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Am Ende der Straße

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P12 / MaleSlash
Alice Oz Vessalius Raven (Gilbert Nightray) Xerxes Break
17.03.2013
29.05.2013
5
24.967
 
Alle Kapitel
15 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
17.03.2013 6.030
 
Wow. Das ist...unglaublich deprimierend ._. Ich will nicht, dass diese FF hier endet...aber jetzt ist sie tatsächlich offiziell vorbei :(
Hier ist, wie angekündigt, das 'Trivia & Deleted Scenes' - Kapitel. Wer sich nicht für mein Geschwafel über die Charaktere, die Titelwahl und den ganzen Rest interessiert, kann gerne gleich zu den Deleted Scenes springen :)
Was das Trivia angeht, habe ich wohl ein wenig übertrieben - aber zu meiner Verteidigung, ich war so in meinem Deutsch-Abitur drinnen, dass ich da wohl ein bisschen was übernommen habe ^^ Gomen.
Die Deleted Scenes sind chronologisch geordnet, das heißt, in der Reihenfolge, in der sie auch in die Kapitel gekommen wären. Ich hoffe, es ist nicht zu unübersichtlich geworden ~
Ein wenig noch zum alternativen Ende: Ich habe es bewusst nicht gewählt (obwohl es mir genauso gut gefallen hätte, wie 'das Ende'), da es mir zu 'unvage' war. Hört sich jetzt verwirrend an, aber ihr werdet es merken ;)
So. Man merkt, ich will wirklich nicht, dass das hier aufhört, deshalb schreibe ich noch so irre viel unwichtiges Zeug xD
Auf jeden Fall...ich möchte noch einmal ganz herzlich Danke sagen, an alle, die bis hier her gelesen habe, die Story favorisiert oder sogar reviewt haben! Es hat wirklich ganz viel Spaß gemacht und ich hoffe, man liest sich irgendwann noch einmal.
Und jetzt höre ich auf, bevor mir hier noch die Tränen kommen *schnief*
Alles, alles Liebe,
                         Jolly Roger




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I'm gonna be (500 Miles) – The Proclaimers.
Tja. Um ehrlich zu sein, ist dieses Lied der Grund, warum ich diese FF überhaupt geschrieben habe xD Für mich ist das einfach das typische Road-Trip-Lied und ich wollte unbedingt etwas dazu schreiben. Ironischerweise hat es praktisch schon verraten, dass es für Gilbert und Break ein Happy End geben wird. 'I would walk five hundret miles and I would walk five hundret more//just to be the man who walked a thousand miles to fall down at your door.' Genau das hat Break getan, wortwörtlich. Während Gilbert dafür gesorgt hat, dass Break diese 1000 Meilen überhaupt gehen konnte.
Ein netter Nebeneffekt ist, dass Oz dasselbe für Alice getan hat, aber da das nur irgendwie so ein Nebenpairing war, ist das eher Zufall gewesen...
Gekrönt wird das Ganze noch davon, dass Los Angeles und Seattle, die beiden Städte, die ich als Start und Ziel gewählt habe, tatsächlich fast genau 1000 Meilen auseinander liegen. Ein lustiger Zufall, der mir beim Wählen der Kapiteltitel geholfen hat ^^


Der schwarze Impala Chevrolet.
Gut, ich gebe es zu, der ist geklaut. Aus 'Supernatural', um genau zu sein. Aber da die Serie sowieso Anstoß für diese FF war, ist das mein persönlicher Insiderwitz zwischen mir und mir. #foreverAlone


Die Beziehung zwischen Gilbert und Oz.
Ich gestehe. In der allerersten Ur-Version meiner Idee sollten diese beiden zusammen kommen. Aber nicht auf eine „Ich liebe dich plötzlich und vergesse alle anderen“-Art, sondern auf die „Ich tröste mich für die Dauer meiner Reise mit dir über alle anderen hinweg“-Art. Zum Glück hat sich das in meinen Ohren genauso lächerlich angehört, wie es hier geschrieben klingt, deshalb habe ich beschlossen, dass Gilbert 'seinem' Break treu bleibt, egal, wie sehr er sich blamiert hat. Und, dass Oz zu Alice hält, egal, wie 'wenig toll' ich sie eigentlich finde...
Kurzzeitig hatte ich auch mit dem Gedanken gespielt, dass Gilbert und Oz sich schon kennen. Zufällige 'Internetbekanntschaft' oder sowas in der Art. Und dann während ihrem Road-Trip raus finden, dass es sich um den jeweils anderen handelt. Damit hätte ich mich theoretisch sogar anfreunden können, weil es sich sehr nah am Canon bewegt hätte, à la 'Gilbert war schon immer für Oz da'. Allerdings hat mir dann mein Realismus einen Strich durch die Rechnung gemacht. Es wäre aber auch wirklich zu unrealistisch gewesen, dass sie sich 'zufällig' genau zur selben Zeit 'auf den Weg' gemacht hätten. Also waren sie von Anfang an Fremde, die trotzdem auf gewisser Ebene eine Verbindung hatten. Ich konnte dieses 'Seelenverwandschafts-Ding' einfach nicht lassen ^^°


Die Beziehung zwischen Gilbert und Break.
Ich habe lange überlegt, wie sie sich kennengelernt haben sollen und überhaupt zueinander stehen. Die Version 'Gilbert war vom ersten Augenblick in Break verliebt' war mir zu kitschig, aber das 'wir waren vom ersten Moment an ABFs' hat mich noch mehr gestört. Deshalb war es am Ende schließlich Sharon, die die beiden in gewisser Weise zusammen gebracht hat, wenn anfangs auch nur freundschaftlich.
Ich finde es übrigens auch vollkommen okay, dass Gilbert und Break am Ende 'zusammen bleiben', das hat nichts mit einer Glorifizierung der ewigen Liebe zu tun, sondern ist in meinen Augen sehr wahrscheinlich. Immerhin waren sie nicht gegenseitig die erste Liebe des anderen und hatten schon andere Partner. Mit 24 die 'Liebe fürs Leben' zu finden, finde ich relativ realistisch...


