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Les Trois Mousquetaires - Französisch für Vollprofis

von Hibiscia
Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Aramis Athos D'Artagnan Porthos
06.03.2013
24.04.2013
8
19.747
3
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06.03.2013 2.170
 
Tut mir Leid, dass ihr warten musstet, aber meine Weisheitszähne sind rausgeflogen und unter den ganzen Schmerzmitteln war es ein bisschen schwierig, etwas zu schreiben *gg*
Ich hoffe, was ich danach produziert habe, gefällt euch trotzdem.
Liebe Grüße ^.^
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Als wir ins Wohnzimmer kommen, erschlägt mich der Geruch von Essen beinahe. Offenbar hat Mama Spagetti Bolognese gemacht. Ich seufze leise; ich hab nicht mal richtig Hunger.
Auf dem Tisch stehen zwei dampfende Teller. Ich gucke verstohlen auf unser Thermometer.
29 Grad. Na super. Und ich muss jetzt ein warmes Mittagessen zu mir nehmen.
Ich zeige d’Artagnan, wo er sich hinsetzen kann und hocke mich anschließend selbst auf meinen Stammplatz. D’Artagnan sieht ein bisschen überfordert aus.
Wie, kennt er etwa kein Besteck? Automatisch suchen meine Augen nach Mama, doch die hantiert gerade in der Küche herum.
„Guten Appetit“, sage ich langsam und nehme das Besteck auf. Ich bin erleichtert, als d’Artagnan es mir nachtut und wohl doch damit klarkommt.
Nicht so mit den langen Nudeln. Er sticht verzweifelt in seiner Portion herum und schafft es nicht, eine einzige Nudel auf die Gabel zu kriegen.
Bevor Mama aus der Küche kommt, mache ich es ihm vor, aber es klappt trotzdem nicht sofort.
„Was ist das für ein Hexenwerk?“, flüstert er mir säuerlich zu. Ich muss lachen und verschlucke mich prompt. Hustend und lachend versuche ich, die Nudeln zu schlucken und wieder Luft zu kriegen. Ich röchle ein bisschen herum, aber dann habe ich mich wieder im Griff.
„Hexenwerk?“, wiederhole ich heiser und wische mir eine Lachträne aus dem Auge, „Das sind doch nur Spagetti!“
„Ganz gleich, wie du es nennst, es benimmt sich unmöglich.“
Ich könnte Platzen vor Lachen, doch ich verkneife es mir ihm zuliebe, weil ich ihn nicht auslachen will. Also beiße ich mir hart auf die Unterlippe und wickle eine weitere Gabel Nudeln auf.
Jetzt kommt auch Mama hinzu und setzt sich zu uns an den Tisch.
„Schmeckt‘s?“, fragt sie und sieht lächelnd in die Runde.
„Ja, aber ich mag an so heißen Tagen lieber was leichtes, Mama…“, sage ich und kann mir einen leichten Vorwurf nicht verkneifen.
„Tut mir Leid, aber ich wollte, dass sich dein…Freund – wie heißt er gleich – nach der langen Zugfahrt ordentlich satt essen kann."
„D’Artagnan“, sage ich ohne nachzudenken und könnte mich im selben Moment schlagen.
„Wie bitte?“, fragt Mama verwirrt. D’Artagnan sieht mich leicht schockiert an. Glücklicherweise fällt mir sofort eine Lösung für mein dummes Missgeschick ein.
„D’Artagnan“, sage ich wieder, jetzt leicht genervt, „das kann man ungefähr mit „Bist du aber vergesslich“ übersetzen. Er heißt Maurice.“
„Ach so“, sagt Mama, die mir mangels jeglicher Französischkenntnisse sofort glaubt, „wie schön melodisch alles im Französischen klingt. Fast wie ein Name, findest du nicht?“
„Wer heißt denn schon d’Artagnan…“, murmle ich und stopfe mir schnell eine große Portion Nudeln in den Mund, um nichts mehr sagen zu müssen. D’Artagnan hat, um sich nicht vollends zu blamieren, die Gabel abgelegt und den Teller mit einem dankenden Lächeln weggeschoben.
„Er hat ja gar nichts gegessen!“ Mama klingt fast ein bisschen beleidigt.
