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Les Trois Mousquetaires - Französisch für Vollprofis

von Hibiscia
Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Aramis Athos D'Artagnan Porthos
06.03.2013
24.04.2013
8
19.747
3
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Dieses Kapitel
4 Reviews
 
06.03.2013 2.820
 
Ich hafte für keine Fehler im Französischen Kapitel-Titel ^^
Ein zweites Kapitel an einem Tag gibts mal nur heute, weil ich Grippe habe (hatte) und den ganzen Tag nichts besseres zu tun hatte, als zu schreiben.
Also dann:
Allez!
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Ich muss mich von dem, was gerade passiert, erst mal erholen.
Himmel, wie d’Artagnan plötzlich küssen kann! Als hätte er sein Leben lang nichts anderes gemacht. Der Kuss eben war anders, als alle anderen, die ich je von ihm bekommen habe.
Er war voller Liebe – ja, und Freude und Erleichterung, mich lebend wieder zusehen. Das ist ganz klar.
Aber etwas Neues war auch darin gewesen. Begehren.
Jetzt sitzen wir nebeneinander auf einer Parkbank, mein Fahrrad steht vor mir und ich habe die Füße darauf abgestützt. Die Sonne scheint mir auf die Beine und ich bekomme langsam, aber sicher, einen großen, roten Fleck an den Knien und entlang den Schienbeinen.
D’Artagnan sitzt neben mir, und statt die ganzen neuen Eindrücke um sich herum aufzusaugen, betrachtet er nur mich. Er hat meine Hand genommen und hält sie fest, aber ich bin sicher, dass sich meine anfühlt wie ein toter Fisch.
„Wie ist das möglich?“, frage ich leise und stupse mein Rad mit dem Fuß an. Es wackelt ein bisschen, kippt aber nicht um.
„Ich weiß es nicht“, sagt d’Artagnan. Es ist das erste Mal, dass ich seine Stimme im normalen Tonfall höre. Sie ist ein bisschen tiefer geworden, aber nicht so, dass ich sie nicht wiedererkannt hätte.
„Wie ist es möglich, dass du noch lebst?“ Er stellt eine Gegenfrage, eine Frage, auf die ich keine Antwort weiß. Ich spüre, dass er meine Hand dabei ein wenig fester drückt und höre, dass seine Stimme ein kleinwenig zittert, als er fragt.
„Ich weiß es nicht.“ Er bekommt dieselbe Antwort, die auch ich bekommen habe. Aber ich gebe mir wenigstens Mühe, die Sache zu erklären.
„Weißt du, als ich in deinem Bett lag…“, beginne ich zaghaft, „ich wusste, dass ich sterben würde. Ich weiß nicht wann, aber es gab einen Zeitpunkt, als es mir plötzlich klar wurde. Und zu diesem Zeitpunkt habe ich das auch akzeptiert. Ich wusste, dass es keine Möglichkeiten mehr gab, mich wieder hinzukriegen.“
D’Artagnan schweigt. Er schaut nun nicht mehr mich an, sondern sieht in die Ferne. Seine Augen erscheinen mir dunkler. Er erinnert sich an den Tag, von dem ich erzähle.
Ich fahre fort.
„Alles was ich wollte, war, in Frieden zu sterben. Und das du bleibst. Bis zum Ende.“
So, wie ich es sage, klingt es so traurig, dass ich selbst schlucken muss. D’Artagnan senkt den Blick und sieht mich dann an.
„Ich bin geblieben“, sagt er.
„Ich weiß.“
„Du hast gelächelt.“
„Ich weiß.“
„Du sahst glücklich aus.“
„Ich war es. Weil ich dich hatte.“
D’Artagnan atmet langsam aus und seufzt.