Die Beziehung zwischen Oz und Alice.
Alice ist hier irgendwie das Junger-Gilbert-Pendant zum Canon. Da Oz als kleinen Jungen keinen Gilbert hatte, hat er eben eine Alice bekommen. Ein ziemlich schlechter Tausch, finde ich, aber da kann man nichts machen ^^
Dafür hatte Oz das 1 zu 6 Milliarden Glück, mit 16 seine große Liebe zu finden. Ist eventuell etwas unrealistischer, als das Gilbert x Break, aber ich kenne da -bis jetzt- ein paar Real-Life-Beispiele, also verurteilt mich nicht ;) Ich denke auch, dass das, was Alice und Oz zusammen erlebt haben, sie durchaus aneinander bindet. Mein Lieblingspairing sind sie trotzdem nicht...


Die Hauptcharaktere...
...Gilbert: Das hört sich jetzt vielleicht etwas eingebildet an, aber ich bin total stolz auf meinen Gilbert xDD Ich hab versucht, so viel von ihm aus dem Canon zu nehmen, wie es in einer AU-FF möglich ist, und ich habe vermutlich gefühlte 5 Stunden damit verbracht, seinen Charakter aufs Genaueste zu analysieren. Und das ist dabei raus gekommen: Er ist jemand, der nicht 'alleine' existieren kann und dabei trotzdem unglaublich menschenscheu ist. Er braucht jemanden, dem er sich anschließen kann, an dem er sich entlang hangeln kann und 'den er umkreisen kann wie ein Mond die Erde'. Das heißt nicht, dass er ein Mitläufer ist, sondern nur, dass er jemanden als 'Vergleich' braucht, um zu erkennen, was er selbst will und braucht.
Außerdem ist er permanent auf der Flucht vor der Realität. Im Canon akzeptiert er nicht, dass Oz für immer im Abyss verschwunden sein soll und versucht stattdessen zehn Jahre lang, ihn zurück zu bekommen. Er will gar nicht wissen, was in seiner Vergangenheit passiert ist, sondern lieber 'aufgehalten werden, wenn der Wahnsinn nach ihm greift'. Gilbert ist kein Typ, der sich mit seinen Problemen auseinandersetzt, obwohl er sie durchaus wahrnimmt. Er geht ihnen nur lieber aus dem Weg.
Natürlich habe ich noch mehr über ihn, aber das waren die Hauptkomponenten, die ich in die FF übertragen wollte (und ich will euch nun wirklich nicht mit meiner Charakterisierung über meinen Lieblingscharakter nerven ^^).
Deshalb ist Gilbert auf der Flucht vor Break und jeglicher Veränderung, die durch sein Liebesgeständnis entstehen könnte, egal, ob gut oder schlecht. Aus demselben Grund habe ich ihm auch eine kleine Filmsucht und einen Lesefetisch angeschrieben. Er flüchtet sich in Phantasiewelten, weil die Realität ihn überfordert.
Seine 'Anhänglichkeit' habe ich benutzt, um ihn als Oz' Begleiter agieren zu lassen. Ohne Break hatte er keine 'Erde', also hat er sich Oz als Ersatz gesucht und ihn zum Teil auch deshalb sogar nach Los Angeles gefahren. Zum anderen Teil natürlich, weil er ihm helfen wollte und sich um ihn gesorgt hat, aber etwas Egoismus steckte eben auch dahinter.
Der Wandel in seinem Charakter ist mir auch sehr wichtig geworden. Während er in seinem Gespräch mit Oz über Break noch erkennt, dass er seine Flucht eigentlich nicht bereut, ist ihm am Ende des Abends doch klar, dass er einen Fehler gemacht hat und 'sein Herz blutete vor Reue'.
...Oz: Leider ist mir aufgefallen, dass ich Oz nur sehr 'oberflächlich' beschrieben habe und mit bei ihm nur halb so viel Mühe gegeben habe, wie bei Gil >.<Ein bisschen was über ihn habe ich trotzdem...Er sollte, ähnlich wie Gilbert, ein kleiner Realitätsflüchter sein, deshalb hat er das gleiche Hobby bekommen. Bei ihm sollte das vor allem mit seinem Drang zur Akzeptanz zusammen hängen. Er macht sich einfach nicht die Mühe, die Realität zu ändern, sondern akzeptiert sie und kümmert sich ansonsten nicht weiter um sie. Durch seine Ähnlichkeit zu Gilbert sollten sie sich beide gegenseitig aus ihrem Fluchtverhalten hinaus drängen und sich so helfen. Oz hat zwar durch Alice den Anstoß bekommen, von zuhause weg zu laufen, aber dennoch ist es Gilbert, der ihn während der ihrer Fahrt auf seine Vergangenheit anspricht und ihn dazu zwingt, sich mit seinem eigenen Verhalten auseinander zu setzen. Die Schlüsselszene zu dieser Veränderung war die Friedhofsszene. „[Sie] genossen es, ihren Platz in der Welt zu kennen.“ Beide haben hier eingesehen, dass man vor der Realität nun mal nicht weg laufen kann, aber anstatt daran zu verzweifeln, konnten sie endlich ihren Frieden damit finden.
...Break & Alice: Die beiden kamen leider zu kurz vor, um sie so richtig charakterisieren zu können, aber ich habe mein Möglichstes getan, um sie dicht am Canon zu halten. So ist Break zu jeglicher Art von irrationalen Taten fähig (z.B. sein spontaner Flug nach Los Angeles um mit Gilbert zu reden), aber auch ein weiser Mann, der versteht, dass sich Gilbert erst von Oz verabschieden muss, bevor er mit ihm reden kann.
Alice dagegen ist das offene Mädchen, als das sie mir fast sympathisch ist, und hat keine Hemmungen damit, ihre Gefühle zu äußern. „Die küssen sich ja gar nicht“, sagt sie, und gleich darauf: „Lass uns endlich essen gehen.“


