The Kyuubi Code

von Cath-
GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
Naruto Uzumaki Sasuke Uchiha
07.03.2013
22.10.2019
50
318203
87
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Dieses Kapitel
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Herzlich Willkommen zu meinem Langzeit-Projekt, meinem Riesenbaby und irgendwo auch meinem Liebling!

Die Geschichte liegt mir wirklich sehr am Herzen, weil es so ziemlich das erste ist, was ich damals (ich glaube, es war 2012) geschrieben habe. Hiermit hat es also begonnen, meine Liebe (und manchmal auch Frustration) zum Schreiben. Dass ich sie jetzt wirklich beendet habe, kann ich selbst nicht so wirklich glauben, weil es so viele Jahre gedauert hat.

Zur Geschichte:
Ja, hier taucht ein OC auf. Aber nein, sie ist keine Superheldin. Und diese Geschichte handelt auch nicht von ihr, sondern von Naruto und Sasuke und deren Entwicklung, sie ist lediglich ein Teil davon :) Selbst wenn ihr also sonst kein Fan von OC's seid (wozu ich mich auch zähle), könnte euch diese FF trotzdem gefallen :)

Die ersten Kapitel sind übrigens schon ultra alt und unterscheiden sich vom Schreibstil her etwas von den neueren. Davon nicht irritieren lassen, ich hoffe natürlich, dass ich mich mit der Zeit verbessert und nicht verschlechtert habe :D Ich versuche auch immer mal wieder, ein bisschen zu überarbeiten :D

Genug gequatscht ... Ich hoffe sehr, dass ihr Spaß an diesem kleinen Brocken habt, der viel länger geworden ist, als ich es jemals erwartet hätte ... :)

Liebe Grüße
Cath :3




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„Erinnerst du dich noch an die eine gestern Nacht? Die mit den großen Titten?“

„Aber hallo!“ Und ob sich Kiba daran noch erinnerte. Sie hatten gestern wirklich einiges zu gucken gehabt. Er schlenderte neben Naruto entlang, der es irgendwie eilig zu haben schien, denn er warf jetzt schon zum dritten Mal einen Blick auf die Uhr seines Handys, das er danach immer wieder in seiner Hosentasche verstaute.

„Die waren fast so groß wie die von Hinata!“

Die Bemerkung ließ Kiba ruckartig zum Stehen kommen und auch sein Mund stand eine Sekunde lang ungläubig offen, als sein blonder Kumpel seine feste Freundin mit ins Spiel brachte.

„Alter, Naruto, rede nicht über die Brüste meiner Freundin! Willst du etwa was von ihr?!“, unterstellte er ihm sofort.

„Quatsch, krieg dich ein“, versuchte Naruto ihn lachend zu besänftigen. Er hatte doch nur einen ganz objektiven Vergleich gezogen. Aber Kiba war so unendlich empfindlich, sobald es um Hinata ging. Im Endeffekt hatte er ja doch nur Augen für sie.  

„Besser für dich“, grummelte Kiba dann etwas ruhiger und Naruto warf grinsend einen weiteren Blick auf die Uhrzeit, bevor er sagte:

„Ich muss jetzt echt los, du hast mich schon wieder voll aufgehalten.“

„Ey, was heißt denn hier schon wieder?!“

„Letzte Nacht? Du hast mir solange die Ohren vollgeheult, bis ich doch mit dir Feiern gegangen bin, obwohl ich die letzte Überarbeitung von meinem Manuskript noch einmal hätte lesen müssen“, erinnerte Naruto seinen Kumpel daran, wie dieser ihn von der Arbeit abgehalten hatte.

„Na und? Du hattest doch Spaß, oder?“

„Klar, aber Jiraiya bringt mich dafür gleich um…“ Während er an seinen Verlagschef dachte, schlich sich ein Grinsen auf seine Lippen. Umbringen würde ihn der alte Mann wahrscheinlich nicht, aber zumindest würde er sehr schlechte Laune haben, weil Naruto jetzt schon zum mindestens zehnten Mal viel zu spät zu irgendeiner Deadline erschien.

„Stell dich nicht so an, Alter. Wir haben uns wochenlang nicht gesehen, weil du die ganze Zeit nur geschrieben hast! Bitte verzeih mir, dass ich meinen besten Freund nur ein einziges Mal zu Gesicht bekommen wollte!“ Den letzten Teil sprach Kiba mit höchsttheatralischer Stimme, als würde sein Leben davon abhängen, dass er jetzt noch Zeit mit Naruto hatte verbringen können. Dabei waren sie sich gerade nur zufällig über den Weg gelaufen, Naruto war auf dem Weg zu seinem Verlag und Kiba wollte seine Freundin in der Mittagspause erwischen.

„Kiba, du hast 'nen Knall, echt jetzt!“, sagte Naruto lachend, was den anderen auch zum Grinsen brachte.

„Das musst du gerade sagen!“

„Gerade ich darf das sagen. Okay, ich muss jetzt aber wirklich los.“ Um nicht noch mehr Zeit zu verlieren, verabschiedete er sich schnell von seinem Kumpel und rannte die letzten paar hundert Meter zu seinem Ziel.

Nach wenigen Minuten des Rennens blieb er schwer atmend vor einem großen, gläsernen Gebäude stehen, an dem in gigantischen Großbuchstaben die Worte „Sannin Verlag“ prangten. Naruto hielt kurz inne, atmete noch einmal tief durch, setzte sein bestes Lächeln auf und betrat das Gebäude. Jetzt musste er sich nur noch eine ganz charmante Ausrede einfallen lassen, warum er schon wieder zu spät dran war!

