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Sklavenhalter-Menschenhändler-Mafiaboss

GeschichteThriller, Angst / P16 / MaleSlash
18.03.2013
18.03.2013
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Die Wörter waren:
Eishalle
Internet
Zootour
Dokumentation
Café

Alle 5 fanden sich diesmal wieder :D
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Sklavenhalter - Menschenhändler - Mafiaboss

Sie zog sich mit ihrem internettauglichen Laptop in ein Café zurück.
„Espresso, bitte. Extra stark.“
Seit drei Tagen hatte sie kein Auge zugemacht. Sie konnte nicht schlafen. Nicht nachdem, was in der Eishalle geschehen war.
Da waren sie und Timo. Und Atze. Und dieses Mädchen. Olivia hieß sie.
Atze kannte das Mädchen.
„Die ist vom Strich“, hatte er gesagt. „Hab ich hinterm Zoo stehen sehen. Dort, wo die Zootouren beginnen, wenn du verstehst, was ich meine?“
Klar hatte sie verstanden. Sie kannte den Film –Wir Kinder vom Bahnhofzoo- und wusste haargenau worauf er hinaus wollte. Aber war Atze so jemand, der sich Mädchen vom Strich holte?
Timo hatte sie vor ihm gewarnt. Laut Timo war er sehr wohl jemand, der dies tat. Sie konnte sich das nicht erklären.
Jedenfalls kam dieses Mädchen zu ihnen. Sie war etwas ungeschickt auf dem Eis, weshalb sie lachte.
„Ich kenne dich nicht“, hatte das Mädchen ihr gesagt.
„Ich kenne dich auch nicht“, hatte sie geantwortet.
„Ich bin Olivia.“
„Hannah.“
Sie hieß nicht Hannah, aber wollte sie einem Strichermädchen ihren richtigen Namen verraten? Nein, wollte sie nicht.
Während Olivia mit ihr redete, dachte sie über das Alter des Mädchens nach. Sechzehn. Vielleicht Siebzehn. Um einiges jünger als sie.
Zahlreiche Einstiche am Handgelenk und am Oberarm. Geweitete Pupillen. Drogenabhängig. Warum erkannte sie das so deutlich? Lag es an der Dokumentation, die sie neulich gesehen hatte? Wo Minderjährige an Drogen starben und Alte sie verkauften. Oder lag es daran, dass Lukas daran gestorben war?
Wer war Lukas?
Lukas war ihr Bruder. Ihr älterer Bruder, um genau zu sein. Zwei Jahre. Und doch war er so weit von ihr entfernt. Vor einem Jahr setzte er sich den goldenen Schuss.
Sie fühlte sich schuldig, da er bei ihr gewohnt hatte.
Dann zog sie zu Timo. Timo war ihr bester Freund, aber mehr war da nicht. Freundschaft. Das, was sie danach so sehr gebraucht hatte. Freundschaft.
Vielleicht braucht das Mädchen ebenfalls nur Freunde? Freunde, die ihr Bruder nicht hatte, weil er sich mehr und mehr ausgegrenzt hatte.
Vielleicht brauchte sie einfach nur Freunde, die ihr halfen.
„Noch ein Espresso bitte“, sagte sie zu der netten Kellnerin. Es war ihr egal, ob sie Herzrasen bekam, aber sie brauchte Energie. Im Internet suchte sie die Polizeiplattform auf. Was tat sie da? Konnte sie das tun, ohne ihn Gefahr zu geraten?
Sollte sie Atze anzeigen? Anonym? Würde er das herausfinden?
Warum wollte sie Atze anzeigen?
Gehen wir wieder zu den Ereignissen in der Eishalle zurück. Es war Samstag.
Olivia redete mit ihr. Sie betrachtete das Strichermädchen genau. Neben den Einstichen fielen ihr zahlreiche blaue Flecken auf. Sie tat ihr Leid.
„Willst du was trinken?“ fragte sie Olivia?
„Nein. Kann nicht.“
„Warum kannst du nicht?“, wollte sie jetzt wissen.
