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Der sprechende Kater

von Mondrose
GeschichteFantasy / P12 / Gen
17.03.2013
17.03.2013
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Die Worte "Grün, Kontakt, Katze, Kuchen und Uhrzeit" sollten in eine Geschichte eingebaut werden.

Und ohne den Word War (  http://forum.fanfiktion.de/t/13445/1  ) hätte ich wahrscheinlich nichts zustande gebracht.

So, jetzt viel Spaß beim Lesen !

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Die letzten Bilder des Traumes verflüchtigten sich. Noch ließ ich die Augen zu und genoss die Ruhe. Ich wollte nicht aufstehen, wollte nicht in den stressigen Alltag. Einfach nicht aufstehen, liegen bleiben und dieses Gefühl festhalten.
Genau das, war mein größter Wunsch in diesem  Augenblick, nicht etwa ein Porsche, Geld, ewiges Leben oder so was banales wie die große Liebe. Nein, ich wollte einfach in meinem kuscheligen Bett liegen bleiben. Moment mal. Kuschelig?
Hier war es nicht kuschelig. Das auf dem ich lag, war zwar nicht hart und rau aber auch nicht gerade meine Steppdecke in die ich mich egal welche Jahreszeit gerade war immer einrollte, wie in einen Kokon. Widerwillig öffnete ich die Augen nur um sie gleich wieder zu schließen und sie dann erneut aufzureißen.
Das war unmöglich! Das war nicht mein Zimmer! In meinem Zimmer gab es nichts grünes außer dem mickrigen Kaktus der egal was ich auch machte vor sich hin kränkelte und seine Farbe konnte man nur mit viel wohlwollen „Grün“ nennen.
Aber hier war überall grün! Zum ersten Mal seit dem ich aufgewacht war, nahm ich nun auch die Geräusche um mich herum wahr. Irgendwas raschelte....Vogelgezwitscher. Moment mal! Vogelgezwitscher?
Das einzige was ich hörte war das fröhliche Motorengezwitscher der Autos! Die Straßenbahn... manchmal einen Hund, der seine kurze Freiheit aus seinem Gefängnis alias Wohnung von Herrchen mit lautem Gebell und dem anknurren von früh morgendlichen Radlern feierte. Aber Vögel? Nein, die nur ganz selten und meistens war es mein persönlicher Vogel wenn mir mal wieder jemand sagte, dass ich sie nicht alle hätte.
Denn dann musste ich mir immer einen singenden Vogel vorstellen und dann hörte ich auch sein zartes Stimmchen.  Okay, also meine Lage war.... ungewöhnlich, verrückt, paranormal.... halt wie für mich gemacht. Aber wie war ich hier her gekommen also an diesen Ort, der jedem Greenpeace Aktivisten das Herz hätte höher schlagen lassen.  
Vielleicht sollte ich mich auch nur mal einfach etwas mehr umsehen, dann würde sich das ganze hier bestimmt aufklären und erklären lassen.... oder auch nicht. Langsam setzte ich mich auf, als ich dabei die Hand auf dem Boden abstütze spürte ich Gras, Erde und Blätter zwischen meinen Fingern. Es war herrlich, ein unbeschreibliches Gefühl.
Was hatten die Leute denn dagegen, wenn sie Unkraut jetteten oder ähnliches.  Vom sitzenden Zustand wechselte ich, behände wie es mir möglich war in den stehenden Zustand. Dann drehte ich mich einmal um mich selbst und bewunderte diesen wunderschönen Schleier der rund um mich herum war. Sollte ich mich umsehen? Was sonst, schallt ich mich selbst.
Ich konnte hier ja schlecht warten bis der Osterhase kam und mich mitnahm.  Also marschierte ich, nun vollkommen und restlos hellwach in irgendeine Richtung. Mensch, so wach war ich ohne meinen morgendlichen Koffein bedarf schon lange nicht mehr gewesen. Je näher ich der grünen Wand kam, desto besser konnte ich sehen, dass es keine Wand war. Es waren Blätter und Büsche. Riesige Blätter und riesige Büsche und ich musste meinen ersten Eindruck revidieren.
Es war nicht alles grün, braun gab es auch. Die mächtigen Baumstämme und tief hängenden Äste, hatte ich übersehen. Aber wie? Beim näherkommen stellte ich fest das es kaum möglich war sie nicht zu sehen. Aber auch nur kaum. Ich schaffte es schließlich.
