Im Verborgenen

GeschichteDrama, Romanze / P12
Bonnie McCollough Damon Salvatore Elena Gilbert Nicolaus Stafano Salvatore
07.03.2013
11.06.2013
11
8.007
 
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07.03.2013 1.691
 
Damon spürte den Wind zwischen seinen schwarzen Federn, die im grellen Licht regenbogenfarben glitzerten. Er war hungrig, schon seit zwei Tagen brannten seine Adern wie Feuer, aber er war zu sehr darauf fixiert, Fell´s Church so schnell wie möglich zu verlassen. Schließlich gestand er sich selbst ein, dass er zu schwach war, um weiter zu fliegen. Er musste landen. Seine scharfen Augen fanden einen geeigneten Platz, eine kleine Gasse. Im Landeanflug verwandelte er sich. Er wartete kurz und atmete tief aus, ehe er auf die Straße trat. All seine Sinne waren darauf gerichtet, ein Opfer zu finden. Er war ein Jäger, eine Raubkatze, ein Panther. Das Licht schmerzte in seinen Augen. Suchend glitten seine Finger über die Hosentaschen. Endlich, da war sie ja. Die schwarze Sonnenbrille, die seine Augen vor dem grellen Leuchten schützen würde. Wo bin ich denn hingeflogen?, fragte er sich selbst, während er die hohen Gebäude betrachtete, die um ihn herumstanden. Von oben hatten sie überhaupt nicht so groß gewirkt. Oh, ein Souvenirladen. Toronto. Was? So weit konnte er doch nicht in vier Tagen geflogen sein! Aber das war jetzt erstmal unwichtig. Er versuchte wieder, sich auf sein Anliegen zu fixieren. Perfekt! Eine Frau, etwas älter als er, schätzungsweise 24 trat aus einem der Hochhäuser. Sie trug ein kurzes, schwarzes Kleid, dass sich perfekt ihren Rundungen anpasste. Sie setzte ihre Sonnenbrille auf und ging mit ihrer Aktentasche auf einen Mini Cooper zu. Er passte ganz und gar nicht zu ihr. Sie hatte dunkle Haare und dunkle Kleidung, ihre Augen waren dunkel geschminkt, doch das Auto war grell blau. Sie gefiel Damon. Außerdem war sie nicht klein und hatte vermutlich mehr Blut, als irgendeines dieser Teenagermädchen. Damon versuchte, sie zu beeinflussen, aber seine Kräfte waren zu schwach. Und wenn sie überhaupt noch bei ihr wirken würden, dann nicht aus dieser Entfernung. Er musste näher ran. Als er gerade die Straße überqueren wollte, fuhr sie los. Damon musste noch nicht einmal schneller laufen, als einer der anderen Fußgänger. Der Nachmittagsverkehr hielt sie an jeder Ampel auf. Sie fuhr auf den Parkplatz eines Steakhauses. Schnell stieg sie aus, es sah aber nicht abgehetzt aus, ganz im Gegenteil, es schien ihr ganz alltägliches Tempo zu sein. Elegant betrat sie das Restaurant. Die schwarzen Riemchen-Highheels verstärkten den Eindruck ihrer langen Beine nur. Sie schien sich dessen bewusst zu sein. Damon folgte ihr. In dem Restaurant war es kühler, angenehmer und lange nicht so heiß. Sie setzte sich an einen Tisch mit einem Reservationskärtchen. Er setzte sich so, dass er sie von hinten beobachten konnte, sie ihn aber nicht sah. Sie schien zu warten, und es sah so aus, als würde ihr das ganz und gar nicht gefallen. Ihr zu einem Pferdeschwanz zusammengebundenes Haar ging ihr bis zur Hüfte. Es war seidig und wies keinerlei Risse oder Spliss auf. Ihre Sonnenbrille hatte sie inzwischen wieder weggesteckt. Ab und zudrehte sie ihren Kopf und dann konnte Damon die große Vene sehen, die sich ihren Hals hinaufzog. Ihre Haut war hell, zu weiß für die Jahreszeit. Es löste ein so großes verlangen in ihm aus, dass er sich dabei ertappte, wie ihm beinahe Speichel aus dem offenen Mund gelaufen wäre. Schnell schloss er ihn.
>>Möchten Sie bestellen?<<, fragte eine junge Frau. Sie hatte kurzes blondes Haar und schien jünger zu sein, als Damons Beute. Mehr war sie für ihn nicht. Sie löste keinerlei Regung in ihm aus, außer dem Verlangen nach ihrem Blut.
>>Ja, einen Whiskey, den besten, den Sie haben.<<, sagte er.
>>Dann muss ich aber Ihren Ausweis sehen.<< Mist. Das hatte er gar nicht bedacht. Er nahm seine gesamte Macht zusammen und beeinflusste sie. Das Letzte, was er jetzt gebrauchen konnte, war ein Aufstand, so nahe dran, endlich wieder Blut zu kosten. Mit leerem Blick ging die Kellnerin auch zu ihrem Tisch. Noch bevor eine der Bestellungen gebracht worden war, stand Damon auf und ging zu den Toiletten. Er wusch sich das Gesicht und richtete seine Haare. Da hörte er etwas. Absätze von hohen Schuhen! Sie musste kommen. Er trat hinaus auf den Flur. Da stand sie, sie hatte gerade ihr Handy in der Hand und wollte jemanden anrufen. Jetzt strengte Damon sich so sehr an, sie zu manipulieren, dass er Kopfschmerzen bekam und sich total ausgelaugt fühlte. Aber es reichte. Sie kam auf ihn zu und zog ihn in die Besenkammer. Dort begann sie ihn zu küssen und als seine Lippen ihren Hals berührten, konnte er sich nicht mehr zurückhalten. Er trank einfach. Sie schrie weder noch beschwerte sie sich oder wunderte sich, was er da machte. Schließlich sank sie bewusstlos in seine Arme.
Eigentlich war sie ja ganz hübsch., dachte er. Gutes Blut.

