Need you like a drug!

von - Kaja -
GeschichteDrama, Romanze / P18
18.03.2013
31.07.2013
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Grelles Scheinwerferlicht traf sie mitten ins Gesicht und brannte sich in ihre Haut ein. Um nicht geblendet zu werden, schloss sie schnell die Augen und versuchte, sich auf einen einzigen Gedanken zu konzentrieren: Vergiss ja nicht den Text! Mit ruhigen Schritten trat sie näher an den Rand der großen Bühne und nahm einen letzten tiefen Atemzug, ehe sie das Mikro mit einer kreisenden Bewegung an ihre Lippen setzte.

„Standing here in the middle of nowhere...forgotten dreams shattered on the ground... “

Langsam öffnete sie ihre Augen. Die Basslinie des Songs wummerte hart aus den großen Boxen und vermischte sich mit dem euphorischen Kreischen tausender Fans zu einer wabernden Masse. Um die anfängliche Nervosität zu vertreiben, fixierte die blonde Sängerin einen Punkt an der Decke der großen Konzerthalle und versuchte, sich bestmöglich zu entkrampfen.

„Breathing in, breathing out...“

Die Aufregung fiel zunehmend von ihr ab. Jetzt galt es nur noch eine perfekte Show abzuliefern und die wochenlang einstudierte Choreographie fehlerfrei umzusetzen. Ihre Backgroundtänzer hüpften hinter ihr wie Gummibälle über die Bühne und sie musste sich das ein oder andere Mal stark zusammenreißen, um sich nicht von den Bewegungen in ihrem Augenwinkel ablenken zu lassen. Zwischen den Songs richtete sie ein paar nette Worte an das Publikum, wie sehr sie sich freute vor ihnen aufzutreten, wie viel Spaß es machte und dass sie jedem einzelnen Zuhörer im Raum aufs innigste dankbar war. Die üblichen Floskeln eben, um die Sympathien auf sich zu ziehen.

„Can't remember when you left me...“

Genau anderthalb Stunden und keine Minute länger dauerte ihr Auftritt, nach dem sie die große Bühne unter tosendem Applaus verließ. Mit schnellen Schritten eilte sie die Gänge entlang und steuerte geradewegs auf ihre Garderobe zu. Dort ließ sie sich mit einem lauten Stöhnen auf die schwarze Ledercouch fallen und legte die Hand an ihre verschwitzte Stirn. Die anstrengende Show hatte sie vollkommen ausgelaugt und sie sehnte sich nach einem Moment der Ruhe, ein Wunsch, der ihr jedoch verwehrt bleiben sollte.

„Sam!“, die schrille Stimme von Cole Hunter erfüllte den ganzen Raum. „Sam, du sahst umwerfend aus! Ich sage dir, dein Bühnenoutfit wird morgen sämtlich Klatschspalten füllen.“

„Wenn du es sagst.“ Grummelnd richtete sich Samantha Collister auf und blickte ihren schlaksigen Stylisten genervt an. „Wäre nur schön wenn du mir mal ein Outfit zusammenstellen würdest, das etwas mehr Bequemlichkeit aufweist und das nicht dazu neigt, mir die Beine zu brechen.“

Mit einer Geste deutete sie auf die halsbrecherischen Stiletto Heels an ihren Füßen, doch Cole schüttelte nur den Kopf.

„Schätzchen, wer schön sein will muss leiden! Du musst auffallen, wenn du in diesem Business überleben willst und da schicke ich dich bestimmt nicht in Sneakers auf die Bühne.“

„Ja, ja, ich weiß.“, seufzte Sam, während sie die Schuhe von ihren schmerzenden Füßen streifte. „Und jetzt hilf mir bitte, mich aus diesem Kondom zu befreien.“

Mit einer fließenden Bewegung erhob sie sich von der Couch und drehte Cole ihren Rücken zu. Dieser legte seine Hand an den Reißverschluss des dunkelroten Latexkleides und öffnete dieses mit einem beherzten Ruck. Endlich konnte Sam aus der hautengen Pelle steigen und sich in eine bequeme Jeans und ein weißes T-Shirt werfen.

Kaum wieder angezogen, öffnete sich die Tür zu ihrer Garderobe erneut und ein großer Teil ihres Hofstaates trat ein. Allen voran Melinda Curtis, Sams knallharte und permanent schlecht gelaunte Managerin, die auch jetzt einen nicht gerade freundlich gestimmten Gesichtsausdruck aufgelegt hatte. Dahinter folgten ihre quirlige Visagistin Grace Lory, ihr kompromissloser PR-Manager Simon Cook und Devan Jones, ihr muskelbepackter Bodyguard.

