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I wanna borrow your dog

GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P12
Lindsay Donner Professor Connor Doyle
16.03.2013
16.03.2013
1
6.539
 
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16.03.2013 6.539
 
Titel: I´m gonna borrow your dog
Autor: DancingStar
Crossover: PSI Factor/ Sue Thomas F.B.Eye
Pairing: Jack/ Sue, Connor/ Lindsay
Kategorie: AU, Romanze, Humor
Rating: 12
Inhalt: Um Frauen kennen zu lernen, borgt Jack den Mops seines besten Freundes.
Anmerkungen: Ich dachte mir, dass ich einmal wieder eine Geschichte schreiben muss, in der Sue und Jack etwas im Vordergrund stehen. :-)


I´m gonna borrow your dog

Ein blickendes Licht an seinem Anrufbeantworter machte Jack Hudson darauf aufmerksam, dass jemand eine neue Nachricht hinterlassen hatte. Er drückte die PLAY- Taste am Gerät und hörte die Nachricht seiner Freundin, die soeben mit ihm Schluss machte, weil sie fand, dass er ein unreifer und unentschlossener Mann war. Vielleicht war es auch, weil sie gehofft hatte, er würde ihr zu ihrem gestrigen Geburtstag einen Heiratsantrag machen, was dann aber ausgeblieben war. Daraufhin hatte sie für den Rest des Abends kein Wort mehr mit ihm geredet. Ihrer Ansage auf dem Anrufbeantworter nach zu urteilen musste sie geweint haben, vermutlich hatte sie ihrer besten Freundin ihr Leid geklagt, die Jack eigentlich nie ausstehen konnte. Er wollte nicht herzlos sein, aber dass sie Schluss machte, kam ihm gerade Recht. Er beglückwünschte sich sogar dazu, dass er keine seiner Habseligkeiten in ihrer Wohnung hinterlassen hatte, somit war die Trennung mit einem kurzen Anruf vollzogen.
Jack ging vor seine Wohnungstür, wo auch am Sonntagmorgen eine Zeitung auf ihn wartete. Er schlug das Blatt auf und las, während er sich Schokocornflakes und Milch in eine Schüssel kippte und zu essen begann.  “Möpse sind die beliebtesten Hunde zum Flirten”, stand im Lifestyle- Teil der Zeitung. Er hatte eine Idee, wie er vielleicht eine neue Freundin finden konnte. Er fand, dass Frauen mit Hunden gelassener waren, weil der Vierbeiner in ihrem Leben manchmal schon genug Unfug anstellte. Und er kannte jemanden, der einen Mops besaß. Jack beschloss, dass er seinem besten Freund und Nachbarn deshalb einmal einen Besuch abstatten würde.
Der Ersatzschlüssel lag auf dem Türrahmen. Er benutzte ihn um die Tür zu öffnen, obwohl Connor mit Sicherheit zuhause war. Heute war Sonntag und soweit er wusste, war das der Tag, an dem Connor nirgendwo hin ging. Außer natürlich, mit seinem Hund vor die Tür.
„Was machst du hier?“, fragte Connor, der auf seiner Couch hockte und sich einmal nach seinem besten Freund umdrehte. Jack holte sich eine Flasche Bier aus dem Kühlschrank.
“Ich habe gehört, dass Hunde eine gute Möglichkeit sind, Frauen kennen zu lernen.“
„Sich aus diesem Grund ein Tier zu kaufen, ist sicherlich eine dumme Idee“, sagte Connor, „Leute wie du sind schuld daran, dass viele Tiere im Tierheim sitzen.“
„Ich muss mir keinen Hund kaufen.“
„Worauf willst du hinaus?“, fragte Connor und schaltete unbeeindruckt den Fernseher aus.
„Du könntest mir Sam für einen Tag ausleihen.“
„Du willst dir meinen Hund ausleihen?“, Connor war nicht sicher, ob er richtig gehört hatte und sogar Sam, der ebenfalls auf der Couch lag, hob irritiert den Kopf wobei sein Halsband klimperte. Sam war sein Hund, ein kleiner, schwarzer Mops. Eigentlich war Connor davon überzeugt, dass ein Mops ein Hund für Frauen war, aber als er an einem kalten Dezemberabend vor drei Jahren den Hund vor seiner Haustür gefunden hatte und sich nach einem Anruf im Tierheim und einer Zeitungsanzeige kein Besitzer meldete, hatte er beschlossen, ihn zu behalten.
„Ich bin nicht sicher, ob ich das verantworten kann….“
Jack setzte sich neben Connor auf die Couch und dabei hätte er sich fast auf Sam gesetzt, wenn dieser nicht in letzter Sekunde von dem Möbelstück gesprungen wäre. „Ich hab mich schon einmal um Sam gekümmert, erinnerst du dich? Du warst damals im Urlaub…“
„Er ist weggelaufen und drei Tage nach meiner Rückkehr bei meiner Nachbarin aufgetaucht…“
„Du hättest einige Tage Sam- frei… Ich muss sonst Silvester wieder mit den Leuten aus How I met your mother verbringen.“
Connor sah seinen besten Freund ein wenig ungläubig an. „Also erstens ist es noch mindestens ein halbes Jahr bis Silvester, zweitens war das ein Traum den du hattest… Es wäre sehr verantwortungslos von mir, dir meinen Hund noch einmal zu überlassen.“
„Ich verspreche, dass ich besonders gut auf ihn aufpassen werde“, Jack hob die Hand und suchte nach einem Buch. Aber er fand nur ein Gesundheitsmagazin, also legte er seine Hand auf dieses: „Ich schwöre, dass ich Sam mit meinem Leben beschützen und ihn dir wohlbehalten wiederbringen werde.“
Connor sah zu Sam, der jetzt in seinem Körbchen hockte und ihn erwartungsvoll anschaute.
„Also schön!“, gab Connor schließlich nach, „Ein Kratzer und du bezahlst die Tierarztrechnung.“
Jack überhörte diese Klausel: Er sagte, dass sie eine Abmachung hätten und freute sich, wenn er Sam heute Mittag in der Fußgängerzone spazieren führen könnte.