Im Inneren herrschte ein ungemeines Gewusel. Wo man auch hinsah waren Menschen, die es alle unglaublich eilig hatten und dabei auch noch extrem wichtig wirkten. Es war nicht ganz so schlimm wie in der Uchiha Company, in der sein bester Freund und Lieblingsfeind Sasuke arbeitete, aber wenn man so viel Arbeitsalltagsstress nicht gewöhnt war, konnte es ganz schön beeindruckend und ehrfürchtig sein. Jedenfalls fühlte sich Naruto jedes Mal wenn er diese riesige Eingangshalle betrat, in der irgendwie alles nur aus Glas bestand und dadurch noch teurer aussah, wie ein klitzekleines, unbedeutendes Individuum, was niemals aus der Masse herausstechen würde. Und dabei trug er mit seinen Büchern, die gerade bei der jüngeren Leserschaft beliebt waren, auch einen Teil zum Erfolg des Verlags bei.

„Hey, Naruto!“, riss ihn eine Stimme aus seinen Gedanken. Er wandte seinen Kopf herum und erblickte Tenten, eine Freundin von ihm, welche an ihrem – natürlich gläsernen – Schreibtisch saß und ihm freundlich zulächelte.

„Hey, wie geht’s dir?“ Und schon war Naruto wieder abgelenkt, auch wenn er überhaupt keine Zeit für eine Unterhaltung hatte. Aber es war immer nett, sich mit Tenten zu unterhalten, die ständig eine strenge Frisur trug, obwohl sie eigentlich ein recht lockerer Mensch war.

„Gut geht’s mir. Und Naruto, Jiraiya hat mich in den letzten paar Stunden mindestens fünfmal angerufen und gefragt, wo du bleibst“, erzählte sie und zwinkerte Naruto, der schuldbewusst lächelte, einmal zu.

„Ich weiß, ich weiß! Ich bin spät dran…“

„Mal wieder“, neckte Tenten ihn freundschaftlich.

„Hey, aber dafür sind es heute nur drei Stunden – beim letzten Mal war ich drei Tage zu spät!“

„Man muss es positiv sehen, was?“

„Richtig!“

„Na dann, ab, erklär das mal Jiraiya.“

„Bin schon unterwegs“, rief er ihr noch zu, während er schnell auf den Aufzug zu rannte. Er konnte gerade noch so sehen, wie Tenten ihm kopfschüttelnd hinterher sah, da schlossen sich auch schon die Türen des Aufzugs und dieser brachte ihn in den vierten Stock, in die Chefetage.

Hier oben sah alles wieder relativ normal aus. Eigentlich war auch nur die Eingangshalle so unglaublich verglast, die restlichen Etagen sahen ganz gewöhnlich aus. Zwar immer noch teuer, aber weniger extravagant.

Ohne noch einen weiteren Gedanken an irgendwas zu verschwenden, hastete er auf eine Tür am Ende des Ganges zu. Mit einem frechen Grinsen im Gesicht öffnete er die Tür sehr schwungvoll und ohne zu Klopfen, bevor er selbstsicher eintrat.

„Jiraiya“, flötete Naruto mit ganz unschuldiger Stimme, als er auf den großen Schreibtisch zutrat, hinter dem ein älterer, jedoch sehr kräftiger Mann mit schneeweißen Haaren saß und in einem kleinen Buch las.

„Naruto, wie nett, dass du mir auch mal die Ehre erweist, hier aufzutauchen!“

Naruto versuchte sein Lächeln nicht zu verlieren, als der alte Mann ihn so angesäuert anblickte.

„Tut mir leid, aber ich musste mir eben unbedingt noch ein paar Szenen durchlesen, weil mein Lektor da noch irgendwas geändert hat. Es ging wirklich nicht schneller!“, versuchte er sich rauszureden – doch vergeblich.

„Interessant, dein Lektor hat mir nämlich gesagt, dass er dir die letzte Überarbeitung vorgestern bereits gesendet hat. Du hattest also zwei Tage, um die zu lesen. Und es waren wirklich nur ein paar Szenen, an denen er letzte Änderungen vorgenommen hat.“

Ergeben ließ Naruto für einen Moment den Kopf hängen. „Na gut, ich gebe es zu! Vorgestern hatte ich einfach keine Lust und gestern da … da konnte ich nicht.“

„Du konntest nicht?“, hakte Jiraiya nach. Naruto kratzte sich schuldbewusst am Hinterkopf, so wie er es immer tat, wenn er nervös war, oder unter Druck stand.

„Ja, ist doch jetzt auch egal!“, versuchte er das Thema endlich zu beenden. Er wollte Jiraiya nicht sagen, dass er gestern feiern gewesen war, da Kiba ihn dazu hatte überreden können, nur weil dieser heute mal einen freien Tag hatte und Naruto der Einzige war, der sich seine Arbeitstage normalerweise nach Belieben aussuchen konnte. Das würde seinem Chef bestimmt nicht gefallen…

„Okay, vergessen wir's, du Sturkopf“, stöhnte Jiraiya genervt von Narutos haltlosen Ausreden.

„Super!“ Wieder entspannt kramte Naruto in seiner Hosentasche herum, bis er endlich fand, wonach er gesucht hatte. Dann legte er Jiraiya einen kleinen, silbernen USB-Stick auf den Tisch, der diesen sofort an sich nahm.

Wie jedes Mal, wenn er das kleine Speichergerät in den Händen hielt, besserte sich Jiraiyas Laune sofort. Für den alten Mann war es sehr wichtig, wenigstens einen USB-Stick persönlich überreicht zu bekommen, wenn es denn schon zu aufwendig war, jeden Satz per Hand auf richtiges Papier zu bringen. Ihn störte es, dass sich die Menschheit mittlerweile nur noch auf die Elektronik verließ, aber selbst er kam nicht drum herum. Um wenigstens ein klein wenig Tradition in die ganze Angelegenheit zu bringen, suchte er den Dialog mit jedem einzelnen seiner Autoren, wenn diese kurz vor einer neuen Veröffentlichung standen. Dass er sich damit von anderen Verlagen grundlegend unterschied, war genau der Grund, warum Naruto ihn so mochte.