„Er hat was im Zug gegessen.“
„Das hättest du mir auch früher sagen können.“
„Na danke, ist ja nett zu wissen, dass du für mich allein nichts gekocht hättest.“
Mit geschürzten Lippen schiebe ich ebenfalls meinen Teller weg. D’Artagnan lehnt sich im Stuhl zurück und sieht dabei beinahe lässig aus. Leider verschränkt er die Arme vor der Brust und so sieht es ein bisschen arrogant aus.
„Wie lang bleibt er denn?“, fragt Mama.
„Weiß ich nicht“, sage ich wahrheitsgetreu.
„Zwei Tage? Drei?“, hakt Mama weiter nach.
Soll das ein Witz sein? D’Artagnan wird sicher länger bleiben!
„Ich weiß es nicht…!“, wiederhole ich und streiche mir eine geringelte Haarsträhne nach hinten. Meine Haare ringeln sich immer, wenn ich sie nicht föhne. D’Artagnan beobachtet mich aus den Augenwinkeln und Mama beobachtet ihn.
„Starr ihn doch nicht so an“, blaffe ich Mama an. Mama sieht mich pikiert an.
„Ich werde mir die Leute, die du mir ins Haus schleppst, ja wohl ansehen dürfen, oder nicht?“, erwidert sie kühn.
„Du siehst ihn aber an wie einen Schwerverbrecher.“
„Und er schaut dich an, als ob er dich in Gedanken gerade ausziehen würde.“
Ich schnappe nach Luft und will etwas sagen, doch mehr als ein paar Vokale und abgehackte, angefangene Wörtchen bringe ich vor Empörung nicht zu Stande.
„Du spinnst ja!“, rufe ich schließlich, „Was glaubst du denn, wer er ist? So ein Asozialer?“
„Das habe ich nie behauptet, Julia“, sagt Mama ruhig, doch ihre Augen funkeln vor Zorn, „aber ich kann eins und eins zusammenzählen. Zwischen euch läuft doch was! Wie alt ist der Kerl?“
„Sag mal, was willst du eigentlich? Ich hab dir tausendmal gesagt, dass zwischen uns nichts ist! Wieso sollte ich denn Müll erzählen und dich anlügen?“, brause ich auf und merke, dass ich plötzlich stehe.
„Du setzt dich jetzt sofort wieder hin“, sagt Mama bedrohlich, „auf diesem Niveau unterhalte ich mich nicht mit dir.“
„Boah, nee!“, mache ich – und setze mich nicht. Stattdessen nehme ich einfach d’Artagnans und meinen Teller und trage sie in die Küche. Als ich zurückkomme, sehen mich zwei Augenpaare an. D’Artagnan bekommt den Unmut mit, versteht aber kein Wort. Er sieht mich fragend und leicht schockiert an. Und was Mama betrifft…ihren Gesichtsausdruck kann ich nicht so recht beschreiben. Sie hat die Augen leicht zusammengekniffen und die Lippen aufeinandergepresst und sieht beinahe feindselig aus.
„Und?“, fragt sie jetzt.
„Was, und?“
„Wie alt ist denn dein Maurice?“
„Wie alt bist du?“, frage ich d’Artagnan knurrig. Er sieht ein bisschen erstaunt aus, aber wahrscheinlich ist es nur wegen meinem Ton.
„Zwanzig“, antwortet er schließlich.
„Was hat er gesagt?“, fragt Mama. Ich könnte an die Decke gehen.
„Er ist zwanzig“, sage ich stattdessen.
„Und da wohnt er noch zu Hause?“ Allmählich scheint Mama meine Geschichte zu überdenken.
„Ja.“
„Julia, für wie dumm möchtest du mich verkaufen? Sei mal ganz ehrlich.“
„Mir reicht’s, ich geh jetzt wieder rüber. Mir egal, was du glaubst, ich hab dir die ganze Wahrheit erzählt“, schnauze ich und will gehen, aber leider stand ich zu dicht an Mama, denn sie packt mein Handgelenk und zwingt mich so zum Bleiben.
Ich drehe mich langsam um und sehe Mama an. Sie ist stinksauer, ich sehe es sofort.