Jack kam am Nachmittag und holte Sam ab. Er wunderte sich sehr, weil Connor ihm einen braunen Pullover mit Kapuze angezogen hatte. „Connor, was soll das?“, wollte Jack von seinem besten Freund wissen, „Was hat der Hund da an?“
„Ein Pulli“, antwortete Connor und verstand sofort, was Jack eigentlich sagen wollte, „Heute ist es kalt draußen… Aber wenn du möchtest kann ich ihm auch etwas anderes anziehen.“ Mit diesen Worten stellte er eine Kiste auf den Tisch und Jack suchte darin. „Sam besitzt sogar einen Wintermantel“, sagte Jack und hob die kleine dunkelblaue Jacke mit Norwegermuster hoch.
„Er hat sehr dünnes Fell und friert leicht.“
„Was ist damit?... Mein Gott, er hat auch eine Regenjacke und Schuhe.“
„Die braucht er, wenn im Winter Streusalz auf dem Bürgersteig liegt“, Connor nahm die Schuhe an sich, „Das Salz brennt sonst an seinen Pfoten und dann muss ich ihn tragen…. Hast du schon einmal einen dicken Mops durch die Gegend tragen müssen?“
„Du bist wohl um keine Ausrede verlegen, was?“, wollte Jack wissen, „Der Hund ist besser ausgestattet, als du selbst.“ Jack war froh, dass ihm zumindest eine pinkfarbene Hundeleine erspart blieb. „So gehe ich mit Sam auf keinen Fall vor die Tür. Die Frauen denken alle, ich wäre…“
„Überleg dir gut, was du sagst!“, drohte Connor, „Ansonsten überlege ich es mir vielleicht anders.“
Jack rollte mit den Augen, beschloss, den Mund zu halten und führte Sam wenig später aus Connors Wohnung und stieg mit ihm in sein Auto. Sam hockte auf dem Beifahrersitz und schaute neugierig aus dem Fenster. Wenn sie an einer roten Ampel halten mussten, schauten die Leute aus den Autos nebenan zu Sam und winkten dem Hund zu. Der schwarze Mops hob dann neugierig seine kleinen Ohren und wenn die Ampel vor ihnen wieder grün wurde, vergasen die Leute in den anderen Autos, dass sie weiterfahren mussten. Jack schüttelte darüber den Kopf: Er konnte nicht verstehen, warum manche Menschen diesen kleinen Kläffer so niedlich fanden. Sam konnte wie seine Artgenossen nicht einmal richtig atmen, denn er grunzte wie ein kleines Schweinchen, wenn er atmete. Außerdem war Sams Gesicht so plattgedrückt, dass man glauben konnte, er hätte den ganzen Tag damit verbracht, es gegen die Fensterscheibe eines Hundefutterladens zu pressen.
Jack stellte seinen Wagen auf einem Parkplatz nahe der Fußgängerzone ab, holte den Hund aus dem Auto und lief mit ihm los. Sie waren kaum fünf Minuten unterwegs, als er von einer Frau angesprochen wurde. Ihr Name sei Amber, sagte sie und sie fand Jacks Hund sehr hübsch: Sie war blond und hatte große blaue Augen. Schließlich fragte Jack, was sie beruflich machte und Amber antwortete, sie sei nur auf einen Sprung in der Stadt, weil ihr Mann eine neue Firma kaufte, die sie dann teuer weiterverkaufen sollte. Jack lächelte und beschloss, dass er mit Sam schnell weitergehen würde. Natürlich fand er Amber toll, aber er hatte gelernt, dass man von verheirateten Frauen besser die Finger ließ. Er verabschiedete sich und beeilte sich, mit Sam schnell von Amber wegzukommen.
Sie liefen zu einem Geschäft, wo Jack sich ein Buch kaufen wollte. Unterwegs wurden beide von einer Gruppe Teenager gestoppt, die Sam unbedingt streicheln wollten.
Die Verkäuferin im Buchladen reagierte überrascht als sie Sam sah. Sie sagte zu Jack, dass Hunde in dem Laden normalerweise nicht erlaubt waren, aber sie machte für den niedlichen, schwarzen Mops gerne eine Ausnahme. Dann bückte sie sich um Sam zu streicheln. Der Hund genoss die Aufmerksamkeit sichtlich. Jack konnte den Hund sogar bei der Verkäuferin lassen, während er sich in Ruhe sein Buch aussuchte. „Kommen Sie bald wieder“, rief die Verkäuferin ihm nach, als er und Sam den Laden verließen, „Und bringen Sie Ihren Hund mit.“ Er wollte sie nicht fragen, ob sie vielleicht mit ihm ausgehen wollte, denn offenbar hatte sie mehr Interesse an Sam als an ihm.
Wieder draußen in der Fußgängerzone lief Sam ein wenig unruhig umher. „Was hast du, Dickerchen?“, fragte Jack ihn, aber natürlich antwortete Sam nicht sondern sah nur hechelnd zu ihm auf. „Vielleicht muss er ein Geschäft erledigen“, sagte eine Frauenstimme zu ihm und Jack sah von Sam zu der hübschen blonden Frau, die mit ihrem Hund in ihrer Nähe stehen geblieben war. Ihr Golden Retriever schnupperte an einem Briefkasten und ging dann mit ihr weiter.
„Hier in der Fußgängerzone gibt es kaum Grünflächen. Manche Hunde trauen sich dann nicht“, sagte sie und lächelte.
„Naja, ich habe gehört, das kann auch ziemlich teuer werden“, entgegnete Jack und sie nickte.
„Ich bin Sue“, stellte sie sich vor, „Das ist Levi.“ Der Golden Retriever an ihrer Seite bellte.
„Scheint, als wäre er ziemlich gesprächig“, stellte Jack fest, „Mein Name ist Jack.“
„Und wie heißt dein Hund?“, fragte Sue während die beiden Hunde sich nun beschnupperten. Levi war ein sehr verträglicher Hund und so setzte er sich anschließend neben ihre Füße, ohne den Mops weiterhin zu beachten.
„Das ist Sam“, antwortete Jack.
„Gut. Also, wollt ihr beiden mit mir und Levi in den Hundepark kommen? Wir waren soeben auf dem Weg dorthin.“
Jack nickte und so machte er sich gemeinsam mit Sue auf den Weg in den Park. Er hatte seinen Ausflug in die Fußgängerzone fast als Misserfolg angesehen, bis er Sue traf.