„Du hast also den letzten Teil deiner Ninja-Trilogie beendet, Respekt!“

„Das hab ich wohl!“

Anerkennend blickte Jiraiya zu Naruto hinauf, welcher breit grinsend vor ihm stand. „Hast du noch was geändert, oder ist das jetzt die korrigierte Version?“

„Nee, hab nichts mehr geändert. Mein Lektor hatte nur noch ein paar Kleinigkeiten verändert und die haben Sinn gemacht, also habe ich es so gelassen.“

„Alles klar. Das Cover und alles weitere haben wir ja auch schon besprochen, deswegen würde ich sagen, können wir so schnell wie möglich in den Druck gehen.“

Bei diesen Worten strahlte Naruto noch mehr als zuvor. Er war jedes Mal aufgeregt wie ein kleines Kind, wenn eines seiner Werke kurz vor dem Druck stand. Und wenn er das fertige Buch dann endlich in den Händen halten durfte, dann war das die beste Belohnung für all die investierten Stunden, die man ihm geben konnte. Zusammen mit ein paar leckeren Ramen vielleicht, denn die aß er wirklich für sein Leben gern!

„Hast du diesmal eigentlich auch ein paar schmutzige Szenen eingebaut?“, wollte Jiraiya plötzlich mit einem versauten Grinsen auf den Lippen wissen. Naruto hingegen verdrehte genervt die Augen. Das war ja so klar gewesen… Jiraiya war nämlich nicht nur sein Chef, sondern auch ein totaler Perversling, der sich den ganzen Tag nur irgendwelche Schmuddel-Romane reinzog und auch selber eine sehr erfolgreiche Reihe verfasst hatte.

„Nein, hab ich nicht! Das ist ein Buch für Kinder und Jugendliche und nicht für alte, notgeile Affen!“

„Wen nennst du hier einen Affen?“, empörte er sich gespielt. Er wusste selbst, was für perverse Fantasien er hatte – und er stand dazu. Naruto konnte sich glücklich schätzen, dass jemand wie Jiraiya diesen Verlag führte, der auch einen Witz verstand, und nicht irgendein verklemmter Schlipsträger, der den ganzen Tag nur schlechte Laune verbreitete. Bei diesen Gedanken kam ihm automatisch Sasuke in den Sinn, der auf seiner Arbeit nicht gerade ein herzlicher Chef war. Oh ja, Naruto war unglaublich froh, dass er nicht für Sasuke arbeitete!

Apropos, Sasuke… den hatte er auch länger nicht mehr gesehen. Oder zumindest nie länger als zwei Minuten – und das, obwohl sie zusammen wohnten! Aber irgendwie verpassten sie sich immer, denn Naruto stand morgens erst auf, wenn Sasuke schon lange auf der Arbeit war und ging erst ins Bett, wenn Sasuke schon lange schlief. Da lief man sich eben nicht so häufig über den Weg…

Vielleicht sollte er Sasuke einen Besuch auf der Arbeit abstatten; das hatte er früher oft getan, wenn dieser gerade Mittagspause und Naruto nichts zu tun hatte. Und am besten mit einer ordentlichen Portion Ramen! Ja, das klang nach einem Plan!

Die Lust auf Ramen ließ ihn nicht mehr los und so verabschiedete er sich schnell von Jiraiya, nachdem sie alles Wichtige besprochen hatten. Es war sowieso besser, wenn er nicht allzu viel Zeit mit dem alten Mann verbrachte, denn er befürchtete, dass sonst irgendwas von seinen Perversionen auf ihn abfärben würde…


***


Sasuke platzte der Schädel. Im übertragenen Sinne. Heute war einer der stressigsten Tage überhaupt! Erst die zu nichts führende Telefonkonferenz heute Morgen, dann das blöde Meeting, wo er sich mit seinen Mitarbeitern darüber streiten durfte, was ihnen bei der derzeitigen wirtschaftlichen Lage die meisten Vorteile bringen würde, und dann hatte sein großer Bruder auch noch rumgenervt. Und der Arbeitstag war gerade mal zur Hälfte vorbei. Es würde zum Nachmittag hin bestimmt noch schlimmer und stressiger werden.

Gott, er verfluchte diesen Tag! Er hätte heute Morgen einfach im Bett bleiben sollen, sollten sich doch andere um den Scheiß hier kümmern, was interessierte es ihn schon, was mit dieser verdammten Firma passierte? Tag ein, Tag aus hatte er immer dieselbe Routine. Sein ganzes Leben drehte sich doch nur um seine Arbeit! Wann bitteschön hatte er mal ein bisschen Freizeit, ein wenig Zeit für sich? Hatte das Wort „Privatleben“ überhaupt noch eine Bedeutung für ihn? Er hatte doch gar keins, Dank dieses Jobs, für den er sich nicht einmal so wirklich interessierte!

Keine Sekunde später schalt Sasuke sich auch schon für diese Gedanken. So durfte er nicht denken. Er musste sich für die Firma interessieren. Er musste hier sitzen und gemeinsam mit seinem Bruder Itachi diese Firma führen und immer erfolgreicher machen. Seine Eltern hätten es so gewollt…

Schnell sammelte er sich wieder. Hier lag noch jede Menge Arbeit rum, auf die er sich jetzt konzentrieren musste. Diese ganzen Aktenstapel erledigten sich schließlich nicht von alleine…


***


„Na, na, na, das sieht mir aber nicht nach arbeiten aus!“

Erschrocken fuhren Kiba und Hinata auseinander, die sich eine Sekunde zuvor noch geküsst hatten. Als ihnen gleich darauf auch schon Narutos belustigtes Lachen entgegenschallte, entspannten sie sich wieder auf ihren Stühlen.

„Alter, wir dachten, du bist der Uchiha!“, beschwerte sich Kiba auch sogleich, doch Naruto vergnügte das nur umso mehr.

