Last dance

SongficAllgemein / P12
Deirdre - Mystischer Ritter der Luft Rohan - Mystischer Ritter des Feuers
10.03.2013
10.03.2013
1
2.444
 
Alle Kapitel
6 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
10.03.2013 2.444
 
Disclaimer: Weder die verwendeten Charactere noch das verwendete Lied ("Just one last dance" von Sarah Connor) gehören mir und ich möchte auch kein Geld damit verdienen u.s.w.
Viel Spaß beim Lesen!


Sie rannte. Nicht einmal die Dunkelheit der Nacht konnte sie dazu bringen, ihre Geschwindigkeit zu verringern. Sie war diesen Weg schon so oft gegangen, dass sie nicht mehr zu fürchten brauchte, sich zu verirren. Erst als sie das Dorf fast erreicht hatte, verlangsamte sie ihre Schritte und zog sich die Kapuze ihres Umhangs tiefer ins Gesicht. Am liebsten hätte sie den Pfad außen um das Dorf herum genommen, aber das wäre ein ziemlicher Umweg für sie gewesen und sie war ohnehin schon spät dran. Also bahnte sie sich notgedrungen ihren Weg durch die feiernden Dorfbewohner. Selbst zu dieser späten Stunde tanzten diese noch an den Freudenfeuern, welche zu Ehren der morgigen Hochzeit brannten – ihrer Hochzeit. Schaudernd schob sie den Gedanken daran weit von sich, gerade jetzt wollte sie sich nicht damit befassen müssen. Als sie das Dorf endlich hinter sich gelassen hatte, beschleunigte sie ihre Schritte erneut, jetzt war es nicht mehr weit bis zu ihrem Treffpunkt. Sie betete still zu den Göttern, dass er noch auf sie warten würde, denn wenn nicht...daran wagte sie nicht einmal zu denken.
Leicht außer Atem erreichte sie die Lichtung und ein Anflug von Panik überkam sie, als sie ihn nicht entdeckte. Sollte sie es tatsächlich nicht mehr rechtzeitig geschafft haben? Verzweifelt sah sie sich um. Der fast volle Mond tauchte die Lichtung in ein beinahe schon gespenstisches Licht und ließ die Schatten der umstehenden Bäume noch tiefer und dunkler wirken.
„Deirdre!“
Sofort drehte sich die Prinzessin in die Richtung, aus der die vertraute Stimme ihren Namen gerufen hatte und da endlich sah sie ihn. Er war nur ein Schatten zwischen all den Bäumen, der jetzt auf sie zukam. Sie war selten so froh ihn einfach nur zu sehen wie in diesem Augenblick. Obwohl sie sich vorgenommen hatte ruhig und gefasst zu bleiben flog sie ihm geradezu in die Arme, als sie sich in der Mitte der Lichtung trafen. Eine Weile hielten sich die beiden einfach umschlungen und genossen die Stille dieses Ortes, die nur ab und an durch leise Musik aus dem nahen Dorf unterbrochen wurde.
Schließlich löste sich die Prinzessin jedoch aus der Umarmung und trat einen halben Schritt zurück um dem größeren Mann in die Augen sehen zu können, zumindest so gut wie es bei diesen Lichtverhältnissen möglich war.
„Rohan, ich...ich...“, Deirdre stockte und verwünschte sich innerlich. Sie hatte sich so viele Dinge überlegt, die sie ihm noch sagen wollte, ja sogar sagen musste. Doch als sie ihn jetzt so ansah, war ihr Kopf wie leer gefegt und all die schönen Worte wollten ihr einfach nicht mehr einfallen. „Ich hatte solche Angst, dass du nicht mehr da sein würdest“, platzte es schließlich aus ihr heraus.