Jack und der Hund waren bis zum Abend mit Sue und Levi unterwegs. Es dämmerte bereits, als Jack dem Mops wieder bei seinem Besitzer abgab.
„Wo bist du so lange gewesen?“, fragte Connor ein wenig ungehalten.
„Wir waren im Hundepark“, erklärte Jack, „Sam und ich haben uns prächtig amüsiert, nicht wahr?“ Er schaute zu Sam, der der sich müde in sein Körbchen gelegt hatte.
„Das reicht jetzt. Jetzt bin ich wieder dran“, sagte Connor und schickte seinen Freund aus seiner, „Komm Sam, wir gehen spazieren.“ Wie jeder Hund liebte Sam Spaziergänge und so liefen er und sein Besitzer wenig später die Straße hinunter. Sam schnupperte neugierig im Gras, als plötzlich ein anderer Mops an ihm vorbeiging. Sam blieb stehen und starrte dem grauen Mops hinterher. Dann blieb der andere Mops ebenfalls stehen und seine Besitzerin wurde darauf aufmerksam, als sich ihre Leine spannte. „Ist das dein Hund?“, fragte sie und Connor nickte. Sie merkte, dass Connor seinen Hund an der Leine wegzog, als sie sich beschnupperten. „Keine Sorge, sie ist sterilisiert“, sagte die Frau zu ihm und zeigte auf ihre Hündin.
„Das ist Sam… Ich bin übrigens Connor.“
„Nett, dich kennen zu lernen. Das ist mein Hund Rula… Ähm, ich heiße Lindsay“, sie lächelte, „Ich habe noch nie einen schwarzen Mops gesehen.“ Ihr Hund Rula hatte helles Fell und eine schwarze Maske im Gesicht. Ein typischer Mops.
„Das höre ich oft… Ich hab dich hier noch nie gesehen“, Connor kannte nicht viele Leute, die ebenfalls einen Mops besaßen, daher glaubte er, dass sie ihm bestimmt aufgefallen wäre.
„Ich wohne seit einer Woche hier“, gestand sie, „Ich musste aus beruflichen Gründen hierher ziehen.“ Ohne es zu bemerken, ging Lindsay nun mit ihm in die gleiche Richtung zurück, aus der sie gekommen war. „Was machst du beruflich?“, wollte Connor wissen.
„Es ist ein toller Job. Das würde dir gefallen“, sagte sie, „Ich arbeite für Harry´s Ice cream. Ich bin Eiscreme- Verkosterin.“
„Du hast Recht: Das ist wirklich ein Traumjob… Aber ich muss zugeben, dass ich mir Eiscreme- Verkoster anders vorgestellt habe.“
Sie wusste sofort, was er damit eigentlich sagen wollte und bedankte sich für das Kompliment. „Was ist mit dir? Was machst du beruflich?“
„Ich bin vergleichsweise langweilig“, sagte er während sie nebeneinander hergingen und sie erklärte ihm lächelnd, dass sie das nicht glaubte, „Ich bin Professor an der Uni.“ Dann stellte er fest, dass Rula und Sam sich sehr gut vertrugen und wie ein altes Ehepaar nebeneinander her trotteten. Wenn einer von ihnen stehen blieb um an einem Grashalm zu schnuppern, wartete der andere.
„Ich fürchte, unsere Hunde haben sich gesucht und gefunden“, sagte Connor und er fragte sich, ob Lindsay vielleicht einen Freund hatte. Sie war neu in der Stadt aber vielleicht führte sie eine Fernbeziehung. Also beschloss er, sie unauffällig danach zu fragen: „Ich weiß, das kommt sehr plötzlich, aber hast du morgen Abend schon etwas vor? Wir könnten… Naja, ich könnte dir die Stadt zeigen, wenn du möchtest… Also vorausgesetzt, du hast sie dir nicht schon angesehen oder etwas anderes vor.“
„Nein, das ist eine sehr gute Idee“, stimmte sie zu und Connor war überrascht, „Seit ich hergezogen bin, habe ich nur gearbeitet. Es ist fast ein Wunder, dass meine Wohnung halbwegs gemütlich eingerichtet ist.“ Sie lachte und Connor musste sich eingestehen, dass es ein sehr schönes Lachen war. Beide verabredeten sich für morgen Abend. Sie nannte Connor ihre Adresse und er versprach, sie und Rula abzuholen, weil er auch Sam mitbringen würde. Dann verabschiedeten sie sich für heute. Sobald Lindsay außer Sichtweite war, kam Connor nicht umhin, einen kleinen Freudensprung zu machen. Sein Hund Sam beobachtete ihn kritisch.

Am nächsten Morgen war Connor in Eile bevor er zur Arbeit ging. Er hatte verschlafen und in einer halben Stunde begann seine Vorlesung an der Universität. Dass sein bester Freund ausgerechnet jetzt bei ihm vorbeischaute, passte ihm überhaupt nicht. Er fragte sich, warum Jack nach Sams Leine suchte und den Hund dann damit zur Tür führte. „Was hast du vor?“
„Ich kümmere mich um Sam, während du bei der Arbeit bist“, Jack hatte diese Woche Urlaub und konnte sich vor Langeweile (Connor nannte dies auch „Den Dämon der Faulheit“) kaum retten. Aber Connor fand es seltsam, dass sein bester Freund sich plötzlich für Hunde begeisterte. Außerdem hatte Sam noch nie Probleme damit, alleine in der Wohnung zu sein, während Connor bei der Arbeit war.
„Meinetwegen. Macht euch einen schönen Tag“, Connor vermutete also nichts Schlechtes hinter der Bekehrung seines Freundes, „Aber heute Abend will ich Sam wiederhaben.“
„Das geht nicht. Ich habe heute Abend eine Verabredung mit Sue… Und Sam kommt mit.“
„Ich habe auch eine Verabredung mit einer sehr netten Mops- Besitzerin. Ich brauche Sam auch. Außerdem ist er mein Hund.“
„Und deshalb denkst du, du hast ein Recht auf ihn?“
„Klar“, sagte Connor, „Ich zahle schließlich auch sein Futter.“
Daraufhin wusste Jack kein Argument mehr. Er verschränkte die Arme vor dem Brustkorb. „Mir fällt nur eine Möglichkeit ein, wie wir das Problem lösen können: Wir müssen uns Sam heute Abend teilen.“