„Ihr hättet eure Gesichter sehen sollen!“, prustete er von neuem los. Kiba verschränkte daraufhin nur beleidigt die Arme vor der Brust. Doch so falsch hatte er mit seiner ersten Annahme, dass da Sasuke hinter ihnen stand, gar nicht gelegen. Denn mit den Uchiha-Brüdern, den Geschäftsinhabern, war nicht zu spaßen. Bei Itachi und Sasuke ging es nur um die Arbeit, das Privatleben hatte in der Firma nichts zu suchen. Besonders von Hinata, die Sasukes persönliche Assistentin war, erwartete der Jüngere vollste Konzentration. Besuche ihres Freundes sah er deshalb gar nicht gerne.

In Kibas Augen waren die Uchihas allerdings einfach nur sexuell frustriert und konnten es deshalb nicht haben, wenn andere glücklich waren.

„Willst du zu Sasuke, Naruto?“, meldete sich nun auch Hinata zu Wort, die dabei mit den Spitzen ihrer langen, dunklen Haare spielte und aus hellen Augen unter ihrem geraden Pony hervorblickte. Naruto nickte daraufhin nur und steuerte auch schon zielstrebig die Bürotür seines Freundes an, welche sich direkt neben Hinatas Schreibtisch befand.

„Also dann, wir sehen uns“, meinte Naruto noch grinsend, während er die Tür öffnete – wieder ohne zu klopfen, natürlich.

„Warte, Sasuke will nicht-“, setzte sie schnell an, doch da war er schon im Büro verschwunden und hatte die Türe wieder hinter sich geschlossen.

„-gestört werden“, murmelte Hinata mit einem Seufzen und ließ sich zurück in ihren Stuhl sinken, aus dem sich sie kurz zuvor unbewusst erhoben hatte, um Naruto aufzuhalten.

„Was meinst du, wie lange es dauert, bis Naruto da wieder raus kommt?“, fragte Kiba mit einem schelmischen Grinsen im Gesicht. Es war unter den Freunden allgemein bekannt, dass Naruto und Sasuke es nicht wirklich lange im selben Raum miteinander aushielten, ohne sich in die Haare zu kriegen. Und gerade für Kiba war es ein riesiger Spaß, das mit anzusehen.


***


„Ich hab doch gesagt, dass ich nicht gestört werden will“, keifte Sasuke sofort los, ohne aufzusehen. Auf seinem Tisch lagen mehrere Aktenstapel, was für Naruto nach einem Durcheinander aussah, für Sasuke aber wahrscheinlich irgendeine Ordnung darstellte.

Sasuke sah aus wie immer, stellte Naruto fest. Sein strenger Anzug war einwandfrei gebügelt, die pechschwarzen Haare waren wie üblich nach hinten gestylt, nur vorne hingen einige lockere Strähnen. Obwohl, waren seine Haare etwas kürzer? Naruto überlegte einen Moment und kam zu dem Schluss, dass Sasuke wohl vor kurzem beim Friseur gewesen sein musste. Bei dieser Erkenntnis fiel ihm wieder auf, wie wenig sie in letzter Zeit doch voneinander mitbekommen hatten. Doch das wollte er jetzt unbedingt wieder ändern!

Sasukes genervte Tonlage, die ihn noch nie eingeschüchtert hatte, ignorierend, antwortete Naruto:

„Ich kann auch wieder gehen, aber dann kriegst du nichts zu essen.“

Erst jetzt riss Sasuke seinen Blick von seinen Unterlagen los und blickte seinem Freund entgegen, der grinsend sein Mitbringsel auf seinem Tisch abstellte. Und nicht nur auf seinem Tisch, nein, sondern auch noch ganz frech auf einigen Dokumenten, die zufälligerweise sehr wichtig waren. Leise knurrend schob er das Essen wieder in Narutos Hände, der es einfach wieder festhielt.

„Ich hab zu tun. Essen kann ich auch später.“

Naruto verdrehte die Augen. Musste der aber auch wirklich immer so negativ klingen? Da konnte ihm doch glatt seine gute Laune vergehen…

„Ach, komm schon. Kannst du nicht eine kurze Pause einlegen? Ich hab jetzt extra was besorgt, damit wir zusammen essen können“, versuchte er Sasuke umzustimmen, der unbeeindruckt eine Augenbraue in die Höhe zog.

„Und? Ich habe dich nicht drum gebeten.“

„Außerdem habe ich gerade meinen letzten Band zum Verlag gebracht!“, fügte Naruto noch schnell hinzu, als ob das irgendetwas an der Situation ändern würde. Zumindest veränderte es Sasukes steinharten Gesichtsausdruck, denn jetzt verzogen sich seine Lippen zu einem spöttischen Grinsen. Und so viel wusste Naruto schon mal: Ein Lob würde er von seinem Freund jetzt sicher nicht zu hören bekommen.

„Lass mich raten, du hast die Deadline schon wieder verschlafen“, stellte Sasuke fest, während er sich in seinem Schreibtischstuhl, der viel eher einem Sessel glich, zurücklehnte und dabei extrem überheblich wirkte. Er wusste genau, wie unzuverlässig Naruto war, wenn es um das Einhalten von Terminen ging und er rieb es ihm immer wieder gerne unter die Nase.

Finster funkelte Naruto sein Gegenüber aus seinen strahlend blauen Augen an. Er hasste sich dafür, dass er sich immer wieder von Sasuke provozieren ließ. Aber er konnte einfach nichts dagegen tun! Dieses arrogante Grinsen, argh! Das brachte ihn einfach auf die Palme!

„Willst du jetzt was essen oder nicht?“, quetschte Naruto schließlich zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. So langsam verging ihm die Lust aufs Sasukes Gesellschaft auch schon wieder! Er musste sich wirklich so was von zusammen reißen, um jetzt nicht an die Decke zu gehen! Blöder Teme!

„Muss ich es für dein langsames Hirn wirklich noch einmal wiederholen?“

Okay, das war genug!

„Dann halt nicht! Verhungere doch! Mein Ramen ist eh viel zu schade für einen Bastard wie dich!“, platzte es wütend aus Naruto heraus. Jetzt verschwand auch Sasukes überhebliches Grinsen und er zog stattdessen finster die Augenbrauen zusammen.