Geliebt zu werden macht uns stark. Zu lieben macht uns mutig.
Das ist ein Sprichwort, das mir persönlich sehr am Herzen liegt, deshalb habe ich es als Zitat für Kapitel 2 benutzt. Es sagt im Grunde aus, wie wir uns in zwischenmenschlichen Beziehungen verhalten. Das war mir sehr wichtig für die FF, den Fokus auf die Beziehungen der Charaktere zu richten.
Oz wird geliebt, deshalb war er stark genug, von zuhause weg zu laufen. Und weil er Alice liebt, hatte er den Mut, zu ihr zu fahren.
Was Gilbert angeht, musste er das erst noch begreifen – und er hat ganze 3 Kapitel dafür gebraucht. Er musste begreifen, dass die Hoffnung, Break könnte seine Liebe erwidern, ihn stark genug machen würde, während seine eigene Liebe ihn mutig werden lässt. Die einzigen beiden Komponenten, die ihm am Ende gefehlt haben, um Break zu fragen, ob er denn dasselbe fühlt.


Oz' Vergangenheit.
Mit der hatte ich ein wirkliches Problem. Einerseits wollte ich sie so realistisch wie möglich halten, andererseits aber auch nah am Canon bleiben. Ich glaube, es ist mir relativ gut gelungen, auch, wenn er keinen Gilbert an seiner Seite hatte, ebenso wenig einen Onkel Oscar oder eine Ada, obwohl ich mir diese beiden durchaus vorgestellt habe. Nur, dass ihre Rolle in seinem Leben keinen Unterschied gemacht hat.


Darin besteht die Liebe: Dass sich zwei Einsame beschützen und berühren und miteinander reden.
Das Zitat von meinem zweit liebsten Lieblingsdichter, Rainer Maria Rilke, ist so schön, ich musste es einfach mit rein bringen. In Kapitel 3 wollte ich die Aufmerksamkeit vor allem auf die Einsamkeit richten, der sowohl Gilbert als auch Oz ausgesetzt waren. Beide kennen nur wenige Menschen, beide haben Probleme damit, sich anderen zu öffnen, auch, wenn sie es anders zeigen. Während Gilbert eher der schweigsame, abschreckende, schüchterne Typ ist, ist Oz' Offenheit so oberflächlich, dass er ebenfalls keine Nähe zulässt. Seine Erkenntnis, dass er und Gilbert 'eigentlich nur über Persönliches geredet haben' sollte ein erster Schritt raus aus dieser Einsamkeit sein. Ebenso Gilberts Hoffnung, dass 'sich auch in seinen Augen der Zauber des Moments widerspiegelte' und er somit auch endlich offener werden könnte.


For Good.
Das Lied kannte ich vorher noch nicht und habe es nur durch Zufall auf youtube gehört. Aber es hat mich so sehr an Oz und Gilbert in meiner FF erinnert, dass ich es einfach benutzen musste.
Vor ihrem Kennenlernen waren sie sich beide ähnlich, lebten realitätsfern und waren im Grunde auf der Flucht vor sich selbst und ihren Problemen. Aber dadurch, dass sie sich kennengelernt haben, haben sie sich gegenseitig unbewusst einen Spiegel vorgehalten und sich verändert. 'Because I knew you, I have been changed for good.'
Außerdem erzählt das Lied von einem Abschied, der unausweichlich ist, weil sie eben trotz der Intimität, die sie geteilt haben, immer noch Fremde sind und deshalb ihre eigenen Wege gehen müssen. Sicher hätte es mir als Ende gefallen, wenn Gilbert spontan beschlossen hätte, mit Break nach L.A. zu ziehen, aber mal abgesehen davon, dass das total unrealistisch gewesen wäre, dann wäre im Grunde Gilberts und Oz' gesamte Reise ohne einen symbolischen Wert gewesen, weil sie am Ende doch wieder in alte Verhaltensmuster abgerutscht wären; den einfacheren Weg wählen, sich lieber nicht verabschieden und zusammen bleiben, gemeinsam vor der Welt Schutz suchen.
Und so durften sie mit dem Gefühl auseinander gehen, dass sie sich gegenseitig verändert haben und dass ihre Begegnung nur dann wertvoll ist, wenn sie eine zeitliche Begrenzung hat, ein buchstäbliches 'Ankommen'.
'Manchen Menschen sollte man nur einmal im Leben begegnen', sagt Oz zu Alice und erkennt es damit selbst.