We meet in the night in the Spanish café
I look in your eyes just don't know what to say
It feels like I'm drowning in salty water
A few hours left till the sun's gonna rise
Tomorrow will come it's time to realize
Our love is finished forever
How I wish to come with you
How I wish we make it through



Ihre unbegründete Sorge zauberte Rohan beinahe ein Lächeln aufs Gesicht. „Solange die Möglichkeit besteht dass du noch kommst, würde ich ewig auf dich warten. Das solltest du eigentlich wissen.“ In seinen Worten lag keine Bitterkeit, sie klangen nur unendlich traurig.
Kells und vor allem Deirdre zu verlassen zerriss ihm das Herz, doch er hatte Angst davor zu bleiben. Angst die einzige Heimat die er je gekannt und die erste Frau die er je geliebt hatte irgendwann zu hassen. Allein schon der Gedanke daran stieß ihm sauer auf. Aber so sehr er ihn auch erschreckte er befürchtete ernsthaft, dass er Wirklichkeit werden könnte. Deshalb würde er Kells am nächsten Tag verlassen.
Doch es gab auch noch etwas das er ihr unbedingt sagen wollte bevor sich ihre Wege morgen endgültig trennen würden. Er straffte sich, atmete noch einmal tief durch und setzte zu den Worten an, die ihm schon so lange auf der Seele lagen. „Deirdre, ich...“
Aber sie brachte ihn zum Schweigen, indem sie einen ihrer schlanken Finger über seinen Mund legte. „Bitte, sag es nicht.“ Beinahe schon flehentlich kamen die Worte aus dem Mund der Prinzessin. „Das würde unseren Abschied nur schlimmer machen.“
Obwohl er ihre Ansicht hier nicht teilen konnte, fügte sich Rohan dem Wunsch der Prinzessin und ließ seinen Satz unbeendet. Für ihn machte das kaum einen Unterschied, denn ihrer Reaktion nach hatte sie gewusst was er ihr hatte sagen wollen und allein darauf kam es ihm an.


Just one last dance
Before we say goodbye
When we sway and turn around
and round and round
It's like the first time
Just one more chance
Hold me tight and keep me warm
Cause the night is getting cold
and I don't know where I belong
Just one last dance



Eine Weile war die Lichtung nur erfüllt vom Schweigen der zwei Mystischen Ritter und den wenigen nächtlichen Geräuschen des Waldes. Als der Wind jedoch drehte und wieder die Flötenklänge aus dem Dorf zu hören waren, brach die Prinzessin die Stille zwischen ihnen.
„Warum musst du überhaupt gehen?“ Ihre Stimme klang ungewohnt belegt, so als wäre sie kurz davor, in Tränen auszubrechen. „Kells braucht dich. Ich brauche dich!“
Nein, das tat sie nicht. Auch wenn sie das vielleicht selbst glaubte, so wusste Rohan doch mit Sicherheit, dass sie nur eines wirklich brauchte – Kells. Trotzdem hütete er sich, diesen Gedanken laut auszusprechen. In ihrem jetzigen Zustand würde sie das ganz und gar nicht gut aufnehmen. Irgendwann würde sie es von selbst begreifen, zumindest hoffte er das.
„Du bist stark, Dei.“ Die Erwähnung ihres Kosenamens brachte sie wie beabsichtigt zum Lächeln. „Du wirst es auch ohne mich schaffen.“ Er wünschte nur, er könnte das gleiche auch von sich selbst behaupten. Wenn schon nicht für sich selbst, so würde Deirdre doch zumindest für Kells leben. Sie war während des Krieges immer bereit gewesen, ihr Leben für ihr geliebtes Land zu geben. Dass es nun ausgerechnet dann dazu kommen musste, als endlich Frieden eingekehrt war, hatte wohl niemand erwartet. Ebenso wenig wie die Art, in der sie sich opfern würde. Nur eine handvoll Menschen wusste überhaupt, dass die morgige Hochzeit einen neuen Krieg verhindern würde.
Egal was noch geschehen würde, Deirdre blieb immer noch Kells. Er hingegen würde ab morgen allein und heimatlos sein. Zwar hatte Angus es als selbstverständlich betrachtet, ihn auch weiterhin auf seinem Weg zu begleiten, aber Rohan hatte ihn entschieden davon abgehalten. Der ehemalige Dieb war glücklich hier in Kells, sein Leben hatte sich zum Besseren gewendet und er schien auch zum ersten Mal wirklich verliebt zu sein – er hatte ihm sogar anvertraut, dass er seine Liebste bald heiraten wollte. Rohan wusste es sehr zu schätzen, dass Angus allein aus Loyalität zu ihm auf all das verzichten würde, aber er würde nicht auch noch das Leben seines besten Freundes verpfuschen. Er würde den Feierlichkeiten morgen so lange beiwohnen wie unbedingt nötig, anschließend würde er seiner Heimat den Rücken kehren.