Neugierig wie ich war, schob ich mich durch den dichten Blättervorhang. Auch wieder Blätter. Langsam dämmerte es mir. Ich befand mich in einem Wald. In dem schönsten Wald den ich je gesehen hatte. Nun gut, das waren nicht allzu viele gewesen.
Es sei denn man zählte einzelne Blume als Wald.  Man war ich heute mal wieder eine Blitzmerkerin. Das viele Bäume einen Wald ergeben war ja auch so schwer. Stück für Stück arbeitete ich mich weiter vor und kam dabei aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. J
edes Blatt sah anders aus. Jedes Blatt war einzigartig und ein Kunstwerk für sich. Sie unterschieden sich an Größe, Farbe und Form außerdem glänzten sie unterschiedlich. Aber sie waren nichts gegen die Baumstämme sie waren einfach gigantisch.
Die tiefen Furchen waren mit Ranken bewachsen und einige sahen aus wie Fabelwesen aus den Märchen meiner Kindheit. Ein paar sahen aus wie Trolle, andere wie Gnome einige sahen aus wie die geheimen Behausungen von Waldgeistern und Feen.
Fast wie ein Märchenwald. Einige von diesen Bäumen wirkten in ihrer Größe fast wie Mitglieder eines Weisen Rates.
Ich bahnte mir meinen Weg durch eine weitere Blätterschicht. Plötzlich sah ich etwas lilanes neben mir. Diese Farbe war so surreal zwischen al diesem grün, dass ich inne  hielt. Nun stand dieses lilane Etwas vor mir. Es war eine Katze und zwar die merkwürdigste Katze die ich je gesehen hatte. Fast wie der Hase aus Alice im Wunderland.
„Na Menschling wie geht es dir?“ fragte mich die Katze. Eine Katze sprach mit mir. Eine Katze. „Was ist? Weißt du nicht was es heißt einen Kontakt zu pflegen? Ich möchte meine Kontakte zu euch Menschlingen pflegen ist das so falsch?“ irrte ich mich oder klang sie beleidigt? „Nein, mit ihnen ist alles ok, ich war nur verwundert. Es hat noch nie in Katze mit mir gesprochen“ antwortete ich zu meiner Überraschung. „Oh das höre ich öfter“, sagte die Katze nun wieder vergnügt.

„Ach wirklich“, konnte ich mir nicht verkneifen zu sagen. Doch die Katze schien die Ironie meiner Worte nicht verstanden zu haben oder sie war ihr egal „Oh ja, so bedauerlich es auch ist, ich habe nicht oft die Möglichkeit mich mit einem von euch zu Unterhalten.“, antwortete sie nun etwas abwesend als würde sie in Erinnerungen schwelgen. „Wer sind sie?“, wechselte ich das Thema. „Verzeihung Verzeihung" rief die Katze auf und das lila ihres Fells wurde für einen Moment dunkler, als würde es sich durch Aufregung dunkler Färben.
„ Wie unhöflich von mir. Karl Kranz Waldpirscher von und zu Eiche mein Name, darf ich sie meinerseits nach ihrem Namen fragen?“, fügte er, wie ich nun ganz sicher wusste, mit einer leichten Verbeugung hinzu. Meine Tante Elma hätte ihn als Gentleman, als einen von der alten Schule bezeichnet.
Dachte ich plötzlich und ich musste kurz grinsen, als ich mir den lila Kater mit einem Smoking, einer Fliege und einem schwarzen Zylinder Vorstellen musste.
„Amalia Haffkrug“, lächelte ich und wunderte mich schon wieder über mich selbst. Was passierte denn mit mir? Ich stand in einem Wald, den ich nicht kannte und unterhielt mich mit einem lila Kater, den ich nicht kannte. Plötzlich stockte ich in meinem Gedankengang. Ich akzeptierte einfach so die Tatsache das sich ein Kater mit mir unterhalten wollte, als normal?
Katzen sprachen nicht. Außer in Kinderfilmen und Serien. Ich mein Tom von Tom und Jerry hatte mich durch meine Kindheit begleitet und auch Kater Carlo war mir ein Begriff, wie oft hatte ich mir ihre Abenteuer auf meiner Kassette angehört?
Aber das hier war anders, realer. So real wie so etwas eben sein konnte. „Amalia, das ist ein schöner Name“, unterbrach der Kater meine Gedankengänge.