Sue und Jack trafen sich am Abend im La Parisienne, einem schicken französischen Restaurant, zum Essen. „Hi. Schön dich zu sehen“, sagte Jack und küsste ihre Wange.
„Hi. Ich freue mich, dass du gekommen bist“, sie lächelte und sie sah aus, als freute sie sich wirklich über diesen Abend. Aber dann bemerkte sie, dass er etwas vergessen hatte. „Wo ist Sam?“
„Wer?“
„Dein Hund.“
„Er ist noch im Auto“, Jack fühlte sich ertappt und ihm fiel nichts ein, womit er dies rechtfertigen konnte. Es war Sommer und obwohl es in den letzten Tagen sehr kühl war, war der heutige Abend so warm, dass es in einem Fahrzeug richtig stickig werden konnte. Sie sah ihn an, als ob er soeben jemanden ermordet hätte. Also sagte er: „Nein, er ist nicht im Auto. Er ist… ähm, ich habe ihm beim Kellner gelassen. Sam wollte einen Schluck Wasser trinken“, erklärte er, sie setzten sich an ihren Tisch und Jack fragte sich, warum sie plötzlich lachte. „Woher weißt du, dass dein Hund Wasser trinken möchte? Er kann doch gar nicht sprechen.“
„Naja, wenn Sam durstig ist, hat er immer diesen besonderen Gesichtsausdruck… Etwa so“, Jack klemmte seine Unterlippe über seine Oberlippe, schob sein Kinn nach vorne und legte die Stirn in Falten. Sue fand es offenbar lustig, wie er Sams „Bitte gib mir etwas zu trinken“- Gesicht nachahmte.

Connor holte Lindsay und ihren Hund zuhause ab und sie setzte die Hundedame zu Sam auf die Rückbank. Dann fuhren sie in ein kleines Café am anderen Ende der Stadt. Sie schien nicht der Typ Frau zu sein, der auf untertrieben schicke Restaurants Wert legte und er war froh, dass seine Vermutung stimmte:  Sie freute sich, ihn zu sehen und ihr Gespräch verlief sehr gut. Während sie an der Theke saßen und einen Kaffee bestellt hatten, legte sie sogar einmal seine Hand auf seine. „Was unternehmen wir später noch?“, fragte sie. Damit erinnerte sie ihn daran, dass er ihr die Stadt zeigen wollte.
„Ich dachte, wir könnten uns heute noch den Fernsehturm ansehen. Der sieht bei Nacht sehr schön aus“, antwortete er und in diesem Moment klingelte sein Handy. Er sah Jacks Nummer auf dem Display, er entschuldigte sich und nahm das Gespräch entgegen. Jack fragte ihn, wann er damit rechnen konnte, dass Connor ihm Sam vorbeibrachte. „Jetzt?... Ich brauche mindestens 10 Minuten, bis ich dort bin“, sagte Connor und sah in Lindsays Gesicht, dass sie vermutete, dieser Anruf war ein sogenannter Rettungsanruf. In diesem Moment hielt sie sich für furchtbar langweilig.
„Du hast es mir versprochen“, erinnerte Jack ihn und Connor rollte mit den Augen: „Also schön. Ich mache mich auf den Weg.“ Er schaltete sein Handy ab und stand von seinem Thekenhocker auf, auf dem er saß. „Ich verspreche dir, das war kein Rettungsanruf“, versicherte er Lindsay, „Ich muss nur kurz einem Freund aus der Klemme helfen und dann komme ich wieder. In zwanzig Minuten bin ich wieder zurück. Versprochen.“
„Okay“, sie nickte, aber er konnte sehen, dass Lindsay nicht glücklich damit war. Connor griff nach Sams Leine und verließ mit ihm das Café. Während er unterwegs war, versuchte sich ein anderer Mann auf den freien Hocker neben sie zu setzen aber sie sagte ihm, dass sie für heute Abend bereits eine Verabredung hatte und dass er gleich wieder zurückkommen würde. Lindsay hoffte nur, dass sie sich nicht irrte.

„Hier ist er“, sagte Connor zwölf Minuten später außer Atem zu Jack, während sie sich auf dem Parkplatz vor dem La Parisienne trafen und er ihm Sams Leine übergab. Er hatte Glück: Auf der Fahrt hierher hatte er eine Grüne Welle erwischt und die übrigen zwei Minuten hatte er für die Parkplatzsuche vertrödelt.
„Du bringst ihn mir wieder!“, sagte Connor drohend zu Jack, als er zu seinem Auto zurückging, „In einer Stunde will ich ihn wieder haben. Bring Sam dann zum Fernsehturm.“ Er beeilte sich und fuhr schnell in das Café zurück, in dem Lindsay noch immer auf ihn wartete. Er hatte Glück: Sie saß noch an der Theke und rührte gelangweilt mit ihrem Löffel durch den Schaum ihres Cappuchinos. Rula lag zu ihren Füßen  und sah ebenfalls sehr gelangweilt aus. „Hier bin ich wieder“, sagte er zu ihr und er konnte sehen, dass sie nicht damit gerechnet hatte, dass er tatsächlich zurückkam. „Ich habe dir doch versprochen, dass ich wiederkomme.“ Er legte dem Kellner einen zwanzig Dollar- Schein auf die Theke und griff nach ihrer Hand. „Lass uns zum Fernsehturm fahren“, schlug er vor, aber sie bemerkte, dass etwas fehlte: „Wo ist Sam?“
Connor überlegte, was er sagen sollte. Ihm fiel nichts ein, also griff er auf die älteste Ausrede aller Hundebesitzer zurück: „Er ist weggelaufen... Naja, er ist aus dem Auto gesprungen.“
„Möchtest du ihn nicht suchen?“, frage sie besorgt, während sie aufstand und Rulas Leine nahm.
„Nein. Ich bin sicher, er findet alleine nach Hause.“
Sie fuhren gemeinsam zum Fernsehturm. Unterwegs sah er immer wieder unruhig auf die Uhr. Er hoffte, dass sich der Übergabezeitpunkt bald wieder näherte, denn er hatte nicht gewollt, dass Lindsay ihn für einen unzuverlässigen Hundebesitzer hielt.