Edgar Allan Poe's gesammelte Werke.
Zum einen steht das Buch als erstes Geburtstagsgeschenk, das Gilbert von Break bekommen hat, natürlich für die Freundschaft und Liebe der beiden. Er nimmt es normalerweise überall mit hin, weil er immer einen Teil von Break bei sich haben will, um zu wissen, dass er einen Platz hat, an den er gehört. Er vergisst es aber auf seinem Road-Trip, weil er denkt, er habe dieses Band zerstört und hätte kein Recht mehr, weiter daran festzuhalten.
Dass es ausgerechnet Poe ist, ist ein kleiner Witz, da das Gedicht „The Raven“ auf Gilberts Canon-Spitznamen anspielt und außerdem etwas von seiner Depression und Melancholie enthält. Das musste einfach sein xDD


Die Vincent-Thomas-Bridge.
Ein lustiger Zufall, da beim googeln von 'Brücken in Los Angeles' nur diese Brücke als Ergebnis angezeigt wurde und sie zufällig eine Anspielung auf Vincent ist. Die Ironie dahinter ist, dass es diese Brücke ist, die Gilbert und Break praktisch zusammen bringt, metaphorisch gesehen, während der Original-Vincent sich vermutlich eher selbst erschießen würde, als seinen geliebten Bruder mit Break zu verkuppeln xD


„...so wie Radioaktivität eine Halbwertszeit besaß“.
Ein kleines Hommage an die letzte Physik-Klausur, die ich jemals in meinem Leben geschrieben habe und bei der es zufällig um die Halbwertszeit ging. Ich weiß, ist nur ein kleiner Satz, aber er hat so super als Vergleich gepasst, ich musste das einfach schreiben ^^


Der silberne Skoda Fabia...
hinter dem sich Gilbert vor Oz und Alice versteckt. Ich weiß, das hört sich jetzt albern an, aber als ich nach einem Auto gesucht habe, hinter dem sich Gilbert verstecken könnte, ist mir spontan nur das eingefallen, das der Mensch, in den ich höchstwahrscheinlich verknallt bin, fährt. Erbärmlich, schon klar, aber ich bin nun mal ein Mädchen. Ich muss mich nicht mit Autos auskennen ;)


Das Ende.
Wie sicher schon klar geworden ist, habe ich wirklich lange überlegt, wie ich die FF enden lassen soll. Zwischen 'super tragisch' und 'absolut perfekt' war so ziemlich alles dabei und ich hatte sozusagen die Qual der Wahl. Und dann...eines Tages...war sie einfach da. Die ultimative Lösung...ich mache einfach ein offenes Ende! Eins, bei dem sie sich verabschieden, aber nie vergessen. Bei dem zehn Jahre vergehen und Gilbert immer noch an diese Reise zurück denken muss. Bei dem die Möglichkeit eines Besuches offen steht und es jedem selbst überlassen ist, zu entscheiden, ob sich Oz und Gilbert jemals wiedersehen. Perfekt, was?
Und als kleines P.S.: Es gibt bei den Outtakes ein alternatives Ende ;)







oOo







Der Fernsehbericht – Version 2. (inspiriert durch X-Breakgirl)

Mit offenem Mund starrte Gilbert auf den Fernseher, verfolgte ganz genau jedes einzelne Wort der Moderatorin und las die einzelnen Buchstaben fast von ihren Lippen ab. Panik schwoll in seiner Brust an, ließ sein Herz schneller und schneller werden, bis er das Gefühl hatte, es müsse jeden Augenblick vor Erschöpfung zusammenbrechen wie ein überhitzter Motor.
Das konnte doch nicht...! Das durfte nicht...! Niemals...! Nein...!
Die Zigarette hing vergessen in seinen Mundwinkeln, als Gilbert der Vermisstenanzeige lauschte, die Break für ihn aufgegeben hatte.




Oz, der Voyeur - Oder: Wenn daraus ein Gil x Oz geworden wäre...

Er hatte wirklich nicht vorgehabt, zu starren. Wirklich. Aber als Gilbert aus dem Badezimmer kam nachdem er geduscht hatte, nur mit einer labbrigen Jogginghose bekleidet, konnte Oz nicht anders, als seinen großen Begleiter von oben bis unten zu mustern.
Er fing natürlich oben an, sah zu, wie Gilbert sich ein wenig geistesabwesend mit dem weißen Handtuch die schwarzen Locken trocken rieb und konnte nicht anders als zu schmunzeln, weil diese beiden Kontraste so gut zusammen passten.
Danach sprang sein Blick sofort nach unten, verharrte einen Moment auf den wohl putzigsten Zehen, die Oz je gesehen hatte, und wanderte dann nach oben, zwei endlos lange Hosenbeine hinauf, bis er den Gummibund der Hose erreicht hatte.
Im Nachhinein konnte Oz nicht mehr sagen, was er dort erwartet hatte (vielleicht ein paar Speckröllchen? Sprießende Haare? Ein paar Muttermale?), auf jeden Fall bekam er etwas ganz anderes zu sehen.
Sein Mund klappte so laut auf, dass er fast fürchtete, es würde ein lautes Geräusch geben, und er war sich in dem Moment sicher, dass, wäre er nicht auf seinem Bett gelegen, er wäre definitiv von seinem Stuhl gefallen.
Denn auf Gilberts Bauch zeichnete sich der perfekte Sixpack ab.
In akkuraten Zweierreihen spannten sich die Muskeln über seinen Körper, perfekt symmetrisch, als hätte man sie mit einem Lineal aufgezeichnet. Kleine Wassertropfen hatten sich auf der empfindlichen Haut fest gesogen und überzogen sie mit einem feuchten Schimmern. Während sich Gilbert immer noch die Haare trocknete, zuckten die Muskeln auf und ab, führten ihren eigenen Tanz auf und hypnotisierten Oz fast.
Es hätte nicht viel gefehlt und er hätte angefangen zu sabbern.
Verflucht, dachte Oz, wie nur Männer über andere Männer denken konnten, Gilbert ist heiß.



Unerreichbar...

