das erklärt auch dieser modrige Geruch, der in der Luft liegt.

Obwohl er sich die Frage von selbst beantworten kann, was zur Hölle hier geschehen ist, bekommt er die Antwort als ein Wolfsgeheul durch die Höhle halt. Wie er es schon vermute hat, ist er in der Höhle des Löwen gelandet. Wie im Reflex verlangsamt Roth seine Schritte, was er so oder so machen musste, weil er in gebückter Haltung den engen Schacht überwältigen muss. Am liebsten würde er darauf verzichten, aber wenn es ums Überleben anderer geht, riskiert er Kopf und Kragen, was man ein paar Minuten gesehen hat.

Urplötzlich wird er von einer immensen Kraft rücklings auf dem harten Felsboden gedrückt. Der Griff um die Fackel lockert sich. Dennoch erleuchtet die kleine rotorangene Flamme das Schauerspektakel. Wegen den Schattenwürfen wirkt das Geschehen noch bizarrer. Der Brite spürt bäuchlings eine ungewöhnliche Wärme und etwas Pelziges. Das hundeähnliche Knurren identifiziert die Gestalt als Wolf. Diese Höhle muss wohl das Nest dieses Rudels sein. Von dem gottverdammten Rudel, welches ihm im Wald aus dem Nichts angegriffen hat und ihm zum Fressen gern gehabt.

Instinktiv drückt Roth aufeinander gebissenen Zähnen die Schnauze des Wolfes nach oben, was gar nicht mal so einfach ist, da sich die Bestie mit Leibeskräften wehrt. Roth kann den Kopf des Wolfs so hoch drücken, wie er nur kann und zieht Letzen Endes mit seiner rechten Hand sein Kampfmesser von der Brust und rammt die Klinge mehrmals in die Bestie. Nach den zahlreichen Stichen stoppen die Bewegung des Wolfs und der Druck auf Roths Brust, um die Bestie schleunigst von sich los zu werden stemmt er seinen rechten Schuh gegen den Kadaver stemmt er ein Bein hoch und drückt die Tierleiche von sich. Leblos bleibt der Wolf auf dem felsigen Boden liegen.

   „Ihr habt euch mit dem falschen angelegt, Drecksviecher!“, knurrt Roth nimmt die Fackel in die linke Hand und wischt das Blut an seiner Cargo-Hose ab. Er hätte auch zu Pistole greifen können, aber in so einer Situation ist das Risiko trotz jahrelanger Erfahrung sehr hoch, dass man einen Querschläger abbekommt und stirbt. Demnach hat der Brite zum Messer gegriffen, was somit zum Erfolg geführt hat. Es ist doch immer ein Vorteil, wenn man als Zweitwaffe ein Messer mit sich führt. Gerade bei einem Abenteurer, oder Archäologe, wird das Messer über Leben und Tod entscheiden.

Mit dem Messer in der Hand geht Conrad in gebückter Haltung durch den engen Schacht und ist gedrillt jede weitere Bestie auszuweiden, die ihn in dieser Höhle anspringen sollte. Dass Roth ein erfahrener Abenteurer ist, merkt man ihm nach und nach immer deutlicher an. Während andere bestimmt schon drauf gegangen wären, behält er stets einen kühlen Kopf und konzentriert sich auf das wesentliche, was in diesem Fall Lara sein sollte, die unten am Lager sicherlich noch ohne Bewusstsein ist.

Nach einigen angespannten Minuten erreicht der Brite eine Kammer in der wie in der vorherigen Kammer unzählige bis auf die Knochen abgenagte Skelette verstreut liegen. Zum Glück kann er in dieser Kammer aufrecht stehen.

Zwischen all den Leichenteilen erfassen Roths Augen einen Rucksack. Reflexartig sinkt Conrad neben dem Rucksack in die Knie legt die Fackel neben sich auf dem blutverschmierten Felsboden. Mit einer hastigen Handbewegung öffnet er die Schnallen des Rucksacks prüft den Inhalt des Rucksacks. Mit beiden Händen kramt er in dem Rucksack rum und zieht einige Gegenstände heraus. Darunter eine Digitalkamera, eine Kletteraxt, ein Walkie-Talkie, ein Peilsender und das allerwichtigste ein Erste-Hilfe-Set.

Trotz seiner harten Art steht ihm die Erleichterung auf die Stirn geschrieben, zieht seine Pistole aus dem Beinholster und steckt sie hinter seinem Gürtel, so dass er die neue gefundene Kletteraxt am Beinholster klemmen kann. Den Rest von der gefundenen Ausrüstung verstaut er in seine Gürteltaschen. Den Einsatzgürtel, der mit mehreren Gürteltaschen bestückt ist, bindet er sich um die Hüften. Ist andererseits Ballast für ihn, aber den neuen Einsatzgürtel kann er nachhinein Lara geben. Dann muss er nicht alles bei sich tragen. Roth ist zwar ein kräftiger Mann, aber jede weitere Ausrüstung behindert beim Abenteuer.

Mit einem Mal legt er die Stirn in Falten, denn im Rucksack bemerkt er einen Blutfleck, der noch Frisch ist. Mit dem Daumen wischt er das Blut weg und blickt auf ein Namensschild. Dessen Name ihm sehr bekannt ist.

   „Dann sind…“

Conrad wird von einem Knurren unterbrochen. Instinktiv greift er synchron zur Fackel und Messer erhebt sich und dreht sich als eine natürliche Geste schenkt er die Fackel hin und her „Komm her, Drecksvieh!“, hallt sein aufgebrachter Ruf von den blutverschmierten Wänden wider. Damit will er wohl ausdrücken, dass er so schnell wie möglich aus dem Nest will.

Etwas in dieser Kammer ausmachen, wenn unheimliche Schatten umherwirbeln, ist doch schwieriger als er es in Erinnerung hat. Eingebildet hat er sich das Knurren schon gar nicht. Dafür hat er zu viel Erlebt in seiner beruflichen Laufbahn. Er will in gebückter Haltung durch den engen Schacht gehen, wird er, wie Roth es von Wölfen nicht zum ersten Mal erlebt, plötzlich angegriffen. Effektiv sticht er mit dem Messer zu und genau wie der erste Wolf erliegt er an seinen Verletzungen. Den leblosen Körper legt Roth auf dem blutverschmierten Felsboden ab und kehrt schließlich der Höhle den Rücken zu.
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