Nachdem sie am Fernsehturm angekommen waren, stellte Connor fest, dass die Aussichtsplattform bereits geschlossen hatte. „Das macht nichts“, sagte Lindsay zu ihm, „Du hast es gut gemeint.“ Sie war bereit ihm zu verzeihen, dass er  sie im Café für fast eine halbe Stunde hatte sitzen lassen. Also schlug sie vor, dass sie noch einen Spaziergang unternehmen könnten. Lindsay griff nach Connors Arm und mit Rula an ihrer Leine schlenderten sie durch den kleinen Park, der sich in der Nähe des Fernsehturms befand. „Dafür, dass du mich im Café hast sitzen lassen, musst du mir nun einige Fragen beantworten“, begann Lindsay und Connor zögerte eine Sekunde. Dann beschloss er, sich darauf einzulassen. Lindsay fragte ihn, wo er geboren war, wo er zur Schule ging, was er gerne aß und welche Autoren er mochte. „Wer ist dein Lieblingsschauspieler?“, fragte sie, während sie gemeinsam durch eine Allee von Straßenlaternen gingen und Rula gemütlich vor ihnen her tapste.
„Dan Aykroyd“, antwortete Connor sofort, „In jüngeren Jahren.“
Lindsay lachte. „In jüngeren Jahren? Was soll das heißen?“
„Er war toll in Ghostbusters“, antwortete Connor, „Aber Weihnachtsfilme mag ich nicht… Jetzt bin ich dran, wer ist dein Lieblingsschauspieler?“
„Richard Gere“, sagte sie, Connor blieb stehen und tat so, als müsste er sich unter Schmerzen winden. Daraufhin lachte Lindsay nur noch mehr. „Was ist daran so lustig?“, wollte sie wissen und in diesem Augenblick klingelte sein Handy. „Das ist mein bester Freund“, erklärte er ihr und Lindsay hoffte, dass sein bester Freund nicht schon wieder in der Klemme saß und nach seiner Hilfe verlangte. „Du hast Sam gefunden“, sagte Connor schließlich, „Sehr schön. Wo bist du?... Am Fernsehturm, okay. Wir sind jetzt… Ähm“, er sah sich um, wo genau sie sich befanden, „Wir sind jetzt im Park. Kennst du diese kleine Aussichtsplattform an dem großen Teich?... Ja, wir warten dort auf dich. Danke.“ Er legte auf. „Tja, das war mein bester Freund. Er hat Sam gefunden.“
Sie warteten noch fünf Minuten, als sie einem dunkelhaarigen Mann begegneten. Er führte Sam an seiner Leine und der schwarze Mops zerrte wie verrückt daran, weil er sich freute, Connor wieder zu sehen. Als Rula ihren neuen Freund bemerkte, zog auch sie an ihrer Leine und beide Hunde beruhigten sich erst, als sie voreinander standen und sich beschnupperten. Connor bedankte sich noch einmal bei Jack.
„Keine Ursache. Ich habe zu danken“, sagte er, „Schön, den Grund für meinen stressigen Abend einmal kennen zu lernen“, bemerkte er, als er Lindsay sah. Dann entschuldigte er sich, dass auch seine Verabredung noch auf ihn wartete.
„Was meinte er damit?“, wollte Lindsay von Connor wissen. Ihre Hunde schnupperten noch immer aneinander. „Nichts“, Connor schüttelte den Kopf. Sie beendeten ihren Spaziergang mit ihren beiden Hunden. Danach fuhr Connor Lindsay nach Hause.

„Wo ist Sam?“, wollte Sue von Jack wissen, als er alleine aus dem Park kam. Er joggte und beeilte sich, zu ihr zu kommen, weil Sue und ihr Hund Levi in seinem Wagen warteten. Sie waren auf dem Weg zu einer sehr schönen Touristenattraktion, die als Geheimtipp galt. Weil Sue es noch nie gesehen hatte, wollten sie einen Ausflug unternehmen. Unterwegs hielt er am Eingang zum Park am Fernsehturm plötzlich an, holte Sam aus seinem Auto und eilte mit ihm in den Park. Sue rief ihm nach, wo er hinginge und Jack antwortete, dass Sam dringend ein Geschäft erledigen musste. „Sollen Levi und ich mit dir kommen?“, frage sie, Jack winkte ihr und sie nahm an, dass das ein Nein war.
Da gab es noch etwas anderes, worüber sie mit ihm reden musste. Sie wartete etwa fünf Minuten in seinem Auto, dann kam Jack ohne Sam zurück.
„Sam ist weggelaufen“, erklärte er ihr.
„Möchtest du nicht nach ihm suchen?“
„Nein“, er schüttelte den Kopf, „Er findet schon alleine nach Hause.“ Er drehte den Zündschlüssel herum, sodass der Motor hustend ansprang. Sie fuhren die Straße hinunter und plötzlich sagte Sue: „Ich muss mit dir reden. Es ist wichtig und ich denke, du solltest es wissen, bevor das alles ungeahnte Ausmaße annimmt.“
„Ungeahnte Ausmaße?“, wiederholte er, „Bist du verheiratet?... Oder hast du Kinder?“
„Nein“, antwortete Sue und sah auf ihre Hände, dann wieder zu ihm, „Wäre das schlimm, wenn ich Kinder hätte?“
„Natürlich nicht. Also, worüber musst du so dringend mit mir reden?“
Sie sah aus dem Fenster und überlegte, ob sie es ihm wirklich sagen sollte. Sie holte Luft und beschloss, mit der Sprach herauszurücken: „Ich bin taub.“
„Was?“, glücklicherweise musste er den Wagen vor einer roten Ampel bremsen, „Aber du….“
„Ich kann Lippenlesen“, Sues Stimme war sehr leise, „Ich bin seit meiner Kindheit taub. Meine Eltern waren mit mir bei vielen Ärzten. Niemand weiß, warum. Levi ist mein Signalhund“, sie schaute ihn an, „Entschuldige, ich wollte, dass du das weißt, bevor wir beide uns in etwas verrennen…. Komm Levi.“ Dass er darauf keinen Ton mehr sagte, war Antwort genug. Sie öffnete für Levi die hintere Seitentür des Autos, befestigte seine Leine am Halsband und lief mit ihm gemeinsam den Bürgersteig hinunter.
„Sue!“, rief Jack ihr nach. Er sah, wie Levi an ihr hochsprang um seine Besitzerin darauf aufmerksam zu machen. Aber Sue wollte nicht reagieren: Sie lief einfach weiter.
Jack versuchte, einen Parkplatz für das Auto zu finden doch weil es in der Nähe keinen gab, parkte er seinen Wagen unerlaubterweise am Straßenrand. Er wollte ihr nachlaufen, aber sie war in der Dunkelheit längst verschwunden.