Doch bevor Sasuke zu einer Antwort ansetzen konnte, war Naruto auch schon fuchsteufelswild aus seinem Büro gerauscht, vorbei an Hinata und Kiba, die ihm ein wenig perplex hinterher sahen. Das hatte heute wirklich nicht lange gedauert, bis die beiden sich mal wieder gestritten hatten.

„Die sind echt wie ein altes Ehepaar!“, entkam es Kiba belustigt, der sich im Gegensatz zu Hinata, der bei Auseinandersetzungen immer unwohl wurde, köstlich darüber amüsieren konnte. Es war doch einfach nur zum Schießen!

„Manchmal verstehe ich nicht, warum sie zusammen wohnen“, äußerte Hinata leise ihre Gedanken. Und diese Frage stellte sie sich wirklich häufig! In ihren Augen machte es keinen Sinn, mit jemandem zusammen zu wohnen, wenn man sich doch täglich stritt…

„Tja, die können halt nicht mit und nicht ohne einander.“ Für Kiba war das Thema damit beendet und er drehte seine Freundin wieder zu sich herum, um sie zu küssen. Doch dabei wurde er keine Sekunde später jäh unterbrochen.

„HINATA!“, donnerte Sasukes Stimme bis zu ihnen nach vorne, wodurch die Angesprochene kurz zusammenzuckte, so laut hatte Sasuke gebrüllt. Manchmal machte ihr Chef ihr ein bisschen Angst, gerade dann, wenn er sich mit jemandem gestritten hatte und so zornig war…

„Ja?“ Ihre Stimme klang verunsichert und würde Sasukes Türe nicht offen stehen, was ihr erst jetzt auffiel, hätte er sie vermutlich gar nicht gehört.

„Mach sofort meine Tür zu! Und wenn ich das nächste Mal sage, dass ich nicht gestört werden will, dann mein ich das auch so!“

Hinata tat blitzschnell, wie ihr geheißen und wagte es nicht, noch irgendetwas zu erwidern. Es war vollkommen egal, was sie jetzt sagen würde, sie kannte Sasuke zumindest so gut, dass sie wusste, dass er es nicht hören wollte und dadurch nur noch gereizter werden würde.

Kiba schaute inzwischen auch finster drein. Es hasste es, wenn der arrogante Uchiha so mit seiner Freundin umging. Ständig ließ er seinen Frust an ihr aus! Und jedes Mal, wenn er kurz davor war, ihm so richtig die Meinung zu geigen, hielt ausgerechnet Hinata ihn davon ab. Sie sagte immer, dass er es nicht so meine und einfach nur übermäßig gestresst sei.

Auch jetzt kam sie auf ihn zu und lächelte ihn wieder so entschuldigend an. Sie wusste genau, was er dachte und von der ganzen Sache hielt. Also strich er ihr einfach nur durch ihre langen, dunklen Haare und versuchte, seinen Ärger zu unterdrücken. Es brachte ja sowieso nichts. Im schlimmsten Fall würde er nur erreichen, dass seine Freundin ihren Job verlor und das wollte er am allerwenigsten.


***


Naruto war wütend. Nein, mehr als das: Er war fuchsteufelswild!

Verdammt, es regte ihn so sehr auf, dass Sasuke sich immer wie der Teme, der er nun einmal war, verhalten musste! Konnte der nicht einmal nett und dankbar sein?! In solchen Momenten fragte er sich immer, warum er überhaupt mit Sasuke zusammenwohnte, warum er ihn überhaupt gefragt hatte! Er hätte lieber Kiba oder so fragen sollen, der hatte wenigstens nicht solche Stimmungsschwankungen!

Wieso regte es ihn überhaupt noch auf? Hätte er sich das nicht denken können? Es war doch klar gewesen, oder nicht? Und jetzt war er ausgerechnet wegen so einer Banalität so unglaublich zornig, dass ihm fast die Lust auf Ramen vergangen war! Der Arsch wusste einfach immer, welche Knöpfe er bei ihm drücken musste, um Naruto in weniger als zwei Minuten ausrasten zu lassen!

Aber nicht heute! Er würde sich von Sasuke nicht sein Essen versauen lassen, auf das er sich so gefreut hatte! Er hatte auch andere Freunde, die ihn noch dazu nicht wie Scheiße behandelten!

Mit einer Hand fischte er sein Handy aus der Hosentasche und suchte eine bestimmte Nummer in seiner Kontaktliste, ohne auch nur einmal stehen zu bleiben.
Es dauerte nicht lange, da meldete sich auch schon eine weibliche Stimme:

„Sakura Haruno?“

„Hey, ich bin’s…“, sprach er immer noch verärgert in den Hörer. Und seine Freundin hörte es sofort.

„Ah, hey, Naruto! Was ist los? Du hörst dich nicht glücklich an…“

Naruto entkam ein Seufzen. Sakura das jetzt alles zu erklären, würde zu lange dauern. „Nicht so wichtig! Willst du mit mir Mittag essen? Ich hab gerade meinen letzten Band zum Verlag gebracht!“

„Was, ehrlich?“

„Ja, ehrlich.“

„Wow, das freut mich total! Ich bin stolz auf dich, Naruto!“

„Danke“, sagte er leise und weniger euphorisch, als er es selbst erwartet hätte. Klar, er freute sich über das Lob, es machte ihn glücklich. Aber ihm war auch bewusst, dass ihn das Lob aus dem Mund einer anderen Person noch viel glücklicher gemacht hätte…

Verdammt, wieso musste er jetzt schon wieder an den Teme denken? Es konnte ihm doch egal sein, was der Blödmann dachte oder von ihm hielt…

„Aber wegen Essen gehen … Heute ist’s schlecht, ich stecke mitten in meiner Schicht und habe eigentlich nicht einmal Zeit, mit dir zu telefonieren“, gestand Sakura und zog Naruto damit aus seinen Gedanken. Natürlich, was sonst? Hätte er sich doch denken können. Als Assistenzärztin war Sakura unglaublich beschäftigt und das häufig Tag und Nacht. Dass sie da ganz spontan keine Zeit für ein Mittagessen hatte, war doch allgemein bekannt.