„Wer ist dieser Junge? Ich frage dich jetzt zum letzten Mal.“
„Maurice Bèrichou. Zum letzten Mal“, sage ich angriffslustig.
„Es reicht jetzt, Julia! Wer ist das?“
„Du wolltest doch zum letzten Mal fragen“, sage ich.
„Treib es nicht auf die Spitze, Fräulein.“
„DU glaubst mir doch nicht! Was soll ich denn noch machen?!“
„Hat dein MAURICE“, sie spricht den Namen abfällig aus, „zufälligerweise Papas Jeans an? Und sein Hemd?“
„Ja.“
„Schön. Wie kommt das zustande?“
„Sein Gepäck ist verloren gegangen.“
„Ich sage es dir jetzt noch einmal im Guten: Lüg mich nicht an. Deine Geschichte ist so unglaubwürdig wie sonst was.“
„Was ist daran unglaubwürdig, sein Gepäck zu verlieren?“
„Sieh mal: Urplötzlich taucht dieser Kerl in Deutschland auf. Er spricht kein Wort Deutsch und musste angeblich raus aus seinem Familienstress. Seltsamerweise hat er auch kein Gepäck und verleibt sich erst mal Papas Klamotten ein, weil er diesen abgerissenen Fummel anhat.“
„Das war kein abgerissener Fummel“, unterbreche ich Mama wütend, „und Papas Sachen hab ich ihm gegeben.“
„Ohne uns zu fragen?“
„Papa hatte das Zeug eh nie an.“
„Du kannst ihm das doch trotzdem nicht einfach so geben!“, ruft Mama, ebenfalls wütend.
„Aha, und warum nicht?“
D’Artagnan beobachtet uns bei unserem Wortgefecht. Ich bin sicher, dass er weiß, um was es geht, auch wenn er kein Deutsch spricht.  
„Abgesehen davon“, sagt Mama anklagend, „ist er zwei Jahre älter als du.“
Jetzt platzt mir wirklich der Kragen.
„Na und?“, schreie ich, „wen kümmert das? Ich bin 18, Mama, ich bin erwachsen und kann mein Leben echt selber regeln!“
„Das sehe ich!“, unterbricht mich Mama, „Und du hast dich grad selbst verraten! Zwischen euch läuft was, ich wusste es doch!“
Ich gebe einen undefinierbaren, lauten Ton von mir.
„Das ist so ätzend!“, rufe ich schrill, „Ich bin 18, ich kann machen, was ich will, und nur, weil du das noch nicht kapiert hast, heißt das nicht, dass es nicht so ist, okay?“
„Nicht in diesem Ton!“
„Du hast mir gar nichts mehr zu sagen! Lass mir doch einfach mein beschissenes Leben und ich lass dir deins!“
WITSCH. Es gibt eine schnelle Handbewegung, ein leises Klatschen und dann eine rote linke Backe meinerseits. Während d’Artagnan aufspringt, stehe ich einfach nur da und mache gar nichts. Ich spüre, wie sich eine innere Ruhe in mir ausbreitet und meine Miene fest friert. Auf einmal ist d’Artagnan hinter mir, nimmt mich an den Armen und will mich zu sich umdrehen, während er auf mich und auf Mama einredet, doch ich höre gar nicht, was er sagt.
„Es passt“, sage ich zu ihm, „lass‘ gut sein jetzt.“
Mama sieht mich einfach nur an. Ihre Augen sind ganz groß. Entsetzen steht ihr ins Gesicht geschrieben.
„Oh mein Gott, Julia, es tut mir so leid!“, ruft sie jetzt und nimmt mich ebenfalls an den Armen. D’Artagnan zieht mich ein bisschen weg, zu sich, und da schüttle ich sie beide ab.
„Schon gut“, sage ich wieder zu d’Artagnan, „lass es einfach.“
„Es tut mir so schrecklich Leid!“, sagt Mama wieder und will meine Wange begutachten, aber ich drehe mich weg und dann gehe ich plötzlich aus dem Zimmer, ohne darüber nachgedacht zu haben.
Ich schreie nicht, ich tobe nicht, ich koche nicht mal. Ich fühle einfach gar nichts.
Irgendwie habe ich mich auf mein Bett gesetzt und jetzt starre ich meinem Spiegelbild in die Augen. Meine Wange ist knallrot und schwillt ein bisschen an. Ich spüre den Schmerz gar nicht.