„Wie war deine Verabredung?“, fragte Lindsay neugierig, als sie ihre neue Freundin Sue am nächsten Morgen in einem Café traf. Sue sah sehr unglücklich aus, also schlussfolgerte Lindsay, dass es nicht sehr gut gelaufen war. Sie wusste, dass Sue taub war, aber anders als Lindsay zeigten viele ihrer Mitmenschen nicht so viel Verständnis dafür.
„Es war ein Desaster“, erklärte Sue, „Als ich ihm gesagt habe, dass ich taub bin, hat er kein einziges Wort mehr herausgebracht.“ Das tat Lindsay unheimlich leid, denn Sue hatte ihr erzählt, dass es oft so kam: Wenn sie einem Mann bei einer Verabredung erzählte, dass sie nicht hören konnte, standen sie meist auf und ließen sie sitzen. Wenige waren so gnädig und versprachen ihr am Ende des Abends, dass sie wieder anrufen würden. Aber natürlich riefen sie nie wieder an.
Manchmal fragte Sue sich, warum sie sich das alles eigentlich noch antat.
„Was ist mit dir?“, wollte Sue dann von Lindsay wissen, „Wie war dein Date mit dem Uni- Professor, den du kennen gelernt hast?“
„Sehr schön… Bis sein Hund Sam weggelaufen ist. Aber sein bester Freund hat ihn zum Glück wiedergefunden“, Lindsay lud Sue ein, ihren Coffee to go zu bezahlen. Dann wollten sie sich gemeinsam auf den Weg zur Arbeit machen.
„Das ist sehr seltsam“, murmelte Sue, während sie mit Levi aus dem  Café ging, „Jack hat auch einen Hund namens Sam.“

Sue fragte sich, wer der Besuch war, der sie zwei Tage später am Abend überraschte und wie sich feststellte, war es Jack. Er kam ohne seinen Hund, aber Levi freute sich trotzdem, ihn zu sehen. „Ich muss dir auch etwas sagen“, begann Jack, „Es ist sehr wichtig.“
„Was könnte das wohl sein?“, fragte sie, aber natürlich wollte sie nicht wirklich eine Antwort, „Erzählst du mir jetzt eine dumme Ausrede, warum du vor zwei Tagen keinen Ton mehr rausgebracht hast, als ich dir gesagt habe, ich bin taub? Glaubst du, es gibt eine Ausrede, die ich noch nicht kenne?“ Er konnte an ihrem Gesichtsausdruck sehen, dass sie wütend war.
„Ich wollte dir keine dumme Ausrede präsentieren“, sagte Jack kleinlaut zu Sue, dann sah er zu Levi, „Die Wahrheit ist, ich besitze gar keinen Hund. Sam ist eigentlich der Hund meines besten Freundes. Ich habe ihn mir nur ausgeliehen, weil ich gelesen habe, dass der Mops bei Frauen ein sehr beliebter Hund und ein Flirtgarant ist. Aber dann habe ich dich getroffen und…“
„Du hast was?“, sie war nicht sicher, ob sie schockiert oder noch wütender sein sollte.
„Ich gebe zu, ich war nicht immer ehrlich zu dir und ich weiß, das klingt ziemlich abgedroschen, aber ich möchte mich ändern, weil….“
„Sag es bitte nicht“, sie ging zu ihrer Wohnungstür und öffnete sie. Dann bat sie ihn hinaus.
„Es tut mir Leid“, sagte Jack zu ihr, als er vor ihr stehen blieb, „Aber das alles ist es doch gar nicht wert. Du machst wegen einem Hund mit mir Schluss?“
„Es geht nicht um den Hund“, antwortete Sue, „Es geht darum, dass du mich angelogen hast.“
„Ich würde es nicht als Lüge bezeichnen…“, entschuldigte er sich. Wenn er Sam nicht gehabt hätte, wären sie sich nie begegnet.
„Geh jetzt bitte“, sie zeigte noch einmal zu ihrer Tür und verfolgte, wie Jack ihre Wohnung verließ. Sie lehnte gegen ihre Wohnungstür, sobald er gegangen war und sie es geschlossen hatte. Levi lag auf der Couch und sah sie traurig an. „Ich weiß, was du sagen willst“, erklärte sie ihrem Hund, setzte sich an ihr Fenster und beobachtete, wie er unten vor dem Haus in sein Auto stieg.