The wine and the lights and the Spanish guitar
I'll never forget how romantic they are
But I know, tomorrow I'll lose the one I love
There's no way to come with you
It's the only thing to do



Still betrachtete Rohan die Prinzessin. Eingehüllt in das silberne Mondlicht sah sie einfach nur bezaubernd aus, noch nie war sie ihm schöner vorgekommen. Einem Impuls folgend zog er sie nochmals fest an sich.
„Komm mit mir.“
Es war ein letztes, verzweifeltes Aufbäumen. Er kannte ihre Antwort bereits, trotzdem hatte er sich dem Unvermeidlichen nicht einfach so fügen wollen. Einen Augenblick lang, einen winzigen Augenblick lang, schien sie tatsächlich versucht, auf sein Angebot einzugehen. Doch der Moment der Schwäche verflog ebenso schnell wie er gekommen war und Deirdre brach in Tränen aus.
„Ich kann nicht“, brachte sie unter heftigem Schluchzen hervor, „ich kann Kells nicht in einen neuen Krieg stürzen. Nicht jetzt, nicht nachdem hier endlich Frieden herrscht.“
Behutsam hielt Rohan die weinende Frau im Arm und strich ihr beruhigend über den Rücken. Er machte ihr keinen Vorwurf. Schon als der König von Reged seine kaum verhohlene Drohung ausgesprochen hatte, hatte er gewusst, wie Deirdre sich entscheiden würde. Es war paradox. Er wollte, dass die Frau die er liebte mit ihm kam. Aber wenn sie das tatsächlich tat, wäre sie nicht mehr die, der er sein Herz geschenkt hatte.
„Tränen stehen dir nicht, Dei“, sanft wischte Rohan ihr einen der salzigen Tropfen aus dem Gesicht, „lächelnd bist du viel schöner.“
„Ich werde morgen noch genug lächeln müssen“, antwortete die Prinzessin seufzend. Trotzdem schenkte sie ihm ein kleines Lächeln bevor sie wieder in Schweigen verfielen, unfähig die richtigen Worte zu finden.


Just one last dance
Before we say goodbye
When we sway and turn around
and round and round
It's like the first time
Just one more chance
Hold me tight and keep me warm
Cause the night is getting cold
and I don't know where I belong
Just one last dance



“Tanz mit mir.”
Diese ungewöhnliche Bitte überraschte Rohan, doch die Prinzessin erklärte ihren Gedankengang noch bevor er sie danach fragen konnte.
„Ich will mich nicht nur an Schmerz und Tränen erinnern wenn ich an dich denke. Ich will an einer schönen Erinnerung festhalten können.“
Eine schöne Erinnerung, das klang nach etwas, das ihm sehr gefallen und das er auch sehr gut würde gebrauchen können. Anstelle einer Antwort legte er ihr seine Arme um die Hüften und brachte sie beide in die Grundstellung für einen einfachen Tanz. Kurz lauschte er bewusst der Melodie die vom Dorf herüberklang, dann begann er mit Deirdre ihren Tanz auf dem Waldboden.
Die Prinzessin hatte die Augen geschlossen und ergab sich ganz dem Augenblick. Es war zwar nicht die gleiche Melodie, doch es erinnerte sie an ihren ersten gemeinsamen Tanz während der Feierlichkeiten anlässlich ihres Sieges über Maeve. Auch da hatte sie alles um sich herum vergessen können und sich zum ersten Mal wirklich eingestanden, wie tief ihre Gefühle für Rohan tatsächlich waren. Damals. Bevor Garretts Vater ihren Traum zerstört hatte, noch ehe er überhaupt richtig begonnen hatte. Aber diese Erinnerung ließ sie nicht näher an sich heran. In der Gegenwart war weder Platz für die Sorgen der Vergangenheit noch die Ängste der Zukunft und die beiden Tänzer lebten nur im Augenblick. Sie tanzten weiter und weiter, selbst als sie die Musik nicht mehr hören konnten.