„Samantha!“, keifte Melinda sofort los. Sie war die einzige in Sams Umfeld, die sie mit vollem Namen ansprach. „Kannst du mir mal verraten was das sollte? Hatten wir nicht vereinbart, dass du zwischen „Turn Back Time“ und „Right By Your Side“ eine Ansage zur Veröffentlichung der neuen CD machst?“

Mit einem Funkeln in den Augen blieb die dürre Managerin vor Sam stehen und wirkte mit ihrer roten Kurzhaarfrisur und ihrem roten Kostüm wie ein irrer Feuerteufel.

„Mein Gott, dann habe ich das halt vergessen. Ich hole es im nächsten Interview nach.“, erwiderte die Sängerin, schob sich an der wütenden Frau vorbei und nahm auf dem Stuhl vor dem langgezogenen Schminktisch Platz.

Sofort machte sich Grace an ihren Haaren zu schaffen und befreite Sams dunkelblonde Mähne von unzähligen Haarklammern, bis sie in langen Strähnen über ihren Rücken fiel. Mit einer dicken Haarbürste begann sie das dichte Haar auszubürsten und band es anschließend zu einem einfachen Pferdeschwanz zusammen.

„Samantha, ich glaube du verstehst noch immer nicht wie wichtig es ist, dass du dich an unsere Vorgaben hältst.“, setzte Melinda erneut an und trat von hinten dicht an Sam heran.

Diese vermied es sich umzudrehen, sondern beobachtete die gereizte Mimik ihrer Managerin durch den Schminkspiegel. Am liebsten hätte sie laut aufgestöhnt, doch sie wusste, dass Widerworte bei Melinda nichts brachten, sondern eher ein Höllenfeuer entfachten. Also schloss sie die Augen und atmete tief durch.

„Natürlich weiß ich wie wichtig es ist.“, lenkte Sam ein. „Es tut mir leid, dass ich die Ansage vergessen habe.“

„Schön.“ Melinda spitzte ihre schmalen Lippen. „Die Fahrer bringen uns gleich ins Hotel. Also pack schon mal deine Sachen zusammen, damit wir schnell wegkommen.“


***



Bereits eine halbe Stunde später saß Sam auf der Rückbank eines schwarzen SUV und blickte durch die abgedunkelte Seitenscheibe. Sie fühlte sich wie in einem Kokon von der Außenwelt abgeschirmt, welche in bunten Lichtern an ihr vorbei zog. Heute noch in Nashville, morgen schon in Atlanta und übermorgen in Columbia. Ihr Leben duldete keine Pause und hatte es schon das ganze letzte Jahr nicht getan.

Es war über Nacht geschehen. Von einem Tag auf den anderen war die mittlerweile sechsundzwanzigjährige Samantha Collister zum Weltstar geworden. Die hübsche Blondine aus Alvarado, einem unbedeutenden Kaff im Bundesstaat Texas, war aus dem Schatten ins Rampenlicht getreten und hatte damit das geschafft, wovon viele träumten.

Begonnen hatte ihre Karriere im Internet. Aus purer Langeweile hatte Sam auf verschiedenen Plattformen selbstgedrehte Videos veröffentlicht, in denen sie bekannte Hits erfolgreicher Künstler nachsang. Das Ganze war eine Art Hobby gewesen, nichts weiter, um sich vom öden Alltag der Kleinstadt und ihrem stressigen Aushilfsjob in einer Bar abzulenken.

Doch eines Tages hatte sie eine E-Mail in ihrem Postfach gehabt, die ihr Leben nachhaltig verändern sollte. Andrew Lee, ein namhafter Produzent, war auf sie aufmerksam geworden und von da an, war alles ganz schnell gegangen. Sam war nach New York geflogen, hatte Probeaufnahmen in Andrews Studio aufgenommen und bereits kurz darauf einen Plattenvertrag unterschrieben. Ihre erste Single war, dank Simons ausgeklügeltem PR-Konzepts, direkt an die Chartspitze geschossen. Wie ein Selbstläufer hatte sich ihr Song verbreitet und war letztendlich zu einem weltweiten Hit geworden. In Sams Leben war damit nichts mehr wie zuvor. Sie wurde von einem Interview zum nächsten geschoben, saß fast täglich in einer anderen TV-Show, veröffentlichte ihr erstes Album, das sich ebenfalls wie geschnitten Brot verkaufte und reiste rund um den Globus.