Am selben Abend hatte Lindsay Connor zu sich zum Essen eingeladen. Sie hatten sich in den letzten Tagen zufällig mit den Hunden getroffen und Spaziergänge unternommen. Gestern hatte Lindsay hatte ihn gefragt, ob er zum Essen vorbeikommen wollte. Er sagte nicht Nein und versprach, dass er auch Sam mitbringen würde. So kam es, dass Sam sofort an Lindsay vorbeihuschte, als diese die Tür öffnete, und sich sofort zu Rula ins Körbchen legte. "Er fühlt sich schon ganz zuhause", lächelte sie und bat ihn herein.
"Danke für deine Einladung", sagte Connor und beobachtete, wie sie in ihre Küche zurückging. "Ich habe Lasagne gemacht. Es ist die Beste auf der ganzen Welt", erklärte sie.
"Schade, ich habe eigentlich gedacht, dass du mir als Eiscreme- Verkoster einige Becher von Harry´s besorgen kannst."
Lindsay ging zu ihrem Kühlschrank und öffnete das Eisfach. Es war übervoll gestopft mit bunten Bechern von Harry´s Ice creme. "Und du glaubst, du hättest Probleme", sagte sie zu ihm, "Ich wäre froh, wenn ich einmal etwas anderes in meinem Eisfach lagern könnte, anstelle von Harry´s Eiscreme. Du kannst so viele Becher haben, wie du möchtest."
Ihm fiel auf, wie hübsch sie aussah: Ihr schulterfreies, orangenes Kleid stand ihr sehr gut. Er fand, dass sie immer sehr schön aussah.
Sie setzten sich auf ihre Couch, weil sie noch auf die Lasagne warten mussten. "Die beiden sind wirklich wie ein altes Ehepaar", sagte sie zu Connor, als sie ihre Hunde beobachteten, die noch immer in Rulas Körbchen lagen. „Ja, sie verstehen sich gut“, stimmte Lindsay ihm zu, „Hoffentlich bleibt das auch so.“ Sie lachte.
„Ich muss dir ein Kompliment machen: Du siehst heute Abend sehr schön aus“, erklärte er ihr und ihr Lachen verstummte. „Ich, ähm….“
„Entschuldige, ich wusste nicht, dass du einen Freund hast.“
„Nein!“, fiel Lindsay ihm hektisch ins Wort und Connor versuchte, sich nicht anmerken zu lassen, wie sehr ihn das freute. Aber stattdessen fragte sie: „Warum grinst du so?“
Connor überlegte, ob er tatsächlich antworten sollte. „Ich gebe zu, dass mich das sehr freut.“
„Wieso?“ Lindsay war gespannt, seine Antwort zu hören.
„Wie ich schon sagte: Du bist eine sehr hübsche Frau. Ich mag dich sehr: Wir haben den Selben Humor, wir beide mögen Harry´s Ice creme“, während er das sagte, lachte sie laut, „Und wir beide mögen Hunde.“
„Das ist wahr. Ich mag dich auch sehr. Aus den gleichen Gründen“, Lindsay lächelte.
„Das ist unser viertes Date“, erinnerte er sie.
„Du bezeichnest unsre Spaziergänge mit den Hunden als Dates?“, fragte sie und legte ihre Hand auf seine. Sie näherte sich ihm ein Stück, bevor sie ihn schließlich küsste. Es war ein liebevoller Kuss und Connor wagte nicht, sich zu bewegen. Sie war es, die ihn näher an sich zog und dann mit ihm in die weichen Sofakissen zurücksank. Lindsay kicherte, als seine Hände langsam auf Wanderschaft gingen und als er fragte, warum sie das tat, küsste sie ihn noch einmal. Es war eine herrliche Art, jemandem so zum Schweigen zu bringen.
In diesem Moment klingelte ihr Handy. Lindsay wusste, es war unhöflich, dem Gespräch zu antworten und eigentlich wollte sie es auch nicht, aber sie sah Sues Handynummer auf dem Display. Also entschuldigte sie sich für eine Sekunde. "Wie geht´s dir?", fragte sie in ihr Handy, "Er war soeben bei dir? Und was hat er gesagt?...... Verstehe...... Sue, warte einen Moment, ich kläre das, ja? Ich rufe dich wieder an." Sie legte auf. "Das war meine beste Freundin Sue. Sie braucht meine Hilfe.... Ähm, stört es dich, wenn ich kurz zu ihr gehe und nach ihr sehe?“
„Nein, das ist in Ordnung. Soll ich dich begleiten?“, fragte er und sie erhoben sich gemeinsam von der Couch. „Das wäre sehr schön“, sie nickte und gemeinsam machte sie sich auf den Weg zur Tür. Bevor sie letztendlich doch gingen, schaltete Lindsay ihren Backofen ab, in dem die Lasagne noch immer schmorte.
Sue wohnte nicht weit entfernt, also hatten sie innerhalb von fünf Minuten das große Mietshaus erreicht, in dem Lindsays beste Freundin lebte. Lindsay betätigte die Klingel und sie wusste, dass sie nun eine Weile warten musste, bis der Gehörlosenhund Levi reagiert hatte.
"Wir brauchen auch nicht lange", versprach Lindsay Connor, "Der Typ, der sie hat sitzen lassen, ist soeben bei ihr aufgetaucht und hat ihr alles gestanden: Kannst du dir vorstellen, dass er sich den Hund nur ausgeliehen hat um damit Frauen kennen zu lernen?"
Connor kam diese Geschichte verdächtig vor. "Wie.... ähm. Wie heißt denn dieser Typ?", fragte er.
"Ich glaube, sein Name ist Jack… Aber mit Sicherheit weiß ich nur, dass er einen Hund namens Sam hätte… Muss wohl ein beliebter Hundename sein." Sie betätigte die Klingel noch einmal und kurz darauf wurde die Tür in Begleitung eines lauten Summens geöffnet.
„Vielleicht sollte ich hier unten auf dich warten“, schlug Connor vor, aber Sam und Rula hatten sich bereits gemeinsam auf den Weg nach oben gemacht und Connor musste seinen Hund einfangen, bevor Sue ihn sah. Mit Sicherheit kannte sie Sam.
„Sei nicht albern. Komm mit“, sagte Lindsay und Connor folgte ihr durch das dunkle Treppenhaus in den dritten Stock. Sue hatte bereits die Tür für sie geöffnet und als sie fragte, was Sam hier machte, wusste Connor, dass es zu spät war.
Lindsay erreichte Sues Wohnungstür als erste. „Lindsay, was macht Sam hier?“, wollte Sue wissen.
„Das ist Connors Hund“, sie zeigte du dem dunkelhaarigen Mann, der in ihrer Begleitung war, „Ihr kennt euch?“
„Nein, also… Eigentlich kenne ich Sam“, antwortete Sue und in diesem Moment fiel es Lindsay wie Schuppen von den Augen. „Du“, murmelte sie und sah ihn an, "Du verleihst deinen Hund an deinen besten Freund, damit er Frauen kennen lernen kann?!", fragte Lindsay ungläubig.
"Aber ich übernehme keine Gewähr für alles, was er tut", verteidigte Connor sich. Er war nicht Jacks Kindergärtner!
„Das ist wahr“, unterbrach Sue sie, „Er kann nichts dafür, dass sein bester Freund ein Idiot ist.“ Sie ging in ihre Wohnung voraus und setzte sich dort auf die Couch.
Sie blieben länger, als sie es eigentlich vor hatten und als es kurz vor Mitternacht war, verließen Lindsay und Connor ihre Wohnung. „Bist du sicher, dass es dir gut geht?“, fragte Lindsay besorgt und Sue nickte. Sie hatte die Zeiten, in denen sie wegen einem Mann tagelang weinend im Bett lag, längst überwunden. Dies hier war nicht anders.
Lindsay war noch immer sehr besorgt um ihre Freundin, als sie und Connor mit Sam und Rula das Wohnhaus verließen. „Es tut mir leid. Wirklich“, sagte Connor zu ihr während sie auf der Treppe standen und die Art, wie er sie ansah, ließ sie vermuten, dass er ehrlich war.
„Mir tut es auch leid“, gab Lindsay plötzlich zu, „Weißt du, Sue hat nicht viele Freunde. Vermutlich fühle ich mich deshalb verantwortlich. Aber dein bester Freund…“, sie stieß vorsichtig an seine Schulter, „Der ist ein richtiger Idiot. Wie kann er Sue nur so etwas antun?“
„Ich werde ihn fragen, wenn ich ihn zum nächsten Mal sehe“, versprach Connor und er schwor sich, dass er Sam niemals wieder weggeben würde. Beinahe hätte er deswegen auch noch Lindsay aufs Spiel gesetzt und er mochte sie viel zu sehr.