Just one last dance
Before we say goodbye
When we sway and turn around
and round and round
It's like the first time
Just one more chance
Hold me tight and keep me warm
Cause the night is getting cold
and I don't know where I belong
Just one last dance



Rückblickend vermochte keiner der beiden zu sagen, wie es dazu kam oder wer von ihnen es begonnen hatte. Im einen Moment tanzten sie noch über den unebenen Waldboden, im nächsten standen sie eng umschlungen da und küssten sich. Es war ein bitter-süßer Kuss, denn ihnen war beiden deutlich bewusst, dass es nicht nur ihr erster, sondern gleichzeitig auch ihr letzter sein würde. Sie klammerten sich aneinander wie Ertrinkende, als könnte ihnen alleine die Präsenz des anderen die Luft zum Atmen ersetzen. Deirdre genoss das Gefühl von seinen Lippen auf ihren während sie ihm mit einer Hand durch das lockige Haar fuhr. Sie hätte ihm mehr gegeben, sie hätte ihm in dieser Nacht alles gegeben. Aber sie wusste, dass er viel zu nobel war um sie so zu entehren und dafür liebte und bewunderte sie ihn nur noch mehr.
„Ich liebe dich.“
Jetzt hatte er es doch gesagt, doch nun störte es sie nicht mehr. Sie war sogar glücklich darüber. Nach diesem Kuss hätte sie sich ohnehin nicht mehr einreden können, dass da nichts als Freundschaft zwischen ihnen war.
„Ich dich auch.“
Hätte sie ihn jetzt noch einmal gebeten zu bleiben, er hätte vielleicht nicht mehr den Willen aufbringen können zu gehen. Aber sie tat es nicht und so wurde seine Entschlossenheit nicht weiter auf die Probe gestellt.

So sehr die beiden Mystischen Ritter auch versuchten das Unvermeidliche hinauszuzögern, der Moment ihres Abschieds war gekommen. Deirdre musste zurück ins Schloss, wenn sie nicht wollte das ihr Verschwinden bemerkt wurde.
„Wirst du zurückkommen?“
Diese Frage quälte die Prinzessin schon eine ganze Weile, doch aus Angst vor der Antwort hatte sie sich bisher nicht getraut sie zu stellen.
„Ich weiß es nicht.“
Betreten senkte Rohan den Kopf. Er konnte ihr nicht sagen was sie hören wollte, aber er würde ihr ganz sicher nichts versprechen, was er vielleicht nicht würde halten können.
„Ich...verstehe.“
Niedergeschlagen wandte Deirdre den Blick ab, riss sich aber schnell wieder zusammen. Mit dieser Antwort hatte sie ja eigentlich gerechnet und zumindest hatte er nicht gänzlich ausgeschlossen, irgendwann nach Kells zurückzukehren. Entschlossen ergriff sie seine Hände.
„Ich wünsche dir alles Glück dieser Welt, Rohan. Du hast es dir verdient, mehr als jeder andere. Und vergiss nicht, was auch passiert, du wirst hier immer willkommen sein.“
Als die Prinzessin seine Hände wieder losließ, blieb ein kleiner, metallener Gegenstand darin zurück. Verwundert betrachtete Rohan den silbernen Anhänger, während seine Finger über die vertrauten Konturen der Triskele strichen.
„Deirdre, das...das kann ich nicht annehmen. Ich habe nichts was ich dir dafür geben könnte.“
Mit diesen Worten versuchte der junge Ritter der Prinzessin das Schmuckstück zurückzugeben, doch diese schloss nur seine Hand um das Kleinod.
„Ich möchte doch auch gar nichts dafür Rohan. Du hast so viel für uns alle und Kells getan, das wäre mit allem Gold der Welt nicht aufzuwiegen. Das hier ist einfach ein Geschenk für einen guten Freund. Also bitte, nimm es.“
Dem konnte Rohan nichts weiter entgegensetzen und so nahm er ihr Geschenk dankbar an. Mit der freien Hand strich er der jungen Frau eine verirrte Haarsträhne aus dem Gesicht.
„Danke Dei. Danke für alles.“

Noch eine kurze Umarmung, ein geflüsterter Abschied, dann gingen die beiden Mystischen Ritter in verschiedene Richtungen davon. Nachdem er den Rand der Lichtung erreicht hatte, drehte Rohan sich noch einmal um und warf einen letzten Blick auf die sich entfernende Prinzessin. Was auch passierte, von der Erinnerung an diese Nacht würde er noch eine ganze Weile zehren können. Als er Deirdre nicht mehr sehen konnte, wandte sich der ehemalige Druidenlehrling entschlossen um und setzte seine Schritte fort. Er wusste nicht wohin sein Weg ihn führen würde, aber er würde ihn gehen – bis zum Ende.
Review schreiben