„Sie müssen sehr stolz auf ihren Namen sein und sind ihren Eltern mit Sicherheit auch sehr dankbar“, sagte er höflich. Ich sah ihn verwundert an. Vorsichtig formulierte ich meine Antwort: „ Nun um ehrlich zu sein, eher weniger. Ich finde das dieser Name zu einem kleinen Mädchen passt, aber nicht mehr zu mir. Manchmal denke ich, dass ich zu alt für meinen Namen werde.“
Er sah betroffen aus. „Oh das ist Schade“ „Es ist nicht so schlimm“, versuchte ich ihn zu beruhigen „mein Name ist nicht so wichtig. Wenn ich wollte, könnte ich ihn ändern lassen. "
Nun sah er ehrlich schockiert aus. „Was?“, rief er aus. Als er meinen verwirrten Blick bemerkte, hielt er inne und begann zu erklären: „ Nun, bei uns ist das anders. Unsere Namen sind aus heilig. Sie machen uns zu dem was wir sind.
Wenn ein Junges seinen Namen bekommt, treffen wir uns alle und es wird ein großes Fest gefeiert. Wir essen und trinken, erzählen uns Geschichten und singen und tanzen. Bei uns ist das immer sehr ausgelassen.
Außerdem veranstalten wir eine kleine Zeremonie. Nachdem alle zusammen gekommen sind, vor allem die Familie ist dabei sehr wichtig, versammeln wir uns in einem Kreis, die Eltern stehen mit ihrem Junges in der Mitte.
Dann wird das Kind mit duftenden Kräutern gewaschen und anschließend in seine Schlafdecke gewickelt. Nachdem dies geschehen ist, wird das Kind einmal herumgereicht. Jeder flüstert ihm etwas ins Ohr.
Ob Ratschläge, Wünsche fürs Leben oder Gedichte, das ist egal. Wenn jeder einmal das Kind im Arm hatte, nehmen es die Eltern wieder zu sich. Sie erzählen schließlich wie die ersten Momente des Kindes waren und vielleicht wie es bei der ersten Mahlzeit die Pfoten gehalten hat.  Zum Schluss verkündet die Mutter den Namen, oft hat die Mutter dabei Tränen in den Augen.
Denn bei uns ist es so Tradition das das Kind nicht sofort sondern erst nach zwei Wochen seinen Namen bekommt.
So lange haben die Eltern zeit sich einen Namen für das Kind auszusuchen. Es sind Freudentränen die die Mutter weint, nun ist ihr Kind nicht mehr namenlos und seiner Zukunft steht nichts mehr im Wege.
Wie du siehst ist uns unser Name sehr wichtig., schloss er. Ich konnte nicht anders als ihn verblüfft anzustarren.
„Das ist wundervoll was ihr tut. Das ist schade, das es bei uns Menschen nicht so ist. Es wäre schon wenn bei uns auch die ganze Familie zusammen kommen würde. Aber eins verstehe ich noch nicht so ganz. Warum wartet ihr mit der Namensgebung? Und warum wird der Name erst nach der Geburt des Kindes ausgesucht? Ihr könntet ihn doch schon vorher aussuchen.“, fragte ich ihn.
„Das ist ganz einfach: Wie kann man jemandem einen Namen geben ohne ihn zu können ? Am Ende passt der Name gar nicht zu dem Kind, wenn man ihn vorher aussucht und genau deshalb warten wir, so haben die Eltern Gelegenheit, den passenden, den richtigen Namen für ihn Kind zu finden“, erklärte er freundlich.
Das klang einleuchtend. „So habe ich das noch die gesehen“, gab ich ehrlich zu. Und die meisten anderen Menschen würden sicherlich das gleich sagen, dachte ich im stillen. „Nun, du könntest es ändern.
Denn nicht der Mensch muss zum Namen passen, sondern der Name zum Menschen oder nicht?“, fragte er mich lächelnd auch wenn er etwas unsicher klang.  

„Doch ich glaube so ist es. Oder viel mehr sollte es so sein. Aber bei uns ist es ja leider nicht so. Schade, aber vielleicht erkennen noch mehr Leute irgendwann diese Wahrheit. Dann besteht die Möglichkeit das sich etwas ändert.
Irgendwann vielleicht in ferner Zukunft, werden wir dann einmal so klug sein wie ihr. Aber nur eventuell.“, sagte ich vorsichtig. „Du bist sehr weise. Von dir könnten wir Menschen viel lernen Kater“, fügte ich nach kurzem überlegen scheu hinzu.