Damon legte sie sanft auf einen Stuhl. Da fiel ihm auf, dass er kein Geld dabei hatte. Mit einem Griff in das Portemonnaie seines Opfers wurde dieser Zustand allerdings schnell wieder behoben. 50 Dollar. Das musste reichen. Er trat auf den Flur und fühlte sich schon stärker. Stärker, aber nicht stark genug. Die Kellnerin kam um die Ecke und wollte gerade aufs Angestellten Klo, als er sie von hinten packte und biss. Sie wollte schreien und sich wehren, aber diesmal war er stark genug, um sie richtig zu beeinflussen. Er brauchte nicht mehr viel Blut. Sie war bleicher als vorher, aber es würde den Menschen nicht auffallen.
Und jetzt, wirst du dich an nichts mehr erinnern!, befahl er ihr. Ohne auch nur nach dem Glas Whiskey zu gucken ging er aus dem Restaurant. Er musste irgendwohin. In ein Hotel. Aber mit 50 Dollars? Er schüttelte den Kopf. Seine Kräfte müssten jetzt reichen. Es wurde schon dunkler. Er hatte gar nicht gemerkt, dass es schon so spät war, als er gelandet war. Mit einem Taxi fuhr er schließlich zum nächsten Hotel. Während der Fahrt starrte er aus dem Fenster und dachte darüber nach, was er war. Er war ein Monster, ein Killer, ein skrupelloses Raubtier. Einerseits gefiel ihm dieser Gedanke, aber andererseits, wer würde so ein eiskaltes Wesen je verstehen oder lieben können? Ihm fiel keiner ein, erst recht nicht Bonnie…
>>Wir sind da. Das macht dann 15 Dollar.<<, unterbrach der Taxifahrer seine Gedanken. Zu seiner großen Überraschung bezahlte er sogar und versuchte die Überlegungen einfach abzuschütteln. Aber er schaffte es nicht. Er dachte die meiste Zeit an Bonnie. Irgendetwas hatte dieses Mädchen an sich gehabt, dass ihn dazu gebracht hatte Fell´s Church zu verlassen. Er… wollte sie schützen. Schützen, vor dem, was er war.
Die Empfangsdame war kein Problem für ihn. Relativ alt, schwach. Wortlos überreichte sie ihm einen Schlüssel für eines der höheren Zimmer. Als er im Aufzug stand, konnte er die Feindseligkeit der Menschen um ihn herum fühlen. Vor einem Jahr noch hätte ihm das nichts ausgemacht. Jetzt fühlte er sich allerdings nur in seiner Meinung gegenüber sich selbst bestätigt.
Er öffnete die Zimmertür. Es war geräumig und hatte schwere Vorhänge. Hier konnte er sich ausruhen. Damon ließ sich auf das Bett fallen und schlief sofort ein.