„Hat er dir eigentlich keine SMS oder so geschrieben?“, fragte Oz unschuldig in die abendliche Stille hinein. Der Satz war nur so daher gesagt, sollte keine tiefere Bedeutung haben und war nur zum Zeitvertreib gedacht, bis sie beide müde genug waren, um in dem heruntergekommenen Motel endlich Schlaf zu finden.
Aber Gilbert war plötzlich wie von der Tarantel gestochen.
Mit einem entsetzten Keuchen sprang er auf, warf sich die Decke von den Schultern und hetzte zu dem kleinen Tisch, auf dem seine Tasche stand. Seine Finger zitterten, als er darin nach dem kleinen schwarzen Handy aus dem vorletzten Jahrhundert kramte und er glaubte fast, einen elektrischen Schlag zu spüren, als er es endlich in den Händen hielt.
Mit einem mulmigen Kribbeln im Bauch schaute er auf das Display.
137 neue Nachrichten.
253 verpasste Anrufe.
Er schluckte...dann löschte er sie alle.


...und, was Break geschrieben hat (5/137).

„Idiot. Komm zurück und rede mit mir!“

„Gilbert!! (← da, ich benutze deinen Vornamen, es ist also ernst!) Komm zurück!“

„Verflucht. Du hast sicher wieder vergessen, den Akku aufzuladen, oder?“

„Ich zähle jetzt bis drei, dann stehst du gefälligst wieder neben mir! 1...2...ich meine das ernst! 2,5...2,75...irgendwann musst du zurück kommen.“

„Ich liebe dich, Dummkopf.“



Gilbert und sein Auto.

Mit raschen Schritten ließen sie den Friedhof hinter sich und näherten sich wieder dem schwarzen Impala. Als Gilbert den Autoschlüssel aus seiner Hosentasche kramte, bemerkte er den sehnsüchtigen Blick, den Oz ihm zu warf. Oder, nein, nicht ihm, sondern dem kleinen metallenen Gegenstand in seiner Hand.
„Duu...Gil...“, zirpte Oz und klimperte unschuldig mit den Wimpern. Das konnte nichts Gutes bedeuten.
„Was?“, knirschte Gil ungehalten. Ihm schwante Übles.
„Weißt du...ich bin 16...und habe schon einen Führerschein...also...“, setzte er an.
„Nein!“, unterbrach Gilbert ihn sofort. „Das kommt überhaupt nicht in Frage! Auf gar keinen Fall lasse ich dich mit meinem Wagen fahren!“
Und er blieb tatsächlich dabei. Trotz Oz' Hundeblick und dem Schmollmund.



Die Anmeldung im Hotel – Oder: Wenn das hier ein Gil x Oz geworden wäre (die Zweite)...

„Guten Abend“, begrüßte sie die Frau hinter der Rezeption mit aufgesetzter Freundlichkeit. Ihre Haare waren zu einem strengen Dutt nach hinten gebunden, ihre Arbeitskleidung bestand aus einer blütenweißen Bluse und einem roten Blazer. Auf ihrem Namensschild stand 'Jeannette'. „Wie kann ich Ihnen helfen?“
„Wir hätten gerne ein Doppelzimmer“, sagte Gilbert und unterdrückte mit Mühe ein Gähnen. Blinzelnd beobachtete er, wie zehn perfekt manikürte Fingernägel über eine Tastatur huschten und seine Personalien in den Computer eintippten.
„Leider haben wir nur noch ein Zimmer mit Ehebett frei“, sagte 'Jeannette' und sah von ihrem Computer auf. Irgendwie hatte Gilbert das Gefühl, die Frau würde zum ersten Mal ihren Blick wirklich auf ihn und Oz richten, denn sie schürzte die Lippen zu einem schmalen Lächeln.
„Aber das dürfte ja kein Problem für Sie sein, nicht?“ Abschätzend huschte ihr Blick von ihm zu Oz und dann wieder zurück. „Ist der Kleine nicht noch etwas zu jung für Sie?“, fragte sie missbilligend und runzelte die Stirn. „Nicht, dass es mich etwas angehen würde, aber...“
Weiter kam sie nicht, denn Gilbert schüttelte schon peinlich berührt und mit knallrotem Gesicht heftig den Kopf.
„Nein, nein, nein, so ist das nicht!“, verteidigte er sich aufgebracht, während Oz neben ihm nur müde seufzte.
'Jeannette' ignorierte Gilbert kurzerhand und beugte sich stattdessen zu Oz.
„Hey, Kleiner“, flüsterte sie ihm hinter vorgehaltener Hand zu, „Wenn der Mann Dinge mit dir tut, die du nicht mit ihm tun willst, ruf einfach den Zimmerservice!“
Zu benebelt, um ihre Worte richtig zu begreifen, nickte Oz nur und nah dann den Zimmerschlüssel von der Theke.
Gilbert neben ihm erlitt gerade einen Herzinfarkt.



Oz' Gespräch mit Break.