Jetzt kommt d’Artagnan ins Zimmer. Mit einem Satz ist er neben mir und dreht mein Gesicht so zu sich, dass er sehen kann, was Mama angerichtet hat. Ich entferne seine Hand ein bisschen unwirsch, lege mich hin, rolle mich zusammen und drehe mich zur Wand.
Lasst mich doch.
„Ist alles in Ordnung?“, fragt d’Artagnan und legt die Hand auf meinen Oberarm.
„Ja.“
„Sieh mich an.“
„Lass mich in Ruhe“, sage ich, „bitte.“
„Nein, sieh mich an. Ich will deine Wange sehen.“
„Es ist gut“, sage ich laut, „bitte lass mich einfach. Und bitte nimm deine Hand weg.“
Aber er lässt seine Hand auf meinem Arm liegen und plötzlich bin ich ihm dankbar dafür.
„Worüber habt ihr gestritten?“, fragt d’Artagnan und zeichnet das kleine Muster meiner Muttermale nach.
„Ich weiß es nicht“, sage ich, „ich glaube, es ging die ganze Zeit darum, dass ich ein eigenes Leben habe.“
„Und das ist für deine Mutter ein Problem?“
„Ja, offenbar.“
Ich seufze abgrundtief und setze mich wieder auf. Meine Wange pocht und ich drücke darauf, bis es aufhört.
„Du solltest das kühlen“, meint d’Artagnan.
„Ich will aber nicht zurück ins Wohnzimmer“, stelle ich klar und seufze nochmal.
In dem Moment beginnt es zu regnen, ein paar Tropfen regnen sogar auf mein Fensterbrett.
„Soll ich zu machen?“, frage ich und deute lahm auf das geöffnete Fenster.
„Lass nur offen, vielleicht kühlt es ja endlich etwas ab.“
Auf einmal ist es ganz schön düster in meinem Zimmer geworden.
Es kühlt nicht ab. Es wird feucht-warm und absolut unangenehm-ekelhaft in meinem Zimmer. Die Luft riecht nach nasser Erde; ich fühle mich wie in einem Dschungel.
In dem Moment klopft es an die Tür.
„Das ist deine Mutter, oder?“, sagt d’Artagnan.
„Ja, ignorier sie einfach. Ich habe jetzt keine Lust mit ihr zu sprechen.“
Als ich nicht auf das Klopfen ignoriere, macht Mama die Tür einfach ungefragt auf und betritt mein Zimmer. Als sie d’Artagnan und mich so eng beieinander sitzen sieht, runzelt sie die Stirn, verkneift sich aber jeden Kommentar.
„Ich hab dich nicht reingebeten.“ Meine Stimme klingt schneidend.
„Das weiß ich.“
„Es ist nicht sehr höflich reinzuko – “
„Julia, machen wir es kurz“, unterbricht mich Mama barsch, „dein junger Mann fliegt hier raus. Er geht dorthin zurück, wo er hergekommen ist.“
Ich werfe d’Artagnan einen raschen Blick zu – er sieht mich fragend an – und funkle dann Mama an.
„Was?“, frage ich, als ob ich begriffsstutzig wäre.
„Er geht. Jetzt.“
„Warum?“
„Weil ich es sage.“
„Du schmeißt ihn also raus, ja?“
„Ja.“
„Gut, dann gehe ich gleich mit.“
„Tu was du willst. Du hast ja dein eigenes Leben, nicht wahr?“
„Du lässt mich? Du lässt mich abhauen?“
Die Verwunderung in meiner Stimme ist nicht zu überhören.
„Bist du 18, oder bist dus nicht?“
„Ja, bin ich!“, schnaube ich, gehe zum Kleiderschrank und reiße die Türen auf, um meine größte Handtasche aus dem Fach zu zerren, „und wenn du denkst, ich trau mich nicht, hast du dich geschnitten!“
„Dann hab viel Spaß. Heute Abend mache ich übrigens Salat.“
„Wie schön. Mit mir brauchst du nicht zu rechnen.“
Mama nickt nur und geht, während ich vor meinem Schrank stehe und wütend allerhand Klamotten in meine Tasche stopfe.


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