Liebes Tagebuch, im Bett, 28. August, 23.00 Uhr,
eigentlich sollte ich schon längst schlafen, aber ich kann es einfach nicht. Damon ist jetzt fast einem Monat weg und ich hab immer noch das Gefühl, dass irgendwas mit mir nicht stimmt. Überall wo ich hingehe, habe ich das Gefühl, dass er gleich hinter mir auftaucht, aber er kommt nie. Ich vermisse ihn und es fühlt sich an, als fehle ein Stück von mir, meinem Herzen. Ja, ich weiß, dass sich das total naiv anhört. Manchmal würde ich ihn gerne rufen, aber dann wüsste ich nicht, wie ich ihm das erklären sollte. Immerhin ist er ein Vampir. Ein Einzelgänger. Er braucht mich nicht. Er braucht niemanden, weder jetzt noch in Zukunft. Dieser Gedanke macht mich sehr traurig. In letzter Zeit war es sogar so schlimm, dass ich einmal geheult habe. Kannst du dir das vorstellen, liebes Tagebuch? Nein, ich auch nicht. Ich weiß noch, dass Meredith so gewirkt hat, als wüsste sie ganz genau, was los ist. Aber ich habe Angst, ihr das zu sagen. Und nicht nur ihr. Ich habe absolut keine Ahnung, wie ich das Elena oder Stefano erklären sollte. Denen geht es wie immer. Sehr gut. Nachdem Elena wieder bei ihrer Tante eingezogen war, hatte sie auch nichts mehr dagegen, dass sie Stefano heiraten will. Meredith hat immer noch nichts von Alaric gehört. Er hat sich nicht einmal gemeldet. Meine Mutter kommt die Treppe hoch. Ich schreib morgen weiter.



Liebes Tagebuch, 28. August, 23.12 Uhr, immer noch in meinem Bett,
Mum hat mir tatsächlich abgekauft, dass ich schlafe! Aber das kann mich auch nicht ablenken. Je länger ich im Bett liege und darüber nachdenke, desto mehr vermisse ich ihn. Ich hab wieder versucht mir einen Grund zu überlegen, weshalb ich ihn rufen könnte. Vergeblich. Mir bleibt wohl nichts anderes übrig, als hier in meinem Bett zu liegen und Trübsal zu blasen. Ich muss jetzt wirklich schlafen.
Bis dann, liebes Tagebuch, gute Nacht!

Bonnie schloss ihr Tagebuch und rollte sich auf die Seite. Na, wenigstens ist er in deinen Träumen bei dir., dachte sie sich und versuchte, vor ihrem geistigen Auge ein Bild von ihm heraufzubeschwören. Da war er. In all seiner verwirrenden Perfektion, Anmut und mit seinem wunderschönen, aristokratischen Gesicht. Seine schwarzen Haare und Augen. Diese Augen… Wie der Himmel ohne Sterne. Schließlich siegte der Schlaf.

Keuchend wachte Damon auf. Kalter Schweiß lief ihm die Stirn hinab. Oh… Es war nur ein Traum. Aber er war so real gewesen… Er hatte Bonnie in seinen Armen gehalten. Aber sie war nicht mehr die Bonnie gewesen, die er vor fast einem Monat geküsst hatte. Sie war eine seinesgleichen geworden. Er schüttelte den Kopf und setzte sich auf. Du weißt, dass du nicht mehr lange von ihr davonlaufen kannst!, sagte er zu sich selbst. Ich könnte auf sie aufpassen… Aus dem Verborgenen versteht sich.
Was denkst du denn da, du Vollidiot! Du wirst gar nichts tun, du wirst hier bleiben!, schalt er sich selbst. Aber aus irgendeinem Grund war dieser Traum anders als alle zuvor. Fast lag eine Dringlichkeit darin, als habe sie wirklich mit ihm geredet… Als habe sie ihn… gerufen.
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