Eine unsanfte Berührung weckte Oz. Fast so, wie ein Finger, der ihn in die Wange piekste. Als er träge ein Auge öffnete, stellte er fest, dass es sich um genau das handelte; ein Finger piekste ihm in die Wange. Vorsichtig öffnete er auch noch das andere Auge und starrte sofort in eine glühend rote Iris.
Erschrocken wollte er aufschreien, aber eine fremde Hand hielt ihm den Mund zu, während sich ein blasser Finger auf blutleere Lippen legte und der Mann vor ihm leise 'Pssst' machte.
Oz nickte gehorsam und versuchte die aufkommende Panik zu verdrängen; mit mäßigem Erfolg.
„Wen haben wir denn da“, säuselte die helle Stimme des Fremden, der Spott floss nur so aus jedem einzelnen Wort. „Wenn das mal nicht dieser entflohene Millionärssohn ist, der in letzter Zeit ständig in den Nachrichten ist. Typisch für Gil, sich ausgerechnet dich als Reisebegleiter auszusuchen...“
Oz könnte schwören, so etwas wie Eifersucht aus dem letzten Satz gehört zu haben, aber die Hand drückte immer noch auf seine Lippen, deshalb konnte er zu keinem Gegenkommentar ansetzen. Kurzerhand biss er seinem Gegenüber in die Finger.
„Autsch“, zischte der fremde Mann, und zog seine Hand instinktiv zurück. Diese Chance nutzte Oz, um sich halbwegs aufzurichten.
„Wer zur Hölle sind Sie?!“, knurrte er aufgebracht.
Mit einem leisen Kichern strich sich der Mann ein paar Haare über sein linkes Auge. Dann schnalzte er leise mit der Zunge.
„Das hat dich nicht zu interessieren. Ich bin nur wegen ihm hier.“ Und damit deutete er auf den noch immer schlafenden Gilbert, der friedlich auf seiner Seite des Bettes lag und von der kleinen Szene nicht das Geringste mitbekam. Verwirrt blinzelte Oz ein paar Mal, richtete sich schließlich komplett auf und pfiff dann anerkennend.
„Ha, er hat echt nicht übertrieben, als er gesagt hat, Sie seien ein wenig verrückt.“
Der Weißhaarige starrte ihn verdutzt an. „Was?“
Jetzt war es an Oz, leise zu kichern. „Naja, Sie sind doch bestimmt Break, oder? Gilbert hat wirklich viel von Ihnen erzählt.“
Oz konnte förmlich sehen, wie Breaks Auge immer heller zu leuchten schien. Aber dann verschwand das verräterische Funkeln wieder und das tiefe Rot schien drei Nuancen dunkler zu werden, als würde ein böser Schatten darüber hinweg gleiten.
„Soso, er hat dir also von mir erzählt...dieser elende, verfluchte...“ Break brach seinen Satz freiwillig ab und fletschte angriffslustig die Zähne.
Bei diesem Anblick lief Oz ein Schauer über den Rücken und er begann sich zum ersten Mal zu fragen, was genau Gilbert an diesem Mann so toll fand. Bis jetzt wirkte er einfach nur furchteinflößend und ein wenig irre...
„Ähm...ja, hat er. Aber hauptsächlich Gutes!“, hängte er schnell noch an und versuchte ein beschwichtigendes Lächeln. Es endete in einem nervös zuckenden Mundwinkel, aber das musste genügen.
Break schien davon tatsächlich etwas beschwichtigt zu sein, denn er atmete ein paar Mal tief durch und zeigte dann ein strahlend weißes Zahnpasta-Grinsen.
„Nun denn, Oz, dann erlaube mir, dir eine Frage zu stellen“, sagte er und wieder musste er leise kichern, als hätte er einen Witz gemacht, den nur er verstand.
Oz schluckte, dann nickte er zaghaft. „A-Alles, was Sie wollen“, stammelte er mit zitternder Stimme und hasste sich gleichzeitig dafür.
Mit einem wirklich, wirklich, wirklich gruseligen Lächeln auf den Lippen lehnte Break sich etwas nach vorne, sodass seine Haare Oz' Ohr kitzelten. Dann flüsterte er ganz leise und mit einer offensichtlich tieferen Stimme: „Wie gut ist mein geliebter Gilbert denn im Bett?“
Augenblicklich schoss Oz das Blut in den Kopf und er spürte, wie seine Wangen zu brennen anfingen. „Ich weiß nicht...wir haben nicht...ich meine...es ist nicht...wir sind nicht...Hilfe!“, piepste er verzweifelt und wollte sich unter der Decke verkriechen, aber Break hielt ihn zurück.
„Hahaha“, lachte er, jetzt wieder mit normaler Stimme, „Das war nur ein Scherz! Ich weiß doch, dass mein Gilbert nicht auf Jungs wie dich steht. Beruhig dich wieder, Kleiner.
Vor unterdrückter Wut und Scham zitternd, knirschte Oz mit den Zähnen. Er fühlte sich aufs Schlimmste gedemütigt und vorgeführt. Aber dann sanken Breaks Worte vollständig in sein Bewusstsein und er dachte zum ersten Mal über ihren tieferen Sinn nach und über den Grund für Breaks Anwesenheit.
„Hey. Kann es sein, dass Sie ihn auch lieben?“
Überrascht hob Break eine Augenbraue. „Was hat er dir denn alles erzählt? Himmel, er ist doch sonst nicht so redselig!“
Nervös kicherte Oz. Dann freute er sich für Gilbert. Dass Break hier so ein Theater machte, bedeutete, dass er tatsächlich eifersüchtig auf Oz war, und das wiederum konnte nur heißen, dass Gilberts Liebe erwidert wurde. Irgendwie machte es ihn glücklich, das zu wissen. Er hatte sich dieses Happy End wirklich für seinen Freund gewünscht. Das ist nur fair gewesen.
„Was grinst du denn jetzt so dämlich?“, brummte Break unbeeindruckt und verschränkte die Arme vor der Brust. Erst jetzt bemerkte Gilberts Partner-in-spe aufgestanden war und sich neben das Bett gestellt hatte.
„Ach, nichts“, lachte Oz, „Ich freue mich nur für Gilbert, das ist alles.“
Er spürte Breaks neugierigen Blick auf sich, als er auf seine Armbanduhr sah und feststellte, dass er gleich los musste, um noch rechtzeitig bei Alice auf der Vincent-Thomas-Bridge zu sein.
Immer noch lächelnd stand er auf, schlüpfte schnell in frische Klamotten und zog dann eine rote Krawatte aus seinem Rucksack, bevor er die schwere Tasche auf seinen Rücken schwang.
Mit einer auffordernden Geste hielt er Break den roten Streifen Stoff hin.
„Könnten Sie das vielleicht Gilbert geben, falls er nicht mehr rechtzeitig aufwachen sollte? Ich habe Angst vor dem Abschied, also gebe ich ihm noch eine Stunde, dann gehe ich. Bitte tun Sie nichts, das ihn wecken könnte.“ … Ich würde das gerne dem Schicksal überlassen, vervollständigte er seinen Satz in Gedanken.
Break nickte langsam und nahm die Krawatte entgegen. Dann sah er zu, wie Oz aus dem Zimmer verschwand, ohne sich ein letztes Mal umzudrehen.

