And The Real Winner Is…

GeschichteAllgemein / P12
16.03.2013
16.03.2013
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And The Real Winner Is…

Die Probe war erfolgreich zu Ende gegangen.
      Perry hatte noch einen Moment Zeit, da er mit Sarai vereinbart hatte, daß sie ihn nach der Probe abholte. Der Zufall wollte es, daß er Mel noch auf der Bühne traf. Mel war die ganze Zeit über schon nervös und in sich gekehrt gewesen; nun fand er die Gelegenheit, mal nach ihr zu sehen und sich zu erkundigen, was sie so beschäftigte.
      Mel lief gedankenversunken auf der Bühne auf und ab.
      „Mel? Alles in Ordnung?“
      Mel zuckte zusammen, obwohl er recht leise gesprochen hatte.
      „Entschuldige, ich wollte dich nicht erschrecken! Was ist nur passiert? Du wirkst, als würde dir etwas Kummer machen.“
      Mel schlug auf ihrer Wanderung die Hände vor den Mund. „Kannst du dich noch an den Film »Top Of The Mountain« erinnern?“
      „Ähm… ja…!“ erwiderte er bedächtig. Was hatte sie für eine Antwort erwartet? Es war der erfolgreichste Film des letzten Jahres gewesen, und Mel hatte eine ziemlich skurrile Rolle in dem Film.
      „Ich wurde für den »Alvin-Award« nominiert!“
      Abrupte Stille setzte ein.
      Perry entglitten die Gesichtszüge. „Oh…“

Als Sarai dazukam, saß Perry mit Mel am Rande der Bühne und versuchte, seine völlig aufgelöste Kollegin zu beruhigen.
      Mel war völlig fertig mit den Nerven, hatte das Gesicht in den Händen vergraben und machte einen apathischen Eindruck.
      Sarai hielt inne und kam dann besorgt zu ihnen herüber, setzte sich zu Mels anderer Seite an den Bühnenrand. „Was ist passiert?“
      Mel war gar nicht imstande zu antworten, und so erklärte Perry kurz darauf: „Sie ist für den Alvin nominiert worden.“
      Sarai wartete, ob noch etwas nachkam; als dem nicht so war, fragte sie irritiert: „Und? Was ist daran so schlimm?“
      Perry sah sie an in dem Bewußtsein, daß sie seine nächste Frage mit ‚Nein’ beantworten würde. „Hast du schon mal vom »Alvin-Fluch« gehört?“
      Sarai schüttelte verwundert den Kopf. Sie merkte, daß es ihm unangenehm war, das Thema jetzt gerade in Mels Gegenwart auszuführen.
      „Es heißt, jedem, der die Auszeichnung erhält, ereilt im Anschluß ein Unglücksfall“, erklärte er bedächtig.
      Sarai ließ sich das durch den Kopf gehen, sah aber skeptisch aus. „Aber das kann nicht mehr als ein Aberglaube sein, oder?“
      „Es gibt den Preis jetzt seit achtzehn Jahren. Er wird jährlich an den herausragendsten Filmschauspieler verliehen. Und es gab keine Unterbrechung im System!“
      „Ja, aber das wird nicht mehr als Zufall gewesen sein!“ behauptete Sarai.
      Das beruhigte Mel keineswegs. Sie sah erschlagen auf. „Ich habe kein Interesse daran, das auszutesten!“
      Sarai hielt inne. Dagegen fiel ihr keine Erwiderung ein. „Naja, aber daß du nominiert wurdest heißt ja nicht, daß du den Preis auch erhältst…“ bemerkte sie.
      „Das ist der Grund, warum ich bislang nur mäßig in Panik bin!“ erklärte Mel.
      Bedächtiges Schweigen folgte.
      „Kannst du den Preis nicht ablehnen?“ fragte Sarai weiter.