„Werde beobachtet.“
Sie blickte sich um und erkannte niemanden, der sie beobachten könnte. Außer ihr waren da noch Timo und Atze, die sich rege unterhielten, ein Pärchen, das Hand in Hand seine Kreise zog und ein älterer Mann mit zwei Kindern, die Mutter saß etwas abseits mit einem Gipsbein. Ansonsten war da niemand. An einem Samstag war das auch nichts Ungewöhnliches, die meisten hatten etwas Besseres zu tun.
Und selbst wenn sie beobachtet wurde, warum sprach sie dann mit ihr?
Komisch, dachte sie.
Irgendwann zog sich das Mädchen zurück. Sie fand Olivia am Hintereingang wieder. Neben ihr stand Atze. Er schrie mit ihr.
„Was fällt dir ein?“, rief er.
Sie weinte. Unfähig eine Antwort zu geben.
„Was soll diese Scheiße? Wie kommst du darauf, dich zu ihr zu stellen? Schlimmer noch, welcher Teufel hat dich geritten, mit ihr zu reden?“
Olivia weinte immer noch.
Sie blieb hinter dem Mauereck und lauschte weiter.
Sie hörte, wie er ihr eine Ohrfeige verpasste. Eingreifen? Ja.
„ATZE!“ rief sie. „Lass das Mädchen in Ruhe!“
Er drehte seinen massigen Kopf in ihre Richtung. „Du? Du wagst es?“
„Ja, ich wage es. Sie hat dir nichts getan. Lass sie los.“
Olivia weinte. Sie bemerkte anscheinend nicht mal, dass sie sich schützend vor sie stellte, denn sie kniete am Boden, die Augen geschlossen und die Arme auf die Ohren gelegt.
„Verschwinde“, sagte Atze leise. „Verschwinde, oder ich bring dich um.“
„Bring mich doch um. Timo fällt es auf, wenn ich nicht zurück komme.“
Atze legte den Kopf schief. Er lachte. Warum lachte er?
Atze griff mit seiner rechten Hand auf den Holster in seiner Hose und zog eine 9-mm heraus. Mit Schalldämpfer.
Warum war er ihr nicht aufgefallen?
Sie hatte Angst.
Viel zu schnell war der Espresso leer, weshalb sie sich einen dritten bestellte. Diesen leerte sie in einem Zug. Anders konnte sie an die Ereignisse nicht denken. Schrecklich.
Nun. Atze stand also vor ihr, die Waffe in der Hand. Sie ging auf ihn zu. Waagemutig. Aber wie sollte sie ihn sonst aufhalten?
„Wer bist du wirklich, Atze Maiers?“
„Sklavenhalter, Menschenhändler, Mafiaboss.“
Sie riss die Augen auf.
„Nein, das kann ich nicht glauben.“
„Hat dir Timo nichts gesagt? Schade, dann habe ich ihn umsonst getötet.“
„Sag, dass das nicht wahr ist!“
Timo soll tot sein? Das konnte oder besser gesagt wollte sie nicht glauben. Aber es war so.
Atze richtete die Waffe auf sie.
Nein, nicht auf sie, sondern auf Olivia. Er drückte ohne mit der Wimper zu zucken ab. Der Schalldämpfer nahm jegliches Geräusch und es entstand eine seltsam leere Atmosphäre zwischen den beiden. Gefahr lag in der Luft.
Sie hatte Angst. Schreckliche Angst.
Atze lachte hämisch. Er freute sich über den zweiten Mord.
Nun richtete er die Waffe auf sie.
„Willst du sterben?“
„Nein“, wimmerte sie.
„Gut. Ich will auch nicht dass du stirbst. Du bist so wunderschön.“
Sie war wie erstarrt.  Atze trat einen Schritt näher an sie heran, packte mit der freien Hand ihre Haare und zog ihren Kopf nach hinten. Er küsste sie auf den Mund.
Sie ekelte sich. Sie dachte, sie würde diesen Mann lieben, aber das tat sie nicht. Nicht mehr. Sie hatte ihn geliebt, vor dieser Sache hier.
Sie schmeckte Alkohol und Zigaretten. Wann hatte er getrunken? Warum war ihr dies nicht aufgefallen?
Er löste den Kuss und drückte ihr die Waffe auf den Bauch.