Gelangweilt stopfte Break den roten Stoff in seine Hosentasche, dann schaute er auf die Uhr. Eine Stunde also...es sprach nichts dagegen, den Wunsch des Kleinen zu erfüllen...allerdings...er kannte Gilbert gut und er wusste, dass, egal, welche Verbindung er zu Oz aufgebaut hatte, er würde sich auf jeden Fall gerne verabschieden wollen...oder zumindest die Chance haben, sich selbst zu entscheiden...es stand also Wunsch gegen Wunsch...und Breaks Loyalität galt nur einem von beiden.
Mit einem hinterhältigen Lächeln sah Break ein weiteres Mal auf die Uhr. Eine Stunde, eine halbe Stunde...er war noch nicht gut in Mathe gewesen.



Alice und Oz bei McDonalds – Die Erste.

„Warum nur? Warum nur? Warum nur?“
Immer wieder schlug Oz seinen Kopf auf die Tischplatte vor sich und murmelte diese zwei Worte wie ein nie enden wollendes Mantra vor sich hin. In diesem Moment drückten sie alles aus, was er fühlte. Die Trauer darüber, sich von Gilbert verabschiedet haben zu müssen. Und die Reue darüber, nicht nach einer Telefonnummer oder E-Mail-Adresse gefragt zu haben.
„Ich sagte doch, du solltest ihn danach fragen“, sagte Alice unbeeindruckt und biss genüsslich in ihren BigMac. Abschätzend musterte sie ihren Freund, der sich vor ihren Augen in ein Häufchen Elend verwandelt hatte, sobald sie auf den gelben Plastikstühlen saßen. Dann huschte ihr Blick zu dem schwarzen Hut, der neben Oz auf dem Tisch lag.
„Wenigstens hast du seinen Hut“, versuchte sie ihn aufzumuntern.
„Das bringt mir gar nichts“, jammerte Oz und verbarg das Gesicht in seinen Armbeugen. „Ich konnte so gut mit ihm über meine Lieblingsfilme reden! Und über alle möglichen Bücher...selbst Musik war...“, schluchzte er haltlos während er nur so von Krämpfen geschüttelt wurde.
„Nana“, versuchte Alice ihn zu trösten, und tätschelte vorsichtig seinen Kopf, „Es wird schon wieder, du wirst sehen.“
„Neeeein!“, heulte Oz auf, „Es ist alles vorbei. Endgültig. Ende!“ Und dann brach er vollends in Tränen aus.
Resigniert gab Alice auf, schüttelte leicht mit dem Kopf und stand dann auf.
„Ich geh mir noch einen Cheesburger holen.“



Alice und Oz bei McDonalds – Die Zweite.

Als Alice wieder kam, drei Cheesburger und eine mittlere Tüte Pommes in den Händen, strahlte Oz über das ganze Gesicht.
„Nanu?“, fragte sie überrascht. „Was ist denn jetzt los?“
Grinsend deutete Oz auf den schwarzen Hut und hielt ihr dann einen Zettel vor die Nase. Darauf waren in krakeliger Handschrift eine Telefonnummer, eine E-Mail-Adresse und eine Anschrift gekritzelt. 'Der hier ist mir sehr wichtig, also will ich ihn irgendwann zurück haben. - Gilbert' stand darunter.


Zwei Jahre (Vorsicht: P16/Slash).

Mit einem breiten Grinsen im Gesicht betrat Gilbert 'sein' Hotelzimmer. Er hielt noch immer Breaks Hand in seiner und war so glücklich wie schon lange nicht mehr.
„Ich muss nur schnell meine Tasche holen, dann können wir...“, setzte er an, wurde aber abrupt unterbrochen, als er plötzlich von Break gegen die Wand gedrückt wurde und dann ein Paar fremder Lippen auf seinen eigenen spürte.
Etwas in seinem Kopf explodierte in diesem Moment zu einem atemberaubenden Feuerwerk und ließ ihn schwindeln.
Mit zitternden Knien und nach Atem ringend lehnte er sich gegen die Wand in seinem Rücken und erwiderte Breaks intensiven Blick. „Was wird das hier?“, fragte er leise, als er spürte, wie sich zwei Hände daran zu schaffen machten, ihm das Hemd aufzuknöpfen.
„Sieht man das nicht?“, konterte Break tonlos und küsste sich vorsichtig einen Weg an Gilberts Hals hinunter. „Wir müssen das Zimmer erst in zwanzig Minuten verlassen...und ich habe seit einer gefühlten Ewigkeit auf das hier gewartet...“, hauchte er zwischen den einzelnen Küssen und strich langsam über Gilberts feste Bauchmuskeln.
Mit einem leisen Stöhnen legte Gilbert den Kopf in den Nacken als er unwillkürlich erzitterte und genießerisch die Augen schloss. Schwer atmend ließ er zu, dass Break ihm das Hemd vollends auszog, dann legte er seine Arme um den Hals seines Freundes und krallte sich in dessen helle Haare. Eine altvertraute Aufregung bohrte sich in seinen Bauch, als er Break in einen weiteren Kuss zog, Vorfreude durchflutete ihn so heftig, dass er am liebsten vor Freude geweint hätte.
„Zwei Jahre...“, keuchte er und gab sich dem Gefühl tiefsten Glücks hin.
„Was?“ Überrascht blinzelte Break und hielt einen Moment inne. Diesen Augenblick nutze Gilbert, um seinem Freund die Jacke auszuziehen und sich gegen seine Wange zu lehnen.
„Die nächsten zwanzig Minuten sollten mich für zwei Jahre entschädigen“, flüsterte er Break ins Ohr, ein laszives Grinsen in den Mundwinkeln klebend, „..also gib dir gefälligst Mühe!“
Dann küsste er ihn erneut.