„Was ist dann geschehen?“
„Ich weiß es nicht so genau. Ich…bin gestorben. Ich weiß nicht, ob ich etwas gefühlt oder geträumt habe. Ich glaube, dass da einfach nichts war. Und dann hörte ich eine Stimme. Ich war so benommen, dass ich zuerst dachte, dass das du wärst. Aber es war meine Mutter, und sie kam, um mich zu wecken. Sie hat Frühstück gemacht und alles. Und sie wusste von nichts. Als hätte es diese Zeitreise nie gegeben. Und mein Tod in deiner Zeit muss wohl die Rückreise in meine Zeit bedeutet haben. Ich war extrem verwirrt. Zuerst hab ich nur Leere gespürt, doch mit jeder Stunde, die ich in meiner vertrauten Umgebung verbrachte, wuchs auch der Schmerz. Irgendwann war es kaum noch auszuhalten. Als ob man etwas mit Gewalt aus mir herausgerissen hätte und ich vergebens versuchen würde, es wieder zu bekommen. Aber es war nur eine Illusion, dich zurückzubekommen; zurück in deine Zeit zu gelangen. Mein Leben musste weitergehen. Ohne dich. Und…es ging, irgendwann.“
Ich hoffe, dass ihn diese Worte nicht allzu sehr verletzen, doch ich befürchte das Gegenteil. Seine Augen sind so dunkel und traurig, dass ich das Letzte am liebsten zurücknehmen würde. Ich entscheide mich, ihm nicht von Charles zu erzählen, dem Jungen, der denselben Namen trägt wie er und ihm so gleicht. Ich habe Angst, dass ihm nicht passen könnte, dass ich zwischenzeitlich neu verliebt war. Und zwar sehr.
D’Artagnan sagt nichts und betrachtet unsere ineinander verschränkten Hände.
„Was hast du gemacht?“, versuche ich das Gespräch auf den richtigen Weg zu lenken.
„Was ich gemacht habe?“, fragt d’Artagnan und sieht mich verständnislos an. Ich fürchte mich vor dem, was kommt. Denn auf einmal weiß ich, dass er unsere „Trennung“ nicht so leicht und so schnell weggesteckt hat wie ich. Ich schäme mich und sehe ihn nicht an.
„Du bist vor meinen Augen gestorben, Julia.“ Auf einmal tut es weh, dass er mich bei meinem richtigen, vollen Namen nennt.
„Ich hab es doch nicht mit Absicht getan!“, versuche ich mich zu rechtfertigen.
„Kannst du dir vorstellen, wie das ist?“, fragt d’Artagnan, ohne auf mich einzugehen, „Wie es sich anfühlt, den Menschen, den du über alles liebst vor dir sterben zu sehen? Ihn zu verlieren? Und machtlos daneben zu stehen?“
„D’Artagnan…“, setze ich an. Plötzlich tut er mir so leid. Tatsächlich habe ich mir überhaupt keine Gedanken darüber gemacht, wie es für ihn gewesen sein muss.
Er lässt mich nicht zu Wort kommen.
„Du lagst da, in diesem Bett und nach einer Weile verschwanden sogar dein Lächeln und die Fieberhitze auf deiner Haut.“
Ich will es nicht hören. Sich den eigenen Körper tot vorzustellen, ertrage ich nicht.
„Was ist mit mir passiert?“, unterbreche ich d’Artagnan. Ich finde die Frage berechtigt. Haben sie meinen Körper dort in der Erde verscharrt? Ist er verpufft?
„Ich habe am Bett Wache gehalten. Aber irgendwann bin ich eingeschlafen“, gibt der Franzose zu, „und als ich aufwachte, warst du verschwunden. Das Bett war leer, nur noch der Abdruck auf der Matratze verriet, wie und wo du gelegen hast. Und dein Buch am Fußende.“
Ich muss lächeln. Es stimmt, der Französisch-Crashkurs ist damals bei d’Artagnan geblieben. Als ich meine Tasche durchforstete, hatte ich ihn vermisst, bis mir einfiel, dass er d’Artagnan als Andenken bleiben würde.
„Was ist mit dem Ding passiert?“, will ich wissen. Ich brenne auf die Antwort.
D’Artagnan greift wortlos in seine Manteltasche. Ich habe vorhin gar nicht gemerkt, dass er noch seinen Mantel über dem Hemd anhat. Irgendwie muss ich wohl darunter gegriffen haben.
Wie hält er das bei der Hitze aus? Ich sterbe hier schon beinahe den Hitzetod und sitze nur in Shorts und Shirt da!
Jetzt sehe ich, nach was d’Artagnan gegriffen hat.
Es ist nichts anderes, als der altbekannte Pseudo-Crashkurs.
Ungläubig starre ich das Ding an und nehme es ihm schließlich ab.  
„Wieso hast du den denn dabei?“, frage ich verdutzt und blättere mich durch die Seiten.
„Ich habe ihn immer dabei“, sagt d’Artagnan bloß.
Ich kann nicht anders, ich muss ihn einfach anstarren.