      „Das nützt nichts“, erwiderte Mel müde. „Drei Schauspieler haben es bereits versucht. Das Problem ist nur, gewonnen hast du den Preis trotzdem, auch wenn du ihn anschließend ablehnst. Das scheint den Fluch nicht zu beeinflussen!“
      Sarais Gedanken überschlugen sich. „Ja, aber wenn du den Preis vorher schon ablehnst! Bevor du ihn bekommst.“
      „Wie willst du denn etwas ablehnen, was du noch gar nicht bekommen hast? Wenn du erst mal nominiert bist, kommst du aus der Nummer nicht mehr raus!“
      „Aber kannst du denn nicht von vorneherein darauf verzichten?“
      Sie schüttelte den Kopf. „Du wirst ja von anderen nominiert. Du kannst dich nicht auf eine »Nicht-Nominierungsliste« setzen lassen. Und wenn du erst mal nominiert bist, kannst du auch nicht sagen ‚Streicht mich von der Liste’ oder ‚Laßt jemand anderen gewinnen’. Das wäre Betrug oder Verfälschung, und da macht das Komitee nicht mit. Auch das haben schon andere versucht!“
      „Und wenn du einfach nicht hingehst?“
      „Wade Masters ist bei der Verleihung nicht dabeigewesen, weil er zu dem Zeitpunkt mit einem simplen Beinbruch im Krankenhaus lag. Er hat den Preis trotzdem bekommen! Im Anschluß ist er gestorben!“
      Nach dieser Bemerkung herrschte Stille.
      „Wie viele sind den nominiert?“ fragte Sarai.
      „Mich ausgeschlossen noch fünfzehn weitere.“
      „Naja, dann hast du immerhin eine Chance von eins zu fünfzehn!“ versuchte Sarai sie aufzumuntern.
      Perry seufzte. „Ohne den Fluch würde sie den Preis von mir ganz sicher erhalten!“
      „Danke, das habe ich jetzt gebraucht!“ schmetterte Mel zurück.
      „Tschuldigung…“ ließ sich Perry leise vernehmen.
      Mel vergrub sich wieder in den Händen.
      Sarai betrachtete die Szene noch immer mit deutlichem Unglauben. Doch sie hütete sich davor, in Mels Beisein noch etwas dazu zu sagen. „Wann ist die Verleihung denn?“ erkundigte sie sich statt dessen.
      „Es ist immer das erste Mai-Wochenende“, drang es gedämpft von Mel zurück.
      Sarai atmete durch. „Na, dann hoffen wir mal, daß du nicht gewinnst.“
      „Danke“, kam es dünn.
      Sarai wechselte mit Perry einen Blick der fragte, ob sie sie überhaupt allein lassen konnten.
      Die Frage klärte sich, als ein Mann die Bühne betrat. „Wir wollen jetzt abschließen, würden Sie bitte den Saal verlassen?“
      Mel reagierte erst nicht, erhob sich dann aber schwerfällig.
      Perry und Sarai standen ebenfalls auf und begleiteten sie nach draußen.
      „Kommst du alleine klar?“ fragte Perry, als sie auf dem Shuttleplatz standen.
      Mel nickte, nur halb überzeugend. „Ja, danke.“
      Perry warf Sarai einen schnellen Blick zu. „Sollen wir mit dir zur Verleihung kommen?“
      Mel atmete durch. Man merkte ihr an, wie unangenehm es ihr war, als sie dankbar antwortete: „Das wäre wunderbar, wenn ihr das tun würdet…“
      Perry sah Sarai beklommen an, und sie nickte. „Keine Sorge, wir stehen dir bei“, versprach er.
      Dann verabschiedeten sie sich.

Als sie im Shuttle saßen, fuhr Sarai noch nicht sofort los. Sie kam noch nicht über den skurrilen Moment im Saal hinweg. „Mal im Ernst, das war schon ziemlich strange eben, oder? Wir bedauern eine Schauspielerin, weil sie für einen hochangesehenen Filmpreis nominiert wurde, den sie durchaus verdient hätte!“
      „Ihre Sorge ist nicht unberechtigt!“ hielt Perry dagegen.
