Wolframs Geburtstag

GeschichteHumor / P12 Slash
Gwendal von Voltaire Shibuya Yuri Wolfram von Bielefeld
11.03.2013
11.03.2013
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Wolframs Geburtstag

Ein kleiner OS für zwischendurch, ohne sinnvolle Handlung.

Irgendwie wusste Yuri schon, dass er etwas falsch gemacht hatte, als er den Speisesaal betrat und sich schweigend neben Wolfram setzte. Sein Verlobter beobachtete ihn einige Augenblicke. Seine schönen, grünen Augen funkelten. Durch den intensiven Blick verunsichert griff Yuri vorsichtig nach einem Brötchen. Er schnitt es auf, wobei sein Verlobter ihn nicht aus den Augen ließ. Plötzlich sprang Wolfram auf und schlug energisch auf den Tisch. Yuri war so angespannt, dass er vor Schreck sein Brötchen fallen ließ.
„Du bist mir ja ein schöner Verlobter!“, fauchte Wolfram und verließ wutschnaubend den Raum.
Yuri sah ihm verwirrt nach. Dann wandte er sich mit fragendem Blick an Konrad. Dieser lächelte, um das Geschehen herab zuspielen.
„Er hat heute Geburtstag“, erklärte er entschuldigend.
„Oh, und ich hab nicht mal ein Geschenk...“, murmelte Yuri betroffen. Gwendals eisiger Blick traf den seinen. „Ich werde mich darum kümmern!“, versprach Yuri eilig. Gwendals Gesichtsausdruck änderte sich nicht, was den jungen Dämonenkönig noch mehr verunsicherte.
„Heka!“, hallte in diesem Moment Günters besorgte Stimme durch das Schloss, „Ihr werdet doch wohl nicht Euren Unterricht vergessen?“
„Ähm...........nein!“, meinte Yuri kleinlaut. Da er schon 10 Minuten zu spät dran war, musste doch sogar Günter bemerkt haben, dass Yuri dessen ach so geliebten Unterricht völlig vergessen hatte.
„Heute steht Minnesang und Tanzen auf dem Stundenplan“, verkündete Günter fröhlich. Yuri spuckte vor Entsetzen seine Milch quer über den Tisch.
„Singen und tanzen?“, wiederholte er fassungslos.
Hilfe suchend blickte er zu Wolframs älteren Brüdern. Konrad spießte in aller Seelenruhe ein Stück Wurst auf die Messerspitze und schob sie sich in den Mund. Endlich rührte sich Gwendal, beugte sich zu Yuri hinüber und raunte:
„Gräfin Anissina hat ein neues Medikament an ihm getestet.“
Günter war schon beunruhigend nahe. Eilig sah Yuri zu Konrad und Gwendal hinüber.
„Könnt ihr ihn nicht eine Weile aufhalten? Ich muss doch noch ein Geschenk für Wolfram besorgen“, bat er sie schnell.
Konrad lächelte und Gwendal brummte eine unverständliche Antwort, woraufhin sich beide erhoben und Günter in den Weg stellten.
„Ich bin in weniger als einer Stunde zurück!“, rief Yuri und verließ so schnell es ging den Speisesaal.

Der kleine Laden auf halbem Weg ins Dorf war für den Dämonenkönig ein Geschenk. Mit schnellem Blick suchte Yuri die Regale ab. Es gab unzählige Figürchen aus Glas und Porzellan, dutzende in grellen Farben leuchtende Blumensträuße und sogar Wolframs heiß geliebten, stinkenden Farben.
Für einen Moment überlegte Yuri, ob er seinem Verlobten nicht ein kleines Herz aus Rosenquarz schenken sollte, auf dem in goldenen Lettern 'Ich liebe dich' stand. Dann überlegte er es sich aber anders – dieses Herz wäre höchstens etwas, was Wolfram ihm zum Geburtstag geschenkt hätte – und entschied sich für die Farben. Damit würde er Wolfram bestimmt eine Freude machen.
Yuri bezahlte, drehte sich – froh über das passende Geschenk – schwungvoll um und stieß mit einer dicklichen Frau zusammen. So heftig waren die beiden ineinander gelaufen, dass sie zu Boden gingen und ihre Ware über den Fußboden schlitterte.
„Tut mir leid“, murmelte Yuri.
Auch das noch! Er war ohnehin schon spät dran. Rasch pflückte er sein in gelbes Papier verpacktes Paket vom Boden und lief nach draußen, wo Ao auf ihn wartete.