Nun, ein knappes Jahr später, war sie auf ihrer ersten großen Amerika-Tour und ein zweites Album stand bereits in den Startlöchern. Eigentlich trafen diese seichten, fast belanglosen Pop-Songs so gar nicht ihren Geschmack und ebenso missfiel es ihr, permanent unter Beobachtung zu stehen und sich so zu verhalten, wie andere es ihr vorgaben. Sämtliche Entscheidungen wurden ihr abgenommen und sie war nicht mehr, als eine in die Kameras lächelnde Hülle, die wie eine Marionette von anderen Menschen am Leben gehalten wurde.

Endlich in ihrem Hotelzimmer angekommen, warf sie als erstes ihre Sachen zu Boden und genehmigte sich eine ausgiebige Dusche. Gehüllt in einen flauschigen Bademantel ging Sam zurück in den Schlafraum und warf einen Blick in die Minibar. Prüfend studierte sie das Angebot und nahm sich schließlich drei Whisky-Shots mit aufs Bett. Während sie den ersten die Kehle hinunter spülte, zappte sie mit der Fernbedienung durch sämtliche TV-Kanäle.

„Gott, wie langweilig!“, lautete ihr abschließendes Urteil über die Programmauswahl. „Das ist ja nicht auszuhalten.“

Grübelnd hielt sie die Fernbedienung in ihrer Hand und drückte schließlich auf den Knopf mit der Aufschrift „Pay-TV“. Zur Wahl standen zwei Kanäle mit recht aktuellen Kinofilmen, die Sam jedoch ignorierte und sich stattdessen für den Erotik-Kanal entschied. Entspannt lehnte sie sich auf dem Bett zurück, genehmigte sich einen weiteren Shot und sah dabei zu, wie die beiden Pornodarsteller sich das Hirn aus dem Leib vögelten. Immer wieder drang dabei der Mann mit harten Stößen in die vollbusige Frau ein und sorgte damit für ein übertriebenes Stöhnen aus ihrer Kehle.

Langsam schob Sam ihren Bademantel zur Seite und begann, sich zaghaft selbst zu streicheln. Sie merkte, wie sehr sie die Berührungen eines Mannes vermisste, denn mit ihrem Karrierestart hatte sie ihr altes Leben gänzlich hinter sich lassen müssen und damit auch ihre dreijährige Beziehung mit Glenn Miller. Dieser erbärmliche Loser hatte sich doch tatsächlich von ihr getrennt, nur weil er nicht damit zurecht kam, seine Freundin mit der breiten Masse teilen zu müssen. Die Trennung war für Sam äußerst schmerzhaft gewesen, doch ihr neuer, stressiger Alltag hatte sie zeitweilig ablenken können. Zumindest so lange, bis sie abends allein im Zimmer war und in der Einsamkeit spürte, wie sehr sie die körperliche Nähe vermisste. Einfach mal wieder Sex zu haben, das war für sie zu einem unterdrückten Bedürfnis geworden, denn bei ihrem Arbeitspensum blieb ihr kaum eine Möglichkeit Männer kennenzulernen. Und die Männer, die sich in ihrem näheren Umfeld befanden, waren für sie kategorisch ausgeschlossen. Cole war schwul, Simon zu alt und Devan verheiratet.

Damit war sie auf sich allein gestellt und begann, sich mit flinken Fingern selbst zu befriedigen. Sie stellte sich vor, wie sie von dem recht ansehnlichen und ziemlich durchtrainierten Pornodarsteller aufs Bett gedrückt wurde und dieser seinen Schwanz bis zum Anschlag in sie hinein trieb. In ihrer Fantasie krallte sie sich in seinem breiten Rücken fest und presste ihren Unterleib immer wieder gegen seine Lenden, solange, bis sie von einem Orgasmus überrollt wurde.

Seufzend drehte Sam sich auf die Seite, tastete nach der Fernbedienung und schaltete den Fernseher aus. Nicht lange und sie fiel in einen unruhigen Schlaf.