„Ausziehen. Oder ich drücke ab.“
Sie schluckte, bewegte sich aber nicht. Er drückte den Ladehahn durch. „Was habe ich gesagt?“
Sie begann zu zittern, allerdings zog sie sich aus. Sie fürchtete sich so sehr.
Er strich mit der Hand über ihren nackten Körper.
Er vergewaltigte sie. Neben einer Leiche, an der Hinterwand der Eishalle. Sie hasste ihn dafür. Er hatte ihre Unschuld genommen.
Sie war zwar 26, wollte aber bis zur Ehe warten. Eigentlich wollte sie Atze heiraten, aber jetzt....
„Du Hure wolltest mich nicht ranlassen. Sie dich doch an, es gefällt dir doch, so durchgenommen zu werden. Sei ehrlich.“
„Ich hasse dich“, brachte sie gequält hervor.
„Ach, das glaube ich nicht.“ Er hielt ihr die Waffe an die Schläfe. Trotz der Qualen, die sie durchmachte, wollte sie nicht sterben.
„Sag, dass du mich liebst.“
Sie weinte. Als er von ihr abgelassen hatte, saß sie am Boden, mitten im Blut von Olivia.
„Ich liebe dich.“ spukte sie aus.
„Glaubwürdiger!“
„Ich liebe dich!“, brüllte sie, unterstützt von Geheul.
Er schien zufrieden.
„Kein Wort. Zu niemanden. Oder du wirst dieses Schicksal teilen“, er deutete auf den toten Körper neben ihr. „Sie war genau wie du. Wollte warten. Elendes Pack.“
Er steckte seine Waffe zurück und machte sich auf den Weg. Wohin er ging interessierte sie nicht, sie wollte nur, dass er verschwindet.
Beschämt stand sie auf, packte ihre Kleider und verschwand in den Duschräumen der Eishalle. Sie war froh, dass niemand da war, der dies hätte sehen können.
Sie duschte, wusch sich den Schmutz und das Blut ab. Sie hatte Schmerzen im Unterleib, aber es war ihr egal. Ihr war alles egal, weshalb sie sich auch mit kochend heißem Wasser wusch. Sie wollte sogar die Schmerzen spüren, sie zeigten ihr, dass sie ab Leben war.
Sie weinte.
Nach langer Zeit schaffte sie es, nach Hause zu gehen. Timo war nicht da. Wie auch? Sie hatte ihn in der Eishalle liegen sehen. Er sah so aus wie Olivia. Warum musste er sterben?
Sie packte ihre Sachen und setzte sich in den nächsten Zug.
Sie wollte weg.
Aber Atze würde sie finden, egal wo sie war.
Sklavenhalter, Menschenhändler, Mafiaboss.
Er war der schrecklichste Mensch, den sie kannte.
Zwei Tage war sie von einem Zug in den nächsten gestiegen, immer in Bewegung, immer auf der Hut.
Jetzt war sie weit weg.
Hier würde er sie nicht finden.
Und so landete sie in diesem Café. Mittlerweile stand der vierte Espresso auf ihrem Tisch. Sie hatte keinen weiteren bestellt, aber die Kellnerin brachte ihr einfach einen. Sie war dankbar dafür.
Auf der Polizeiplattform gab es eine Registerkarte: „Anzeigen aufgeben“. Sie wählte diese. Plötzlich tat sich auf ihrem Computer nichts mehr.
Bis ein Fenster erschien:
Glaubst du wirklich, ich lasse dich nicht überwachen? Was glaubst du, tust du da? Du unterschreibst dein Todesurteil, solltest du noch einmal diese Seite besuchen wollen.
Ich weiß wo du bist.
Sie begann mehr und mehr zu zittern. Mit einem kräftigen Schlag beförderte sie den Laptop zu Boden. Der Bildschirm wurde schwarz. Die Gäste des Café’s betrachteten sie verwirrt. Sie musste aussehen, wie eine Wahnsinnige.
War sie das nicht auch?
Ihn Anzeigen zu wollen, trotz seiner Worte?
Sie musste Wahnsinnig sein.