Das Gesicht de Katers nahm eine lila-pinke Färbung an. „Danke“, lächelte er geschmeichelt, „ aber auch von dir könnten deine Artgenossen noch viel lernen, wenn sie es denn wollten.“ „Von mir?“, fragte ich verblüfft nach.
„Oh so schnell hat noch nie jemand, von meinen menschlichen Gesprächspartnern verstanden warum wir aus der Namensgebung ein großes Familienfest machen. Also glaube ich, dass die anderen Menschen die ich kennen lernen durfte, entweder besonders dumm waren oder du einfach besonders schlau bist.
Und mit schlau meine ich nicht diese Dinge wie Mathematik oder andere Wissenschaften auf die ihr so stolz seit und auf die ihr so einen großen Wert legt, sondern Verständnis von anderen Bräuchen, schnelle Auffassungsgabe und schnelles Denken.“, schloss er und sah mir fest in die Augen. Das was er sagte, meinte er vollkommen ernst.
Da war ich mir sicher, trotzdem wollte und konnte ich ihm nicht so richtig glauben. Ich war normal, nicht besonders schlau aber auch nicht dumm. Und ob ich schnell denken konnte, naja, ich hatte mich da nie großartig mit den anderen Gemessen aber auch dort kam ich mir, wenn ich so zurück blickte nicht außer ordentlich schnell oder langsam vor. Durchschnittlich.
Das einzige Wort das mir einfiel war durchschnittlich. Ich war weder außerordentlich schön, groß, künstlerisch begabt oder ähnliches. Alles was ich beherrschte, konnte ich nicht besser als die anderen. „Danke, ich fühle mich geehrt. Aber alles was du gesagt hast, beherrsche ich weder besser noch schlechter als die anderen Menschen.“, wiegelte ich ab. „Macht es das deshalb besser oder schlechter? Nur weil andere es auch können? Freu' dich lieber, das es so viele Menschen gibt die andere Bräuche verstehen können.
Denn einer meiner zweibeinigen Gesprächspartner erwähnte, dass eine Bevölkerungsgruppe bei euch lange als schlechte Menschen verschrieen waren. Ich glaube er hatte diese als Kindsmörder und habgieriges   Volk verschrieben Menschen als Juden bezeichnet.
Nur weil sie einen anderen Glauben hatten. Und wieder ein anderer erzählte mir, das Menschen mit dunklerer Hautfarbe bei euch lange gemieden wurden und es immer noch viele gibt, die es tun.“ schloss er.
„Da magst du recht haben. Aber zum Glück gibt es mehr Menschen die nicht so denken.  Dies war eine sehr dunkle Zeit, in der menschlichen Geschichte und auch bis heute ist die Zeit nicht ganz hell.“, bestätigte ich. „ Und wie denkst über diese Menschen?“, fragte er plötzlich. „Was ?“, fragte ich, bevor ich verstand was er meinte.
„Ach so, ich war gerade verwirrt. Ich sehe keinen Unterschied. Wir sind alle Menschen. Und wir machen uns nicht zu Menschen zweiter Klasse, die gemieden werden, weil wir vom äußerlichen nicht der Norm entsprechen oder einen anderen Glauben haben, sondern durch unseren Charakter.
Durch unser Handeln, es gibt böse Juden, die viel schlechtes getan haben, mit Sicherheit aber genauso gibt es Christen die auch schlechtes getan haben. Es gibt weiße Menschen die mit ihrer Grausamkeit ganze Orte ausgelöscht haben.
Aber auch Schwarze sind nicht immer unschuldig. Außerdem können wir so unterschiedlich gar nicht sein, denn wir atmen, müssen essen und trinken und haben alle Eltern. Macht uns das nicht zu gleichen Menschen?
Ein Mensch wird ja schließlich auch nicht gemieden, weil er blaue Augen hat.“, ich holte Luft. Das alles hatte ich gesagt, ohne wirklich Luft zu holen nun versuchte ich sie durch heftiges Atmen in meine Lunge zu pumpen und diese  mit Sauerstoff zu füllen.
Er schweig lange, bevor er antwortete „denkst du, dass viele Menschen, mir diese Antwort gegeben hätten?“, fragte er schließlich. Ich überlegte bevor ich antwortet. „Ich weiß nicht, es gibt welche die hätte ähnlich geantwortet, andere hätten vielleicht nur mit 'weiß ich nicht' geantwortet oder mir egal... . Ich weiß es wirklich nicht.