Yuri klopfte zögernd und trat ein, ohne auf eine Antwort zu warten. Wolfram lag missgestimmt auf dem Bett und blätterte in einem dicken Bildband über das Neue Dämonenkönigreich. Als Yuri eintrat, hob er kurz den Kopf und schnaubte verächtlich.
„Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag“, meinte Yuri schüchtern und hielt Wolfram das Geschenk entgegen. Komisch, er hatte es größer in Erinnerung gehabt.
Schweigend setzte sich Wolfram auf die Bettkante. Mit misstrauischem Blick sah er zu Yuri hoch, der direkt vor ihm stand, dann nahm er das Geschenk entgegen. Grob riss er das Geschenkpapier hinunter.
Yuri erstarrte. Das waren nicht die Farben, die er Wolfram hatte schenken wollen! Es war das kleine Herz aus Rosenquarz mit dem goldenen Schriftzug! Beim Zusammenstoß mit der Frau musste er das Päckchen vertauscht haben.
„Danke, Yuri!“, rief Wolfram freudestrahlend.
Bevor Yuri sich jedoch für das Missgeschick entschuldigen konnte, hatte sich sein Verlobter halb erhoben und umarmte ihn. Yuri blieb die Luft weg, so stark war Wolframs Griff. Da er aber halb stand, halb saß, verlor er schon nach wenigen Sekunden das Gleichgewicht und kippte mit Yuri aufs Bett.
Dieser wollte sich natürlich sofort entschuldigen, brachte aber keinen Ton heraus. Mit hochrotem Kopf versuchte Yuri, von Wolfram wegzukommen, doch dieser packte ihn energisch am Nacken und drückte ihn wieder zu sich herunter.
Im nächsten Moment fand sich der Dämonenkönig im wilden Kuss mit seinem Verlobten wieder. Er konnte sich nicht rühren, so sehr lähmte ihn der Schock. Endlich löste sich Wolfram wieder von ihm und blickte ihn aus seinen leuchtend grünen Augen kühl an.
„Wolfram...ich...“, stammelte Yuri und wollte sich erneut erheben.
Sofort fasste Wolfram seine Schultern und drückte den Dämonenkönig bestimmt zur Seite. Yuri verlor das Gleichgewicht und ehe er sich´s versah, lag er nun unter Wolfram, der ihn eisern festhielt.
„Halt die Klappe, du Waschlappen!“, zischte er spielerisch, bevor er seinen Verlobten erneut küsste.
Yuri gab es auf, sich gegen Wolfram wehren zu wollen; der war schließlich viel zu stark für ihn.
Immer inniger wurde ihr Kuss. Yuri streichelte vorsichtig Wolframs Nacken, was diesem ein wohliges Seufzen entlockte.
Auf dem Gang näherten sich hektische, energische Schritte, die nur von Günter stammen konnten. Selbst wenn Yuri es nicht an den Schritten bemerkt hätte, das laute „Heka!!!!!“ konnte er wohl kaum überhören.
„Schade“, murmelte Wolfram, bevor er sich schwungvoll wieder auf den Bettrand setze, als sei nichts geschehen.
Günter riss mit einem weiteren „Heka!!!“ die Tür auf. Yuri, der noch immer halb auf dem Bett lag, setzte sich schnell auf. Theatralisch kniete Günter vor ihm nieder, während Tränenbäche seine Wangen hinunterliefen.
„Heka! Ich dachte schon, Ihr wäret erneut fortgegangen, ohne Euren treuen Diener Günter davon in Kenntnis zu setzen!“
Wolfram kicherte hinter vorgehaltener Hand, da Yuri innerlich noch zu durcheinander war, um mit der Situation fertig zu werden. Erst als Günter seinen geliebten König umarmte, musste Wolfram einschreiten.
„He, nimm die Finger von ihm, er ist mein Verlobter!“
In dem Gerangel der beiden merkte Yuri endlich, dass der Alltag wieder eingekehrt war. Und er nahm sich vor, nächstes Jahr rechtzeitig an Wolframs Geschenk zu denken.