Connor verstand nicht, warum Jack plötzlich nicht mehr seine Wohnungstür öffnete, als er am nächsten Tag bei ihm klopfte. „Komm schon, mach die Tür auf. Ich weiß, dass du da bist“, Connor konnte hören, dass im Inneren der Wohnung der Fernseher angeschaltet war. Er vermutete, dass Jack tatsächlich so etwas wie ein schlechtes Gewissen besaß.
Am Abend klopfte Connor noch einmal an Jacks Wohnungstür und wieder reagierte niemand. Jack wollte also nicht mit ihm reden. „Wenn du jemals wieder ein Wort sagen möchtest, du weißt, wo ich wohne!“, rief Connor durch die geschlossene Wohnungstür und er war sicher, dass Jack ihn gehört hatte.

Connor und Lindsay heirateten ein Jahr später an einem sonnigen Tag im Mai. Ihre Freunde und Familien trafen sich zu einer schönen Feier und die beiden Frischverheirateten tanzten den ersten Tanz miteinander. Sue beobachtete Lindsay und atmete tief ein. Sie versuchte, nicht allzu enttäuscht auszusehen: Viele der anwesenden Menschen standen in Gruppen zusammen und tuschelten miteinander, während sich jetzt noch einige Paare mehr auf der Tanzfläche scharrten. Sie selbst würde nicht tanzen können, denn sie war alleine hier. Sue mochte Connor. Nachdem sie ihm verziehen hatte, dass er Sam an seinen besten Freund verlieh, hatte sie gemerkt, dass er doch ein guter Mensch war. Und ihre beste Freundin hatte das auch gemerkt. Es war schön, ihn an Lindsays Seite zu sehen. „Zumindest sie ist glücklich“, dachte Sue reumütig.
„Levi, ich bin so froh, dass du mich nicht im Stich lässt“, sagte sie zu Levi und streichelte seinen Kopf. Levi lag neben Sam und Rula auf dem Boden. Der schwarze Mops Sam trug sogar einen kleinen Hunde- Smoking und Rula ein pinkes Halsband. Zum Glück musste Rula kein Brautkostüm tragen.
Plötzlich trat eine Person neben Sue und Levi stand auf um seine Besitzerin darauf aufmerksam zu machen. Sie war erstaunt, als sie Jack sah. „Hey. Wir haben uns lange nicht mehr gesehen“, sagte er zu ihr und sie wusste nicht, was sie antworten sollte, als er sich neben sie setzte, „Was vor einem Jahr passiert ist, tut mir Leid. Aber ich habe mir inzwischen wirklich einen Hund gekauft… Und ich bin immer noch Single. Ich denke, ich bin bereit für eine Beziehung, wenn es der Hund mit mir aushält.“ Während er sprach, legte ein Mischlingshund seinen Kopf auf seinen Oberschenkel. „Das ist Nicky.“
„Meine Güte, die ist sehr schön!“, sagte Sue strahlend und streichelte über den Kopf des hellen Mischlings.
„Danke… Und wie du siehst, Nicky hält es mit mir aus“, erklärte er, „Würdest du das auch?“
Sie antwortete nicht.
„Ich habe dich wirklich vermisst…“
„Ja, ich dich auch“, gab sie zu und lächelte. Sie fühlte, wie er nach ihrer Hand griff. Sue dachte nicht daran, sich ihm zu entziehen.
„Warum tanzt du nicht?“, fragte er und sah, wie sie hilflos mit den Schultern zuckte: „Ich kann nicht tanzen.“ Jack hielt ihre Hand noch immer, als sie aufstanden und er sie mit sich zur Tanzfläche zog. Dort schlang er beide Arme um sie und begann, sich langsam mit ihr hin und her zu bewegen. Sie merkten nicht, wie Connor und Lindsay zu ihnen sahen und sich insgeheim darüber freuten, dass die beiden sich letztendlich doch noch gefunden hatten.

Fin
 
 
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