„War ja klar…“, murmelte Naruto jetzt doch ein bisschen enttäuscht.

„Hey, wir holen das nach, und dann feiern wir, dass du deinen Roman fertig hast, ja? Freitag habe ich ein paar Stunden frei, ich komme einfach bei dir vorbei und dann unternehmen wir was, okay?“

Jetzt gerade fühlte sich Naruto, als wäre er ein kleines Kind, für das keiner Zeit hatte und Sakura seine große Schwester, der immer neue Ausreden einfielen, warum sie jetzt nichts spielen konnten … Es war ein ätzendes Gefühl!

„Okay, können wir machen.“

„Super! Ich muss dann auch wieder auflegen, wir sehen uns, Ciao!“

Und bevor Naruto auch nur den Hauch einer Chance hatte, sich zu verabschieden, hatte Sakura schon aufgelegt.

Verstimmt ließ er sein Handy wieder in seiner Hosentasche verschwinden und schaute mit finsterem Blick auf seine Mahlzeit hinab. Er hasste es, alleine zu essen.


***


Sasuke sog die frische Luft beinahe gierig in seine Lungen auf. Es war eine gute Idee gewesen, zu Fuß zur Arbeit zu gehen. So kam er wenigstens ab und zu raus.
Denn auch wenn Sasuke die Natur liebte, blieb ihm kaum eine Möglichkeit, sonderlich viel Zeit draußen zu verbringen. Im Gegenteil, seit fast drei Jahren spielte sich sein Leben ausschließlich in seinem Büro ab. Aber er hatte es so gewollt, hatte sich bewusst dazu entschieden, direkt nach dem BWL-Studium seinen Teil vom Erbe anzutreten. Er hatte sich schon als kleines Kind, genaugenommen seit seine Eltern verunglückt waren, geschworen, eines Tages die Firma mit seinem Bruder zu leiten. Und diesen Schwur hatte er bis zu dem heutigen Tage ausnahmslos eingehalten, auch wenn es ihn viele mühsame Stunden an harter Arbeit gekostet hatte.

Doch darüber wollte er jetzt nicht nachdenken, er wollte wenigstens für wenige Minuten am Tag die Arbeit vergessen und einfach nur die Ruhe genießen, die hier draußen herrschte.

Und es war wirklich ruhig. Hier hörte man lediglich ein paar zwitschernde Vögel, da raschelte es in den Büschen und je näher er dem See kam, desto öfter hörte er ein paar Enten quaken.

Sasuke ging keinen öffentlichen Weg, nein, genaugenommen befand er sich sogar auf seinem eigenen Grundstück. Hier am Rande der Stadt lag dieses Stück Land, das seiner Familie gehörte. Es stand kein einziges Haus auf diesem Grundstück, eigentlich gab es nur einen kleinen See, der von einem kleinen Wald umrahmt wurde und die Natur wucherte hier in ihren schönsten Arten und Weisen. Es gab nicht mal einen richtigen Weg, man konnte es eher Trampelpfad nennen, der entstanden war, weil Naruto und er immer hier entlang gingen, sozusagen als „Abkürzung“, um schnellstmöglich von der Innenstadt zu ihrer Wohnung zu kommen.

Sonst gab es keine Menschenseele, die dieses Grundstück regelmäßig betrat, obwohl es so groß war, denn er war sich sicher, dass Itachi es nicht nutzte.

Sasuke wusste zwar, dass sich ab und zu ein Spaziergänger oder spielende Kinder trotz der spärlich aufgestellten Schilder an den Grenzen, die mit „Privatgrundstück. Betreten verboten“ beschriftet waren, verirrten, doch in der Regel hielt sich hier niemand mit Absicht auf. Dafür hatten die meisten zu großen Respekt vor der einst so einflussreichen Familie Uchiha.

Deswegen wunderte sich Sasuke umso mehr, als er heute am kleinen See und dem Steg vorbeikam (das Einzige, was nicht der Natur entsprungen war), und erneut jemanden entdeckte, der dort eigentlich nicht hingehörte. Er war zu weit weg, um die Person richtig erkennen zu können, doch er hatte sie schon öfter gesehen. Und wie jedes Mal saß sie einfach nur regungslos dort und blickte auf das ruhige Wasser, als würde sie es hypnotisieren wollen.

Er machte sich jedoch nicht die Mühe, hinzugehen und mit der Person zu sprechen. Solange sie nichts kaputt machte, oder fünfhundert Freunde mitbrachte, die das friedliche Paradies zerstörten, war es ihm relativ egal, wenn hier jemand ab und zu seine Ruhe suchte. Auch wenn er zugeben musste, dass es ihn schon ein klein wenig interessierte … Doch die Unlust, mit einer fremden Person zu sprechen, war größer als die Neugier. Er sprach sowieso nicht gerne und mit Fremden war es noch anstrengender, weil die nicht wussten, wie er tickte.

Deswegen schritt er einfach so lautlos wie möglich weiter, bis zu seiner Wohnung zurück.

Während er die Wohnung betrat, begann sein Magen zu knurren. Er hätte vorhin doch etwas essen sollen … Eigentlich hatte er Naruto gar nicht anmeckern wollen, aber er war den ganzen Tag schon genervt gewesen. Er hoffte, dass Naruto sich wieder eingekriegt hatte, normalerweise dauerte das nicht lange.

Doch gerade, als er den Kühlschrank öffnete, stieg erneut die Wut in ihm auf, und er schwor sich, Naruto das niemals mehr zu verzeihen!

War das etwa sein ernst?! Naruto saß den ganzen Tag zu Hause; gerade jetzt, wo er sein neues Buch beendet hatte, musste er doch unendlich viel Zeit haben … Und trotzdem, trotzdem war der Kühlschrank leer! Und zwar komplett leer! Gerade mal eine Packung Milch und ein halbvolles Glas Marmelade starrten ihm unbeeindruckt entgegen, während Sasukes Miene immer gefährlicher wurde.