      Sarai schüttelte den Kopf und startete das Shuttle. „Für mich sieht das eher so aus, als wenn da ein paar zufällige Ereignisse zusammengeschmissen werden, und jetzt sind alle so paranoid, daß sie allein dadurch schon das Unheil heraufbeschwören!“
      „Sarai, die Ereignisse, die geschehen sind, wurden in allen Fällen von außen ausgelöst, ohne daß der betreffende Schauspieler selbst die Möglichkeit dazu gehabt hätte!“
      Sarais Miene zeigte noch immer Skepsis. „Ja, aber das eine hat sicher keinen Zusammenhang mit dem anderen. Das wäre doch absurd.“
      „Hast du die Medien mal verfolgt? Troi Ayers war der erste, der den Preis in Empfang genommen hat. Drei Wochen darauf wurde gemeldet, daß sein Pferd an einer unerklärlichen Ursache gestorben sei! Zweieinhalb Wochen nachdem Heather Goddard den Preis entgegengenommen hat, stellte sich ein Defekt an ihrem Shuttle heraus, der sie in’s Krankenhaus brachte! Nachdem Damian Carrington die Auszeichnung bekommen hatte, ist seine Mutter gestorben. Justian Cavaner - er ist einer derjenigen, die den Preis abgelehnt haben - wurde aufgrund von angeblichem Drogenbesitz festgenommen, von dem sich erst zwei Jahre später herausstellte, daß er damit nichts zu tun hatte! Kurz nachdem Evelyn Moreau den Alvin erhielt, ist ihr Haus ohne erkennbaren Grund eingestürzt, und Gianna Nankin wurde überfallen und ausgeraubt! Irina Lien…”
      „Ja, okay”, brach Sarai die Litanei ab. „Aber Unglücke passieren nun mal. Das in Verbindung zu setzen mit der Preisverleihung finde ich etwas dramatisch!“
      „Wenn es nach jeder Preisverleihung vorkam?“
      Sarai schwieg. Dann verdrehte sie die Augen. „Das ist doch paranoid. Es sei denn, es ist jemand am Werk, der es auf die Gewinner abgesehen hat.“
      „Das kann nicht sein, dafür sind die Ergebnisse zu vielfältig, und ohne erkennbares Muster. Verschiedene Ereignisse, unterschiedliche Orte, diverse gegebenenfalls beteiligte weitere Opfer…“
      „Und genau das ist es, was die Sache wieder in den Bereich des Zufalls kippen läßt! Wenn man will, kann man in alles etwas reininterpretieren! Vor allem wenn man es will!“
      „Ja, aber das sind Fakten, Sarai! Es ist ja niemand auf die Idee gekommen das zu beobachten, bis man eine Regelmäßigkeit festgestellt hat. Und als man dann recherchiert hat…“
      „Ha! Du sagst es! Genau das ist es: Wenn man recherchiert, und etwas finden möchte, findet man auch etwas, auch wenn es eigentlich völlig zusammenhanglos ist!“
      Perry verdrehte die Augen. „Und wie erklärst du dir dann, daß nach jeder Preisverleihung innerhalb der nächsten fünf Wochen dem Preisträger etwas schreckliches zustieß? Birger Sivertsen hat den Preis posthum verliehen bekommen, und nach knappen vier Wochen ist seine Stiftung pleitegegangen!“
      Sarai atmete durch. Ihren Kommentar konnte sie sich nur für einen Augenblick verbeißen: „Ja, aber dann muß da schon länger etwas im Argen gelegen haben! So schnell geht das nicht!“
      „Nicht erkennbar! Nicht nachvollziehbar! Und das ist der Fluch!“
      „Meine Güte!“ kommentierte Sarai. „Ich wette mit dir, es gibt für alles eine logische Erklärung, und die hat nichts mit dem Preis zu tun!“
      „Willst du es ausprobieren? Also, ich bin froh, daß ich kein Filmschauspieler geworden bin, und ich strebe es auch nicht mehr an – jetzt, wo ich dich kennengelernt habe schon gar nicht mehr!“
      Sarai hielt inne. Verblüffung forcierte einen Moment der Sprachlosigkeit, als ihr Gehirn den Zusammenhang seiner Worte verarbeitete. Sie schwieg. Etwas frustriert gab sie auf. Selbst wenn sie noch immer nicht überzeugt war, wußte sie, sie würde diese Diskussion mit Perry noch endlos führen können. Sie seufzte erneut und überlegte, wie sie das Thema beenden konnte, ohne daß man ihr vorwerfen konnte auszuweichen. „Weißt du, was ich mir wünschen würde? Daß Mel den Preis erhält und den Beweis dafür antritt, daß die Gerüchte über den Fluch Quatsch sind!“
      „Dann wünsch ihr bitte auch gleich starke Nerven dazu!“ kommentierte Perry.
      Danach herrschte Schweigen im Shuttle, nachdenkliches, bedrücktes Schweigen.
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