Aber als ich mir mein Buch genauer ansehe, muss ich ihm glauben: Der Crashkurs hat deutliche Gebrauchsspuren. Die Seiten sind leicht zerfleddert und haben vom vielen Blättern Ränder.
„Du…du hast ihn immer dabei?“, frage ich verwirrt nach.
„Er erinnert mich an dich. Dein Parfum haftet an den Seiten.“
Was? Zur Probe stecke ich meine eigene Nase in die Seiten, aber ich rieche nur Papier und Druckerschwärze. Und d’Artagnan. Nach mir riecht da bestimmt schon lange nichts mehr.
„Du bist unglaublich“, flüstere ich und küsse ihn leicht auf die Wange. Als ich mich wieder zurücklehnen will, hält er mich fest und hindert mich daran.
„Weißt du, dass du wunderschön bist?“, fragt er.
„Das stimmt doch gar nicht“, sage ich. Ich erröte trotzdem.
„Komm her zu mir“, murmelt d’Artagnan und zieht mich an sich. Ich lehne den Kopf an seiner Schulter an wie früher und er legt den Arm um mich und streichelt über meinen linken Oberarm. Ich erschaudere leicht.
„Wie bist du hier her gekommen?“, frage ich.
D’Artagnan zuckt mit den Schultern.
„Ich bin im Wald ausgeritten und vom Pferd gefallen. Als ich aufgewacht bin, war ich hier.“
„Wow“, mache ich. Was er sagt, klingt weder nach der ganzen Wahrheit, noch  überzeugend. Egal, ich werde schon noch rauskriegen, was wirklich passiert ist.
Ich genieße d’Artagnans Nähe wirklich, aber es wird mir ein wenig zu heiß.
„Und jetzt?“, frage ich und mache mich sanft von ihm los.
„Ich weiß es nicht. Das ist also deine Welt?“
„Ja“, lache ich, „das ist meine Welt. Gefällt sie dir?“
„Mir gefällt alles, solange du darin vorkommst.“
Er erinnert mich an damals, als er so in Constance verliebt war. Jetzt ist er genauso.
„Hier bleiben kannst du wohl nicht. Und du musst dich dringend umziehen!“, stelle ich klar.
„Wieso?“, fragt d’Artagnan leicht beleidigt und schürzt die Lippen.
„Alles, was hier anders ist, wird nicht akzeptiert. Und das kann manchmal sogar tödlich enden“, versuche ich schlicht zu erklären.
„Ah“, macht d’Artagnan.
„Sag mir einen französischen Vornamen.“
„Julie, Eugenie, Constance…“
„Einen männlichen, du Idiot!“, lache ich.
„Charles“, sagt er.
„Einen, den du nicht trägst!“ Ich verdrehe die Augen.
D’Artagnan sieht überfordert aus.
„Vergiss es. Du heißt ab sofort Maurice Bèrichou.“
„Wieso?“ Er sieht mich irritiert an.
„So heißt der Sohn der Gastfamilie, bei der ich während meiner Zeitreise hätte sein sollen. Und jetzt bist du nach Deutschland gekommen, um mich mal wieder zu sehen. Verstanden?“
„Ja, aber – “
„Sorry für die kleine Lügengeschichte, aber etwas anderes wird meine Mutter nicht schlucken. Ich nehm dich jetzt nämlich mit zu mir.“
„Wir gehen zu dir?“
D’Artagnan sieht extrem erfreut aus.
„Ja!“, sage ich gutgelaunt, springe auf und ergreife mein Fahrrad. D’Artagnan erhebt sich vorsichtig und um einiges erwachsener als ich.
Schweigend durchqueren wir den Park. D’Artagnan sieht sich staunend um – und auch er wird von seiner Umwelt genauestens unter die Lupe genommen.
Ich schäme mich nicht.
Ich bin glücklich.
„Wart‘ mal eben“, sage ich, zwei Straßen vor meinem Wohnblock. Wir halten an und ich krame mein Handy aus der Schultasche. Hastig wähle ich die Handynummer meiner Mutter.
Nach dem ersten Klingeln geht sie ran.
„Wo bist du? Du hast seit drei Stunden Schule aus“, sagt Mama ohne jede Begrüßung. Sie hat sich Sorgen gemacht und ich bekomme ein schlechtes Gewissen. Trotzdem bin ich beleidigt, dass sie so über mich herfällt.