Verdammt, er hatte gerade nicht übel Lust, Naruto den Hals umzudrehen! Manchmal hasste er es so sehr, sich eine Wohnung mit dem Chaoten zu teilen, der doch sogar seinen eigenen Kopf vergessen würde, wäre dieser nicht angewachsen!

Dass Naruto ab und zu seine Klamotten im Wohnzimmer rumliegen ließ, wäre ja gerade noch zu entschuldigen, aber auch sonst half der Vollidiot nicht die Bohne im Haushalt mit! Sasuke hatte sich schon damit abgefunden, dass er jeden Raum, bis auf Narutos Zimmer, selber putzen durfte, wenn er nicht im Dreck ersticken wollte, doch dass Naruto es jetzt nicht einmal mehr schaffte, ein bisschen Einkaufen zu gehen, war doch wirklich die Höhe! Und da behaupteten immer alle, er, Sasuke, sei egoistisch! Pustekuchen, Naruto dachte doch auch nur an sich und seinen eigenen Hunger!

Auch wenn sie sich heute bereits gestritten hatten und Sasuke es eigentlich dabei hatte belassen wollen … das konnte er nicht auf sich sitzen lassen. Sie teilten sich diese Wohnung nun mal und da war es doch wohl nicht zu viel verlangt, wenn Naruto auch ausnahmsweise mal mit anpackte und wenigstens ein paar Lebensmittel besorgte!

Mit dem Vorhaben, Naruto jetzt ordentlich den Kopf zu waschen, schritt er auf dessen Zimmertür zu und zog diese ohne einen weiteren Gedanken auf. Doch das stellte sich Sekunden später, als er die ersten Schritte in das Zimmer gewagt hatte, als fataler Fehler heraus…

Denn, scheiße, was war das für ein Gestank?!

Sasuke rümpfte angewidert die Nase und hielt sich aus Reflex eine Hand vor den Mund, was den unangenehmen Geruch aber auch nicht verschwinden ließ.
Todesmutig trat er noch einen weiteren Schritt vor, nur um festzustellen, dass Naruto gar nicht anwesend war. Hn, der traf sich bestimmt wieder mit Kiba oder so.

Verärgert stellte Sasuke fest, dass er sich jetzt völlig umsonst diesem Gestank ausgesetzt hatte. Und verdammt, es war wirklich ein übler Geruch hier drin! Es war nicht einfach nur muffig und stickig, als hätte Naruto seit Tagen nicht mehr gelüftet – was er sicherlich nicht getan hatte – sondern es lag noch etwas anderes in der Luft … als würde etwas verfaulen…

Von dem plötzlichen Drang geleitet, den Ursprung dieses Geruchs zu finden, ging er weiter in den Raum hinein, wobei er darauf achtete, dass seine Füße auch wirklich nur den Boden und nichts anderes berührten. Das stellte sich als gar nicht mal so einfach heraus, da fast Narutos gesamtes Parkett von etlichen Klamotten, sauberen und verdreckten, beschriebenen Collegeblöcken und anderem Krimskrams übersäht war, was Sasuke in dem ganzen Wirrwarr nur halb erkennen konnte.

Gott, wie konnte Naruto in diesem Zimmer nur schlafen?, fragte er sich, während er sich langsam, bedacht darauf, so wenig wie möglich zu berühren, auf seine Knie niederließ, um einen Blick unters Bett zu werfen. Sein Instinkt sagte ihm irgendwie, dass die Quelle des Gestanks sich hier befand.

Und verdammte Scheiße, wie Recht er damit hatte!

Sasuke war sich sicher, in seinem ganzen Leben noch nie etwas derart Abartiges gesehen zu haben, als seine Augen langsam aber sicher erkannten – oder besser gesagt, erahnten – was dort unter dem Bett mit der knallorangefarbenen Bettwäsche vor sich hin gammelte…

Mit viel Fantasie war es wohl mal eine Pizza gewesen, doch das konnte Sasuke nicht mit Sicherheit sagen, denn die Pizzen, die er kannte, bewegten sich normalerweise nicht.

Diese Erkenntnis rief ein plötzliches Übelkeitsgefühl in ihm hervor und schneller, als er hereingekommen war, verschwand er auch wieder aus dem Zimmer und zog die Tür fest hinter sich zu, damit auch ja alle Bakterien im Raum blieben.

Während seine Gedanken sich immer noch um diese unappetitlichen Essensreste drehten und er sich zunehmend fragte, wie Naruto so etwas denn nicht merken konnte, oder – falls er es doch bemerkt hatte – wie er dann freiwillig in diesem Saustall zu leben wusste … Es war Sasuke ein Rätsel und einmal mehr wünschte er sich, alleine zu wohnen.


***


„Mann, irgendwie kommt mir der Weg hier gerade viel länger vor als sonst“, quengelte Naruto wie ein kleines Kind vor sich hin, während Sasuke ziemlich desinteressiert neben ihm her lief.

„Und dabei hast du ausnahmsweise mal keinen Hunger!“ Naruto streckte Sasuke nach diesem Kommentar frech die Zunge raus. Aber ganz Unrecht hatte er nicht. Immer, wenn er hungrig war, konnte es ihm gar nicht schnell genug gehen, und Wege, die er schon tausend Mal gegangen war, erschienen ihm plötzlich viel länger. Allerdings waren sie vor nicht einmal zwanzig Minuten bei Narutos Lieblingsrestaurant gewesen, bei Ichirakus, und hatten sich die Bäuche vollgeschlagen.