Auch wenn wir alle Menschen sind, könnten unsere Denkweisen unterschiedlicher nicht sein. Es gibt zwar viele Menschen die die gleichen Überzeugungen und moralischen Grundsätze haben, aber sich unterschiedlich ausdrücken.“
Ich hangelte mich dabei von Wort zu Wort, und überlegte ob ich es richtig formulierte. Er nickte bloß.  Nun, das ist richtig.  Was denkst du, wie viele würden sich darüber Gedanken machen?“.  Wieder wog ich in Gedanken meine Antwort ab, bevor ich sprach.
„Es gibt immer überall auf der Welt Menschen die das gleiche Denken. Die die gleichen Schlüsse ziehen und sich Gedanken über ihre Mitmenschen machen. Wahrscheinlich mehr, als ich mir vorstellen kann., Aber viele werden es wohl auch einfach nicht zeigen, weil sie angst haben, sich lächerlich zu machen, wenn sie so etwas in der Richtung sagen.
„ Der Kater sah bestürzt aus. „Sie schämen sich? Und haben angst sich lächerlich zu machen? Das muss ja furchtbar sein! Für seine Gedanken, die gar nicht lächerlich sind, ausgelacht zu werden. Traurig.“ Ich nickte nur, er hatte ja recht. Irgendwas lief bei uns mächtig und gewaltig falsch.

„Aber warum? Sag mir warum?“, bat der Kater leise. „Das kann ich nicht. Ich weiß es auch nicht“, meine Stimme wurde immer leiser, ich wusste nicht, was ich sagen sollte.
„Auch wenn es mich selber wütend macht, jetzt im nach hinein, kann ich dir keine Antwort auf deine Frage geben, da ich mir noch nie Gedanken darüber gemacht habe“, ich verstummte, in meinen Ohren hörte sich meine Antwort wie eine fadenscheinige Ausrede an.
„Aber ich glaube es ist einfach menschlich. Alle betonen zwar immer wie sehr sie Frieden wollen und trotzdem gibt es Krieg.
Keiner möchte Feinde haben und trotzdem haben wir alle welche.  Wir sind was wir sind, Menschen. Und auch so etwas, das sind  wir.
Natürlich ist nicht jeder Mensch so, aber viele sind es. Und wenn es nur ist, weil sie Angst haben anders zu sein.“, fügte ich das nächste hinzu, was mir in den Sinn kam. Der Kater schwieg lange, noch nie war mir ein Schweigen so lange vorgekommen, als ich schon nicht mehr glaubte, dass er wieder mit mir sprach, antwortete er schließlich.
„Das war deine ehrliche, ernstgemeinte Meinung. Ich danke dir dafür, dass du sie mir anvertraut hast.“ , mehr sagte er nicht. Ich schluckte leise, plötzlich fühlte ich mich unwohl und schämte mich dafür, ich schämte mich dafür ein Mensch zu sein und noch viel mehr schämte ich mich, weil ich auch schon einige Menschen ausgelacht hatte, für ihre Gedanken.
„Kater, ich kann dich nicht bitten es zu verstehen, da nicht einmal ich es verstehe. Aber ich würde mir wünschen, dass du uns Menschen trotzdem eine zweite Chance  gibst.
Nicht jeder Mensch ist gleich. Und ich würde mich freuen, wenn du mich lehren würdest, ein besserer Mensch zu werden, damit ich vielleicht anderen Menschen ein Vorbild sein kann und wir irgendwann einmal eine bessere Gesellschaft sind.“, sagte ich aus einem Bauchgefühl heraus. Die Augen des Katers leuchteten auf.
„Das würde ich sehr gerne und ich freue mich, dass du von mir und von den anderen Katzen lernen möchtest. Es erfüllt mich mit stolz, dass du unser Volk zu deinem Vorbild erkoren hast. Danke“, er klang so weise, das ich nur schwer dem Drang widerstehen konnte, vor ihm niederzuknien.  Etwas raschelte links von mir und ich fuhr herum.
Aber ich konnte nicht sehen, was das Geräusch verursacht hatte. Ich wandte mich wieder dem Kater zu. Dieser schien meine Gedanken erraten zu haben. „Es war höchstwahrscheinlich ein Vogel, der hören wollte, was wir sagen und nun meint, genug gehört zu haben.“, er lächelte wissend.