„Hallöchen Mama, ich freue mich auch, deine Stimme zu hören“, sage ich provozierend, „und ich bin gleich daheim. Was die Verspätung angeht…also, erstens mal hat mein Fahrrad einen Platten und deswegen musste ich schieben. Und dann, also, das ist jetzt vielleicht ein bisschen plötzlich, aber, ich bringe Maurice mit. Er kann doch eine Weile bleiben, oder?“
So, jetzt hab ich sie genauso überfallen.
Am anderen Ende der Leitung herrscht Schweigen.
„Wer…wer ist Maurice, Julia?“, fragt Mama misstrauisch.
„Weißt du nicht mehr? Der Sohn von den Bèrichous!“ Ich tue erstaunt und empört zugleich.
„Ich weiß nicht, nein“, sagt Mama.
„Ach komm, ich hab so viel erzählt…“, flunkere ich weiter und hoffe, dass sie mir abkauft, was ich von mir gebe.
„Nein, hilf mir auf die Sprünge.“
„Na, Maurice! Maurice Bèrichou! Schüleraustausch, Gastfamilie, Sohn, etwas älter als ich…“
Kurze Pause.
„Aaach, der…?“ Es ist mehr eine Frage.
„Bingo!“, rufe ich.
„Und…der…er ist hier in Deutschland?“, fragt Mama, maßlos verwirrt.
„Ja“, sage ich und schreibe die Geschichte kurz um, „er hatte ein bisschen Stress zuhause und da haben sie gesagt, er kann eine Weile herkommen, damit sich die Lage ein bisschen entspannt. Seine Eltern haben eine riesige Ehekrise und es kam ihnen gelegen, dass er ein bisschen raus wäre…“
Es tut mir unendlich leid, so viel Mist über die armen, ahnungslosen Bèrichous zu erzählen, aber offenbar wirkt es.
„Wenn das so ist…also…ich muss Papa fragen, aber…“
„Aber wir sind seine einzige Chance!“, sage ich und tue so, als ob ich verzweifelt flehen würde, „Er kann kein Wort Deutsch! Wo soll er denn sonst hin! Mich kennt er!“
„Lernen sie da kein Deutsch mehr?“, fragt Mama misstrauisch. Mist, vielleicht hätte ich das weglassen sollen.
„Mama!“, rufe ich vorwurfsvoll.
„Schon gut, schon gut…wie alt, sagtest du, ist er?“
Scheiße. Ehrlich gesagt habe ich das vergessen. Weil ich die Frage peinlicherweise nicht beantworten kann, starte ich eine neue Taktik.
„Du musst dir keine Sorgen machen, das zwischen uns was läuft, Mama“, ich kichere gespielt, „wenn das deine Bedenken sind.“
Mama klingt wirklich ein bisschen erleichtert. Das macht mich ein bisschen wütend.
„Und selbst wenn“, entfährt es mir, „ich bin 18, ich darf machen, was ich will!“
„So nicht, Julia!“, mahnt Mama.
Gut, dann switche ich eben wieder auf Lieb-Kind um.
„Och, bitte, Mami!“
„Gut, du kannst ihn mitbringen…“, sagt Mama nach langem Zögern. Ich weiß, dass sie am liebsten etwas anderes gesagt hätte. Aber sie will mir den Gefallen tun. Ich war zu lange traurig.
Das ist mein Ass, mein Triumph.
„Oh danke, du bist echt die beste Mama der Welt!“, rufe ich überschwänglich und schmatze einen Kuss ins Handy, „Bin gleich da! Bis dann!“
Schnell auflegen, bevor sie es sich anders überlegt.
Leicht beschämt von meinem Telefonat stecke ich das Handy weg und lotse d’Artagnan zu unserem Häuserblock.
Es ist eine wirklich schöne Anlage. Die Häuser sind in einem schönen beige gestrichen und die Höfe sauber und überschaubar.
„Da wären wir“, sage ich und schließe mein Fahrrad an.
„Dein Haus ist ja riesig!“, ruft d’Artagnan, als er den Hausblock sieht.
„Blödsinn, da sind nur mehrere Wohnungen drin“, lache ich, nehme in bei der Hand  und ziehe ihn zum Hauseingang.