Der Streit war schon lange wieder vergessen – aber das funktionierte bei den beiden immer so. Es war eigentlich egal, um was es ging, sobald sie eine Nacht darüber geschlafen hatten, war alles wieder vergeben und vergessen. Würden sie ihre vielen Streitereien anders handhaben, könnten sie vermutlich nicht zusammenleben. Außerdem waren seitdem mehrere Tage vergangen und sie hatten in der Zwischenzeit neue Banalitäten gefunden, wegen denen sie sich zoffen konnten. Doch auch die wurden nicht auf die Goldwaage gelegt. Irgendwie musste man sich ja arrangieren, oder?

„Hey, wollen wir gleich diesen Film gucken?“, begann Naruto schon wieder mit dem nächsten Thema. „Den einen da, wie heißt der gleich? Mist, gerade wusste ich es doch noch, das haben die gestern noch in der Werbung gesagt; weißt du, wie der heißt?“, wollte er von seinem Freund wissen und er drehte sich erst zu diesem um, als er keine Antwort bekam.

Sasuke wirkte auf Naruto plötzlich so, als wäre er geistig gerade ganz woanders, in einer anderen Welt oder einem Paralleluniversum oder so etwas … Sein Blick war in die Ferne gerichtet und Naruto bemerkte erst beim zweiten Mal hinsehen, dass er sich auf etwas fokussierte. Er folgte dem Blick und erkannte den Steg, den Sasukes Eltern vor Ewigkeiten hatten bauen lassen. Gerade als er schon denken wollte, dass der Teme sicher in unangenehmen Erinnerungen schwelgte, fiel ihm der rote Fleck ganz am Ende des Stegs auf. Eine Person, höchstwahrscheinlich.

„Sasuke?“

Erst als er so von Naruto angesprochen wurde, erwachte er aus seiner Starre und wendete den Blick ab. Abwartend, als hätte er keine Ahnung, woher Narutos Irritation kam, sah er ihn an.

„Was ist los?“

„Nichts, was soll sein?“

„Du hast da so hingestarrt“, stellte Naruto fest, als sei es irgendwas Besonderes. Sasuke zuckte teilnahmslos mit den Schultern, doch so schnell wollte Naruto nicht aufgeben. „Kennst du den?“

„Nein. Hab nur bemerkt, dass es nicht das erste Mal ist, dass der da sitzt.“ Damit ging er einfach an Naruto vorbei, dem erst jetzt auffiel, dass sie stehen geblieben waren.

„Hey, jetzt warte doch mal!“ Schnell holte Naruto ihn ein. „Was meinst du mit, es ist nicht das erste Mal? Wie oft hast du den denn schon gesehen? Willst du dem gar nicht sagen, dass das hier dein Privatgrundstück ist?“

Genervt verdrehte Sasuke die Augen. Konnte er nicht einmal seine Klappe halten, beziehungsweise sich aus seinen Angelegenheiten heraushalten? Es war doch keine große Sache. Dann saß da halt ab und zu jemand, interessierte doch keinen. Wieso machte Naruto aus jeder Mücke einen Elefanten?

„Nein, will ich nicht“, antwortete er monoton. Doch offensichtlich hatte Naruto bereits einen anderen Entschluss gefasst, denn mit einem Mal wurde Sasuke an der Hand nach links gezogen und zum Steg geschleift.

„Wir gehen da jetzt hin“, erklärte er noch, bevor Sasuke ihn anschnauzen konnte. Doch Naruto konnte sich jetzt schon auf eine Standpauke gefasst machen, wenn sie nach Hause kamen, aber so was von!

Als sie den Steg betraten, stellten sie fest, dass es sich bei der Person gar nicht um einen er, sondern um eine sie handelte, noch dazu um ein kleines Mädchen, bei der einem als erstes die feuerroten, langen Haare ins Auge fielen.

Sie konnte nicht älter als acht Jahre sein und das war Grund genug für Naruto, um ihr um einiges freundlicher gegenüber zu treten, als er es bei einem erwachsenen Mann getan hätte.

„Hey, was machst du denn so spät noch hier draußen? Das ist ganz schön gefährlich für ein Kind wie dich, weißt du das denn nicht?“ Naruto quatschte wie immer einfach drauf los, ohne wirklich auf seine Umgebung zu achten. Erst als Sasuke ihm mit dem Ellbogen einen Stoß in die Seite gab, unterbrach er seinen Redefluss.

„Ey, was soll das? Siehst du nicht, dass ich mich hier gerade unterhalte?“ Es war schon vollkommener Automatismus, dass er Sasuke anging, wenn dieser ihn in irgendeiner Art und Weise auch nur annähernd aufregte oder für ihn unverständlich handelte. Doch in dieser Situation wünschte er sich im nächsten Moment auch schon wieder, dass er einmal seine Klappe gehalten hätte, denn nachdem Sasuke bloß stumm auf das Mädchen gedeutet hatte, blickte Naruto ihr zum ersten Mal ins Gesicht. Und was er sah, verschlug sogar ihm die Sprache.

Das Mädchen hatte die grünsten Augen, die er jemals gesehen hatte, doch sie waren extrem gerötet, als hätte sie stundenlang geweint. Was Naruto jedoch am meisten erschreckte, war, dass ihr ganzer Körper von Ereignissen gezeichnet war, die ein Mädchen in ihrem Alter noch lange nicht erlebt haben sollte, die manche Menschen vielleicht sogar niemals erlebten…

Hätte er sie beschreiben sollen, er hätte nicht gewusst, wo er anfangen sollte … Bei ihren dunkel unterlegten Augen, die für zahllose schlaflose Nächte sprachen? Ihren zerzausten Haaren, dem getrockneten Blut, was direkt unter ihrer Nase klebte? Oder bei ihrer aufgeplatzten Lippe, den blauen Flecken, den Schürfwunden und ihrem zerrissenen Kleid?

Er wusste es nicht. Doch ihr Anblick wirkte in gewisser Weise furchteinflößend, dabei waren es die Augen des Mädchens, die nichts als Angst ausstrahlten. Als würde sie erneut Schläge erwarten…

Je länger Naruto sie anstarrte, desto stärker bildete sich eine Frage in seinem Kopf:

Wer würde einem kleinen Mädchen so etwas antun?!
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