„Und ich würde meine linke Pfote darauf verwetten, dass es sich dabei um Koyo handelt, er ist ein kleiner Lauscher! Überall hat er seine Ohren! Wenn du etwas wissen willst, geh zu ihm, er wird es wissen,  zumindest so lange es etwas ist, was er hier im Wald gehört haben kann.“
Ich musste lachen. Es war beruhigend zu wissen, dass es nicht nur bei den Menschen äußerst neugierige Zeitgenossen gab, die überall ihre Augen und Ohren haben.  
Der Kater räusperte sich leicht, um mich aus meinen Gedanken zu holen „bei mir ist es eine Tradition geworden, dass ich jeden Menschen den ich treffe auf einen Kuchen zu mir nach Hause einlade. Und...“, er wurde leiser und verstummte schließlich.
„Das würde ich sehr gerne. Außerdem wäre es schade um diese Tradition, denke ich.“, gab ich ihm eine Antwort auf seine unausgesprochene Frage. Etwas neugierig geworden, platzte ich mit meiner Frage heraus, „ich hoffe meine Frage ist nicht unhöflich, aber was für einen Kuchen?  Ich wusste bis jetzt nicht einmal das Katzen oder Kater Kuchen backen.“ „Nein nein, deine Frage ist nicht unhöflich. Meine Spezialität sind Früchte-Milch Kuchen“, lächelte er und bei seinen nächsten Worten musste er glucksen „Oh, das glaube ich dir gerne, ich kann mir vorstellen, dass ihr Menschen dies nicht seht. Außerdem wusstest du bis eben ja auch noch nicht, das Katzen sprechen können, oder?
Und bei euch sind ja schließlich auch die wenigsten Katzen lila“ Nun musste auch ich lachen. „Das stimmt, bis eben kannte ich nichts dergleichen. Aber warum wusste ich bis jetzt nichts davon?“ „Weil du hier an einem besonderen Ort bist.
Das ist der Grund dafür, warum ich auch nur so wenig menschlichen Besuch bekomme.“ sagte er geheimnisvoll. Mehr würde er mir nicht sagen, egal wie viele Fragen ich ihm dazu stellen würde. Ich musste mich einfach damit zu Frieden geben und es als Tatsache hinnehmen. „Folge mir, dann zeige ich dir meine Behausung.“, lächelte er, drehte sich um und ging los. Ich folgte ihm schnell, um ihn nicht aus den Augen zu verlieren, sonst wäre ich hier wohl hoffnungslos verloren.
Ohne Hilfe, würde ich hier nie irgendwie hinfinden. Manchmal blieb er stehen und zeigte auf einen Baum oder einen Busch und erklärte mir, wie er hieß und wofür man seine Blätter verwenden konnte. Ich war mir sicher, das kein einziger in einem Pflanzenbuch zu finden sein würde. Bei einem kleinen Baum mit gerade zu winzigen Blättern blieb er stehen und lächelte.
„Dies Blätter benutzt man um die Sahne fest zu bekommen. Die Blätter an sich sind Geschmacks neutral. Und dort hinten“, er deutete auf einen Punkt der für mich unsichtbar war, „sind die Sträucher mit den Beeren. Es ist nicht mehr weit, gleich sind wir da.“
Mit diesen Worten lief er weiter und tatsächlich erreichten wir kurz darauf eine kleine Lichtung, auf der ein Haus aus Holz und Rinde stand. Fast wie die Hütte eines Einsiedlers, nur einladender. Es gab nur einen Raum, die Schlafecke war mit einem Vorhang abgetrennt.

Schneller als ich 'Kuchen' sagen konnte, hatte er auch schon einen auf den Tisch gezaubert und bot mir einen Sitzplatz an. Während wir Kuchen aßen, fragte er mich über die neuesten Erfindungen aus. Als ich ihm von den Handys erzählte, musste er lachen.
„Die Menschen sprechen in kleine Geräte und das Gerät antwortet ihnen?“ Seine Sichtweise brachte auch mich zum Schmunzeln. Gerade als ich mein Stück Kuchen aufgegessen hatte, sah der Kater auf etwas und sprang auf. „Die Uhrzeit! Die Uhrzeit! Auf die habe ich ja gar nicht geachtet! War schön deine Bekanntschaft gemacht zu haben, Amalia!“ Bevor ich mir Gedanken über den Sinn seiner Wörter machen konnte, wurde alles schwarz.

Als ich die Augen öffnete, sah ich an die weiße Decke meines Zimmers und seufzte. Ohne hinzusehen, schaltete ich den Wecker aus. Schade, alles nur ein Traum. Aber ein sehr schöner, dachte ich und lächelte.
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