***



Genervt blickte Devan Jones auf seine Armbanduhr und verfluchte sich zum hundertsten Mal, dass er den Personenschutz für Samantha Collister übernommen hatte. Ständig musste er auf diese abgehobene Pop-Göre warten und sie von einem Auftritt zum nächsten begleiten, während seine geliebte Frau hochschwanger zuhause saß. Eigentlich hatte er den Auftrag ablehnen wollen, aber da sie gerade einige finanzielle Engpässe verkraften mussten, hatte er ihn im Hinblick auf das Baby schließlich doch angenommen.

Es fühlte sich für ihn wie eine halbe Ewigkeit an, bis sich endlich die Türen des Fahrstuhls öffneten und Samantha Collister zusammen mit ihrer Managerin Melinda Curtis die Hotellobby betrat. Während Melinda zur Rezeption ging, um offiziell auszuchecken, blieb Sam neben dem großen Bodyguard stehen. Sie hatte die Nacht ziemlich schlecht geschlafen und um die Spuren zu kaschieren, hatte sie eine große Sonnenbrille aufgesetzt.

„Guten Morgen!“, nuschelte sie Devan entgegen, der das Ganze mit einem knappen Nicken quittierte.

Auch wenn er ihr Angestellter war, so konnte er sie dennoch spüren lassen, wie sehr ihm ihr Zuspätkommen missfiel. Er empfand es als äußerst faszinierend, wie der zunehmende Bekanntheitsgrad manche Menschen zu ihrem Nachteil verändern konnte. Und Samantha Collister schien in seinen Augen zu genau zu diesem Typ Mensch zu gehören.

„So, nichts wie weg hier.“ Melinda war zu ihnen herüber gekommen und verstaute gerade einige Unterlagen in ihrer Handtasche. „Der Wagen steht draußen bereit. Genauso wie diese krebserregende Horde von Paparazzi.“

Genervt verdrehte sie die Augen und wies Devon mit einer Geste an, nicht von Sams Seite zu weichen. Dieser nickte ungerührt, schließlich wusste er genau, was er zu tun hatte. Schweigend lief er neben den beiden Frauen her und sobald sie ins Freie traten, brach bereits die Hölle über sie herein. Der Wagen stand zwar nur wenige Meter von ihnen entfernt, dennoch wurde der kurze Weg für sie zum Spießrutenlauf.

Von allen Seiten leuchtete das grelle Blitzlicht der Spiegelreflexkameras auf und jeder der Fotografen rief nach Samanthas Namen, nur um ein besonders gewinnbringendes Bild von ihr zu machen. Mit leichter Gewalt schirmte Devan die blonde Frau vor den wildgewordenen Klatschreportern ab und ahnte nicht, dass ihm nun der wohl schwerste Fehler seines Lebens passieren würde. Während er dabei war, Sam zu der wartenden Limousine zu geleiten, spürte er ein aufdringliches Vibrieren in seiner Hosentasche. Einem inneren Reflex nachgebend, zog er sein Handy hervor und warf einen kurzen Blick auf das Display. Der Anruf kam von seiner Frau und Devon ahnte sofort, dass es nur einen Beweggrund geben konnte: es musste irgendetwas mit ihrem ungeborenen Kind zu tun haben.

Es war nur ein kurzer Moment, in dem er abgelenkt war und dennoch lang genug, dass Devan nicht den Mann bemerkte, der sich seinen Weg durch die Menge der Fotografen bahnte. Mit wutverzerrtem Gesicht stürmte er hervor und bekam die überraschte Samantha am Handgelenk zu fassen.

„Du Schlampe! Glaubst du ich lasse mich so von dir behandeln?“, brüllte er sie an, als wäre er von allen Sinnen verlassen.

Sam war viel zu geschockt und damit zu keiner Reaktion fähig, auch nicht, als der Mann sie brutal zu Boden stieß und ihr Hinterkopf schmerzhaft auf dem Asphalt aufschlug. Erst jetzt löste Devan sich aus seiner Schockstarre und überwältigte den Angreifer mit wenigen Handgriffen.


***



Mit gemischten Gefühlen verfolgte Daryl Reed die zwölf-Uhr-Nachrichten, die auf dem kleinen Fernseher in seinem Büro flimmerten. Gerade wurde darüber berichtet, dass die Popsängerin Samantha Collister von einem verrückten Fan angegriffen worden war. Dieser hatte nach eigenen Angaben der jungen Frau immer wieder Liebesbriefe geschickt, die von ihr jedoch unbeantwortet geblieben waren. Für ihn scheinbar Grund genug, über die Sängerin in aller Öffentlichkeit herzufallen.