„Siehst du, moderne Schlüssel“, sage ich und klimpere mit dem Schlüsselbund, „heutzutage legt man bedeutend mehr Wert auf Sicherheit.“
„Hm.“
Ich sperre auf und ziehe d’Artagnan nach oben in die dritte Etage. Noch bevor ich den Haustürschlüssel ins Schloss stecken kann, geht die Tür schon von innen auf.
Mama steht im Flur und lächelt uns freundlich, aber unsicher an.
„Das ist meine Mama“, sage ich zu d’Artagnan und gehe leichthin in die Wohnung, um Mama einen Kuss auf die Backe zu drücken, „sie nervt zwar manchmal, aber sie ist schwer in Ordnung!“
D’Artagnan lächelt über diesen Kommentar.
„Was hast du zu ihm gesagt?“, fragt Mama mich.
„Ich hab dich vorgestellt. Und das solltest du jetzt mal selber machen.“
„Ich…kann kein Französisch.“
„Sag Bonjour, Mama…“, dränge ich leicht beschämt.
„Bonschur!“, wiederholt Mama und streckt d’Artagnan die Hand hin. Au weh, ob er diese Geste noch kennt?
Offenbar nicht, denn er ergreift Mamas Hand und gibt ihr einen Handkuss. Mama errötet.
„Was für ein Charmeur!“
„Hm-hm“, nicke ich und ziehe d’Artagnan in die Wohnung, damit Mama endlich die Haustür zu machen kann.
„Hattet ihr ein Kostümfest in der Schule?“, fragt mich Mama. Jetzt muss ich mir was einfallen lassen.
„Mhm, nee, nicht an der Schule, aber er war gestern noch auf einem KostümFEST, bevor er mit dem Zug hergekommen ist“, erzähle ich mühelos.
„Der Arme muss ja ganz fertig sein!“ Mama sieht d’Artagnan mitleidig an. Mir tut er nur leid, weil er keinen Plan hat, was Mama und ich reden. Er steht etwas verloren im Flur herum und guckt sich um.
„Das sieht ja vielleicht anders aus hier!“, sagt er schließlich zu mir.
„Was hat er gesagt?“, plappert Mama sofort. Es nervt.
„Es gefällt ihm hier“, übersetze ich mit kleiner Abweichung.
Mama freut sich.
„Ich zeig ihm dann mal mein Zimmer, Mama“, sage ich ausweichend und nehme d’Artagnan am Handgelenk.
Und leider sieht er diese Geste komplett falsch.
Ich weiß nicht, was er verstanden hat, aber offenbar beinhaltete seine Übersetzung meines Satzes : „Und das, Mama, ist mein Freund.“
Jedenfalls zieht er mich plötzlich lächelnd an sich und küsst mich vor Mamas Augen auf die Schläfe.
Ich stehe da wie erschlagen.
Dann sehe ich d’Artagnan schockiert an.
„Was hast du gemacht?“, formen meine Lippen.
Er sieht jetzt ebenfalls ein bisschen erschrocken aus.
„Ich dachte, du hättest gesagt, dass – “, formt sein Mund zurück.
Ich schüttle hektisch den Kopf.
„Nein!“, macht mein Mund.
Und da stehen wir.
Mama sieht mich mit gerunzelter Stirn an, dann schweift ihr Blick zu d’Artagnan.
„…du hast gesagt, dass…“, fährt sie fort. Ihre Stimme ist gefährlich ruhig.
„Ja…?“, frage ich, um Zeit zu gewinnen. Auf die Idee, mich aus d’Artagnans Umarmung zu befreien, komme ich nicht.
„Julia, du hast gesagt, dass da nichts ist…“, sagt Mama.
„Jaa“, sage ich gedehnt, „stimmt ja auch.“
„Und, was ist das dann hier?“
Ich kann sehen, wie verarscht sich Mama vorkommt.
„Lass ihn doch“, sage ich, „er ist mein Kumpel. Er hat verstanden, was ich gesagt hab und freut sich auf mein Zimmer, Mama…“
Mama presst die Lippen aufeinander, nickt lahm und verschwindet ins Wohnzimmer.
Hastig zerre ich d’Artagnan in mein Zimmer und knalle die Tür zu.
„Eine Überlebensregel, d’Artagnan – oder Maurice, oder wie auch immer: Interpretiere NIE. Hast du verstanden?“
Er nickt.
Ich atme langsam aus und zucke die Arme.
„Also schön“, sage ich, „da wären wir. Willkommen in meiner Welt.“
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