Den vierten Espresso trank sie ebenfalls mit einem Zug, bezahlte und ging. Den Laptop lies sie liegen.
Am Bahnhof stieg sie in den nächsten Zug ein. Vier Stunden Fahrt. Dann der nächste Zug. Immer weiter wollte sie verschwinden.
Er wird mich finden, sagte sie sich immer wieder. Es wirkte wie ein Mantra, wenn es auch nicht beruhigend war. Aber es hielt sie wach. Schlafen wäre das Schlimmste, das sie tun konnte.
Aber sie wollte schlafen. Sie war so müde. Unendlich müde.
Der nächste Zug hatte eine zwölfstündige Fahrt vor sich.
Sie sah sich in jeder Kabine um, in jedem Winkel.
Kein Atze.
Und irgendwann schlief sie ein.
Als sie die Augen öffnete, wurde sie von einem vertrauten Gesicht begrüßt.
„Was hast du dir dabei nur gedacht?“
Sie riss die Augen schlagartig auf.
„Atze.“
„Hallo.“
Sie wollte schreien, sah aber, dass seine Hand auf dem Hüftholster lag.
„Warum bist du abgehauen. Du liebst mich doch“, sagte er auf psychopathische Weise. Er war verrückt.
Nein. Sklavenhalter, Menschenhändler, Mafiaboss.
Sie sah sich um und bemerkte, dass sie nicht mehr in ihrem Zug saß. Sie musste fester geschlafen haben, als beabsichtigt.
„Wo bringst du mich hin?“ traute sie sich fragen.
„Nach Hause.“
Erst jetzt bemerkte sie, dass ihre Hände und ihre Beine gefesselt waren. Und sie saß nicht mal mehr in einem Zug, sondern in einem Wohnwagen.
Wer fuhr diesen Wagen?
Es war ihr egal. Sie hatte nur Atze im Blick. Und sie hatte Angst. Wie konnte sie nur so dumm gewesen sein, und schlafen?
Was dachte sie sich dabei?
„Wo ist das?“
„In der Hölle“, antwortete er, legte den Kopf zurück und lachte.
Dann zog er die Waffe heraus und drückte sie auf ihren Kopf.
„Hab keine Angst, Timo wird dich erwarten.“
Aber er drückte nicht ab.
Im Gegenteil, er steckte die Waffe wieder ein und legte ihr statt dessen Augenbinden an. Der Wagen blieb stehen und Atze packte sie.
Sie wurde in einen Raum getragen.
Und unsanft fallen gelassen.
Ein unerträglicher Geruch stieg ihr in die Nase und sie hörte Wimmern. Gequältes Wimmern.
Atze nahm ihr die Augenbinden ab und sie sah sich in dem spärlich beleuchteten Raum um.
„Timo!“ rief sie. Dieses Wimmern kam tatsächlich von ihrem besten Freund.
Sie sah Atze an.
„Der war zäher als ich dachte. Hat überlebt. Wollte fliehen, genau wie du. Aber keiner entkommt mir.“
Sie wurde angekettet.
„Timo, sag doch was.“
„Da kannst du lange warten, der hat keine Zunge mehr. Musste ich entfernen, hat zuviel geschrieen. Also sein ein braves Mädchen und halte die Klappe.“
Er verschwand aus dem Raum und schloss ab. Timo war ebenfalls angekettet. Sie betrachtete ihren Freund voller Trauer und Hass.
Sie musste aus diesem Raum entkommen. Eilig griff sie in ihre Hosentasche, nur um festzustellen, dass ihr Telefon nicht da war.
„Scheiße!“ entkam es ihr.
Timo verzog den Mund zu einem gequälten Lächeln und stieß ihr ein kaputtes Mobilfunkgerät hinüber. Atze hielt es anscheinend für ungefährlich, da es nicht funktionierte.
Sie gab ihr bestes, setze alles Wissen, dass sie besaß ein, um das Ding zu reparieren, aber sie schaffte es nicht.
Dieser Raum hier war ihr Grab.
Es gab keinen Ausweg.
Und Atze würde sie nicht freilassen. Was würde ihm dies bringen?
Sklavenhalter. Menschenhändler. Mafiaboss.
Sie hasste ihn.

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