Das alternative Ende: Zehn Jahre später – Oz.

Mit einem resignierten Seufzen schloss Oz die Tür zum Dachboden hinter sich und sah sich in dem großen Raum um. Das fahle Licht der einsamen, blanken Glühbirne, die von der Decke baumelte, reichte nicht aus, um jede einzelne Ecke des Speichers zu beleuchten, aber sie offenbarte ihm durchaus das Chaos an Kisten, das sich vor ihm auftürmte.
Einen Moment lang bereute er es, das Aufräumen des Dachbodens immer aufgeschoben zu haben, aber dann akzeptierte er seine momentane Situation und krempelte sich entschlossen die Ärmel hoch.
Die Abmachung mit seiner wundervollen Frau beinhaltete, dass er den Dachboden umzugsbereit machte, während sie sich um den Rest der Wohnung kümmerte. Ein fairer Deal, wie es ihm zuerst vorgekommen war, aber im Nachhinein hatte Alice ihn wohl doch wieder ausgetrickst.
„Was soll's“, murmelte er vor sich hin und begann damit, eine der Kisten zu öffnen, die sich in seiner unmittelbaren Reichweite befanden. Sie enthielt größtenteils altes Geschirr, das zerbrochen war oder von Sprüngen verunstaltet. Müll entschied er sofort und stellte die Kiste hinter sich.
In der nächsten fand er seine alten Klamotten, die ihm vermutlich gepasst hatten, als er noch nicht in der Pubertät war. Hätte er Söhne gehabt, er hätte die Kiste behalten, aber da seine beiden reizenden Töchter bereits zu alt waren, um noch in Jungenkleidung rum zu laufen und er und Alice garantiert keine weiteren Kinder mehr wollten, kam auch diese Kiste in den Müll.
Fast war Oz darüber traurig, so über die Überbleibsel seiner Vergangenheit urteilen zu müssen, aber wenn man umzog, wurden viele Dinge einfach unbrauchbar.
Mit einer schnellen Bewegung strich er sich eine blonde Strähne aus dem verschwitzten Gesicht und machte sich an die nächste, um einiges größere Kiste. Als er sie öffnete, sah er sich Alice' Hochzeitskleid gegenüber, das ihn mit seinem reinen Weiß fast zu blenden schien. Obenauf lag der Schleier, den sie sich ins Haar gesteckt hatte.
Unendliche Zärtlichkeit erfüllte sein Herz, als er an die Erinnerung zurück dachte, die mit diesem Kleid zusammen hing. Ihre Hochzeit war definitiv einer der glücklichsten Tage seines Lebens gewesen...
Bedächtig schloss er die Kiste wieder und räumte sie ein wenig auf die Seite. Sie musste unbedingt mit, wenn er umzog.
Neben der Kiste von eben stand noch eine zweite Kiste, um einiges kleiner zwar, aber Oz wusste auch so, was in ihr enthalten war. Er öffnete sie trotzdem, weil er sich dieses nostalgische Gefühl nicht entgehen lassen wollte und weil es sein gutes Recht war, in glücklichen Erinnerungen zu schwelgen.
Vorsichtig fuhr er über den Stoff seines Hochzeitsanzugs. Er fühlte sich immer noch genauso weich an, wie vor fünf Jahren, als er ihn das erste und einzige Mal getragen hatte.
Oz stutzte, als sein Blick auf den schwarzen Hut fiel, der auf dem Jacket lag und ihm trotz der Dunkelheit entgegen zu leuchten schien.
Es war, als hätte dieser Hut hier auf ihn gewartet, wohl wissend, dass er irgendwann kommen würde um ihn anzusehen und festzustellen, dass zehn Jahre genug Zeit waren, um eine Entscheidung zu treffen. Dass zehn Jahre ausreichen konnten, um aus einem ins Rollen gebrachten Stein eine Lawine zu machen. Denn genau das war geschehen.
Seine Begegnung mit Gilbert vor zehn Jahren hatte einen Stein in ihm ins Rollen gebracht und ihn dazu verleitet, sein gesamtes Leben zu überdenken. Er hatte mit allem Schlechten abgeschlossen und komplett von vorne begonnen. Es war wie eine Lawine gewesen.

Während Oz den Hut in die Hand nahm, fiel ihm ein kleiner, weißer Zettel in die Hand, auf den ein paar Zahlen und Buchstaben gekritzelt waren. Oz lächelte. Ob eine Telefonnummer wohl nach zehn Jahren noch aktuell war? Nun, er würde es später noch herausfinden...




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