Kopfschüttelnd lehnte Daryl sich in seinem Bürosessel zurück und nahm einen Schluck aus seiner Kaffeetasse. Es war ihm absolut unbegreiflich wie es immer wieder geschehen konnte, dass Prominente von wahnsinnigen Fans attackiert wurden obwohl sie Personenschützer engagiert hatten. Kritisch musterte er den Bodyguard der jungen Sängerin dabei, wie er versuchte, sich aus dem Blickfeld der Kameras zu winden. Er war groß, äußerst muskulös und machte einen ziemlich respekteinflößenden Eindruck.

Rein körperlich unterschied Daryl sich kaum von dem Mann aus dem Fernsehbericht, doch im Gegensatz zu ihm war er sich bewusst, dass Muskeln allein nicht ausreichten, um ein guter Leibwächter zu sein. Man musste ein schnelles Reaktionsvermögen besitzen, in der Lage sein, eine Situation zu analysieren und potentielle Gefahren erkennen. Es ging darum, seine Umwelt wahrzunehmen und verschiedene Gegebenheiten miteinander zu verknüpfen. Ein guter Leibwächter war kein hirnloser Prügelknabe, sondern ein knallharter Analytiker, der Personen anhand ihrer Körpersprache durchleuchtete.

Gerade als der Fernsehbericht endete, klingelte Daryls Telefon.

„Daryl Reed.“, meldete er sich.

„Guten Mittag, Mr. Reed. Mein Name ist Melinda Curtis.“, Eine gestresste Frauenstimme erklang am anderen Ende der Leitung. „Ich bin die Managerin von Samantha Collister, ich denke Sie wissen wer das ist.“

Ein amüsiertes Lächeln umspielte Daryls Lippen, denn auf eine gewisse Art und Weise hatte er mit ihrem Anruf bereits gerechnet. Simon Cook, Samanthas PR-Berater, war sein Onkel und auch wenn sie keinen engen Kontakt pflegten, so wusste Daryl, dass Simon von seiner Professionalität überzeugt war.

„Natürlich weiß ich wer Samantha Collister ist. Das war kein allzu schöner Auftritt in den Mittagsnachrichten.“

Melinda seufzte. „Dann sind Sie über die heutigen Geschehnisse ja bestens informiert und ich muss Ihnen wohl nicht großartig erklären, warum ich Sie anrufe.“

„Ich denke nicht.“

„Schön.“ Die Frau am anderen Ende der Leitung schien erleichtert darüber zu sein, dass sie das Gespräch schnell hinter sich bringen konnte. „Sie wurden mir von einem gemeinsamen Bekannten empfohlen und ich hoffe, sie erledigen Ihren Job gewissenhafter als ihr Vorgänger. Ich möchte solche Nachrichten nie wieder sehen müssen. Verstanden?“

„Natürlich. Wann und Wo?“

„Ihr Flieger geht in zwei Stunden, damit sie bereits heute Abend in Atlanta sind. Samantha ist nicht schwer verletzt, somit wird das heutige Konzert auch nicht abgesagt und wir erwarten Sie zu Showbeginn an der Halle. Über ihr Honorar brauchen Sie sich keine Gedanken zu machen, das wird mehr als angemessen sein. Ich schicke Ihnen gleich noch eine E-Mail mit Ihren Flugdaten, alles weitere besprechen wir dann vor Ort.“

Ohne eine Verabschiedung legte die Frau auf und entlockte Daryl damit ein knappes Lächeln. Andere hätten Melindas Verhalten vielleicht als respektlos empfunden, für Daryl war es nahezu erfrischend. Er hasste nichts mehr, als ewig lange Telefongespräche mit Klienten, die jede Einzelheit bis zum Erbrechen durchkauen mussten. Er war kein Mann der großen Worte, er brachte die Dinge gerne auf den Punkt und überließ das Gequatsche den Anderen.

Ein Blick in sein E-Mail-Postfach verriet ihm, dass Melinda ihm die angekündigte Nachricht bereits geschickt hatte. Stichpunktartig waren alle Informationen zu seinem Flug aufgelistet. Außerdem hatte sie vermerkt, dass die Tickets am Flughafen hinterlegt waren. Nun musste er nur noch in seine Wohnung fahren, schnell ein paar Sachen zusammenpacken und sich schließlich ein Taxi zum Flughafen nehmen.
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